Zurück aus dem nahen Osten
Eine Reise in den Versöhnungsalltag zweier Völker.
Vor einer Woche flog ich Richtung Tel Aviv ab und war gespannt was auf mich warten wird. Anfangs wurden wir in einem kleinen, aber zweckmässigen Hotel, in Netanya einquartiert. Netanya befindet sich ca. 60 Km nördlich von Tel Aviv. Von dort aus besuchten wir eine ortsansässige "messianisch-jüdische" Gemeinde mit dem wohlklingenden Namen Beit Asaph. Den Pastor kenne ich mittlerweile seit 2 Jahren und habe zu ihm einen guten Draht. Nach einem Empfang in seinem Büro und einer guten Einführung über Entstehung und Vision der Gemeinde, trafen wir uns mit der örtlichen Leitung einer Bibelschule. Anschliessend bekammen wir einen hochinterssanten Einblick in eine überkonfessionelle Jugendarbeit, die sich zum Ziel setzt Jugendlichen biblische Werte sowie das Evanglium nahe zu bringen. Joel Goldberg, Leiter einer nationallen Jugendarbeit (Netivah) zeigte auf eindrückliche Weise auf, wie Jugendliche für ihr Leben mit Jesus trainiert werden.
Wenn wir schon in der Gegend waren besuchen wir ein paar historische Orte. Doch es sind nicht die Schutt- und Steinhügel, sondern die Menschen die mich zunehmend in den Bann zogen. Am dritten Abend waren wir in Jerusalem in einer Gemeinde, die vorwiegend von 200 jungen Menschen besucht wird. Entsprechend jugendlich ging es zu und her.
Der Besuch in Bethlehem wurde für mich zu einem eigentlichen Höhepunkt der Reise. Zuerst mussten wir durch den Checkpoint in der erst kürzlich erstellten Mauer. Es war wie der Durchgang in ein düsteres Gefängnis, was es dann leztlich auch war, denn strengste Sicherheitskontrollen trennen Israel und die übrigen Gebiete voneinander. Ein beklemmendes Gefühl beschlich mich, obschon ich mich einigermassen sicher fühlte.
Nach einem ansprechenden Gottesdienst wurde ich von einer palästinensischen Familie als Gast aufgenommen. Die Gemeinderäumlichkeiten befinden sich unmittelbar im Zentrum von Bethlehem. Der darauf folgende Abend bei meinen palästinensischen Gastgebern war etwas vom intensivsten was ich auf der kurzen Reise erlebte. Die Unterkunft war das erste Haus am Stadteingang von Bethlehem. Meine Gastgeber meinten, dass Maria und Joseph, als sie nach Bethlehem zogen, sicher als erstes bei ihnen Einlass suchten und ihre Vorfahren sie ohne zu zögern weiterschickten. Da ihr Haus am Ortseingang steht, wurde darum herum in den letzten Jahren auch am intensivsten gekämpft. In einem gewissen Sinn befand ich mich zum erstem mal an der Front. Meine Gastgeber wohnten lange Zeit nur noch im Keller, weil es in den übrigen Wohnbereichen einfach zu gefährlich war. Fast vier Stunden lang erzählten sie mir Geschichten und Erlebnisse, bei denen mir zum Teil die Haare zu Berge standen. Was mich besonders beeindruckte, waren aber imer wieder die versöhnlichen Zwischentöne. Ich spürte bei ihnen den festen Willen, mit allen Menschen (Juden und Araber) im Frieden leben zu wollen. So wurde mir bewusst, dass eine lebendige Gemeinde nur eine Zukunft haben kann, wenn Versöhnung und Begegnung das zentrale Thema ist.
Nach einem kurzen Abstecher zum toten Meer lernten wir viel Geschichtliches über Jerusalem kennen. Ein einzigartiges Höhlensystem, aus der Zeit Hiskias, brachte uns tausende von Jahren in eine Epoche zurück, die ich bisher nur aus der Bibel kannte. An der Klagemauer hatte ich persönlich ein eindrückliches Erlebnis. Gott sprach zu meinem Herzen und sagte mir, dass er nicht in oder hinter diesen Steinen sondern im meinem Herzen wohnt.
Ich kann aus Platzgründen nur ein kurzes Streiflicht der sehr intensiven Zeit wiedergeben. An dieser Stelle möchte ich Thomas und Nina Zaugg für die exzellente Reiseleitung danken. Unser Team war ein einzigartiger Haufen, den ich mit der Zeit immer mehr schätzen lernte. Ich möchte euch allen für die Bereicherung danken, die ihr während 8 Tagen in meinem Leben wart. Ich werde die Zeit mit euch nie vergessen.
Bilder der Reise in den nahen Osten




