Die Büchse der Pandora

...dann hab ich was eigenes - und ich bin unabhängig!

Tschackelihne oder Kehwien?

Letztens stehe ich nichts böses ahnend im Supermarkt am gerade mal wieder störrischen Leergutautomaten und sehe mich um, da entdecke ich ein interessantes Pärchen. ER wirkt etwas verpeilt und ungepflegt, soweit also nichts besonderes, SIE aber fällt etwas auf: Ihre billig wirkenden weißen Klamotten (weiße Klamotten unterschiedlichen Weißtons und Materials sehen zusammen irgendwie immer billig aus), das viele Make up und die zwei langen schwarzen (wahrscheinlich gefärbten) Pferdeschwänzen links und rechts lassen sie noch älter aussehen, als sie eh schon wirkt, wahrscheinlich unter anderem wegen fleißigen Sonnenbankkonsums. Auch dass hätte mich noch nicht umgehauen, aber dann ruft SIE nach ihrem Sohn (geschätzte 4 Jahre alt): "DUUUUNKIIIIN!!!"

Dunkin'??? Keine Ahnung, ob der Name wirklich so geschrieben wird, vielleicht ist es auch ein "Dunken" oder "Dunkon", der Aussprache der Mutter zufolge müsste es etwas in der Richtung sein (auch wenn wir spätestens seit dem Siegeszug des Namens Jaqueline wissen, dass auch Mütter die Namen ihrer Kinder nicht unbedingt korrekt aussprechen können). Mich hat der "Name" jedenfalls sofort an die
US-Kette "Dunkin' Donuts" erinnert, welche für mich bis heute der Hauptgrund für meinen Wunsch, irgendwann mal in Berlin zu leben, ist. Von manchen Promis wissen wir ja, dass der Nachwuchs gerne mal nach dem Ort der Zeugung benannt wird, aber das will ich mir in diesem Fall mal lieber gar nicht vorstellen...

Nach den armen DDR-Bürgern, die meiner Mutter zufolge den ihnen verwehrten Urlaub im Süden und Westen mit der äußerst kreativen Betitelung ihrer Kinder kompensierten (Mandy, Enrico, ...), sowieso den schon immer etwas bekloppten Stars und Sternchen hat er inzwischen längst das moderne geistige Prekariat befallen und macht sich jetzt auch schon in der breiten Mittelschicht bemerkbar: der Drang, seinen Kindern möglichst bescheuerte Namen zu geben. Während man noch vor ein paar Jahren sicher sein konnte, dass die Mutter von Justin ein Fan der RTL-Nachmittagsprogramms und Anguckerin der BLÖD ist, laufen heutzutage auch ganz normale Frauen mit Schulabschluss und Shayenne durch die Fußgängerzone. Was ist passiert? Ich weiß es nicht.

Man muss natürlich unterscheiden zwischen denjenigen, die einfach nur einen doofen Namen wählen (Marvin, Justin, Cindy), und denjenigen, die dabei auch noch kreativ und individuell sein wollen, was zu besonders dämlichen Auswüchsen führt (z.B. Apple Blythe Alison).

Egal, wofür man sich entscheidet: Wer seinem Kind das Leben auf diese Weise absichtlich schwer machen will, sollte schon allein für den Versuch geschlagen werden und das Sorgerecht entzogen bekommen. Seinen Hund kann man ja nennen wie man will, aber ich kann mir kaum vorstellen, einen Kevin Schmitt eines Tages als Chef zu respektieren.

Falls irgend jemand meinen Kindern das Schicksal ersparen möchte, als einzige in der ganzen Schule normale Namen zu tragen und deshalb gemobbt zu werden von all den Marvins und Shalins, kommt hier:


WIE NENNE ICH MEIN KIND?
DREIZEHN TIPPS FÜR ANFÄNGER UND FORTGESCHRITTENE:


1. Wer sich bereits einen Namen ausgedacht hat, sollte ihn zumindest einmal googeln. Was bedeutet er? Woher kommt er? In welchen Kreisen ist er besonders beliebt? Gibt es bereits prominente Träger dieses Namens? Wenn ja, sind es eher Literaturnobelpreisträger oder Diktatoren? Unbedingt auch auf die eventuellen Bedeutungen des Namens in anderen populären Sprachen achten (wird besonders von Autoherstellern gerne vergessen)!

2. Merke: Die Top 20 der beliebtesten Vornamen der letzten 5 Jahre sind tabu. Man muss es dem Lehrer ja nicht extra schwer machen!

3. Kannst du den Namen richtig aussprechen und auswendig korrekt buchstabieren? Dein Partner auch? Falls nein: Weg damit!!!

4. Der Kleine wird auch mal groß. Was bei einem Säugling niedlich klingt, könnte bei einem Rentner albern wirken.

5. Besonders bei Vornamen mit mehr als 2 Silben sollte man sich fragen: Welche Spitznamen lassen sich daraus ableiten? Manche Vornamen bieten Potenzial für besonders dämliche Abkürzungen!

6. Nur weil der Uropa so hieß, muss der Kleine nicht auch so heißen. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, seinen Kindern besonders altmodische Namen aufs Auge zu drücken, auch nicht Großtante Hildegard und Opa Adolf!

7. Der Name sollte immer etwas mit der Familie des Kindes zu tun haben. Wenn aus der ganzen Familie noch nie jemand weiter als bis zum Ballermann gereist ist, gibt es keinen Grund, seinem Kind einen indianischen oder arabischen Namen zu verpassen, auch wenn das vielleicht billiger ist als ein Flugticket.

8. Der Ausgangspunkt sollte immer der Nachname sein. Wer einen Feldwaldundwiesennamen vererbt, der sollte nicht versuchen, das Gesamtbild durch einen besonders exotischen Vornamen aufzuhübschen. Das geht fast immer in die Hose. Auch die Kombination zwei besonders krass sprachtypischer Namen ist nicht unbedingt zu empfehlen (z.B. Antonio Kowalski).

9. Grundsätzlich gilt: Will das Kind später Künstler, Schauspieler oder Pornodarsteller werden oder aus sonst einem Grund unbedingt auffallen, kann es sich immernoch einen Künstlernamen zulegen. Das wird von Eltern offensichtlich gerne vergessen.

10. Ein Name muss brüllbar sein, das erleichtert die ersten paar Jahre mit dem Kind (bis es endlich ausszieht) ungemein. Am besten eignen sich dazu dreisilbige Namen, gerne mit hellem Vokal am Ende. Schon mal "Kurt" oder "Ruth" gebrüllt? Mach dich nicht unglücklich!

11. Jedes Kind braucht genau einen Vornamen. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder weitere provoziert nur Klugscheißerei ("Ich heiße aber HANS-MARTIN!") und peinliche Situationen bei der Verleihung des Abschlusszeugnisses ("Thomas Gerhard Alfons Meyer!"). Ich habe selbst nur einen, und was soll ich sagen: Er hat mir immer genügt. Zwei mögen ja auch noch gehen, aber merke: Fünf Vornamen für ein Kind ist was für Leute, die zu feige sind, ein weiteres zu bekommen.

12. Achte darauf, dass das Geschlecht des Namens eindeutig ist! Auch wenn man das durch einen zweiten Vornamen verdeutlichen könnte: Sowas muss auch der erste leisten! Vermeide also Namen wie Ashley oder Kim. Vorsicht: Teilweise gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Sprachen. Während z.B. Andrea im Deutschen eindeutig weiblich ist, werden in Italien nur Jungs so genannt! Wer gerne im Ausland unterwegs ist oder erwägt, mit Sack und Pack dorthin zu ziehen, sollte so etwas beachten.

13. Wer seinem Spross schon unbedingt mehrere Vornamen geben möchte, sollte besonders aufpassen. Nicht nur, dass manche Kombinationen lächerlich klingen oder schwer auszusprechen sind, auch die Hintergründe der Namen sollten erforscht werden. Wer wahllos Vornamen verschiedener Kulturen kombiniert (z.B. einen jüdischen und einen muslimischen) tritt schnell ins Fettnäpfchen. Notfalls einfach mal schnell nach den aktuellen Krisenherden googeln!


Dankeschön!