arte.tv: Volkskrankheit Depression - Ich wollte nicht mehr aufstehen - Neue Forschung gegen Depression
2008 Filed in: TV
Ich wollte nicht mehr aufstehen
Die Dokumentation berichtet über Ursachen und Auswirkungen, über bewährte und neueste Behandlungsmethoden der Volkskrankheit Depression. Sie räumt auf mit Vorurteilen und Missverständnissen, die diese Krankheit betreffen und zeigt, dass nicht nur medizinisches Personal vor großen Anforderungen steht, sondern dass unsere Gesellschaft in der Pflicht steht, da sie großen Anteil an der Entstehung der depressiven Symptome hat.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Depression die schwerste Krankheit überhaupt, wenn man den Leidensdruck der Patienten mit ein rechnet, und sie ist die Nummer zwei nach dem Herzinfarkt, wenn es um die Verringerung der Lebenserwartung geht. Von den etwa 11.000 Suiziden pro Jahr allein in Deutschland werden etwa 70 Prozent von Depressiven verübt. 7.500 Tote, das sind mehr als alle Verkehrstoten, Verbrechensopfer, Aids- und Drogentoten zusammengenommen. Und nur etwa zehn Prozent der Depressiven erhalten die bestmögliche Behandlung. Schockierende Zahlen, die belegen, welche Bedeutung eine umfassende Aufklärung über das Tabuthema heute hat.
Depression ist keine Krankheit, die Sensible und Schwache trifft. Depression kann jeden treffen, und sie ist die schwerste Krankheit überhaupt, weil sie jedes Gefühl zerstört und den Lebensmut nimmt. Aber es gibt trotzdem keinen realistischen Grund, angesichts der Krankheit zu verzweifeln. Depression ist heute gut behandelbar.
So berichtet der erfolgreiche Schweizer Regisseur Rolf Lyssy, der mit seinen Komödien wie "Die Schweizermacher" und "Kassettenliebe" viele Menschen zum Lachen brachte, über seine Erfahrungen als schwer Depressiver, der geheilt werden konnte.
Die Dokumentation zeigt zwar, dass viele Einzelheiten der Depression unerforscht oder umstritten sind, aber sie beweist auch, dass es mittlerweile einen Kanon gesicherter Erkenntnisse gibt. Mit wenigen gezielten Maßnahmen kann die Todesrate unter Depressiven um 30 Prozent gesenkt werden, wie der Leiter des europäischen Bündnisses gegen Depressionen, Professor Ulrich Hegerl in Nürnberg im Praxistest vorführte. Trotzdem wirft die Depression Fragen auf, die die Fundamente der Industriegesellschaft betreffen. Die "Krankheit des Jahrhunderts", wie die französische Psychologin und Soziologin Prof. Nicole Aubert Depression nennt, stellt unsere Gesellschaft vor eine immense Aufgabe.
ZUSATZINFORMATION
Wissenschaftler, Ärzte und Betroffene aus Deutschland, Frankreich und den USA stellen Forschungsergebnisse vor und berichten von Erfahrungen aus der Behandlungspraxis. Das Spektrum reicht von Professor Thomas Schläpfer, der mit der,,tiefen Hirnstimulation" durch implantierte Elektroden eine erfolgversprechende Therapie für bisher unbehandelbare depressive Menschen erprobt, bis zum Psychiater und Genforscher Professor Douglas Levinson (Stanford Universität, USA) der über die Genetik die bisher unbekannten Aspekte der Depression bearbeiten will.