Minarettinitiative
Religionen und Kulturen zunehmend im Clinch.
Im Blick auf unsere Abstimmung über die Minarett- Initiative, mache ich mir persönlich auch meine Gedanken. Es gibt Fakts, die sich nicht einfach so vom Tisch wischen lassen. Wir müssen darüber reden und nicht schweigen.
Als ich kürzlich im nahen Osten über das heikle Thema eine Diskussion anfing, tauchten ein paar Fragen auf die mir zu Denken gaben. Ein paar Brosamen davon in den folgenden Zeilen.
1. Jede Religion ist meiner Meinung nach in irgend einer Form grundsätzlich gewaltbereit, besonders wenn sie in irgend einer Weise angegriffen wird. Der Islam hat in dieser Hinsicht eine alte Tradition wie alle anderen Religionen auch.
2. Das Christentum, wie Jesus es gelebt und gelehrt hatte, kennt eine solche Tradition nicht. Immer wieder betonte er in seinen Ausführungen und Begegnungen mit Menschen die Gewaltfreiheit. Selbst als er verraten und angegriffen wurde, nannte er den Verräter Freund und als Petrus dem Malchus ein Ohr mit dem Schwert abtrennte, heilte Jesus die Wunde sofort. Insofern sollten wir als bekennende Christen, bezüglich unserem Glauben nicht zum Schwert greifen, sondern die Menschen mit der Kraft der Liebe herausfordern wie Jesus es getan hat.
3. Wenn der Islam nun auf dem Vormarsch ist, sollten wir uns also aus Angst und Schrecken nicht ins Mittelalter zurückversetzen lassen indem wir einem "Religionskrieg" vom Zaun reissen. Wir sind verpflichtet vielmehr eine Offensive der Liebe zu starten. Das heisst, offene Türen in den Kirchen und Gemeinden und das in einer gewinnenden Form und nicht auf der Basis des westlichen Humanismus. Gewinnend für die Werte der Lehre von Jesus und seinem Vater.
4. Ein Pastor in Palästina sagte mir, dass der Islam erst richtig an Kraft gewinnt, wenn man ihn mit Macht (Politik) und Schwert (Krieg) bekämpft. Aus diesem Grund, ist aus einem christlichen Morgenland (vor Mohammeds Geburt), eine islamische Welt entstanden. Viel Blut ist auf beiden Seiten geflossen, das Resultat, es entstand eine fast ausschliesslich islamische Kultur mit islamischen Gesetzen.
5. Das Christentum eignet sich am allerwenigsten, es weder mit der Waffe zu verbreiten noch mit diesen zu verteidigen. Es kennt diesen Ansatz nicht und Bestrebungen dieser Art sind aus diesem Grund zum vornherein zum Scheitern verurteilt. Es ist und bleibt nur eine Frage der Zeit, bis nicht nur die ersten Minarette stehen, sondern sich nach und nach auch Kultur und Gesetz ändern werden.
Bei mir stellt sich unweigerlich die Frage, ob wir dem Islam mit Verboten wie die der Minarett- Initiative, letztlich nicht einen Bärendienst erweisen. Wir machen durch solche Vorlagen eine ganze Menschengruppe, ja eine ganze Kultur zu "Märtyrern" und legen für seinen Einfluss nur den roten Teppich aus. Ich plädiere dafür, dass wir die Macht der Liebe für den Mitmenschen wieder neu entdecken. Wenn Menschen die Spiritualität zum Gott der Bibel praktisch erfahren, ändert sich ihr ganzes Wertprofil automatisch. Statt Rache entsteht Barmherzigkeit, statt Zwang und Unterdrückung werden Menschen frei und lebensfroh. Doch das scheint ein wesentlich schwierigeres Unterfangen zu sein, weil es einen neuen Aufbruch zur Spiritualität im Rahmen der Bibel braucht. Da aber viele Christentum mit Humanismus und damit Glauben mit Religion verwechseln, braucht es eine erneute Anstrengung zur Aufklärung über das was Jesus uns lehren wollte. Wer packt mit an?
Soll ich auf Grund dieser Gedanken nun gegen oder für die Initiative abstimmen? Ich glaube, dass weder ein Ja noch ein Nein die richtige Lösung ist. Wir müssen grossflächig eine Initiative Bewegung der Nächstenliebe starten, die Menschen vom Gewaltpotential irgendwelcher Religionen definitiv wegbringt. Ein "Ja" zur Initiative darf Moslems weder diskriminieren, noch darf es ein Ausdruck von Rassismus und Ablehnung sein. Ein "Nein" wiederum darf nicht ein Zeichen falsch verstandener Toleranz noch ein oberflächliches Wegschauen beinhalten, denn beide Wege führen unweigerlich in eine Sackgasse.
Ein Video das nachdenklich stimmt.




