Lebensreformer M. Gnadinger
Letztes "adiós" für Eremit Manfred
- Zukunft seines Museums ungewiss
La Corunia/Madrid (dpa) - Vier elektrische Kerzen,
zwei Kreuze, ein Kranz und ein Farbfoto des Verstorbenen, auf dem er ein wenig
Jesus Christus gleicht: Der einfache Sarg des Einsiedlers Manfred Gnadinger war
zwar nicht reich geschmückt, umso ehrlicher war aber die Trauer der vielen
Bewohner des kleinen galicischen Fischerdorfes Camelle, die dem 63-jährigen
Deutschen die letzte Ehre erwiesen.
Die
Totenwache für den gebürtigen Dresdner, der nach Überzeugung
aller in dem Ort aus Kummer über die Ölpest vor seiner Haustür
gestorben ist, fand im Wohnzimmer einer Nachbarin statt. An der Tür
sammelten schwarz gekleidete Frauen Geld für die Blumen zur Beisetzung, die
für den späten Nachmittag auf dem Dorffriedhof angesetzt war. "Er war
ein guter Mensch", sagte einer der Anwesenden.
Sorge bereitet in dem knapp 2000 Einwohner
zählenden Ort an Spaniens "Todesküste" die Zukunft von Gnadingers
Freilichtmuseum mit all den bunt bemalten Felsen und Skulpturen aus Stein, Holz,
Fischknochen oder angeschwemmten Autoreifen. In einem Brief hatte der Deutsche
vor seinem Tod am Samstag die Regionalregierung gebeten, sich um das von
Hunderten Touristen besuchte und nun ölverschmierte Gelände zu
kümmern. "Er wollte noch zum Notar, um seinen letzten Willen beurkunden zu
lassen, doch dafür war er dann doch zu schwach", berichtet Manfreds bester
Freund Antón.
Dies rief die
Bürokratie auf den Plan: Die sechs Quadratmeter große Hütte, in
der der Deutsche seit 40 Jahren lebte, war zwar sein Eigentum, der
Skulpturengarten befindet sich aber auf öffentlichem Grund. Die
örtliche Fischergenossenschaft und die Gemeindeverwaltung haben sich
angeboten, das Erbe des Deutschen zu erhalten, doch mangels Testament hat
zunächst ein Zivilgericht das Sagen.
Nach
seinem Tod erfährt Gnadinger jedenfalls eine Solidarität, die er
zeitlebens in dem Dorf nicht immer genoss. Schließlich hielten manche den
hageren Sonderling mit dem Lendenschurz für einen Verrückten. Nun
erinnern sich die Bewohner daran, wie der Deutsche einmal unschuldig der
Vergewaltigung der Tochter eines Touristen aus Madrid beschuldigt worden war
oder wie er sich an einen Bagger kettete, als einige seiner Skulpturen entfernt
werden sollten. Dass "Man", wie ihn alle nannten, einen Teil der Eintrittsgelder
für sein Museum stets der Caritas spendete, wird auch in Erinnerung
bleiben.
Der Tod Gnadingers machte in ganz
Spanien Schlagzeilen. "Die tödliche Melancholie eines freien Menschen",
titelte die meist gelesene Tageszeitung "El País", und "El Mundo" widmete
ihm am Montag ihre Karikatur. Dort ist zu sehen, wie der Tod den Deutschen holt:
"Nun Manfred, Du fragst Dich bestimmt, ob es ein Leben nach dem Tod gibt", fragt
des Sensenmann. "Eigentlich frage ich mich, ob auf die eine Ölpest eine
weitere folgt", antwortet der naturliebende Eremit.
In Camelle, wo der Deutsche auch mit einer
Schweigeminute geehrt wurde, resümiert es eine Bewohnerin so: "Manfred hat
uns immer gesagt, unser Dorf werde durch ihn bekannt werden. Jetzt wo er tot
ist, wissen wir, dass er Recht hatte."
Jörg Vogelsänger,
dpa
http://swiki.hfbk-hamburg.de:8888/Lebensreform/13
mehr
links:
http://www.ocorreogalego.com/periodico/20021230/Cultura-Sociedad/N160873.asp
Posted: Mo - Dezember
30, 2002 at 02:25 nachm.