Und ewig grüßt das Regentier


Davon, dass es immer noch regnet und dass es kalt ist. Aber auch von einem schönen Sonnentag, den wir Bodenproben siebend und Pflanzen bestimmend verbrachten

Da sitz ich schon wieder im Cyber in Taourirt und habe nicht mal mail bekommen. Was vielleicht auch daran liegt, dass nach meinen letzten ausführlichen Mails ich auch schon "zu Hause" per teurer wireless Telefonverbindung gecheckt habe und deshalb auch wegen des dazwischen liegenden Wochenendes wenig da sein kann.

Aber zu den Geschehnissen der letzten Tage. Die Zweitages-Tour fing mit Schwüle an, die alsbald in Bewölkung und Kälte umschlug. Dunkle Wolken zogen über uns und da wir die Flächen spät erreicht hatten, waren wir auch spät fertig. Aber deswegen hatten wir ja einen zweitägigen Einsatz geplant. Um den Weg zu sparen. Wieder am Auto haben wir uns auch gleich daran gemacht Holz zu suchen, Zelt aufzubauen und einen Feuerplatz an einem alten Nomadenwohnplatz mit Trockensteinmauer gegen Wind herzurichten und anzufangen zu kochen. Allerdings kamen alsbald uns teilweise bekannte Nomaden vorbei und wir konnten unser mitgebrachtes Gemüse gar nicht essen, weil alsbald der Vater der Familie mit frischer Harscha und Milch und Butter kam und wir das natürlich nicht ausschlagen konnten, insbesondere da Roman total auf Harscha abfährt. Sie saßen dann noch eine Weile bei uns rum und die Wolken wurden immer mal dunkler und schneller und mal sah man die Venus und die Sternlein funkeln. Auf jeden Fall war es kalt und bald nach Einbruch der Dunkelheit haben sie sich von dannen gemacht und auch ich habe nur noch kurze Zeit am Feuer gesessen. Roman wollte nicht im engen Zelt schlafen und bevorzugte den Platz am Feuer. Als ich noch mal pinkeln war, saß er da noch. Aber beim zweiten Mal saß er nicht mehr und hatte sich in das ja benachbarte Auto zurück gezogen.

Mit dem Handyweckerklingeln sind wir ausnahmsweise beide raus (auch Roman kam aus dem Auto gekrochen, da es wahrscheinlich doch auch nicht so bequem ist) und begannen mit Frühstücksvorbereitungen. Wieder kamen die Jungs vorbei und brachten uns frische Milch und standen ein wenig umher. Wir ließen nichts anbrennen und machten uns alsbald auf den Weg zu den Punkten nachdem wir ein wenig gefrühstückt (von der Harscha war noch etwas da) und abgebaut und zusammen geräumt hatten. Die Punkte waren sehr durchwachsen aber der durchziehende Nebel/tiefhängende Wolken und die Kälte machten insbesondere die erste Fläche zur Tortur. Ein Glück, dass es nicht den ganzen Tag so geblieben ist. Das hätte ich nicht durch gehalten. Bei der zweiten Fläche wurden die Wolken lichter und zogen hoch, so dass wir nicht mehr im Nebel standen. Die Fläche war sehr nah an einem Zelt gelegen, von dem uns einer der Nomaden dem wir jetzt schon öfter begegnet sind und der auch am Vortag und am Morgen da bei war, begleitet von einem "Neuen", frisches Brot und Butter brachte. Sehr lecker und da konnte auch ich nicht umhin eine Pause einzuschieben. Das Wetter war ja gerade ein wenig besser geworden und wir lagen gut im Plan, weil wir recht früh angefangen hatten.

Im Laufe des Tages wurde das Wetter auf jeden Fall immer besser und wegen des vergessenen Einschmierens waren wir natürlich ganz schon gerötet, als wir dann gegen 16:00 Uhr den Weg zum Auto antraten. Morgen hätten wir "frei" und so ging es sich ganz beschwingt... Am Forsthaus entspannten wir uns denn auch und hatten aber auch gar nicht viel Zeit, weil nach Absprache mit Achmed, das Hammam auf uns wartete. Wir sind mit Mohammed und Abd el Ila (?? bezüglich der Schreibweise) nach Debdou und haben noch ein wenig eingekauft bevor wir das Hammam besuchten. Achmed hatte mit dem Besitzer gesprochen, dass wir es mieten und die Jungs waren einerseits aus Verständigungsgründen mit und andererseits war es natürlich ein Dankeschön von uns, da es dann doch recht "teuer" war. Wir bezahlten 50 Dirham für 2 Stunden. Das war es absolut wert, da Mohammed von Achmed angespitzt worden war uns so richtig marokkanisch zu behandeln. Mit abschrubben, Massage und so weiter. Ach, nach den kalten Tagen war das Hammam eine sehr gute Sache und wir beglückwunschten uns mehrmals für unseren Entschluss und auch Roman, der zunächst der Sache kritisch gegenüber gestanden hatte, fand es ganz toll. Zwischendurch kam dann noch Hassan rein und lud uns für danach zum Tee ein.

Abgeschlagen und uns rundum wohl und schön geschlauccht fühlend sind wir dann noch eben auf einen Tee zu Hassan. Die Jungs waren ein wenig überrascht haben es aber tapfer durch gestanden. Schon fast wegnickend bin ich dann als Beifahrer nur noch halb anwesend von Roman den Berg hoch kutschiert worden und dann zufrieden ins Bett gesunken. Am Nachmittag hatte ich noch Mail gecheckt und wusste auch von der Anzeige am Handy dass Raja versucht hatte, anzurufen. Meine VISA-Nummer war nun endlich da. Ich schaffte es noch gerade eine SMS abzusetzen, dann sank ich ins Bett...

Am Morgen weckte mich dann ein Anruf von Raja und obwohl ich darüber sehr erfreut war, haben wir einen späteren Anruf vereinbart und ich habe mich noch mal ein wenig umgedreht. Weil wir ja "frei" hatten. Im Endeffekt haben wir den ganzen Tag mit Arbeit verbracht. Zwar entspannt, aber Arbeit. Nach dem Frühstück haben wir die Bodenproben raus geräumt und ich habe dann angefangen. Alsbald haben die Kinder und Roman übernommen und ich habe Pflanzen bestimmt. Den ganzen Tag und zwischendurch hatte ich auch wirklich mal kein Bock mehr. Da waren die Gespräche mit Aziz, der da war, weil die Maurer an unserem Ställchen angefangen hatten mit dem Umbau und mit Achmed eine willkommene Abwechslung. Wir bekamen schön Teechen und Mittag und so war es kurzweilig und als wir gerade fertig waren, war der Tag auch schon vorbei. Wir beschlossen ihn mit ein wenig Fussball und bekamen nochmals lecker essen. ich schrieb abends noch ein paar Mails und viel dann todmüde ins Bett.

Und schon wieder war das Wetter schlecht. Als ich aufwachte, war ich geschockt, dunkle Wolken zogen und es war kalt und Achmed sagte, dass heute und morgen (also gestern und heute) Regen angesagt sei. Wir überlegten kurz, wagten dann aber die Fahrt. Oben arbeiteten wir den ganzen Tag im Nebel und später, als die Wolken höher (und damit kälter und feuchter) waren, gab es ab und zu auch mal ein paar Tropfen. Aber es hielt sich in Grenzen. Die Gegend war total zerfressen und die ganze Zeit waren irgendwelche Kids mit einer Unmenge Tiere um uns herum. Die dritte Fläche war ganz nett und sehr artenreich. Ansonsten war es halt harte Arbeit. Aber wir waren früh fertig und sind glücklich, dass es nicht stärker geregnet hatte nach Hause. Gut, dass wir so schnell gewesen waren. Es regnete den ganzen Abend und einen großen Teil der Nacht und es war nur erträglich, da wir in unserem schönen Salon ja jetzt auch Feuer machen können ohne zu ersticken und das ganze damit auch ein wenig wärmer bekommen haben als unser Ställchen gewesen wäre. Es hat halt alles seine Funktion.

Heute früh dann wurde deutlich, dass der Regen nun doch auch mal sehr negativ auf die Piste auf dem Plateau ausgewirkt hat. Wir hatten erst überlegt was zu tun sei, da eigentlich ein massiver 6er Tag geplant war und wir auch glücklicherweise durch einen Anruf von Romans Fastfreundin Friederieke früh auf den Beinen waren und entschieden es auf jeden Fall zu versuchen. Aber oben wurde deutlich, dass wir wahrscheinlich nicht mal ins Gebiet kämen. So drehten wir um, machten die 2 Flächen die ja wegen eines Abbruchs auf HA6 noch offen waren und sind dann nach Taourirt gefahren, da ich ja auch meine VISA-Karte mit der Nummer ausprobieren wollte. Es funktioniert!! Die Flächen waren by the way mal wieder sehr interessant: Super steil und nach dem Regen natürlich entsprechend rutschig. Bei der einen war ein Quellaustritt dabei, was natürlich wieder ein paar neue Arten im Riedgrasbereich einbrachte. Den Abschluss bildete ein kleiner Ausflug zu einer weiteren Hölle.

Mittags waren wir zu Hause, bekamen von Achmed noch was zu essen aufgedrückt, von dem ich nur ein wenig mampfte und ansonsten die Nudeln von gestern Abend verwertete. Roman macht eh gerade Diät, weil ihm immer alles schwer im Magen liegt und das Essen und die Maruja danach haben auch mich auf der Fahrt runter nach Debdou und nach Taourirt so mehr oder weniger neben mir stehen lassen aber jetzt geht es mir wieder besser...

Bis demnächst und hoffentlich weniger verspätet...

Posted: Di - Mai 11, 2004 at 05:33 nachm.        


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