Donnerstag, 12. November 2009

Reaktion auf Minartetteintag

Eine Reaktion auf meinen Minaretteintrag ist so gut, dass ich diese 1:1 veröffentlichen möchte.

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Lieber Kurt

Mit grossem Interesse habe ich deinen Blogeintrag zum Thema Minarettinitiative gelesen, da mir das Thema sehr am Herzen liegt. Erstens Mal finde ich deinen Post äusserst gelungen, da du sehr gut beschreibst wie wir, im Prinzip unabhängig von der Initiative, leben sollen und wie wir einen Unterschied machen können.

Du hast auf eine persönliche Stellungnahme verzichtet, was ich durchaus verstehe und ich dir hoch anrechne. Ich habe mich ( ich weiss das klingt hochgestochen für solch einen "jungen Schnuufer" ) selbst relativ eingehend mit dem Thema befasst und möchte gerne einige Gedanken mit dir teilen. Dies nicht weil ich politisieren will, sondern weil ich das Gefühl habe, gerade in Evangelischen Kirchen wird sehr emotional und ohne viel Verstand mit dem Thema umgegangen und damit habe ich Mühe.

Meine Meinung ist ein klares Nein zur Initiative. Gründe dafür gibt es verschiedenste. Zum ersten: Es gibt bereits 4 Minarette in der Schweiz. Von mir aus gesehen hätte diese Diskussion vor deren Bau stattfinden sollen. Faktisch ist es schon zu spät. Ich finde es nicht richtig eine so drastische Kursänderung ( es geht um einen VERFASSUNGSartikel !) nach dem Bau solcher Bauwerke vorzunehmen. Die bestehenden Minarette würden bei einem Ja abgerissen werden.

Zweitens: Es wird gezielt nur das Wahrzeichen EINER Religion verboten. Es gibt aber einen Sikh-Tempel in Langenthal oder den Mormonen-Tempel in Zollikofen die weit mehr als nur ein Turm sind und Leute von nah und fern anziehen. Diese wären weiterhin erlaubt. Es bestünde also kein gerechtes Verbot, sondern ein sehr gezieltes. Ich meine, dass man entweder alle religiösen (nicht-christlich, versteht sich) Bauten verbieten, oder alle erlauben sollte. Eine Mischrechnung ist nicht gerecht.

Drittens: Es wird häufig argumentiert, Minarette seien ein Zeichen der Scharia. So viel mir bewusst ist, entstand diese Meinung als Konstantinopel von den Osmanen eingenommen wurde. Als Zeichen ihrer Herrschaft und zum Ausdruck ihrer Religion stellten sie neben die bestehenden Kirchen Minarette auf. In einer Zeit notabene, in der es üblich war, dass der Herrscher die Religion seiner Untertanen bestimmte (auch bei der Reformation so geschehen). Heutzutage möchte kaum ein Moslem, der in der Schweiz lebt die Scharia durchsetzen. Die meisten sind aus einem islamischen Land geflüchtet, haben also keinen Grund sich nach diesem System zu sehnen.

Viertens: Schreihälse haben sich auch schon in die Richtung geäussert, Minarette seien Hochburge für Terroristen. Der Extremismus entsteht jedoch erst, wenn die besagte Gruppe, sei es religiös oder ethnologisch, unterdrückt wird. Lässt man sie machen, besteht im Prinzip keine Gefahr des Extremismus.

Fünftens: Hier möchte ich auf dein gepostetes Video eingehen. Ist es nicht eine Herausforderung an alle gläubigen Christen, diese Leute zu lieben? Wird dadurch nicht Jesaja 49 6 "er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde." wahr? Ich persönlich mag Muslime sehr gerne. Ich finde es interessant mit ihnen über alles mögliche zu reden und habe sie immer als äusserst liebenswerte Leute empfunden. Was ich damit sagen will ist erstens, stellen wir uns doch der Herausforderung! Und weiter: solche Videos sind höchst interessant, können allerdings von verschiedensten Leuten zur Verteufelung von Moslems genutzt werden. Auch sie sind Menschen, die Gott geschaffen hat und liebt. Es ist schwierig in solchen Zeiten so zu denken, aber genau da liegt das Herausfordernde am Christsein.

Lieber Kurt, wenn du das alles gelesen hast, danke ich dir herzlich für die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Wenn gewisse Dinge inhaltlich so nicht stimmen, lasse ich mich gerne korrigieren. Dies ist nicht der Weisheit letzter Schluss, und ich bin auch nicht ein Fachmann.

Ich wollte dir einzig meine Gedanken mitteilen, da mir das Thema wirklich wichtig ist und es mich nachdenklich stimmt, wie argumentiert wird, wie z.T. polemisiert und politisiert anstatt informiert wird.
Mit lieben Grüssen
L.B (Name ist mir bekannt)