Interventionsreif


SZ - 24.10.2003

Im zweiten Anlauf – Oscar-Chance für palästinensischen Film
http://www.avatarfilms.com/releases/divine_intervention.html

Ein Filmkunstfilm. Ein Palästinenserfilm. Ein komischer, subversiver Film. Das klingt nach Kassengift und nach einem harten Brocken selbst für wohlwollende Kritiker. Trotz allem hat sich „Göttliche Intervention“ des Palästinensers Elia Suleiman gut geschlagen im Verlauf dieses Jahres, hat in aller Welt Verleiher – auch in Deutschland – und seine Botschaft an den Mann gebracht: dass man mit der Einbildungskraft manche Barriere, am Ende gar einen Checkpoint in den besetzten Gebieten außer Gefecht setzen könnte.

Unerschütterlich schien nur eine andere Bastion – die Academy of Motion Pictures and Sciences in L. A., die den Film nicht zuließ voriges Jahr beim Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Bevor aber die Diskussion in Fahrt kommen konnte, welcher der Punkte dies provoziert haben mochte (Kunstverdacht? Die politische Tendenz? Die Tatsache, dass Palästina kein anerkannter Staat ist?), stellte die Academy klar: Es war ein Formfehler, der Produzent hatte den Film nicht rechtzeitig eingereicht.

Nun hat er sich noch mal ein Herz gefasst, und diesmal ist Suleimans Film im Rennen, unter 55 Bewerbern – ein neuer Rekord –, neben den Erstlings-Teilnehmern Mongolei („Geschichte des weinenden Kamels“) und Sri Lanka („Mansion By The Lake“), und einem Zweitling, Afghanistan („Osama“). Was einfach ein weiterer Beweis des entspannten Stils ist, in dem Präsident Frank Pierson seine Academy führt. Wen juckt es dort, dass das Stück schon ein Jahr alt ist. Für palästinensische Filmemacher gilt halt ein Sonderstatus – „die Frage, was als ein Staat gelten darf, überlassen wir den Vereinten Nationen“. So kann der subversive, artifizielle Elia Suleiman ruhig den 27. Januar abwarten (an dem die fünf Kandidaten der Endrunde benannt werden), mit Kollegen aus fernen Ländern, Byambasuren Davaa und Luigi Falorni, Siddiq Barmak und Lester James Paries, und Wolfgang Becker, von dem der deutsche Beitrag „Good Bye, Lenin!“ ist.

göt

Posted: Fr - Oktober 24, 2003 at 09:49 vorm.      


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