Back to WG

Wir sind zurück.

Auf der Zugfahrt habe ich schon die schlimmsten Befürchtungen gehabt. Die Küche wird total verwahrlost sein - dreckiges Geschirr, eingebrannte Reste auf dem Herd, Schimmel in den Töpfen - und ich werde sofort kr
ank werden.

Meine Stimmung verbessert sich nicht, als hinter mit zwei Kerle anfangen, ihren Laptop als mediales Unterhaltungszentrum zu nutzen und die Bahn in ihr Wohnzimmer zu verwandeln. Erst schauen sie "Bernie und Ert", dann läuft "South Park" (offenbar geht es in der Folge um die Geschlechtsumwandlung des Lehrers). Sie haben Spaß, und sie teilen ihn gern mit uns. Wie nett. Sie können ja nicht wissen, dass mich sowas auf die Palme bringt.
Warum glauben manche Leute eigentlich, dass sich ihre Mitmenschen über ständige unfreiwillige Rundumbeschallung freuen? Und warum können die sich dann nichtmal was ordentliches anhören oder ansehen? Nein, sie beschallen uns immer mit derselben Scheiße, als ob sie sich abgesprochen hätten, und zwar meistens über ihren Handylautsprecher oder, noch besser, über ihrer gnadenlos gequälten Kopfhörer (hören die eigentlich wirklich nichts oder opfern sie sich für die Menscheit?). Die Tonqualität ist natürlich in beiden Fällen erbärmlich, aber das macht bei Bushido oder Sido ja auch nichts mehr aus. Bisher war ich ein Dulder, aber wenn ich nochmal so jemanden sehe, gehe ich hin und wünsche mir was (wahrscheinlich sind es derlei Entschlüsse, die für den Anstieg an Übergriffen in U-Bahnen usw. verantwortlich sind).

Diesmal also "South Park". Ich betete innerlich alle Flüche runter, die mir einfallen. Seba versucht mich zu beruhigen, aber das geht nicht. Mein Glück ist, dass ich ein mittelgroße untrainierte Frau bin. Wäre ich ein so großer und starker Mann wie Seba, hätte mich mein Aggression längst hinter Gittern gebracht. Es ist nicht so, dass ich überhaupt keine Geduld hätte. Aber ich habe meine Grenzen. Menschen, die sich zum Beispiel total rücksichtslos verhalten, überschreiten sie. Am liebsten sind mir da ja diese musikteilenden Teenies und plärrende verzogene Kinder (obwohl man eigentlich ihre Eltern dafür schlagen müsste). Bitte nicht falsch verstehen, ich bin gegen Gewalt und ich würde niemals ein Kind schlagen. Aber manchmal hätte ich nicht übel Lust, dem Kind mal meine Meinung zu geigen und dem zugehörigen Erziehungsberechtigten eine runterzuhauen. Schließlich ist es eine Frechheit, wen die so alles auf die Gesellschaft loslassen (was übrigens der Hauptgrund ist, warum ich mich gegen das Lehramt entschieden habe).

Naja, als dann der Zug recht voll ist und die beiden Jungs trotzdem weiter wohnzimmern, reicht es mir. Auf meine mittelmäßig freundliche Bitte hin reagieren die auch tatsächlich sofort. Ganz ohne Schlägerei. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt (im Zweifelsfall hätte mich Seba mit seiner hünenhaften Statur sicherlich noch auf ganz klassische Weise gerettet *g*).

Endlich angekommen besorgen wir uns noch was beim Dönermann und nehmen dann ein Taxi, denn: Sonntags fährt kein Bus. In einer Stadt mit mehreren hunderttausend Einwohnern.
*kopfschüttel*
Im Taxi plärrt türkische Gedudel aus den Lautsprechern. Aber das ist okay, es unterstreicht die Erscheinung des Fahrers und passt zum Ambiente, ähnlich wie in Shishabars und Dönerläden.

Übrigens: Die WG-Küche war dann doch erstaunlich sauber, allerdings hat die ganze Wohnung gestunken. Wenn die Nichtraucher aus dem Haus sind, tanzen die Raucher auf den Tischen.