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Wie ist das, ADD zu haben?
von Doktor Edward M. Hallowell, Cambrigde.
Copyright (C)
1992
http://www.hypies.com/add/addlike.html
" Meiner Meinung nach haben die meisten Leute eine
Aufmerksamkeits- Überschuß-
Störung . Ich meine, so wie das Leben
so ist, wer kann schon wirklich aufmerksam über eine lange Zeit sein? Ist
es wirklich ein Zeichen von geistiger Gesundheit, in der Lage zu sein, sein
Konto stets ausgeglichen zu halten, in einem Stuhl absolut ruhig zu verharren
und niemals jemals außerhalb der Reihe das Wort zu ergreifen? Soweit ich
sehen kann sind viele Leute die kein ADD haben, eingetragene Mitglieder des
Clubs der " Bruderschaft der Langweiler
".
Nun, sei dem, wie ihm sei, da gibt
es also dieses Syndrom genannt ADD oder ADHD, je nachdem welches Buch man liest.
Daher – wie ist es, ADD zu haben? Manche Leute sagen, daß das
sogenannte Syndrom nicht einmal existiert, aber glauben Sie mir, das tut es
dennoch.
(...)
Andererseits
ist es, als ob man ständig aufgeladen wäre. Du bekommst eine Idee und
mußt sie befolgen und dann, was weißt Du schon, aber da ist diese
ANDERE Idee, bevor die erste erledigt hast und Du stürzt Dich auf diese
Idee. Aber natürlich unterbricht eine dritte Idee die zweite und Du
muß sie in Angriff nehmen – und ziemlich bald nennen die Leute Dich
unorganisiert und impulsiv und alle möglichen unfreundlichen Worte, die den
Punkt komplett verfehlen. Weil Du nämlich verdammt hart daran arbeitest.
Es ist nur, daß Du diese ganzen unsichtbaren Vektoren hast, die Dich
hierhin und dorthin ziehen, was es ziemlich schwer macht, bei der Sache zu
bleiben.
Und dann – Du
hampelst ohne Unterlaß. Du trommelst mit den Fingern, trappelst mit den
Füßen, summst ein Lied, pfeifst, guckst hier, guckst dort, kratzt,
reckst Dich, flötest. Und die Leute glauben, daß Du nicht aufmerksam
bist oder nicht interessiert bist, aber alles was Du tust, ist, Dich zu regen,
damit Du überhaupt aufmerksam sein kannst. Ich kann besser aufmerksam
sein, wenn ich einen Spaziergang mache oder Musik höre (Anm.
Übersetzer: grad laufen die "Smashing Pumpkins" über die
Soundkarte) oder wenn ich in einem überfüllten, lauten Raum bin,
als wenn alles ruhig ist und ich von Stille umgeben bin. Gott schütze
mich vor Leseräumen. (...)
Wie
ist es, ADD zu haben? Wie bei einer Hummel.
Da und dort und überall sein. Jemand sagte mal,
"Zeit ist das Ding, das alles davon
abhält, zugleich zu passieren." Zeit
stückelt Momente in kleine Teilchen, so daß wir eine Sache zu einem
Zeitpunkt tun können. Bei ADD ist das nicht so. Bei ADD kollabiert die
Zeit. Zeit wird ein schwarzes Loch. Für eine ADD-Person ist es, als ob
alles zugleich geschieht. Dies schafft ein Gefühl des inneren Tumult oder
sogar der Panik. Das Individuum verliert die Perspektive und die Fähigkeit,
Prioritäten zu setzen. Er oder sie ist ständig am loslegen, versucht
die Welt zu hindern, auf seinen Kopf zu stürzen.
Egal, Museen.
Die Art, wie ich durch ein Museum gehe, ist
die Art wie andere Leute durch ein Kaufhaus gehen. Was von diesem, was von
jenem, oh, das schaut aber nett aus, aber was ist dort aufgehangen? Muß
mich sputen, muß rennen.
Es ist nicht so, daß ich Kunst
nicht mag. Ich liebe Kunst. Aber meine Art, Kunst zu lieben, macht viele Leute
glauben, daß ich ein hinterpfortiger Philister bin. Je nun, beizeiten
kann ich auch sitzen und auf ein Gemälde für eine lange Zeit schauen.
Ich wandere in die Welt des Gemäldes und summe dort herum, bis alles drum
herum vergessen habe.In diesen Momenten kann ich , wie die meisten Leute mit
ADD,
hyperfocussieren,
was die Behauptung Lügen straft, daß wir niemals unsere
Aufmerksamkeit im Griff haben. Manchmal haben wir turbo-geladene
Konzentrationsfähigkeiten. Kommt ganz auf die Situation an.
(...) Ich bin unterversorgt mit
dem, was man den nachdenklichen Zwischenschritt zwischen Impuls und Aktion
nennen könnte. Daher fehlt mir, wie so vielen Leuten mit ADD, der Takt.
Takt ist absolut abhängig von der Fähigkeit, Worte überdenken
zu können, bevor man sie hinausschickt. Wir ADD-Typen haben dies nicht so
im Griff.
Viele von uns, die ADD
haben, brauchen hoch-aufregende Situationen.
(...)Aber auch verbreitet ist es unter den
schöpferischen und einfallsreichen Menschen aller Schattierungen und unter
hoch energischen, hoch produktiven Menschen.
Was beweist, das da eine positive Seite in
all diesem ist. Gewöhnlich wird das Positive nicht erwähnt, wenn Leute
über ADD sprechen, weil es eine natürliche Tendenz gibt, sich auf das
zu beziehen, was schiefläuft oder was auf irgendeine Art und Weise
kontrolliert werden muß.
(...)
Vielfach
sind diese Leute hoch intuitiv und vorstellungsbegabt. Sie haben ein
"Gefühl" für Dinge, eine Art, die Ursache von Dingen sofort verstehen
zu können, während andere ihren Weg auf methodische Art durchdenken
müssen. Das sind diese Personen, die nicht erklären können, wie
sie auf die Lösung gekommen sind oder woher die Idee für eine
Geschichte gekommen ist oder warum sie so ein Gemälde malten oder warum sie
eine Abkürzung zur Lösung kannten. Alles was sie sagen können,
ist, daß sie es eben gewußt haben, es fühlen konnten.
Wenn das Umfeld auf einem
rationalen, gradlinigen Denken und "gutem Benehmen" seitens dieser Leute
besteht, können sie vielleicht niemals ihren intuitiven Stil bis zu dem
Punkt entwickeln können, wo sie ihn mit Gewinn nutzen können. Es kann
erschöpfend sein, solchen Leuten zuzuhören. Sie hören sich
beizeiten so vage und getrieben an. Aber wenn Du sie ernst nimmst und es mit
ihnen aufnimmst, findest Du oft, daß sie auf dem Sprung zu
aufsehenerregenden Einsichten oder überraschenden Lösungen sind.
Was ich sage ist, daß ihr Stil des
Verstehens eine qualitative Andersartigkeit von dem der meisten anderen Leute
hat und was auf den ersten Blick verworren erscheint, kann, mit Geduld und
Ermutigung, durchaus eine hohe Begabung entwickeln. (...)
Worum geht es bei solch einer
Behandlung?
Um alles was den inneren Störpegel
senkt.(...) Es hilft sehr, bestimmte Formen von Struktur in jemandens Leben zu
bringen. Eher in kleinen Etappen zu arbeiten, als in verspäteten
Langstrecken-Läufen zu scheitern. (...) sportliche Betätigung zur
Senkung des inneren Störpegels einzuführen. Unterstützung zu
finden. Jemanden um die Ecke zu finden, der Dein Coach ist, damit Du auf der
Bahn bleibst. (...)
Laßt mich damit
abschließen, daß ich Euch erzähle, daß wir Eure Hilfe und
Verständnis brauchen. Mag sein, daß wir unsere Chaos-Haufen
überall verbreiten, aber mit Eurer Hilfe können diese Misthaufen
in Bereiche von Wissen und Kunst verwandelt werden. Daher, wenn Ihr jemanden
kennt, der sich wie ich benimmt, tagträumt und dies oder das vergißt
und mit dem üblichen Programm nicht schritthält, erwägt ein ADD,
bevor er beginnt, all diese schlimmen Sache zu glauben, die Leute über ihn
sagen und es zu spät
ist."
Address
Correspondences to:
Edward M. Hallowell,
M.D.,
328 Broadway, Cambridge, MA
02139
Copyright Übersetzung:
Hypies
®
www.hypies.com
Posted: Do - Februar 26, 2004 at 01:44 Uhr