Donnerstag, 13. März 2008 11:49 Uhr Europe/Zurich

Burnout-Syndrom

Persönliche Erfahrungen und hilfreiche Anregungen.

Immer wieder und zur Zeit immer öfters treffe ich Menschen, die sich mit dem Begriff -"Burnout"- bestens auskennen. Sie haben Erfahrungen persönlicher Art oder durch das, dass sie Menschen in ihrem engeren Umfeld kennen die davon betroffen sind. Gerade Gestern las ich wieder einmal in der Zeitung, dass ein Anlass abgesagt wurde weil die verantwortliche Person wegen Burnout Symptomen die Arbeit niederlegen musste.

Da ich selber eine einschneidende Burnout Erfahrung gemacht hatte, liegt mir das Thema sehr nahe. Bei Berichten, bei denen es um diese Thematik geht leide ich buchstäblich mit, weil ich weiss wie verheerend sich die Konsequenzen eines verschleissintensiven Lebens äussern können. Nur um etwas vorwegzunehmen, nicht alle Ermüdungserscheinungen sind Burnout Symptome. Manchmal sind es auch nur Vorboten einer solchen Krise.
Weil die Gesellschaft einen immer höheren Leistungsstandart fordert, nehmen solche Krankheitserscheinungen drastisch zu. Kaum jemand, der sich mit Menschen abgibt bleibt davon verschont. Da des Schweizers Kultur besonders für das Burnout-Syndrom privilegiert ist (Qualitativer Perfektionismus) gibt es hierzulande unzählige Opfer. Wie kann ich dieser "unberechenbaren Krankheit" begegnen. Was für Symptome stellen sich anfänglich ein. Wie kann ich das Übel bei der Wurzel packen? Dies sind die Fragen, mit denen sich besonders Leute in Kaderpositionen und Sozialberufen herumschlagen. Ein paar Tipps zur Selbstreflexion sind fürs erste manchmal hilfreich.

1. Ich selber musste meine Ansprüche an das Leben enorm herunterschrauben um anschliessend festzustellen, dass es auch so geht. Also: Kampf dem qualitativen wie dem quantitativen Perfektionismus.
2. Furcht vor den Menschen und nicht genügen zu können, sind eine der Hauptursachen dieser Krankheit. Ich kam nur aus der "Burnout-Falle", weil ich mich selber so anzunehmen begann wie ich eben bin. Ich gestand mir ein Fehler machen zu dürfen und überwand die Furcht vor dem Neinsagen. Obschon für mich, Menschen enttäuschen zu müssen, immer noch eine äusserst unbeliebte Sache ist, gehört sie mittlerweile zu meiner wichtigsten Überlebensstrategie.
3. Ich begann mein Leben zu leben. Auch wenn dies egoistisch tönt. Diese Haltung hat meiner Meinung nach mehr mit Eigenverantwortung zu tun als mit Egoismus. Ich hatte nach allem endlich den Mut das zu geben was ich konnte und nicht was andere von mir erwarteten. In einer Gemeindearbeit, wie die der Quelle, ist das sehr wichtig. So viele Menschen verschiedenster Couleur gehen hier ein und aus, so dass ein innerer Zwang kann aufkommen kann jedem in allem gerecht zu werden. Dieser Druck ist kaum auszuhalten und führt geradewegs in die Falle, in der ich zum Burnout-Opfer werden kann.
4. Neue Lebensphasen akzeptieren und sich von "früheren Zeiten" lösen können. Mein Leben verändert sich ständig. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit alle Lebensphasen miteinander zu verbinden und unter einen Hut zu bringen. Ich muss den Mut haben mein Beziehungsumfeld ständig zu erneuern und meinen Veränderungsprozessen anzupassen. Freunde sind ja im Wesentlichen dazu da, mich in einer bestimmten Lebensphase zu begleiten oder mir darin beizustehen. Ich kenne viele Menschen, denen die christliche "Beziehungspflicht" vorschreibt, Freundschaften auf "alle Ewigkeit" zu pflegen. Das so entstehende "Beziehungspaket" wird mit der Zeit so schwer, dass wir kaum mehr fähig sind neue Herausforderungen im Leben auf uns zu nehmen. Wir leben dann nicht mehr für die Gestaltung der Zukunft, sondern bloss noch für das Aufrechterhalten der Vergangenheit.
5. Unfähigkeit zur Entspannung (unausgeglichener Energiehaushalt). Mein Pflichtbewusstsein und meine Ehrgeiz lassen ein Entspannen kaum mehr zu. Noch heute danke ich daran zurück, wie ich die Arbeiter die nach getaner Arbeit nach Hause gingen beneidete. Ich stellte mir vor, wie sie sich daheim sich um ihre Hobbys kümmern, mit den Kindern spielen und mir der Frau spazieren gingen. All das liess mein Lebensstil nur noch sehr spärlich zu. Zur Selbstfindung gehört also auch der Moment dazu, bei dem ich gezielt meine Batterien wieder aufladen kann.
6. Objektivitätsverlust. Mein grösster Fehler war, dass ich im Vorfeld der Krise weder auf meine Frau noch auf meine Freunde gehört habe. Im Gegenteil ich empfand sie als "lästige Fliegen" die mich bei meiner Arbeit stören wollten. Als ich den Boden unter den Füssen verlor stellte ich fest, dass ich sie sogar mied als vorher. Auf diese Weise verlor ich das gesunde Empfinden darüber, wann für mich der Moment gekommen ist zurückzustecken und und wann nicht.
7. Eine ebenfalls Hilfreiche Sache ist die Homepage über das Burnout-Syndrom. Auf ihr gibt es ein hilfreicher Fragebogen von der Uni Hamburg (für einmal seriös und nichts zum Schmunzeln), der mir meine momentane Situation ziemlich direkt vor Augen führt.

Es gäbe noch mehr zu schreiben, aber ich möchte es hiermit einmal belassen. Gerne beantworte ich Fragen die über den "Kommentar" auf diesen Blog kommen oder direkt in meiner Mailbox landen.