11,45678 Prozent


Ich gehöre zu den 11,45678 Prozent die Herrn Haeusler nicht verstehen. Zumindest nicht alles. Mindestens jedoch zu denen die diesen Artikel nicht so verstanden haben wie er von Herrn Haeusler gemeint war.

Ich hatte aus meinem Verständnis seines Artikels heraus gestern dieses Posting geschrieben. Mit ein paar der anderen 11,45678 Prozent diskutiert ("kann man das so schreiben?"), kleinen Trackback zum Originalartikel gesetzt, mit keiner weiteren Reaktion gerechnet, höchstens ein paar Kommentaren. Dann zu meinem Erstaunen diese Reaktion festgestellt.

Auch wenn Herr Haeusler es "nervt", sich zu erklären, ich finde es sehr gut, damit es auch die restlichen 11,45678 Prozent verstehen, so wie ich einer bin.

Auch weiss ich nicht, ob es immer klappt, dass man Texte für sich selbst sprechen lassen soll. Das klappt vielleicht bei Gedichten und Liedtexten aber bei anderen Aussagen wird es dann schon eng. Es mag auch daran liegen, dass ich vielleicht eine andere Auffassung von Texten habe. Ein Text soll möglichst präzise eine Aussage rüber bringen. Wenn ich vor Kunden einen Präsentation halte, möchte ich nicht, dass der Text selber wirkt, sondern dass genau das ankommt was ich sagen möchte. Wenn ich bei Mac-TV moderiere möchte ich nicht dass die Zuschauer ihre eigene Interpretation von TCP/IP entwickeln, sondern dass sie nachher eine Ahnung davon haben wie es geht. Wenn ich mich von etwas distanziere, dann sage ich das, weil ich mich von etwas distanziere.

Wie gesagt, dass ist meine Auffassung. Dass man Blogtexte auch wie Lieder und Gedichte versteht (ohne dass sie erkennbar welche wären), ist für mich eine neue Sichtweise.

Dass es immer Leute gibt, die Häme über etwas ausschütten, das in der Öffentlichkeit gezeigt wird, ist mir auch bekannt. Vor allem in der Netzwelt wird das ja gerne und häufig gemacht. Destruktiv sein (und da nehme ich jetzt Herrn Haeusler explizit aus!) ist ja um so vieles einfacher als kreativ zu sein, und seien die Ergebnisse noch so obskur und trashig. Dieses Verhalten gibt es, aber es heisst nicht, dass ich es deshalb gut finden muss.
Das "wer nicht will, dass...., der soll halt" ist eine sehr zweischneidige und meines Erachtens auch vor allem emotionale Reaktion. Mit dieser Begründung kann man nämlich alles mögliche begründen ("Wer nicht will, dass er Kameraüberwacht wird, soll halt daheim bleiben.").

Aufmerksamkeit. Ich weiss nicht, ob Aufmerksamkeit bei allem die Triebfeder ist. Es gibt auch Menschen, die machen Dinge einfach, weil sie Ihnen Spaß machen, nicht weil sie dadurch Aufmerksamkeit bekommen. Wenn ich bei Mac-TV vor der Kamera stehe, dann, weil mich das Thema interessiert und weil es mir einfach Spaß macht. Wenn es auch noch andere interessiert, die sogar noch bereit sind, Geld dafür zu bezahlen, finde ich das sehr schön, aber es macht das Thema nicht mehr oder weniger interessant. Und wenn mich mal niemand sehen will, das Thema bleibt interessant und ich verfolge es halt alleine im stillen Kämmerlein weiter. Aber ich werde mir nicht überlegen, wie ich mich verbiegen muss, damit ich Aufmerksamkeit bekomme, weil mich das sonst zum Aufmerkskeits-Hanswurst machen würde.
Sicher ist es gut, wenn man Reflektionen von anderen bekommt, da man dadurch neue Einblicke über sich bekommen kann. Aber wo bitte ist die Reflektion, wenn Heise über sexuelle Defizite spekuliert oder Herr Haeusler sich öffentlich von Bontempi-Musik mit Kirchenchor-Ästhetik distanziert? Ich vermag da nichts zu erkennen.

Die beiden Macherinnen haben das vor allem deshalb gemacht weil es ihnen Spaß gemacht hat. Und ich wage mal die Prognose dass weder Jamba kommen wird, noch dass sie eine GmbH gründen müssen, weil das Stück unter Creative Commons steht.

Ich gehöre zu den 11,45678 Prozent die Herrn Haeusler nicht verstehen. Zumindest nicht alles. Mindestens seine Distanzierung hab ich nicht so verstanden haben wie sie von Herrn Haeusler gemeint war. Ich werde trotzdem "Spreeblick" weiterlesen. 88,543222 Prozent gefallen mir nämlich sehr gut.

Geschrieben am Di - Juli 19, 2005 um 08:50 nachm.   |     | |


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