Quick Links
Calendar
Categories
Archives
XML/RSS Feed
Statistics
Total entries in this blog:
Total entries in this category:
Published On: Aug 03, 2004 04:35 nachm.
|
Wieder dahoam
Nachdem wir drei Tage am Stück
durchgezogen haben, sind wir nun (seit knapp einer Stunde) wieder in Ayn El
Kbira... Die drei Tage waren anstrengend aber auch sehr schön und wir haben
viel geschafft.
Am 23. April haben wir wie schon im letzten
Eintrag angedeutet noch einen 4er Neuling abgerissen. Die Flächen erwiesen
sich allesamt als recht verbuscht, so dass das Abstecken immer recht eine wahre
Freude war. Durch unsere Arbeitsteilung habe ich ja, bis auf ein bisschen
Hilfestellung und nochmal einen Hering zuwerfen, daran keinen Anteil mehr. Ich
fang dann immer schon an mit dem allgemeinen Flächenbeschrieb und den Fotos
bzw. der Strukturerfassung. Romans Arbeit ist halt trotzdem so gefasst (immer
dran denken, ist ja nur eine Projektarbeit...), dass er dann meist noch ein
bisschen Zeit zum rumträumen, lesen usw.
hat.Wie gesagt, war es recht
anstrengend und abends sind wir dann alsbald noch nach Debdou runter gefahren um
uns adäquat auf unseren mehrtägigen Aufenthalt auf der Farm
vorzubereiten. Wir kauften ein Huhn und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Am
abend hatte ich noch überlegt zu bloggen, aber letztlich war ich durch die
Aufarbeitung von Pflanzenmaterial so weit in Verzug und auch so müde, dass
ich das geknickt hab. Außerdem habe ich natürlich noch Vorbereitungen
für unsere Tour getroffen.Am
Morgen sind wir dann auch gut raus und einigermaßen los gekommen. Der Weg
ist jetzt tatsächlich so gut, dass man bis zur Farm auch mit Passat fahren
kann, wobei die richtig harschen Stellen und die Angstdurchfahrten erst beim
Hochfahren heute so richtig deutlich geworden sind. Das war schon ein gutes
Stück Arbeit für unser Passätchen. Aber erstmal sind wir ja
angekommen, haben das Auto geparkt und fest gestellt, dass der Guardian nicht da
ist. Zum Glück war Achmed mit, der den Kids erstmal verklickerte, dass
alles abgesprochen und wir also goldrichtig dort seien. Er blieb bei Sachen,
Auto, Hütte und wir haben uns auf unseren diesmal recht langen Weg zu der
Untersuchungsfläche gemacht. Wie schon auf der Karte abzusehen, befanden
sich alle Flächen im weitgehend offenen, gehölzfreien Bereich. Das
machte die Absteckung sehr einfach. Indes die Aufnahme nicht, da, außer der
zweiten bearbeiteten Fläche (die war eher Steppen mäßig auf einer
kleinen Anhöhe), alle im ehemalig als Acker genutzten Offenland sich
befanden. Also viele kleine Kriecheleguminosen und so weiter, so dass am Abend
meine Knie recht schmerzten, da ich den ganzen Tag hockte oder sogar auf Knien
umher robbte.
Das Wetter war herrlich, auch wenn es
Roman anfangs und zum Schluss hin etwas kalt war, weil ein von anderem
Wetterunbill völlig unbeeinflusstes Berg-Tal-Mesoklima zu bestaunen war,
das vormittags recht kräftigen Berg-Tal-Wind und abends die
Tal-Berg-Entsprechung brachte. Wegen der unproblematischen Absteckung und der
günstigen Lage der Flächen, sowie natürlich meiner hervorragenden
Aufnahmeleistung (im Sinne von Aufnahmegeschwindigkeit), waren wir auch gar
nicht so spät fertig und machten uns auf den einfacheren Heimweg (da
bergab). Die Farm und die Ebene des Moulouya-Tales im Blick ging's munter dem
Abendessen entgegen. Achmed hatte den Tag mit warten verbracht und zumindest die
Jungs schon mal dazu gebracht wenigstens den Nebeneingang zu öffnen. Als
wir kamen, gab es erstmal Tee und weiter wurde geschmurgelt an der Tajine. Ich
war noch ein wenig im Garten unterwegs, hab noch ein paar interessante
Pflänzchen gefunden und bin ein bisschen rumgeklettert.
Bei Einbruch der Dunkelheit kam dann
auch der Guardian des Hauses und am Kamin der mit eben von Achmed und Roman mit
Hilfe der Jungs gesuchtem Feuerholz befeuert wurde ging es mondän und
marokkanisch zur Sache. Allerdings zog der gesamte Rauch in die Hütte, da
der Abzug mangels Abzug nicht funktionierte und Achmed hat eben wie die meisten
Marokkaner eine Frau zu Hause und kocht deshalb nicht allzu oft, weshalb er den
Braten etwas anbrennen ließ, was uns aber nicht weiter störte. Wir
ließen es uns schmecken und nach so einem Tag war das alles auch besonders
toll und lecker. Später sahen wir
draußen noch eine Mega-Sternschnuppe, was aber auch gestern Abend erst
gewesen sein kann. Es gab dann noch Tee und bald darauf ging's dann auch ins
Bett. Ich habe im Schlafzimmer genächtigt in das wegen offener Tür
natürlich auch der Rauch gezogen war. Roman hielt das nicht aus und er
legte sich in die Garage. Achmed schlief im Kamin- und zentralen Wohnraum.
Überhaupt eine kleine aber sehr angenehme Hütte mit Wanne, Bidet,
europäischem Klosett und Strom und das alles im Berghüttenstil.
Nach guter Nacht und marokkanischem
Frühstück (Brot mit Brot und ein bisschen Harscha und noch dazu ein
Teechen in dem wegen des Zuckergehaltes der Löffel stehen bliebe, so man
denn einen benutzte), machten wir uns auf zu neuen Taten. Wir brachen recht
alsbald auf, da klar war, das die Flächen hauptsächlich auf Grund
ihrer Zugänglichkeit und Erreichbarkeit interessant sein würden... Wir
brauchten den auch anderthalb Stunden Gekraxel um an unseren Punkten anzulangen.
Immer am Hang entlang, mal hoch und mal runter und schön durchs
Gesträuch. Dabei fanden wir aber auch interessante Dinge wie zum Beispiel
dicke Nerium oleander Bäume und Rosa canina und Pistacia lentiscus und
Virburnum tinus und Tulipa sylvestris im blühenden Zustand... Die erst
Fläche war gleich recht interessant und bestand zu einem Drittel aus einer
Runse. Die zweite war sehr verbuscht und die Feldschicht bestand
hauptsächlich aus Gramineen und Cistus albidus (den ich allerdings zu einer
niedrigen Strauchschicht rechne). Obwohl das Abstecken wegen der Struktur seine
Zeit brauchte, waren die Flächen doch recht schnell abgearbeitet, da die
Feldschicht sehr übersichtlich war und weniger des Knieens
bedurfte.Fläche drei konnten wir
allerdings nicht so bearbeiten wie gedacht, da diese mindestens 50 Meter tiefer
lag und wir keine Lust hatten einen Riesenweg in Kauf zu nehmen, bzw. uns
abzuseilen. So nahmen wir eine andere die wiederum direkt über bzw. auf
dieser Kante lag. Hier jetzt mal Stipa tenacissima (Halfa-Gras) in der
Erhebungsfläche und alles sehr steil und sehr schön interessant.
Danach sind wir dann zu unserer letzten Fläche, wo wir wieder eine kleine
Veränderung im Plan vornehmen mussten, um nicht abzustürzen. Auch
diese war abgesehen von einer großen Rutschung mächtig strauchig aber
wiederum schnell erfasst, so dass wir im Endeffekt gegen 16 Uhr fertig waren.
Als wir gerade ein wenig mitgebrachte Harscha mampften rief (mitten in der Pampa
und am Steilhang und ganz alleine und urwaldesque umher alles, Romans Bruder an
und fragte wie denn Romans Pflanzen zu Hause zu behandeln seien (anders als im
sonstigen Untersuchungsgebiet hat man nämlich unterhalb der Kante
natürlich Empfang). Das war schon ziemlich strange.
Auf dem Rückweg dann kam ich aus
dem Staunen nicht mehr heraus. Wir gingen etwas unterhalb unseres Hinweges, da
wir dort etwas wie einen Pfad entdeckt hatten. Dieser verlor sich zwar immer
wieder, führte uns aber zu interessantesten Felsformationen. Bizarr
auseinander gebrochene Brocken bei denen man in die Spalten gehen konnte und
dann in die nächste. Eine richtige Entdeckungstour war das. Und als wir
schon um eine Ecke rum waren und die Farm liegen sahen, entdeckte ich eben an
jenen Felsen noch einiges interessantes im botanischen Sinne (Hedera helix,
Ornithogalum narbonense, Euphorbia squanigera, Coronilla velutina, eine weitere
Segge....) und war glücklich und verweilte immer wieder um nochmals an den
Felsen etwas zu entdecken. Wir hatten jetzt auch eine gute Sicht auf die kleinen
Wasserfälle, die unterhalb der Farm herabrinnen und kamen auf die Idee, das
der reiche Arzt aus Marrakech der so gerne Touristen zu seiner Farm locken
möchte hier auch super zwei tolle Tagestouren anbieten
könnte...Noch vor unserer Ankunft
erfrischten wir Teile von uns (ich zumindest meine Füßchen) im die
Wasserfälle speisenden Bach. Hach war das herrlich nach diesem wirklich
heißen Tag und meine qualmenden Ruten (wie Roman die Füße zu
nennen pflegt) bedankten sich ganz außerordentlich bei mir für diese
herrliche Erfrischung. Achmed, der mit uns zusammen ebenfalls zu einer Tour in
sein Ranger-Gebiet aufgebrochen war, wartete schon mit dem Guardian auf uns. Sie
vertrieben sich die Zeit mit ein paar Wegearbeiten am Zugang zum Chalet (diese
Bezeichnung halte ich durchaus für angemessen...). Wir waren ganz
schön geschafft. Nach einem Tee und ein wenig Abgehänge gabs dann
irgendwann auch essen, was ich mir mit Achmed und dem Guardian teilte. Roman
wollte trotz des anstrengenden Tages nichts. So wie er auch heute schon
angekündigt hat, das er nichts großes brauche. Immer diese
Allüren. Ein wenig hat er auch recht behalten, den der zweite Teil von
unserm gekauften Hühnchen lag mir dann doch relativ schwer im
Magen...Nachdem ich mich bald nach dem
Essen schlafen gelegt hatte und auch sehr gut geschlafen habe (mit ein bisschen
Musik vom iPod bald weggedöst und schön durch geschlafen) gings heute
bald nach einem weiteren Harscha-Frühstück wieder zur Tat. Die
Flächen waren ganz in der Nähe des Chalets gelegen und Achmed
begleitete uns. Nach den ersten drei Flächen, die wegen unseres frühen
Beginns und der Nähe der Flächen schon gegen 13:00 erledigt waren,
machten Achmed und Roman eine weitere Harscha (mein Gott, das Zeug kommt mir
bald zum Hals raus, aber es ist nahrhaft und Roman steht irgendwie sehr drauf)
die es dann zu einem leider bereits lauwarmen Tee gab. Danach haben wir dann
noch eine weitere fast im Bachbett gelegene Fläche bearbeitet. Das gab noch
mal ein paar neue Arten (zum Beispiel eine dicke große Binse) dazu und mir
dann auch nahezu den Rest. Wir haben jetzt seit Carls und Ankes Abfahrt so gut
wie durch gearbeitet und ich bin jetzt ganz schön
erledigt.Der Heimweg war wie anfangs
erwähnt bezüglich des Fahrens noch einmal spannend. Mitten in unserem
UG haben wir weitere Neuankömmlinge gesichtet. Die Wolken die wir am
Nachmittag gesehen hatten, haben sich weiter auf dem Plateau relativ dunkel
zusammen gezogen aber uns nicht weiter betroffen und wohl auch keinen Regen
gebracht. Morgen dürfte es ja regnen da wir "frei" machen werden. Das wird
aber wohl nur für Roman halbwegs frei bedeuten und für mich eher
Haustag. Eine Menge Bodenproben wollen noch zum Trocknen ausgelegt werden und
eine nicht minder enorme Menge mit gebrachten Pflanzenmaterials will ebenfalls
bearbeitet (bestimmt oder aber zumindest gepresst) werden, Socken müssen
gewaschen werden usw. Außerdem werden wir nach Taourirt fahren um dort
Luxusartikel (Joghurt, Kekse, Schoki) zu kaufen und das Internet-Café zu
besuchen....Au revoir... jetzt muss
ich mir erstmal was kleines zu Essen machen....
Posted: Mo - April 26, 2004 at 07:07 nachm.
|