Mittwoch, 23. Mai 2007

Was hat das "Gnadenprinzip" für Auswirkungen?

Ein Versuch, die Gnade Gottes besser verstehen zu können.

Immer wieder begegnet mir der Gedanke, dass letztlich nicht alles Gnade ist, sondern, dass auch noch mit dem Einhalten des Gesetzes etwas bewerkstelligt werden kann. Wir möchten darum als Quelle noch näher an diese Gnade heranwachsen und diesem Verständnis mehr Raum geben. Wir wollen das Gesetz im AT zwar als Gottes Richtschnur akzeptieren, uns aber noch mehr darauf konzentrieren, dass der Inhalt des Gesetzes uns konsequent auf das Erlösungswerk von Jesus hinweist. Das Gnadenprinzip befreit uns vom Gedanken, durch das Gesetz doch noch etwas zur Errettung und dem damit verbundenem inneren Frieden beitragen zu können. Die eingefügte Graphik ist ein Versuch einiges besser verstehen zu können (um zu vergrössern, Bild anklicken). Die rote Nummerierung entspricht der unterstehenden Aufzählung.
Gnade.001.jpg
1. Das "Gesetz" ist wie eine schwere Last über dem Menschen. Er versucht zwar dem Gesetz zu genügen und die entsprechende Leistung zu bringen, doch er wird den Ansprüchen nie gerecht werden.
2. Die Folge ist, dass das Gesetz uns richtet und verurteilt. Ein unausweichlicher "Fluch" überschattet den Menschen.
3. Jesus eröffnet uns einen anderen Weg. Er etabliert die Gnade auf unserer Erde, indem er uns am Kreuz von diesem "Fluch" erlöste.
4. Er versöhnt den Menschen mit Gott und stellt ihn auf die ewige Gnade.
5. Das Gesetz übernimmt von nun an die Rolle des Spiegels und verweist uns nach dem "Gesetzesverstoss" auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
6. Das Geschenk der Erlösung durch Jesus Christus (Gnade), weckt in uns das Bedürfnis Gott zu verherrlichen und ihm zu dienen. Er ermuntert uns in Johannes 15, viel Frucht zu bringen.
7. Das Einhalten des Buchstabens verliert seine Kraft. Jetzt geht es um "alles", nämlich um unser Herz. Nicht nur der Vollzug der Verfehlung gegenüber den Werten Gottes ist daneben, sondern auch die Gedanken und die Herzenshaltung die dazu führen und nach aussen kaum sichtbar sind. Sie werden ohne wenn und aber angesprochen.
8. Der "reiche Jüngling (Markus 10,16) bekam diese Gnaden- Haltung von Jesus zu spüren. Es genügte Jesus nicht, dass der Mann das Gesetz komplett erfüllte, er sprach ihn auf "Alles" an.
9. Jesus durfte in Matthäus 5,27ff und ab Vers 33, angesichts der Gnade, das Gesetz auf "Alles" verschärfen. Er legte den Menschen damit eigenartigerweise keine neuen Lasten auf, weil sie ja ständig auf die erwiesene Vergebung und Erlösung (Gnade) zurückgreifen können.
10. Die erste Gemeinde lebte dieses Gnadenprinzip auf allen Ebenen total aus (Apg. 2,44). Die Apostel lehrten zum Beispiel nicht die Abgabe des 10ten sondern sie gingen davon aus, dass immer "Alles und Jedes" zur Disposition stand. Auf diesem Weg wurden auch alle Bedürfnisse gestillt und keiner hatte zuwenig. Weil Ananias und Saphira in ihren Herzen dieses Prinzip verletzten, waren die sichtbaren Folgen tragisch (Apg. 4,33-37/ 5,1ff). Ihr Tod ist aber nicht ein Beispiel für mangelnde Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Nach Aussen handelten sie korrekt, doch Gott liess es nicht zu, dass sich in ihren Herzen etwas anders abspielte als sie darstellen versuchten. Mit anderen Worten, die Gnade lässt sich nicht so leicht missbrauchen (Galater 5,13 Gott hat euch zur Freiheit berufen, meine Brüder und Schwestern! Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe.). Es ging also um eine sichtbare Ermahnung und nicht um eine Strafe!

All das funktioniert nicht durch ein selbstgewähltes Einzelgängertum, sondern in einem intakten Miteinander. Die Gnade Gottes wird da erfahrbar, wo zwei oder drei zusammenkommen um diesen Weg miteinander zu gehen (Matth. 18,20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte.»). Wir brauchen den Austausch und das Gespräch, damit wir nicht immer wieder in die alten gesetzlichen Muster zurück finden.