Noch eine coole Idee


Interview mit Mouseposé-Entwickler Armin Briegel über Mouseposé, Apple und die Konkurrenz

Frage: An wen richtet sich Mouseposé?

Antwort: Die erste Idee hinter Mouseposé entstand, als ich Leute auf einer Messe beobachtete, auf der viele 23" Cinema Displays waren. Jeder "wackelte" erstmal die Maus hin und her, um den Mauszeiger zu finden. In einem Brainstorming mit Kollegen entstand die Idee, einen "Maus Locator" mit Stil zu schreiben. Schon in der Entwicklungsphase zeigte sich aber eine andere Anwendung. Bei Präsentationen am Bildschirm oder an einer großen Leinwand fällt es Zuschauern viel leichter dem Mauszeiger zu folgen, wenn der restliche Bildschirm abgedunkelt ist. Außerdem bekomme ich Berichte von sehbehinderten Anwendern, die Mouseposé benutzen um sich besser zurechtzufinden.

Frage: Wie schwierig war es, Mouseposé zu entwickeln, und welche Mac-OS-X-Technologien verwendet Mouseposé?

Antwort: Die ersten Versionen von Mouseposé waren überraschend einfach. Mac OS X bietet Entwicklern eine Entwicklungsumgebung, so dass man sich auf das wesentlich konzentrieren kann. Neben Cocoa und AppleScript verwendet Mouseposé Quartz für den Effekt. Viel mehr Aufwand ist das User Interface und die Infrastruktur, die aus einem Hack ein Programm machen. Ich denke das unterschätzen viele, die gerne Shareware schreiben wollen. Dabei hat mich das Team von Boinx, die auch die Veröffentlichung und das Marketing machen, großartig unterstützt.

Frage: Was zeichnen Deiner Meinung nach gute Mac-OS-X-Anwendungen aus?

Antwort: Eleganz und Stil. Manche andere Software glaubt ein bestimmte Menge an Reglern und Buttons würde eine Anwendung auszeichnen, aber ich denke, dass ein Entwickler das minimale UI anstreben sollte. Trotzdem kann man leistungsfähige Anwendungen schreiben. In Mouseposé 1.1 führten wir AppleScript-Unterstützung ein. Das erlaubt es Anwendern Mouseposé über Bluetooth Handies oder Sprachkommandos zu aktivieren, ohne das UI von Mouseposé zu verkomplizieren.


Frage: Wird es auch bald eine Version für Windows geben?

Antwort: Bestimmt nicht. Ich arbeite im Beruf und privat auf Macs. Um eine Windows-Version zu schreiben, müsste ich alles neu lernen, und ich denke, dass es deutlich aufwendiger wäre. Das überlasse ich lieber Windows-Spezialisten.


Frage: Jim Allchin, Vizepräsident der Microsoft Entwicklergruppe für Windows, sieht Tiger als iPod-Zubehör. Wie ordnest Du Tiger und Longhorn ein?

Antwort: Ich kenne Mac-User, die eine Web-Server-Farm auf drei Mac minis laufen haben. Sicher kein iPod Zubehör. Solche Aussagen waren bisher unter dem Niveau von Microsoft. Longhorn ist für Microsoft das, was Mac OS X 10.0 für Apple war. Mit Longhorn hat Microsoft die Chance, alten Ballast über Bord zu werfen und das Betriebssystem mit modernen Features auszustatten. Genau wie bei Apple – nur auf viel größerem Maßstab – wird die Migration der installierten Basis mit Schmerzen verbunden sein und viel Zeit kosten. Das ist eine Chance für alternative Betriebsysteme, um Marktanteil zu gewinnen. Für Microsoft ist es aber auch eine Chance verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, wenn Longhorn den Erwartungen und den Ansprüchen der Kunden gerecht wird. Tiger ist für Apple das wichtigste Update seit 10.0. Jenseits der zahlreichen Features, die Apple seit Monaten anpreist, wurden im Betriebsystem Grundlagen geschaffen, die Apples schnellen Entwicklungs- und Innovationszyklus für die Zukunft weiter ermöglichen wird. Nicht nur Apple profitiert davon, sondern auch andere Entwickler, da Apple viele dieser Grundlagen – etwa Spotlight, CoreImage und-Video, WebKit und XML – zur Verfügung stellt. Wir werden in den nächsten Monaten viele Anwendungen sehen, die Tiger-Technologien nutzen, einige auf ganz unerwartete Art und Weise. Das wird sicher Spass machen. Letztendlich profitiert auch der Anwender von dieser Vielfalt. Allerdings könnte Apple von Microsoft noch viel über Dokumentation lernen. Viele der schönen Sachen in Mac OS X sind schlecht dokumentiert und werden deshalb von Anwendern und Entwicklern kaum genutzt. Die Dokumentation über Quartz Extreme ist zum Beispiel "extrem" mager.


Frage: Machen 64 Bit Betriebssysteme das Leben von Publishing-Profis wirklich leichter oder ist es vielmehr ein spezialisierte Lösung fuer spezielle Probleme?

Antwort: 64-Bit ist ein "Marketing Buzzword" so wie es Gigahertz vor ein paar Jahren war. In diesem Fall war es aber Apple, die das besonders "ge-hyped" haben, weil sie eben sehr früh auf 64-bit umgestiegen sind. Natürlich gibt es bestimmte Rechenanwendungen, die von 64-Bit breiten Bussen immens profitieren und mehr als vier Gigabyte adressierbarer Speicher ist sicher angenehm für professionelle Benutzer. Aber neben "64-Bit" haben moderne Chips und Logic-Boards viele neue Technologien eingebaut, die sofort für den Anwender spürbar sind. Nur lassen die sich nicht so leicht in "Marketing Buzzwords" verpacken. Also, ja, jeder User wird von einem G5 oder Opteron oder anderem 64-Bit Prozessor profitieren. Aber 32-Bit Chips (G4) haben noch andere Vorteile, vor allem den deutlich geringeren Stromverbrauch, deshalb denke ich, dass uns der G4 auch noch ein Weilchen erhalten bleiben wird.


Frage: Was sind Deiner Meinung nach die Stärken von Mac OS X Tiger, und warum sollten Mac OS 9 Anwender nun schliesslich umsteigen?

Antwort: Mac OS X ist für OS 9 Anwender ein grosser Schritt, weil vieles vom Know-how nutzlos wird und neu gelernt werden muss. Der Aufwand lohnt sich aber. Außerdem lockt Mac OS X mit seinem Unix kern neues Publikum an. Das bedeutet wieder mehr Lösungen für die Plattform, was wieder allen Anwendern zu Gute kommt. In Tiger sind zwei Neuerungen für den Endanwender sofort nutzbar: Spotlight wird die Art und Weise, wie wir mit Daten umgehen, komplett verändern. Außerdem hat Apple die Zusammenarbeit aller Systemkomponenten verbessert. Programme wie Mail, iCal und Adressbuch arbeiten besser zusammen. Die wahren Stärken von Tiger werden aber erst klar werden, wenn Programme von anderen Entwicklern erscheinen, die Tiger ausnutzen. Vieles andere ist nur "EyeCandy" aber ich denke das Update wird sich trotzdem lohnen.

Frage: Noch eine Frage zum Abschluss: Gibt es bereits Pläne fuer zukünftige Mouseposé Versionen?

Antwort: Ich habe zahlreiche Ideen. In Mouseposé 1.2 habe ich die beiden meist gewünschten Features – frei wählbarer Hotkey und die Möglichkeit das Dock Icon zu entfernen – eingebaut. Auf Anwender-Feedback werde ich auch weiter achten. Ich will Quartz Extreme oder OpenGL verwenden damit der Effekt flüssiger wird. Ich habe auch ein paar ausgefallene Ideen, die ich hoffentlich bald veröffentlichen kann.

Posted: Thu - April 28, 2005 at 06:40 PM           |


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