Do - Juni 3, 2004

Alles schon vorbei...


Und faul gewesen, was das Schreiben angeht. Sitze also nun in Bayreuth und muss alles aus dem Gedächtnis schreiben. Roadtripping vom Feinsten!! Und schneller als wir gedacht hatten. Trotzdem haben wir eine Menge gesehen und erlebt..

Am Morgen des Mittwoch (26.05.2004) haben wir die Reste eingepackt und Achmed und los ging die Reise. Nochmal winke winke und dann nach Debdou runter. Das war schon ein sehr komisches Gefühl, Ayn El Kbira nach 2 Monaten wieder zu verlassen. Das Wetter war schwül und durchwachsen und wir machten noch eine Runde durch den Ort. Zunächst stoppten wir bei Aziz und fanden ihn nicht mehr schlafend aber noch müde. Er hatte gleich noch was für Achmed zum Unterzeichnen und die von mir erwartete Post (mp3-CD von Paule) war nun doch nicht mehr angekommen. Sein Zimmer war doch sehr karg eingerichtet und im Fernseher lief VIVA. Schon mal eine Einstimmung auf die Heimat. Nachdem wir Aziz Auf Wiedersehen gesagt haben, wollten wir Hassan Tschüß sagen. Im Gericht war er noch nicht, so dass wir erst mal Richtung Markt gingen, um eine von Achmed für mich bestellte Wolldecke noch zu erstehen. Auf dem Weg trafen wir in einem Gewirr von eintrudelnden Händlern und Einkaufswilligen Hassan der sich kurz und schmerzlos von uns verabschiedete. Beim Deckenmann fand sich eine einigermaßen schicke Decke bloß Handeln konnte man mit ihm schlecht und Achmed ist auch nicht gerade eine Unterstützung dabei (und das als Marokkaner!). Das Argument des Extra Angefertigtseins überzeugte mich dann.

Jetzt konnte es endlich los gehen... Denkste! Erstmal traf Achmed noch knapp geschätzt 1000 Leute und dann wir auch noch den Dicken vom Eaux et Forets der auch noch die Hand geschüttelt bekam. Und bei Mohammed unserem freundlichen Zigaretten- und Süßigkeiten-Provider mussten wir natürlich auch noch mal ran. Der hatte für jeden von uns einen lieben Brief und ein kleines Geschenk vorbereitet. Das war richtig bewegend. Kurz hinter Debdou haben wir nochmal den Marabou und die in Wolken liegende Gaada fotografiert. Beweismaterialien! In Taourirt wollte Achmed noch "schnell" zur Bank und Roman nutzte die Zeit noch ca. 5 kg in der Patisserie einzukaufen. Ich fuhr und langweilte mich im Auto bis die beiden kamen. Dann konnte es tatsächlich und wirklich los gehen. Wir hielten noch einmal auf dem Weg nach Immouzzer um eine Tajine zu kaufen (Kai hatte mich gebeten eine mitzubringen) und bei der Gelegenheit habe ich noch eine sehr schöne Leuchte aus irdenem Material dazu gekauft und schön gehandelt (Achmed hätte schon wieder eher aufgegeben) und ein weiteres Mal um zu tanken. Bei letzterer Aktion waren wir schon nah am Mittleren Atlas in der Nähe von Fes und sahen schon die dicken Wolken am Atlas hängen. Beim Hochfahren nieselte es zunächst, später regnete es stärker und als wir ankamen konnte man es als dicken Schauer oder auch als eingeregnete Schweinerei betrachten.

In Immouzzer wurden wir freundlich begrüßt (ich als wieder Erkannter, Achmed als Familienmitglied und Roman als Neuzugang) und bewirtet. In den darauf folgenden Überlegungen stellten wir bald fest, dass wir gleich abreisen würden (wir waren uns eines Gefühls des Störens bewußt geworden und langsam war es ja auch Zeit Achmed und seiner Familie den Rücken zu kehren). Achmed fragte mich sichtlich betreten nach noch ein bisschen Geld und begründete dies damit, mit mehr gerechnet zu haben. So ist es halt, wenn man einmal was gegeben hat, wird das halt erwartet... Aber ich hab ihm dann noch 200 Dh für ein Geschenk für seine Frau gegeben und wir haben nach kurzem Gemache und Abgespreche mit Abdellah unsere Reise angetreten. Wir wollten eigentlich über Azrou (einkaufen) nach Meknes. Da wir aber in Ifrane irgendwie den falschen Weg erwischt hatten, sind wir dann doch direkt nach Meknes gefahren. Da würde ja wahrscheinlich genügend Einkauf auf uns warten (was sich schon am nächsten Tag heftig bestätigt hat). Wir kamen gut hin und trafen am Abend in einer äußerst lebendigen und angenehmen Stadt ein die uns wohlig umfing ohne uns allzu touristenheischend anzunerven. Es war nochmal eine schöne Aktion Achmeds Schwester tatsächlich ausfindig zu machen, was grundlegend in der Falschangabe Abdellahs gründete, dass sie im Viertel jacoub el mansour wohne. Sie wohnt nämlich im Cartier el mansour (ohne jacoub) und die beiden liegen in der hauptsächlich west-ost erstreckten Stadt eben auf dieser Achse diametral entgegen gesetzt. Aber mit Hilfe vieler netter (und auffallend vieler!) Polizistinnen und ihrer Kollegen und ein wenig hin und her telefoniere langten wir schließlich bei Achmeds Schwester an und wurden von ihrem jüngsten, einem für arabische Verhältnisse außerordentlich großen jungen Mann, begrüßt und zur Wohnung geleitet. Schon erstaunlich wie unterschiedlich die Lebensverhältnisse in ein und derselben Familie beschaffen sein können... Die Wohnung war nämlich im Verhältnis zu Achmeds Forsthaus und zur Maison der Familie in Immouzzer um einiges besser bestellt und eingerichtet auch wenn auch hier nicht auf Plastikblumen und ähnlichen Tand verzichtet wurde...

Nach leckerem Imbiss wollten wir noch mal einen Abend und Nachtbummel starten. Dies war uns empfohlen worden und wir hatten ja auch schon auf der Suche gesehen, dass einiges in der Stadt los war, da gerade das 1. Internationale Pferdefestival von Meknes stattfand. Und Achmeds Schwager hatte recht behalten. Wir fuhren entspannt mit dem Taxi in die Stadt und mein immer noch grummelnder Magen machte die einzigen Probleme. Aber wie alle solchen war auch dieses zu lösen und wir konnten weiter bummeln. Wir bekamen gerade noch das Ende des Festivaltages mit und schlugen beim Artisanal gleich wieder heftig zu. Ein Berber-Umhängetäschchen jeweils und für Roman noch ein Hemd aus ähnlichem Material (das heftig teuer war) und da die ganzen Sachen Produkte einer Kooperative waren, gab es auch wenig zu handeln...



Danach haben wir noch eine Runde durch die Altstadt gedreht und wurden dabei auch nur sehr kurz von einem sich als Führer anbietenden genervt, aber auch das war bald überstanden. Wir fühlten uns sonst sehr wohl in dieser Stadt die uns sehr freundlich und wenig nervig empfing. Dann war es auch schon wieder sehr spät. Auf dem Weg aus der Medina auf den Marktplatz kamen wir leider an noch einem Artisanal-Laden vorbei und kauften nach intensivem Handel und viel Hin und Her jeder eine Derbouga (Trommel) und mehrere kleinere Sachen. Mit dem Taxi nach Hause und beim Sohnematz geklingelt wie abgesprochen und eigentlich war das sofortige Zu Bett gehen geplant. Wurde aber nix draus, da dort wahrscheinlich von Mutti vorbereitet noch fett Essen auf uns wartete. Hähnchentajine und Salat und Obst zur Nachspeise. Genau das Richtige für meinen mitgenommenen Magen jetzt noch so kurz vorm ins Bett gehen zu essen. Aber lecker war es auf jeden Fall und neben her lief noch irgend ein Film. Dann endlich schlafen nach Ereignis reichem Tag.

Der Morgen begann wie der vorige Tag aufgehört hatte: Mit lecker Essen. Ich hielt mich beim Kaffee zurück, um meinem Magen ein wenig Ruhe zu gönnen. Das war glaub ich auch eine gute Idee. Nach dem Frühstück erkundigten wir uns noch ein wenig nach unbedingt anzuschauenden Sehenswürdigkeiten und machten uns dann auf den Weg in die Stadt. Etwas zu früh, da die meisten Geschäfte und auch die Museen noch geschlossen hatten. Die Zeit überbrückten wir mit einem Besuch in einem sehr neuen und sehr schnellen Internet-Café in dem eine herrliche Jazz-Musik lief. Als ich eher fertig war und die Musik lobte, kam ich mit der Besitzerin in ein nettes Gespräch über Meknes, den Biologenberuf ihres Mannes und so weiter. Wieder einmal eine angenehme Seite von Meknes.

Dann war es endlich nach 10 Uhr und unsere Stadteroberung konnte los gehen. Zunächst suchten wir uns einen Weg zum Mausoleum des Moulay Ismail, dass gerade erst vor ein paar Jahren den Touristen zugänglich gemacht wurde. Beeindruckt und von einer Menge französischer Touristen umgeben bestaunten wir die Anlage. Danach dann zum Gefängnis: Unterirdisch und riesig groß. Viele Fotos! Vor dem Gefängnis lauerte ein Kutschfahrer und irgendwie schaffte er es, uns zu überreden und wir machten eine über einstündige Tour mit der Kutsche an allen Sehenswürdigkeiten entlang. Alte Stadttore, die alten Pferdeställe (unheimlich groß und beeindruckend) des Herrschers, der alte Palast, der Neue und andere Dinge wurden uns gezeigt oder wir konnten bei Möglichkeit und Bedarf hinein und dann weiter fahren. Dafür waren dann 120 Dh fällig und ich glaube das war nicht zu viel. Ein echtes Erlebnis, dass ich aber auch gerne mit meinem Schatz gehabt hätte.



Nach der Kutschfahrt war die Medina ein weiteres Mal unser Ziel. Da wir schon am Vortag heftig zugeschlagen hatten und ich auch für Roman dabei einiges ausgelegt hatte, stand die Frage wieviel Geld holen? Roman holte dann 1000 DH und schon bald erwies sich dies als zu wenig, da wir schon bald nach unserem kurzen Aufenthalt im Kaffee gleich beim ersten Laden wieder heftig zuschlugen: 3 Ringe und ein Pfeifchen plus dem intensiven Handel und viel Freude dabei. Und noch ein Laden profitierte von unserer ungezügelten Einkaufslust: Ich kaufte mir zu der Derbouga noch eine Djembe.

Jetzt war es aber langsam genug. Wir hatten ja schon nach der Kutschfahrt im Souk auch eine Menge Patisserie-Produkte, Datteln und (ich zumindest) noch Untersetzer aus Halfa gekauft. Jetzt war es endlich genug. Wir fuhren mit dem Taxi wieder zu Achmeds Schwester und unserem Auto. Die Verabschiedung kriegten wir schnell und unbürokratisch hin, da gerade ein paar Freundinnen zum Klatsch kamen und wir nur eben schnell unseren Dankeschön-Patisserie-Kram übergaben und uns dann auf den Weg machten. Das Bezahlen des Guards für das Auto war noch ein kleines Problem weil ich zuerst den falschen bezahlt hatte und der dann nicht gleich damit raus rückte als der andere seinen Anspruch geltend machte. Aber irgendwann war auch das geklärt und auf ging es zu neuen Ufern. Wir fuhren nochmal durch die schöne Stadt und dann Richtung Moulay Idriss, das ja quasi in Sichtweise von Meknes liegt und dass den Ausgangspunkt der Islamisierung Marokkos bildete. Von hier verkündete Moulay Idriss den Islam. Der Berber-Name lautet Zerhoun und die Stadt war bis vor kurzem für nicht Gläubige nicht oder nur schlecht zugänglich.

Angekommen vermittelte uns der Aufpasser am Parkplatz einen Führer. Einen jungen Mann der ein wenig krank und ausgepowert um die Augen aussah, der aber sehr nett war und uns herumführte und viele Informationen hatte und dabei aber sehr unaufdringlich und angenehm war. Bei der ersten Aussichtsterasse, die wir über steile, enge Gassen und Treppen erreichten, saßen ein paar Jugendliche und machten sich den Tag (bzw. den Abend) zum Freund und freuten sich, uns zu sehen. Wir wollten aber auf die im Reiseführer beschriebene Café-Terrasse, die Roman noch vom letzten Jahr erinnerte und da kamen wir dann auch bald hin. Dort bestellten wir ihm und uns einen Kaffee und warteten auf den Sonnenuntergang. Neben uns fand sich noch ein weiteres Trüppchen ein: Ein französischer Opernsänger, der auch Leipzig sofort kannte und auch schon im Festspielhaus zu Bayreuth gewesen war und der mit seinem arabischen Freund schon eine weite Reise (einschließlich Tunesien und Türkei) hinter sich hatte. Angenehm auch mal solche Leute zu treffen. Und da der junge Mann Zahnweh hatte, gab es auch Gemeinsamkeiten, da Roman das selbe Problem plagte...



Der Sonnenuntergang war sehr schön und beeindruckend. Danach begaben wir uns auf den Weg zu einem Quartier und auf die Suche nach etwas zu essen. Da der Parkplatzwachtmann schon vom Nachtwachmann abgelöst worden war, vermittelte uns unser junger Mann eine Frau bei der wir übernachten konnten. Durch endlose Gässchen und über Treppen und durch Torbögen hindurch gelangten wir dorthin. Alles war sehr einfach und die Hütte roch sehr stark nach Zedernholz. Aber für 70Dh (7 €) für uns beide war uns das recht. Wir sind dann nochmal zum Auto und waren in der Nähe des zentralen Platzes essen. Das war wiederum eher teuer und auch nicht so gut. Und unser Führer wollte auch kaum was essen und ich konnte das Korianderhuhn auch nicht so recht verknusen. Sattt und fertig ging es zur Maison, wo ich ihn mit 100Dh entlohnte (über die er sich glaube ich auch recht freute) und dann war für mich auch bald Schlafenszeit. Roman musste natürlich wieder rumchinchen und noch draußen rumhängen. Irgendwo lief ein lauter Fernseher und nach wenigen Minuten hatte ich eine dermaßene Kuhle gelegen, dass ich mich nicht mehr eben umdrehen konnte und demzufolge recht unbequem schlief.

So wachte ich morgens denn auch auf: Mit zerlegenem Rücken und leicht bereit schnell den Weg aufzunehmen. Roman brauchte aber wie immer ein wenig Zeit. ich drängelte, wir bezahlten (wieder 100Dh, da sie nicht wechseln konnte) und gingen zum Auto. Am Platz dort kauften wir jeder ein Stück Fettgebäck und setzten uns in das nächstbeste Kaffee. Roman wollte mal wider in die Sonne und so nahmen wir ein olleres (weil in der Sonne gelegen). Und weiter ging es. Nur wenig Kilometer: Zur Römischen Stätte Volubilis. Roman war dort im Vorjahr schon rumgestiefelt, weshalb ich alleine ging. Roman musste eh noch schlafen. Ich traf zunächst keinen und wunderte mich mit meiner Ruinenerfahrung aus Griechenland hauptsächlich über die vielen schönen Arten und freute mich über Astragalus tetraphyllum in echt und auch über weitere schöne Sachen. Erst als ich eine ganze Weile spaziert war, traf ich auf eine Gruppe Touristen. Italiener! Als wenn die nicht zu Hause genügend solcher Ruinen hätten. Aber wahrscheinlich wollten sie sich von der Großartigkeit ihrer Ahnen überzeugen. Deren Ruinen ja auch lange Zeit dort schon die Arabische Umwelt überstanden habe (was ich in dieser Vollständigkeit doch beachtlich finde). Mein Magen schlug wieder zu und ich ging schnell wieder zurück. Ich hatte eh das Meiste gesehen und wir wollten ja auch noch einen Weg zurück legen. Auf dem Rückweg sah ich, wie richtig meine Entscheidung gewesen war: Mehrere Busladungen strebten mir entgegen. Ich war dann noch so vernünftig mir ein Magnum-Eis zu kaufen. Mein Magen belohnte es mit Kneifen.

Nun ging es aber endgültig zum Endspurt. Ich klemmte mich ans Steuer und wir nahmen Kurs auf Tanger. Wir hielten erst wieder in Tanger am Fährhafen. Dort stürzten sich gleich wieder unerwünschte Helferlein auf uns, was uns beide total annervte. Zum Glück haben wir beschlossen, einfach weiter Richtung Hafen zu fahren. Nach wenigen Metern wurden wir gestoppt und wie ich es mir gedacht hatte darauf hingewiesen, dass Zugang zum Fährhafen nur mit Ticket möglich ist. Aber gleich neben dem Hafeneingang war ein Reisebüro, auf dass wir nun ohne Ärgermenschen verwiesen wurden und wo wir ganz in Ruhe unser Ticket kauften. Danach stellten wir innerhlab des Hafengeländes und unterm Fenster dieses Reisebüros das Auto ab und starteten ein letztes Mal eine Erkundungstour in marokkanischen Landen. Wir landeten gleich in der schönen Altstadt von Tanger. Hier gab es auf jeden Fall mehr Touristen und auch mehr Nervis als in Meknes. Aber wir hatten ja eh nur einen Kaffee im Sinn... An einem zentralen Platz fanden wir ein schönes Kaffee oben auf dem Dach mit Terasse. Ich nahm zusätzlich zum Kaffee noch eine kleine Harscha. Roman mampfte ja eh schon die ganze Zeit Datteln und hatte sich ansonsten aufs Sparen verlegt. Nach dem Kaffee und ein bisschen Rumgebummel machten wir uns auf den Weg zum Auto. Wir wollten 16:30 mit der Fähre fahren. Unten sah ich an einer Straßenecke Babuschen und dachte, da könnte ich mir ja doch vielleicht noch welche kaufen. Der junge Mann hatte keine mitteleuropäischen Übergrößen und verwies uns an einen benachbart stehenden nicht mehr ganz so jungen Mann. Der erwies sich entgegen unserer Annahme nicht als der Verkäufer oder Besitzer in einem benachbarten Laden, sondern als Fault Guide und führte uns weiter und weiter in die Medina und als wir bei einem entsprechenden Händler anlangten, versuchte der mich knallhart zu verarschen. Aber der andere klärte ihn auf, dass wir keine Touristen seien (ich hatte zwischendurch mit ihm erzählt) und ich handelte dann knallhart und bekam einen guten Preis. Der Ladentyp war darüber wenig glücklich aber immer noch besser als nichts...

Jetzt aber endlich zum Hafen! Wir fragten einen jungen Mann nach dem Weg. Gerade hatte ich dem vorher uns geführt habenden die restlichen Krümeldirham gegeben die ich nach dem Babuschenkauf noch auf Tasche hatte. Der begleitete uns gleich und war dann recht enttäuscht, dass wir im nichts außer Datteln gaben. Dabei hatte ich ihn von Anfang an darauf hingewiesen, dass wir nichts mehr hätten. Er zeigte uns auf jeden Fall noch einen schönen Ausblick auf den Hafen. Dort gab es auch eine alte und große Kanone an der wir noch ein paar Fotos schossen. Jetzt aber los....

Am Hafen hatten wir auch nur geringe Probleme mit dem Zoll. Das heißt wir mussten nur ein bisschen was auspacken und dann brachten wir endlich unter, dass wir Wissenschaftler seien und so weiter und wir durften weiter. Also schnell alles wieder eingepackt und in die Warteschlange. Die sich tatsächlich den Namen verdient hat, weil die Herren vom Boot es einfach nicht gebacken bekamen, die Fähre mit Aufliegern zu bestücken. Es dauerte eine ziemliche Weile, aber irgendwann war auch das geschafft. Ein Journalistenpäärchen nutzte die Zeit und drehte wie bescheuert an einer Reportage übers Fähre fahren oder wie auch immer (ich habe nicht gefragt) und einige 100 fliegende Händler die das Warten der Wartenden nutzen wollten, mussten abgewiesen werden. Endlich, 2 Stunden später, legte die Fähre ab. Auf nach Europa. Ich war recht wehmütig, da die Wiederkehr nach Marokko unklar war und ist und ich ja nun doch einiges an Zeit und Herz dagelassen habe...

Einige Meeressäuger unterschiedlichster Größe begleiteten uns und die Sonne schickte sich an in der Straße von Gibraltar im Meer zu versinken. Wir hätten es geschafft, wenn die Einladenden etwas schneller gewesen waren, so versank sie hinter der Landzunge von Tarifa rotglühend vom Horizont. Sehr schön, sehr kitschig und einige Fotos wert. Mein Gott, die Digitalfotografie! Da schießt man Fotos wie nichts gutes. Ich erhoffe mir eine Menge Löschmut.



Die Ankunft in Spanien gestaltete sich äußerst unproblematisch und wir starteten nach der Passage der Grenzkontrollen durch Richtung Gibraltar. Dort wurden wir freundlich eingelassen und darauf hingewiesen, dass das Rauchen von Marijuana nicht gestattet sei. Ansonsten erlebten wir einen heißen Kulturschock, nach arabischer Keuschheit und Verhüllung, nun die halbnackte Nabelschau einer Party hungrigen Jungmenschengeneration, wo auch das Bauchschwabbelfett nicht vom Tragen bauchfreier Tops abhält und die halbwegs angetrunkenen Mädchen (die allesamt angetan sind, wie besonders leichte) einem hinterher pfeiffen. Polizisten werden von Betrunkenen voll gelabert und die ganze Straße ist im Partytaumel. Englische Geschmacklosigkeit plus südspanischem Temperament, das kann ja nicht gut gehen. Das anvisierte Cannon-Hotel erweist sich als teuer und noch dazu halbwegs ausgebucht. Roman will dann draußen schlafen. Ich finde das doof. Wir fahren zum Europa-Punkt an dem Roman vor Jahren nächtigte. Auch der ist schlecht geeignet, da der Parkplatz als Wendehammer für die Inselrunde, die jedes erste Gibraltesische Auto heute Abend dreht, genutzt wird. Vorher gehen wir passend essen. Im Trafalgar Inn gibt es einen Quarterpounder mit Ei oben drauf und Pommes anbei und ich nehme zünftig eine Pinte. Wir sind in Europa und von jetzt ab fährt eh Roman, nachdem ich in Marokko nochmal richtig Gas gegeben habe um die folgenden 4 Monate ohne Führerschein zu überstehen...

Nach noch ein paar Runden und ein wenig Disput landen wir im Continental-Hotel, dass zwar noch teurer ist, aber dafür ein entsprechendes Zimmer bereit hält und beim gleich bezahlen, ein unproblematisches Einchecken zulässt. Klassisch, mit Jagdszenen aus englischem Holz aller erster Güte geschnitzt, verbringen wir die Nacht. Roman muss natürlich nochmal raus. ich packe mich hin und versinke bald in tiefem Schlaf....

Den letzten Rest der Tour: Granada (toll, toll, toll), Empuriabrava (arme Normaltouristen und Reiche), schönes Essen und unspektakuläres Schlafen in Frankreich sowie der Besuch der Cathedrale de Image folgen morgen...

Posted at 04:06 nachm.    

Di - Mai 25, 2004

Die Sachen sind gepackt...


Zumindest fast. Wir wollen ja morgen noch frühstücken... jetzt aber wirklich vom letzten Tag auf dem Plateau und vom Packtag der leider für mich etwas Magen-/Darmleiden brachte und so nicht ganz so unbeschwert und locker verging.

Nach unserer wirklich schönen Feier gingen wir bald zufrieden ins Bett. Abends war es wieder einmal feucht und kalt geworden. Leider war das am Morgen nicht viel anders: Feuchter Nebel hing im Forsthausgarten, alles tropfte und ich hatte wenig Lust bei diesem Wetter meinen letzten Arbeitstag anzutreten. Aber was sollte es, Achmed der anstatt Roman mitkam guckte zwar ungläubig, als ich sagte, dass ich auf jeden Fall fahren möchte, kam dann aber doch mit.

Wir klapperten die drei Wiederholungsflächen ab. Diese hatte ich nach Nähe von Datenlogger ausgesucht und es waren auch solche die wir ganz am Anfang bearbeitet hatten. Einfach mal schauen, wie die innerjährliche Heterogenität so aussieht. Außerdem wollte ich die Datenlogger einsammeln. Der zuerst angesteuerte war auch da. Der andere leider nicht. Obwohl wir beide am Anfang der Arbeit im April gesehen hatten. Naja, mit Schwund ist bei solchen Aktionen wohl immer zu rechnen und das immer besser werdende Wetter versöhnte mich ein wenig. Während es morgens noch tropfnass gewesen war und meine Füsse jetzt schon wieder in kalten, feuchten Schuhen steckten, lösten sich jetzt die Wolken immer mehr auf und die Sonne blickte durch. Schön! Außerdem war ja nun die Arbeit tatsächlich beendet. Auf dem Rückweg grub ich noch eine Distel aus, die ich eigentlich heute bestimmen wollte. Aber eigentlich bin ich mir schon recht sicher, was es ist und meine heutige Verfassung hatte mich nicht ganz vollständig einsatzbereit sein lassen.

Gestern abend waren wir noch in Taourirt. Ich habe meine komplette Erfassung kopieren lassen. Wobei das kopieren lassen ja immer eine sehr delikate Angelegenheit ist, da mein sein Zeug normaler Weise beim Kopiergeschäft lässt. Aber es ist alles gut gegangen und nach unserem Aufenthalt im Internet-Café, wo ich noch liebe Mails erhalten und den Blog hochgeladen habe (musste leider dann abbrechen), habe ich Originale und Kopien in tadellosem Zustand zurück bekommen. In Debdou waren wir noch für Achmed in der Apotheke und er ist noch kurz zum Dope-Kauf gehuscht. Aspirin und Kiff. Tolle Medizin. Aber seine Sache. Als wir auf ihn warteten, kam Hassan noch vorbei und sagte quasi Tschüß aber bot uns auch noch zweimal an, am Mittwoch Morgen doch noch bei Ihm vorbei zu schauen, was wir wohl auch machen werden.

Heute erwachte ich mit Brechreiz und Unwohlsein im Bauch. Habe aber den ganzen Tag nichts raus bekommen obwohl es zwei- dreimal so war als ob. Ich habe mich dann alsbald wieder hingelegt (nachdem ich ein wenig ferngesteuert rumgelaufen war) und mir einen Kamillentee gemacht. Später habe ich dann Magdalenas gegessen und immer mal ein bisschen was gemacht. Achmed hatte mich gefragt, ob ich seine Herbarbelege, die er so über die Jahre gesammelt hat, beschriften kann und trotz unfit seins habe ich mein bestes gegeben und 98% seiner gar nicht so wenigen Belege beschriftet. Hoffentlich kann er meine Schrift lesen. Ich habe mich zumindest angestrengt. Nach und nach gings mir etwas besser. Aber auf die letzten beiden Seggen und die Distel hatte ich wahrlich keine Lust mehr. So habe ich sie mit ein wenig Not herbarisiert. Aber es wurde dann auch besser und jetzt geht es mir eigentlich ganz gut. Da wir morgen früh raus wollen, werde ich aber auch bald ins Bettchen hupfen... Ein letztes Mal in Ayn El Kbira. Wann werde ich wieder hier sein?? Doch nächstes Jahr oder doch erst in einigen Jahren? Ich weiß es derzeit noch nicht. Und ich war nur heute früh und da auch noch nur halb anwesend vorne an der Kante und habe in das Tal geschaut. Das muss ich unbedingt morgen früh noch nachholen.

Am Nachmittag haben wir dann so peut a peut gepackt und jetzt nur noch Zeug hier, was wir morgen früh noch brauchen (das ist noch ne ganze Menge). Noch gerade so im letzten Abendlicht viel mir ein noch ein Foto von der gesamten Familie und uns zu machen. Danach haben wir Achmed noch zu einem Tee eingeladen und ich habe im unser Dankegeld gegeben. Hoffentlich macht er was draus, ein Teil soll an die Kinder gehen, ein anderer für das Haus der Familie in Immouzzer aufgewendet haben. Da geht es morgen auch als Erstes hin. Mal schauen, was uns auf unserer Rückreise noch alles erwartet. Ich freu mich jetzt auch schon sehr auf zu Hause und meinen Schatz....

Posted at 09:25 nachm.    

Mo - Mai 24, 2004

Wir bleiben dabei: Kein Tag ohne Regen


Vom Ende der eigentlichen Arbeit, unserer Abschlussfeier und vom tatsächlich letzten Tag auf dem Plateau

Da hab ich doch schon wieder einige Zeit verstreichen lassen und schreibe jetzt unter Druck im Internetcafé.

Der Morgen des 21. war auf jeden Fall trocken und windig und also besser als der Abend. Über der Tafrata waren wieder Wolken zu sehen und sie zogen so peut a peut ins Tal hinein. Die Chancen standen gut, dass der Tag gut bliebe. Morgens machte sich Roman als erstes daran unser Feuer zu reaktivieren. Wir hatten es nämlich Trapper mäßig durch das Abdecken mit Steinen auf Standby gesetzt und siehe da die Glut war noch recht kräftig und gestattete uns selbst mit nassem Holz flink ein Feuerchen für den Kaffe zu entzünden. Nach lecker und einfach Frühstück (Roman Cerelac, Gerald lecker Thunfisch aus Dose zu Brot) ging es auf zu neuen Taten. Die Flächen auf H5 waren allesamt bescheiden, wobei die letzte eine interessante Struktur aufwies: Juniperus als Überhälterr und drunter rasige Vegetation mit einer Menge Leguminosen und einer Allium-Art drunter.

Dann gings zu den letzten Flächen, die dort lagen wo das Auto abgestellt war. Als wir bei der vorletzten Fläche anfingen zogen schon ganz schön dunkle Wolken durch und bald standen wir wieder im Nebel und die Wolkenfetzen zogen nur so durch. Aber irgendwie hatten wir sogar noch Humor und machten Abschlussfotos und hörten Musik während der Aufnahme. Es kam noch ein Nomade vorbei der gerne ein Visum haben wollte. Muss er wen anders fragen, wir sind doch nicht die Botschaft. Der DataLogger war auch noch da. Super. Gegen 17:30 waren wir am Ende und geschafft aber glücklich die Pflicht beendet zu haben.

"Zu Hause" war auch noch alles in Ordnung. Ich hatte zwischendurch mal kurz die Idee gehabt, dass das natürlich der Hammer wäre: Glücklich fertig und dann zu irgendwas geklaut oder kaputt oder irgendwas halt. Aber alles gut. Den Abend haben wir im Nebel mit Fußball beschlossen und uns des Lebens gefreut. Ich habe des Nachts noch Mails geschrieben, die gerade jetzt erst auf den Weg gegangen sind und schick den Portwein geleert, was mich sofort beduselt machte, da ich schon länger abstinent war und nach der Anstrengung und alles fällt ab...

Am Sonnabend haben wir so in den Tag gelebt. Ich habe mich mit Pflanzenmaterial beschäftigt und teilweise Boden aufgearbeitet (noch den Bodenartentest gemacht). Aber wir waren entspannt und sind am Nachmittag auch wegen der am Sonntag anstehenden Feier in den Ort gefahren und haben letzte Besorgungen getroffen. Halt, nein: Am Morgen haben wir das gemacht, da ich dachte so etwas mehr zeit zu gewinnen, da es abends nochmal aufs Plateau gehen sollte, um eine Ziege zu kaufen. So war es dann auch. Gegen halb 6 bin ich mit Achmed aufgebrochen und Mohammed ist kurzerhand noch mit aufgesprungen. Typische Achmedaktion: Der Nomade war einer der letzten im Gebiet und wir mussten also lange und weit fahren. Aber der Abend war schön und im Endeffekt war es sehr gut, da es die uns von unserem zweiten Nachtauufenthalt sehr gut bekannten Leute waren und die freuten sich auch mich zu sehen. Die Ziege gab es natürlich erst nach Tee und Brot mit Butter und ein bisschen Abgehänge. Unser Freund von damals hat sie dann zum Auto getragen und dort wurde sie zwischen Rücksitz und Vorderbank aufbewahrt und hat sich auch ganz ruhig verhalten. Und ich habe nichts gezahlt. Achmed meinte, er würde das später mit ihm ausmachen.

Auf dem Rückweg wurde das Wetter schon wieder schlechter und die Wolken und der Nebel, der uns seit dem Frühstück in Ruhe gelassen hatte zogen wieder wild durch. Achmed hatte auf dem Hinweg, als wir nicht gleich den eigentlichen Nomaden gefunden hatten noch mit dem anderen den wir nach dem Weg zum Zelt unseres Freundes gefragt hatten ein bisschen Milch vereinbart. Das dauerte noch mal eine Weile und nachher haben wir noch vom großen Blitzopfer ein bisschen Holz mit genommen. Und waren natürlich erst sehr spät zu Hause. Roman war wegen der Ausarbeitung von Bodenkunde zu Hause geblieben und hatte sich schon ein wenig gewundert wo wir blieben. Ich bin dann meines Wissens auch gar nicht mehr lange wach geblieben und bin bald schlafen gegangen.

Abends regnete es nochmal stark und der Sonntag, der Tag unserer Feier begann bedeckt und wenig viel versprechend. Aber langsam wurde es besser und wir räumten die Bodenproben raus. Langsam wurden Vorbereitungen für das Meshui getroffen und alles war ein bisschen aufgeregt. Ich habe mich im Endeffekt bis 16:00 Uhr mit der Beaufsichtigung des Siebens von Bodenproben beschäftigt. Immer mal etwas abgelenkt von Aziz der mit dem jungen Ranger und noch einem kleinen dicken über den sich ständig lustig gemacht wurde gekommen war und mal etwas Ball kickend oder auch mal den Spieß drehend. Abd el Ilah musste nicht mehr viel gesagt bekommen aber ich war halt trotzdem immer umher, da ich auch noch Sachen zu erledigen hatte. Tüten zuordnen zum Beispiel. Am Vormittag hatte ich auch noch 20 Proben bezüglich der Bodenartenbestimmung bearbeitet und war glücklich, als das hinter mir lag.

Die Ziege wurde immer besser und der Zwischensnack (Tee und Brot und Marmelade) lag auch schon eine Weile hinter uns, indes Hassan und Mohammed, unser netter Zigarettenverkäufer und Kioskinhaber der uns ja auch schon zu sich eingeladen hatte, waren nicht da. Ich habe dann beschlossen die beiden abzuholen und Achmed hat entschieden mitzukommen um noch Zigaretten zu besorgen. Gesagt, getan und die beiden warteten auch schon. Es war halt kein Auto gefahren.... Wieder oben ging es dann endlich ans Essen. Achmeds Frau hatte wunderschön kalte Platte vorbereitet und die Ziege war auch recht lecker. Zuviel war es auf jeden Fall nicht und ein bisschen durcher hätte es auch sein können. Aber ich war glücklich, alle da zu haben und Goodbye zu sagen. Nach dem Essen, brachte ich die Idee vom Fußball auf und nach ein bisschen Verdauungsgedaddel haben wir richtig losgelegt. Vier gegen vier. Und schön war es und Spaß hat es noch mehr gemacht. Eine interessante Sache vom Vormittag fällt mir da noch ein: Gerade als Roman beim Daddeln seinen Schuh auf einen Baum geschossen hatte und nichts besseres vor hatte als wie ein Affe den glatten Stamm der Platane zu bezwingen, kamen 6/7 Mädels in unterschiedlichster Ausstattung und verschiedenen Altern und machten uns auf Englisch an: How are you? und so. Nach dem offenen Mundes Roman bestaunt worden war und wir wieder ins Forsthaus gingen, folgten sie uns neugierig. Ich widmete mich wieder meiner Wäsche und sah mich plötzlich damit konfrontiert, dass marokkanische Mädels mir beim Waschen zuschauten. Sie waren darüber weit weniger erstaunt, als ihre männlichen Kollegen immer sind. Eine der Mädels fragte, ob sie ein wenig mit uns Fußball spielen könnte und sie war echt gut und konnte erstaunlich geschickt mit dem Ball umgehen. Das war definitiv nicht das erste Mal. Wir fragten uns wo und wie sie wohl übte und waren erfreut auch mal Kontakt mit Mädels gehabt zu haben.

Aber zurück zum Abend. Wir hetzten uns schön beim Fußball ab und es war wirklich toll. Später gab es dann noch einen Tee und dann verabschiedeten wir uns. Roman brachte die Jungs nach Debou runter und ich chinchte noch ein wenig dies und das und wehmütete ein wenig Richtung Tal. Bald ist es vorbei. Den heutigen Tag packe ich dann doch in den nächsten Eintrag. Jetzt muss ich erstmal abschicken...

Posted at 06:27 nachm.    

Sa - Mai 22, 2004

Über den Wolken...


Ist das Wetter auf jeden Fall besser als darunter. Dumm nur, dass man nicht den ganzen Tag darüber bleibt. Nun habe ich schon lange gebummelt und muss jetzt unbedingt den Eintrag zumindest anfangen, obwohl es schon morgen ist.

Am Dienstag haben wir einen 5er abgerissen. Wobei das natürlich recht lange dauerte, da erstens die Flächen recht weit auseinander lagen und zweitens die Flächen auch sehr schwer abzustecken und zu bearbeiten waren. Das Wetter hat eine eigenartige Wendung genommen. Nein, eigentlich ist es keine Wendung. Jeder Tag dieser Woche fing mit Wolken im Tal an. Diese waren entweder tiefer als das Forsthaus, so dass man einen Ausblick drauf hatte, oder zumindest später beim Frühstück schon da, so dass die Nebel nur so durchzogen. Oben auf dem Plateau war es allerdings tagsüber eigentlich immer recht schön und sogar T-Shirtig. Leider hielt es an keinem Tag den ganzen Tag, da gegen Abend mit geringer werdender Einstrahlung es die Wolken dann doch auf das Plateau schaffen und die Nebel durchziehen, alles feucht ist oder es sogar regnet. Wenn es nicht so kühl dann würde, könnte man meinen wir arbeiteten im Bergnebelwald Equadors.

Auch am Dienstag war die letzte Fläche mit Beeilung verbunden. Wir hatten den Magneten auf dieser Wiederholungsfläche recht schnell gefunden und sie war auch gut abzustecken. Aber da war die Wand schon da und die Luft kühl. Aber nach meiner Erinnerung haben wir es ohne Regen nach Hause geschafft oder zumindest bis zum Auto. Abends haben wir Fußball gespielt (soweit ich mich noch erinnern kann) und sind wieder im Nebel versunken und mussten natürlich wieder eine ganze Menge anziehen, um nicht zu frieren. Kann es denn nicht mal einen Tag durchhalten? Nein, kann es nicht!

Am Mittwoch wollten wir die letzte HA-Fläche am Hang bearbeiteten und waren dann mit Achmed in Debdou verabredet, da er für die Party Legumes und Fruits einkaufen wollte (angeblich bessere Qualität und geringerer Preis pendant le souk) und wir ihn mit dem Geraffel abholen würden. Dies war einer jener Tage, wo der Nebel schon morgens oben ist. Wir fuhren also zur großen Kurve und starteten von dort aus hangabwärts rutschend unseren Tag. Hei, war das steil und kaum etwas zu sehen und alles feucht und Tau usw. Aber irgendwie sind wir Helden natürlich angekommen. Die Flächen waren allesamt recht schwierig abzustecken aber gut zu erfassen (wie wir das von Hangflächen ja mittlerweile kennen) und brachten wieder einiges interessantes zu Tage. Das Wetter wurde auch zunehmend besser und gegen Mittag zum Beginn der dritten Fläche war es richtig schön. Roman hänget seinen freien Oberkörper in die Sonne und ich schwitzte fei unterm Anglerhut von der Fischer-Ina. Aber besser so als anders. Der Aufstieg zurück zum Auto war recht happig und am Auto ein Zettel, dass Achmed schon am Forsthaus wäre. Wir sind trotzdem runter gefahren, da wir auch so noch ein paar Dinge zu kaufen gedachten, hielten uns dann aber nicht lange auf.

Am Forsthaus stellten wir bald fest, dass Achmeds Verständnis von Apfelqualität zum Beispiel doch ein anderes ist, als das unsrige. Soweit ich mich erinnere wurde wieder Fußball gespielt. Ich aber habe wegen des anstehenden Planes (letzte zwei Tage am Stück mit Aufenthalt oben und dann alsbaldige Abfahrt usw.) das gesammelte Pflanzenmaterial bearbeitet, das es mir vom Halse ist. Abends habe ich mächtig fleißig emails geschrieben, die aber noch des Abschickens harren. Der Abend war nicht ganz so neblig, vielleicht hatten wir ja Glück.

Hatten wir nicht. Aber eigentlich doch. Der Tag fing zumindest mit Nebel an. Feuchtkalte Luft empfing mich am Morgen. Brrr. Aber auf dem Plateau war es schon viel besser und es wurde ein warmer, schwüler aber eigentlich recht guter Tag. Nach drei Flächen auf H4 die allesamt sehr Zeitaufwendig waren sind wir vor zur Kante gegangen um die Punkte auf H1 zu bearbeiten. Beim ersten Punkt dort zogen schon wieder Wolken auf. Roman ging schon mal zum nächsten, der direkt an der Kante gewählt war und baute das Zelt auf und fing an ein Feuerchen zu entfachen und Holz zu organisieren. Ich beeilte mich recht und hatte schon gar keine rechte Lust mehr. Musste dann auch noch selber Abbauen, weil Roman auf Holzsuche war. Während der letzten Fläche grollte es schon kräftig und ich konnte ob der Dunkelheit kaum noch was erkennen. Glücklicherweise fielen nur ein paar Tropfen. Aber es windete gar kräftig. Später am Feuer und zum Glück erst nach dem Essen regnet es auch noch sehr stark. Aber es war auch ein tolles Naturschauspiel und wir fotografierten was das Zeug hielt. Es war atemberaubend wie schnell sich die niedrigen Wolken über den anderen Gaada-Kamm westlich von Debdou wälzten, ins Tal sanken um nach gewissem Aufenthalt plötzlich und sehr schnell aufzustreben und an uns vorbei zu rasen.Gleichzeitig ergab sich am Himmel über der Gaada der D'harra und über dem Moulouya-Tal in Richtung Guercif ein unglaubliches Schauspiel aus Licht und Schatten und Regenfahnen, Donnergegroll und Wind. Der konnte sich nämlich hier an der Front, wo wir uns ausgesucht hatten zu sein, überhaupt nicht aussuchen, wohin er denn wolle. Er spielte mächtig mit dem Feuer aber es war gut entzündet und ließ uns nicht im Stich. Einmal regnete es länger sehr stark. Glücklicherweise hatte ich vorher meine Regenhose auch angezogen (Nun doch, nach 2 Monaten angefüllt mit schlechtem Wetter zum ersten Mal), so dass es kaum schlimm war. Wir sahen es als Naturerlebnis und es war wunderbar. Ermöglicht wurde uns dies durch das Bewusstsein, dass selbst bei dieser Witterung wir morgen Abend wieder ein festes Dach über dem Kopf haben würden und an die gesamte letzte Woche denkend, standen die Chancen ja auch nicht schlecht, dass es morgens wieder besser sein würde...



War es auch. Aber dazu später, da ich jetzt erst einmal schlafen muss...

Posted at 12:38 vorm.    

Mo - Mai 17, 2004

Ist das noch Marokko?


Schön, dass einem das Wetter immer so viel Titel gibt. Es ist nämlich immer noch beschissen, bzw. kommt langsam erst so richtig in Fahrt

Nach dem letzten Eintrag stand ja nur ein Dreier an. Morgens zog der Hochnebel durch den Forsthausgarten und wir waren schon wieder bedient. Jedoch fuhren wir beim Hochfahren alsbald heraus aus der Suppe und hatten einen herrlichen Blick über die in der gesamten Ebene hängenden, recht dünnen Wolken und machten auch gleich ein paar Fotos. Und es war den ganzen Tag über recht schön. Das heißt am Vormittag. Da trugen wir sogar nur T-Shirt und Roman badete sogar ein wenig mit freiem Oberkörper in der Sonne. Aber als wir am dritten Punkt anbei waren, zogen doch schon wieder Wolken auf und es regnete dann entweder auf unserer Fahrt oder als wir gerade ankamen. Das muss doch aber irgend wann mal wieder aufhören!!



Nein, muss es nicht. Denn im weitesten Sinne ist es seitdem zumindest nebelig. Die Hochnebelfelder hängen und bewegen sich nur ein ganz klein wenig im Tagesverlauf nach oben und unten und irgendwann regnet es dann. Gestern hatten wir ja frei und hofften bestes für unseren kleinen Ausflug nach Taourirt. Am Abend waren wir ja noch in Debdou bei Hassan gewesen. Der hatte gleich die Idee, als wir von unserer mitgebrachten Rotweinflasche erzählten seinen Kumpel im Café auzusuchen, der hätte eh auch noch was zu Hause und ein Keyboard und Hassans Klampfe seien auch noch da. Nach nur kurzem Sitzen im dunklen Café (von dem letztens hier schon die Rede war) sind wir also im Untergrund von Debdou verschwunden. Die Luft war immer noch feucht und jetzt auch wieder kälter und auch Houssam den wir noch vor Hassan getroffen hatten, scheint langsam etwas angepisst zu sein. Bei dem jungen Mann war es dann im Ganzen recht nett. Wir tranken Rotwein und später noch irgendeinen Whiskyersatz mit Cola. Spätestens da viel es mir doch sehr schwer auf die Zigarette zu verzichten. Aber es gelang! Roman spielte recht gut die Gitarre und Hassans Kumpel holte plötzlich noch ein Banjo aus dem Eck und es wurde gejamt was das Zeug hält. Gegen 21:00 Uhr sind wir dann zu Hassan und haben noch ein kleines aufgewärmtes KusKus bekommen und den kleinen (he is a mazin(g): hassan hat ihn mazin genannt) Sohn bewundert.



In absolutem Nebel und daher sehr anstrengend wanden wir uns die Serpentinen hinauf zum Forsthaus, dass wie in einer Waschküche stand und triefte. Hin und wieder zuckten Blitze und es grummelte. Das ließ für den freien Sonntag nicht so viel Gutes erwarten. Ich bin gegen 8:00 aufgestanden und draußen war es halbwegs blau. Mittlerweile ist der Blick zum Himmel immer der erste, weil es ja schließlich auch eines Tages besser werden muss. Da nicht mit einem schnellen Aufstehen Romans zu rechnen war, bin ich erstmal hinten hinaus zum Blick über Debdou und das ganze Tal gegangen. Indes Debdou und der Rest waren nicht zu sehen. Eine dicke Wolkendecke verdeckte es und waberte im Tale umher. Schnell hatte ich die Kamera geholt und dieses atemberaubende Naturschauspiel digital fest gehalten. Allerdings fehlt in solchen Momenten wahrlich eine analoge Kamera mit einem guten Diafilm, um tatsächlich diese Stimmung und das Licht einzufangen. Noch während des Frühstücks und beim beiläufigen Fußballdaddeln mit den Kleinen waren die Wolken höher gestiegen und wir haben teilweise recht entrückte Fotos im Nebel gemacht.



Halb Elf waren wir bei Aziz, der schon gewartet hatte und nicht so recht mehr mit unserem Auftauchen gerechnet hatte und starteten unseren Männerausflug nach Taourirt: Achmed, Mohammed, Aziz, Roman und Gerald. In Taourirt war es zumindest deutlich wärmer und nur ein Schleier hing über der Stadt. Es war schwül und die schwere feuchte Luft machte uns langsam und lahm. Wir kehrten erst kurz bei Aziz Mama ein und nahmen einen Snack (so was wie früchstücken, was ich natürlich schon in Ayn El Kbira gemacht hatte). Als Ausflugsziel hatte sich Aziz einen Schrein (einen Marabou) in der Nähe von Taourirt am Oued Za ausgedacht. Der Weg führte an blühenden Gärten und Olivenhainen vorbei. Vor Ort waren recht viele Leute unterwegs und es waren auch europäisch und VIVAesque gekleidete junge Mädels dabei. Da gab es doch mal was zum gucken. Nach ein wenig Umhergechinche, Pflanzenbestaune, Vogelbestaune und so Sachen sind wir dann schon wieder zurück und bekamen eine Huhn mit zum Glück nur wenig dazu (wir hatten ja gerade erst gesnackt) aber wir waren trotzdem bald alle sehr voll und satt. Auf dem Rückweg vom Marabou waren wir im Gespräch darauf gekommen, dass es im Norden von Taourirt noch einen Wasserfall zu besichtigen gäbe. Zu eben diesem sind wir dann gefahren. Allerdings war es gar nicht so einfach, da Aziz das letzte Mal als Junge dort gewesen war. Unser erster Fehlversuch entpuppte sich als Glücksfall. Anbei fand sich ein interessantes Bergelchen dem die Naturkräfte schon über mitgespielt hatten und der mich wieder daran erinnerte, dass Marokko ein für Geomorphologische Exkursionen bestens geeignetes Land ist. Roman stürzte hinauf und als ich hinter her kletterte, kamen auch die anderen. Oben gab es viel Wind, einen kleinen Ausblick und interessanteste Pflanzen, die trotz abwesendem Boden in irgendwelchen Ritzen ihr Plätzchen finden. Endlich habe ich Aizoon hispanicum mal in Realität bewundern dürfen.



Danach haben wir dann durch mehrmaliges Fragen den Wasserfall bald gefunden. Dieser ist tatsächlich recht beeindruckend. Das Wasser ist zwar dreckig (was zum Einen an dem Regen der letzten Tage gelegen hat, zum Anderen aber auch mit dem Oberlieger Taourit: Wenn nur ein Bruchteil der Vermüllung, die um und in Taourit aller Orten sichtbar ist, auch auf die Ein- und Ableitung der Abwässer zutrifft, kommt da eine ungeklärte Menge zusammen), aber es stürzt an verschiedenen Stellen und auf breiter Front über 6m in die Tiefe. Wir haben uns dort eine ganze Weile aufgehalten und sind herum gestromert und haben Fotos geschossen.



Zurück in Taourirt war es noch ein kleiner Akt einen freien Platz in einem Cyber zu ergattern. In unserem diesjährigen Stammcyber war alles voll und wir kauften ein. Als wir wieder am Auto waren, verabschiedete sich Aziz und Mohammed und Achmed kurvten mit uns noch ein bisschen umher und wir fanden dann endlich einen anderen Cyber. Dort wollte man erst nicht mein PowerBook ranlassen. Aber als wir schon wieder unten waren (das Teil war im zweiten Stock) rief man uns zurück und nach ein wenig Einrichterei konnte ich rumnetzen. Leider hatte ich nur eine private Email (von Jana) bekommen, aber ich schickte den Blog mal wieder hoch und lud mir noch ein wenig aktuelle Politik auf den Rechner.

Zurück in Debdou hingen die Wolken schwer an der Gaada. Wir nahmen noch einen Kaffee im Café. Mama rief an und erzählte Geschichten von Sommer- und Winterreifen und einem kleinen Missverständnis. Ach, ich freu mich schon auf den Garten. Leider verpasse ich wohl wieder den in kräftiger Blüte stehenden Blauregen. Aber der Hof ist ja auch sonst sehr schön. In Debdou hingen auch nach dem Cafébesuch noch die Wolken tief und wenige Meter über Debdou waren wir mitten drin. Ich fuhr jetzt und es war sehr anstrengend. Die Sichtweite lag teilweise bei 20m und immer wieder zuckten Blitze. Achmed brachte wieder einen Superspruch. Das sei wie in einem Science Fiction Film... Und dann kam sein Beispiel: Der Exorzist. Da musste ich erstmal lachen. Achmed bringt wirklich häufig solche tolle Sachen und ich mag seinen Humor und es ist schön hier zu sein. Wo ich doch erst solche Bedenken hatte.

Heute früh sah es nicht viel besser aus. Abends hatte es ja exakt mit unserer Ankunft noch Sturzbäche geregnet und auch nachts immer mal wieder ein wenig. Am Morgen war die Welt nun wider etwas freundlicher. Ich wurde mit einem lieben Anruf von meinem Schatz geweckt und war deshalb schon gut gelaunt.

Aber wieder zogen Nebelschwaden durch und hohe Wolken und ließen nichts gutes erwarten. Wir beschlossen trotzdem an unserem Vorhaben fest zu halten. Es waren nur noch 5 Tage. Das musste doch zu machen sein. Die Piste war der Hammer und ich hatte meinen ersten Herzkoller weg. Immer drauf und durch und der Passat und wir darinnen wurden ganz schön durch geschüttelt. Nach ein wenig halber verschleierter Sonne zogen schnell Wolken auf und trotz Beeilens wurden wir mehrmals überschauert. Als wir gerade mit Fläche drei anfangen wollten, erwischte es uns nochmal richtig heftig und wir überlegten ein paar Minuten aufzugeben. Aber irgendwann siegte Romans Argument, dass die Wege nicht nasser werden können als sie eh schon sind und wir zogen durch. Jetzt freuen wir uns darüber, da nur noch 4 Tage vor uns liegen. Zurück fuhr Roman, das wollte ich mir nicht noch einmal antun. Durch die Hetze des Wetters waren wir schon sehr früh hier (noch vor 15:00) und machten dies und das (z.B. Pflanzen bestimmen) und ich las beseelt vom Glück und freute mich sehr an diesem kleinen Büchlein. Es hat auch nur noch wenig geregnet und zwischendurch als die Sonne fast durchbrach, war es gar recht warm-feucht tropisch. Deshalb auch der Titel des heutigen Eintrages. Als ich vorhin gerade draußen war um nach dem Essen (ich hatte Spaghetti mit Thunfisch-Tomaten-Sauce gezaubert (das war nach einem Tag voller Süßigkeiten auch notwendig)) das Zeug zu waschen, waren die Sterne zu sehen und ich hoffe inständigst auf besseres Wetter. Mama hatte vorhin noch einmal angerufen und total niedlich ein Mitbringsel "bestellt". Ich hatte im gestrigen Telefonat darauf angespielt, dass wir in Meknes und/oder Fes oder in Azrou auf jeden Fall noch Souvenirs kaufen wollen und heute Abend beim Abendessen auf der Terrasse (hier ist sowas ja nicht denkbar zur Zeit und dabei sollte doch gerade hier das Leben eigentlich mehr draußen stattfinden) fiel ihnen auf, das ihre Halfa-Untersetzer aus Marokko doch schon ganz schön mitgenommen seien nach 10 Jahren und sie haben sich dies als Mitbringsel gewünscht. Na mal schauen, ob wir solche bekommen.

Erstmal steht ja noch ein wenig Arbeit und unsere Abschiedsfeier an. Ich habe mit Achmed heute noch in wenig verhandelt wegen Ziegenkauf und Organisation und ich freue mich schon richtig drauf. Jetzt muss ich aber erstmal ins Bett. ich habe schon wieder viel zu ausführlich geschrieben...

Posted at 10:58 nachm.    

Fr - Mai 14, 2004

Der Sommer hatte kurz seine Finger nach uns ausgestreckt...


Und jetzt gewittert es gerade draußen. Und dabei hatte es das doch schon heute oben getan und uns so ein bisschen erwischt. Wird das denn nie wieder besser???

Nach dem Cyber-Besuch in Taourirt am 11. haben wir unsere Arbeit fort gesetzt und trotz nicht gerade rosiger Bedingungen gleich mal am drauf folgenden Tag uns wieder auf das Plateau gewagt. Die Pisten sind an den gewissen Stellen schön schmierig aber mit viel Augen zu und noch mehr und durch funktioniert es ganz gut. Auf den Flächen in der Nähe des Ackers der auf dem Weg zur Farm passiert wird und an dem jetzt an beiden "Enden" (des Weges) neue Zelte stehen, wurden wir nur anfangs skeptisch beäugt. Mehrfach schickte es sich zu regnen an, verschonte uns aber mit stärkeren Wolkenbrüchen. So waren wir vom drohenden Wetter getrieben recht früh fertig und haben beschlossen aus dem noch in Planung stehenden 6er Tag einen 5er zu machen und sind noch zu H14 gefahren. Nach der 5ten Fläche stand es mir aber auch bis zum Hals und nach nur sehr kurzer Überlegung (es war auch schon wieder kalt wie Sau) sind wir nach Hause gefahren. Abends haben wir ein sehr schönes und wärmendes Feuer in unserem Kamin gemacht. Das war toll. Roman ist noch mal in den Ort gefahren, um zu telefonieren und ich habe Bodenproben aufbereitet und mich an Pflanzen versucht, habe aber mit den Seggen noch zu kämpfen.

Gestern dann haben wir einen Teil des ursprünglich als 2Tageseinsatz geplanten gemacht. Wir fuhren zu H11, wo jetzt sehr viele Nomadenzelte stehen und liefen zu Hi5. Zumindest konnten wir schon mal teilweise die Regenjacke und den dicken Pullover ausziehen. Aber bald kamen schon wieder Wolken auf und als wir uns zu H11 schleppten drohte schon wieder ein Wetter. Aber wir zogen nichtsdestotrotz noch die beiden Wiederholungen für H11 durch und ich konnte mich danach wegwerfen. Zu Hause lief auch gar nicht mehr viel außer Mail schreiben (so wie heute auch schon) und ein wenig abhängen. Dabei muss ich noch Carexe aufarbeiten und habe sogar heute noch eine weitere gefunden und gestern eine kleine Juncus in einer feuchten quellähnlichen Stelle...

Der heutige Tag fing mit blauem Himmel an und ich war heilfroh, dass wir gestern den Aufwand getrieben hatten und also nur einen 4er Tag vor uns hätten. Der lief auch ganz gut, was das Wetter betrifft. Die Flächen waren allerdings allesamt sehr schwierig und mit sehr viel im Busch umher gekrieche abzustecken. Ach ich glücklicher, das ich dass nicht alleine bzw. gar nicht machen muss. Da ich immer schon anfange, während Roman die Flächen absteckt. Das beschleunigt die ganze Sache doch um einiges... Auf jeden Fall zog es schon wieder dunkel auf und überraschte uns auf der letzten Fläche noch während des Aufbauens mit hagel und Regen. Aber der Schauer artige Charakter war abzusehen, so dass wir tapfer weiter arbeiteten. Bald war die ganze Sache auch gegessen und es hatte sich auch kaum abgekühlt. Trotzdem waren wir des Regens und der Langweiligkeit der Fläche wegen recht schnell und gegen 16:00 Uhr zu Hause. Dort habe ich erst ein wenig rum gegammelt und mit dem neuen kleinen Hund von Achmed gespielt. Der hat so kleine spitze Zähnchen!! Habe dann gekocht (PestpPasta) und einige Emails geschrieben und mich bis jetzt erfolgreich vor den Sauergräsern gedrückt. Na, Morgen machen wir ja nur einen dreier, da habe ich genügend Zeit zur Aufarbeitung...

Wenn es mir auch lieber wäre, gar nichts zu tun. Aber dann kommt ja der Sonntag und wir sind mit Aziz verabredet nach Taourirt zu fahren. Morgen Abend werden wir zu Hassan fahren. Wir müssen halt auch unseren gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen...

Posted at 08:40 nachm.    

Di - Mai 11, 2004

Nachschlag


Es ist schon krass, das wir hier so in Regen, Nebel und Feuchtigkeit versinken...

Wir sind in Marokko und semi-arides oder auch mediterranes Klima ist das ganz gewiss nicht Es scheint auch so, zumindest bestätigen das die Aussagen unterschiedlicher Leute, dass es tatsächlich noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen so kalt und so feucht im Mai gewesen sei. Na Halleluja und wir sind mittendrin!!

Posted at 05:35 nachm.    

Und ewig grüßt das Regentier


Davon, dass es immer noch regnet und dass es kalt ist. Aber auch von einem schönen Sonnentag, den wir Bodenproben siebend und Pflanzen bestimmend verbrachten

Da sitz ich schon wieder im Cyber in Taourirt und habe nicht mal mail bekommen. Was vielleicht auch daran liegt, dass nach meinen letzten ausführlichen Mails ich auch schon "zu Hause" per teurer wireless Telefonverbindung gecheckt habe und deshalb auch wegen des dazwischen liegenden Wochenendes wenig da sein kann.

Aber zu den Geschehnissen der letzten Tage. Die Zweitages-Tour fing mit Schwüle an, die alsbald in Bewölkung und Kälte umschlug. Dunkle Wolken zogen über uns und da wir die Flächen spät erreicht hatten, waren wir auch spät fertig. Aber deswegen hatten wir ja einen zweitägigen Einsatz geplant. Um den Weg zu sparen. Wieder am Auto haben wir uns auch gleich daran gemacht Holz zu suchen, Zelt aufzubauen und einen Feuerplatz an einem alten Nomadenwohnplatz mit Trockensteinmauer gegen Wind herzurichten und anzufangen zu kochen. Allerdings kamen alsbald uns teilweise bekannte Nomaden vorbei und wir konnten unser mitgebrachtes Gemüse gar nicht essen, weil alsbald der Vater der Familie mit frischer Harscha und Milch und Butter kam und wir das natürlich nicht ausschlagen konnten, insbesondere da Roman total auf Harscha abfährt. Sie saßen dann noch eine Weile bei uns rum und die Wolken wurden immer mal dunkler und schneller und mal sah man die Venus und die Sternlein funkeln. Auf jeden Fall war es kalt und bald nach Einbruch der Dunkelheit haben sie sich von dannen gemacht und auch ich habe nur noch kurze Zeit am Feuer gesessen. Roman wollte nicht im engen Zelt schlafen und bevorzugte den Platz am Feuer. Als ich noch mal pinkeln war, saß er da noch. Aber beim zweiten Mal saß er nicht mehr und hatte sich in das ja benachbarte Auto zurück gezogen.

Mit dem Handyweckerklingeln sind wir ausnahmsweise beide raus (auch Roman kam aus dem Auto gekrochen, da es wahrscheinlich doch auch nicht so bequem ist) und begannen mit Frühstücksvorbereitungen. Wieder kamen die Jungs vorbei und brachten uns frische Milch und standen ein wenig umher. Wir ließen nichts anbrennen und machten uns alsbald auf den Weg zu den Punkten nachdem wir ein wenig gefrühstückt (von der Harscha war noch etwas da) und abgebaut und zusammen geräumt hatten. Die Punkte waren sehr durchwachsen aber der durchziehende Nebel/tiefhängende Wolken und die Kälte machten insbesondere die erste Fläche zur Tortur. Ein Glück, dass es nicht den ganzen Tag so geblieben ist. Das hätte ich nicht durch gehalten. Bei der zweiten Fläche wurden die Wolken lichter und zogen hoch, so dass wir nicht mehr im Nebel standen. Die Fläche war sehr nah an einem Zelt gelegen, von dem uns einer der Nomaden dem wir jetzt schon öfter begegnet sind und der auch am Vortag und am Morgen da bei war, begleitet von einem "Neuen", frisches Brot und Butter brachte. Sehr lecker und da konnte auch ich nicht umhin eine Pause einzuschieben. Das Wetter war ja gerade ein wenig besser geworden und wir lagen gut im Plan, weil wir recht früh angefangen hatten.

Im Laufe des Tages wurde das Wetter auf jeden Fall immer besser und wegen des vergessenen Einschmierens waren wir natürlich ganz schon gerötet, als wir dann gegen 16:00 Uhr den Weg zum Auto antraten. Morgen hätten wir "frei" und so ging es sich ganz beschwingt... Am Forsthaus entspannten wir uns denn auch und hatten aber auch gar nicht viel Zeit, weil nach Absprache mit Achmed, das Hammam auf uns wartete. Wir sind mit Mohammed und Abd el Ila (?? bezüglich der Schreibweise) nach Debdou und haben noch ein wenig eingekauft bevor wir das Hammam besuchten. Achmed hatte mit dem Besitzer gesprochen, dass wir es mieten und die Jungs waren einerseits aus Verständigungsgründen mit und andererseits war es natürlich ein Dankeschön von uns, da es dann doch recht "teuer" war. Wir bezahlten 50 Dirham für 2 Stunden. Das war es absolut wert, da Mohammed von Achmed angespitzt worden war uns so richtig marokkanisch zu behandeln. Mit abschrubben, Massage und so weiter. Ach, nach den kalten Tagen war das Hammam eine sehr gute Sache und wir beglückwunschten uns mehrmals für unseren Entschluss und auch Roman, der zunächst der Sache kritisch gegenüber gestanden hatte, fand es ganz toll. Zwischendurch kam dann noch Hassan rein und lud uns für danach zum Tee ein.

Abgeschlagen und uns rundum wohl und schön geschlauccht fühlend sind wir dann noch eben auf einen Tee zu Hassan. Die Jungs waren ein wenig überrascht haben es aber tapfer durch gestanden. Schon fast wegnickend bin ich dann als Beifahrer nur noch halb anwesend von Roman den Berg hoch kutschiert worden und dann zufrieden ins Bett gesunken. Am Nachmittag hatte ich noch Mail gecheckt und wusste auch von der Anzeige am Handy dass Raja versucht hatte, anzurufen. Meine VISA-Nummer war nun endlich da. Ich schaffte es noch gerade eine SMS abzusetzen, dann sank ich ins Bett...

Am Morgen weckte mich dann ein Anruf von Raja und obwohl ich darüber sehr erfreut war, haben wir einen späteren Anruf vereinbart und ich habe mich noch mal ein wenig umgedreht. Weil wir ja "frei" hatten. Im Endeffekt haben wir den ganzen Tag mit Arbeit verbracht. Zwar entspannt, aber Arbeit. Nach dem Frühstück haben wir die Bodenproben raus geräumt und ich habe dann angefangen. Alsbald haben die Kinder und Roman übernommen und ich habe Pflanzen bestimmt. Den ganzen Tag und zwischendurch hatte ich auch wirklich mal kein Bock mehr. Da waren die Gespräche mit Aziz, der da war, weil die Maurer an unserem Ställchen angefangen hatten mit dem Umbau und mit Achmed eine willkommene Abwechslung. Wir bekamen schön Teechen und Mittag und so war es kurzweilig und als wir gerade fertig waren, war der Tag auch schon vorbei. Wir beschlossen ihn mit ein wenig Fussball und bekamen nochmals lecker essen. ich schrieb abends noch ein paar Mails und viel dann todmüde ins Bett.

Und schon wieder war das Wetter schlecht. Als ich aufwachte, war ich geschockt, dunkle Wolken zogen und es war kalt und Achmed sagte, dass heute und morgen (also gestern und heute) Regen angesagt sei. Wir überlegten kurz, wagten dann aber die Fahrt. Oben arbeiteten wir den ganzen Tag im Nebel und später, als die Wolken höher (und damit kälter und feuchter) waren, gab es ab und zu auch mal ein paar Tropfen. Aber es hielt sich in Grenzen. Die Gegend war total zerfressen und die ganze Zeit waren irgendwelche Kids mit einer Unmenge Tiere um uns herum. Die dritte Fläche war ganz nett und sehr artenreich. Ansonsten war es halt harte Arbeit. Aber wir waren früh fertig und sind glücklich, dass es nicht stärker geregnet hatte nach Hause. Gut, dass wir so schnell gewesen waren. Es regnete den ganzen Abend und einen großen Teil der Nacht und es war nur erträglich, da wir in unserem schönen Salon ja jetzt auch Feuer machen können ohne zu ersticken und das ganze damit auch ein wenig wärmer bekommen haben als unser Ställchen gewesen wäre. Es hat halt alles seine Funktion.

Heute früh dann wurde deutlich, dass der Regen nun doch auch mal sehr negativ auf die Piste auf dem Plateau ausgewirkt hat. Wir hatten erst überlegt was zu tun sei, da eigentlich ein massiver 6er Tag geplant war und wir auch glücklicherweise durch einen Anruf von Romans Fastfreundin Friederieke früh auf den Beinen waren und entschieden es auf jeden Fall zu versuchen. Aber oben wurde deutlich, dass wir wahrscheinlich nicht mal ins Gebiet kämen. So drehten wir um, machten die 2 Flächen die ja wegen eines Abbruchs auf HA6 noch offen waren und sind dann nach Taourirt gefahren, da ich ja auch meine VISA-Karte mit der Nummer ausprobieren wollte. Es funktioniert!! Die Flächen waren by the way mal wieder sehr interessant: Super steil und nach dem Regen natürlich entsprechend rutschig. Bei der einen war ein Quellaustritt dabei, was natürlich wieder ein paar neue Arten im Riedgrasbereich einbrachte. Den Abschluss bildete ein kleiner Ausflug zu einer weiteren Hölle.

Mittags waren wir zu Hause, bekamen von Achmed noch was zu essen aufgedrückt, von dem ich nur ein wenig mampfte und ansonsten die Nudeln von gestern Abend verwertete. Roman macht eh gerade Diät, weil ihm immer alles schwer im Magen liegt und das Essen und die Maruja danach haben auch mich auf der Fahrt runter nach Debdou und nach Taourirt so mehr oder weniger neben mir stehen lassen aber jetzt geht es mir wieder besser...

Bis demnächst und hoffentlich weniger verspätet...

Posted at 05:33 nachm.    

Do - Mai 6, 2004

What the hell?


Diese Frage trifft für so vieles der letzten Tage zu. Zum Beispiel für das Wetter. Und für eine Pflanze die ich fand und die immer noch unklar ist. Und für das, was uns heute hier "zu Hause" passierte. Wir sind nämlich umgezogen...

Meine Güte, durch das Schreiben vieler E-Mails am vorgestrigen Dienstag, habe ich ganz vergessen, oder hatte keine Zeit mehr zu bloggen. Aber da es morgen auf eine 2-Tages-Tour gehen soll, ist es also höchste Zeit.

Am Montag haben wir nach unserem freien Sonntag ganz regulär gearbeitet. Es sah nämlich entgegen den Erwartungen (siehe letzter Eintrag) morgens sehr gut aus. Also frisch, fromm, fröhlich, frei auf zu neuen Taten. Wir fuhren zu H12/H16, beides Wiederholungsflächen wo jeweils 2 Flächen zu bearbeiten waren. Schon als wir da waren, kamen alsbald immer mehr Wolken auf und ruck zuck war der Himmel Wolken verhangen. Und die trieben mit relativ hoher Geschwindigkeit auf uns zu und über uns hinweg. Zum Glück regnete es den ganzen Tag nur wenig und auch der Hagel hielt sich in Grenzen. Aber kalt war es und wir fragten uns ein ums andere mal "What the hell should this mean, are we in Morocco?". Dafür hatten wir, zumindest auf H12 regelmäßige Begleitung. Jungs, die ich schon vom Vorjahr kenne und die mich und die sind auch ganz nett und haben uns später sogar noch Milch und Schafskäse gebracht. Allerdings tauchte auch der Nervtyp von Hi_irgendwas (ich berichtete) wieder auf und war tatsächlich beinahe ebenso nervig.

So überstanden wir den Tag ganz gut. Die Flächen ließen sich auch leicht abstecken und waren relativ leicht zu erfassen und dabei nicht zu uninteressant. So waren wir denn auch nicht zu spät zu Hause (wo es leider ja auch nicht warm und gemütlich ist) und ich konnte mein gerade begonnenes aber sehr spannendes und schönes Buch "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste" zu Ende lesen. Wenn ich mal lese und es fesselt mich, dann ziehe ich ja auch ziemlich durch. So weit so gut.

Der Dienstag allerdings begrüßte uns Wolken verhangen, stürmisch und mit einer guten Portion Regen. An raus fahren war nicht zu denken. Also haben wir beschlossen nicht raus zu fahren und haben vormittags ein wenig zu Hause gearbeitet. Roman hat schon mal sein Zeug eingegeben, ich habe Pflanzen bestimmt, an der Planung gearbeitet und Zeugs gemacht. Nachmittags sind wir dann (da Wetter blieb die ganze Zeit schlecht) nach Taourirt gefahren. Dort habe ich festgestellt, dass meine VISA-Karte mit der alten Nummer wirklich nicht geht und wir haben ein wenig eingekauft (Süßigkeiten und Obst) und sind dann dem eigentlich Grunde unseres Besuches gemäß ins Internet-Café gegangen. Dort konnte ich meinen Rechner wieder konnektieren und durfte mich leider über wenig bis gar keine Post ärgern. Dafür habe ich geschrieben wie ein wilder.

Es wurde natürlich ein wenig später und wir verbanden den Abend mit der Hoffnung auf besseres Wetter. Mein Schnuff hat mich dann noch angerufen (worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich eine E-Mail geschrieben hatte mit Anrufersuchen) und alsbald ging's hui ins Bett. Am Morgen sah es zumindest ein bisschen besser aus und während wir frühstückten kam richtig gehend die Sonne raus. Wir sind dann zu HA1 gefahren. Dies liegt am Hang und wir näherten uns von unten aus über Khelifit, ein kleiner Örtchen (wie ein größeres Gehöft) in der Nähe von Debdou. Dabei fragten wir am Fluß bei einer Farm nach dem Weg und trafen dort sehr hübsche und aufgeschlossen wirkende junge Damen, die uns den Weg wiesen.

Die Flächen waren schwierig zu erreichen aber sehr interessant und ich musste ein ums andere Mal Pflanzenmaterial in Plastik verstauen und noch ist nicht alles davon aufbereitet. Aber so macht es dann doch auch ein wenig Spaß. Gegen Mittag hat Raja mich angerufen und gesagt, dass sie eine Zusage vom Kilkenny-Festival wegen Praktikum hat. Das ist einerseits sehr erfreulich, andererseits kommen somit natürlich noch einige Prüfungen (oder gute Organisation) auf uns zu...

Auf dem Heimweg haben wir vom Dorf noch einen Einheimischen mit nach Debdou genommen. Das hat ihn sehr gefreut. Vorher waren wir von einem Hund einer netten älteren Bäuerin ganz schön zusammen gebellt worden und nachher haben wir in Debdou noch einen Café getrunken und ich habe dabei Houssam getroffen, was mich sehr gefreut hat. Wir waren ausnahmsweise in ein anderes Café gegangen und dort war er geradewegs auf der Straße am vorbei schlenkern und so haben wir uns getroffen und ein wenig erzählt. Abends haben noch Raja und Paul und Kai angerufen. Da war ich wieder so ein bisschen ausgesöhnt und zufrieden.

Heute fing der Tag allerdings wider Wolken verhangen an aber dann war es sozusagen das Gegenstück zu Montag. Es klarte alsbald auf und es schien den lieben langen Tag die Sonne, die Wolken wurden immer weniger und der Himmel immer blauer und klarer. Allerdings wehte dabei ein unheimlich kalter Wind und wir arbeiteten mal wieder in voller Montur. Aber mit so ein bisschen Sonne geht das doch alles gleich viel einfacher. Wir sind dabei heute in eine sehr dicht von Nomaden besiedelte Gegend gekommen und wurden gleich am Anfang vom Herrn des nächsten Zeltes zum Café eingeladen, den ich OK fand. Roman aber liebte ihn. Sehr süß und mit mindestens zwei weiteren Aromen versetzt (Zimt und weiß nicht was.). Die Jungs von dem Zelt sind denn auch den ganzen Tag noch um uns herum scharwenzelt, weil wir ja auch die ganze Zeit dort in der Nähe waren. Die Flächen waren vegetativ eher unspannend und sehr stark gestört, was aber auch nicht weiter verwunderte.

Heute abend dann die nächste Überraschung: Vor unserem Ställchen lagerte Baumaterial und in der Küche war eingestiegen worden. Das würde sich schon irgendwie aufklären, bald wollte ja der Kollege von Achmed hier einziehn und da wollten wie es bestimmt noch ein wenig netter machen und ich hoffte so für mich, dass sie sich damit doch noch ein wenig gedulden mögen. Als Achmed dann kam, stellte sich heraus, dass sie schon bald umbauen wollen und wir dafür uns so weit zurück ziehen müssten, dass wir eigentlich nur noch in dem einen Zimmer wohnen, was nicht so recht meine Begeisterung hervorrief. Aber Achmed kam dann mit dem Vorschlag doch in den Salon zu ziehen und das haben wir nach kurzem Überlegen dann auch ruck zuck gemacht. So sitzen wir jetzt im Salon und haben uns so leidlich eingerichtet. Es ist schon erstaunlich wie schnell man sich und mit wieviel zerstreutem Klimbim sich irgendwo heimisch fühlt und sich niederlässt. Ich hatte eigentlich auch ander Sachen zu tun als Umziehen aber jetzt bleibt es hoffentlich dabei.

Morgens geht es also wie gesagt zu einer Zweitagestour und für mich ist es jetzt aller höchste Zeit ins Bett zu gehen, ehe ich hier noch am Rechner wegnicke...

Posted at 10:29 nachm.    

So - Mai 2, 2004

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.


Das Wetter schlägt so seine Kapriolen mit uns, davon und von tollen neuen Entdeckungen...

Jo mei, das windet und pladdert draußen, dass es keine Freude ist. Und das vor allen Dingen erst heute abend. Der Tag fing nämlich sehr schön und sehr warm an. Doch dazu später. Nach meinem letzten Eintrag fand zunächst Alltag statt. Wir sind am 30.04 zu Hi10 gefahren, welches sich hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass die Flächen meist recht schlecht abzustecken waren, was für Roman das Umherkriechen in diversen Büüschen bedeutete, welches ich wiederum auch mal fotografisch festgehalten habe. Ansonsten waren die Flächen und das Wetter durchwachsen. Aber es regnete zumindest nicht und obwohl ein kalter Wind wehte, war es eigentlich immer ganz schön, wenn sich die Sonne mal durchgeschlagen hatte. Tat sie nur leider nicht so oft, auch wenn es zum Nachmittag besser wurde.

Auch der Kampftag der Werktätigen konnte uns nicht von der Arbeit abhalten. Obwohl ich zunächst darüber nachgedacht hatte frei zu machen. Wir starteten bei herrlichem Sonnenschein und waren früh oben auf Hi3, welches ganz in der Nähe eines vor kurzem (ich berichtete) errichteten Nomadenzeltes gelegen war. Nach kurzer Zeit kam ein gut spanische Sprechender Mann angeritten und fragte, was wir täten. Ich versuchte es ihm so gut wie möglich zu erklären und er schien auch zu verstehen. Zumindest war ers zufrieden, dass wir keine Zelt dort aufstellten oder so und zog von dannen. Wenig später bratzte die Sonne herab und ich zog mir die Fleeceteile aus und setzte mein Anglerhütchen (das ich einst von Fischer-Ina, die ja bald nun Anderson-Ina heißen wird geschenkt bekommen habe) gegen die Sonne auf und war vergnügt. Allerdings hielt das nicht lange vor, weil alsbald schon Wolken aufkamen und damit Wind und damit Kälte. Meine Güte, wird das denn hier nicht mal richtig warm!?! - Kurze Intervention: Draußen stürmt es und regnet es gerade wieder wie in so einem alten Hitchcock-Streifen... - Aber gegen Nachmittag ging es einigermaßen aber es war letztlich durchwachsen. Als wir die letzte Fläche, ganz in der Nähe des Weges bearbeiteten kam noch ein älterer Herr, der wohl ebenfalls zu dem neuen Zelt gehörte vorbei und sprach sogar ein wenig französisch und hatte an die 6-7 Kühe und 4 schicke Pferde dabei. Wohl etwas gebildetere und wohlhabendere Leute...

Ansonsten passierte nicht mehr viel, außer das wir relativ kurz nach Debdou runterfuhren, wo wir hauptsächlich Harscha-Grundlage und Zucker kauften und Achmed der mit war sich Dope besorgte und wir dazu kurz ins Platanen-Café einkehrten. Abends fing ich das Buch an, das ich von Andy Eisbär geschenkt bekommen habe und habe heute schon fieberhaft weiter gelesen. "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste". Was die beiden abgezogen haben, war noch einmal eine ganz andere Kategorie und es ist sehr interessant zu lesen, wie sie sich erstens durchgeschlagen und zweitens aber auch was für Gedanken ihnen kamen und worüber sie philosophiert haben...

Heute dann, wollten wir mit einem Tag Verspätung einen Tag frei machen und mal wirklich frei machen. Wie gesagt weckten uns neben einem Anruf von Romans Eltern feinste Sonnenstrahlen und es war schon morgens sehr schön warm. Das würde ein feiner tag werden und nun das Wetter endlich gut und wir könnte nach unserem freien Tag so richtig wieder in die Vollen gehen...

Zunächst war es nach ausgiebigem Frühstück wirklich sehr schön, da wir wie beschlossen mit Achmed eine Tour zu Fuß Richtung Debdou unternahmen. Als erstes steuerten wir eine am Wege gelegene Grotte unterhalb der bereits von mir besuchten (die ja lediglich einen Überhang darstellt) an. Da konnte man richtig hinein kriechen und drinnen war es schön groß und "gemütlich". Wir forschten noch mit dem Funzellicht von meiner Taschenlampe eine wenig rum, aber es war dann auch relativ bald Schluss. Dann ging es spazierengehend Richtung Kasbah weiter. Noch vor dem eigentlichen Ziel trafen wir einen alten Bauern, der zufällig ganz in der Nähe seinen Garten hatte zu dem er auf dem Wege war. Wir hatten gerade staunend einen Wasserfall (an der halb künstlichen halb natürlichen Wasserrinne die das Wasser von Ayn El Kbira dem Ort Debdou und den Gärten den Berg hinabstürzend zuleitet) bestaunt und Fotos dort gemacht und ich hatte Lagurus ovatus endlich mal in Natura gefunden und auch Roman war ganz begeistert davon. Der Bauer kannte Achmed, war früher Soldat und gut drauf. Er und Achmed freuten sich mit ein wenig Dope des Lebens und danach hatten wir eine Einladung zum Tee-Picknick. Während Achmed mit den Materialien des Bauern den Tee bereitete staunten und streunten wir im Garten umher. Ich war irgendwie mal wieder ein wenig wackelig auf den Beinen. Aber wahrscheinlich waren Wetterlage und schlechtes Gewissen gleichermaßen daran beteiligt. Aber langsam wurde es besser und ich freute mich an diesem ursprünglichen, aus allen Nähten platzenden Garten und unserem leckeren Tee am Bach (bzw. an der offenen Wasserleitung).

Wir mussten ein wenig drängen. Aber nun ging es weiter hinab windend gen Kasbah. Diese hat sogar einen beeindruckenden Burggraben. Hier kam dann noch Urtica pilulifera endlich einmal life und in Farbe und weitere Arten, die teilweise neu waren, teilweise mir endlich halfen mir zum Beispiel über einige der verschiedenen gelbblütigen Asteraceen klar zu werden. In diesem Sinne also ein Erfolg. Aber auch sonst war der Tag von schönen Erlebnissen gesäumt. In der Kasbah (die teilweise einen ganz schön maroden Eindruck macht) trafen wir noch einen Freund Achmeds, von dem auf Achmeds Drängen mit Achmed gemeinsam ein Bild vor der Moschee gemacht wurde. Inshallah wird er dieses irgendwann einmal bekommen. Kurz danach trafen wir noch einen sehr angeschalteten älteren Mann der uns freundlich grüßte und der laut Achmeds Aussage der Moscheechef war. Einige tolle Fotos von Kasbah und Menschen dort konnten wir ebenfalls noch schießen.

Unterhalb der Kasbah zeigte Achmed uns noch eine weitere Höhle, deren heutige Form zweifellos Menschen gemacht ist und Achmed und ich drangen etwa hundert Meter in den Stollen ähnlichen Gang vor und es war noch lange kein Ende in Sicht. Da würde ich ja gerne nochmal mit einer besseren Taschenlampe meinem Forschergeist freien Lauf lassen. Bald danach erreichten wir Debdou und nach noch ein wenig durch-die-Altstadt-Gestreife fanden wir uns relativ geschafft und müde im Platanencafé, wo wir erstmal ein Glas Tee schnabulierten, Achmed sich von der dort vorhandenen Frau (die Frau des Chefs) einen fertigen Joint hat geben lassen und weiteres Zeug hat besorgen lassen. Roman hat sich uffet Ohr jelecht und ich habe ein wenig vor mich hin gedöst.

Später schuffelten wir in unglaublich brütender Hitze durch Debdou nach vorn zur Kreuzung um dort irgend einen Hike zum Forsthaus zu nehmen. An der Kreuzung warteten wir ein wenig, aber Roman war das ein wenig zu bunt in Anbetracht der Tatsache, dass gegenüber ein Grand Taxi seiner Bestimmung harrte. Er ging hin und ich sagte bei dem Preis von 60 Dirham nicht nein (obwohl das für marokkanische Verhältnisse der Hammer teuer ist.). Es war Wochenende und Feiertag (Geburt des Propheten) und unser nachgeholter Feiertag und ich lud die anderen Interessierten noch auf die Fahrt mit ein... Auf dem Weg verdichteten sich Wolken und als wir oben waren war es schon recht ungemütlich. Roman bedauerte das arme Auto und versuchte zu identifizieren, was alles nicht in Ordnung sei. Die Kiste war auf jeden Fall schon ziemlich hin und musste nach unserer Ablieferung erstmal Kühlwasser tanken und die Haube eine wenig auf machen.

Wir waren irgendwie sehr geschafft und legten uns kurz ab, als Achmed uns auch schon zum Essen rief. Das war von Anfang an so gedacht gewesen (das wir zum Mittag wieder ran sind und Kuskus bekommen), aber wer nicht dran gedacht hatte war Achmed und ich hatte gedacht, dass das Essen für abends geplant war. Und so hatten wir einige Probleme, nachdem wir schon bei dem beeindruckenden Garten eine Menge Brot in leckerstes frisch gepresstes Olivenöl aus eigener Ernte tauchen mussten und Achmed am Platanen-Café auch noch Ei-LachendeKuh-Sandwiches besorgt hatte. Aber es war lecker und so aßen wir soviel wir konnten und auch noch Nachtisch (Orangen aufgeschnitten und mit Zimt gewürzt). Danach konnte ich nur noch "offs Krepp und nur noch otmen". Es war jetzt draußen schon wieder richtig kalt (Hatten wir nicht eben noch in der Hitze des Mittag jämmerlich uns durch Debdou geschwitzt?!?) und es fing an zu regnen.

Ich habe nach ein wenig Ruhe begierig das Buch (ich erwähnte es am Anfang) weiter gelesen und wollte eigentlich nach diesem Eintrag noch ein wenig lesen, das es so spannend und leicht lesbar ist. Derweil hat es immer mal geregnet. Abends hat dann Mama angerufen und wir haben schön telefoniert. Oma und Opa haben sich über meinen Quasi-Brief (hatte ich Mama geschickt, die ihn ausgedruckt hat...) sehr gefreut, was mich wiederum freute. Nach dem Anruf habe ich mich dann endlich aufraffen können, dass Buch wegzulegen und ein wenig in den aufgelaufenen Bodenproben rumzumanschnen. Jetzt sind alle Bodenproben bezüglich der Bodenart bearbeitet und liegen ausgebreitet in unserer Küche. Draußen stürmt es, dass es einem Angst und Bange wird und vielleicht werden wir morgen gezwungen sein hier zu bleiben. Eine wichtige Aufgabe gäbe es zu erledigen, so dass dies nicht allzu schlimm wäre (Bodenproben sieben). Aber wir werden sehen, was die Nacht bringt...

Posted at 09:38 nachm.    

Do - April 29, 2004

Man soll die Saison nicht vor der Ernte loben


Nach dem unser "freier" Tag bei herrlichem Sonnenschein vonstatten ging, erwartete uns danach die nächste Schlechtwetterperiode und zwang uns zum ersten Mal zum Abbrechen. Davon und wie durch enorme Anstrengung und den Zufall die Sache wieder eingeholt wurde...

Der freie Tag fing mit "ausschlafen" an. Gänsefüsschen weil ich natürlich vergessen hatte, den Wecker, der uns ja jeden Morgen um 10 vor sieben weckt (bzw. mich, da Roman immer noch eine Weile braucht), auzustellen. Ich habe aber gleich ausgedrückt und dann noch geschlafen bis 8:30 und geschlummert bis 9. Dann hielt mich nichts mehr, denn auch dieser Tag würde arbeitssam werden. Und unser Wunsch abends Taourit wegen eines Internet-Café-Augenthaltes noch zu besuchen würde das Ganze nach hinten raus limitieren.

Nach dem Frühstück setzte ich mich sogleich über das Pflanzenmaterial und kam auch recht gut voran (wobei immer noch Sachen auf die Bearbeitung warten und schon wieder neues dazu gekommen ist..Uff...). Zwischendurch setzte ich meine Wäsche mit einem bisschen kalten und einem bisschen gekochten Wasser und Saptil an und zog auf die Wiese. Roman hatte es vorgemacht. Der saß die ganze Zeit schon da draußen und las. Ich brauchte ganz schön lange und später fragte ich dann auch Roman, die Bodenproben draußen in die Sonne zum Trocknen auszubreiten bzw. war das mit dem Rausholen seine Idee. Ich wollte auf jeden Fall noch die angefallenen Proben bezüglich der Bodenartbestimmung bearbeiten. Und eigentlich wollte ich auch noch mit dem schönen heißen Wasser aus der Solardusche duschen. Hätte ich dies nur getan. Aber die zeit war zu knapp. Irgendwann machte ich mich dann noch eilig über die Bodenproben und Roman brachte die Proben wieder hinein und auf ging es (erst 16:00Uhr) nach Taourirt.

Dort zunächst Müll auf die Kippe bringen, dann Obst kaufen, dann in die Patisserie gegenüber wo es zwar nicht so tolle Sachen zum Mitnehmen gab, wir uns aber jeder zu zwei Teilchen und einem Café au lait hinreißen ließen und dann sage und schreibe 21 Dirham (ca. 2€) dafür bezahlten (und Roman hatte noch Kleinzeug sich auch einpacken lassen) dafür bezahlten. Dann zum Gemüsehändler den ich vom letzten Jahr noch erinnerte und auch gleich fand, dann zum Internet-Café. Dort fragte ich, ob ich meinen Rechner anschließen könne. Ich durfte und konnte und zack war ich mit dem AlBook mit der großen weiten Welt verbunden. Weshalb ich erstmal mit Mail alle Accounts checkte und massiv BOB-mail erhielt (was mir aber einen sehr guten Einblick in die Aktivitäten bezüglich 24Stunden-Vorlesung gab) und an jede mail die ich verschickte auch noch ein bisschen Bildchen anhängte.

Auf dem Heimweg habe ich dann noch durch pure Unaufmerksamkeit gleich zweimal hintereinander ein übles Schlagloch mit genommen und dabei die Felge vorne rechts geschrottet (wie wir zu Hause alsgleich bemerkten). Wenn man keine Arbeit hat, dann macht man sich halt welche... Aber am nächsten Tag (also gestern) sollten die Flächen ja eh zu Fuß erreicht werden, da es sich um Hangflächen handelte. Das zu Fuß erreichen war auch nicht das Problem. Aber das Wetter war schlecht: Wolken zogen durch und wir standen in der Suppe. Die Flächen erwiesen sich jedoch als nett gelegen in der Nähe des kleinen Tropfstein-Überhangs am Nomadenweg den ich letztes Jahr schon mit Hamid benutzt hatte. Nützte aber nichts, denn nach dem Abspannen der zweiten Fläche direkt unterhalb einer Felswand und sehr waldig und interessant begann es zu schiffen wie das Messer. Roman schrieb geschützt durch einen Felsvorsprung, ich rannte durch den Regen und merkte erst später an der durchnässten Hose wie stark es eigentlich geregnet hatte. Roman hatte seine Unterhose noch auf der Leine, ich war relativ nass und so war uns beiden kalt und es sah nicht Wetterbesserung aus. So gaben wir auf. Da war ja auch noch die Felge usw. Zu Hause bestimmte ich sogleich wieder Pflanzen und am Nachmittag sind wir dann nach Debdou gefahren um die Felge reparieren zu lassen. Roman hatte inzwischen das Rad gewechselt und unser Baumarktmann organisierte die Chose nachdem wir ihn erst ein bisschen suchen mussten. Der Hammer hat's gerichtet. Naja. als Reserverad reicht's und vor der Fahrt nach Hause brauchen wir wohl am besten noch ein neues Rad.

Danach noch ins Café und dann schon ziemlich müde ab nach oben. Die Wolken waren immer noch dunkel am ins Tal ziehen und nach kaltem Essen ging's alsbald ins Bett. Ich habe dort noch Raja's Fragebogen ausgefüllt den ich dann heute morgen abgeschickt habe. Roman brauch ja eh immer noch ein bisschen wenn ich schon auf bin und so habe ich die "billige" Zeit vor acht noch zum Mail wegschicken genutzt. Dann also auf zu neuen Taten. Glücklicherweise erwies sich HA7 als teilweise in einem episodischen See gelegen und wir rissen die ersten 4 Flächen im Handumdrehen ab (da 3 im gerade eben noch Wasser und jetzt keine Vegetation mehr Bereich oder sogar ganz im Wasserlagen) und beschlossen deshalb, da wir ja schon mal so weit oben waren, noch einen weiteren 4er (HA11) dranzuhängen, da dort laut Karte auch mit offenen also schnell absteckbaren Flächen zu rechnen war. Das war auch so und die Flächen waren noch dazu alle sehr interessant (ehemalige Ackerfläche, aktuelle Ackerfläche, sehr flachgründig steinig und mega-flachgründig steppig). Allerdings bedeutete das totales Durchrücken und ohne Maruja hätte ich das nicht gepackt. Noch dazu war das Wetter schlecht: Der Wind blies, es war kalt und die Wolken zogen dunkel über uns hinweg. Zum Glück regnete es wenigstens nicht.

Aber irgendwann war auch das und noch dazu in Affentempo geschafft. Und dabei gab es sogar sehr viele Arten zu finden und auch interessantes Neues. Das bedeutete allerdings noch heftig Nacharbeit daheim. Ich habe bis 21:00 Uhr Pflanzen bestimmt (und dabei direkt nach dem Ankommen gegen halb 6 angefangen), dann mir noch schnell was warmes zu essen gemacht (Herr Hein wollte mal wieder nicht, der ernährt sich lieber von Süßem) und dann, nach dem Pressen von ein paar der bearbeiteten Pflanzen bin ich flugs ins Bett, habe mir den Rechner auf den Schoß gelegt (heißt ja schließlich Laptop das Ding) und losgeschrieben. Jetzt fallen mir wirklich gleich die Augen zu nach 12 Stunden unter Strom und Konzentration und so. Deshalb mach ich sie auch zu und entschlummere. Ach, beinahe habe ich noch das tollste heute vergessen. Achmed kam und brachte Post von meinem Spatz für mich. Das war eine Freude und hat mich aufgebaut. Den Brief werde ich wohl morgen nochmal in Ruhe lesen und mich nochmal drüber freuen. Jetzt aber erstmal in die Falle...

Nur noch mal zum resümieren: Das war ein 8ter heute!!

Posted at 10:10 nachm.    

Mo - April 26, 2004

Wieder dahoam


Nachdem wir drei Tage am Stück durchgezogen haben, sind wir nun (seit knapp einer Stunde) wieder in Ayn El Kbira... Die drei Tage waren anstrengend aber auch sehr schön und wir haben viel geschafft.

Am 23. April haben wir wie schon im letzten Eintrag angedeutet noch einen 4er Neuling abgerissen. Die Flächen erwiesen sich allesamt als recht verbuscht, so dass das Abstecken immer recht eine wahre Freude war. Durch unsere Arbeitsteilung habe ich ja, bis auf ein bisschen Hilfestellung und nochmal einen Hering zuwerfen, daran keinen Anteil mehr. Ich fang dann immer schon an mit dem allgemeinen Flächenbeschrieb und den Fotos bzw. der Strukturerfassung. Romans Arbeit ist halt trotzdem so gefasst (immer dran denken, ist ja nur eine Projektarbeit...), dass er dann meist noch ein bisschen Zeit zum rumträumen, lesen usw. hat.

Wie gesagt, war es recht anstrengend und abends sind wir dann alsbald noch nach Debdou runter gefahren um uns adäquat auf unseren mehrtägigen Aufenthalt auf der Farm vorzubereiten. Wir kauften ein Huhn und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Am abend hatte ich noch überlegt zu bloggen, aber letztlich war ich durch die Aufarbeitung von Pflanzenmaterial so weit in Verzug und auch so müde, dass ich das geknickt hab. Außerdem habe ich natürlich noch Vorbereitungen für unsere Tour getroffen.

Am Morgen sind wir dann auch gut raus und einigermaßen los gekommen. Der Weg ist jetzt tatsächlich so gut, dass man bis zur Farm auch mit Passat fahren kann, wobei die richtig harschen Stellen und die Angstdurchfahrten erst beim Hochfahren heute so richtig deutlich geworden sind. Das war schon ein gutes Stück Arbeit für unser Passätchen. Aber erstmal sind wir ja angekommen, haben das Auto geparkt und fest gestellt, dass der Guardian nicht da ist. Zum Glück war Achmed mit, der den Kids erstmal verklickerte, dass alles abgesprochen und wir also goldrichtig dort seien. Er blieb bei Sachen, Auto, Hütte und wir haben uns auf unseren diesmal recht langen Weg zu der Untersuchungsfläche gemacht. Wie schon auf der Karte abzusehen, befanden sich alle Flächen im weitgehend offenen, gehölzfreien Bereich. Das machte die Absteckung sehr einfach. Indes die Aufnahme nicht, da, außer der zweiten bearbeiteten Fläche (die war eher Steppen mäßig auf einer kleinen Anhöhe), alle im ehemalig als Acker genutzten Offenland sich befanden. Also viele kleine Kriecheleguminosen und so weiter, so dass am Abend meine Knie recht schmerzten, da ich den ganzen Tag hockte oder sogar auf Knien umher robbte.



Das Wetter war herrlich, auch wenn es Roman anfangs und zum Schluss hin etwas kalt war, weil ein von anderem Wetterunbill völlig unbeeinflusstes Berg-Tal-Mesoklima zu bestaunen war, das vormittags recht kräftigen Berg-Tal-Wind und abends die Tal-Berg-Entsprechung brachte. Wegen der unproblematischen Absteckung und der günstigen Lage der Flächen, sowie natürlich meiner hervorragenden Aufnahmeleistung (im Sinne von Aufnahmegeschwindigkeit), waren wir auch gar nicht so spät fertig und machten uns auf den einfacheren Heimweg (da bergab). Die Farm und die Ebene des Moulouya-Tales im Blick ging's munter dem Abendessen entgegen. Achmed hatte den Tag mit warten verbracht und zumindest die Jungs schon mal dazu gebracht wenigstens den Nebeneingang zu öffnen. Als wir kamen, gab es erstmal Tee und weiter wurde geschmurgelt an der Tajine. Ich war noch ein wenig im Garten unterwegs, hab noch ein paar interessante Pflänzchen gefunden und bin ein bisschen rumgeklettert.

Bei Einbruch der Dunkelheit kam dann auch der Guardian des Hauses und am Kamin der mit eben von Achmed und Roman mit Hilfe der Jungs gesuchtem Feuerholz befeuert wurde ging es mondän und marokkanisch zur Sache. Allerdings zog der gesamte Rauch in die Hütte, da der Abzug mangels Abzug nicht funktionierte und Achmed hat eben wie die meisten Marokkaner eine Frau zu Hause und kocht deshalb nicht allzu oft, weshalb er den Braten etwas anbrennen ließ, was uns aber nicht weiter störte. Wir ließen es uns schmecken und nach so einem Tag war das alles auch besonders toll und lecker.

Später sahen wir draußen noch eine Mega-Sternschnuppe, was aber auch gestern Abend erst gewesen sein kann. Es gab dann noch Tee und bald darauf ging's dann auch ins Bett. Ich habe im Schlafzimmer genächtigt in das wegen offener Tür natürlich auch der Rauch gezogen war. Roman hielt das nicht aus und er legte sich in die Garage. Achmed schlief im Kamin- und zentralen Wohnraum. Überhaupt eine kleine aber sehr angenehme Hütte mit Wanne, Bidet, europäischem Klosett und Strom und das alles im Berghüttenstil.

Nach guter Nacht und marokkanischem Frühstück (Brot mit Brot und ein bisschen Harscha und noch dazu ein Teechen in dem wegen des Zuckergehaltes der Löffel stehen bliebe, so man denn einen benutzte), machten wir uns auf zu neuen Taten. Wir brachen recht alsbald auf, da klar war, das die Flächen hauptsächlich auf Grund ihrer Zugänglichkeit und Erreichbarkeit interessant sein würden... Wir brauchten den auch anderthalb Stunden Gekraxel um an unseren Punkten anzulangen. Immer am Hang entlang, mal hoch und mal runter und schön durchs Gesträuch. Dabei fanden wir aber auch interessante Dinge wie zum Beispiel dicke Nerium oleander Bäume und Rosa canina und Pistacia lentiscus und Virburnum tinus und Tulipa sylvestris im blühenden Zustand... Die erst Fläche war gleich recht interessant und bestand zu einem Drittel aus einer Runse. Die zweite war sehr verbuscht und die Feldschicht bestand hauptsächlich aus Gramineen und Cistus albidus (den ich allerdings zu einer niedrigen Strauchschicht rechne). Obwohl das Abstecken wegen der Struktur seine Zeit brauchte, waren die Flächen doch recht schnell abgearbeitet, da die Feldschicht sehr übersichtlich war und weniger des Knieens bedurfte.

Fläche drei konnten wir allerdings nicht so bearbeiten wie gedacht, da diese mindestens 50 Meter tiefer lag und wir keine Lust hatten einen Riesenweg in Kauf zu nehmen, bzw. uns abzuseilen. So nahmen wir eine andere die wiederum direkt über bzw. auf dieser Kante lag. Hier jetzt mal Stipa tenacissima (Halfa-Gras) in der Erhebungsfläche und alles sehr steil und sehr schön interessant. Danach sind wir dann zu unserer letzten Fläche, wo wir wieder eine kleine Veränderung im Plan vornehmen mussten, um nicht abzustürzen. Auch diese war abgesehen von einer großen Rutschung mächtig strauchig aber wiederum schnell erfasst, so dass wir im Endeffekt gegen 16 Uhr fertig waren. Als wir gerade ein wenig mitgebrachte Harscha mampften rief (mitten in der Pampa und am Steilhang und ganz alleine und urwaldesque umher alles, Romans Bruder an und fragte wie denn Romans Pflanzen zu Hause zu behandeln seien (anders als im sonstigen Untersuchungsgebiet hat man nämlich unterhalb der Kante natürlich Empfang). Das war schon ziemlich strange.

Auf dem Rückweg dann kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir gingen etwas unterhalb unseres Hinweges, da wir dort etwas wie einen Pfad entdeckt hatten. Dieser verlor sich zwar immer wieder, führte uns aber zu interessantesten Felsformationen. Bizarr auseinander gebrochene Brocken bei denen man in die Spalten gehen konnte und dann in die nächste. Eine richtige Entdeckungstour war das. Und als wir schon um eine Ecke rum waren und die Farm liegen sahen, entdeckte ich eben an jenen Felsen noch einiges interessantes im botanischen Sinne (Hedera helix, Ornithogalum narbonense, Euphorbia squanigera, Coronilla velutina, eine weitere Segge....) und war glücklich und verweilte immer wieder um nochmals an den Felsen etwas zu entdecken. Wir hatten jetzt auch eine gute Sicht auf die kleinen Wasserfälle, die unterhalb der Farm herabrinnen und kamen auf die Idee, das der reiche Arzt aus Marrakech der so gerne Touristen zu seiner Farm locken möchte hier auch super zwei tolle Tagestouren anbieten könnte...

Noch vor unserer Ankunft erfrischten wir Teile von uns (ich zumindest meine Füßchen) im die Wasserfälle speisenden Bach. Hach war das herrlich nach diesem wirklich heißen Tag und meine qualmenden Ruten (wie Roman die Füße zu nennen pflegt) bedankten sich ganz außerordentlich bei mir für diese herrliche Erfrischung. Achmed, der mit uns zusammen ebenfalls zu einer Tour in sein Ranger-Gebiet aufgebrochen war, wartete schon mit dem Guardian auf uns. Sie vertrieben sich die Zeit mit ein paar Wegearbeiten am Zugang zum Chalet (diese Bezeichnung halte ich durchaus für angemessen...). Wir waren ganz schön geschafft. Nach einem Tee und ein wenig Abgehänge gabs dann irgendwann auch essen, was ich mir mit Achmed und dem Guardian teilte. Roman wollte trotz des anstrengenden Tages nichts. So wie er auch heute schon angekündigt hat, das er nichts großes brauche. Immer diese Allüren. Ein wenig hat er auch recht behalten, den der zweite Teil von unserm gekauften Hühnchen lag mir dann doch relativ schwer im Magen...

Nachdem ich mich bald nach dem Essen schlafen gelegt hatte und auch sehr gut geschlafen habe (mit ein bisschen Musik vom iPod bald weggedöst und schön durch geschlafen) gings heute bald nach einem weiteren Harscha-Frühstück wieder zur Tat. Die Flächen waren ganz in der Nähe des Chalets gelegen und Achmed begleitete uns. Nach den ersten drei Flächen, die wegen unseres frühen Beginns und der Nähe der Flächen schon gegen 13:00 erledigt waren, machten Achmed und Roman eine weitere Harscha (mein Gott, das Zeug kommt mir bald zum Hals raus, aber es ist nahrhaft und Roman steht irgendwie sehr drauf) die es dann zu einem leider bereits lauwarmen Tee gab. Danach haben wir dann noch eine weitere fast im Bachbett gelegene Fläche bearbeitet. Das gab noch mal ein paar neue Arten (zum Beispiel eine dicke große Binse) dazu und mir dann auch nahezu den Rest. Wir haben jetzt seit Carls und Ankes Abfahrt so gut wie durch gearbeitet und ich bin jetzt ganz schön erledigt.

Der Heimweg war wie anfangs erwähnt bezüglich des Fahrens noch einmal spannend. Mitten in unserem UG haben wir weitere Neuankömmlinge gesichtet. Die Wolken die wir am Nachmittag gesehen hatten, haben sich weiter auf dem Plateau relativ dunkel zusammen gezogen aber uns nicht weiter betroffen und wohl auch keinen Regen gebracht. Morgen dürfte es ja regnen da wir "frei" machen werden. Das wird aber wohl nur für Roman halbwegs frei bedeuten und für mich eher Haustag. Eine Menge Bodenproben wollen noch zum Trocknen ausgelegt werden und eine nicht minder enorme Menge mit gebrachten Pflanzenmaterials will ebenfalls bearbeitet (bestimmt oder aber zumindest gepresst) werden, Socken müssen gewaschen werden usw. Außerdem werden wir nach Taourirt fahren um dort Luxusartikel (Joghurt, Kekse, Schoki) zu kaufen und das Internet-Café zu besuchen....

Au revoir... jetzt muss ich mir erstmal was kleines zu Essen machen....

Posted at 07:07 nachm.    

Do - April 22, 2004

Das Wetter ist uns gnädig...


...auch wenn sich's morgens manchmal anders anlässt.

Heute sah es nämlich morgens ganz nach schlechtem Tag aus. Das klärte sich aber zum Glück im Laufe des Tages auf. Aber erst mal zum gestrigen Tag. Bei schönstem Wetter sind wir zu einer neuen Innenfläche (Hi8) gefahren und haben diese, auch weil es zwischendurch sehr einfach abzuspannen war, in rekordverdächtiger Zeit bearbeitet. Allerdings komme ich, auch wenn ich schnell bin nie an Roman ran, der deshalb Privilegien genießt wie zwischendurch lesen, umher träumen oder ähnliches. Wir wurden auch wieder beäugt, aber nicht belästigt und dann ist es ja auch OK. Ich würd mich wahrscheinlich auch sehr wundern, was so fremde Typen mit eigenartigen Gerätschaften da eigentlich abgefahrenes machen.

Auf jeden Fall haben wir dann beschlossen, nachdem wir so schnell waren, die Zeit mal zu Nutzen, um endlich H6 in Angriff zu nehmen. Da war nämlich vom zweiten Arbeitstag an noch nur eine Fläche offen und so haben wir uns einen weiteren dreier Tag (den wir gleich heute gemacht haben, da heute die Fläche dran war die ansonsten in Kombination mit H6 gemacht worden wäre) erarbeitet und nach dem heutigen Tag (das Abstecken war auf allen drei Flächen Scheiße und sie waren interessant also aufwendig) weiß ich das noch umso mehr zu schätzen. Auf dem Weg zu H6 haben wir noch ein neues Zelt gesehen, die waren gerade beim Einziehen und wir werden sie wohl jetzt öfter sehen (heute zum Beispiel). Kaum angekommen ist Roman aufgefallen, dass wir den Klappspaten vergessen hatten. Das Gute und vor allem viel benutzte und benötigte Stück. Also haben wir schnell aufgebaut und Roman ist dann noch mal los gedüst und hat das Ding gesucht, gefunden und wieder gebracht.

Nach den 5 Flächen war ich voll bedient. Nichtsdestotrotz haben wir erstens auf dem Heimweg noch wegen Megasicht schön Fotos gemacht und sind dann zweitens nach nur kürzestem Stopp weiter Richtung Centre gefahren. Dort haben wir unseren Gemüsehändler geschlossen gefunden und haben deshalb nur bei Abdellah süsses und bei einem anderen Gemüsehändler Notration gekauft. Dann sind wir zu Hassan, der auch tatsächlich da war. War echt schön, dass wir das endlich mal hinbekommen haben. Zuerst haben wir bei ihm ein bisschen Smalltalk gehalten und haben sein Baby bewundert, dann sind wir in das hintere kühle Café unter den Platanen und haben dort Fussball (Champions League Halbfinale Porto gegen La Coruña) geguckt. Danach waren wir dann noch einmal bei ihm und haben gegessen. Zum Ende hin hat mich mein Spatz angerufen, der ich einen kleinen Schreck eingejagt hatte, da ich am Tag zuvor nächtens in einem Angstanfall angerufen und auf den Anrufbeantworter gesprochen hatte. Ich muss wirklich mal schauen, was ich mit mir mache...

Auf jeden Fall war das sehr schön und wir waren gegen halb 11 völlig erschöpft wieder am Forsthaus und sind auch stantepede ins Bett. Heute früh dann Suppe und nicht so richtig Lust, da das Wetter doch eine sehr große Rolle spielt. Nachdem Roman unbedingt noch früh ein Bisschen sein Zeug aufräumen musste und ich auch nicht so richtig in die Puschen kam, sind wir erst ein bisschen später los und waren dann wegen des noch recht weiten Fusswegs erst 10:30 auf den Flächen am Start und da diese es, wie schon angedeutet allesamt in sich hatten, war unser dreier Tag dann auch recht lang.

Als wir wieder unten waren, haben wir erstmal ein bisschen mit Achmed rumgehangen und Tee getrunken und unser Schlafen auf der Farm (dazu noch später einmal) klar gemacht und besprochen. Danach habe ich dann eine schöne warme Solarshower genommen und mich dann auf die akkumulierten Bodenproben gestürzt. Irgendwann habe ich Roman noch gebeten, neue Bodenprobentrocknungspapierauslegedinger zu basteln und während er sich dabei von Fatima "unterstützen" ließ habe ich im Boden rumgemanscht und mit Fingerprobe die Bodenart bestimmt. Das läuft ja hier im Endeffekt alles in die selbe Richtung und die Verlegung der Fingerprobe auf zu Hause spart natürlich Zeit im Gelände, wenn dann aber so an die 15 Proben zu machen sind grenzt das ganze aber schon wieder schnell an Arbeit.

Dann haben wir recht lecker gekocht (Roman die Nudeln, ich die Thunfisch-Tomaten-Soße) und als Roman dann gleich ins Bett ist, wo er jetzt gerade noch liest, habe ich zunächst mich ein wenig um mit gebrachte Pflanzen gekümmert, meist nur gepresst, oder bestätigt oder aber bestimmt. Allerdings muss ich sagen, dass auch dies zu zweit deutlich mehr fetzt, als wenn man alleine ist. Und ich kann Roman nicht verübeln, dass er sich wenig dafür interessiert, da sein Fokus ja völlig wo anders liegt. Dafür ist er immer total hinter irgendwelchem Gekräuch hinterher und sehr interessiert an der direkten Beobachtung. Trotzdem war das zu zweit bestimmen letztes Jahr eine feine Sache und ich bin froh, dass dieses Jahr nur vereinzelt noch Fragen auftreten. Da muss ich mich unbedingt noch mal bei Tonia bedanken.

Jetzt werde ich noch schnell email checken und dann in die seligen Gefilde meines Schlafsackes abtauchen. Morgen steht wieder ein 4er-Tag auf neuen Flächen an und ich bin schon wieder ziemlich müde auch....

Posted at 10:17 nachm.    

Di - April 20, 2004

Der erste richtig warme Tag!


Nach dem gestern uns die Kälte noch einmal arg zu schaffen machte, heute der erste richtig warme Tag

Gestern waren wir auf einer neuen Fläche und haben demzufolge 4 neue Aufnahmen gemacht. Es war hauptsächlich auf dem Acker an dem man vorbei kommt, wen man dem Weg zur Ferme folgt. Erwähnenswert ist außer dem äußerst kalten Wind und unserem durchfrieren, die Nomaden-Idioten-Jungs die uns die Hälfte der Zeit belästigt haben. Die gingen uns ziemlich auf den Sack, aber irgendwann sind sie dann halt abgezogen. Muss man halt ignorieren und es sind ja zum Glück nicht alle so. Die meisten sind sehr nett, gucken unverständlich und wo weiter. Respektieren aber zumeist den abgesteckten Bereich, was die Jungs überhaupt nicht gestört hat. Und diese Kälte!

Abends haben wir dann auch gar nicht mehr viel gemacht. Rumgepusselt halt. Es gab Kartoffeln mit Gemüsepfanne bzw. gebratenen Auberginen und später habe ich noch gelesen und an vorher an der Flächenplanung rumgemacht.

Heute dann endlich: Obwohl sich gestern abend noch einige Wolken zusammen gezogen hatten, erwachte ich heute bei strahlendem Sonnenschein und wir kamen auch einigermaßen in die Puschen. Mussten halt sehr weit und umständlich fahren und wahren gegen 9:30 auf der ersten Fläche. Die war gleich mal sehr absteckintensiv, aber alles entschädigend: Der Stern strahlte, das es eine Freude war. Und ich kam auch gleich richtig ins schwitzen. Der Himmel blieb den ganzen Tag wolkenlos blau und über mittag war es schon sehr warm, aber schön endlich. Es war so klar, das wir auf Hin und Rückfahrt die schneebedeckten Gipfel des Mittleren Atlasses sehen konnten, dem der Schnee sicher auch erst neuerlich in den letzten Tagen beschert worden ist.

Wieder zu Hause, habe ich erst mal abgegammelt und mich dann den Rest des Tages um Pflanzen gekümmert und hatte dabei sogar zwei Erfolgserlebnisse. Das wichtigste: Der Springbrunnen ist raus. Rothmaler ist und bleibt the best! Aphanes arvensis, ein popeliger kleiner Acker-Frauenmantel aber trotzdem schön. Ansonsten geht es mir gerade irgendwie überhaupt nicht gut und ich wüsste wirklich gerne ob ich mir das wirklich alles nur einbilde oder wie oder was. Jetzt gehe ich auch gleich hundemüde ins Bett...

Posted at 10:36 nachm.    

So - April 18, 2004

Die Sonne ist uns gnädig


da versuch ich doch gleich mal, ob ich dabei bleibe...

Heute früh dachte ich schon, Oh Gott nicht schon wieder, da, als ich eigentlich relativ spät (am Sonntag ist der Handy-Wecker nicht gestellt) gegen neun aufwachte, der Himmel wieder einmal Wolken verhangen daherkam. Nach dem wir so langsam aus dem Knick gekommen waren und ich beschlossen hatte auf Grund des Sonntags und des spät Aufstehens nur einen 2er zu machen, klarte es auch so langsam ein wenig auf. Drüben in der Tourist Area war die Hölle los, die Band am pauken und unzählig viele Leute am Start. Zeit also aufzubrechen.

Oben dann klarte es schon bald nachdem wir an der ersten Fläche angekommen waren richtig auf und es wurde ein richtig schöner Tag. Zwar verdeckte noch ab und zu ein Wölkchen die Sonne aber im GuG war es doch sehr schön.... Erst hatte ich deshalb noch überlegt noch eine dritte Fläche anzuschließen, dann aber überlegt, das erstens schließlich Sonntag sei und das zweitens ja auch noch andere Dinge a la maison zu erledigen seien.

Zurück am Forsthaus erstmal staunen über die scheinbar noch zahlreicher gewordenen Erholungsuchenden und dann endlich mal die Sanierung der Stricke von denen heute schon wieder einer abhanden gekommen ist. Da ist echt Schwund drin dieses Jahr. Aber ich habe mir eh schon zum wiederholten Male überlegt, wie die Lines verbesserbar wären um die Sachen noch schneller zu erfassen, aber noch bin ich über das für mich überlegen nicht hinaus gekommen...

Ich bin dann noch, obwohl es eigentlich schon anders gedacht war, mit Mohammed kurz in den Ort runter, hab eine Dichtung gekauft für unsere Gasflasche (bei der es nämlich auch am Schlauch raus erodierte, was bei Gas ja bekanntermaßen weniger lustig enden kann), welche wir im Endeffekt gar nicht brauchten, da sie nicht passte, Achmed aber eine hatte die passte. Ce est la vie. Aber ich hab noch ein bisschen Gemüse und Obst besorgt und mit bekommen, das Mohammed eigentlich den Auftrag hatte für Achmed Dope zu kaufen. Ich glaube die Hälfte der Leute in Debdou ist eh am dealen. Na egal. Zurück auf Ayn El Kbira reparierten wir also unsere Gasflasche. Dann rief Raja an und wir haben schön telefoniert. Das war eine Freude. Beim draußen stehen und telefonieren fing es allerdings schon wieder an kalt zu werden und obwohl es erst kurz nach achte ist, werde ich wohl bald Richtung Schlafsack abtauchen. Noch dazu gab es heute nur kalt essen (Fischdose zu frischem Brot, dass wir ja täglich von Achmed bekommen, da wir ihm das Mehl dazu gekauft haben und sozusagen ein Service-Abkommen mit ihm haben...) so dass mir trotz heißem Tee schon wieder ganz schön kalt ist (draußen hat es jetzt gerade ungefähr 8 Grad und drin ist's ja hier nicht viel wärmer...

Posted at 08:21 nachm.    



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