0_o Gee I have a touch of that


Hrmph. That's exactly me in most points. Hrmph again.
"Exactly me" in blue, "not at all" in grey. Hell, There's way too much blue in here. But on the other hand, I can agree and not deny the truth. Tis me.
Taken from http://www.hypies.com/add/neuhaus2.html
And no, I'm not translating it. Too much text @_@ sorry

 "Paul Wender beschrieb in seinem Buch "Das hyperaktive Kind " 1991 erstmals in deutscher Sprache den Erwachsenen mit dem hyperkinetischen Syndrom entgegen den bis dahin geltenden Annahmen, die Hyperaktivität verliere sich spätestens in der Pubertät. Das Syndrom "wachse sich aus".

  In Amerika widmen sich bereits seit einigen Jahren Ärzte und Psychotherapeuten den Erwachsenen mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität. Der Erwachsene ist zwar in der Regel nach außen hin nicht mehr hyperaktiv im Sinn einer ständig imponierenden motorischen Unruhe, hat jedoch nach wie vor das Problem, ausgesprochen reizoffen zu sein, hypersensibel, impulssteuerungsschwach. Entsprechend seiner individuellen Lerngeschichte und seiner Grundbegabung kann er mehr oder weniger kompensieren. War das ADS-Syndrom in der Kinderzeit nur mäßig stark ausgeprägt, die Umgebung liebevoll, konsequent und einschätzbar, die Intelligenz durchschnittlich bis überdurchschnittlich, kann der Erwachsene unauffällig erscheinen - obwohl er in der Regel mit seiner ausgeprägten Sensibilität, seinem hohen Anspruchsniveau und seiner Stimmungslabilität auch immer wieder zu kämpfen hat. War die Lebensgeschichte eher schwierig, entstand im im Vorschulalter bereits ein Schuldgefühl durch die Reaktion der erziehenden Umgebung auf die impulsiven Handlungen und Äußerungen, im Grundschulalter das Gefühl des Ausgegrenztseins oder des Versagens bei dem Gewahrwerden der Tatsache, mit Gleichaltrigen nicht gut auskommen zu können, in der schriftlichen Umsetzung schlechter zu sein als die anderen, in der Pubertät schlußendlich Verwirrung bei der Feststellung, sich selbst nur schwer einschätzen zu können, die Eigenleistung entweder zu über- oder zu unterschätzen, ist das Erwachsenenalter nicht unbelastet.

   Bedingt durch die inzwischen als sicher anzunehmende "Andersartigkeit im Hirnstoffwechsel" (verminderter Glukose-Metabolismus in verschiedenen Hirnregionen, speziell präfrontal und prämotorisch, bei zwingend anzunehmendem Mangel an hemmenden Neurotransmittersubstanzen auf Stammhirnebene) kämpft auch der Erwachsene noch damit, viel zu viel aufzunehmen und sich nicht immer situationsangepaßt einbremsen zu können.

 Früher oder später merkt er immer deutlicher, daß er nur dann gut leisten kann, egal in welchem Kontext, wenn er wirklich motiviert ist. Ist er es nicht, weil eine Sache langweilig oder zu schwierig ist, tritt auch bei ihm, wie beim Kind, mentale Ermüdung ein. Entweder ihn begeistert eine Sache oder eine Person, weil neu oder interessant und er kann gut leisten oder er findet etwas nicht fesselnd oder gar uninteressant - dann hat er größte Mühe damit, etwas zu leisten. Ein mittleres Aktivierungsniveau bei nur mäßiggradiger Motivationslage ist ihm nicht möglich.

  Kleinste Reize können beim Erwachsenen, ebenso wie beim Kind einen Stimmungsumschwung auslösen, es reicht der Beginn einer Melodie, ein Beleuchtungswechsel, eine Redewendung, etc.

  Das Einschätzen von Zeiträumen ist und bleibt schwierig, der Erwachsene neigt dazu, in zu kurze Zeiträume viel zu viel "hineinzupacken", versetzt sich selbst in Hektik, schießt mit dem Erregungsniveau hoch, kann dann nur schlecht leisten. Wie das Kind, hat auch der Erwachsene das Problem, im richtigen Moment den "richtigen" Reiz aus dem großen Reizangebot herauszusuchen, ihn lange genug zu fokussieren und dann wieder im "richtigen" Zeitpunkt wieder loszulassen, um auf einen anderen Reiz mit seiner Aufmerksamkeit überzugehen. Er neigt dazu, von einer Tätigkeit mit den Gedanken abzuschweifen, gleichzeitig auch noch anderes wahrzunehmen, springt mit den Gedanken, assoziiert auf seinem Lern- und Erfahrungshintergrund einen Gedanken an den nächsten, kommt vom Thema ab. Auch er lebt primär ausschließlich im "Hier und Jetzt", er reagiert rasch, denkt oft über die Folgen einer spontanen Reaktion nicht nach. Findet er z.B. einen anderen Menschen sympathisch, teilt er sich offen mit, "blättert sich auf", macht Zusagen - die Auswirkungen und die Tragweite merkt er in der Regel erst später. So ist er spontan sehr hilfsbereit, erfaßt schnell, um was es geht, kann gut improvisieren, kann dann auch bei hoher Motivation und Verstärkung vom Umfeld spontan viel und kreativ leisten, hat aber Schwierigkeiten, sobald es um ein ausdauerndes Tun im nicht so interessanten Zusammenhang geht, wenn die Begeisterung erlischt.

  Die Folgen seines Tuns irritieren ihn, er hat häufig das Gefühl des Nichtgenügens, Ziele nicht zu erreichen, völlig unabhängig davon, wieviel er bereits erreicht hat, ist unzufrieden mit sich selbst, irritabel, neigt zu Überbewertung von Kritik und zur Überinterpretation der Aussagen und der Handlungen seiner Mitmenschen.

  In einer Phase der Selbstzweifel plötzlich abgelenkt, oder konfrontiert mit einer neuen, interessanten Aufgabe, kann sich die depressive Verstimmtheit rasch auflösen. Viele Erwachsene mit ADS kennen von sich, daß sie ihre Sorgen tatsächlich am Wohn-/Arbeitsort zurücklassen können, wenn sie auf Reisen gehen, sich am anderen Ort in jeder Hinsicht anders fühlen - mit erheblichen Ängsten kurz vor Rückkehr, mit den Alltagssorgen wieder belastet zu sein.

  Als "Meister der Selbstsabotage" ist der Erwachsene oft chronisch unentschlossen oder hat Probleme mit etwas, was er bearbeiten sollte, zu beginnen, schiebt ihm Unangenehmes bis zu allerletzten Zeitpunkt auf, neigt dazu, zu Erledigendes auf Haufen zu stapeln (mit der Maßgabe, es dann zu vergessen), ist leicht beeinflußbar, wenn aus seiner Sicht jemand "Kompetentes" etwas sagt, findet es schwierig, sich selbst zu organisieren.

   Je bereizter und hektischer sein Umfeld ist, je komplexer die Anforderungen werden, desto schlechter geht es ihm. Er hat ein unbestimmtes Gefühl, doch etwas wert zu sein und etwas zu können, erlebt aber, daß er im Umsetzen nicht annähernd das hinbekommt, was er gern erreichen möchte. Je nach Lerngeschichte, Temperamentslage, Partnerkonstellation, neigt er dann entweder dazu, die Schuld nur sich selbst oder nur den andren zuzuweisen, fühlt sich falsch verstanden, wandert mit den Gedanken in sein eigenes "Traumschloß" ab (wenn ich einmal alles geschafft habe, dann werde ich...).
Die Anspannung ist in der Regel hoch, Somatisierungstendenzen, wie Kopfschmerzen, "nervöse" Magen- und Darmbeschwerden, Herzrhytmusstörungen sind nicht selten. Überreizungszustände können der Auslöser sein für Panikattacken, die Neigung beim selbsterlebten Chaos in sich partiell überzukorrigieren kann zwanghaft anmutendes Verhalten oder Pedanterie auslösen, traumatisch erlebte Kränkungen des eigenen Selbst erhebliche depressive Verstimmungen (die Amerikanerin Katleen Nadeau beschreibt ausführlich die sogenannten "Comorbiditäten" beim ADS-Syndrom).

  Wie dem Kind, kann auch dem Erwachsenen medikamentös mit Stimulantien-Präparaten geholfen werden; die Forschungsergebnisse zeigen, daß der Erwachsene in der Regel niedrigere Dosierungen braucht als das Kind. Ist der Erwachsene "Responder" erlebt er das Gefühl, in sich harmonischer zu sein, sich besser organisieren zu können - Strategien hierfür muß er aber auch erst lernen. Es tut ihm gut, wenn er einen sogenannten "Coach" findet, eine Person, die ihm signalisiert, ihn zu mögen, die ihn aufmuntert, ehrlich aber auch spiegelt, was er gerade tut. Er muß lernen, seinen Alltagsablauf strukturell zu planen, muß lernen, Selbstgespräche zu führen, wenn er an eine schwierige Aufgabe herangehen soll, er muß sich Zeitpunkte setzen, an denen mit einer Sache begonnen werden soll, Aufgabenlisten anlegen mit Abstrichen der jeweils durchgeführten Tätigkeit.

  Hilfreich ist es für ihn speziell, andere mit der gleichen Problematik zu finden. Es ist entlastend festzustellen, daß man nicht nur selbst ein funktionierender "Nichfunktionierer" ist, sondern daß es auch noch andere davon gibt.

  Von den anderen ist er gewillter, Bewältigungsstrategien anzunehmen als vom eigenen Lebenspartner. Das allerwichtigste ist allerdings die Erkenntnis, daß er nicht "dumm, faul oder verrückt" ist oder in irgendeiner Form psychiatrisch krank, sondern einen Wahrnehmungsstil hat, der einfach etwas anders ist und es einem schwierig macht, in einer Welt leben zu müssen mit der Auffassung, daß man möglichst früh für sich selbst verantwortlich sein muß und im Leistungs- wie auch im sozialen Kontext zu funktionieren hat. Es ist entlastend zu erkennen, daß es nicht primär ein Fertigkeitenproblem ist, sondern ein Steuerungsproblem, das erst angegangen werden kann, wenn man persönlich die Hintergründe kennt. Mit steigendem Selbstwertgefühl erhöht sich die Motivation, sich selbst zu organisieren, entsprechend verbessert sich die situationsangepaßte Selbstdarstellung.

  Leider ist das Phänomen im Erwachsenenalter in Deutschland noch sehr wenig bekannt, es bleibt zu hoffen, daß sich in der nächsten Zeit zunehmend Gruppen bilden, sich zunehmend Fachleute für die Problematik auch beim Erwachsenen interessieren, der nicht selten durch seine mangelnde Steuerungsfähigkeit schwerst belastet ist.

  Die Erfahrung der Berichtenden zeigt, daß die Diagnose an sich der allerwichtigste Schritt ist, das "sich selbst erklären Können" drastisch entlastend wirken kann, speziell wenn bereits mit verschiedenen ansetzenden Psychotherapien Anstrengungen ohne nennenswerten Erfolg unternommen wurden, Medikation mit Psychopharmaka ebenfalls ohne nennenswerten Erfolg, nach Versuchen der Selbstmedikation (überwiegend Alkohol), schwierigen, selbstbewältigten Lebensläufen mit häufigen Beziehungsabbrüchen, etc.

  Die eigene Erfahrung in der Behandlung des ADS-Erwachsenen zeigt, daß ein wirklich stabilisierender Faktor bei der Bewältigung der Probleme die Gruppe ist - die Begeisterung für medikamentöse Behandlung nimmt durch von Dritten beobachteten Erfolg rasch ab, weil sich nicht alle Probleme damit lösen, die Begeisterung für verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Psychotherapie ebenfalls, spätestens, wenn sich nicht sofort die erwünschten Erfolge einstellen ... (eben typisch ADS) - das Beobachten des Auf- und Ab bei "Leidensgenossen" wirkt motivierend und ermunternd, doch weiterzuarbeiten und durchzuhalten. "

Cordula Neuhaus ,
Dipl. Psychologin / Dipl. Heilpädagogin, Kinderpsychologin / Mitglied im Beirat der BAG TL Esslingen 1997

Posted: Do - Februar 26, 2004 at 01:22 Uhr      


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