“DrawingNow!”

10.02.-19.03.2006 White Trash Contemporary Hamburg
opening party Freitag,10.02.2006, ab 19.00h, music performance by
Hasty Medicine

Zeichnen ist die wohl älteste künstlerische Ausdrucksform des Menschen. Von den prähistorischen Tierdarstellungen an den Höhlenwänden von Lascaux über Leonardo da Vincis technische Skizzen bis zu Bruce Naumans zeichenhaften Neonarbeiten sind Zeichnungen immer schon Zeugnisse eines unmittelbaren, impulsiven Schöpfungsprozesses gewesen. Oder wie es Barnett Newman formulierte: “die direkteste Methode, den kreativen Prozess in dem Moment zu erleben, in dem er sich vollzieht”. Zeichnungen sind visuelle Chiffren des Wissens und Ausdruck grenzenloser Neugierde. Als universelle Kommunikationsform funktionieren sie unabhängig vom gesprochenen Wort und spiegeln Träume und Erfindungen, Psyche und Geschichte der Welt.
Während die Malerei seit Beginn der 20. Jahrhunderts immer wieder für tot erklärt wurde, behielt das Zeichnen seine Daseinsberechtigung. In den 60er und 70er Jahren mit dem Aufkommen von konzeptueller, prozessorientierter Kunst rückte es dann erstmals in den Vordergrund. Heute hat sich Zeichnung als eigenständiges Medium neben Malerei, Skulptur, Fotografie und Video fest etabliert. Besonders von der jüngeren Künstlergeneration wird sie neu interpretiert und als autonome Grösse vorgeführt. Zeichnung bedeutet nicht mehr nur flüchtiger Anfang, sondern kann Selbstzweck und selbstbewusser Endpunkt des Schöpfungsprozesses sein.

Die Ausstellung “DrawingNow!” zeigt neun innovative Positionen zum Thema Zeichnung, die die Grenzen des Mediums neu vermessen. Neben unkonventionellen Interpretationen aus dem illustrativen Bereich gibt es raumfüllende 3-D-Arbeiten, Zeichnungen aus Holz, Draht und aus dem Internet.

Francisca von Aspern öffnet mit ihren technisch brillianten, medizinischen Illustrationen, deren präzise Ästhetik an phantastische Landschaften erinnern, einen faszinierenden Blick ins Innere des menschlichen Körpers.

Yoon-Joo Cho entwickelt in ihren in klassischer Plein Air-Tradition entstandenen Landschaftszeichnungen eine Art Chaostheorie, die die Komplexität von Architektur und Natur wiederspiegelt.

Katharina Gschwendtner’s Träume und Visionen erhalten durch ihre luxuriose Ausführung als Hinterglaszeichnung grösste Eleganz.

Werner Linster zeigt mit seinen “Hungerzeichen”, aus Holz geschnittene Zeichnungen, deren Vorlagen im Restaurant beim Warten auf das Essen entstanden, dass Hunger eine effektive künstlerische Kraft sein kann.

Thomas Raschke abstrahiert die gewohnte Sichtweise schwarze Linien weisse Fläche durch “wire frames”, geschweisste Metalllinien, die sich im weissen Raum zu Skulpturen alltäglicher Gegenstände formen.

Oliver Ross dienen collagenartige Zeichnungen als Grundstock für
raumgreifende Installationen. Hier stellt er die assoziativen, überbordenen Papierarbeiten einem Block überzeichneter, fast ausgelöschter Blättern gegenüber.

Lily Wittenburg zeichnet mit feinem Strich komplexe Systeme deren Vervollständigung im Kopf des Betrachters erfolgt.

swarmsketch.com wurde von dem australischen Künstler Peter Edmunds entwickelt und boomte sich innerhalb weniger Wochen zu einem zeichnerischen Internet Phänomen. Bis zu 1000 Menschen arbeiten pro Woche mit “collective consciousness” an einem von search engines vorgegebenen Thema .

Die Sammlung
“The Pearl Drawings” in einem New Yorker Künstlerbedarf gesammelt, demonstriert dagegen wie anonyme Kunst durch “collective unconsciouness” entstehen kann: durch das Ausprobieren von Zeichenstiften aller Art.