Evangelisch-Lutherische Friedensgemeinde Kiel Ð St. JŸrgen
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Update: 21.07.2006

Die Legenden von St. Jürgen (dem Heiligen Georg)

Der Heilige Georg war der Erzmärtyrer und Nothelfer des Altertums und des Mittelalters. Geschichtlich ist wohl die Überlieferung von einem hochgestellten Kriegsmann Georg aus Kappadokien, der unter dem römischen Kaiser Diokletian den Märtyrertod erleidet. Dagegen ist der Kampf mit dem Drachen und die Befreiung der ihm geopferten Königstochter legendäre Zutat des 11. Jahrhunderts. Durch Anknüpfung der Heiligenlegende an die hl. Schrift (Gen 3, 15; Dan 14, 26; Offb 12, 7-9) wurde die Verehrung des Heiligen in Ost und West weitverbreitet (vgl. Georgsminne, Georgs-Ritterschaft, Georgi-Ritt).

Die frühesten östlichen Georgsbilder aus dem 10. Jh. zeigen den Heiligen als Krieger in byzantinischer Hoftracht und erst im 12. Jh. vereinzelt auch als Drachentöter zu Pferd. Im Westen wurde Georg seit Beginn des Mittelalters als Märtyrer für den Glauben, aber erst seit dem 1 . Kreuzzug als "Ritter St. Georg" verehrt.

Die abendländische Darstellungsweise zeigt - eng an die östliche angelehnt - bis ins I4. Jh. den Ritter, ohne Drachenkampf (vgl. die Statue am Freiburger Münsterturm). Seit dem 15.Jh. kennt man ihn als den Triumphator (vgl. Mantegna, Venedig) und als den jugendlichen, hoch zu Roß mit dem Drachen kämpfenden Helden (vgl. Raffael, Louvre), als der er uns noch heute in den zahlreichen barocken Nothelfer-, auch Georgskirchen in Süddeutschland begegnet.

Seine Attribute sind das braune Pferd und der Drache. Er trägt mit seiner Ritterrüstung Lanze, Schwert, Schild und Banner. Im Heiligenkalender ist sein Tag der 23. April.


Altes Siegel der Kieler St. Jürgen Gemeinde


I. St. Jürgen gegen Kaiser und Recht

Zu der Zeit, als Diokletian und Maximilian Kaiser waren, geschah unter dem Richter Dacianus eine so große Verfolgung der Christen, daß in einem Monat 17.000 von ihnen die Märtyrerkrone gewannen. Aber in den großen Martern wurden auch viele Christen untreu und opferten den Götzen. Als Jürgen das sah, wurde er im Innersten des Herzens getroffen, so groß war sein Schmerz darüber. Und er legte seine Kleider als Ritter ab, und gab alles, was er hatte, den Armen und er trug fortan einfache christliche Kleidung.

Und er trat mitten unter das Volk und rief: 'Alle Heidengötter sind böse Geister, unser Herr aber hat den Himmel erschaffen.' Da sprach der Richter voll Zorn: 'Wie kannst du es wagen, unsere Götter böse Geister zu nennen? Sage wo du her kommst und wie du heißt? Sprach Sankt Jürgen zu ihm: 'Ich heiße Georgios (dt. Jürgen) und bin von Kappadocien aus edlem Geschlecht. Ich habe mit Christi Hilfe das Land Palästina erobert. Aber ich habe alles gelassen, daß ich Gott im Himmel desto besser möge dienen.'

Da nun der Richter sah, daß er ihn nicht von seinem Glauben abbringen konnte, ließ er ihn auf die Folter bringen und seinen Leib Glied für Glied mit Nägeln zerreißen. In derselben Nacht erschien ihm aber der Herr und stärkte ihn süßiglich, so daß er meinte, keine Marter erlitten zu haben

 

II. St. Jürgen rettet eine Prinzessin und bekehrt 20.000

In einem See nahe der Stadt Silena im Lande Lybia wohnte ein giftiger Drache, der alles mit seinem Gifthauch verpestete, so daß viele starben. Die Bürger der Stadt waren schon oft gegen ihn zu Felde gezogen, doch immer waren sie in die Flucht getrieben worden. Sie gaben dem Drachen täglich zwei Schafe, um seinen Grimm zu besänftigen, und als die Schafe weniger wurden, ein Schaf und einen Menschen.

Bald waren fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert, da fiel das Los auf die Tochter des Königs. Der wollte seine Schätze bewahren und die Hälfte des Königreiches geben, um seine Tochter zu bewahren. Aber das Volk zürnte ihm: Wir mußten alle unsere Kinder verlieren, und du willst deine Tochter behalten? Warum verdirbst du dein Land um deiner Tochter willen? Denn wir alle müssen von dem Anhauch des Drachens sterben.

Acht Tage klagte der König um seine Tochter, dann erteilte er unter Tränen seinen Segen und gab sie unter dem Drängen des Volkes dahin. Sie aber machte sich auf zu dem See, in dem der Drache wohnte. Da kam Sankt Jürgen dahergeritten und fragte sie, warum sie weine; und sie erzählte es ihm.

Da sie noch sprachen, siehe, so hob der Drache sein Haupt aus dem See. Die Jungfrau zitterte vor Schrecken und rief: Flieh, guter Herr, flieh so schnell du magst. Aber Jürgen sprang auf sein Roß, machte ein Kreuz vor sich und ritt gegen den Drachen, der wider ihn kam; er schwang die Lanze mit großer Macht, befahl sich Gott, und traf den Drachen also schwer, daß er zu Boden stürzte. Dann sprach er zu der Jungfrau: Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Wurm um den Hals, und fürchte nichts. Sie tat es, und der Drache folgte ihr wie ein zahmes Hündlein.

Als sie ihn nun in die Stadt führte, erschrak das Volk und floh in die Berge und in die Höhlen und sprach: Weh uns, wir sind alle verloren. Da winkte ihnen Sankt Jürgen und rief: Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, daß ich euch erlöse von diesem Drachen. darum glaubt an Christus und empfangt die Taufe allesamt, so will ich diesen Drachen erschlagen. Da ließ der König sich taufen und alles Volk mit ihm. Und Sankt Jürgen zog sein Schwert und erschlug den Drachen.

An jenem Tag ließen sich 20.000 Männer taufen mit ihren Frauen und Kindern. Der König ließ zu Ehren der Jungfrau Maria und Sankt Jürgens eine schöne Kirche erbauen, und auf dem Altar entsprang eine lebendige Quelle, die alle Kranken, die daraus tranken, gesund machte. Sankt Jürgen wurden vom König unermeßliche Schätze angeboten, doch der wollte sie nicht nehmen, sondern ließ sie unter die Armen verteilen.

Danach gab er dem König gute Lehre und ermahnte ihn, vier Dinge zu halten: daß er die Kirche in seine Hut nehme, die Priester ehre, fleißig Messe höre, und der Armen sei eingedenk. Dann küßte er den König und ritt davon. 


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