Di - Juli 12, 2005

Mad Richard & Coldplay 


Ein weiteres denkwürdiges Wochenende. Wir beschränken uns lieber auf den Samstag.
Es gab mal wieder ein großes Konzert und eine große Rezension von unserem Außen-Korrespondenten Bob B.:

“I Wanna Thank You For Let Me Be Myself Again!”
Da steht er. Der Mann mit den grossen Gesten. Und den grossen Botschaften. Wer erinnert sich nicht an „Life‘s A Bittersweet Symphony“, „The Drugs Don’t Work“ oder „(Fucking) Nature Is The Law“? Da steht er. Der Mann mit der festgewachsenen Sonnenbrille. Wütend ist er wieder, nachdem er bei seiner letzten CD recht milde geworden war. Da steht er. Der Mann, der eine Britpop-Legende ist. Ohne ihn gäbe es Oasis gar nicht. Da steht er. Der Mann, den Coldplay-Sänger Chris Martin als „Greatest Singer Of The World“ bezeichnet. Und dieser Mann muss sich als Supporting Act von Coldplay in München vorstellen. „Good Evening, Folks. My Name is Richard Ashcroft!“. Verhaltener Jubel. Die ersten drei Songs - „Sonnet“, „Space & Time“ und „Lucky Man“ - performt der Schlaks aus Wigan nur mit einer akustischen Gitarre mit einer Intensität, die den Coldplay-Fans spürbar nahe geht. Und Richard ist heute wirklich wütend. Vor „The Drugs Don’t Work“, einem der größten The Verve-Hits, brüllt er: "Hey Mr. Promoter, you know what, Mr. Promoter, I look out there and I see thousands of people, and guess what Mr. Promoter, they're not only here to see Coldplay, they're here 'cos they dig my music. Cos I ain't a fookin dancing monkey here to warm up the crowd. This is music! This is music! This is music!" Das kann man sagen! Jetzt ist der Bann gebrochen. Obwohl viele Zuhörer seinen Dialekt kaum verstehen, recken sich nun viele Hände in Richtung untergehende Sonne. Singt das Publikum sogar mit? Bei einer Vorband? „Lonely Souls“, nun erstmals begleitet von einem Keyboarder, widmet Ashcroft “Anyone Who Lost Anyone During The Terrorist Attacks In London 2 Days Ago”. Gänsehaut. Er steht so gut wie allein auf der riesigen Bühne und hat eine unglaubliche Präsenz. Es sind magische Momente.  Eine wunderbare sparsame raue akustische Version von „Check The Meaning“ übertrifft das achtminütige Opus auf CD um Längen. Er lebt den Song. Er interpretiert den Song. Er legt den Song seinen Zuhörern vor die Füsse. Aber er ist immer noch wütend. Bei „History“ (dem ersten The Verve-Hit überhaupt) vergisst er die dritte Strophe und bricht den Song ab. Vor dem Klassiker „Bittersweet Symphony“ animiert Ashcroft das Publikum „Can You Hear What I Am Saying? Fookin Come On“. Das wäre nicht notwendig gewesen. Es scheint, als ob alle klatschen. Es scheint, als dirigiere er einen riesigen Chor. Es scheint, als ob es ein Richard Ashcroft-Konzert sei. Das sagt alles. Und Richard sagt zum Schluss: “I Wanna Thank You For Let Me Be Myself Again!” Jesus, was wäre gewesen, wenn er in München mit einer kompletten Band angetreten waere? So euphorisch wie in Slane Castle vor 80.000 Zuschauern? Oder so ekstatisch wie in Wigan vor 50.000? 

Die FAZ schrieb 2002 „Segnet ihn!“, die Süddeutsche überschrieb 1998 beim allerletzten Verve-Konzert in Urbesetzung in München ihren Artikel mit „Schreib, dass er ein Gott ist!“ Dem ist nicht hinzuzufügen. Ach, doch: Coldplay waren ganz ok! Nein, das ist gemein. Ganz ehrlich: Sie waren sehr gut. Aber nicht magisch.

 

Posted at 08:35 nachm.    

Fr - Juni 17, 2005

So much for the City... 


Bob Branch rockt - klar! Aber jetzt schon das dritte Mal im Blog??
Naja, bei uns gibt's nicht viel zu melden, also kommt Achill Sounds zu Wort:

Lupenreiner Pop zum Mitsingen
Nun hat auch Jan Wigger (SpiegelOnline) The Thrills entdeckt - kaum 5 Monate nach der Veröffentlichung von „Let‘s Bottle Bohemia“. In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt er „Für manche (...) ist die ziemlich einzigartige Stimme von Conor Deasy die vertonte Harmlosigkeit, für manch andere nicht weniger als eine Wohltat.“ Da ist sie wieder diese gespielte Langeweile des Herrn Wigger. Er schafft es auf der Klaviatur des Besserwissers immer den Ton zu treffen, mit dem er uns wohl vorspielen will, dass er eigentlich A & D-Manager wäre, wenn der Job nicht so schlecht bezahlt wäre. Ein unerträglicher Angeber. So verkauft er uns musikalischen Mainstream wie Bloc Party, Bright Eyes und Adam Green als Sensation. Zu seiner Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass dies alle relevanten Medien machen. Dabei wären es The Thrills wert, sie so richtig nach vorne zu schreiben. Leider sind sie nicht so stylish wie Franz Ferdinand und haben nicht diese umwerfenden Melodien wie Keane. Das wissen die fünf Dubliner auch: "Wir wollen so cool und so brillant sein wie unsere Helden Radiohead, Pulp oder Blur, dabei hörten wir uns einfach nur bescheuert an und sehen dabei nicht einmal lässig aus!" meint Conor Deasy stellvertretend für seine Bandkollegen.

Dieses lausbübische, ja eigentlich schwäbische Understatement der Thrills zahlte sich schon im November 2003 aus. Ihr erstes Album "So much for the City" wurde ein Riesenhit: Allein in England schoss es von 0 auf 3 in die Album-Charts und landete bei der New York Times auf Platz 2 der besten CDs 2003. Auch mit ihrer neuen Platte "Let's Bottle Bohemia" sind The Thrills ein Garant für lupenreinen Pop zum Mitsingen. Ihre Arrangements sind üppiger geworden und machen "Let's Bottle Bohemia" zu einem glänzenden Begleiter für den Sommer. Das Album bezaubert mit raffinierten Ohrwürmern und einer geschickten Mischung aus Surf, Country und frischem Pop. Eine reife Leistung für eine so junge Band.

Wenn es einem bei „Deckchairs And Cigarettes“ nicht das Herz zerreisst, muss man schon ein sehr grober Klotz sein. Wen der charmanteste Walzer seit Cardigans „Lead Me Into The Night“ nicht gefangen nimmt, der hat kein Ohr für das vertrackte Songwriting von „Just Traveling Through“. Wenn bei „Not For All The Love In The World“ die Streicher einsetzen, dann reisse ich mir mein Rüschenhemd vom Leib und werfe mich ohne Rücksicht auf meinen Samtanzug vor Heiks auf die Knie. Kitsch as Kitsch can! Respekt, da gehört Mut dazu und geht haarscharf an der Schnulze vorbei. Aber was können die grossen Gefühle dafür, wenn sie sich so Gehör verschaffen?

The Thrills kann man leicht eine gewisse Retro-Verliebheit unterstellen. Das ist unüberhörbar beim Beat-Klassiker „Whatever Happened To Corey Haim?“ Da kann niemand still sitzen. Wer nicht joggt, muss es anfangen. So fesselnd ist die Vorstellung, hüpfend, mit diesem Song im Ohr, dem Horizont entgegen zu laufen. Womöglich noch begleitet von dramatischen Wolkenformationen.

Die 5 Jungs sind auf ihrer zweiten CD auf der Suche nach dem perfekten Song. Ganz nah dran sind sie beim wunderbaren “The Irish Keep Gate-Crashing”, der den Abschluss dieser großen CD bildet. Er zählt unbestritten zu Highlights mit seinem komplexen und unkonventionellen Arrangement.
(The Thrills: Let‘s Bottle Bohemia/So Much for The City)
 

Posted at 12:06 vorm.    

So - Juni 12, 2005

Bob Branch & X & Y 


Es konnte nur schlechter werden.
Was soll man von einer Band halten, die ihre Single zuerst als Klingelton veröffentlichen? Was soll man von einer Band halten, deren Plattenfirma eine Gewinnwarnung herausgibt, weil sich der Erscheinungstermin verschiebt? Was soll man von einer Band halten, die sich Platz 1 der britischen Single-Charts von einem deutschen Klingelton abjagen lässt? Es ist im Moment en Vogue, Coldplay als Kommerzschwuchtel anzuklagen. Es ist im Moment leicht, auf Coldplay einzuschlagen. Denn sie nerven nur noch! Immer dieses „Fair Trade“-Gerede, dann die aufdringlichen Boulevard-Geschichten von Chris Martin und Gwyneth Paltrow und schliesslich die mediale Omnipräsenz des Albums „X & Y“ seit Monaten! Es fällt mir schwer, mich davon bei der Beurteilung der „Weicheier“ nicht beeinflussen zu lassen. Vor allem, wenn ich zurückblicke ins Jahr 2000. „Parachutes“ wird veröffentlicht. Ich schleiche lange um diese CD herum, bis ich mich entschliesse, sie endlich in Paris zu kaufen. Es war heiss, unmenschlich heiss, viel zu heiss für die Scheibe. Claus reichte mir eiskalten Weisswein, aber das war nicht der Grund warum es mich beim Hören von „Don‘t Panic“ fröstelte. Die CD hatte eine betörende Langsamkeit und gleichzeitig eine solche Intensität, dass es tröstend war, dass der letzte Song „Everythings Not Lost“ lautete.

„A Rush Of Blood To The Head“ war da von anderem Kaliber. „Politik“, „In My Place“ oder „Amsterdam“ gehen richtig nach vorne. Da war eine Kraft und ein Enthusiasmus, der ansteckend war. Die Konzerte waren ein riesiger Energieschub!

Was soll jetzt kommen? Es kann nur schlechter werden. Da wäre die erste Single „Speed Of Sound“: Da zitiert sich Coldplay selbst, will den Erfolg des Grammy-prämierten „Clocks“ unbedingt wiederholen. Grundsätzlich ein guter Song, aber weil er von Coldplay ist, ist er einfach grausam. Unlogisch? Überhaupt nicht. Coldplay spielt musikalisch in der Champions League und muss sich doch nicht wiederholen! Aber sie tun es. Leider. Chris Martin jault doch tatsächlich bei fast jedem Song. Das ist nur noch nervtötend! Hat ihn das Geschrei seiner Tochter Apple inspiriert? Beim ersten Hören unterscheiden sich die Tracks kaum, alles eine Sosse! Das darf doch nicht wahr sein! Das will ich nicht akzeptieren! Und wusste ich es doch: nach dem richtigen Reinhören stelle ich fest - „What If“, „Talk“ und „A Message“ sind brillante Songs. Voll und bombastisch instrumentiert und arrangiert. Immer mit einem interessanten Spannungsbogen! Aber auf „X & Y“ machen Coldplay aus jeder kleinen, feinen Melodie mirnichtsdirnichts opulente Stadionrocker (Trotzdem: Voller Respekt für die volle Produktion!). Das macht Sinn, wenn man an die anschliessende Welttournee denkt. Es nimmt der Band jedoch den Charme und die Eigenständigkeit. Aber das ist eine zwangsläufige Entwicklung. Coldplay sind zu einer grossen Band geworden. Mir hat Coldplay besser gefallen, als sie noch Musik für einsame Seelen gemacht haben. Um es pathetisch zu sagen: Jetzt haben sie ihre Seele verkauft. Mit Klingelton und Gewinnwarnung. Es scheint der Lauf der Zeit zu sein.
(Coldplay: X & Y) 

Posted at 07:53 nachm.    

Fr - Juni 10, 2005

Phantom Planet 


Jeder Tag ist ein guter Tag.
Phantom Planet kann man derzeit nicht aus dem Weg gehen. Ihr Monsterhit „California“ taugt als Erkennungsmelodie für eine Vorabendserie, wird bei der Sportschau bei Slow-Motions unterlegt, befindet sich bei MTV in der Heavy Rotation. Dabei ist der Track drei Jahre alt und stammt vom Album „The Guest“. Ein Werk, auf dem lauter Monsterhits sind: „Always On My Mind“ ist ein gute-Laune-Song, „Wishing Well“ ist der Wolf im Schafspelz mit anarchischem Ende, „Anthem“ ist ein gutmütiger Schunkler, bei der die Stimme von Sänger Alex Greenwald ungewohnte Zartheit besitzt. Denn die kann schnell mal schrill werden oder sich überschlagen. Stilistisch sind die Kalifornier dem britischen Sondwriting zugewandt und mischen es noch mit einer grossen Prise Sonnenschein. Wäre bei den britischen Stinkstiefeln eher ungewöhnlich. Bei „Ray Of Sunlight“ scheint den Amis allerdings eine Laus über die Leber gelaufen zu sein. „Maybe we can happy again“ wirft da Phantom Planet in die Runde und die Gitarre spielt verzweifelt den Melodiebogen. Die Streicher ganz zum Schluss lassen auch nicht gerade das Herz hüpfen. Gut! Ich wünsche mir mehr von diesen melancholischen Tönen. Mit „Turn Smile Shift Repeat“ tun mir die 5 Mittzwanziger den Gefallen. Aber der satte Bläsersatz in der Mitte des Tracks hebt die Stimmung gleich wieder und mit „All Over Again“ geht es gleich wieder richtig ab. Es geht schliesslich jeden Tag die Sonne auf und jeder Tag ist ein guter Tag. Man muss es nur sehen wollen. Verdammt, dass ich sowas mal schreiben würde. Wann bringen endlich Portishead ihre neue CD heraus?
(Phantom Planet: The Guest) 

Posted at 06:26 nachm.    

Hier gibz was auf die Ohren 


Wer es noch nicht wusste, hat es spätestens auf unserer Hochzeit mitbekommen:
Musik ist für uns sehr wichtig!!
Es begann alles mit einer selbstgebrannten Doppel CD an meinem 30. Geburtstag (damals eine Sensation!), fand einen ersten Höhepunkt bei Robbie Williams in der Landsdowne Road, ging weiter mit der Entdeckung von Keane und natürlich dem Lead User Ansatz beim Ipod! Berüchtigt sind unser Flash-Mob-Feten bei denen sich die Polizei Zugang mit Lautsprecher verschaffen musste.
Nachdem wir aus dem Freundeskreis in letzter Zeit verstärkt nach unserer aktuellen Musik, bzw den neuesten Trends gefragt wurden, haben wir gehandelt.
Der Musik-Fux Bob Branch vom irischen Erfolgs-Label Achill-Sounds wird ab sofort in unregelmäßigen Abständen Kolumen über Künstler und Alben bei uns veröffentlichen. Wir bitten um Gehör!! 

Posted at 06:26 nachm.    


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