Nächtlicher Besuch

Da sitzt man friedlich mitten in der Nacht auf dem Bett und will seinen Blog aktualisieren, da klingelt es. Und zwar ziemlich penetrant. Ich schleiche zur Wohnungstür und schaue durch den Spion. Alles dunkel.

Es klingelt weiter. Daniel scheint das nicht zu stören, der hat sich nicht gerührt.
Keine Chance, ich mache doch nicht mitten in der Nacht einem Fremden die Tür auf! Ich tippe auf Besoffene, die an den Klingeln unten rumspielen, oder an gelangweilte Bekannte, vielleicht auch beides in Personalunion (wär nicht das erst Mal).
Irgendwann hört es auf. Das Licht im Flur geht an und irgendjemand läuft die Treppe hoch. Plötzlich sehe ich eine Mann durch den Spion, ein anderer scheint die Klingel zu betätigen. Ich versuche den Aufzug zu deuten... ach, Polizei!

Ich gehe kurz meine Sünden durch, finde aber nichts, was es wert wäre, mich nachts aus dem Bett zu klingeln (nichtmal Radfahren in der Fußgängerzone hab ich mir in letzter Zeit zuschulden kommen lassen!). Pflichtbewusst öffne ich die Tür.

"Guten Morgen, ist der Herr XY da?" (Gemeint ist Maxence)

"Nein, der ist in Frankreich."
Puh, bin ich froh, dass er weg ist. Ich würde ihn ungern verpfeifen. Erst seit ein paar Wochen hier und schon Ärger mit der deutschen Polizei? Komischerweise war mein erster Gedanke Drogenschmuggel.

"Vor dem Wohnheim steht seit Auto mit eingeschlagenen Scheiben."

Puh, Glück gehabt.

Ich bitte die Herren in die Küche, wo meine pflichtbewusst geführte und regelmäßig ergänzte WG-Liste immerhin Handynummer und email-Adresse des
Geschädigten verrät. Natürlich ist gerade in solchen Momenten niemand da, dem ich ein "Ha! Mein Listenwahn ist doch zu was gut!" ins Gesicht pfeffern könnte.
Die Polizei schreibt sich noch meinen Namen und Telefonnummer auf und wünscht mir noch eine gute Nacht.

Als die Tür wieder zu ist, warte ich einen Moment. Nichts passiert. Daniel scheint wirklich nicht aufgewacht zu sein. Ansonsten würde er nämlich jetzt den Kopf zur Tür rausstrecken und neugierig nachfragen.