Fahrradreise. Von Tokio nach Kitakyshu.
Fahrradreise, die Vorbereitung
Wie der Untertitel schon besagt, habe ich diese Fahrradtour genutzt, um von Tokyo nach Kitakyushu umzuziehen.
Ich befinde mich nun seit einem Jahr in Japan. Mit einem DAAD-Stipendium bin ich vor einem Jahr hier angekommen, habe ein Jahr in der Metropole gelebt, und täglich an einer renommierten Sprachschule Japanisch gelernt. Der zweite Abschnitt dieses 2 Jahre dauernden Programmes beinhaltet ein 10 monatiges Praktikum. Aufgrund verschiedener Gründe, die ich hier nicht darlegen möchte, führt mich meine Tätigkeit nun nach Kitakyushu, genauer gesagt nach Kokura.
Nun, mit eine Motivation war natürlich, ein "anderes Japan" kennenzulernen. Kitakyushu, die Provinz, wenn man selbst von Japanern verwundert angeschaut wird, ob der Entscheidung, dort eine längere Zeit zu arbeiten. Aus dieser Motivation heraus, Japan aus einer anderen Perspektive kennenzulernen, ist auch die Idee entstanden, mit dem Fahrrad und nicht mit dem Shinkansen umzuziehen.
Ich habe seit Jahresanfang, d.h. zwischen März und einschließlich August, den Schulweg und überhaupt alle Strecken in Tokyo mit dem Rennrad zurückgelegt. Während dieser Zeit bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß das Fahrrad das ideale Mittel der Fortbewegung ist. Schnelligkeit und Unabhängigkeit. Es ermöglicht die Umgebung genau wahrzunehmen. Wenn ich nur an all die wunderbaren Perspektiven denke, die Blickwinkel auf Straßen, Häuser, Geschäfte und der Szenen des "normalen japanischen täglichen" Lebens die ich vom Fahrrad aus beobachten konnte, all das was mir anfangs exotisch erschien, was ich mit meiner Vorstellung von "Japan" assoziiert habe. Was lag also näher, als meinen Urlaub auf dem Fahrrad zu verbringen und dabei Land und Leute kennenzulernen?
Planung
Die Vorgabe dabei war klar, es ging von Tokio nach Kitakyushu. Der Zeitrahmen von einem Monat wurde mir dabei mit durch den Stipendiumgeber als akzeptabel vorgegeben. Der nächste Schritt bestand darin, die beachtliche Entfernung von xx km in eine mit dem Rad zu bewältigende Strecke aufzuteilen.
Wegen meiner Unerfahrenheit gab es einige Punkte zu bedenken. Welche Entfernungen kann man täglich zurücklegen, auch wenn man körperlich durchtrainiert ist? Ich wollte mir "freie" Tage reservieren, z.B. zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten oder einfach nur um an landschaftlich schönen Orten länger verweilen zu können und möglich auftretender Unwirklichkeiten mußten berücksichtigt werden, September ist Taifun-Saison in Japan. Indem ich mit der Fähre von Tokyo aus nach Nachi-Katsuura in Wakayama Ken gefahren bin, sie fährt normalerweise nach Kochi auf Shikoku weiter, habe ich die Strecke halbiert.
Ansonsten gab es keine Planung. Erst auf dem Schiff habe ich in meinem Reiseführer nachgeschlagen um für den ersten Teilabschnitt, Wakayama, interessante Routen zu finden. O.K., ich war in Tokyo im Radfahrzentrum und in einem Touristeninformatinonszentrum. Aber mir dort detaillierte Informationen zu besorgen, Streckenführung, Unterkunft, etc. wirklich zu planen, das war mir zu mühsam. Ich hatte auch keine Straßenkarten oder eine Ahnung wie die Straßen aussehen.
2 Jahre vorher war ich ebenfalls für 4 Wochen in Japan unterwegs, jedoch ausschließlich per Bahn. Da ich während dieser Reise ohne weiteres Unterkünfte, Jugendherbergen nebst Paß gefunden hatte, bin ich auch diesmal davon ausgegangen, auf keine Probleme zu stoßen. Zumal die sprachlichen Vorraussetzungen ganz andere waren. Nach einem Jahr an einer Sprachschule fand ich, es mit allen Herausforderungen aufnehmen zu können.
Verkehr
Ist eine Fahrradreise in Japan gefährlich? Nein. Natürlich bin ich auf dieser Reise in den "entlegenden" Regionen wie Shikoku, Wakayama ken und Kyushu gefahren, wo der Autoverkehr bei weitem geringer ist als in Tokio. Außerhalb der Zentren passieren einem nur Fernlastwagen, Kleintransporter und gelegentliche Autos. Dabei sind die großen LKW, sozusagen Profis, am rücksichtsvollsten. Abgesehen von den sprichwörtlichen Ausnahme der Regel, sind die Fahrer rücksichtsvoller, je größer die Fahrzeuge werden. Etwas anderes dagegen sind die Kleintransporter. Meist gefahren von älteren Männern, oft in Begleitung der Frau, haben diese es immer besonders eilig, nehmen am wenigsten Abstand beim Überholen und fahren sowieso viel zu schnell. Bergab oder in den Kurven fragt man sich immer wieder, ob das gut enden kann. Dies deckt sich auch mit den Erfahrungen der verschiedenen Motorradfahrer, die ich während der Reise getroffen habe. Und die Autofahrer? Kein Problem, je kleiner das Auto wird, umso größer der Abstand beim überholen, was nicht unbedingt für das Augenmaß des oder der Fahrer/in spricht.
Eine große Unsitte und das einzige Gefährliche ist das Fahren bei Regen oder anderen widrigen Umständen wie Dämmerung, Gewitter. Es scheint in Japan nicht üblich zu sein, bei schlechten Lichtverhältnissen das Licht einzuschalten. So ist es immer wieder vorgekommen, das bei Regen, wenn die Sicht sehr schlecht ist, keines der Autos oder LKW das Licht anhatte. Es fuhren nur graue Schatten über die Straßen. Das Bemerkenswerte dabei: wenn es dann in einen Tunnel ging, wurden die Lichter eingeschalten, sobald dieser zu Ende war, gingen auch die Lichter wieder aus.
Was die Straßen angeht, bin ich ob der Qualität geteilter Meinung. In der Regel sind die Straßen, besonders die Bundesstraßen gut ausgebaut. Trotz allem ist es oft so, daß ein und dieselbe Straße zwischen sehr gut ausgebaut und Bergpfad wechselt. Besonders auffällig war dies in Wakayama ken. Besonders tückisch sind dann die gelegentlichen Schlaglöcher und fehlenden Leitplanken in den Bergen.
Unterkunft
Und wie habe ich nun meine Unterkünfte gefunden? Bis auf zwei Ausnahmen habe ich ausschließlich in Jugendherbergen übernachtet. Auf Shikoku, der Insel mit der 88 Tempel Pilgertour, waren dies meist Tempel. Alle Herbergen waren sehr schön, z.T. sehr luxuriös eingerichtet, auf jeden Fall sehr stilvoll, mit einem herrlichen Essen und sehr freundlichen Menschen. Und mit Ausnahme von Aso waren es alles neu angefahrene Orte. Je weiter abseits von den Metropolen, um so "japanischer", d.h. Tatami Zimmer, wenn nicht auch noch das Gebäude in traditioneller Weise gebaut wurde. Japanische Unterkünfte sind ein wahrer Traum. Wenn man nach 6 Stunden oder länger auf dem Sattel, völlig durchgeschwitzt und erschöpft in einer solchen Unterkunft ankommt, sich in ein heißes Bad oder sogar Onsen legen und entspannen kann, um anschließend sehr gut und reichlich zu Essen, ist nicht nur Luxus sondern einfach Unbeschreiblich.
Die absoluten Highlights waren dabei Koyasan (Wakayama ken, Honshu), Yufuin (Oita ken, Kyuushu), Kubokawa (Kochi ken, Shikoku).
Ausnahmen, den Anfang hat ein Minshuku in Yonomine Onsen gemacht und ein Businesshotel war meine Rettung nach einer stürmischen Fahrt.
Wie bei meiner ersten Reise in Japan vor zwei Jahren bin ich ohne Jugendherbergsausweis losgezogen, so auch diesmal, mit dem Wissen, daß man diesen auch unterwegs noch bekommen kann, oder zumindest diesen Gästeausweis. Nun schien dies nicht dem Herbergsvater meines ersten Zieles bewußt gewesen zu sein. So habe ich aus dem Reiseführer ein Minshuku ausgewählt, die wollten mich aber nicht für nur eine Nacht haben. Zumindest haben Sie mir auf Nachfrage ein anderes genannt. Ein sehr Nettes, mit Mineralwasseronsen, sehr leckerem Essen und ruhiger Lage.
Das Business Hotel war meine Rettung nach einem etwas unglücklichen Tag. Ich hatte mir für Kochi ein anderes, laut Reiseführer einfaches Business Hotel ausgesucht. Allerdings hatte ich nicht mit einem solchen Schmutz und heruntergekommenen Hotel gerechnet. Ich bin fast rückwärts wieder rausgefallen. Die Geschichte der weiteren Suche nach einer Alternative ist ja nun bekannt, ebenso wie das glückliche Ende.
Mitreisende
Wer war noch alles unterwegs? Skater, Pilger, Rad und Motorradfahrer, neben den zu erwartenden Autos und LKW.
Den Skater habe ich auf der Überfahrt von Wakayama nach Tokushima gesehen, er war auch der Einzige seiner Art. Zahlreich hingegen waren die Pilger auf Shikoku. Überraschend dabei das Spektrum der traditionell zu Fuß wandernden, alle 88 Tempel Aufsuchenden. Es gab Schüler und Studenten, Businessman und ältere Leute. Ebenso bunt wie die Menschen war die Ausrüstung. So war der Geschäftsmann, mit Niederlassung in Frankfurt, in Sneaker, T-Shirt und Tagesrucksack unterwegs, während die komplette Wanderausrüstung mit Bergrucksack, Schlafsack, Wanderstiefel und Goretex Jacke eher der jungen Generation vorbehalten war. Viele ältere Männer haben auch ganz einfach ein kleines Wägelchen hinter sich hergezogen. Am coolsten empfand ich aber immer noch den Mönch. Er sah aus, als ob er gerade einem japanischen Film über die Edo Zeit entsprungen wäre. Und, natürlich haben viele Menschen die Tempelroute mit Bussen oder im Privatwagen zurückgelegt. Dabei war auffallend, daß es gerade diese Menschen die wenigste Zeit haben und in der größten Eile das Tempelgelände betreten, die Gebete runtergespult ihr mittlerweile abgestempeltes Wanderbuch entgegengenommen haben, um den Bus wieder zu besteigen und fortzufahren.
Die bei weitem größte Gruppe an Reisenden waren die Motorradfahrer, meist Einzeln oder in Paaren unterwegs, habe ich aber auch zwei Gruppen von 20 oder mehr Ridern erlebt. Das besondere an diesen Menschen, es ist erstaunlich, wie motivierend ein freundliches Nicken oder ein zum Gruß entgegengestreckter Daumen sein können, besonders wenn man einen weiteren 8 prozentigen Aufstieg vor sich hat. Und egal wie wild die Kluft sein mag, vor japanischen Bikern braucht man sich nicht zu fürchten.
Hingegen habe ich nur 5 Mitradfahrer beobachtet. Es gab schon eine Reihe Radrennfahrer auf schlanken Rennmaschienen, allerdings halt nur 5 weitere auf Tour.
Wie man ißt
Über das Essen ist verschiedenes zu berichten. In den Jugendherbergen war das Essen excellent, vielfältig und wunderbar. Die Verpflegung unterwegs bestand eher aus flüssigen Nahrungsmitteln, Trinkjoghurt, Milch, Obst. Auf Shikoku habe ich mir eigentlich gedacht, öfter in kleine Restaurants einzukehren, lokale Spezialitäten zu probieren, vielleicht sogar dies oder jenes Sushi frisch vom Fang, Fischerdörfer gibt es ja reichlich. Aber leider ist aus diesen Plänen leider nichts geworden. Es gab zum Teil einfach keine Geschäfte. Selbst Nachfragen beim Fischhändler, wo man Sushi essen könne, blieben fruchtlos. Dagegen habe ich dann, am gleichen Tag, ein ganzen Menü wundersamst lecker anzusehender Sushi Portionen aus einem Hotel transportieren sehen.
Es ist sogar in Touristenorten wie Koya san nicht möglich, von Obento mal abgesehen, eine angemessene Raststätte zu finden. Angemessen soll heißen, günstig und reichlich. Bei solchen Orten wird in der Gaststätte gegessen, oder die Tagestouristen frequentieren die Imbißstuben.
Publikum
Keine Frage, man fällt auf. Als Ausländer, in der Provinz, auf einem Fahrrad, einem Rennrad mit Rucksack, Radlerhose und -schuhe, von Tokio nach Kitakyushu (als Antwort, wenn man denn ins Gespräch kam), Japanisch antwortend.
Andererseits hatte ich selten das Gefühl wirklich angestarrt zu werden. Ich hatte in der Nähe von Shimabara für eine kurze Zeit einen persönlichen Fanclub. Als ich in einem kleinen Ort in einen Conviencestore Einkaufen ging, schlossen sich mir kurzerhand 3 Jungs im Alter von 10? Jahren an, wechselten ein paar englische Worte (Hi, Hello), winkten fleißig und konnten sich offensichtlich nicht sattsehen. Was auch des öfteren passiert ist, von älteren Frauen nach dem Alter, Beruf, Familie, Ledig gefragt zu werden. Meist mit der Bemerkung, wie jung ich wäre.
In der Regel war es so, je weniger Personen anwesend waren, desto weniger offensichtliches Aufsehen erregte ich. Setzte ich mich hingegen bei Raststätten zu den Menschen, konnte ich deren Blicke förmlich spüren. Weiter galt, je weniger Menschen anwesend, desto höher die Wahrscheinlichkeit, angesprochen zu werden.
Artverwandte Geister, ich meine die Motorradfahrer, hingegen waren sehr interessiert, was ein radfahrender Ausländer macht und gleichfalls beeindruckt.
Aber so gesehen, Radfahren ist ein einsames Brot, die Gespräche konzentrieren sich auf flüchtiges Grüßen, wohin? woher? wielange? wieso? Weil die Radfahrer so selten waren, bin ich mir auch nicht so sicher, ob das allgemeine Erstaunen nun Ausdruck darüber war, daß ein Ausländer zu sehen war oder ein Radfahrer mit großem Gepäck. Angesichts der einsamen Gegenden, in denen ich unterwegs war, bin ich eigentlich immer von letzterem ausgegangen.
Bänke, Rast
Abgesehen von Wakayama ken, mit einem sehr dichtem Netz an Raststätten und einem Teil von Shikoku war es erstaunlich, wie wenig Bänke und Sitzmöglichkeiten es in diesem Land gibt. Eine Erfahrung, die ich schon in Tokio gemacht habe. Die Schwierigkeit, sich hinzusetzten und einfach auszuruhen. Im Falle der Großstadt kann man zur Not noch 240 Yen für einen Kaffee in einem der zahlreichen Geschäfte investieren, aber auf dem Land wird das schon schwieriger. Wenn es sogar in Kokura, einer größeren Stadt in Kitakyushu, wenn es also sogar dort in einer sehr stark frequentierten Einkaufsstraße nur 2 Kaffees gibt, braucht es einem nicht zu wundern, diese auf dem Land nicht zu finden. Und aus Analogie braucht man dann erst gar keine Bänke zu erwarten. Nun hat Shikoku den Vorteil langer einsamer Strände, so daß man sich bei strahlendem Wetter einfach an den Strand legen und das Meeresrauschen genießen kann. Ansonsten stehen die Chancen, einen geeigneten Ort zu finden, sehr schlecht.
Ich habe das Problem der Bänke auf der Reise mal angesprochen. Die Antwort war verblüffend. Laut der Japanerin sind "die Japaner" eher "Stubenhocker", sie mögen nicht nach außen gehen, es hat das Image des Schmutzigen, Anstrengenden, Unangenehmen. Daher sind sie auch nicht so gern unterwegs, wodurch sich der Mangel an einer Reiseinfrastruktur erklären läßt und seien es auch nur Bänke.
Wenn man dann aber einen solchen Ort gefunden hat, gab es alles was das Herz begehrt, Toiletten, Bänke, Conviniencestores, in der Reihenfolge. Nach welchem Muster die Toiletten gebaut werden, ist mir dabei nicht klar geworden. Es gab nämlich durchaus durchgestylte Örtlichkeiten abseits der großen Straßen in kleinen Bergorten.
Läden
Was mich auf dieser Reise immer wieder überrascht hat, wie schwer es ist, Lebensmittelgeschäfte entlang den Hauptstraßen zu finden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man in einem kleinen Ort oder einer größeren Stadt etwas zu Essen oder zu Trinken kaufen möchte.
Entlang der Hauptstraßen befanden sich immer die gleichen Geschäfte, d.h. in der Regel waren es Discountläden für Schuhe und Kleidung, KFZ Werkstätten, Auto- und Motorradhändler, natürlich die unvermeidlichen Pachinkohallen. Aber von irgendetwas müssen doch die Menschen leben! Sie können doch nicht immer weite Wege zu den nächsten Supermärkten zurücklegen, die ich allerdings auch nicht gesehen habe.
Wegfindung
Die sicherste Informationsquelle waren immer noch Tankstellen, besonders die Cosmo Tanken, die in einem Fall auch gerne Werkzeug zur Verfügung gestellt haben, im Gegensatz zu den Shell Tankstellen. Als ich in Uwajima in einem Tempel nach dem Weg gefragt habe, wurde mir gleich ein Getränk angeboten und sogar ein Essen. Zudem hat die Beschreibung auch gestimmt.
Eine Erfahrung aus Tokio konnte ich auch auf dieser Reise bestätigen, wenn man jemanden nach dem Weg fragt, ist nicht gewährleistet, daß die voller Überzeugung mitgeteilte Information auch richtig ist. Es scheint den Japanern wohl sehr schwer zu fallen, Unwissen zuzugeben. Es ist mir mehrmals passiert, daß ich in die falsche Richtung geschickt wurde. Besonders wenn man dabei einen Berg zum zweitenmal anfahren muß ist dies sehr ärgerlich. Das gleiche scheint in gewissem Sinn auch für die Straßenführung in den Städten zu gelten. Zwar wird man dort nicht in die Irre geführt, es ist manchmal aber nicht einsichtig, weshalb gerade dieser Weg angezeigt wird.
Dazu ist zu sagen, aufgrund der Tatsache das an Planung nur feststand, von Nachi-Katsura nach Kitakyushu, habe ich mir vorher kein Straßenkartenmaterial besorgt. So mußte ich also mit den Wegführung der japanischen Straßen, meinem Orientierungssinn und den Touristenkarten herumschlagen. Erstaunlicherweise hat das sehr gut funktioniert, ich habe mich nur an einem Tag andauernd verfahren, so wurde aus der kürzesten Route die längste, mit den zweitgrößten zu überwindenden Höhenmetern.
Ein weit größerer Nachteil bestand allerdings eher an den mangelnden Informationen über den Zustand der Straße, oder die Anzahl und den Anstiegsgrad der zu erwartenden Bergpässe. Nun war es in der Regel so, daß ich auf der Seite mit der geringeren Steigung aufwärts und auf der Seite der größeren Steigung wieder heruntergefahren bin. So schien es mir zumindest.
Wetter
Angesichts der Tatsache, während der Taifun Saison eine Radtour unternommen zu haben, hatte ich mit dem Wetter wirklich Glück gehabt. Die Taifune beschränkten sich auf einen, das Wetter war größtenteils trocken und damit gut zu fahren.
Ich habe zwar nur einen Taifun erlebt, dafür hat es dieser aber in sich gehabt. Schäden.... Auf meine Reiseplanung hat sich das allerdings nicht sehr ausgewirkt. Wie schon beschrieben, habe ich den Sturm in der Jugendherberge in Aso ausgewartet. Nachmittag angekommen, sozusagen während der Ruhe vor dem Sturm. Die Nacht durch und noch am folgenden Vormittag zog der Taifun dann über uns hinweg. Es blieb uns nichts anderes über, als die Berichte im Fernsehen zu verfolgen, von Zeit zu Zeit einen Blick nach außen zu werfen, um den Neigunswinkel der Bäume mit denen aus dem TV zu vergleichen.
Fortbewegungsmittel
Mein Fahrrad ist ein relativ einfaches Rennrad, "einfach" soll heißen keine hochgezüchtete Rennmaschine, "relativ" aber auch keines von der Stange.
Mir ist leider mein Tacho einmal zu oft heruntergefallen und hat seinen Geist aufgegeben, weswegen ich auch keine exakte Kilometerangaben über die gefahrene Strecke machen kann. Leider.
Für den technisch interessierten Leser:
(Daten werden nachgereicht)
Gepäck
Ich will nun nicht alle meine Kleidungsstücke aufzählen, aber so als Übersicht, ich hatte keine Radtaschen sondern einen Tourenrucksack, ca. 75l, zudem eine Radtragetasche und eine Werkzeugtasche unter dem Sattel und am Lenker festgebunden eine Seitentasche (ursprünglich für den Rucksack gedacht, weitere 5l Fassungsvermögen).
Nach dem Unfall hatte ich dann noch einen Reifenmantel mit auf dem Rücken.
Kleidung, wenn ich mich recht entsinne waren es mehrere TShirts und Hemden, eine lange Hose, ein paar Schuhe zu den Radschuhen, 2 Radlerhosen und Unterwäsche, Toilettenartikel und allerlei Kleinkram, Jugendherbergschlafsack. Da es sich letztenendes um einen Umzug handelte, kam noch allerlei Kleinkram und Papierkram hinzu, den man sich normalerweise nicht angetan hätte. Es waren aber alles "normale" Sachen, von den Radhosen, -helm und -schuhen mal abgesehen. Nichts aus einem Geschäft für Extremurlaube (z.B. Globetrotter) wie Spezialunterwäsche, Radregenkleidung oder all die kleinen Gadgets die einem als unbedingt nötig angedreht werden.
In Japan mit all seinen Kombini´s, das sind die 24h Läden die es an allen Ecken gibt, bin ich davon ausgegangen, mir alles weitere unterwegs kaufen zu können. Und so war es auch. Und als BackUp, mein Mobiltelephon mit den bekannten Notrufnummern.
Japan - Reiseland
Mein Professor hat mich immer gefragt."Was haben wir daraus gelernt, was nehmen wir aus dieser Vorlesung nun mit?"- Übertragen auf meinen Reisebericht oder auch meine kleinen Geschichten, die hauptsächlich während des ersten Jahres entstanden sind, was möchte ich, das der Leser in Erinnerung behält?