Wieder dahoam


Nachdem wir drei Tage am Stück durchgezogen haben, sind wir nun (seit knapp einer Stunde) wieder in Ayn El Kbira... Die drei Tage waren anstrengend aber auch sehr schön und wir haben viel geschafft.

Am 23. April haben wir wie schon im letzten Eintrag angedeutet noch einen 4er Neuling abgerissen. Die Flächen erwiesen sich allesamt als recht verbuscht, so dass das Abstecken immer recht eine wahre Freude war. Durch unsere Arbeitsteilung habe ich ja, bis auf ein bisschen Hilfestellung und nochmal einen Hering zuwerfen, daran keinen Anteil mehr. Ich fang dann immer schon an mit dem allgemeinen Flächenbeschrieb und den Fotos bzw. der Strukturerfassung. Romans Arbeit ist halt trotzdem so gefasst (immer dran denken, ist ja nur eine Projektarbeit...), dass er dann meist noch ein bisschen Zeit zum rumträumen, lesen usw. hat.

Wie gesagt, war es recht anstrengend und abends sind wir dann alsbald noch nach Debdou runter gefahren um uns adäquat auf unseren mehrtägigen Aufenthalt auf der Farm vorzubereiten. Wir kauften ein Huhn und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Am abend hatte ich noch überlegt zu bloggen, aber letztlich war ich durch die Aufarbeitung von Pflanzenmaterial so weit in Verzug und auch so müde, dass ich das geknickt hab. Außerdem habe ich natürlich noch Vorbereitungen für unsere Tour getroffen.

Am Morgen sind wir dann auch gut raus und einigermaßen los gekommen. Der Weg ist jetzt tatsächlich so gut, dass man bis zur Farm auch mit Passat fahren kann, wobei die richtig harschen Stellen und die Angstdurchfahrten erst beim Hochfahren heute so richtig deutlich geworden sind. Das war schon ein gutes Stück Arbeit für unser Passätchen. Aber erstmal sind wir ja angekommen, haben das Auto geparkt und fest gestellt, dass der Guardian nicht da ist. Zum Glück war Achmed mit, der den Kids erstmal verklickerte, dass alles abgesprochen und wir also goldrichtig dort seien. Er blieb bei Sachen, Auto, Hütte und wir haben uns auf unseren diesmal recht langen Weg zu der Untersuchungsfläche gemacht. Wie schon auf der Karte abzusehen, befanden sich alle Flächen im weitgehend offenen, gehölzfreien Bereich. Das machte die Absteckung sehr einfach. Indes die Aufnahme nicht, da, außer der zweiten bearbeiteten Fläche (die war eher Steppen mäßig auf einer kleinen Anhöhe), alle im ehemalig als Acker genutzten Offenland sich befanden. Also viele kleine Kriecheleguminosen und so weiter, so dass am Abend meine Knie recht schmerzten, da ich den ganzen Tag hockte oder sogar auf Knien umher robbte.



Das Wetter war herrlich, auch wenn es Roman anfangs und zum Schluss hin etwas kalt war, weil ein von anderem Wetterunbill völlig unbeeinflusstes Berg-Tal-Mesoklima zu bestaunen war, das vormittags recht kräftigen Berg-Tal-Wind und abends die Tal-Berg-Entsprechung brachte. Wegen der unproblematischen Absteckung und der günstigen Lage der Flächen, sowie natürlich meiner hervorragenden Aufnahmeleistung (im Sinne von Aufnahmegeschwindigkeit), waren wir auch gar nicht so spät fertig und machten uns auf den einfacheren Heimweg (da bergab). Die Farm und die Ebene des Moulouya-Tales im Blick ging's munter dem Abendessen entgegen. Achmed hatte den Tag mit warten verbracht und zumindest die Jungs schon mal dazu gebracht wenigstens den Nebeneingang zu öffnen. Als wir kamen, gab es erstmal Tee und weiter wurde geschmurgelt an der Tajine. Ich war noch ein wenig im Garten unterwegs, hab noch ein paar interessante Pflänzchen gefunden und bin ein bisschen rumgeklettert.

Bei Einbruch der Dunkelheit kam dann auch der Guardian des Hauses und am Kamin der mit eben von Achmed und Roman mit Hilfe der Jungs gesuchtem Feuerholz befeuert wurde ging es mondän und marokkanisch zur Sache. Allerdings zog der gesamte Rauch in die Hütte, da der Abzug mangels Abzug nicht funktionierte und Achmed hat eben wie die meisten Marokkaner eine Frau zu Hause und kocht deshalb nicht allzu oft, weshalb er den Braten etwas anbrennen ließ, was uns aber nicht weiter störte. Wir ließen es uns schmecken und nach so einem Tag war das alles auch besonders toll und lecker.

Später sahen wir draußen noch eine Mega-Sternschnuppe, was aber auch gestern Abend erst gewesen sein kann. Es gab dann noch Tee und bald darauf ging's dann auch ins Bett. Ich habe im Schlafzimmer genächtigt in das wegen offener Tür natürlich auch der Rauch gezogen war. Roman hielt das nicht aus und er legte sich in die Garage. Achmed schlief im Kamin- und zentralen Wohnraum. Überhaupt eine kleine aber sehr angenehme Hütte mit Wanne, Bidet, europäischem Klosett und Strom und das alles im Berghüttenstil.

Nach guter Nacht und marokkanischem Frühstück (Brot mit Brot und ein bisschen Harscha und noch dazu ein Teechen in dem wegen des Zuckergehaltes der Löffel stehen bliebe, so man denn einen benutzte), machten wir uns auf zu neuen Taten. Wir brachen recht alsbald auf, da klar war, das die Flächen hauptsächlich auf Grund ihrer Zugänglichkeit und Erreichbarkeit interessant sein würden... Wir brauchten den auch anderthalb Stunden Gekraxel um an unseren Punkten anzulangen. Immer am Hang entlang, mal hoch und mal runter und schön durchs Gesträuch. Dabei fanden wir aber auch interessante Dinge wie zum Beispiel dicke Nerium oleander Bäume und Rosa canina und Pistacia lentiscus und Virburnum tinus und Tulipa sylvestris im blühenden Zustand... Die erst Fläche war gleich recht interessant und bestand zu einem Drittel aus einer Runse. Die zweite war sehr verbuscht und die Feldschicht bestand hauptsächlich aus Gramineen und Cistus albidus (den ich allerdings zu einer niedrigen Strauchschicht rechne). Obwohl das Abstecken wegen der Struktur seine Zeit brauchte, waren die Flächen doch recht schnell abgearbeitet, da die Feldschicht sehr übersichtlich war und weniger des Knieens bedurfte.

Fläche drei konnten wir allerdings nicht so bearbeiten wie gedacht, da diese mindestens 50 Meter tiefer lag und wir keine Lust hatten einen Riesenweg in Kauf zu nehmen, bzw. uns abzuseilen. So nahmen wir eine andere die wiederum direkt über bzw. auf dieser Kante lag. Hier jetzt mal Stipa tenacissima (Halfa-Gras) in der Erhebungsfläche und alles sehr steil und sehr schön interessant. Danach sind wir dann zu unserer letzten Fläche, wo wir wieder eine kleine Veränderung im Plan vornehmen mussten, um nicht abzustürzen. Auch diese war abgesehen von einer großen Rutschung mächtig strauchig aber wiederum schnell erfasst, so dass wir im Endeffekt gegen 16 Uhr fertig waren. Als wir gerade ein wenig mitgebrachte Harscha mampften rief (mitten in der Pampa und am Steilhang und ganz alleine und urwaldesque umher alles, Romans Bruder an und fragte wie denn Romans Pflanzen zu Hause zu behandeln seien (anders als im sonstigen Untersuchungsgebiet hat man nämlich unterhalb der Kante natürlich Empfang). Das war schon ziemlich strange.

Auf dem Rückweg dann kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir gingen etwas unterhalb unseres Hinweges, da wir dort etwas wie einen Pfad entdeckt hatten. Dieser verlor sich zwar immer wieder, führte uns aber zu interessantesten Felsformationen. Bizarr auseinander gebrochene Brocken bei denen man in die Spalten gehen konnte und dann in die nächste. Eine richtige Entdeckungstour war das. Und als wir schon um eine Ecke rum waren und die Farm liegen sahen, entdeckte ich eben an jenen Felsen noch einiges interessantes im botanischen Sinne (Hedera helix, Ornithogalum narbonense, Euphorbia squanigera, Coronilla velutina, eine weitere Segge....) und war glücklich und verweilte immer wieder um nochmals an den Felsen etwas zu entdecken. Wir hatten jetzt auch eine gute Sicht auf die kleinen Wasserfälle, die unterhalb der Farm herabrinnen und kamen auf die Idee, das der reiche Arzt aus Marrakech der so gerne Touristen zu seiner Farm locken möchte hier auch super zwei tolle Tagestouren anbieten könnte...

Noch vor unserer Ankunft erfrischten wir Teile von uns (ich zumindest meine Füßchen) im die Wasserfälle speisenden Bach. Hach war das herrlich nach diesem wirklich heißen Tag und meine qualmenden Ruten (wie Roman die Füße zu nennen pflegt) bedankten sich ganz außerordentlich bei mir für diese herrliche Erfrischung. Achmed, der mit uns zusammen ebenfalls zu einer Tour in sein Ranger-Gebiet aufgebrochen war, wartete schon mit dem Guardian auf uns. Sie vertrieben sich die Zeit mit ein paar Wegearbeiten am Zugang zum Chalet (diese Bezeichnung halte ich durchaus für angemessen...). Wir waren ganz schön geschafft. Nach einem Tee und ein wenig Abgehänge gabs dann irgendwann auch essen, was ich mir mit Achmed und dem Guardian teilte. Roman wollte trotz des anstrengenden Tages nichts. So wie er auch heute schon angekündigt hat, das er nichts großes brauche. Immer diese Allüren. Ein wenig hat er auch recht behalten, den der zweite Teil von unserm gekauften Hühnchen lag mir dann doch relativ schwer im Magen...

Nachdem ich mich bald nach dem Essen schlafen gelegt hatte und auch sehr gut geschlafen habe (mit ein bisschen Musik vom iPod bald weggedöst und schön durch geschlafen) gings heute bald nach einem weiteren Harscha-Frühstück wieder zur Tat. Die Flächen waren ganz in der Nähe des Chalets gelegen und Achmed begleitete uns. Nach den ersten drei Flächen, die wegen unseres frühen Beginns und der Nähe der Flächen schon gegen 13:00 erledigt waren, machten Achmed und Roman eine weitere Harscha (mein Gott, das Zeug kommt mir bald zum Hals raus, aber es ist nahrhaft und Roman steht irgendwie sehr drauf) die es dann zu einem leider bereits lauwarmen Tee gab. Danach haben wir dann noch eine weitere fast im Bachbett gelegene Fläche bearbeitet. Das gab noch mal ein paar neue Arten (zum Beispiel eine dicke große Binse) dazu und mir dann auch nahezu den Rest. Wir haben jetzt seit Carls und Ankes Abfahrt so gut wie durch gearbeitet und ich bin jetzt ganz schön erledigt.

Der Heimweg war wie anfangs erwähnt bezüglich des Fahrens noch einmal spannend. Mitten in unserem UG haben wir weitere Neuankömmlinge gesichtet. Die Wolken die wir am Nachmittag gesehen hatten, haben sich weiter auf dem Plateau relativ dunkel zusammen gezogen aber uns nicht weiter betroffen und wohl auch keinen Regen gebracht. Morgen dürfte es ja regnen da wir "frei" machen werden. Das wird aber wohl nur für Roman halbwegs frei bedeuten und für mich eher Haustag. Eine Menge Bodenproben wollen noch zum Trocknen ausgelegt werden und eine nicht minder enorme Menge mit gebrachten Pflanzenmaterials will ebenfalls bearbeitet (bestimmt oder aber zumindest gepresst) werden, Socken müssen gewaschen werden usw. Außerdem werden wir nach Taourirt fahren um dort Luxusartikel (Joghurt, Kekse, Schoki) zu kaufen und das Internet-Café zu besuchen....

Au revoir... jetzt muss ich mir erstmal was kleines zu Essen machen....

Posted: Mo - April 26, 2004 at 07:07 nachm.        


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