Die Büchse der Pandora

...dann hab ich was eigenes - und ich bin unabhängig!

"Arsch Arsch!"

Kritiken sind was feines. Man muss sich nicht durch jedes Buch, jede CD und jeden Film quälen, um auch mal was gutes zu finden. Das machen andere. Natürlich darf man nicht jeden sowas machen lassen. Bei Buchempfehlungen verlasse ich mich u.a. auf Elke Heidenreich ("Lesen!").
Damit entgeht mir aber natürlich auch einiges, denn hin und wieder erweist sich ein runterkritisiertes oder verschwiegenes Werk als positive Überraschung, viel häufiger sind allerdings als "Meisterwerk" angekündigte Superdinger tatsächlich der allergrößte Mist (und manche Sachen schaue ich mir schon wegen des Titels nicht an... "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" - wollen dich mich verarschen???). Und manchmal bügelt penetrante Mundpropaganda mittelmäßige Kritiken aus. So geschehen bei "Keinohrhasen".
Ich hab also auf zahlreiche Empfehlungen hin (denen zufolge sogar ein unverwüstlicher Metal-Fan den Film gut fand) Seba heute ins Kino geschleppt - und es war knallvoll. "Keinohrhasen" ist ein starker Kandidat für den erfolgreichsten Deutschen Film im Januar (auch wenn das kein Kunststück ist, bei DER Konkurrenz: dämlichen Aliens und quikenden Nagetieren).
Der Film war nicht schlecht. Keiner meiner Lieblinge (und das Ende ist natürlich einigermaßen vorhersehbar), aber ein schöne und witzige Unterhaltung. Nora Tschirner hat als verklemmte aber bissige Kindergärtnerin Anna den alten Hasen Til Schweiger ("Ludo") einfach an die Wand gespielt. Sie war die absolut beste, und ohne sie wär der Film auch nicht sehenswert gewesen. Ihre Wutausbrüche ("Du blöder Arsch Arsch! Pimmel!") sind fantastisch, und in der Art, wie Anna Ludo für jeden Fehler zur Sau macht, habe ich mich erschreckenderweise ein bisschen wiedererkannt...

Einzig das "Staraufgebot" war leicht übertrieben: Wladimir Klitschko macht der Catterfeld einen Heiratsantrag? Wozu das? Mal abgesehen davon, dass es absurd ist (dem Klitschko traue ich einen besseren Geschmack zu), schaffen die beiden es selbst in dieser kurzen Szene nicht, sich selbst gut zu spielen (mag dran liegen, dass ihnen die Absurdität der Situation bewusst ist), was ich dem Klitschko als Boxer nicht vorwerfe, der ätzenden Catterfeld aber schon, schließlich trägt sie ja ziemlich viel Schauspielambitionen mit sich rum, allerdings gerade mal genug Talent, um als klischeeblöde Blondine ihr Gesicht in eine Soapkamera zu halten, aber spätestens beim Versuch, ein Lied auf eine silberne Scheibe zu quälen, hätte mal auffallen müssen, dass ihre Grenzen sehr eng gesteckt sind. Jürgen Vogel ist da natürlich ganz anders, aber auch sein Auftritt als er selbst war nur am Anfang witzig, seine merkwürdige Pseudobeziehung zu Anna (was war das eigentlich genau???) hätte man sich dagegen getrost sparen können.

Ich bin ja auch grundsätzlich dagegen, dass Schauspieler ihre Kinder auf die Leinwand zerren (jaja, ich weiß, die Kinder wollen das ja uuuunbedingt...), auch weil ich denke, dass "Kind von xy" überhaupt keine Qualifikation für irgendwas ist, aber Til Schweigers Sprösslinge haben das tatsächlich recht gut hinbekommen.
Zum Thema "schlimme Kinder" (nicht zu verwechseln mit den süßen, lieben Kindern) noch eins: Liebe Filmemacher, es ist schon schlimm genug, dass die nervigen verzogenen Drecksgören offenbar immer mehr werden (für sie scheint das Demographieproblem nicht zu existieren) und auch schon fleißig das Privatfernsehen erobert haben, aber BITTE BITTE BITTE verschont mich wenigstens in Kinofilmen mit schreienden, egoistischen, regellosen Bälgern, bei denen ich den Drang verspüre, eine ganze Schulklasse dazu zu überreden, den Knirps mal ordentlich zu verdreschen. Wirklich, Leute, ich werde aggressiv, wenn ich sowas sehe!
(Zum Verständnis: Ich beziehe mich hier auf Ludos furchtbaren Neffen.)