Jahresberichtartikel 2002 des Schulpsychologischen Dienstes
Um Schulpsychologen ranken sich viele Mythen – man braucht nur
mal in Schulklassen nachfragen, was ein Schulpsychologe macht und was
er kann. Eine der ersten Fragen, die mir dann relativ bald gestellt wird,
ist die, ob bzw. wie gut ich Gedanken lesen kann. Wäre ja nicht schlecht...
:-? Außerdem meinen viele Schüler, dass sie auf keinen Fall
zum Schulpsychologen gehen würden, sie wären doch nicht verrückt.
Tja, Schulpsychologen kümmern sich um Verrückte... :-, Ein Blick
in das Schulpsychologenzimmer lässt auch den ein oder anderen staunen:
Da fehlt ja die Couch! :@
Seit einem Schuljahr hat das Deutschhaus-Gymnasium nun einen eigenen
Schulpsychologen. Der Jahresberichtartikel ist ein günstiger Anlass
vorzustellen, wie die Arbeit eines Schulpsychologen aussieht. (Meine geheimen
Fähigkeiten werde ich dabei natürlich nicht preisgeben! :-D)
Schulpsychologen in Bayern
Das Besondere in Bayern ist, dass Schulpsychologen immer auch Lehrer
sind – in anderen Bundesländern ist das anders. Bayerische
Schulpsychologen unterrichten also auch (in meinem Fall Deutsch und Erdkunde)
und werden für die Schulpsychologentätigkeit - am Gymnasium
in der Regel acht Stunden - vom Unterricht befreit.
Dieser bayerische Sonderweg hat einige Vorteile: Die Schulpsychologen
sind Teil der Schule und kennen die schulischen Gegebenheiten mit ihren
Strukturen und auch Problemen aus eigener Erfahrung. Sie haben einen direkteren
Kontakt zu Schülern und Lehrern. Zugleich hat diese Doppelrolle als
Schulpsychologe und Lehrer aber auch Nachteile. So fällt es Schülern
und Eltern u.U. nicht so leicht einen Schulpsychologen aufzusuchen, wenn
er Teil der Schule, mit der es Probleme gibt, ist. Eine neutrale außen
stehende Person wäre manchem da vielleicht lieber... Aber es gibt
ja auch andere Beratungsstellen, an die man sich wenden kann. Darauf hingewiesen
sei jedoch, dass Schulpsychologen der Schweigepflicht unterliegen, also
ohne Einverständnis der Eltern oder des volljährigen Schülers
keine Informationen an Lehrer und Schulleitung oder andere Personen weitergeben
dürfen.
Schulpsychologe wird man in Bayern übrigens durch ein eigenes Hauptfachstudium
(derzeit möglich in Bamberg, Eichstätt und München), das
dem Diplom-Psychologie-Studium sehr ähnlich ist. Jedoch werden beim
Studium der Schulpsychologie andere Schwerpunkte gesetzt. Betont werden
besonders die Bereiche von Kindern und Jugendlichen, von Schule sowie
von pädagogisch-psychologischer Diagnostik.
Die Aufgabenbereiche
Kurz zusammengefasst haben Schulpsychologen vor allem folgende Aufgabenbereiche:
Sie sollen Eltern, Schüler und Lehrer bei schulischen Schwierigkeiten
und Problemen beraten, im schulischen Rahmen aber auch vorbeugend (also
präventiv) tätig werden. Weiterhin ist es Aufgabe von Schulpsychologen
ihr pädagogisch-psychologisches Wissen in der Schule einzubringen
und an Eltern, Schüler und Kollegen weiterzugeben. Schließlich
stellen Schulpsychologen schulische Bestätigungen für lese-rechtschreibschwache
Schüler und Legastheniker aus.
Die Einzelfallberatung
Dieser Bereich nimmt einen Großteil der Arbeitszeit von Schulpsychologen
in Anspruch. Eltern und Schüler können sich an den Schulpsychologen
wenden, wenn sie bei schulischen Problemen Rat benötigen. Bereiche,
wegen denen Schüler und Eltern sich besonders häufig an Schulpsychologen
wenden, sind u.a. Schul- und Prüfungsangst, Lese-Rechtschreibschwäche
und Legasthenie, fehlende Schulmotivation, stark absinkende Schulleistungen,
Konzentrationsprobleme, fehlende Lern- und Arbeitstechniken sowie Fragen
der Schuleignung.
Was kann man sich unter Beratung vorstellen? In der Regel wird ein einstündiger
Termin ausgemacht, bei dem es darum geht, das Problem erst einmal genauer
zu analysieren und dann nach ersten Veränderungsschritten zu suchen.
Oft werden dann weitere Termine vereinbart, bei denen weitere Veränderungen
erarbeitet werden. Es ist - vor allem bei jüngeren Schülern
- immer sinnvoll, wenn zu einem solchen Termin auch ein Elternteil oder
beide Eltern mitkommen. Dadurch wird zum einen die Problemanalyse, zum
anderen die Umsetzung von Veränderungsvorschlägen erleichtert,
da die Eltern aktiv mit eingebunden werden können. Schüler können
aber auch von sich aus die Beratung suchen, sofern die Eltern bei Minderjährigen
ihre Einwilligung geben.
Dass Schulpsychologen nicht für alle Probleme eine sofortige Lösung
haben, wird niemanden überraschen. Probleme und Schwierigkeiten,
die oft über Jahre hin entstanden sind, können nicht auf die
Schnelle gelöst werden. Aber oft ist ja auch schon eine erste kleine
positive Veränderung ein Fortschritt, wenn seit längerer Zeit
nur Verschlimmerungen zu verzeichnen waren. Aus zeitlichen Gründen
ist es so, dass der Schulpsychologe oft auch nur Zwischenstation ist und
den Ratsuchenden empfiehlt, andere Fachleute aufzusuchen: Ergotherapeuten,
spezielle Legasthenietherapeuten, Beratungsstellen, Psychologen, Nachhilfelehrer,
Einrichtungen zur Nachmittagsbetreuung etc.
Darauf hingewiesen sei, dass wegen der vielen Anfragen inzwischen für
einen Beratungstermin leider meist mehr oder weniger lange Wartezeiten
unvermeidbar sind.
Der präventive Bereich
Eigentlich sollte Problemen schon vor ihrem Entstehen vorgebeugt werden.
Dies ist auch für Schulpsychologen ein sinnvoller Ansatz. Jedoch
zeigt sich in der Realität leider, dass für diesen Tätigkeitsbereich
in der Regel angesichts der zu geringen Unterrichtsentlastung die zeitlichen
Ressourcen fehlen. Wenn man als Schulpsychologe wie ich derzeit für
über 3000 Schüler zuständig ist (neben dem DHG für
das Mozart-Schönborn-Gymnasium und das Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach),
ist klar, dass auf diesem Gebiet wenig möglich ist. Ideen und Konzepte
gäbe es für diesen Bereich genug: Aufmerksamkeits- und Konzentrationstrainings,
Entspannungskurse, Trainings zur sozialen Kompetenz, Lern- und Arbeitstrainings
etc. Jedoch sind Schulpsychologen aufgrund der zeitlichen Belastung nur
selten dazu in der Lage, solche Kurse anzubieten. Glücklicherweise
werden solche Trainingskurse (z.B. zu Lern- und Arbeitstechniken) an vielen
Schulen inzwischen häufig von darauf spezialisierten Lehrern angeboten.
Der Schulpsychologe als pädagogisch-psychologische Fachkraft
Da Schulpsychologen die Fächer Pädagogik und Psychologie vertieft
studiert haben, sollen sie ihr Wissen auch an Lehrerkollegen und Eltern
weitergeben. So kommt es häufig vor, dass Schulpsychologen Vorträge
oder Elternabende zu bestimmten pädagogisch-psychologischen Themen
halten. Außerdem sind Schulpsychologen vielfach in der Fortbildung
von Lehrern tätig. Aber das soll hier nicht weiter vertieft werden.
Ausblick
Mythen hin oder her – auch Schulpsychologen kochen nur mit Wasser,
das aber oft gut und mit viel Engagement. Sollten Sie weitere Informationen
zu meiner schulpsychologischen Arbeit bekommen wollen, so können
Sie sich darüber auch im Internet unter der Adresse
http://www.schulpsychologie-dhg.de
informieren. Die kleine Auflistung am Ende dieses Artikel gibt Ihnen vielleicht
eine zusätzliche Orientierung darüber, was Schulpsychologen
neben der Einzelfallberatung konkret machen.
Ulf Cronenberg
staatlicher Schulpsychologe
Auswahl von besonderen Veranstaltungen und Aktivitäten des Schulpsychologischen
Dienstes im vergangenen Jahr
- 21. November 2001: Moderation und Gestaltung der pädagogischen
Konferenz am Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen, bei der die Lehrer ein
Leitbild für ihre Schule entwickelt haben (zusammen mit der Kollegin
Ulrike von der Brelie)
- November 2001: zweimalige Durchführung einer Dienstbesprechung
zum Thema „Mobbing“ vor Beratungslehrern aus Unterfranken
(mit weiteren Kollegen)
- 8. und 9. April 2002: Ganztageskurse zum sozialen Lernen mit den Klassen
5a und 5b (zusammen mit Bernhard Meißner und Gabriele Weigand)
- 10. und 17. April 2002: Gestaltung zweier thematischer Elternabend
mit den Eltern der Klasse 5b
- 15. Mai 2002: Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Gewalt
in Computerspielen“ im Jugendcafé Domain
- fortlaufend: Ausbau und Überarbeitung der Homepage des Schulpsychologischen
Dienstes
Verwendete Emoticons am Anfang des Textes - für Nicht-Eingeweihte:
:-? wichtige Frage
:-, hmmm...
:@ hmmm, stimmt das?
:-D lacht
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