Der Hunger des DrachenWWF warnt: Chinas Holzbedarf steigt und wird zu
großen Teilen aus illegalen Quellen gedeckt
Frankfurt a. M., Hongkong, 8.03.05: China ist nach
den USA der zweitgrößte Markt für Holz und Holzprodukte –
leider mit gravierenden Auswirkungen auf den Zustand der Wälder: Einem
aktuellen WWF-Bericht zufolge, der heute in Hongkong präsentiert wird,
kommt mehr als die Hälfte des in China verwendeten und verarbeiteten Holzes
aus Ländern wie Russland, Malaysia und Indonesien, in denen der illegale
Holzeinschlag weit verbreitet ist und der Raubbau an den letzten
ursprünglichen Wäldern wie im Zeitraffer
voranschreitet.
Illegale Machenschaften gehören in vielen waldreichen Staaten bei Ernte, Transport, Einkauf und Verkauf des Holzes zum Alltag. Dabei werden Bäume ohne Rücksicht auf geltende Gesetze gefällt, die zum Beispiel den Einschlag in artenreichen Schutzgebieten verbieten. Der WWF schätzt den illegalen Holzeinschlag in Indonesien und weiten Teilen Russlands auf 60 bis 80 Prozent. Illegaler Holzeinschlag gehört neben Waldbränden und der großflächigen Umwandlung in Plantagen zur Produktion von Rohstoffen zu den größten Gefahren für die Wälder. „Wenn der chinesische Drache seinen immensen Holzhunger weiter aus sehr fragwürdigen Quellen stillt, kann es nicht mehr lange dauern, bis die letzten großen Wälder der Erde verschwunden sind. China muss seine Holzpolitik dringend ändern, sonst raubt der Drache den letzten Tigern und Elefanten, die in diesen Wäldern zuhause sind, ihren Lebensraum“, kommentiert Frank Mörschel, Waldexperte des WWF Deutschland, die Studienergebnisse. Eigentlich gut gemeinte Maßnahmen zum Schutz der heimischen Wälder, wie zum Beispiel ein Holzeinschlagsverbot nach der verheerenden Jangtse-Flut 1998, hätten zu einem deutlichen Rückgang der inländischen Holzproduktion geführt. Mörschel warnt davor, die chinesischen Wälder einseitig auf Kosten anderer zu schonen. Der WWF schätzt, dass in China bis 2010 der Anteil der Holzproduktion aus heimischen Quellen auf weniger als die Hälfte zurückgehen wird. Frank Mörschel befürchtet, dass dies die Nachfrage Chinas nach den Holzvorkommen in den genannten Exportländern noch mehr verstärken und den dort weit verbreiteten illegalen Holzeinschlag weiter fördern wird. Um den Holzbedarf Chinas langfristig zu decken, ohne wertvolle Waldflächen in anderen Ländern zu vernichten, empfiehlt der WWF, den Einschlagsstopp in manchen Regionen Chinas zugunsten einer nachhaltigen heimischen Holzwirtschaft aufzuheben. Darüber hinaus sollen Anreize für eine effiziente Holzproduktion und für einen umweltbewussten Holzkonsum geschaffen werden. Der WWF fordert außerdem eine staatlich verordnete Beschaffungspolitik, die Hölzer aus fragwürdigen Quellen ausschließt. Der WWF-Bericht zeigt zwar auf, dass ein chinesischer Bürger durchschnittlich 17mal weniger Holz verbraucht als ein US-Amerikaner. Die starke wirtschaftliche Entwicklung des Landes und das Bevölkerungswachstum haben jedoch in den vergangenen zehn Jahren zu einem dramatischen Anstieg des Holzverbrauchs in China geführt. Quelle: WWF Deutschland Posted: Fr - April 15, 2005 at 08:57 vorm. |
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