Eine Wahl zwischen drei Übeln
taz -
20.10.2003
Die
Globalisierungskritiker von Attac leben über ihre Verhältnisse. Daher
müssen sie jetzt sparen
BERLIN taz
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat
dasselbe Problem wie seine ärgsten Kritiker: zu wenig Geld. Auch Attac muss
sparen. Bis Jahresende 2003 werden die Ausgaben der Globalisierungskritiker um
100.000 Euro über den Einnahmen liegen, die Attac auf 720.000 Euro
schätzt. Welche Stelle die richtige zum Sparen sei, hat der Ratschlag der
Globalisierungskritiker am Wochenende diskutiert.
Drei Übel standen zur Wahl.
Kürzungen beim Budget der Ortsgruppen, bei den Personalkosten des
Frankfurter Zentralbüros und den Ausgaben für politische Kampagnen.
Mit wenigen Gegenstimmen beschloss die Versammlung, die Sparmaßnahmen mehr
oder weniger zu dritteln. So sollen die Basisgruppen in diesem Jahr 30.000 Euro
weniger bekommen. Ihnen stehen dann noch 130.000 Euro zur Verfügung. Mit
Teilzeit und Verzicht auf eine Lohnerhöhung tragen die Beschäftigten
des Büros 20.000 Euro bei. Außerdem bekommen die beiden Kampagnen
gegen die Agenda 2010 und die weltweite Privatisierung 30.000 Euro weniger.
Die finanziellen Probleme haben ihre
Ursache in Schlampereien zur Zeit des Büroumzuges aus dem
niedersächsischen Verden nach Frankfurt am Main. Bei der Aufstellung des
Haushalts 2003 wurden im Frühjahr falsche Zahlen aus der Datenbank
herausgezogen. Als man den Fehler entdeckte, hatte Attac schon zu viel Geld
ausgegeben. Nun überziehen die Globalisierungskritiker
regelmäßig ihre Konten und haben sich von Privatleuten Geld geliehen.
Ein erster Versuch, das Loch mittels
höherer Einnahmen zu stopfen, brachte nicht den erhofften Erfolg. Ein
Grund: Das Aufkommen an Spenden lässt sich zwar durch Werbung kurzfristig
erhöhen, bleibt aber insgesamt unter dem Niveau von 2002. Im vergangenen
Jahr gingen nach Schätzungen von Finanzexperte Oliver Moldenhauer bis zu
200.000 Euro ein, während es 2003 noch 160.000 Euro sein werden.
Auch der Zuwachs an Mitgliedern
lässt sich nicht beliebig steigern. Pro Woche kommen dieses Jahr im
Durchschnitt 80 Mitglieder hinzu. 2003 hat die Gesamtzahl um 3.500 auf 13.000
zugenommen. Aber auch hier gilt: 2002 wuchs Attac schneller. Damals nahm Attac
wöchentlich 130 neue Mitstreiter auf.
"HANNES KOCH
taz Nr. 7186 vom 20.10.2003, Seite
4, 62 TAZ-Bericht HANNES KOCH
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Posted: Mo - Oktober 20, 2003 at 03:16 nachm.