Famulatur Unfallchirurgie - Tag 15

Bei den sechs OPs, die für heute auf dem Operationsplan standen, waren wir Famulanten bei allen als 1. Assistent eingetragen. Zunächst stand für mich eine Metallentfernung nach Mittelhandfraktur, dann eine nach Weber-Fraktur auf dem Plan. Hat richtig Spass gemacht, da ich auch mal selber schrauben und eine Lokalanästhesie setzen konnte. Anschließend gab es eine ausgesprochen komplizierte Tibiakopffraktur, die mit Platte und Schrauben versorgt werden musste, bei der Timon und ich zusammen dem Chefarzt assistierten. Eine anstrengende und lange OP, aber zum Glück konnte ich am Ende wieder ein bisschen nähen. Nach fast fünf Stunden im OP war dann endlich Zeit für ein sehr verspätetes Mittagessen in der Cafeteria (die um diese Uhrzeit eigentlich gar kein warmes Essen mehr hat), und direkt danach ging es wieder in den OP. Ein voller und anstrengender, aber schöner Famulaturtag.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 10

Nach der üblichen Frühbesprechung ging ich sofort in den OP, um bei zwei Metallentfernungen zu assistieren. Heute war die OP-Atmosphäre im Gegensatz zu gestern glücklicherweise richtig gut - zuerst wurde eine Schraube aus einem Fuss entfernt, anschließend eine Cerclage (Drahtschlinge) aus dem Knie nach Ruptur des Lig. patellae. Die Wunde wurde von mir genäht.
Ansonsten war der Tag nicht sonderlich spektakulär und von einigen Kaffeepausen unter uns Famulanten geprägt. Interessant war der Fall eines Patienten mit Drogenabusus, der gestern wegen einer Hirnblutung eingeliefert wurde, woraufhin er von der Intensivstation floh. Die Polizei brachte ihn heute morgen wieder zurück, wobei er nach einem CT so tat, als wäre er schläfrig und benommen und in einem kurzen unbeobachteten Augenblick erneut von Station verschwand. Wieder wurde die Polizei informiert, die nach ihm fahndete und ihn nun irrtümlich in ein anderes Krankenhaus brachte. Auch dort wurde er auf die Intensivstation gelegt - aus der er gegen Abend ebenfalls flüchtete.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 09

Es gibt gute Tage und es gibt typische Montage - heute war ein solcher. Als ich vor der Morgenbesprechung auf Station kam sah ich bereits im Vorbeigehen ein sehr üppig gefülltes Blutabnahmetablett, dass nur auf mich wartete. So weit, so gut. Nach der Besprechung wollte ich mich dann an die Arbeit machen, aber zwei PJler aus der Inneren hatten sich bereits zum Blutabnehmen auf den Weg gemacht - sehr gut. Also ging ich auf eine andere Station und machte dort einen Teil der Blutabnahmen. Später stellte sich dann heraus, dass auf meiner Station so gut wie keine der Blutabnahmen funktioniert hatte und ich konnte noch mal eine Stunde Blut abnehmen - was bei den internistischen Patienten, die dort liegen und die z.T. schon mehrmals gestochen wurden, ziemlich schwierig war. Bei zwei von ihnen musste ich dann auch passen - einer davon bekam später aus der A. femoralis Blut abgenommen, und bei einem weiteren versuchte es mein Stationsarzt eine viertel Stunde lang, zum Glück irgendwann erfolgreich.
Anschließend ging ich noch mit auf Visite, nahm aus einem ZVK Blut ab und ging zum Mittagessen. Kurz danach wurde ich dann angerufen, dass ich schnell in den OP kommen sollte, um dort einem der Oberärzte bei einer Knie-OP zu assistieren. Dabei stellte ich dann fest: Es gibt auch hier nicht nur nette OP-Schwestern, und auch der Oberarzt, der nicht sonderlich glücklich darüber war, dass einer seiner Assistenten ausfiel und statt dessen ein Famulant am Tisch stand, war eher unfreundlich. Aber es können ja nicht alle OPs so gut sein, wie dies bisher der Fall war. Morgen sind wir Famulanten dann sogar fest auf dem OP-Plan eingeteilt, aber glücklicherweise nicht mit besagtem Oberarzt, und hoffentlich mit einer der netten OP-Schwestern. Aber morgen ist ja auch Dienstag - es kann also nur besser werden.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 08

Nach der Morgenbesprechung ging ich wie üblich auf Station, um die Blutabnahmen durchzuführen - bei dieser Gelegenheit bekam ich dann auch gezeigt, wie man richtig aus einem ZVK Blut abnimmt. Anschließend half ich ein wenig in der Ambulanz mit, indem ich einen Patienten aufnahm (Anamnese, Blut, usw..). Zwischendurch folgte dann noch eine Abstecher in die Allgemeinchirurgie, bei dem Timon und ich bei einer Emmert-Plastik zusehen konnten. Nach dem Mittagessen ging es dann in den OP, um bei der Therapie einer Weber B-Fraktur zuzusehen (assistieren war dabei leider nicht möglich). Danach guckten wir uns auf Station noch verschiedene Röntgenaufnahmen von Schenkelhalsfrakturen (prä- und postoperativ) an und bekamen einiges zu den verschiedenen Prothesen erklärt. Nach der obligatorischen Röntgenbesprechung war dann wieder Feierabend.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 07

Heute morgen wurde in der Besprechung u.a. der Fall eines Kindes vergestellt, dass beim Skaten hinter einem Auto hingefallen war. Leider fuhr das Auto anschließend angeblich rückwärts und über die Beine des Kindes - wie durch ein Wunder gab es keine ernsthaften Verletzungen. Nach der Morgenbesprechung ging ich dann direkt in den OP und assistierte bei einer Nagelung des Femurs und nähte meine erste Drainage fest. Es folgte noch eine Metallentfernung aus dem Fuss. Die Stimmung im OP war wieder richtig gut, die OP-Schwestern kümmern sich um einen und erklären recht viel wenn man sie fragt.
Bis zum Nachmittag hielt ich mich dann wieder in der Ambulanz auf, dort wurde unter anderem ein älterer Herr eingeliefert, der am Sonntag 1,5 Liter Teewasser gekocht und es sich anschließend versehentlich über den Fuss gegossen hat. Resultat war ein sehr großer Hautdefekt, von dem Fibrinbeläge entfernt werden mussten und eine stationäre Aufnahme. Zwischendurch musste noch eine Viggo mit Blutabnahme bei einem MRSA-Patienten gelegt werden, dessen OP ich dann im Anschluss mitverfolgte. Dabei wurde am Knie entzündliches Gewebe entfernt und eine okklusive Wundbehandlung mit Sogableitung über einen intern drainierten Schwann installiert. Nach der Nachmittagsbesprechung schließlich Feierabend!
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 06

Nach der heutigen Morgenbesprechung, bei der unter anderem der Fall eines Metzgers vorgestellt wurde, der den Splitter eines Kottlettknochens in der Hand hatte und daraufhin eine heftige Entzündung entwickelte, machte ich auf 2 Stationen die Blutabnahmen. Gegen 10:00 Uhr sollte ich in den OP kommen, um bei einer Weber B-Fraktur zu assistieren, aber da sich der OP-Termin immer weiter nach hinten verzögerte, ging ich in die Ambulanz. Dort war extrem viel los - vom Koch, der sich heißes Fett über die Hand geschüttet hatte, über den Rentner, der sich beim Heimwerken mit einem Hammer auf die Kniescheibe geschlagen hat, bis zum Obdachlosen, der sich bei einer Rangelei eine Schenkelhalsfraktur zugezogen hatte und dessen mitgebrachte Plastiktüte wir gemeinsam nach seinen Medikamenten durchsuchen mussten.. Ich nahm Blut ab, füllte Laboranforderungen aus, erhob Anamnesen und legte hin und wieder einen Verband an.
Besonders interessant an diesem Tag waren zwei Schulterluxationen (eine vordere und eine hintere), die in Kurznarkose (Propofol) reponiert wurden. Dazwischen immer wieder Patienten, die in einer chirurgischen Notfallambulanz eigentlich nichts zu suchen haben, sondern besser zu ihrem Hausarzt gegangen wären ("Herr Doktor, ich bin vor drei Tagen gestürzt und dachte, das sollte mal geröngt werden."). Höhepunkt in dieser Hinsicht war ein Patient der anrief um sich nach den momentanen Wartezeiten zu erkundigen - klingt nach einem echten Notfall. Schließlich noch 3 laut brüllende ausgesprochen unhöfliche Personen, die alkoholisiert und mit wahnsinniger Lautstärke über den Flur polterten. Der ganze Radau weil einer von Ihnen leichtes Nasenbluten hatte ("Hilfe - mein Kumpel verblutet!").
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 05

In der Morgenbesprechung um 8:00 Uhr stellte sich heraus, dass heute für die OPs zu wenige Assistenten da sind. Also fragte mich der Chefarzt, ob ich nicht assistieren und sofort mit in den OP kommen könnte. Gesagt, getan. Zuerst stand eine Hüft-TEP bei einem sehr alten Patienten auf dem Programm, bei dem wir nach Rücksprache mit der Anästhesistin wegen des schlechten Allgemeinzustands nur den Hüftkopf entfernten und die OP dann abbrachen - glücklicherweise konnte ich dabei am Ende die Hautnaht selber nähen. Es folgte eine OP wegen Karpaltunnelsyndrom, bei welcher der N. medianus freigelegt wurde und richtig schön dargestellt werden konnte. Mittlerweile was es 11 Uhr und nach einem Frühstück in der Cafeteria pendelte ich zwischen Ambulanz (Schnittverletzungen, Bandrupturen und ähnliches) und der Station.
Insgesamt kann man sagen, dass in dieser Unfallchirurgie ein richtig nettes Team ist und man sehr gut integriert wird. Bisher also eine Famulatur, die richtig Spass macht!
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 03

Der heutige Morgen begann etwas chaotisch - wegen der üblichen Verspätungen im Nahverkehr in den falschen Zug eingestiegen, Frühbesprechung versäumt und anschließende Ermahnung vom Chefarzt, doch bitte pünktlich zu kommen (aber alles in freundlicher Atmosphäre und somit ganz OK). Im Anschluss gab es auf Station nur wenige Blutabnahmen, dafür bekam ich einen Crashkurs in Sachen DRG - wie man diese am Besten kodiert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Bezüglich des Budgetsystems lernte ich dann noch, dass einige niedergelassene Chirurgen und Orthopäden aus kostengründen (z.B. weil sie z.T. nur 8 € pro Quartal und Patient zur Verfügung haben) ihre Patienten nicht behandeln können, und diese dann notgedrungen ins Krankenhaus überweisen. Diese Fälle könnten aber theoretisch auch ambulant behandelt werden, so dass das Krankenhaus sie nicht abrechnen kann. Bestes Beispiel war eine Patientin, die heute aufgenommen wurde, weil sie beim Staubsaugen plötzlich starke Rückenschmerzen bekam und klinisch die Symptome einer Blockade zeigte - ein Fall, der eindeutig ambulant behandelt werden könnte. Passend dazu konnte ich noch bei ein paar i.m. Injektionen bei Gelenkblockaden zusehen und hatte anschließend ein längeres Gespräch mit einem Viszeralchirurgen, der konsiliarisch den Patienten mit Ileus-Verdacht (über den ich gestern geschrieben habe) untersuchte. Der Patient ist 95 Jahre alt, war bisher auch noch relativ mobil, allerdings lässt sich immer noch keine Diagnose stellen. Der Viszeralchirurg ordnete eine Verlegung auf seine Station an, um eine Koloskopie durchzuführen. In der abendlichen Röntgenbesprechung beschwerten sich dann die Ärzte aus der Inneren, dass dieser Patient eher in ihren Zuständigkeitsbereich fiele (v.a. da auch der Diabetes neu eingestellt werden müsse) und waren etwas erbost, dass er mit dieser Symptomatik nun auf der Chirurgie gelandet sei. Allerdings wollten sie, da es sich um keine Akutsituation handelt und der Patient weder Schmerzen noch Übelkeit oder Erbrechen zeigt, auch keine Koloskopie durchführen.
Den Nachmittag über nahmen wir dann noch an der sehr interessanten Operation einer Radiuskopffraktur teil, bei der dieser aus dem Arm entfernt und auf dem OP-Tisch mit Hilfe von Schrauben neu zusammengesetzt wurde. Anschließend wurde er wieder eingesetzt und verschraubt.
Aus der Ambulanz wurde mir dann noch von einem Patienten berichtet, der heute eingeliefert wurde, weil er zu Hause eine Synkope erlitten hat. Leider sass er dabei am Küchentisch und fiel mit dem Kopf auf seine brennenden Teelichter - mit dem Ergebnis, dass eine Gesichtshälfte nun starke Verbrennungen erlitten hat.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 02

Dies war ein für mich eher ruhiger Tag in der Unfallchirurgie. In der Frühbesprechung wurden wieder nächtlich untersuchten Patienten besprochen; so unter anderem eine Frau, die von ihrem Mann verprügelt wurde und einige Routinefälle. Da ich auf einer interdisziplinären Station bin, die sowohl eher internistische als auch unfallchirurgische Patienten betreut, gab es anschließend wieder zahlreiche Blutabnahmen zu erledigen. Danach war leider relativ viel Leerlauf für mich, so dass ich einige Zeit mit Timon in der Cafeteria verbrachte und Nachmittags mit einem Chirurgen nochmals Knoten übte.
Über den Tag bekam ich dann noch einen recht interessanten Fall mit - ein Patient wurde vorige Woche nach einem Sturz eingeliefert. Dabei fiel ein stark aufgeblähtes Abdomen auf und eine erste Röntgenaufnahme (am Freitag) liess auf eine starke Koprostase (Kotanstauung im Dickdarm) schließen. Als Differentialdiagnose wurde also ein Ileus genannt, es wurden aber zunächst abführende Massnahmen durchgeführt. Ein erneutes Röntgenbild von Samstag zeigte starke Luftansammlungen im Colon. Da die Symptomatik weiterhin persistierte, wurde heute ein CT des Abdomen durchgeführt. In der Röntgenbesprechung am Nachmittag vermutete der Radiologe bei Betrachtung der Bilder, dass es sich um ein Megacolon handelt. Da dieses akut, chronisch (funktionell) oder toxisch sein kann, bin ich gespannt, wie es morgen weitergeht.
Die Dame nach Katzenbiss und resultierendem Phlegmon, über die ich gestern geschrieben habe, musste glücklicherweise nicht operiert werden, nach einigen Armbädern und entfernen der Kruste mit Eiterabgang ging das Phlegmon gestern weiter zurück und sie konnte nach Hause entlassen werden.
|

Famulatur Unfallchirurgie - Tag 01

Seit heute mache ich mit einem Kommilitonen Famulatur in der Abteilung für Unfallchirurgie in einem Kölner Krankenhaus. Dienstbeginn war um 8:00 Uhr und es ging mit einer Röntgenbesprechnung los, bei der die Patientenfälle, die über Nacht hereingekommen waren, besprochen wurden. Das Team ist zahlenmäßig recht überschaubar und besteht aus vielen jungen Ärzten - wir trafen uns alle in einem Untersuchungsraum der Ambulanz und wurden von jedem erst mal begrüßt. Fragen an uns gab es während dieser Besprechung glücklicherweise nicht; am Ende wurden wir auf zwei verschiedene Stationen aufgeteilt. Nach einer kleinen Führung verbrachte ich einen großen Teil des Vormittags mit den obligatorischen Blutabnahmen (zahlreiche!) und einer kurzen Visite, bei der es einige interessante Fälle zu sehen gab. Eine Patientin wurde vor 3 Tagen von ihrer Katze in die Hand gebissen und hat ein großes Phlegmon, dass morgen vielleicht operativ behandelt werden muss. Ein Patient wurde von seiner Frau mit einem Messer am Unterarm verletzt und hat mehrere tiefe Schnittwunden. Diverse Verletzungen nach Stürzen auf den Unterarm (Radiusfraktur, Ulnafraktur, etc.) sind natürlich auch vorhanden.
Mittags gingen wir gemeinsam in der Cafeteria essen (in Famulaturen eher eine Seltenheit, normalerweise sitzt man als Famulus am ersten Tag eher alleine da), anschließend machte ich noch Blutabnahmen auf einer anderen chirurgischen Station und besprach gemeinsam mit einer Unfallchirurgin Röntgenaufnahmen von Patienten (d.h. sie drückte mir die Umschläge mit den Bildern in die Hand und fragte mich nach meiner Diagnose). Gegen 15:30 Uhr folgte dann noch eine Röntgenbesprechung mit dem zuständigen Radiologen, bei der es u.a. ein 7,5cm großes Aortenaneurysma, eine Metastasenleber und einiges mehr zu sehen gab.
Positiv an diesem ersten Tag war, dass das gesamte Team recht nett zu sein scheint und sich auch gut um einen kümmert. Man wird integriert ("Leider kann ich dir keinen Funker besorgen. Gib mir einfach deine Handynummer, die legen wir vorne hin, und dann können wir dich immer rufen, wenn es etwas wichtiges gibt!"), und ein Assistenzarzt sagte mir auch, dass er selber viele schlechte Famulaturen gemacht hat, und er deshalb ein besserer Lehrer sein möchte. Ich soll ihm einfach sagen, was ich sehen und lernen möchte. Guter Start!
|