Greenpeace wirft China illegalen Anbau von "Genreis" vor



von Johnny Erling

Peking - Die Umweltorganisation Greenpeace hat nach eigenen Angaben aufgedeckt, daß in China genetisch veränderter Reis illegal angebaut wird. Der mit Genen des Bacillus thuringiensis gegen Schädlinge resistent gemachte Reis werde in großen Mengen in Zentralchinas Reiskammer Hubei angepflanzt und dürfe auch nach den Gesetzen der Volksrepublik China nicht angepflanzt werden.

Greenpeace schätzt, daß im vergangenen Jahr 950 bis 1200 Tonnen dieses Reises verkauft worden sind und geht davon aus, daß nach der Ernte 2005 mehr als die zehnfache Menge auf den Markt kommen. Greenpeace informierte gestern das Pekinger Agrarministerium über den Anbau des nicht zugelassenen Reises und forderte die Behörden zu einer umgehenden Untersuchung und einer "Rückrufaktion" auf, berichtet Singapurs Greenpeace-Aktivist Sze Psang Cheung. Er kritisierte zugleich eine "kleine Gruppe skrupelloser Wissenschaftler" in China, die mit dem wichtigsten Grundnahrungsmittel Asiens angeblich gefährliche Experimente anstellten.

Greenpeace-Mitarbeiter stießen im vergangenen Jahr über US-Presseberichte und Internet-Recherchen auf Genreis-Experimente an der Agraruniversität Huazhong in der Provinz Hubei. Zwischen Februar und April reisten Wissenschaftler und Aktivisten der Organisation nach Hubei. Sie befragten Bauern und Mitarbeiter von Saatgutstationen, sammelten Proben auf Feldern, kauften Reis beim Großhandel oder in Läden ein. Erste Analysen, mit denen ein Freiburger Labor beauftragt wurde, hätten 19 positive Proben ergeben. In zwei Fällen konnte die schädlingsresistent machende DNA nachgewiesen werden. Auch bei den übrigen Proben wird dies von Greenpeace vermutet.

In China ist der Anbau von genetisch verändertem Reis bisher in jeglicher Form verboten. Die illegale Verbreitung des schädlingsresistenten BT-Reises sei gefährlich, meint Greenpeace. Die Biologin und Mitarbeiterin von Greenpeace Österreich, Nina Thüllen, erläutert: "Nirgendwo in der Welt darf BT-Reis angepflanzt werden Es gibt keine Untersuchungen, welche Auswirkungen er auf Umwelt oder Menschen hat. Was hier geschieht, ist unverantwortlich."

Die Welt am Do, 14. April 2005

Posted: Do - April 14, 2005 at 10:24 vorm.          


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