Dateisystemoperationen unter DOS

Dieses Kapitel stellt die wichtigsten Dateisystemoperationen des DOS-Betriebssystems aus der Sicht des Endbenutzers vor. Es handelt sich dementsprechend um eine Auswahl von Befehlen, welche vom DOS-Kommandointerpreter ausgeführt werden können.

Absolute und relative Datei- und Verzeichnisnamen
Verzeichnisse erstellen
Verzeichnisse löschen
Verzeichnis(inhalte) anzeigen
Verzeichnisse kopieren
Verzeichnisse verschieben
Verzeichnisse verknüpfen
Verzeichnis(eigenschaften) ändern
Verzeichnisse umbenennen
Dateien erstellen
Dateien löschen
Datei(inhalte) anzeigen
Dateien kopieren
Dateien verschieben
Dateien verknüpfen
Datei(eigenschaften) ändern
Dateien umbenennen
Weitere Befehle
Platzhalter in Verzeichnisnamen


Absolute und relative Datei- und Verzeichnisnamen

Kommandozeilenorientierte Umgebungen

Das DOS-Betriebssystem (Disk Operating System) ist ein kommandozeilenorientiertes Betriebssystem. Das bedeutet, dass, nachdem der Rechner erfolgreich gestartet wurde, der Dialog mit dem Computer folgendermaßen abläuft:

Viele vom Benutzer eingegebenen Befehle betreffen das Dateisystem. Um die verschiedenen, im vorherigen Kapitel vorgestellten Operationen auf den Verzeichnissen und Dateien ausführen zu können, muss der Benutzer letztere bezeichnen können. Er benutzt dazu einen Verzeichnis- oder Dateinamen. Verzeichnis- und Dateinamen können absolut oder relativ sein. Um den Unterschied zu verdeutlichen, nehmen wir folgendes Beispiel eines Verzeichnisbaumes an:

Abbildung 1 : Beispiel eines Verzeichnisbaumes

Wir nehmen weiter an, dass dieser Verzeichnisbaum sich auf dem logischen Laufwerk „C:” befindet.

Unter DOS werden die logischen Laufwerke mit einem Buchstaben, gefolgt von einem Doppelpunkt, bezeichnet. Die logischen Laufwerke „A:” und „B:” bezeichnen dabei üblicherweise zwei Diskettenlaufwerke wobei das logische Laufwerk „C:” meistens das logische Laufwerk, welches das Betriebssystem enthält, bezeichnet. Falls der Computer weitere Laufwerke enthält (Festplattenpartitionen, CD-Laufwerke, DVD-Laufwerke, Netzwerk-Laufwerke...), werden sie mit den Buchstaben ab dem Buchstaben „D:” gekennzeichnet.

Absolute Datei- und Verzeichnisnamen

Ein absoluter Verzeichnis- oder Dateiname beschreibt den genauen Standort des Verzeichnisses oder der Datei in den vorhandenen Laufwerken und im Verzeichnisbaum des entsprechenden Laufwerkes. Der folgende Name:

C:\V3\V5

bezeichnet das Verzeichnis V5, welches sich auf dem Laufwerk C befindet, genauer im Unterverzeichnis V3 des Wurzelverzeichnisses. Das Wurzelverzeichnis (V1 in der Abbildung) wird unter DOS mit dem umgekehrten Schrägstrich „\” bezeichnet (der erste Schrägstrich nach dem Doppelpunkt). Derselbe Schrägstrich wird benutzt um die aufeinander folgenden Verzeichnisnamen zu trennen (der zweite Schrägstrich). Der Name erlaubt keinen Rückschluss, ob es sich bei dem bezeichneten Objekt um ein Verzeichnis oder eine Datei handelt.

Absolute Namen können schnell sehr lang werden da die Datei- und Verzeichnisnamen üblicherweise aus mehreren Buchstaben bestehen und die Verzeichnisse über zahlreiche Ebenen verschachtelt sein können. Daher gibt es so genannte relative Verzeichnis- oder Dateinamen. Diese Namen sind relativ (daher die Bezeichnung) zu einem bestimmten Arbeitsverzeichnis.

Arbeitslaufwerke und -verzeichnisse

Das Konzept des Arbeitsverzeichnisses gibt es in den meisten kommandozeilenorientierten Umgebungen. Nachdem er seinen Rechner unter DOS gestartet hat, arbeitet der Benutzer auf einem bestimmten Arbeitslaufwerk und Arbeitsverzeichnis. Es handelt sich dabei normalerweise um das Wurzelverzeichnis des Startlaufwerkes (das Laufwerk welches das zum Starten benutzte Betriebssystem enthält). Während der Arbeit am Computer kann der Benutzer jedoch das Arbeitslaufwerk sowie das Arbeitsverzeichnis auf den verschiedenen Laufwerken jederzeit beliebig ändern.

Das Arbeitslaufwerk kann er ändern indem er die Bezeichnung des neuen Arbeitslaufwerkes eingibt :

D:

Nach diesem Befehl ist das Laufwerk D das neue Arbeitslaufwerk.

Um das Arbeitsverzeichnis auf einem Laufwerk zu ändern, gibt es den Befehl „CHDIR” oder „CD”. Er kann auf verschiedene Art und Weise benutzt werden.

Wird der Befehl ohne Parameter benutzt, zeigt er das Arbeitsverzeichnis auf dem Arbeitslaufwerk an :

CD

Wird der Befehl mit einer Laufwerksbezeichnung benutzt, zeigt er das Arbeitsverzeichnis auf dem bezeichneten Laufwerk an :

CD D:

Wird der Befehl jedoch mit einem Verzeichnisnamen benutzt, ändert er das Arbeitsverzeichnis. Der Parameter gibt das neue Arbeitsverzeichnis auf dem entsprechenden Laufwerk an :

CD C:\V3\V4

In unserem Beispiel handelt es sich um ein Verzeichnis, welches mit einem absoluten Verzeichnisnamen bezeichnet wurde, das Verzeichnis V4 im Unterverzeichnis V3 des Wurzelverzeichnisses des Laufwerkes C. Nach der Befehlsausführung wäre dies das neue Arbeitsverzeichnis auf dem Laufwerk C.

Relative Datei- und Verzeichnisnamen

Relative Datei- und Verzeichnisnamen sind relativ zum Arbeitslaufwerk und/oder Arbeitsverzeichnis.

Der folgende Name :

V3\V4

bezeichnet das Verzeichnis V4 im Unterverzeichnis V3 des Arbeitsverzeichnisses auf dem Arbeitslaufwerk.

Der folgende Name :

C:V3\V5

bezeichnet das Verzeichnis V5 im Unterverzeichnis V3 des Arbeitsverzeichnisses auf dem Laufwerk C.

Zwei relative Verzeichnisnamen sind noch erwähnenswert :

.

bezeichnet das Arbeitsverzeichnis selbst, und :

..

bezeichnet das Vaterverzeichnis des Arbeitsverzeichnisses.

Der folgende Name :

C:..\V3\V4

bezeichnet also das Verzeichnis V4 im Unterverzeichnis V3 des Vaterverzeichnisses des Arbeitsverzeichnisses auf dem Laufwerk C.

Verzeichnisse erstellen

Nachdem die Namensregelung erläutert wurde, können wir uns jetzt den Operationen auf den Dateisystemobjekten zuwenden.

Verzeichnisse kann der Benutzer mit dem Befehl „MKDIR” oder „MD” erstellen.

Der Befehl :

MD V6

erstellt das Verzeichnis V6 im Arbeitsverzeichnis auf dem Arbeitslaufwerk.

Der Befehl :

MD \V3\V4\V6

erstellt das Verzeichnis V6 im Unterverzeichnis V4 des Unterverzeichnisses V3 des Wurzelverzeichnisses des Arbeitslaufwerkes.

Der Befehl :

MD D:V6

erstellt das Verzeichnis V6 im Arbeitsverzeichnis des Laufwerkes D.

Verzeichnisse löschen

Wird ein Verzeichnis nicht mehr benötigt, kann der Benutzer es mit dem Befehl „RMDIR” oder „RD” löschen. Das Verzeichnis muss jedoch leer sein, es darf also weder Unterverzeichnisse noch Dateien enthalten. Will man ein Verzeichnis mit allen Unterverzeichnissen un Dateien löschen, kann man den Befehl „DELTREE” benutzen.

Der Befehl :

RD V6

löscht das Verzeichnis V6 im Arbeitsverzeichnis auf dem Arbeitslaufwerk, falls es leer ist.

Der Befehl :

DELTREE \V3

löscht das gesamte Verzeichnis V3 im Wurzelverzeichnis des Arbeitslaufwerkes.

Verzeichnis(inhalte) anzeigen

Den Inhalt (Unterverzeichnisse und Dateien) eines Verzeichnisses zeigt man mit dem Befehl „DIR” an.

Der Befehl :

DIR C:\V3\V4

zeigt den Inhalt des Verzeichnisses V4 im Unterverzeichnis V3 des Wurzelverzeichnisses auf dem Laufwerk C an.

Verzeichnisse kopieren

Ganze Verzeichnisse (mit Dateien und Unterverzeichnissen) kann man mit dem Befehl „XCOPY” kopieren.

Der Befehl :

XCOPY \V3

kopiert das gesamte Unterverzeichnis V3 des Wurzelverzeichnisses des Arbeitslaufwerkes in das Arbeitsverzeichnis des Arbeitslaufwerkes.

Verzeichnisse verschieben

Verzeichnisse können unter DOS nicht einfach verschoben werden. Will der Benutzer ein Verzeichnis verschieben, muss er erst das alte Verzeichnis kopieren (zum Beispiel mit XCOPY) und dann das alte Verzeichnis löschen (zum Beispiel mit DELTREE).

Verzeichnisse verknüpfen

Verzeichnisse können unter DOS nicht verknüpft werden.

Verzeichnis(eigenschaften) ändern

Der Benutzer kann die Verzeichniseigenschaften mit dem Befehl „ATTRIB” ändern.

Der Befehl :

ATTRIB +H V3\V4

setzt das Attribut „H” (hidden - versteckt) des Verzeichnisses V4 im Unterverzeichnis des Arbeitsverzeichnisses auf dem Arbeitslaufwerk. Nach der Befehlsausführung wird das Verzeichnis mit dem DIR-Befehl standardmäßig nicht mehr angezeigt.

Verzeichnisse umbenennen

Um ein Verzeichnis umzubennen kann man die Befehle „RENAME”, „REN” oder „MOVE” benutzen.

Der Befehl :

REN V4 V6

ändert den Namen des Unterverzeichnisses V4 des Arbeitsverzeichnisses auf dem Arbeitslaufwerk um in V6.

Dateien erstellen

Um eine Datei zu erstellen, braucht der Benutzer eine Anwendung (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, ...). Einfache Textdateien können zum Beispiel mit einem Texteditor erstellt werden. DOS bietet hierzu den Texteditor „EDIT” an, eine textorientierte Vollbildschirmanwendung.

Dateien löschen

Wird eine Datei nicht mehr benötigt, kann der Benutzer sie mit dem Befehl „DEL” oder „ERASE” löschen.

Der Befehl :

DEL \V2\D2

löscht die Datei D2 im Unterverzeichnis V2 des Wurzelverzeichnisses auf dem Arbeitslaufwerk.

Datei(inhalte) anzeigen

Den Inhalt einer Datei (nur Text) zeigt man mit dem Befehl „TYPE” an.

Der Befehl :

TYPE C:\D1

zeigt den Inhalt der Datei D1 im Wurzelverzeichnis des Laufwerkes C an.

Dateien kopieren

Eine Datei kann man mit dem Befehl „COPY” kopieren.

Der Befehl :

COPY D2 \

kopiert die Datei D2 im Arbeitsverzeichnis des Arbeitslaufwerkes in das Wurzelverzeichnis des Arbeitslaufwerkes.

Dateien verschieben

Dateien können mit dem Befehl „MOVE” verschoben werden.

Der Befehl :

MOVE D2 ..

verschiebt die Datei D2 im Arbeitsverzeichnis des Arbeitslaufwerkes in das Vaterverzeichnis des Arbeitsverzeichnisses des Arbeitslaufwerkes.

Dateien verknüpfen

Dateien können unter DOS nicht verknüpft werden.

Datei(eigenschaften) ändern

Der Benutzer kann die Dateieigenschaften mit dem Befehl „ATTRIB” ändern.

Der Befehl :

ATTRIB +R V2\D2

setzt das Attribut „R” (read only - versteckt) der Datei D2 im Unterverzeichnis V2 des Arbeitsverzeichnisses auf dem Arbeitslaufwerk. Nach der Befehlsausführung kann die Datei nicht mehr verändert werden.

Dateien umbenennen

Um eine Datei umzubennen kann man den Befehl „RENAME” oder „REN” benutzen.

Der Befehl :

REN C:\D1 D6

ändert den Namen der Datei D1 im Wurzelverzeichnis auf dem Laufwerk C um in D6.

Weitere Befehle

DOS bietet noch eine Fülle anderer Befehle. Wir heben einen davon noch besonders hervor, da er schnelle Hilfe bei der Suche nach Informationen zu den DOS-Befehlen bietet.

Der Befehl:

HELP

zeigt eine Liste aller DOS-Befehle mit deren Kurzbeschreibungen an.

Der Befehl:

HELP DIR

beschreibt kurz den Befehl „DIR” sowie dessen Parameter.

Platzhalter in Verzeichnisnamen

Zur Vereinfachung von Massenänderungen, ermöglichen viele Befehle die Verwendung von sogenannten „Wildcards”, also Zeichen, die als Platzhalter eingesetzt werden können:

Der Befehl:

DEL *.PAS

löscht, nach Bestätigung, alle Pascal-Quelldateien im Arbeitsverzeichnis auf dem Arbeitslaufwerk.

Der Befehl:

DEL *.*

löscht, nach Bestätigung, alle Dateien im Arbeitsverzeichnis auf dem Arbeitslaufwerk.

Der Befehl:

DIR DATEI?.TXT

zeigt alle Dateien an deren Namen mit der Zeichenkette „DATEI” beginnt, gefolgt von genau einem beliebigen Zeichen und mit der Zeichenkette „.TXT” endet.


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