Barbarei der Kulturpolitik


Westdeutsche Allgemeine - 17.10.2003

WAZ Gladbeck. "Kulturpolitischen Populismus" nennt Gerd Herholz, Leiter des Literaturbüros Gladbeck, die Kürzungspläne von Minister Vesper bei der Kultur- bzw Literaturförderung.

Um die Wichtigkeit von Lesekompetenz noch einmal zu beschwören, lud er "zu einer der vielleicht letzten Veranstaltungen" des Literaturbüros nach Oberhausen. Die Kritikerin Sigrid Löffler, Chefredakteurin von "Literaturen", referierte passend zum Thema "Literatur und Leselust - Darf ein Kritiker die Bücher lieben?"

Ihre Ausführungen zum "Strukturwandel auf dem Buchmarkt" standen unter dem Eindruck der Frankfurter Buchmesse. Die These, dass "der Warencharakter des Buches drauf und dran ist, die Stellung des Buches als Kulturgut zu zerstören" untermauerte Löffler mit dem Phänomen Bohlen. Der Konzern Bertelsmann/Random House habe erstmals ganz offen und triumphal den Durchbruch seiner Geschäftsidee demonstriert. "Der Marketingverbund aus Musikindustrie, Fernsehen und Boulevardpresse wurde erweitert. Das Buch erweist sich als jenes Format, in dem der Skandal-Müll an übler Nachrede aus der Klatschpresse gesammelt und ein weiteres Mal vermarktet werden kann."

Die Absicht von Vesper, den Etat für die Literaturförderung in NRW von 620 000 E auf 380 000 E in 2005 zu reduzieren, hält sie für eine Horrorvorstellung. Die Zusammenlegung der Kulturbüros - u.a. der vier Literaturbüros in NRW, wobei Vesper anscheinend in Unkenntnis gerne von fünf redet - in einem Haus der Kulturen, bewertet Herholz als "ineffizienten neuen Zentralismus". Und Löffler ergänzt resigniert: "Das ist das Problem der obwaltenden Kulturpolitiker. Ich kenne diese Exemplare, bin erschrocken, wie die ticken. In der Kulturpolitik sind Barbarismen eingebrochen, die mich nur erschrecken."
17.10.2003    Von Angelika Wölke

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Posted: Fr - Oktober 17, 2003 at 01:06 nachm.      


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