Mittwoch, 25. November 2009

Gelebte Verantwortung in der Quelle

Hilfreiche Tipps im Rahmen unseres rasanten Wachstums.

Die Herausforderungen der Zukunft bauen sich gleich reihenweise vor uns auf. Die Altersdurchmischung (in Leben und Glauben) und die dadurch entstehende Bedürfnispalette vergrössert sich von Woche zu Woche. Letzten Samstag hatten wir zum ersten mal einen überdenominationellen Jugend Worship- Abend. Über 100 junge Leute beteiligten sich daran, was für eine Freude!!! Zugleich entsteht eine Arbeit unter Fremdsprachigen und vieles mehr. All das erfordert von uns allen zunehmend mehr Aufmerksamkeit im Umgang miteinander. Aus diesem Grund möchte ich ein paar Gedanken als Seniorpastor niederschreiben. Sie haben in keiner Weise den Anspruch auf ihre Vollständigkeit, das möchte ich an dieser Stelle festhalten.

1. Kümmere dich als allererstes um deine eigene Lebensprozesse
Du bist berufen Dich als aller erstes um dein Leben und dessen Verantwortungen zu kümmern. Dazu gehören Fragen wie: was lebe ich für Werte, wo sollte Gott mich noch verändern, bin ich ein treuer Haushalter, Ehemann/frau, Erziehung der Kinder, Life-Work Balance, in welchem Licht sehe ich den anderen, wie gehe ich mit meinen Stärken und Schwächen um.... der Verantwortungen die mich persönlich beschäftigen sollten sind keine Grenzen gesetzt. Unser Leben ist ein riesiges Grundstück das alle Aufmerksamkeit von mir erfordert, sonst sieht es eines Tages recht "fruchtlos" aus.

2. Des anderen Leben ist immer interessanter
Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Warum sich um die eigenen Fortschritte bemühen, wenn der Andere es nötiger hätte. So sind wir eigenartigerweise bestrebt sehr viel Energie in die Veränderung des Andern zu investieren. Wir zeigen unserem gegenüber die Unzufriedenheit und markieren oftmals den starken und selbstbewussten Menschen. Doch die Fassade täuscht, wir brauchen für uns selber mehr ermutigende und persönliche Impulse als wir gemeinhin annehmen.

3. Einmischen und mitmischen
Wenn Punkt 2 in negativer Weise voll ausgelebt wird, kommt es zum Unvermeidlichen. Wir mischen uns nicht nur ins Leben anderer ein, sondern auch in deren Verantwortungen die sie der Quelle gegenüber haben. Diese "Mitmisch- und Einmischkultur" ist tödlich für jede Gemeinschaft, die willens ist miteinander unterwegs zu sein. Oftmals geschieht solches mit folgenden Überlegungen:
a) Wir sind ein demokratisches Land und jeder hat das Recht sich in die Prozesse einer Gruppe von Menschen einzumischen. Antwort: Das Reich Gottes ist nicht primär demokratischen Regeln unterworfen. Es funktioniert nach anderen Spielregeln. Hier geht es um Gaben, Fähigkeiten, Persönlichkeitsentwicklung und geistliche Berufung. Es wird eine Macht (Gott) einbezogen, die sich nicht nach Mehr- oder Minderheiten richtet. Sie verfolgt ein Ziel, den Menschen zum Nachfolger von Jesus zu machen. Lukas 9,23 Danach wandte sich Jesus an alle: "Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen.
b) Der Andere hat keine Ahnung, er braucht meine kritischen Bemerkungen, sonst bringt er die erwartete Leistung nicht. Antwort: Im Reich Gottes gibt es weder Leistung noch Kritik. Es herrscht die Regel vor, dass Gott in den Schwachen mächtig ist und nicht in den Starken. Somit ist klar wer das Sagen hat. Nicht die Besserwisser, nicht die Intellektuellen noch die allzeit Erfahrenen. Es gibt nur den Dienst in einer Haltung der Exzellenz, der Leidenschaft und Hingabe an die Menschen die Gott mit seinen Sohn Jesus Christus erkauft und erlöst hat. Dazu gehören Fehler und Versagen. Daraus entstehen unter gezielter Anleitung exzellente Menschen die gelernt haben Menschen zu begegnen, die vorher Prüfen und dann das Gute und Hilfreiche weitersagen. 1.Thess.5,21 Prüft alles, und behaltet das Gute! 22 Das Böse aber - ganz gleich in welcher Form - sollt ihr meiden.
c) Wenn ich nichts sage wer sagt es dann? Antwort: Alle die in der Quelle eine Verantwortung haben, werden durch einen Mentor oder Mentorin gecoacht. Wer sich in eine Verantwortung begibt übernimmt immer ein Doppelpack - Verantwortung und Mentor. Der Mentor hat die Aufgabe, dem Verantwortungsträger ein Gegenüber zu sein, das ihn in den Stärken und Schwächen seiner Aufgaben und Verantwortungen reflektiert. Nur so ist der Verantwortliche in seinem Werdegang auch geschützt und kann in Krisen ermutigt und gestärkt werden. Unter Schützen gehört auch das Abfangen ungerechtfertigter Kritik und möglichem Genörgel. In der Quelle tragen die Starken die Schwachen und das Bedingungslos, nur so kann sich das Reich Gottes entfalten und multiplizieren! Römer 15,1 Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen. Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung! 3 Denn auch der Christus hat nicht sich selbst gefallen
d) Meine Meinung ist die Wichtigste, warum soll der andere sie nicht hören? Antwort: Niemand nimmt sich in der Quelle das Recht, die wichtigste Meinung zu haben. Auch nicht der Senior Pastor! Die Tatsachen und Meinungenrichten sich nach einer nachvollziehbaren "Vision", die zum Ziel hat dem Menschen, gleich welcher Herkunft auch immer, anhand er Bibel zu dienen. Dazu braucht es eine grosse Weite. Die Weite widerum hat zur Folge, dass viele von uns ständig lernen müssen, sich zum Wohl des Anderen zurückzuhalten, loszulassen, Meinungen und Traditionen aufzugeben, oder sich gar an eine andere "Frömmigkeitskultur" zu gewöhnen. Paulus schreibt:1. Kor.9,22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Oder: Phil.2,2 so erfüllt meine Freude, dass ihr dieselbe Gesinnung und dieselbe Liebe habt, einmütig, eines Sinnes seid, 3 nichts aus Eigennutz2 oder eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; 4 ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!

4. Warum schreibe ich diese Dinge?
Weil mir in letzter Zeit immer wieder aufgefallen ist, dass die Gefahr droht, diese Werte aus den Augen zu verlieren. Je mehr wir als Quelle Zahlenmässig zulegen, umso schwieriger ist es, sich an bewährte und eingeübte Verhaltensweisen zu halten. Weil der Einzelne selber kaum mehr den Überblick hat, ist er von einer schier unzämbaren inneren Kraft getrieben mitzuhelfen, das vermeindliche Chaos in den Griff zu bekommen. Die Gefahr nimmt zu, sich über alle gelebten Werte hinweg zu setzen und Dinge herauszunehmen, die ganz und gar nicht die Unsrigen sind. Mit anderen Worten, wir mischen in aller Freiheit mit wo wir nur können. Das hilft den Verantwortlichen nicht, im Gegenteil, es verunsichert und bringt die MitarbeiterInnen zur Verzweiflung oder nimmt ihnen jegliche Freiheit im Dienst. Mein prioritäres Anliegen in Zukunft ist, im Gottesdienst vermehrt einen Geist der Freiheit, durch - "einander höher achten" - zu fördern. 2.Kor.3,17 Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.

5. Zurückhaltung und Grosszügigkeit
Wir wollen uns in Zukunft gegenseitig an unsere Berufungen und Rollen erinnern, die wir von Gott bekommen, oder durch Berufung eingenommen haben. Wenn im Gottesdienst die Musik zu laut oder das Licht zu grell, ob die Deko zu grün oder zu blau ist, soll es denjenigen ihre Sorge sein, die das Szenario verantworten und aus ihrer Berufung heraus mitreden und gestalten dürfen. Bei aller gutgemeinter "Kritik" dürfen wir eines nicht vergessen, derjenige der die Verantwortung im Dienst trägt, "bezahlt" in der Regel einen höheren "Preis" als der Kritisierende. Oftmals stehen die "Jungs und Mädels" am Sonntag bereits schon um 08:30 auf der Matte (vom Samstag wollen wir gar nicht reden). Für uns, die wir zusehen und ohne jegliche direkte Verantwortung beteiligt sind bedeutet das, grosszügig zu sein und Spannungen bezüglich Geschmack und Form auszuhalten. Denn Geschmack und Form haben nicht den gleichen Stellenwert wie Sünde und zwischenmenschliche Werteverletzung. Bei den zwei letzten Dingen hört der Spass allerdings auf. Hier haben wir alle gleichermassen zu reagieren. Aber auch hier gilt: Galater 6,1 Brüder und Schwestern, wenn einer von euch vom richtigen Weg abkommt, dann sollt ihr, die von Gottes Geist geleitet werden, ihn liebevoll wieder zurechtbringen. Seht aber zu, dass ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt.

Last but not least
Gerade diejenigen, die gewichtig aufteten könnten, zeichnen sich im Wesentlichen durch ihre Zurückhaltung aus!1.Thess. 2,7 obwohl wir als Christi Apostel gewichtig hätten auftreten können; sondern wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt.