Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.
Das Wetter schlägt so seine
Kapriolen mit uns, davon und von tollen neuen Entdeckungen...
Jo mei, das windet und pladdert draußen,
dass es keine Freude ist. Und das vor allen Dingen erst heute abend. Der Tag
fing nämlich sehr schön und sehr warm an. Doch dazu später. Nach
meinem letzten Eintrag fand zunächst Alltag statt. Wir sind am 30.04 zu
Hi10 gefahren, welches sich hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass die
Flächen meist recht schlecht abzustecken waren, was für Roman das
Umherkriechen in diversen Büüschen bedeutete, welches ich wiederum
auch mal fotografisch festgehalten habe. Ansonsten waren die Flächen und
das Wetter durchwachsen. Aber es regnete zumindest nicht und obwohl ein kalter
Wind wehte, war es eigentlich immer ganz schön, wenn sich die Sonne mal
durchgeschlagen hatte. Tat sie nur leider nicht so oft, auch wenn es zum
Nachmittag besser wurde.
Auch der
Kampftag der Werktätigen konnte uns nicht von der Arbeit abhalten. Obwohl
ich zunächst darüber nachgedacht hatte frei zu machen. Wir starteten
bei herrlichem Sonnenschein und waren früh oben auf Hi3, welches ganz in
der Nähe eines vor kurzem (ich berichtete) errichteten Nomadenzeltes
gelegen war. Nach kurzer Zeit kam ein gut spanische Sprechender Mann angeritten
und fragte, was wir täten. Ich versuchte es ihm so gut wie möglich zu
erklären und er schien auch zu verstehen. Zumindest war ers zufrieden, dass
wir keine Zelt dort aufstellten oder so und zog von dannen. Wenig später
bratzte die Sonne herab und ich zog mir die Fleeceteile aus und setzte mein
Anglerhütchen (das ich einst von Fischer-Ina, die ja bald nun Anderson-Ina
heißen wird geschenkt bekommen habe) gegen die Sonne auf und war
vergnügt. Allerdings hielt das nicht lange vor, weil alsbald schon Wolken
aufkamen und damit Wind und damit Kälte. Meine Güte, wird das denn
hier nicht mal richtig warm!?! - Kurze Intervention: Draußen stürmt es
und regnet es gerade wieder wie in so einem alten Hitchcock-Streifen... - Aber
gegen Nachmittag ging es einigermaßen aber es war letztlich durchwachsen.
Als wir die letzte Fläche, ganz in der Nähe des Weges bearbeiteten kam
noch ein älterer Herr, der wohl ebenfalls zu dem neuen Zelt gehörte
vorbei und sprach sogar ein wenig französisch und hatte an die 6-7
Kühe und 4 schicke Pferde dabei. Wohl etwas gebildetere und wohlhabendere
Leute...
Ansonsten passierte nicht mehr
viel, außer das wir relativ kurz nach Debdou runterfuhren, wo wir
hauptsächlich Harscha-Grundlage und Zucker kauften und Achmed der mit war
sich Dope besorgte und wir dazu kurz ins Platanen-Café einkehrten. Abends
fing ich das Buch an, das ich von Andy Eisbär geschenkt bekommen habe und
habe heute schon fieberhaft weiter gelesen. "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in
die Wüste". Was die beiden abgezogen haben, war noch einmal eine ganz
andere Kategorie und es ist sehr interessant zu lesen, wie sie sich erstens
durchgeschlagen und zweitens aber auch was für Gedanken ihnen kamen und
worüber sie philosophiert
haben...
Heute dann, wollten wir mit
einem Tag Verspätung einen Tag frei machen und mal wirklich frei machen.
Wie gesagt weckten uns neben einem Anruf von Romans Eltern feinste
Sonnenstrahlen und es war schon morgens sehr schön warm. Das würde ein
feiner tag werden und nun das Wetter endlich gut und wir könnte nach
unserem freien Tag so richtig wieder in die Vollen
gehen...
Zunächst war es nach
ausgiebigem Frühstück wirklich sehr schön, da wir wie beschlossen
mit Achmed eine Tour zu Fuß Richtung Debdou unternahmen. Als erstes
steuerten wir eine am Wege gelegene Grotte unterhalb der bereits von mir
besuchten (die ja lediglich einen Überhang darstellt) an. Da konnte man
richtig hinein kriechen und drinnen war es schön groß und
"gemütlich". Wir forschten noch mit dem Funzellicht von meiner Taschenlampe
eine wenig rum, aber es war dann auch relativ bald Schluss. Dann ging es
spazierengehend Richtung Kasbah weiter. Noch vor dem eigentlichen Ziel trafen
wir einen alten Bauern, der zufällig ganz in der Nähe seinen Garten
hatte zu dem er auf dem Wege war. Wir hatten gerade staunend einen Wasserfall
(an der halb künstlichen halb natürlichen Wasserrinne die das Wasser
von Ayn El Kbira dem Ort Debdou und den Gärten den Berg hinabstürzend
zuleitet) bestaunt und Fotos dort gemacht und ich hatte Lagurus ovatus endlich
mal in Natura gefunden und auch Roman war ganz begeistert davon. Der Bauer
kannte Achmed, war früher Soldat und gut drauf. Er und Achmed freuten sich
mit ein wenig Dope des Lebens und danach hatten wir eine Einladung zum
Tee-Picknick. Während Achmed mit den Materialien des Bauern den Tee
bereitete staunten und streunten wir im Garten umher. Ich war irgendwie mal
wieder ein wenig wackelig auf den Beinen. Aber wahrscheinlich waren Wetterlage
und schlechtes Gewissen gleichermaßen daran beteiligt. Aber langsam wurde
es besser und ich freute mich an diesem ursprünglichen, aus allen
Nähten platzenden Garten und unserem leckeren Tee am Bach (bzw. an der
offenen Wasserleitung).
Wir mussten ein
wenig drängen. Aber nun ging es weiter hinab windend gen Kasbah. Diese hat
sogar einen beeindruckenden Burggraben. Hier kam dann noch Urtica pilulifera
endlich einmal life und in Farbe und weitere Arten, die teilweise neu waren,
teilweise mir endlich halfen mir zum Beispiel über einige der verschiedenen
gelbblütigen Asteraceen klar zu werden. In diesem Sinne also ein Erfolg.
Aber auch sonst war der Tag von schönen Erlebnissen gesäumt. In der
Kasbah (die teilweise einen ganz schön maroden Eindruck macht) trafen wir
noch einen Freund Achmeds, von dem auf Achmeds Drängen mit Achmed gemeinsam
ein Bild vor der Moschee gemacht wurde. Inshallah wird er dieses irgendwann
einmal bekommen. Kurz danach trafen wir noch einen sehr angeschalteten
älteren Mann der uns freundlich grüßte und der laut Achmeds
Aussage der Moscheechef war. Einige tolle Fotos von Kasbah und Menschen dort
konnten wir ebenfalls noch
schießen.
Unterhalb der Kasbah
zeigte Achmed uns noch eine weitere Höhle, deren heutige Form zweifellos
Menschen gemacht ist und Achmed und ich drangen etwa hundert Meter in den
Stollen ähnlichen Gang vor und es war noch lange kein Ende in Sicht. Da
würde ich ja gerne nochmal mit einer besseren Taschenlampe meinem
Forschergeist freien Lauf lassen. Bald danach erreichten wir Debdou und nach
noch ein wenig durch-die-Altstadt-Gestreife fanden wir uns relativ geschafft und
müde im Platanencafé, wo wir erstmal ein Glas Tee schnabulierten,
Achmed sich von der dort vorhandenen Frau (die Frau des Chefs) einen fertigen
Joint hat geben lassen und weiteres Zeug hat besorgen lassen. Roman hat sich
uffet Ohr jelecht und ich habe ein wenig vor mich hin gedöst.
Später schuffelten wir in
unglaublich brütender Hitze durch Debdou nach vorn zur Kreuzung um dort
irgend einen Hike zum Forsthaus zu nehmen. An der Kreuzung warteten wir ein
wenig, aber Roman war das ein wenig zu bunt in Anbetracht der Tatsache, dass
gegenüber ein Grand Taxi seiner Bestimmung harrte. Er ging hin und ich
sagte bei dem Preis von 60 Dirham nicht nein (obwohl das für marokkanische
Verhältnisse der Hammer teuer ist.). Es war Wochenende und Feiertag (Geburt
des Propheten) und unser nachgeholter Feiertag und ich lud die anderen
Interessierten noch auf die Fahrt mit ein... Auf dem Weg verdichteten sich
Wolken und als wir oben waren war es schon recht ungemütlich. Roman
bedauerte das arme Auto und versuchte zu identifizieren, was alles nicht in
Ordnung sei. Die Kiste war auf jeden Fall schon ziemlich hin und musste nach
unserer Ablieferung erstmal Kühlwasser tanken und die Haube eine wenig auf
machen.
Wir waren irgendwie sehr
geschafft und legten uns kurz ab, als Achmed uns auch schon zum Essen rief. Das
war von Anfang an so gedacht gewesen (das wir zum Mittag wieder ran sind und
Kuskus bekommen), aber wer nicht dran gedacht hatte war Achmed und ich hatte
gedacht, dass das Essen für abends geplant war. Und so hatten wir einige
Probleme, nachdem wir schon bei dem beeindruckenden Garten eine Menge Brot in
leckerstes frisch gepresstes Olivenöl aus eigener Ernte tauchen mussten und
Achmed am Platanen-Café auch noch Ei-LachendeKuh-Sandwiches besorgt hatte.
Aber es war lecker und so aßen wir soviel wir konnten und auch noch
Nachtisch (Orangen aufgeschnitten und mit Zimt gewürzt). Danach konnte ich
nur noch "offs Krepp und nur noch otmen". Es war jetzt draußen schon wieder
richtig kalt (Hatten wir nicht eben noch in der Hitze des Mittag jämmerlich
uns durch Debdou geschwitzt?!?) und es fing an zu
regnen.
Ich habe nach ein wenig Ruhe
begierig das Buch (ich erwähnte es am Anfang) weiter gelesen und wollte
eigentlich nach diesem Eintrag noch ein wenig lesen, das es so spannend und
leicht lesbar ist. Derweil hat es immer mal geregnet. Abends hat dann Mama
angerufen und wir haben schön telefoniert. Oma und Opa haben sich über
meinen Quasi-Brief (hatte ich Mama geschickt, die ihn ausgedruckt hat...) sehr
gefreut, was mich wiederum freute. Nach dem Anruf habe ich mich dann endlich
aufraffen können, dass Buch wegzulegen und ein wenig in den aufgelaufenen
Bodenproben rumzumanschnen. Jetzt sind alle Bodenproben bezüglich der
Bodenart bearbeitet und liegen ausgebreitet in unserer Küche. Draußen
stürmt es, dass es einem Angst und Bange wird und vielleicht werden wir
morgen gezwungen sein hier zu bleiben. Eine wichtige Aufgabe gäbe es zu
erledigen, so dass dies nicht allzu schlimm wäre (Bodenproben sieben). Aber
wir werden sehen, was die Nacht bringt...
Posted: So - Mai 2, 2004 at 09:38 nachm.