Schnipp schnapp

Die Länge meiner Haare hat heute ihren absoluten Tiefpunkt erreicht - also zumindest den auf freiwilliger Basis. Bei meiner Geburt waren sie natürlich kürzer, und auch am ersten Tag in meiner neuen Schule (Mitte der ersten Klasse), als meine Eltern es wohl witzig fanden, ihren ältesten Spross mit einer Kochtopffrisur sowie Unisexjeans und jungenhaften Streifenhemd auf seine peer group loszulassen, die sich daraufhin nicht ganz sicher war, welchem Geschlecht ich nun wohl zuzuordnen sei (und mich prompt auf Jungenklo schickte).

Wie gesagt, jetzt sind sie ab, noch "apper", als sie es im Februar waren.
Jetzt kommen die längsten Strähnen grad noch so bis zur Schulter und ich kann mir auch keinen Pferdeschwanz mehr machen. Die Friseurin hat "schulterlang" etwas überinterpretiert, aber ich werd mich schon noch dran gewöhnen. Wenigstens war ich schlau genug, ihr keine künstlerische Freiheit zu erteilen, denn ihre Frisur ließ mich etwas an der Kompatibilität unserer Geschmäcker zweifeln: Die junge Türkin hatte recht mutig geschnittenes, stark blondiertes Haar. Sie war sehr nett, deshalb war ich ihr gewogen, aber ansonsten hab ich eine ziemlich klare Regel (mit wenigen Ausnahmen): Kein Respekt vor blondierten Frauen.

Es war mir schon immer ein Rätsel, warum Frauen, die mit prächtigen schwarzen Locken gesegnet wurden, dieselbigen so lange mit Chlorbleiche quälen, bis die Locken verschwinden und der Rest Selbstmord begeht. Abgesehen davon, dass es meistens nicht zum Teint passt, verstehe ich einfach auch die Beweggründe nicht. Warum nur? Blondes Haar ist nicht schöner als braunes oder schwarzes, und dass die meistens Männer vorrangig auf Blondinen stehen, halte ich für ein Gerücht (und außerdem für keinen legitimen Grund für die Verunstaltung des eigenen Haupthaars). In den USA gibt es inzwischen mehr falsche Blondinen als echte, und ich bin mir sicher, dass es diese falschen sind, die uns echten den Ruf als dumme Hühner eingebracht haben. Wer sich blondiert ist oft auch sonst gerne sehr stylisch, besucht Sonnenbänke, Nagelstudios und hippe Clubs, trägt verbotene Farben und Schnitte nach dem Motte "unten kurz und oben knapp", kaut mit offenem Mund Kaugummis, raucht mit spitzen Fingern Zigaretten, hört schlechte Musik aus noch schlechteren Handys, liest Glamour, Amica und InStyle und landet am Ende in den Armen von Kevin, der seine Ausbildung zum Maler und Lackierer gerade zum zweiten Mal abgebrochen hat und sich nun neben seiner Tätigkeit als Hartz-IV-Empfänger hauptsächlich als Gast in diversen Mittagsshows privater Sender die Zeit vertreibt.

Ja, ich weiß, ich übertreibe. Manche Fakeblondinen landen ja auch bei reichen Männern.

Hui, ich bin vom Thema abgekommen.
Was ich nur sagen wollte: Sie sind ab.
Nur damit nachher keiner erschrickt.