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T h a i l a n d





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18.2.-12.3.94

Ein Reisetagebuch

von

Ferdinand Glaremin



(c) 1994-2001 - Autor: Ferdi Glaremin -
Veröffentlichungen, Vervielfältigungen jeder Art, Druck und Weitergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors!

Lesen, lächeln und ein Feed-Back per e-Mail ausdrücklich erwünscht.
:-)


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FR 18.2.94 Münster - Düsseldorf - München - Bangkok

730 Uhr: Katharina telefoniert uns aus dem Bett. Sie will sich schließlich von allen verabschieden. Schlaftrunken wünschen wir uns gegenseitig einen schönen Urlaub. Schnippes reisen im März noch nach Rauris, damit Katharina das Skifahren lernt.

Um 830 Uhr steht das Frühstück bereit. Es bleibt noch genug Zeit für ein Glas Mumm mit Annelie & Gerd, die schon gestern zu uns gekommen sind. Um 10 Uhr verlassen wir Münster. Gerd hat seinen Wagen in unserer Garage geparkt. Wir nehmen den Passat, damit die 4 großen Koffer auch verstaut werden können. Immer wenn man rechtzeitig fährt, ist die Verkehrsdichte so gering, daß man Zeit satt hat. Wir haben -3°C und strahlenden Sonnenschein. Um 1130 Uhr sind wir in Düsseldorf.

Über den neuen Autobahnzubringer der A44 kommt man fast am Rollfeld und an der Luftfracht vorbei. Leider führt diese schöne neue Straße über meinen ehemaligen gebührenfreien Parkplatz. Auf P23 parken wir für 8 DM/Tag. In der Charter-Abflughalle erhalten wir am NUR-Schalter unser praktisches Fernreisetäschchen in Neckermann-Blau.

Dann sitzen wir.

Schon nach einer halben Stunde entschließen sich zwei Bubis, sich am Condor-Schalter anzustellen. Es ist schön zu sehen, wie schnell sich dann eine Schlange bildet. Annelie ist dabei, ganz vorn. Sie macht sich mit den Bubis bekannt. Gegen 13 Uhr werden dann Sicherheitsgebühren von 8 DM pro Person erhoben. Alle sind ganz wild darauf zu zahlen. Nur Annelie fragt sich, wofür eigentlich? Annelie hinterfragt ja sowieso sehr viel und manchmal sind die Antworten gar nicht so leicht zu geben, wie die Frage erst vermuten läßt. Zwei Stunden vor Abflug wird der Schalter geöffnet. Für die 8 DM erscheint das Personal, das alle Reisewütigen erst einmal wieder aus der Absperrung um den Condor-Schalter ekelt. Zu Tätlichkeiten kommt es nicht. Alle müssen 'raus - Annelie, die unseren Gepäckwagen mit den vier Koffern fährt, stellt sich so ungeschickt an, daß sie bleiben darf. Dies erfreut nicht unbedingt die anderen Reisewilligen, aber gut. Wir Jungs lassen nach dieser Erfahrung auf der ganzen Reise nur noch die Mädchen Gepäckwagen schieben, das klappt vorzüglich.

Nach dem Check-In lunchen wir im Self-Service Restaurant mit Blick aufs Flugfeld. Anne versorgt sich im Duty-Free-Shop mit allen Kosmetika, die ihr Herz (oder die Haut?) begehrt. Dann warten wir in C35 auf den Flug DE5376. Um 1430 Uhr gehen wir an Bord. Wir haben Plätze in der 28. Reihe. Anne vermißt einen angemessenen Abstand der Sitzreihen. Sie ist der festen Überzeugung, daß die 28. Reihe die engste Reihe des Fliegers ist. Pünktlich um 15 Uhr starten wir vom Rhein-Ruhr-Flughafen Düsseldorf. 50 Minuten später landen wir in München-Erding. Hier wird die Maschine, eine Boing 767-300, die 269 Passagieren Platz bietet, bisher aber höchstens zu einem Viertel besetzt ist, aufgetankt und für den Weiterflug nach Bangkok mit einer frischen Crew bestückt. Wir bleiben in der Maschine. Annelie nölt herum. Immer wenn sie fliegt, sitzt sie über der Tragfläche. Wie zu Hause auf dem Klo ist die Sicht und das stinkt ihr! Die Boing-767 der Condor ist ein modernes Flugzeug mit Videokamera im Cockpit. Bei Start und Landung wird auf den Monitoren in der Kabine die Sicht des Kapitäns nach vorn bzw. nach unten gezeigt.

München-Erding ist ganz in weiß gehalten. Alle Dächer haben weiße Lamellen als Sonnenschutz. Der Tower hat Ähnlichkeit mit einem französischen Wasserturm. Während des Tankvorgangs sind die Passagiere gehalten, auf den Plätzen zu sitzen. Sitzen, nicht stehen und auch nicht rauchen oder pinkeln. Um 1630 Uhr füllt sich dann die Maschine mit Bayern. Man hört's am "Grüß Gott" und wer weiß was sonst noch. Wir müssen uns noch etwas in diesen Dialekt einhören, um die Feinheiten mitzukriegen. Für den Flug nach Bangkok werden 8.778km angezeigt, die wir in 10 Stunden 15 Minuten hinter uns bringen wollen. Der Flug geht über Wien, Budapest, Bukarest, Istanbul, Ankara, Teheran, Esfahan, Dehli, Varanasi, Calcutta, Bassein nach Bangkok. Zwischen Budapest und Bukarest haben wir Turbulenzen, so daß das Dinner auf 19 Uhr verschoben wird. Wir fliegen zunächst in 8.800m ü.NN, dann in 10.100m Höhe mit 930km/h bis 970km/h. Um 21 Uhr wird der Film Jersey Girl gezeigt. Um 2230 Uhr setzt er seine Karriere aufs Spiel, sein Auto vor 'nen Hydranten und hält sein Jersey-Girl in den Armen. Wir haben Teheran und Esfahan passiert und fliegen inzwischen mit 1.000km/h in 11.300m Höhe. Draußen sind -50°C.

Der nächste Film heißt The Firm. Ein junger Anwalt mit exzellentem Juraexamen wird von einer 40-Personen Anwaltsfirma, die mit der Mafia zu tun hat, eingestellt. Normalerweise scheidet kein Anwalt lebend aus der Firma aus. Das FBI kommt ins Spiel und will den Newcomer als Beschaffer von Akten und Informationen für sich gewinnen. Durch die viele Arbeit droht seine Ehe zu zerbrechen. Gegen 1 Uhr sind die Bösen tot und unser junger Anwalt hat alle Probleme gemeistert - so gut es ging. Er träumt nun davon, sich selbständig zu machen bzw. in einer kleinen Kanzlei zu arbeiten und mit seiner Frau zu altern.

Um 115 Uhr (MEZ) beginnt die Dämmerung über Varanasi. Um 130 Uhr scheint die Sonne über Calcutta. Um 2 Uhr wird Frühstück serviert. Ein Kurzfilm über Thailand soll die Vorfreude auf Land und Leute verstärken und die landesüblichen Sitten und Gebräuche erläutern, um den Besucher nicht sofort bei Ankunft ins Fettnäpfchen treten zu lassen.

SA 19.2.94 Bangkok - Lop Buri {Lop Buri Inn}

Pünktlich um 4 Uhr (MEZ), 10 Uhr (Thailand Standard Time) landet Condor DE5376 auf dem Don Muang Flughafen in Bangkok. Der Flughafen macht einen sehr sauberen Eindruck. Nach der Paßkontrolle, bei der viele Stempel auf Einreiseformular und Paß verteilt werden, und nach der problemlosen Zollkontrolle werden wir von einem Dutzend NUR-Damen erwartet, die uns den Weg zum klimatisierten Bus weisen.

Am Exchange-Schalter hole ich mir 10.000 B (Baht) auf VISA-Karte, etwa 700,-DM.

Über die Beinfreiheit im Bus kann ich mich nur angenehm überrascht wundern. Sinn und Nutzen der Wadenschoner an den Sitzen haben wir noch nicht ergründet. Wir fahren 2½ Stunden nach Norden.

Lop Buri ist der erste größere Ort. Man feiert gerade zu Ehren König Rama des IV. ein Tempelfest. Zu seiner Zeit (1851-1868) war Lop Buri mal kurz Hauptstadt von Thailand. Wir halten in der Stadtmitte beim Tempel Wat Pram Sam Yod, dem "Affentempel". Nebenan steht noch der aus der Khmer-Zeit stammende Wat Phra Sri Ratana Mahatat. Die Besichtigung ist auf heute Nachmittag vorgezogen, da die Affen nachmittags satter und friedlicher sind, als früh morgens. Zahlreiche Touristen ließen nämlich schon Schmuck und Brillen als unfreiwillige Opfergaben dort. Dies wurde uns auch vor zwei Wochen noch von Doro & Jürgen als warnender Hinweis mit auf die Reise gegeben. Sie hatten den Tempel wegen der Menschenfülle und der nervenden Affen, die als heilig gelten, schrecklich in Erinnerung. Während der Besichtigung machen sich der fehlende Schlaf und die Wärme bemerkbar. Es sind 36°C und zu Hause waren es vor 18 Stunden noch -3°C. Müdigkeit macht sich bei allen in der Gruppe breit. Unsere Reiseleiterin von NUR heißt Claudia Schwan. Sie hat noch eine englisch sprechende Thai, namens Thimmy, von der Asia Travel Tour Company dabei. Dann haben wir noch den Busfahrer und den Busfahrerhelfer, der u.a. kalte Getränke verkauft. Cola und Wasser kosten 10 B (0,70DM), Bier kostet 40 B (2,80DM). Heute wird viel Cola getrunken. Nach der Tempelbesichtigung bekommen wir kalte Erfrischungstücher.

Dann fahren wir zum Hotel Lop Buri Inn, wo wir übernachten. Wir duschen und schlafen ein paar Stunden (von 1430 Uhr bis 17 Uhr). Um 18 Uhr ist das Dinner angesagt. Danach trinken wir noch zwei Bier im Hotelrestaurant und gehen früh zu Bett.

SO 20.2.94 Lop Buri - Phitsanulok - Sukothai {Pailyn Hotel}.

615 Uhr Wecken, 630 Uhr Frühstück, mit frisch gepreßten Orangensaft und für uns eine Lariam als Malariaprophylaxe, 730 Uhr Abfahrt. In Zimmer 626 wurde Kleidung gefunden. Noch bevor Annelie rumnölen kann, daß die Typen nicht 'mal auf ihre Klamotten aufpassen können, fällt Gerd auf, daß 626 Wahlers Zimmer war. Die Thai sind nachtragend, so daß wir trotzdem pünktlich abfahren können. Von 11 Uhr bis 12 Uhr besichtigen wir in Phitsanulok die Tempelanlage Wat Phra Sri Ratana Mahatat, am Fluß Nan.

Hier wird gerade ein Tempelfest gefeiert.

Die berühmteste Buddha-Statue (Phra Buddha Chinarai) aus der Sukothai-Zeit (um 1300 gegossen) wird in diesem Tempel verehrt. Durch eine Ebene mit vielen Reisfelder, die größten teils abgeerntet sind, fahren wir nach Sukothai. Wir essen im Restaurant Nam Kang (Tautropfen) zu Mittag.

Der Name Sukothai bedeutet "Morgenröte der Glückseligkeit". Unter König Ram Khamheng (1280-1317), der als "Vater der Nation" gilt, wurde diese Stadt zur Hauptstadt des Thai-Reichs. Er brachte das Land als überragende Herrscherpersönlichkeit zur künstlerischen Hochblüte und entwickelte u.a. das Thai-Alphabet, das heute noch benutzt wird. Er schaffte die Steuern ab und setzte sich für freien Handel ein. Eine Inschrift aus dem Jahr 1292 n.Chr., die heute im Nationalmuseum in Bangkok aufbewahrt wird, besagt:

Dieses Sukothai ist gut.

Im Wasser sind Fische.

Auf den Feldern ist Reis.

Der König verlangt vom Volk keine Steuern.

Wer mit Elefanten, ...,

wer mit Gold und Silber handeln will,

der handelt mit Gold und Silber,...

Die Gesichter der Menschen leuchten hell...

Die Menschen müssen glücklich und zufrieden gewesen sein, ein Traumstaat. Selbst die Buddhastatuen haben in dieser Stadt einen besonders zufriedenen Gesichtsausdruck.

Nach dem Mittagessen besichtigen wir den historischen Park mit dem Wat Sri Chum, eine 14m hohe, sitzende Buddhastatue auf einem 4m hohen Sockel, das Ramkhampheng-Museum und die Ruinenanlage Wat Mahatat.

Wir übernachten im Pailyn Hotel. Um 19 Uhr ist das Abendessen im Innenhof des Hotels am Swimmingpool, ein Buffet.

Auf der Fahrt haben wir heute die Thaisprache gelernt:
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10nüng, song, sahm, sih, hah, hock, dched, päd, gao, sib,
11, 12, 20, 30, 100, 200 sib edd, sib song, ..., yi sib, sahm sib, ..., nüng roi, song roi, ...
1000, 2000nüng pann, song pann
sawaddie kah/krabGuten Morgen, Tag, Abend (weibl./männl.)
Khob Khun kah

Khob Kuhn krab

Danke (weibl.)

Danke (männl.)

KuhnHerr, Frau, Fräulein
Chon kah/krabBitte (weibl./männl.)
Tau RaiWas kostet das?
Päng Baiteuer zu
Päng Magteuer sehr
Päng Päng teuer teuer
Di Maggut sehr
Soey schön
Mai Pen RaiDas macht nichts (Nicht macht das)
SanukSpaß
Yaigroß
Lekklein
Saparott Ananas
ChaTee
Cha Chalangsam
Hong NamZimmer Wasser = Toilette
BlaFisch
GeiHuhn
KohInsel
NongKellner
WatKloster, Tempel
WaiBegrüßung
ChediPagode, Stupa
BotOrdinationshalle der Mönche
ViharnHalle mit Buddhafiguren
Mai Au, Mai Donggahn Nicht will, Nicht möchte

Die Grammatik ist einfach, es gibt keine Zeiten, keine Konjugation, keine Deklination, keine Artikel, aber bis zu 5 verschiedene Betonungen eines Wortes, die den Sinn ändern. Das Thai-Alphabet besteht aus 44 Konsonanten, 24 Vokalen und 4 diakritischen (zur Unterscheidung der Betonung benutzten) Tonzeichen. Man schreibt von links nach rechts. Ab sofort erhalten wir unsere Zimmerschlüssel von Claudia & Thimmy nur noch nach Nennung der Zimmernummer auf Thai.

Außerdem lernen wir: Bangkok heißt Dorf Oliven (kleines Olivendorf). Die Thai sagen zu Bangkok Krung Thep (Stadt der Engel) als Abkürzung für den 178 Buchstaben langen Namen Krungthepmahanakhonbowonraanakosintharamahintharayutthyamahadilokphopnopharatanaratchathaiburiromudomratchaniwetsanamahasathnamonphimanawatasathitsakkathatiyavshnukamprasit, was sinngemäß Stadt der Engel, größte aller Städte, unsterblich wertvolles Juwel, allmächtig und alt, Hort der neuen, kostbaren Edelsteine, himmlische Stadt von Vishnukarman erbaut heißt. Die Thai sagen schlicht Krung Thep und in Amtsthai heißt Bangkok Phra Nakorn, Heilige Stadt. Buddha hatte im Jahr 543 v.Chr. seine Erleuchtung; daher ist in Thailand jetzt das Jahr 2537 (543+1994). Buddhisten sollten mindestens einmal im Leben eine Woche im Kloster als Mönch leben, besser noch 3 Monate. Sie müssen dafür aber gesund und schuldenfrei sein und müssen einige Regeln beachten:

Nur vormittags (von Sonnenaufgang bis 12 Uhr) essen, danach nur Wasser oder Tee trinken. Zigaretten sind erlaubt. Keine Rauschmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Keine Beziehungen zu Frauen haben. Sie dürfen nur wenige Dinge besitzen, wie ihr Safran-farbenes Tuch, Opferschale, Rasierzeug. Die Mönche besuchen vormittags ausgewählte Familien, die für sie kochen und ihnen dann Speisen mitgeben. Die Familien bedanken sich für die Ehre, den Mönchen Opfergaben zu geben. In öffentlichen Verkehrsmitteln werden Mönche umsonst oder zum Kindertarif mitgenommen. Es gibt reservierte Plätze in Bussen. Frauen dürfen nicht direkt neben Mönchen sitzen. Mönche genießen ein sehr hohes Ansehen und werden sehr respektiert.

Reisanbau: Der Reis wird gesät, nach 3 Wochen vereinzelt und in größerem Abstand werden die Pflanzen dann gesetzt. Nach 3-4 Monaten werden die Ähren dann einzeln abgeschnitten, denn man meint, der Reis besitze eine Seele und man dürfe daher nur Halm für Halm abschneiden. In Thailand wird überwiegend Naßreisanbau betrieben. Insgesamt werden 20 Millionen Tonnen pro Jahr geerntet und 5 Millionen Tonnen exportiert. 1kg Reis kostet 10 B bis 15 B, also etwa 1 DM/kg. Vielen Thai fehlt ein Enzym zum Abbau von Milcheiweiß. Daher gibt es in Thailand kaum Milchprodukte auf der Speisekarte. Die Thai empfinden sogar Ekel vor Käse, vor allem vor Schimmelkäse. Toiletten sind vielfach Steh- oder Hockklos. Thai benutzen kein Toilettenpapier, sondern benutzen Wasser zum säubern. Oft gibt es eine Art Brauseschlauch in den Toiletten oder ein Wasserbecken mit Schöpfnapf.

MO 21.2.94 Sukothai - Lamphun - Lampang - Chiang Mai {Chiang Inn}.

550 Uhr Wecken, 615 Uhr Frühstück, 7 Uhr Abfahrt. Wir besichtigen einen kleinen Betrieb, der Zucker aus Zuckerrohr herstellt. Das Zuckerrohr wird abgeschlagen. Mit einer Presse wird der Saft aus dem Rohr gewonnen und aufgefangen. Dann wird der Saft gekocht und eingedickt. Geheizt wird mit dem trockenen Zuckerrohrstroh aus der Presse. Der eingedickte Saft karamellisiert und wird in hellbeigen Scheiben oder Plättchen getrocknet und abgekühlt. Diese werden dann verkauft. Zuckerrohr steht nach Reis und Maniok auf Platz 3 der Agrarprodukte, die Thailand exportiert. Um 8 Uhr halten wir an der Schule von Sawank Kohok. Die Kinder tragen eine Schuluniform. Seit 1921 gibt es die Schulpflicht in Thailand. Der Schulbesuch ist kostenlos. Es gibt 7 Schuljahre. Zunächst eine Vorschule und ab dem 7. Lebensjahr die Hauptschule. Die Kinder putzen die Klassenzimmer selbst und handeln mit Schreibutensilien. Um 8 Uhr wird die Nationalhymne im Radio übertragen und von den Kindern nachgespielt. Die Nationalflagge (waagrechte rot, weiß, blaue Streifen) wird gehißt. Dann gibt es noch eine Ansprache des Direktors mit Hinweisen zu aktuellen Themen, z.B. heute mit Appellen zum Sparen von Trinkwasser wegen der monatelangen Trockenheit im Norden und Osten Thailands. Danach spielt das Schulorchester und es werden "gymnastische" Übungen gemacht. Dann marschiert man in die Klassenzimmer.

Thailand hat 14 Universitäten, deren Besuch kostenpflichtig ist.

Nach der Schule besichtigen wir die Tempelanlage Sri Satchalanai. Wir gehen über eine schwankende Hängebrücke über den Fluß Yom zur Tempelanlage. Im Bot steht ein goldener Buddha. Wer möchte, kann hier sein Horoskop "ziehen" bzw. ein Rohr mit numerierten Stäbchen so lange schütteln, bis eins herausfällt. Anne erwischt Horoskop Nummer 11, dessen Bedeutung Thimmy später übersetzt.

Wir besuchen einen Markt mit allerlei Obst und Gemüse, Fische und Aale. Thimmy erklärt alles.

Auf der Fahrt nach Lampang kommen wir in eine hügelige Gegend. Die Straße verläuft recht kurvig. Teak-Bäume wurden hier neu angepflanzt. Teak darf in Thailand nicht mehr abgeholzt werden. Offiziell wird das Holz für Thailand, z.B. für den Hausbau oder für Möbel, aus Burma eingeführt. Landhäuser stehen in Thailand auf Pfählen und sind aus Teakholz. Thailand hat noch etwa 5.000 Elefanten, davon 1.500 frei lebend. Um die Jahrhundertwende waren es noch 100.000. Einige wenige Tiger und Bären leben noch im Primärwald an der burmesischen Grenze und in den Nationalparks. Es gibt etwa 120 Schlangenarten, davon 10 giftige Arten. In dieser Gegend wächst viel Pampas-Gras und Bambus.

Das Wetter ist heute sehr diesig, und es ist nicht ganz so heiß. Am Paß führt die Straße durch Restbestände des Primärwaldes. Die Yong-Bäume, deren Harz für Lacke benutzt wird, haben eine Höhe von bis zu 75m. Lunch haben wir in Lampang in einem Restaurant am See in kleinen Hütten.

In Lampang wohnen viele Thai chinesischer Abstammung. Es gibt einen großen chinesischen Friedhof. Chinesen beerdigen ihre Toten, nur die buddhistischen Thai verbrennen die Leichen in Krematorien, die vielfach bei Tempelanlagen zu finden sind.

Nach dem Mittagessen liest Thimmy die Horoskope vor. Annes Horoskop ist sehr gut: Vollmond, ganz hell. Alles klar, ihr Mann steht ihr immer zur Seite (und macht die ganze Hausarbeit). Ein Krach mit ihrer Mutter (?) hat nachgelassen; sie versteht jetzt, was sie will. Alles easy.

Nachmittags fahren wir über den Geisterhäuser-Paß Richtung Lamphun. Auf der Paßhöhe stehen hunderte Geisterhäuser, bunt bemalt, mit Blumen und Figuren geschmückt. Ab 1500 B kann man so ein Geisterhaus in Gartenmöbelgeschäften kaufen und hierher oder auf sein Grundstück stellen. Jeder Thai hat so ein Geisterhaus zu Hause, damit die bösen Geister, vor allem der Erdgeist Phii Ruan, dem man ein Stück Land zum Bau des Hauses weggenommen hat, sich vom richtigen Haus fernhalten sollen. Man legt Opfergaben in das Geisterhaus, etwas Reis, Früchte, Blumen und Räucherstäbchen. Inzwischen schmückt man die Häuser mit bunten, blinkenden Lichterketten. (Ähnliche Sitten und Gebräuche haben wir auch 1991 auf dem hinduistischen Bali angetroffen. Dort wimmelte es ja nur so von Tempeln, die man umhegte, und zu denen man täglich Opfergaben brachte. Dazu wurden dann noch Blumen und Obststückchen und ein paar Reiskörner auf den Boden gelegt. Hier nimmt man eben ein Geisterhäuschen, das sorgsam auf dem Grundstück plaziert wird.) Auf der Paßhöhe haben die Bus- und Lastwagenfahrer und viele andere Autofahrer ihre Häuschen stehen. Immer, wenn sie diese Stelle passieren, hupen sie, um ihre Verehrung auszudrücken. Früher machten sie noch den Wai (Begrüßung) während der Fahrt, aber da gab's zu viele Unfälle. Heutzutage genügt ein Hupen.

Der Tempelkomplex von Lamphun ist wunderschön. Draußen steht ein Tempel mit einem liegenden Buddha. Durch ein weißes Tor betritt man den inneren Tempelbereich des Haripunchai, der schönsten Klosteranlage des Mon-Königsreichs. Der Hauptbau ist reich geschmückt, innen sind drei goldene, sitzende Buddha-Statuen. Der Chedi mit vergoldeten Kupferplatten ist 51m hoch und mit insgesamt 150kg Gold bedeckt. Der größte Gong der Welt steht ebenfalls im Innenhof des Haripunchai. An der Ostseite befindet sich außerhalb noch ein Tempel, der einen dickbäuchigen, chinesischen Buddha beherbergt.

Wir kaufen 12 Ansichtskarten für 50 B, 12 Briefmarken für je 9 B mit sehr schönen Motiven und außerdem 3 Tigerbalsam für 100 B. Von Lamphun aus geht es auf einer Allee, die von 700 Jahre alten Bäumen gesäumt ist, Richtung Chiang Mai. Vor kurzem sollten die Bäume gefällt werden, damit die Straße verbreitert werden kann. Durch Intervention des Königshauses wurde dies auf Initiative der Bevölkerung jedoch verhindert. Um 1630 Uhr sind wir im Hotel Chiang Inn, das mitten in der Innenstadt liegt. Auf der Hauptstraße tobt das Leben, vor allem von 17 bis 24 Uhr der Nachtmarkt. Wir duschen im Hotel, denn schon um 1730 Uhr werden wir (fakultativ) mit Minibussen in ein Wohngebiet gefahren. Im 1. Stock befinden sich in einem Raum 10 Matratzen nebeneinander, 5 auf jeder Seite. Dann kommen 10 Frauen herein, um uns fast 2 Stunden lang zu massieren. Wir haben uns zwischenzeitlich ein weißes Seidenhemd und eine etwas übergroße, weinrote Hose angezogen. Die Hose hat keinen Gürtel und kein Gummiband und fällt somit normalerweise Richtung Erdmittelpunkt. Mit Eintreffen der Masseurinnen werden wir gehalten, uns hinzulegen, was diese etwas komische Situation entschärft. Sie beginnen damit, die Füße zu massieren, dann das linke, dann das rechte Bein, dann die Arme und zum Schluß Rücken und Kopf. Der Raum ist fast zu stark klimatisiert. Beim Massieren setzen die Frauen ihren ganzen Körper ein, Hände, Arme, Beine. Sie sitzen mal so, mal so, aber es handelt sich um eine medizinische Massage. Meine Masseurin übertreibt es nicht. Anne fühlt sich etwas grob am Rücken behandelt. Die 10 Frauen arbeiten fast synchron. Im Hintergrund läuft leise Musik, zu der sie etwas singen oder summen. Um 1945 Uhr sind wir fertig. Die Minibusse bringen uns zum Hotel Chiang Inn zurück. Die Massage kostet 440 B plus 20 B Trinkgeld. Danach spazieren wir mit A&G über die Hauptstraße, um ein Restaurant aufzusuchen. Nach etwas Hin und Her setzen wir uns auf die Terrasse des Burger King, essen 4 Cheeseburger, 4 French Fries, 4 Cola für 296 B. Dann schauen wir uns in einigen Geschäften um. Es gibt tausende Verkaufsstände auf der Hauptstraße. Verkauft wird alles, was man nicht braucht, Plagiate von Uhren, Taschen, Parfums, T-Shirts usw. Annelie kauft sich eine Hose mit Gummizug mit schwarzweißem Muster für 100 B (7 DM) und Gerd kauft ein neues Portemonnaie für 300 B. Wir sitzen auf einem Platz, trinken ein Bier und sind dann um

2330 Uhr wieder im Hotel, Zimmer 701.

Chiang Mai ist mit 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Thailands. Man nennt die Stadt auch die "Rose Thailands". Die Stadt ist 700 Jahre alt. Chiang Mai heißt "Die neue Stadt".

DI 22.2.94 Chiang Mai {Chiang Inn}.

6 Uhr Wecken, 615 Frühstück, 7 Uhr Abfahrt. Beim Frühstück, um 630 Uhr, ist es etwas trubelig. Wir sitzen im Nebenrestaurant. Dort gibt es noch genug freie Plätze, nur das Essen müssen wir uns aus dem Hauptrestaurant herüberholen. Um 705 Uhr starten wir zur 12km entfernten Klosteranlage Wat Phra Tat Doi Suthep, die aus dem 14. Jahrhundert stammt. Diese Anlage ist kleiner als die von Lamphun, aber sicher genau so schön. Die gesamte Anlage ist mit Gold überzogen, das wunderschön im fahlen Licht der Morgensonne glänzt. Sie liegt auf dem Berg Suthep, 1.050m ü.NN. Der Blick auf die Stadt ist uns verwehrt; es ist zu dunstig. Zur Tempelanlage führt eine Bahn für die fußfaulen Oytener und eine 290 Stufen lange Treppe, die mit zwei Drachen aus Kacheln als Geländer gesäumt wird.

Als wir wieder unten sind, kommt Königin Sirikit vorbeigefahren. An der Straße zum Berg Suthep stehen überall Polizisten. Die Eskorte besteht aus mindestens 20 Fahrzeugen, inklusive Krankenwagen.

Unterhalb des Klosters befindet sich praktischerweise eine Jadefabrik. Das Rohmaterial, Aluminium-, Calcium- und Magnesiumsilikatgestein wird aus Burma über die Grenze geschmuggelt und hier zu Schmuck, Elefanten und Buddha-Statuen weiter verarbeitet. Annelie muß heute Nacht, nach anregender Massage, artig gewesen sein, denn sie darf sich einen Elefanten als Kettenanhänger aussuchen. 125 DM wechseln den Besitzer und schon ist Annelie der Elefant im Porzellanladen, der nichts vergißt und sich gerade der Hehlerei schuldig gemacht hat. Annelies Elefant ist grün, also aus dem wertvolleren Aluminiumsilikat. Übrigens wurde ein etwa 5cm großer Elefant für die NUR-Gruppe verlost. Das Glück verfehlte unsere Losnummer nur knapp und traf eine Frau unserer Gruppe (wir erfahren nachher, daß es sich um die "Berlinerin" handelt), die sonst noch nie Lotterieglück hatte. Wir gönnen's ihr. Übrigens fährt Sirikit hier herum, weil sie 5km oberhalb des Tempels einen Zweitwohnsitz hat. Von hier aus besucht sie mit ihrer Karawane (oder ihre Karawane mit ihr (?)) die Bergdörfer, um ein Projekt zu fördern, das die Bevölkerung dazu bringen soll, Obst und Gemüse statt Mohn (für die Opiumgewinnung) anzubauen. Vor allem Sojabohnen sollen so gesund sein. Als nächstes steht unten in Chiang Mai der Tempel Wat Jed Jod, ein Nachbau des Maha-Bodi-Tempels, auf dem Programm.

Dann fahren wir zu einer Lackfabrik. Der Lack wird aus dem Harz des Mammutbaumes Jong (aus dem Monsum-Primärwald) gewonnen und auf Teak- oder Bambusholz aufgetragen, eine Woche getrocknet, geschliffen und poliert. Diese Prozedur wird insgesamt 8 mal durchgeführt. Nach 2 Monaten wird das fertige Produkt endbehandelt. Blattgold, Perlmutt oder Eierschalen werden aufgetragen oder der Gegenstand wird bemalt. Wir kaufen einen Elefanten mit Blattgoldauflage für 160 B. Danach besichtigen wir eine Silberschmiede. Das Silber kommt aus Burma. Mit Kupfer vermischt wird daraus Sterlingsilber (925). Aus einer flachen Scheibe (wie eine Münze) wird durch Hämmern ein Teller bzw. eine Schale gearbeitet. Zwischendurch wird das Material wieder erhitzt und dann weiter ausgetrieben. Die Rohschale wird mit Pech gefüllt und von außen fein bearbeitet, z.B. mit Elefanten oder anderen dekorativen Mustern verziert.

Lunch haben wir heute im Hua-Restaurant, außerhalb der Stadt. Das Restaurant liegt sehr schön an einem See. Es wird von einem Chinesen betrieben. Annelie wird heute endlich mal satt.

Nachmittags fahren wir zur Holzschnitzerei bzw. Möbelfabrik. Wunderschöne Möbel mit Perlmutteinlegearbeiten und Schnitzereien aus Teak- und Rosenholz werden hier gefertigt. Die Möbel sind qualitativ sehr hochwertig verarbeitet. A&G kaufen spontan ein Rosenholzschränkchen mit parallelogrammförmiger Grundfläche für 2.150 DM, frei Bremen.

In der Seidenfabrik erfahren wir alles über Seidenraupen, deren Verpuppung, das Spinnen und wir sehen die handbetriebenen Webstühle, auf denen man etwa einen Meter Seidenstoff pro Stunde schafft. Anne kann sich heute zu nichts entscheiden, weder Stoff zu kaufen, noch sich 'was nähen zu lassen, noch sich 'was fertiges zu kaufen. So bleibt es bei dem einen Lackelefanten und 2 Seidenmalerei-Bildern, die wir morgens am Doi Suthep gekauft haben.

Gegen 1630 Uhr sind wir zurück im Hotel Chiang Inn. Nach kurzem Duschbad gehen wir zum Swimmingpool. Mit Gutschein gibt es das Bier zur Happy Hour (2 für den Preis von einem) für 77 B. Das Bier schmeckt gut hier in Thailand, Singha Bier. Es wird stets kühl serviert. Bei A&G und bei Anne schäumt es wenig, bei Ferdi immer viel.

Um 18 Uhr verlassen wir bei Sonnenuntergang die Pool Area zum Shopping und Dining. Anne ist wild entschlossen, den Uhrenmarkt aufzumischen. Gleich beim ersten Stand auf der Hauptstraße wechseln 4 Uhren für 1000 B den Besitzer, eine Rolex (für Johannes), eine Ebel (für Anneliese), eine Cartier (für Anke) und eine Gucci (für Anne). Als nächstes erstehe ich ein XXL-Boss-Tennisshirt für 120 B, dann folgen 2 schöne Fächer, handgemalt. Die Malerin signiert selbst. Sie verlangt 180 B pro Stück, wir nehmen 2 für 300 B und gehen mit "Sanuk" (mit Spaß und Freude) auseinander. Ihr Stand befindet sich in der doppelstöckigen Halle, neben dem Exchange-Büro, das man erreicht, wenn man vom Chiang Inn auf die Hauptstraße Richtung City geht. Gerd bekommt noch eine Elefanten-Krawatte für 100 B, Annelie 'ne Hose und dann wird's Zeit fürs Dinner. Heute essen wir gut, Pfeffersteak für 195 B, Cordon Bleu für 130 B, usw. Wir sitzen im 1. Stock. Hier wird Musik aus fernen Landen gespielt, draußen begrüßt uns eine Thai mit Hut in vertrauter Sprache. Läge noch Schnee, so fühlten wir uns wie in München im Hofbräuhaus; doch die Stadt, in der wir zu Gast sind, heißt Neustadt - Chiang Mai. Es schmeckt uns gut. Nachdem wir unsere Rechnung von 1.100 B für vier Essen und Getränken bezahlt haben, verlassen wir das Restaurant mit dem für dieses Land so fremden Namen. Wir verabschieden uns noch von dem Animiermädchen mit Hut. Annelie fotografiert Gerd und Ferdi, die das Mädchen zwischen sich genommen haben. Schöner Abend - psst, wie hieß denn nur das Restaurant?

Auf dem Rückweg zum Hotel kaufen sich die Mädchen noch je 2 T-Shirts "Marke Chanel" (die Anführungszeichen stehen vor Marke!) für 330 B, also etwa 85 B pro Stück.

MI 23.2.94 Chiang Mai - Mae Sa - Chiang Rai {Wiang Inn}.

550 Uhr Wecken, 615 Uhr Frühstück, 7 Uhr Abfahrt, nur mit Handgepäck, den niedlichen blauen NUR-Fernreisetäschchen. Gerds Wort zum Mittwoch: "Eulen nach Athen tragen ist so ähnlich, wie Mücken nach Chiang Mai." In den nahe gelegenen Bergen besuchen wir das Elefantencamp von Mae Sa. Die Mahouts, die die Elefanten von klein auf erziehen und mit den Tieren arbeiten, kommen vom Stamm der Karen. Die Elefanten verstehen 30 Kommandos. Indische Elefanten werden bis zu 60 Jahre alt.

Es gibt in Thailand noch 5.000 Elefanten; 3.500 sind abgerichtet, die anderen leben noch wild. Elefanten fressen bis zu 230kg/Tag. Die Tragzeit beträgt 22 Monate, das Junge wird 1 Jahr lang gesäugt. Falls Albinos geboren werden, kommen diese in die Stallungen des Königs. Übrigens: Annelie hat zu Hause angerufen und berichtet, daß es in Deutschland geschneit hat. Nach halbstündiger Fahrt wird unser Bus bereits auf eine Tankstelle entführt - von Toilettensüchtigen. Annelie schließt sich an, sie kann vielleicht die deutsche Kost nicht vertragen. Sie berichtet, ihr Besuch auf dem stillen Örtchen wäre von durchschlagendem Erfolg gekrönt gewesen. Wie schön für sie. Annelie hat ihr "Hakle feucht" noch geschont und sicherheitshalber im Hotel, im Koffer, zurückgelassen. Seitdem Anne weiß, daß es in Deutschland geschneit hat und wir gestern Abend deutsch gegessen haben, friert sie und sitzt mit Regenjacke im Bus.

Das Elefantencamp erreichen wir um 8 Uhr. Wir kaufen Bananen und Zuckerrohr zum Füttern der Elefanten. Sie gehen mit ihren Mahouts in den Fluß und lassen sich waschen. Dann gibt es eine kleine Vorführung, wie Elefanten Baumstämme stapeln. Danach folgt ein einstündiger Ritt über einen Dschungelpfad und durch einen Fluß.

Zwischendurch macht unser Mahout ein paar Fotos und er filmt Anne beim Reiten. Sie macht das sehr gut, aber ohne Mahout würde unser kleiner Elefant wohl mehr das tun, was ihm in den Kopf kommt. Zwischendurch schlafen Mahout und Elefant ein. Daher dauert unser Ritt 1h15' statt 1h. Ein schönes Erlebnis war das und wir haben eine Vorstellung davon bekommen, wie mühsam es früher war, auf Elefanten den Norden Thailands zu "bereisen", als es noch keine Straßen gab. Auf jeden Fall: Busfahren ist bequemer! Danach gibt es fakultativ eine Schlangenshow, auf die wir verzichten, und eine Katzen-, Schmetterlings- und Orchideenfarm, die wir uns ansehen. Nun ist es Anne zu warm; so nölt sie heute Mittag.

A&G berichten noch von einer Riesenboa, die Annelie umschlang und dem Vernehmen nach ins Würgen kam. Eine Schlange sei sogar ins Publikum geflogen, was einigen Besuchern beinahe den Herztod gebracht haben soll.

Wir lunchen im Lanna View Hotel. Thimmy's Bruder ist hier ein höheres Tier. Das Mittagessen ist 1a, super. Als Dessert gibt es nicht nur Obst, sondern auch Crème Caramel und Windbeutelchen mit Mousse au Chocolat; dazu wird wunderbar aromatischer Kaffee serviert.

Wir verlassen Chiang Mai gen Norden. In Fang, an den heißen Quellen am Rande des Nam Kok, steigen wir in Pickups und fahren zu einem Lahu-Dorf. Es gibt etwa 40.000 Lahu in Thailand, der drittgrößte Bergstamm (Hilltribe). Inzwischen werden die Lahu überredet, statt Mohn, Obst und Gemüse anzubauen. Die Lahu wohnen in kleinen Dorfgemeinschaften. Sie sind aus Tibet, über Burma, nach Thailand eingewandert. Die Bewohner der Bergdörfer sind oft noch Animisten mit besonderen Totenritualen. Die Bergstämme bleiben unter sich; sie heiraten nicht in einen anderen Stamm und sie wandern auch normalerweise nicht in die Stadt ab. Vielfach sprechen sie nicht die Sprache der benachbarten Bergstämme. Im Dorf der "schwarzen Lahu" tragen die Bewohner eine schwarze Tracht mit bunten Stickereien, daher der Name. Anschließend sehen wir uns noch die heißen Quellen aus der Nähe an. Das schwefelhaltige Wasser sprudelt hier mit knapp 100°C aus dem Boden. Die Dorfbewohner von Fang kochen Wachtel- und Hühnereier in dem heißen Wasser und verkaufen sie an die Touristen. Wir fahren weiter nach Norden, Richtung Chiang Rai. Die Straße wird gerade frisch asphaltiert. Auf der Strecke sehen wir uns ein Video einer ZDF-Sendung über die Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche, u.a. auch über den Opiumanbau, des Bergstamms der Akha an. Dann erreichen wir Chiang Rai. Wir übernachten im Hotel Wiang Inn. Um 1930 Uhr gibt es Abendessen im Hotelrestaurant. Das Zimmer ist sehr gut, ja ausgezeichnet, natürlich klimatisiert, mit Doppelbett, Tisch, Stühlen, Minibar, TV. Das Bad ist nach amerikanischem Standard eingerichtet, Badewanne mit Duschauslaß oben, Toilette mit Flutungsspülung, Seife, Shampoo, Duschkappe, Q-Tips, alles ist da. Nach dem hervorragenden Abendessen strömen wir in die Stadt und starten einen Großeinkauf: Für Katharina einen grünen Benetton-Anzug für 100 B, für Ferdi ein feines, gelbes Shirt im Kaufhaus für 315 B, für Anne eine Dose Cachewnüsse für 70 B und ein T-Shirt für 75 B. Gerd bekommt eine Blue Jeans für 250 B, die noch im Nu gekürzt wird. Im Hotel spendiert Gerd später noch einen Mekong, Reiswhisky, der wie Weinbrand schmeckt (kleine Flasche 60 B; große Flasche 120 B). Im Fernsehen erleben wir mit, wie Markus Wasmeier bei den olympischen Spielen in Lillehammer eine Goldmedaille mit 2/100s Vorsprung holt.

DO. 24.2.94 Chiang Rai - Mae Chan - Mae Salong {Mae Salong Villas}

Wecken 715 Uhr, Abfahrt 815 Uhr zum Fluß Mae Kok. Mit vier Longtailbooten fahren wir in einer Stunde zum Stamm der "weißen Karen". Die Bezeichnung "weiß" kommt von den weißen Trachten der Frauen. Der Mae Kok führt so wenig Wasser, daß die Boote im Zickzackkurs über den Fluß gesteuert werden müssen, vorbei an Sandbänken und Baumstämmen.

Die Karen halten einige Elefanten zum Reiten bereit, aber das hatten wir ja schon gestern. Ansonsten verkaufen sie Stickereien und für jedes Foto wollen sie 10 B. Nach Rückkehr (45 Minuten) besteigen wir den Sulky einer Fahrradrikscha. Sie bringt uns vom Fluß zurück durch die Innenstadt von Chiang Rai zum Hotel Wiang Inn. Wir haben hier das Zimmer noch bis zum Mittagessen. Während Anne duscht, sehe ich Katharina Witt beim Eiskunstlaufen in Lillehammer im Fernsehen, eine STAR-TV-Übertragung aus Hongkong. Sie macht die Kür ganz prima und freut sich selbst sehr über ihre gute Leistung. Um 12 Uhr wird ein ausgezeichnetes Mittagessen im Hotelrestaurant aufgetischt, ein Buffet. Wir schwelgen in Pralinen und Crème Caramel. So gestärkt, starten wir um 13 Uhr Richtung Mae Salong. Wir steigen auf Pickups um und fahren zu einem Yao-Dorf. Die schwarzen Yao bauen noch viel Opium an. Sie verkaufen ihre Werkzeuge, Messer zum Anritzen des Mohns, Opiumwaagen, usw. an Touristen. Heute finden gerade die Vorbereitungen zu einer Hochzeitsfeier statt. Der Tisch ist bereits gedeckt und das Fleisch wird geschnitten und zubereitet. Das Brautpaar zeigt sich etwas zurückhaltend - verständlich bei den vielen Kameras und Camcordern, die auf sie gerichtet sind. Sie ist 19, er ist 23 Jahre alt.

Über Versicherungen:

Versicherungen sind in Thailand generell wenig beliebt. Man gibt sein Geld lieber für andere Dinge aus. Wer weiß schließlich schon, was morgen ist. Man denkt generell nicht an die Zukunft; man lebt in der Gegenwart. Krankenversicherungen sind nahezu unverkäuflich. Ärzte gibt es kaum. Wenn jemand krank ist, geht er gleich ins Hospital. Die Behandlungen sind sehr preisgünstig. Ein Komplettcheck mit Blut- und Urinuntersuchungen kostet z.B. 800 B. Medikamente sind sehr billig und werden selten in Packungen zu 20 oder 50 Stück, sondern einzeln nach Bedarf verkauft. In der Apotheke kann man beispielsweise 1 oder 3 Aspirintabletten kaufen oder so viele, wie der Arzt für die Therapie vorgesehen hat.

Unfallversicherungen gibt es für Arbeitnehmer, für die Absicherung von Arbeitsunfällen. Autoversicherungen gibt es nur auf freiwilliger Basis. Wenn die Polizei zu einem Unfall gerufen wird, bekommt üblicherweise der Fahrer mit dem größeren Wagen die Schuld zugesprochen und muß zahlen. Normalerweise bleibt die Polizei jedoch außen vor; man einigt sich so, oder der "Schuldige", bzw. der Fahrer des "größeren Wagens" begeht Fahrerflucht, wenn er (noch) kann. Es gibt auch keinen Auflauf von Schaulustigen nach einem Unfall, denn wer in der Nähe steht könnte ansonsten die Schuld zugesprochen bekommen. Daher bleiben selbst die Verletzten oft an Ort und Stelle liegen - mai pen rai. In Thailand nimmt man sogar den Tod nicht so "ernst". Wenn es passiert ist, dann ist es eben passiert und man wünscht dem Verstorbenen eine dem Nirwana näher stehende Wiedergeburt. Rentenversicherungen gibt es auch nicht. Die Rente ist noch so weit weg und bis dahin kann noch so viel passieren, daß es sich nicht lohnt, sich zu versichern. In der Großfamilie hilft man sich so gut man kann. Nur Beamte und Regierungsangestellte sind durch den Staat gut versichert: Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Die Straße führt weiter nach Mae Salong. Von hier aus führt ein staubiger Weg in den Wald. Nach 3,5km kommen wir zu einem Dorf der Akha. Hier gibt es noch keine Verkaufsstände. Die anderen Reiseveranstalter kommen bisher noch nicht hier hin. Nur NUR besucht dieses Dorf.

Die Hütten sind mit Palmblättern gedeckt. Vor einigen Jahren sind die Bewohner dieses Dorfes über die 7km entfernte "grüne Grenze" gekommen. Es gibt viele Bergstämme, die von Burma über die Grenze nach Thailand geflohen sind. Thailand duldet diesen Zuzug, wenn sie keinen Mohn, sondern Obst und Gemüse anbauen. Zum Abschluß lasse ich die Frauen, die mit ihren Kindern auf dem Arm am Dorfrand stehen, auf das Farbbild im Camcorder schauen. Das haben sie wohl noch nicht gesehen, sie lachen und freuen sich.

Wir fahren mit den Pickups zurück nach Mae Salong, eine kleine Ortschaft nördlich von Chiang Rai, nahe der burmesischen Grenze. Die letzten Meter bis zum Hotel gehen wir zu Fuß. Auf der Terrasse unseres Bungalows trinken wir mit A&G noch einen Mekong (Reiswhisky) mit Cola und schauen in die, hinter den 1300m hohen Hügeln, untergehende Sonne. Die Bungalows sind aus Holz mit Strohmatten und Wellblechdach. Es gibt Licht, Dusche und Toilette und sogar ein Telefon. Um 19 Uhr findet das Abendessen auf der Hotelterrasse statt. Buffet mit Spießen und als Besonderheit: Kartoffelsalat. Nach dem Essen werden Tänze der Akha und Lahu vorgeführt. Dort übernachten wir in den Mae Salong Villas, eine Bungalowanlage, die von General Louis, dem Nachfolger des Kuomentang-Generals, erbaut wurde.

Später mischen wir noch beim Karaoke mit. Claudia und Thimmy gewinnen den 1. Preis für die höchste Stimmlage. Gerd singt am meisten, Ferdi singt am tiefsten und am schiefsten. Anne und Annelie stellen den Backgroundchor dar. Gegen 23 Uhr ist die Bar leergesungen. Anne findet nicht so recht den Schlaf in der Villa. Als sie dann doch eingeschlafen ist, werden wir (um 6 Uhr) geweckt. Es klopft an der Tür - das Telefon ist wohl doch mehr Dekoration.

FR 25.2.94 Mae Salong - Mae Sai - Mae Chan (Goldenes Dreieck (Burma/Laos/Thailand)) - Chiang Rai - Chiang Mai {Chiang Inn}.

6 Uhr Wecken, 630 Uhr Frühstück, 715 Uhr Abfahrt. Unterwegs macht sich Anne Vorwürfe, dann geht's ihr besser. Um 830 Uhr erreichen wir die Tankstelle in Fang. Wir wechseln von den Pickups in den bequemen Bus. Wir fahren auf der 110 in die nördlichste Stadt Thailands: Mae Sai. Hier gibt es einen Grenzübergang nach Burma (Myanmar). Burma gilt derzeit als das "Jugoslawien Asiens". Es herrscht eine Militärregierung. 75% der Opiumproduktion der Welt kommt aus Burma.

In Mae Sai sind viele Verkaufsstände mit Souvenirs und Garküchen. Die Thai gehen über die Grenze nach Burma, um etwas billiger einzukaufen. Die Burmesen - man erkennt sie an der Kleidung, denn sie tragen üblicherweise einen Sarong - kommen vielfach zum Betteln und zum Einkaufen von Luxusgütern über die Grenze und sie verkaufen Souvenirs. In Burma ist Rechtsverkehr, in Thailand ist Linksverkehr. Auf der Brücke über den Fluß Mae Sai wird die Fahrspur gewechselt. Als Tourist kann man die Grenze nicht passieren - es sei denn, man unterzieht sich einem erheblichen Papierkrieg. Wir fahren von Mae Sai 27 Kilometer östlich zur Mündung des Flusses Ruak in den Mae Khong (Mekong), dem goldenen Dreieck (Golden Triangle). Im Gegensatz zu Burma sind die Beziehungen zwischen Thailand und Laos problemloser. Die Sprachen sind ähnlich, so daß die Thai, die im Grenzgebiet lebenden Laoten verstehen können. Wenn die Thai nach Laos fahren, z.B. um billig einzukaufen, müssen sie jedoch derzeit noch 100 B Gebühr zahlen. Am goldenen Dreieck kaufen wir 3 T-Shirts, bestickt mit einem goldenen Dreieck, zwei für Anne und eins für Ferdi, gelb. Gegen 1145 Uhr sind wir in Chiang Rai. Mittagessen gibt's im Dusit Island Hotel. Das Essen wird heute am Tisch serviert, u.a. zerschnittene Frühlingsrolle. Das Hotel und die Anlage sehen sehr hübsch aus, aber das beste Essen hatten wir zweifelsfrei im Lanna View Hotel in Chiang Mai, da sind wir uns einig. Um 13 Uhr fahren wir auf der 1 und später auf der 118 weiter nach Chiang Mai.

Anne ist heute etwas unpäßlich. Heute Morgen ist ihr schon im Pickup schlecht geworden, sie friert und sieht blaß aus. Heute Mittag hat sie erst 'mal 'ne Reisetablette eingeworfen und 'ne Kopfschmerztablette dazu. Im Restaurant Cabbage & Condoms machen wir noch einen Zwischenstop. Hier werden nicht nur Speisen und Getränke verkauft, sondern auch Kondome. Sie werden entweder normal verpackt oder als Blumen arrangiert. Statt Pfefferminzbonbons nach dem Essen, kann man sich ein Kondom nehmen, unterschieden nach Größe: Thai-Size und International-Size. Dies ist eine Initiative, den Gebrauch von Kondomen mehr publik zu machen, zunächst als Maßnahme der Familienplanung, heute aber auch wegen Aids. Im Norden Thailands sind nämlich etwa 90% aller Prostituierten mit HIV infiziert. Die Touristen aus Europa machen nur etwa 5% der gesamten Kundschaft der Prostituierten aus, die anderen 95% sind die Thai selbst und Chinesen, vor allem hier im Norden des Landes. Asiaten gelten generell nicht gerade als treue Ehemänner. Wie gut sind da doch unsere europäischen Frauen versorgt. Auf der weiteren Fahrt nach Chiang Mai sehen wir ein Video von NUR über die Höhepunkte der Reise, das für 600 B käuflich zu erwerben ist. Nicht schlecht gemacht, aber Gerd und Ferdi sind sich einig, selbst gutes Rohmaterial mit dem Camcorder eingefangen zu haben. Claudia berichtet uns noch über Interna des Königshauses:

Das Goldene Blatt

Der König von Thailand heißt Bhumibol Adulyadej. Er ist seit 1950 als Rama der IX. auf dem Thron. Er hat in der Schweiz Agrarwirtschaft studiert. Er liebte schnelle Autos. Nach einem schweren Unfall wurde Sirikit als Krankenschwester aus Paris geholt. Sie war die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich und Urenkelin von Rama V. Sie hat Bhumibol gesund gepflegt und sich dabei in den Prinzen verliebt. Nach dem Tod seines Bruders, Rama VIII, kam Bhumibol auf den Thron. Sirikit wurde seine Frau und sie haben 4 Kinder. Bhumibol ist inzwischen 66; sie hat die 60 auch schon hinter sich. Die älteste Tochter ist in den USA mit einem Studienkollegen verheiratet und fiel derweil beim Volk in Ungnade. Das 2. Kind, ein Sohn, hat 2 Kinder mit seiner thailändischen Frau und 4 Kinder mit einer thailändischen Schauspielerin. Das 3. Kind ist die Tochter Siriton. Sie ist die "rechte Hand" des Vaters, hat in Bangkok studiert und ist beim Volk sehr beliebt.

Siriton soll wohl Nachfolgerin Bhumibols werden. Der König ließ vorsorglich die Gesetze ändern, so daß auch Frauen auf den Königsthron können. Das 4. Kind ist Prinzessin Shulapon. Sie ist Ärztin und auch sehr beliebt beim Volk. Bhumibols Mutter ist schon 93, hat ihren Palast bei Mae Salong, ist gerade wegen einer schweren Herzkrankheit in ärztlicher Behandlung, hat sich sehr für die Bergdörfer eingesetzt; sie hat z.B. vor einigen Jahren 5.000 Zahnärzte durch die Dörfer geschickt, um die Zähne der Kinder der Landbevölkerung zu checken.

Über Thailands Wirtschaft:

Thailand hat bei Hua Hin das Größte Ananas-Anbaugebiet (Fa. Dole) der Welt.

Jährlich wird Seide im Wert von 500 Millionen Baht exportiert und etwa genau so viel noch an die Besucher des Landes verkauft.

Erdöl kommt aus dem Golf von Siam. Thailand ist Selbstversorger.

Ein Liter Benzin kostet 8 bis 9 B, also etwa 0,60 DM/l.

Auch eine Art Wirtschaft: Mohn und was damit wird

Zum Thema Mohn, Opium, Heroin: 6.000t reines Heroin kommen jährlich aus dem "Goldenen Dreieck", aus Burma. Khun Sa (59) hält die Fäden in der Hand. Mitte Dezember 93 hat er sich als Präsident des Schanlandes ernannt. Er ist selbst halb Schan, halb Chinese, gibt sich als Held, als Befreier von 67 Völkern Burmas aus, von denen eines Schan heißt. Die "Heroinhauptstadt" Ho Mong, eine Stadt von 10.000 Einwohnern, liegt nahe dem Goldenen Dreieck auf burmesischem Boden am Fluß Salween.

Thailand ist bemüht, offiziell mit Opium- bzw. Heroinproduktion und Handel nichts zu tun haben. Dennoch vermutet man, daß ein großer Teil der Drogen aus dem Goldenen Dreieck über Bangkok in die anderen Länder der Welt umgeschlagen wird und daß viele Thai, bei Behörden, Polizei und Militär davon profitieren. Thailand heißt schließlich: "Land der Freien"! Man sagt, die gesamten Hochhäuser von Bangkok seien aus dem Drogengeschäft finanziert. Khun Sa unterhält sein eigenes Militär, das gut bezahlt wird. Seine eigenen Leute dürfen jedoch kein Rauschgift nehmen, sonst werden sie einer Zwangsentziehung unterzogen. Falls sie nochmals rückfällig werden, werden sie erschossen. Bei Chiang Mai besichtigen wir eine Schirmfabrik. Aus der Rinde des Maulbeerbaumes wird Papier gemacht. Aus Bambus werden Stäbchen angefertigt und mit Fäden verknüpft. Das Gestell wird bespannt und bemalt. Anne würde am liebsten den größten Schirm mit nach Hause nehmen. Ferdi kauft aber nur einen Knirps für 40 B als Souvenir.

Dann fahren wir zurück zum Hotel Chiang Inn. Für Busfahrer, Busboy und Thimmy wurde das Trinkgeld (ca. 100 B pro Person) schon zuvor gesammelt. Annelie übergibt dann in der Hotelhalle noch das Trinkgeld für Claudia, nachdem der eine oder andere noch Geld an der Rezeption getauscht hat. Bei der Übergabe stellt sich heraus, daß Claudia morgen für die Südthailand-Tour eingeteilt ist. Wir könnten es wirklich schlechter treffen. Keine Rundreise, die ich bisher mitgemacht habe, war so gut organisiert; bei keiner gab es so wenig lästige Wartezeiten auf die Zimmer, auf das Gepäck, auf Mitreisende, auf den Bus oder den Busfahrer und auf das Essen. Claudias Informationen waren ruhig vorgetragen, ausführlich und zur rechten Zeit herübergebracht. Sie war immer erreichbar, um die eine oder andere Frage zu beantworten. Sie übersetzte die Erklärungen in den Fabriken, aber sie ließ einem auch immer die Möglichkeit, alles selbst zu erkunden, nicht wie sonst oft Reiseleiter sind, mit Schirm oder Fähnchen vor der Gruppe herlaufend. Gewiß, Claudia machte ihren Part, Thimmy managte die Hotels, den Bus, die Marktbesuche, das sollte man nicht übersehen. Gemeinsam waren sie ein starkes Team, dafür ein großes Lob!

Im Hotel Chiang Inn tausche ich noch 100 US$=2.490 B. Wir packen die Koffer um und duschen erst einmal. Bei Annelie ist heute der Wurm drin. Gegen 1915 Uhr ruft Gerd an und ersucht um Terminverschiebung um ½ Stunde für den Gang zum Dinner. Mai pen rai. Um kurz vor 8 Uhr kommt Annelie dann selbst und berichtet von ihrem bockigen Föhn, dem es zu heiß geworden ist und von dem Wassersturz aus der Dusche beim Reinigen der Wanne (warum eigentlich?) nach dem Föhnen. Ein Wassersturz aus der Dusche muß Annelies Haupthaar erneut durchtränkt, vielleicht auch nur angenäßt, haben. Nach solchem Unbill gehen wir (durch die Peripherie von Chiang Mai) in ein Restaurant, das Steaks anbietet. Zuvor besuchen wir jedoch noch das Mädchen, das Fächer malt. Wir haben nämlich ein persönlich gewidmetes Geschenk in Auftrag zu geben: Ein Fächer aus Chiang Mai mit Widmung von Annelie & Gerd und Anne & Ferdi.

Auf der Hauptstraße mit den vielen Ständen ist heute besonderer Trubel. Nach dem Dinner latscht Anne über die Straße statt über den Gehweg und geht gleich ins Hotel und dann ins Bett. Mit A&G warten wir auf das Eintreffen von klein Anne in der Lobby. Plötzlich fällt mir auf, daß ich mir den falschen Schlüssel von der Rezeption geholt habe, nämlich den, von vor 3 Tagen, 701 statt 722. Oben eingetroffen, thront Anne bereits im Nachtgewand auf dem Bett.

In der Hotellobby gibt es heute keine alkoholischen Getränke, weil heute ein buddhistischer Feiertag ist, aber auf 722 wartet noch ein Veterano.

Anne ruft (001-49-Vorwahl-#, für 210 B) noch vom Zimmer aus bei Anke & Johannes an und erreicht - Helma. Es ist kalt in Deutschland, es hat geschneit, teilweise Eisregen.

SA 26.02.94 Chiang Mai - Bangkok - Phuket - Phang Nga {Phang Nga Bay Resort}.

Wecken 630 Uhr, Frühstück 7 Uhr, Abfahrt 8 Uhr zum Flughafen - pünktlich, wie immer. Mit einem Airbus A300 fliegen wir in 1h05' von Chiang Mai nach Bangkok (TG101). Im Flugzeug wird ein gefülltes Blätterteigteilchen serviert, gefüllt mit Hähnchenteilen. In Bangkok (BKK) ist es stark bewölkt. Unser Weiterflug nach Phuket (HKT) ist TG213 um 1401 Uhr.

Anne grantelt, denn sie kann ja nicht warten. Annelie lernt Reiseführer, Gerd sitzt und Ferdi schreibt Tagebuch. Thailands Flughäfen sind absolut in Ordnung. Die Wartehallen sind geräumig und klimatisiert. So sitzen wir in unseren eierschalbeigefarbigen Schalensitzen und warten. Zum allgemeinen Zeitvertreib rezitiert Ferdi aus den frühen Seiten dieses Tagebuchs. Nach einer halben Stunde sind die Sitze um Ferdi leergelesen. Nur eine Familie aus Hamburg erträgt geduldig das Tagebuch und Annelies Blödeleien. Sie telefoniert mit ihrem Wecker und benutzt ernsthaft ihre Haarbürste als Walkie-Talkie, genau wie das Sicherheitspersonal auf Flughafen von Bangkok. Gerd und der junge Mann der Hamburger Familie haben schon ein Karaoke-Duell (oder Duett (?)) gemeistert. Der junge Mann reist übrigens mit seiner netten Freundin mit dem lockigen Wuschelkopf und seinem Bandwurm; er ißt ständig - für sich und ihn - und er ist dabei noch gertenschlank.

Gerd & Annelie erzählen Anekdote Nummer 734, wie sie 'mal Mumm-Sekt für den ganzen Flieger geordert haben - auch per Walkie-Talkie-Plagiat. Gerd schiebt gleich noch Anekdote Nummer 735 - sie spielt in der Türkei - nach. Wir kennen sie ja schon, haben aber trotzdem noch unseren Spaß dabei: Sanuk Sanuk. Dann folgt noch #736, der Auberginensack. Gerd läuft zur Höchstform auf: #737, der angeleinte Hammel des Bauern Apoll, der auf ihn los geht und aus der Luft mit (an)gebrochenem Genick abstürzt.

Wir frösteln leicht, vor allem die Mädels, denn die Wartehalle ist stark klimatisiert. Bei A&G sind die letzten Tage oftmals durch Kölner Dialekt geprägt, von "dat Roswitha", eine Mitreisende (weiches s, nicht ß!) der Nordthailandtour, deren Reisegefährtin Christa ständig mit dickem Gesäß (auch kein richtig scharfes "s"!) im Weg stand. Im Lahu-Dorf war sie über das Besengras gelatscht, in der Lahu-Schule in die Klassenzimmer gerollt - und sie hat die Kinder vom Lernen abgehalten und bei den Yao paßten ihre ausladenden Hüften nicht zwischen die Lehnen des Bambusrohrstuhles. Mai pen rai.

In der Wartehalle treffen wir Claudia, die mit einem Flieger vor uns nach Phuket geht, um uns dann dort gebührend empfangen zu können. Wir müssen noch ein Stündchen weiter frieren, auskühlen für die bevorstehenden heißen Tage in Thailands Süden.

Um 1330 Uhr gehen wir an Bord eines Airbus A300 der "Thai" (TG213), Abflug 1401 Uhr. Kaum sitze ich an Bord, zerreißt mein Hemd oberhalb der linken Brusttasche. Anne verpflichtet mich, ab sofort einen Pullover zu tragen. Gegen 1515 Uhr landen wir auf Phuket. Auf der linken Seite haben wir im Landeanflug einen schönen Blick auf vorgelagerten Inseln der Bucht von Phang Nga. Dann erscheint der Flughafen von Phuket.

Mit frischen 10.000 B auf VISA beginnt die 2. Rundreise. Um 16 Uhr sind wir unterwegs auf unserer 650km Südthailand-Rundreise. Reiseleiterin Claudia wird diesmal von der Thai Kan (26), Fahrer Maitree und Busboy Mit unterstützt. Wir fahren nach Phang Nga (65km vom internationalen Flughafen von Phuket entfernt). Hier wirkt alles viel grüner als im Norden. Überall Palmen, das gefällt uns. Phuket wurde ursprünglich vom Stamm der Mon bewohnt. Früher wurde in Zinnminen Erz abgebaut und dann exportiert. Nach starkem Preisverfall bei Zinn (Sn) wurden zahlreiche Minen geschlossen. Heute ernährt man sich überwiegend von Touristen. Kautschukplantagen wurden hier auch angelegt. Im Dezember '93 war ganz Phuket überschwemmt. Man konnte kaum die Straßen passieren. Die Shrimps-Farmen wurden überspült, so daß die Tiere teilweise auf der Straße herumschwammen.

Dinner ist um 19 Uhr auf der hölzernen Hotelterrasse am "Fjord", ein Meeresarm, dessen Ufer mit Mangroven bewachsen ist, der auf den ersten Blick einem Fluß ähnlich sieht.

SO 27.2.94 Phang Nga - Krabi {Krabi Resort}

Wecken 715 Uhr, Frühstück 745 Uhr, Abfahrt 830 Uhr. Wunderschönes Morgenrot und ein güldener Sonnenaufgang über den Felsen von Phang Nga verzaubern den Sonntag. Die Felsen sind ehemalige Korallenriffe, die nach Absenkung des Meeresspiegels und Verwerfungen des Meeresbodens stehengeblieben sind. Durch Mangrovensümpfe und Palmenplantagen (Kokos-, Nippan- und Ölpalmen) fahren wir durch eine bizarre Landschaft mit steil aufragenden Kalkfelsen. Zwischen den Felsen sieht man Felder, Kautschukplantagen und Shrimpszuchtbecken. Wir fahren zum Nationalpark Than Bok Korani. Er ist sehr übersichtlich, ein Dschungel zum Vorzeigen mit einigen typischen Bäumen, wie Brettwurzelbäumen, die ursprünglich hier sehr zahlreich standen.

Hier im Süden des Landes wird beim Autofahren ein schärferes Tempo vorgelegt. In der Bevölkerung gibt es viele Moslems, da fährt Allah (mit). Führerscheine gibt es höchstens für Bus- und Taxifahrer, ansonsten zahlt man 1.500 B für eine Fahrerlaubnis.

Dünne hohe Palmen heißen Arekapalmen; sie sind die Träger der Betelnuß. Dann fahren wir zum Muschelfriedhof Susarn Hoi, der 75 Millionen Jahre alt ist. Hier war einst ein Sumpfgebiet, in dem nach Absinken des Meeresspiegels die Muscheln und Schnecken vertrocknet und versteinert sind. Die Platten sehen aus wie Beton oder Marmor mit Muscheleinschlüssen. Dann fahren wir zum Hotel Krabi Bay Resort an der Ao Nang Bucht. Mittags essen wir am Strand in Fredy's Restaurant: 4 Portionen Spaghetti mit Beef, Chicken und Seafood und 4 Sodawasser für 210 B. Nachmittags fahren wir mit Longtailbooten an der Küste entlang zur Insel Poda. Die Landschaft ist großartig. Am Land Palmen, ein weißer Sandstrand, grünes Meer auf der linken Seite des Bootes, steile Felsen mit Überhängen, mit Höhlen, baumbewachsen, der Kalkstein in braun bis grau, an manchen Stellen weiß. Bei den Felsen ankern einige Segelboote. Dahinter tief dunkelblaues Wasser und noch weitere Felseninseln. So kurven wir durch die Inselwelt der Ao Nang. Dann nehmen wir Kurs auf die Insel Poda. Die Fahrt mit den Longtailbooten dauert ½ Stunde. Auf Poda spazieren wir an der Ostseite der Insel am Strand entlang. An der Südostspitze gibt es ein kleines Lokal. Wir trinken eine Cola. Von hier hat man einen schönen Blick auf Ko Hua Kwan, dem Chicken Island. Wir gehen am Strand zurück und nehmen noch ein Bad in dem angenehm temperierten, blaugrün leuchtenden Wasser der Ao Nang Bucht.

Um 1545 Uhr fahren die Boote zurück. Obwohl es nicht besonders windig und wellig ist, reicht der Seegang aber aus, unser Boot tief in die Wellen tauchen zu lassen. Die hochspritzende Gischt wird vom Wind ins Boot gedrückt. Schon nach wenigen Minuten sind die auf der rechten Seite sitzenden Passagiere klitschnaß. Die links sitzenden bleiben auch nicht verschont. Wir baden danach im Swimmingpool (des Krabi Resort) und tarieren unser Körpergewicht auf einer glasfaserverstärkten Liege aus. Anne beherrscht diese Nummer mit besonderer Grazie nur durch leichte Bewegung ihres linken Beines. Beim Dinner um 19 Uhr sitzen alle an einer langen Tafel. Ein Holzkohlefeuer in einem Aluminiumtopf wird auf den Tisch gestellt. Auf der Metallhalbkugel darüber werden Rindfleischstreifen ausgebreitet und gegrillt. Zum Ende des Essens und der zwei Bier läuft Annelie zur Höchstform auf und der ganze Tisch biegt sich vor Lachen über diverse Dialekte, die aus ihr heraussprudeln.

In Fredy's Lokal setzen wir uns ans Meer und genießen die laue Februarnacht.

Wir übernachten im Krabi Beach Resort (Bungalow C3). Eine sehr schöne Bungalowanlage mit geräumigen Hütten unter Palmen. Jede Hütte hat äußerlich eine Palmstrohmattenverkleidung. Innen gibt es jedoch ein stabiles Mauerwerk. Es ist ein geräumiges Zimmer mit AC, TV, DD-Phones, Bad mit großer Wanne, großer Frisierkommode mit Spiegel und Steckdose für den Föhn - kurzum ein Hotel zum Wohl fühlen. Es gibt einen großen Swimmingpool mit Liegen und Schirmen. Der Strand ist bei Flut schmal, aber sauber.

MO 28.2.94 Krabi - Tung Son - Nakorn Si Thamarat {Hotel Thai}.

Wecken 645 Uhr, Frühstück 715 Uhr, Abfahrt 8 Uhr in Tempelkleidung. Den ersten Stop machen wir an einer Schule um kurz nach 8. Dann besuchen wir den Markt von Krabi. Kan erklärt alle Gemüse- und Obstsorten und läßt jeden 'mal probieren: Yak-Frucht, Kokosraspeln, gebratene Bananen usw.

Der nächste Stop ist beim Kloster Wat Thumsua Vippasana, im Dschungel. Die Kutti, die kleinen Häuschen, in denen die Mönche schlafen, stehen unter Höhlen der Kalkfelsen. Über eine Treppe mit 134 Stufen steigen wir über die Felsen "in den Dschungel". Eine andere Treppe hat sogar 1.000 Stufen. Im Dschungel stehen noch einige Brettwurzelbäume, die etwa 1.000 Jahre alt sind. Das Dschungelkloster Wat Thumsua Vippasana ist modern eingerichtet, mit Licht, Kühlschrank von Toshiba, Waschmaschine.

Dann durchqueren wir Südthailand. Coast to coast in 3 Stunden. Unterwegs gibt es Mittagessen in Kans Heimatstadt Thung Song, in einer Garage. Kan macht unterwegs die Thai-Schule. Wir sind sehr gelehrig und haben viel Spaß dabei, Sanuk, Sanuk. Dann halten wir an einem Reisfeld an. Annelies Reisspruch zum Montag:

Ein Thai wollte Reis pflücken

und mußte sich ganz tief bücken,

dann kamen die Touristen, potz daus,

da nahm der Thai Reis aus.

Anne erzählt die Bali-Anekdote unter dem Titel: "Wie ein Dortmunder ins Reisfeld fällt". Sanuk, Sanuk. Nakorn Si Thamarat hat die höchste Kriminalität ganz Thailands: 440 Morde pro Jahr. In dieser Stadt besichtigen wir den Tempel Wat Mahatat mit dem zweitgrößten Chedi Thailands, dem die Entrüstung fehlt. Im Innenhof der Tempelanlage stehen viele kleine Chedis und eine große, mit Blattgold beklebte Buddhastatue befindet sich im Inneren des Tempelgebäudes. Dann schauen wir uns fakultativ für 40 B ein Schattenspiel an. Die Figuren fertigt der Meister selbst aus Büffelleder an.

Wir übernachten im Hotel Thai, mitten in der Stadt. Nach dem Duschen gehen wir um 18 Uhr Shopping. Anne ist mit zwei kurzen Hosen für je 120 B dabei, Gerd findet ein Shirt für 230 B, Annelie 2 Hosen und ein Shirt und Ferdi 4 Batterien für das Blitzlicht für 64 B. Übrigens hat Annelies Fotoapparat heute Nachmittag seinen Dienst eingestellt.

Wir essen im Hotelrestaurant bei laufendem TV-Gerät. Dazu spielt noch eine Band.

DI 1.3.94 Nakorn Si Thamarat - Don Sak - Ko Samui {Farn Bay Resort}.

Wecken 515 Uhr, Frühstück 545 Uhr, Abfahrt 630 Uhr. Von Nakorn Si Thamarat fahren wir nach Norden. Kurzer Stop in einem Fischerdorf. Dann fahren wir weiter nach Don Sak. Unterwegs halten wir an einer Kaffeeplantage. Die Früchte des Kaffeebaumes, die wie Kirschen aussehen, haben Kerne mit 2 Hälften, den "Kaffeebohnen". Sie sind hier zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet. Ein Kilogramm Kaffeebohnen kostet 30 B. In einem Fischerdorf betritt Gerd ein anhängliches Häuflein, was Annelie zu dem geflügelten Wort anregt:

Es gab einen, der mit dem Wolf tanzte,

und es gab einen,

der in die Scheiße trat,

und das war Gerd.

Um 915 Uhr gehen wir an Bord der Samui-Fähre. Es ist wenig Betrieb am Anleger von Don Sak. Familie Wahlers ist heute neu eingekleidet. Annelie vermißt nur ihre Schulterpölsterken (das k kommt noch aus dem Kölner Slang von dat Roswitha), obwohl Schulterpolster inzwischen Mega-out sind. Anne trägt ihr neues, rotes Höschen. Um 10 Uhr legt die Fähre ab. Unsere Süd-Thailand-Reisegruppe besteht aus 19 Leuten. Wir tragen zur Senkung des Durchschnittsalters bei. Diesmal haben wir viele Mitreisende aus Hessen und Umgebung dabei.

Der Golf von Siam hat eine blaugrüne Färbung, eine Trübung, eine Milchung. Der Himmel ist leicht bewölkt und der Schatten der Wolken hinterläßt große, dunkle Flecken auf dem Wasser. Der Wind ist angenehm temperiert, aber flatterig. Wir bleiben unter Deck am Heck. Zu zugig war's am Bug. Außerdem ist Stahl immer noch der Sunblocker mit dem höchsten Lichtschutzfaktor. Auch hier sieht man noch einige Felseninseln aus dem Chinesischen Meer ragen. Die Fähre ist einigermaßen

heruntergekommen. Die Halterungen für Rettungsringe sind verwaist; vielleicht soll bei einer Havarie niemand überleben, der den Kapitän nachher zur Rede stellen könnte - sonst könnte er sein Gesicht verlieren. Claudia berichtet uns von einem Totalausfall des Schiffsdiesels vor einigen Monaten. Die Fähre trieb eine Stunde lang manövrierunfähig vor dem Hafen von Don Sak auf die Felsen zu. Gerade noch vor einer Kollision mit den Felsen kam der Diesel dann doch wieder in Gang. An Bord des Schiffes kann man nur mit Gutscheinen zahlen, mit denen man sich zuvor an Land eindecken muß. Vielleicht fürchtet man Piratenüberfälle auf hoher See. So kann man wenigstens verhindern, daß die Schiffskasse geklaut wird. Annelie hat Hunger und sie entbehrt ihre Schulterpölsterchen. Nach 90 Minuten erreichen wir Ko Samui, mit 230km² die drittgrößte Insel Thailands. Zunächst fahren wir in die Hauptstadt Nathon. Bis 1345 Uhr essen wir im Pier Restaurant. Die Mädels teilen sich einen Seafood-Basket mit Lobster, Krabben, Shrimps, gebackenem Reis mit Ei und einem toten Fisch - alles für 400 B. Dazu trinken sie den Saft einer Kokosnuß aus der Nuß. Für 4 Essen und Getränke zahlen wir 650 B, ganz prima. Nur der Seafood-Basket läßt bis 1330 Uhr auf sich warten und um 1345 Uhr fährt unser Bus um die Insel. Die Mädchen können zwar nicht mehr gemütlich essen, aber es war gewiß der beste Seafood-Basket, der den Mädchen in Thailand serviert wurde.

Wir umfahren die Insel gegen den Uhrzeigersinn. Zunächst halten wir beim Wasserfall Nam Nang (Na Mang). Dann folgt ein Kloster, das einen mumifizierten Mönch in einem Glaskasten aufbewahrt. Hier werden wieder Horoskope gezogen und vorgelesen. Dann kommen wir zum Opa & Oma Felsen. Der Opa-Felsen gleicht einem überdimensionalen Penis, der Oma-Felsen gleicht dem primären weiblichen Geschlechtsorgan. Bei näherer Betrachtung wird Anne von einer hohen Welle überrascht und bis zu den Knien naß. Mai pen rai, das trocknet hier schnell wieder. Dann halten wir noch an einer Kokosnußfarm. Endlich ist es so weit: Anne genießt die knackige Frische einer Kokosnuß. Entlang der wunderschönen Strände der Ostküste kommen wir zur Nordostseite der Insel. Auf einer Landzunge liegt ein Tempel mit 10m hoher, goldener Buddhastatue. Die Tempelanlage ist teilweise noch im Bau, man hämmert und zimmert. Die sich anschließende Bucht wurde nach dieser Tempelanlage Buddha Beach benannt. Hier liegt unser Hotel für zwei Nächte: Farn Bay Resort.

MI 2.3.94 Ko Samui {Farn Bay Resort}.

Wir wohnen in Bungalow 103 direkt am Strand. Wahlers wohnen nebenan, in 104. Buddha-Bucht liegt auf der ruhigen Seite der Insel, im Nordosten. Das Meer ist glatt, der Strand sauber, einige Fischerboote ankern in dieser Bucht. Die Verkäufer für T-Shirts sind an einer Hand abzuzählen und zwei Frauen bieten eine Stunde Massaaaage für 100 B an. Wir frühstücken und relaxen am Pool auf einer Liege unter Palmen. Wunderschön, unser erster ganzer Tag am Meer. Palmen gibt es hier genug auf Ko Samui. Nach 1½ Wochen (gestern war Halbzeit) tut so ein Tag am Meer sehr gut. Die Palmen wiegen sich in der leichten Brise, Wolken ziehen darüber hinweg, von Süden nach Norden. Auf den roten Dächern der Bungalows wuchert das violett der Bougainvillea. Käme nicht hin und wieder etwas Straßenlärm und jede Stunde eine Propellermaschine der Bangkok Airways, man möchte meinen, es wäre hier ein kleines Paradies, dieses Hotel Farn Bay Resort auf Ko Samui. Hätten wir nicht 1½ Tage, sondern mehr Zeit, könnten wir sicher noch idyllischere Strände auf der Insel finden, als dieser Buddha Beach. Aber heute wollen wir ruhen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nehmen oder gar ein Moped mieten. Es reicht uns heute zu ruhen - oder vielleicht noch später 1.000 Schritte zu tun, am Strand, mal sehen. Ferdi schreibt heute 9 Ansichtskarten, die alle die Zensur der Regierung passieren. Gerd und die Mädchen spazieren am Strand. Ferdi schwimmt selbst, vorbei an mehreren Hotels bis zum Anleger für die Passagierboote der Inselrundfahrt. Dann läuft er am Strand zurück.

So verbringen wir einen wunderschönen Tag am Pool und am Meer. Mittags essen wir im Hotelrestaurant. Ferdi bekommt einen Hawaii-Toast, Gerd Hamburger mit French Fries (Pommes Frites) und die beiden Mädchen nehmen Fisch mit viel Knoblauch (garlic). Das Essen und das Bier machen schön schläfrig. Später, um 16 Uhr übt Anne ihre Kür, den Handstand im Swimmingpool, eine ganz seltene Nummer. Beim Lunch fertigen wir eine Gemeinschaftskarte für Axel und Lieschen mit Grüßen für Franzl Küke - falls sie ihn 'mal beim Schneeschieben treffen. Um 1615 Uhr haben wir hier den ersten Regen. Nach einer viertel Stunde ist aber schon alles wieder trocken. Um 17 Uhr besuchen wir nochmals die Shops beim goldenen Buddha. Nach einer Besichtigung aller geöffneten Läden, schlägt Anne dann im ersten Laden zu: 1 T-Shirt, "Ko Samui", für 150 B. Da handelt man sich sonst die Seele aus dem Leibe und hier bezahlt sie gleich den geforderten Preis. Na ja, auch egal. Als wir den Handelsplatz schon verlassen haben, nölt Annelie plötzlich 'rum, sie will auch noch ein Ko Samui-Shirt - kriegt sie, für 150 B - heute ist good luck for business für das Mädchen im ersten Laden. An der Hotelbar lassen wir uns zur Happy Hour noch Drinks mixen: einen Sea Breeze für Gerd, einen Whisky Sour für Ferdi und 2 Pinacolda for the Girls. Nach dem Dinner gibt es Thai-Tanz; gestern gab es kei' Tanz. Das Hotel wird stellvertretend von Österreichern geführt - der 1. Chef ist aber Thai. Zurück zum Thai-Tanz: Mutter und Tochter sind verkleidet und stehen jeweils auf einem Bein. Zum Schluß tritt "Vatter" noch als Jäger verkleidet auf, mit roter Gesichtsmaske. Karneval ist ja noch nicht so lange her. Dazu spielen drei alte Männer einigermaßen monoton.

Um 21 Uhr werden die Koffer in den Bus verladen. Der Bus soll die Frühfähre nehmen, damit er auch rechtzeitig aufs Festland kommt.

DO. 3.3.94 Ko Samui - Don Sak - Surat Thani {Wang Tai Hotel}.

730 Uhr Wecken, 8 Uhr Frühstück, 845 Uhr Abfahrt. Annelie erkundigt sich bei Claudia, ob es denn gestern noch nett war mit David Hasselhof, und schon hat sie wieder die Lacher auf ihrer Seite. Heute morgen arbeitet das Hotelpersonal wieder im 3-er Team mit dem Wunsch: "Check Minibar". Ganz klar ist nicht, warum. Vielleicht um die Diebstahlrate zu reduzieren, denn bei drei Leuten wächst das Risiko, daß einer die anderen verpfeift. Vielleicht, weil dann die Arbeit mehr Spaß macht, wenn man sie nicht allein bewältigen muß. Vielleicht aber nur, weil jemand neu angelernt wird.

Mit Minibussen (Nissan Urvan) fahren wir in 40 Minuten vom Buddha Beach über Nathon zum Fähranleger. Heute ist die Konsistenz unseres Stuhls weicher. Ein Mitreisender, Anne nennt ihn H. Röhl, wegen seiner weißen, kurzen Haare, hat inzwischen ein aschfahles Gesicht. Seine Frau wischt ihm liebevoll die Schweißperlen von der Stirn. Auf der Fahrt zum Fähranleger gibt es wieder ein paar Regentropfen. Um 1005 Uhr legt die Fähre ab.

Wer ist denn diesmal alles in unserer Reisegruppe?

Da ist das unverheiratete Paar aus Remscheid und Gummersbach; nennen wir sie die Bergischen. Er mit armlosen Shirt, blond; er war schon oft in Thailand, denn Fernreisen sind sein Hobby. Seit ein paar Tagen trägt er einen Sonnenbrillenaufsatz, der oft nach vorn geklappt ist. Fritz Muliar nennt ihn deshalb die "Biene Maja". Sie sieht älter aus, ist kompakt, hat blonde kurze Haare mit rasiertem Nacken.

Dann gibt es Lieschen. Wir nennen sie so, weil sie von hinten wie Lieschen Kochsiek aussieht, nur nicht so grazil. Sie ist ganz nett, fotografiert mit einer Olympus 101 und trägt seit vorgestern eine bestickte Kappe, wie Reiseleiterin Kan.

Lieschens Mann ist das Ekelpaket an sich. Er sieht zumindest immer nörgelig aus.

Fritz Muliar und seine Frau kommen aus "Hässä", aus Hanau. Er ist Rentner. Er hat früher häufig im Ausland gearbeitet. Er war bei Lurgi. Er hat den größten Wortschatz in Thai. Er hat Probleme mit den Knien. Sie hat ihrer Dauerwelle ein Mittelbraun gegeben und wirkt sehr zufrieden. Die beiden haben sich mit den "Bergischen" etwas angefreundet.

Dann unsere Youngsters aus Hirschhorn am Neckar, bei Heidelberg. Über ihn kann ich nicht viel sagen. Gerd hält ihn für einen Berufssoldaten. Sie hat die Haare glatt, mittellang, mittelblond, heute geduttet; sie wirkt wie Baldrian.

Dann sind da noch die 2 aus Wiesbaden, die wir von der Nord-Thailandreise kennen. Er könnte gut Bänker sein. Sie hat ein zierliches Gesicht mit Brille, um die sich ihr mittelbraunroter Pony schmiegt.

Nun zu unseren drei Einzelreisenden:

Josef ist 74 und noch ziemlich rüstig. Er konnte sich eigenarmig aus dem Swimmingpool stemmen. Er hat auf der Tour zum River Kwai einen Schneidezahn verloren. Er hat den ältesten Hitachi-Camcorder, den es gibt. Der Akku hat die Größe von mehreren aufeinander liegenden Zigarettenschachteln. Er muß ständig Strom sparen. Gestern habe ich ihn im Pool gefilmt; heute durfte Gerd sein Warten auf die Fähre filmen. Zu Hause hat er seine Pudeldame Lady, mit der er die Last hat, sie bei Wind und Wetter ausführen zu müssen, was ihm schon manche Erkältung eingebracht hat. Er soll bereits 15 mal in Kenia gewesen sein. Er ist Bayer, er kommt aus Augsburg.

Dann haben wir einen Schluffen aus dem Westerwald dabei. Sein Kopf ist glutrot, von der Sonne, auch zwischen dem lichteren Haar sieht alles rot aus.

Dann gibt es da noch den schielenden Berliner mit Brille und Orchideen, so Mitte 50 schätze ich ihn. Ich saß neulich im Garagenrestaurant in Thung Song neben ihm. Auf ihn kann man sich verlassen, wenn es darum geht, alle Teller eines Buffets zu leeren.

Von H. Röhl hatte ich schon berichtet. Bei ihm setzt sich ein weißer 14-Tage-Bart über den ganzen Kopf bis zum Nacken fort. Seine Frau hat ihrer Dauerwelle tiefdunkelbraun gegeben, mit dem typischen Rotstich der Tönung bei näherem Hinsehen. Sie hat einen herben Ostblockakzent, russisch oder tschechisch.

So schippern wir gerade durch das milchiggrüne chinesische Meer, dessen Ableger hier Golf von Siam oder Golf von Thailand heißt. Natürlich sollte ich uns nicht vergessen:

Annelie macht den Clown, wie immer. In jeder Gruppe von Menschen, die irgendwie zusammengewürfelt wird, gibt es einen Clown. Wenn Annelie in der Gruppe ist, steht ihr diese Rolle zu, das ist ja wohl klar. Gerade jetzt läßt sie sich von einer einheimischen Band als Groupie mit den Bandmitgliedern fotografieren. Annelie hat immer die schärfsten Sprüche und die zotigsten Bemerkungen drauf, und wenn das alles nicht hilft, dann macht sie die "türkische Bettlerin" oder "die aus Bethel

entsprungene Irre" oder sie fragt. Sie hinterfragt einfach alles und Gerd muß geduldig antworten.

Gerd weiß auf jede Frage eine Antwort. Er ist der kühle, elegante Manager, der jede Sportart mit Ehrgeiz betreibt. Er ist tough, er weiß, wie gut er ist und er kann es nicht verheimlichen, dies den Unterlegenen mitzuteilen. Für die 3. Urlaubswoche hat er bereits mit Anne ein Tennisturnier geplant, bei dem Anne den zweiten Platz belegen soll, oder umgekehrt?

Anne kann nach wie vor schlecht warten, eigentlich kann sie gar nicht warten. Sie ist auch in dieser Gruppe mit Abstand die hübscheste 40-jährige.

Ferdi ist der ruhige Beobachter. Er führt Tagebuch und wenn einmal Langeweile aufkommt, liest er daraus vor. Trivialliteratur. Ferdi liest ja keine Bücher, deshalb schreibt er. Neben vielen Blicken auf seine hübsche Anne, fallen auch einige auf...

... die hübsche Claudia, die Reiseleiterin, die Gerd an eine Mitarbeiterin aus seiner Firma erinnert, die ein ziemliches Tränentier ist. Nun gut, Claudia kann mit Annelies Temperament, mit Gerds Rhetorik, mit Annes Souveränität durch Lebenserfahrung und Größe und mit Ferdis stillen Humor nicht mithalten, aber sonst macht sie ihren Job gut.

Über Ferdis stillen Humor, z.B. das stille, nein, "stumme e" in Kitzbühel, schmunzeln wir heute noch gern, obwohl es schon ein Jahr alt ist, das "e". Übrigens in Müesli gibt es das selbe stumme "e". Wer's nicht glauben kann, der kaufe dieses trockene Zeugs 'mal im Aldi und lese die Packungsaufschrift sorgfältig: Müesli.

Aber wir waren ja bei Claudia. Gewiß, etwas Pep und Witz würden ihr gut tun, aber mit ihrem Aussehen und Lächeln kommt sie auch so klar auf der Welt.

Mit ist ein Vorname; so heißt unser Busboy. Er lächelt immer. Er kann einige Worte auf deutsch. Er freut sich immer, wenn er merkt, daß man ihn verstanden hat. Er bringt kühle Getränke für 10 B herum und reicht beim Einsteigen Erfrischungstücher. Wenn wir uns 'was ansehen, putzt er den Bus. Nicht nur von innen, auch von außen die Scheiben und vor allem die verchromten Radmuttern vor den schwarzen Reifen und Felgen sind sein ganzer Stolz.

Über den Busfahrer kann ich gar nichts sagen. Das ist eindeutig positiv zu bewerten, denn das heißt, daß er bisher sehr gut fährt. Sein Bus ist ein Nissan. Er ist völlig untermotorisiert. Bei jeder Steigung ist zunächst der 1. Gang einzulegen.

Kan, unsere Thai-Reiseleiterin, schreitet gern mit abgespreizten Fingern umher. Zu ihr paßt die bestickte Kappe aus dem Souvenirshop am Buddha-Beach am besten. Sie spricht etwas deutsch. Sie hat beinahe eine europäisierte Lebenseinstellung.

So schippern wir alle durch das milchig grünblaue chinesische Meer zwischen Ko Samui und Don Sak. Am Anleger wartet Mit und der Bus. Wir legen unser Gepäck 'rein und kaufen uns ein paar süße Sachen zum Lunch. Anne ist etwas unglücklich, weil in ihrem ersten Rosinenbrötchen 0 Rosinen sind. Beim 2. Brötchen sieht's dann aber besser aus und die Welt ist wieder in Ordnung. Um 12 Uhr fahren wir weiter nach Surat Thani.

Thailand ist der größte Exporteur für Shrimps in Südostasien. 4 Monate bleiben die Tiere in den Becken, bis sie ausgewachsen sind. 1kg Shrimps kostet 200 B. In den Becken ist Salzwasser, das mit CaO und MgO angereichert wird und durch Wasserrührwerke mit Sauerstoff versorgt wird.

Als nächstes steht ein chinesisches Fischerdorf auf dem Programm. Shrimps werden hier getrocknet, Muscheln gewaschen und es gibt einen großen, bunten, chinesischen Tempel. Danach besuchen wir ein Affentrainingscamp. Affen und Trainer üben miteinander, Kokosnüsse von den Palmen zu holen. Bei guter Behandlung und nach monatelangen Training holt der Affe die Kokosnüsse sogar aus einem Teich oder hebt die Nüsse vom Boden und wirft sie dem Trainer zu.

In Surat Thani (Thani=Stadt), einer Stadt von 40.000 Einwohnern, besteigen wir Longtailboote. Wir fahren durch die Klongs (Kanäle) zum Hotel Wang Tai. Die Fahrt geht über kleine Kanäle, gesäumt von Palmen. Die Häuser stehen auf Pfählen im Wasser. Die Bewohner winken uns zu. Die Kinder werden mit Booten von der Schule nach Hause gefahren. Der gesamte Verkehr erfolgt - wie im ganzen Land - mit Longtailbooten, die am Heck den Motor haben, mit einer langen Welle und daran die Schiffsschraube. Die Reiseführer hatten uns Surat Thani als uninteressante Stadt angekündigt, gerade gut genug, um sich nach einem Besuch von Ko Samui oder einer anderen Insel mit vielen Stränden und landschaftlichen Naturschönheiten mal wieder Stadtleben um die Nase wehen zu lassen und in Kaufhäusern einkaufen zu können. Die Autoren dieser Reiseführer müssen wohl noch nie eine Bootsfahrt durch die Klongs von Surat Thani gemacht haben, sonst hätten sie darüber berichten können. Egal, ist ja auch schön, wenn man mal 'was Neues entdeckt.

Abends, um 1920 Uhr, werden wir mit Tuck-Tucks zum Bon Surat Guesthouse gefahren. Es liegt direkt am Tapi-Fluß auf Stelzen. Das Essen ist o.k., wird zügig serviert und noch schneller abserviert. Als dann die Rechnung für die Getränke unaufgefordert gebracht wird, verlassen wir nach einer Stunde das Lokal. Wir gehen noch über den Markt, der aber gerade schließt. Unterwegs trinken wir noch ein Bier in einem Lokal, in dem Touristen noch die Ausnahme sind. In der Karaoke-Bar des Hotels kann Gerd die Untertitel nicht lesen; sie sind in Thai-Schrift. Außerdem ist bis auf das Personal niemand sonst da.

An der Coffee-Bar bei der Rezeption sitzen noch Fritz Muliar mit Frau und den Bergischen. Sie berichten uns von den sexuellen Praktiken unseres 74-jährigen Josefs, mit denen er den Hirschhörnern die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben soll. Wir hatten das diesem bescheidenen, alten Herrn nicht angesehen. Der Westerwälder geht abends auch immer auf Pirsch. So gegen 22 Uhr sehen wir ihn dann prompt das Hotel verlassen. Unser dritter Einzelreisender ist nicht so recht einzuordnen. Er steht auf Orchideen, die er sorgsam im Handgepäck umhegt.

FR 4.3.94 Surat Thani - Phang Nga {Phang Nga Bay Resort}.

715 Uhr Wecken, 745 Uhr Frühstück, 830 Uhr Abfahrt. Heute kümmert sich Annelie besonders sorgfältig um Josef. Beim Frühstück fügte es sich so, daß er sich neben sie setzt. Annelie erkundigt sich, wie's denn gestern Abend so war. Aber "Vater war müd'", so daß sich nichts abgespielt hat. Doch Annelie läßt heute nicht locker; sie will sein Ding sehen. Josef ist das wohl nicht so ganz geheuer, wenn der "rote Teufel" mit den blauen Dämonenaugen dieses Ansinnen hat.

Mit dem Bus fahren wir in die City. Wie haben Gelegenheit durch die Geschäfte und über den Markt zu gehen. Anne erhält ein Paar Badelatschen für 35 B und ein paar Ermahnungen über den Gebrauch des Fotoapparates und des Polarisationsfilters (gratis). Außerdem verwechselt sie ein naturholzfarbenes Geisterhäuschen mit einer Puppenstube. Um 945 Uhr verlassen wir Surat Thani. Um 11 Uhr legen wir bei einer Kautschukplantage einen Stop ein. Weißer Saft, der durch Anritzen der Rinde der Kautschukbäume austritt und abtropft, wird in kleinen Schalen aufgefangen. Diese Rohmasse wird mit Ameisensäure versetzt und verklumpt dadurch. Der "Pudding" wird gepreßt und ausgewalzt. Die Gummilappen werden dann zum Trocknen aufgehängt. Eine Gummimatte braucht den Saft von 15 Bäumen und bringt ungefähr 15 B ein.

Dann fahren wir zum Raja Praba Stausee (Rajjarprabar), der im Nationalpark Khao Sak liegt. Der Nationalpark wurde 1987 eröffnet und enthält u.a. einen Golfplatz. Das Mittagessen hatte Kan in der Kantine des Kraftwerks am Vortag bestellt: Für 110 B gibt es (für 2 Personen) Suppe, Reis oder Nudeln mit Beef, Pork, Chicken oder Seafood, Obst als Nachtisch, dazu Kaffee und insgesamt 3 Cola. Der Nationalpark wirkt etwas einsam. Hier scheint ein Park, ein Staudamm mit Kraftwerk und für den Tourismus ein Golfplatz mit viel Aufwand angelegt worden zu sein, aber außer uns nutzt es niemand.

Auf unserer Fahrt durch dünn besiedeltes Gebiet halten wir an einer Ölpalmenplantage. Die Stämme der Palmen sind mit Farnen bewachsen. Die Früchte sind reif, wenn sie orangegelb sind. Aus den Früchten wird Palmöl gewonnen.

Kurz vor Phang Nga besuchen wir noch den Höhlentempel Suwanna Khuha mit einem gewaltigen, liegenden Buddha. Im hinteren Teil öffnet sich die Höhle und man hat Zugang zu einer Tropfsteinhöhle. Es ist erstaunlich, wie diese Kalkfelsen hier aus dem Boden ragen. Am Kioskstand hängen 2 Äffchen und Annelie versteht sich ganz prächtig mit den beiden. Sie haben dieselbe Wellenlänge - beim Singen.

Wir übernachten wieder in Phang Nga im Hotel Phang Nga Bay Resort. Ferdi nimmt noch ein Bad im Pool, Anne duscht schon mal und schreibt ihrem Patenkind Katharina. Das Abendessen ist um 1930 Uhr auf der Terrasse des Hotels. Annelie managt das Trinkgeld. Im Restaurant gibt es noch Live-Musik. Um 23 Uhr liegen wir im Bett. Abends regnet es ergiebig.

SA 5.3.94 Phang Nga - Naga Noi - Phuket - Kata Noi Beach {Amari Kata Thani}.

615 Uhr Wecken, 645 Uhr Frühstück, 730 Uhr Abfahrt per Boot durch den Fjord von Phang Nga, vorbei an den schroffen Kalkfelsen. Das Ausflugsboot hat eine schlichte Bestuhlung. Der Motor dröhnt und läßt das ganze Boot erzittern. Der Morgentau tropft von der Kunststoffplane, die den Passagieren als Sonnenschutz dient. Kan erhält anerkennende Pfiffe, als sie in einem bunten Hosenanzug an Bord kommt. Die Kalkfelsen sind mit schwer durchdringlichem Baumbestand und Gestrüpp bewachsen. Teilweise wirken die Bäume und Sträucher wie angeklebt und man fragt sich, wie die Vegetation Halt finden kann. Am flachen linken Ufer stehen Mangroven. Mangroven können im Salzwasser wurzeln. Mit ihren Wurzelwerk entziehen sie sogar dem Boden das Salz. Der erste Stop ist am Dorf der Seezigeuner. Sie haben ihre Hütten im Wasser auf Pfähle gebaut. Vorn sind die Restaurants, weiter drinnen verkaufen sie Souvenirs und sie wohnen dort. Sie scheinen auch das zu verkaufen, was sie aus dem Meer holen: Fische, die getrocknet werden, Shrimps, Lobster, Krabben, usw. Aber am besten ernähren sie sich von den Touristen. Das Dorf hat eine Schule und eine Moschee, denn die Seezigeuner sind Moslem.

Unser Ausflugsboot fährt dann hinaus in die Bucht von Phang Nga. Als der James Bond Felsen (Kao Tapoo) auftaucht, kommt unter den Passagieren heftige Betriebsamkeit auf. Der Felsen ist direkt einer etwas größeren Felseninsel vorgelagert. Am Strand haben sich Verkaufsstände angesiedelt. Der Blick von unserem Boot läßt den Felsen im Gegenlicht der fahlen Morgensonne erscheinen. Viel vorteilhafter wäre natürlich eine Bootsfahrt am späten Nachmittag bei klarem Himmel, aber das kann man sich nicht immer so aussuchen. Unser Boot macht einen schier unerträglichen Lärm. Wundersam ist, daß dabei selbst diejenigen, die vom leisesten Knistern aus dem Schlaf gerissen werden, hier in der schönen Landschaft ihr Nickerchen auf harten Holzbänken halten. Die geschäftstüchtige Kapitänsgattin steht dieser Situation nicht unvorbereitet gegenüber. Sie bietet Cola, Sprite und Lipovitane zu Verkauf an. Kan macht derweil ihre Reiseabrechnung. Noch gut eine Stunde lang fahren wir immer wieder an kleineren und größeren Inseln vorbei. Außen haben sich vielfach Kalktropfsteine (Stalaktiten) gebildet und es gibt Höhlen in den Felsen.

Kurz vor 11 Uhr erreichen wir die Perleninsel Naga Noi, die einzige Südsee-Perlenfarm, die man besichtigen kann. 20.000 Perlen werden hier pro Jahr gezüchtet, 50% ist Ausschuß. 18 Monate dauert die Ummantelung einer Muschel-Kugel von 7mm Durchmesser, die aus die aus dem Mississippi stammt; dann ist sie auf 12mm bis 20mm angewachsen. Austern bekommen diesen Fremdkörper implantiert. Hierzu gehört viel Erfahrung. Die Technik ist bereits seit 100 Jahren bekannt, wird aber nur von etwa 25 Menschen weltweit beherrscht. Michael von Naga Noi ist einer von ihnen. Die Austern können mehrfach nacheinander zur Perlenproduktion benutzt werden. Nur bei Halbperlen, die durch Implantation von Plastikhalbkugeln im Außenbezirk der Auster (Lippen) in 12 Monaten erzeugt werden, wird die Auster getötet. Südseeperlen werden in 5 Ländern gezüchtet: Thailand, Philippinen, Australien, Burma und Japan. Japan hat generell das Monopol über den Perlenhandel. So werden die hier gezüchteten Perlen über Japan weltweit vertrieben. Nach einstündigem Vortrag über Perlenzucht und Demonstration des Herausoperierens von 2 Perlen aus 2 Austern (eine ist "Rubbish" (Müll), eine ist gut) gibt es Mittagessen, Badegelegenheit am Strand und natürlich die Gelegenheit, Perlen zu kaufen.

Anne probiert 2 Naturperlenketten, die so etwa 200 DM kosten sollen. Die eine ist zu lang, die andere zu kurz und ein mittellanges Exemplar ist gar nicht verfügbar. So bleiben die Perlen auf der Insel und wir fahren nach kurzem Spaziergang am Traumstrand von Naga Noi zur Insel Phuket. Kurz vor unserer Ausschiffung bringt das älteste Kind des Captains noch ein Ständchen. Es singt a cappella ein Lied. Dieser 10-jährige Junge hat so große Ohren, daß schon leichter Gegenwind auf dem Boot, ihn abheben lassen. Die Kinder bleiben übrigens viel unter Deck während der Fahrt. Falsch wäre es anzunehmen, daß der Sänger mit diesen Satellitenschüsseln besonders gut hören könnte; sein Gesang klingt nicht danach. Wahrscheinlich ist sein Gehör durch das laute Motorengeräusch des Bootes so ruiniert, daß er nur hört, ob Töne entstehen oder nicht. Immerhin bewegt dieses Ständchen die Passagiere zu dem erhofften Trinkgeld unmittelbar vor der Ausschiffung auf Phuket. Man kann sagen, das Kind hat das Boot leergesungen.

An Land geht alles wie am Schnürchen. Der Bus und einige Minibusse stehen bereit. Annelie übergibt die Trinkgelder. Wir verabschieden uns von Mit, Kan und Claudia, steigen in den klimatisierten Minibus und werden zusammen mit Josef, dem Westerwälder und den "Bergischen" in die Hotels gebracht. Josef und der Westerwälder steigen im Herzen von Patong Beach ab, dort wo das Leben pulst und der Weg zu den dienstbereiten Schmetterlingen der Nacht nicht so weit ist. Die "Bergischen" wohnen in einer hoch über dem Meer gelegenen Anlage namens Amari Coralle. Wir fahren vorbei am Karon- und Kata-Beach zum Kata Noi Beach. Um 1630 Uhr liegen wir am Pool und baden im türkisfarbenen Wasser der Andamanischen See. Von 18 Uhr bis 19 Uhr ist Happy Hour am Pool. Anschließend duschen wir, Anne packt die Koffer aus und um 2030 Uhr dinieren wir "By Richi".

Richi ist Schweizer. Er hat mal 16 Jahre für Brown Boveri in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet. Irgendwann hat er dann eine Thai kennengelernt und von da an ging's bergab. Jetzt ist er unglücklich, leidet unter der Hitze und Schwüle, hat als Ausländer oft Sorgen mit den thailändischen Nachbarrestaurants, die ihn bedrohen. Außerdem hat er Heimweh nach den Bergen von Lenzerheide. Um 0 Uhr singen A&G mit Anne für Ferdi das "Happy Birthday". Zurück im Hotel bestehen A&G darauf, das Geschenk zu überreichen: Ein Dodenhof-Kugelschreiber in einem Bambuslackständer mit blaugoldener Filigranbemalung. Ferdi ist zufrieden; Anne kann ja nun nichts mehr gegen ein solches Zierstück für den Schreibtisch haben. Geschenk ist Geschenk. Mir hatte sie den Kauf eines solchen Souvenirs in der Lackfabrik untersagt. So fügt es sich eben anders. Im Minimarket hatte ich noch eine Flasche Thai-Wein gekauft, die wir verkosten; er ist zuckersüß, nur zu empfehlen, wenn der Aspirinvorrat noch größer 2 pro Person ist.

SO 6.3.94 Phuket, Kata Noi {Amari Kata Thani}.

Über Nacht hat es geregnet. Morgens ist es aber wieder sonnig und schwül. Wir schlafen bis 10 Uhr, essen den Inhalt unseres Obstkörbchens vom Amari-Hotel und frühstücken in einem kleinen Restaurant, direkt gegenüber unserem Hotel auf der anderen Straßenseite gelegen. Im Gusto, no View but taste trinken wir einen Kaffee bzw. Tee und essen 2 Toast mit Marmelade für 50 B. Dann spazieren wir über den Berg nach Kata Beach.

A&G liegen unter einer Zeder am Pool. Sie haben uns Matten reserviert. Um 1130 Uhr ruhen wir dann auch unter der Zeder und genießen den Blick auf das türkisfarbene Meer. Das Wasser ist ruhig, aber mit einer langgestreckten Dünung. So überrollt eine Welle gleich Annes Haupt. Beim Schwimmen im Meer zwickt immer mal etwas. Keiner weiß genau, was es ist. Wir vermuten Quallen. Gerd liest, Ferdi schreibt. Mittags gehen wir essen. In einem kleinen Strandlokal essen Anne und Annelie 4 Portionen Spaghetti und 1 Portion Krabben, Gerd und Ferdi je einmal Spaghetti, dazu einige Cola und einen Kaffee für 535 B. Dann tummeln wir uns wieder im Meer. Diesmal beißt nichts. Die Wellen kommen langsam und sanft, können aber dann schon mal hoch aufschäumen, wenn sie den Strand erreichen. Für Ferdi ist dies der wärmste Geburtstag seines Lebens. Die Temperaturen liegen so zwischen 30°C und 35°C (im Schatten). Die Wassertemperatur beträgt 26°C. Der bisherige Temperaturrekord lag bei knapp 20°C vor einer Skihütte in Saalbach-Hinterglemm in der Mittagszeit, was dem Schnee natürlich gar nicht zuträglich war. Es sah schon bald nach Wasserskifahren auf den Südhängen aus. Schöner Tag heute.

Nach einem Drink an der Poolbar zur Happy Hour duschen wir. Um 20 Uhr erfahre ich von meiner Mutter, daß das Wetter in Deutschland wieder ganz passabel ist, 10°C, leichte Bewölkung. Dann dinieren wir im Restaurant unseres Hotels. Alles zusammen für 2.000 B. Die Bedienung und die Vorspeisen sind gut, Annes Beef-Stroganoff ist sehr zart, aber unsere Pfeffersteaks haben nicht das Niveau, das man in diesem Hotel erwarten würde. Im Restaurant ist es sehr warm. Draußen geht kein Lüftchen. In der klimatisierten Lobby trinken wir noch einen Kaffee und Tee bzw. Anne eine Pinacolada. Schöner Geburtstag, ruhig, aber auch mal schön.

MO 7.3.94 Phuket, Kata Noi {Amari Kata Thani}.

Um 9 Uhr wachen wir auf. A&G finden wir schon auf Liegen am Pool gebettet. Annelie bewacht seit 8 Uhr 4 Liegen mit Handtüchern. Gerd ist seit einer viertel Stunde da. Jetzt freuen sie sich auf unseren Auftritt, so daß wir frühstücken gehen können. Wir nehmen gleich das erste Restaurant. Das Personal arbeitet noch etwas verschlafen. Die Sachen werden frisch serviert. Hiermit ist gemeint, daß sie am Tisch eintreffen, sobald sie fertig sind, außer Toast mit Marmelade, der kommt erst nach dem 3. Anlauf. Heute sind wieder schöne Wellen und keine Quallen weit und breit. Selbst Annelie beginnt das Bad im Meer heimlich zu genießen. Ferdi filmt und fotografiert heute Hotel und Strand. Mittags essen wir im letzten Restaurant am Strand. In den Strandrestaurants sitzen einige Leute vom Amari Kata Thani Hotel, aber auch andere, die hier Bungalows gebucht haben. Manche Bungalows sind ja ganz nett, aber es gibt einige, die aus Sperrholz den Giebel haben und mit Palmstrohdach gedeckt sind. OK, wir waren nicht drinnen, deshalb ist mein Urteil ein Vorurteil, aber wir sind uns einig, nicht mehr ohne Not in einer solchen Unterkunft übernachten zu wollen. Ein gewisses Mitgefühl, verbunden mit einer leichten Bewunderung für die Europäer, die diese Hütten bewohnen, ist zu erkennen. Hoffen wir, daß die Bewohner glücklich sind. Preiswerter übernachten sie ja in jedem Fall. Wir nehmen Spaghetti und für Anne Haifischsteak. Alle sind zufrieden. Mit Getränken zahlen wir 230 B für 4 Personen. Heute Vormittag habe ich Ansichtskarten geschrieben. Noch 3 oder 4, dann haben alle unsere Freunde mal wieder unsere Urlaubsgrüße im Briefkasten.

Nach einem Drink an der Poolbar zur Happy Hour duschen wir und gehen über den Berg nach Kata Beach. Wir dinieren im "Islanders". Gerds "Squid skews" erscheinen nicht. Selbst, nachdem wir anderen schon gegessen haben, sitzt Gerd mit schwindender Vorfreude. Auf klare Nachfrage stellt sich heraus, daß es keinen Tintenfisch gibt. Gerd schwenkt auf Hummer um; dafür gibt's ein schönes Tier. 100g für 60 B ist ein Sonderpreis für Gerd. Er ist sehr zufrieden. Bei Richi trinken wir noch einen Kirschschnaps. Er will 90 B für das Glas, Annelie will 70 B geben und wir einigen uns auf 80 B bei vollen Gläsern. Außerdem nehmen wir noch einen Espresso dazu. Wieder ist ein schöner Tag zu Ende.

DI 8.3.94 Phuket, Kata Noi, Patong Beach {Amari Kata Thani}.

Wir treffen A&G wieder um 9 Uhr am Pool. Annelie liegt seit 720 Uhr am Pool und bewacht in unmittelbarer Nachbarschaft des Sprungbretts 4 Liegen. Aufgebracht berichtet sie uns, daß um 720 Uhr bereits unsere gestrigen Plätze belegt waren. Der Verdacht, daß die Poolboys die Liegen mit Handtüchern reservieren, verdichtet sich zunehmend. Wir belegen die 4 Liegen mit weiteren Handtüchern. Heute verleihen die Poolboys Handtücher, ohne die Zimmernummer zu notieren. Warum weiß keiner.

Dann gehen wir im benachbarten Strandrestaurant frühstücken. Wir sind die ersten Gäste. Ein älteres englisches Ehepaar kommt später auch noch hierher. Als sie gehen, erfahren wir, daß sie auch keine Liege bekommen haben, obwohl Simon es schon um 620 Uhr probiert hat. Eigentlich erheitert mich diese Liegenbelegungsdiskussion ein wenig. Es wären nämlich reichlich Liegen vorhanden, wenn jeder sie nur mit seinem eigenen Körper, statt mit seinem Handtuch belegen würde, also nur dann, wenn er wirklich da ist, um zu liegen. Aber nein, der Hamstersinn des Menschen spricht dagegen und es soll natürlich der Stammplatz sein und dafür tut man schon einiges. Notfalls steht man in aller Herrgottsfrühe auf oder besticht die Poolboys für diese kleinen Gefälligkeiten. Solche Geschäfte können nur in Schwung kommen, wenn alle mitmachen - wir auch. Am Sprungbrett des großen Poolbeckens geht es heute lebhaft zu. Zwei winzige skandinavische Kinder, das Mädchen ist vielleicht 2 Jahre alt und trägt Schwimmflügelchen, springen mit Begeisterung vom 1m-Brett. Zunächst muß der junge Vater ihr noch die Hand reichen, nachher macht sie es dann ganz allein. Durch ihre mutigen Sprünge werden noch andere Kinder motiviert, vom 1m-Brett zu springen. Manche, die viel älter sind, trauen sich nicht. Hierzu gehören auch wir 4, die wir schon jenseits der 40 sind.

Annelie nörgelt heute gerne über das Wetter, denn es ist etwas bedeckt. Gerd & Ferdi sind zufrieden, denn wir hatten gestern 'ne gehörige Portion Sonne mitbekommen. Anne stört es auch nicht, daß die Sonne hinter Wolken ist; Hauptsache ist für sie, daß sie nicht friert. Außerdem reißt die Wolkendecke in der Ferne auf. Heute nehmen wir 4 zunächst ein ausgedehntes Bad in der ruhigen Andamanischen See - sehr angenehm! Mittags lunchen wir im 2. Strandrestaurant, daß durch die vielen Einnahmen schon die international gleich aussehenden, praktischen Stapelstühle aufstellen kann. Die anderen Restaurants haben noch die landestypischere, selbstreinigende Bambus- oder Rattanbestuhlung. Alle Strandrestaurants sind mit einem Dach aus Palmstroh ausgerüstet. Hier zirkuliert die Luft, nichts wird muffig, es schützt sehr zuverlässig vor Wasser- und Photonen-Regen. Es ist preisgünstig und voll recyclebar und außerdem sind Häuser mit diesen Dächern ziemlich erdbebensicher.

Nach dem Mittagessen kommt die Flut, verschwinden die Wolken und kommen die Quallen wieder an den Strand. Weiße Quallen, die angeblich ungefährlich sind. Die Japsen und Chinesen sollen ganz wild auf getrocknete Quallen sein, wenn sie zur Suppenzutat werden. Die nächsten Nachbarn am Pool sind ein altes Ehepaar. Sie haben sich sicher noch sehr gern und gehen zärtlich miteinander um. Sie liest Stephen King's "Gerald's Game", er füttert die bunten Vögel mit Brot. Sie werden so zutraulich, daß sie auf seinem Handtuch Platz nehmen. Später holt er ein Bilderbuch und ein Wörterbuch hervor und lernt mit Unterstützung eines Poolboys und eines Kochs Thai. Die beiden sind schon länger im Hotel, sind gleichmäßig im Schatten gebräunt und sicher Mitte 70. Dabei sind sie schlank geblieben (oder wieder geworden) und haben noch ausreichend blondes Haupthaar. Um 15 Uhr reicht einer der Poolboys kühle, feuchte Tücher. Heute ist mein Mützentag, da gestern die Sonne meine Stirn intensiv gerötet hat. A&G lesen unermüdlich. Anne liegt manchmal ohne Buch auf dem Bauch, aber dann steckt die Nase wieder in der Literatur. Ferdi schaut gern umher. Doch heute liest er HB-Atlas von Thailand und nachmittags schreibt er wieder Tagebuch. Gerd liest Robert Lodlum's "The Scorpion Illusion", Annelie hat sich Barbara Wood's Schilderungen über "Rote Sonne, schwarzes Land" vorgenommen und ist entsetzt über die Sitten und Gebräuche einiger afrikanischer Stämme, z.B. weil sie ihre weibliche Nachkommenschaft beschneiden und zunähen. Anne hat auch ein Buch aus diesem Genre dabei: Kuki Gallmanns Ich träume von Afrika.

So erholt sich jeder auf seine Weise hier am Pool, am Meer, unter der tropischen Märzsonne auf dem 15. Breitengrad und dem -98. Längengrad. Warnen möchte ich an dieser Stelle alle Reisenden noch vor "Ambre Solaire"-Sonnenmilch. Dieses Zeugs läßt sich nicht verteilen, es liegt stundenlang als weiße Schicht auf der Haut. Der Gipfel ist aber, daß heute unsere zu einem Viertel volle Flasche schon bei leichtem Druck zerborsten ist. 200ml haben 25 DM gekostet und jetzt hält nicht einmal die Verpackung, bis der Inhalt über unsere Körper verteilt ist. Ein Skandal! Ambre Solaire heißt die Firma.

Ich denke, meine heutigen Aufzeichnungen machen den Grad der Erholung und Entspannung deutlich. Die Alltagssorgen sind in unendliche Ferne gerückt. Wichtiger ist die Sorge um die Liege am Pool, die Sonnencrèmeverpackung, die Wölkchen am Himmel, die wogende Brandung des Meeres und ihr Einfluß auf Körperhaltung und Wohlbefinden. Nun gehen wir alle noch mal ins Wasser des blau gekachelten Swimmingpools. Wahlers schwimmen aufeinander zu, jeder von einer Seite des Beckenrandes und in der Mitte küssen sie sich.

Dann schwimmt Annelie für zwei. Gerd hat seine Füße auf ihre Schultern abgelegt und sie zieht ihn durch den Pool. Annelie wird, wenn sie so weiter macht, bei der nächsten Olympiade noch in der Disziplin "Synchronschwimmen" mitmachen. Nun steigt Anne noch in die Fluten und ich auch. Die gleitende Wirkung des Schutzfilms von Ambre Solaire, gepaart mit einigen Störungen des Gravitationsfeldes, lassen Anne tief ins Poolbecken Richtung Erdmittelpunkt tauchen. Bei ihren Racheversuchen gegen den mutmaßlich an dieser Aktion beteiligten Autor dieses Tagebuchs kommen dann noch lokale Turbulenzen des Wassers im Pool auf, die Annes Gesicht wiederholt zur Abkehr des Anblicks bringen. Anne kommentiert nach Verlesen dieses Passus lakonisch: "Ich mach's Dir nicht noch mal!" Ihr Haar ist später einer Shampoonierung zu unterziehen; das stand heute eigentlich nicht auf der Tagesordnung.

Um 18 Uhr nehmen wir für 170 B ein Taxi nach Patong Beach, gut 15km entfernt gelegen. Hier pulst das Leben. 3 T-Shirts "Marke Boss" für je 99 B geraten in Ferdis Besitz. Anne kauft 2, Annelie 1 Levis Beach-Kombination, die auch als Schlafanzug tauglich ist. Gerd ersteht die nächste Jeans für 300 B, natürlich auch "von Levis". Man kauft hier nur Ware mit einem großen Namen. Einem taubstummen Chinesen kaufe ich noch eine Krawatte für 80 B ab. Annelie erhält eine Cartier-Uhr, deren Armband noch schnell um 3 Glieder erweitert wird, für 250 B. Wir wollen essen gehen, doch da trifft Annelie noch Kolleginnen und Kollegen von Fa. Dodenhof, dem größten Modehaus Norddeutschlands. Wir essen bei einem Italiener, der offensichtlich mit einer Thai verheiratet ist. Der Laden boomt. Annelie ist etwas nölig, weil's beim Italiener keinen "Seafood-Basket" gibt. Sie ist schon süchtig danach. Nach dem Essen wird unser Rundgang durch Patong-Beach durch Himmelsleuchten verkürzt. Gerd denkt erst, es käme von einer Disco, aber es kommt von höher. Als die ersten Regentropfen fallen, werden die Thai ganz fix. Im Nu ist alles zusammengeräumt. Wir machen noch ein paar Fotos mit Hummer und Anne, aber ehe wir uns versehen, ist auch diese Auslage gesichert. Die Eile der Thai gibt uns zu denken. So beschließen wir, mit einem, an der nächsten Straßenecke stehenden, Tuck-Tuck zurückzufahren. Der "Regenpreis" beträgt 180 B für die Rückfahrt. Richtig heftig wird der Regen erst, als wir schon wieder gemütlich im Hotel sitzen.

In der Lobby nehmen wir noch ein Bier und eine Pinacolada für Anne. Simon und seine First Lady erzählen uns noch ihre Erlebnisse und sie berichtet uns noch über Urlaub hier und da auf der Welt. Simon is a farmer with a plenty of cows on the meadows of Lancaster. Auf Wahlers Zimmer 236 gibt's dann noch 'nen Hennessy zur Modenschau.

MI 9.3.94 Phuket, Kata Noi {Amari Kata Thani}.

Annelies ganzer Ehrgeiz liegt heute darin, schon früh 4 Liegen zu reservieren. Sie stellt sich den Wecker auf 6 Uhr. Sie zögert, hinauszugehen, weil es noch dunkel ist. Um 620 Uhr schleicht sie sich dann, läßt ihren Gatten allein im Hotelzimmer zurück, und arrangiert Beach-Towels auf 4 Liegen am kleinen Pool. She happens to meet Simon. Damit seine First Lady eine Liege mit Blick auf die Andamanische See hat, ist auch er schon so früh unterwegs. Vielleicht ist er als Farmer das frühe Aufstehen gewohnt. Annelie erfährt von Simon, daß er die Beach Boys heimlich bezahlt. Seine First Lady darf von diesen Machenschaften auf jeden Fall nichts wissen. Später drückt Annelie einem Poolboy einen Schein - nicht den kleinsten - in die Hand. Nun ist die Vermutung von vorgestern und gestern zur Gewißheit geworden. Die Poolboys unterstützen zahlungswillige Gäste intensiver bei ihrem Bemühen, eine Liege zu finden. Simon's First Lady, nennen wir sie ab jetzt einfach mal "Garfunkel", sagte zu dieser Thematik gestern noch: "Don't pay them. We should not do that, we should not have to do that!" So bewahrheitet sich der folgende Satz auch hier in Thailand wieder: "Money makes the world go around". Glaremins erscheinen gegen 9 Uhr und wir gehen heute bei "Gusto" frühstücken, weil das 1. Strandrestaurant noch schläft. Simon & Garfunkel kommen bereits erfolglos von ihrem Versuch zurück, dort ein Frühstück zu bekommen. Danach baden wir in der ruhigen Andamanischen See.

Anne trägt ihren orangefarbenen Badeanzug, den sie in Frankfurt kaufte. Gerd filmt heute. Danach liegen wir auf den sorgfältig ausgerichteten Liegen. 3 lesen, einer schreibt über die Leser. Schaut man umher, so sieht man überall Menschen, die sich dem süßen Nichtstun hingeben. Die einzig aktiven Menschen sind in diesem Hotel das Hotelpersonal und die Masseurinnen. Überall knien sie auf oder neben fetten Touristenleibern und kneten gelangweilt die erschlafften Muskeln durch, die unter der dicken Speckschicht kaum zu fühlen sein werden. Nach einer Stunde wechseln 200 B den Besitzer - in diesem Hotel unbar - und beide Seiten sind zufrieden (Man bedenke ruhig einmal an dieser Stelle, daß der staatlich festgelegte Mindestlohn bei 135 B pro Tag liegt und ein Arbeiter im Straßenbau tatsächlich jedoch nur etwa 85 B pro Tag bekommt).

Dieses Hotel besticht durch ein gepflegtes Ambiente, das scheinbar mühelos und nebenbei in Ordnung gehalten wird, leise und unauffällig. Hier und da fegt jemand mit einem Besen aus getrockneten Besengras Samen, Blätter und Blüten zusammen, wir haben auch schon einen Gärtner mit Flymo-Elektro-Rasenmäher bei der Arbeit beobachtet. Das Putzpersonal kann sich von 9 Uhr bis 17 Uhr den Zimmern widmen und zur guten Nacht wird die Bettdecke noch zur Seite geklappt und die Blüte einer Orchidee aufs Kopfkissen drapiert. Jede Dienstleistungsgruppe trägt ihre eigene Dienstkleidung: Die Poolboys tragen weiße Bermudas und weiße Kniestrümpfe, die Gärtner graubraun, die Zimmermädchen und Jungs dunkelblau; Gepäckträger sind von Kopf bis Fuß in einen weißen Anzug gesteckt. Kellner sind in beige, Kellnerinnen zuweilen in beige-apricot Saris zu sehen. Am schnellsten bewegt sich das Personal vom Management in gelben Kostümen durch die Anlage. Der Generalmanager, ein junger Nicht-Asiat mit Hemd und Krawatte, ist schlank, blond und groß gewachsen. Dieses Hotel stellt den Rekord auf für das Anbringen von Hinweisschildern. Sie weisen zur Toilette, zur Massage, zum "Hair Do Boderek Style. Please Contact at Counter." (Boderek bedeutet Bo Derrek, die Schauspielerin, die geflochtene Zöpfchen hat.) Im Zimmer erreicht die Schilderdichte ihr Maximum. Hinweisschilder am Fenster sagen, man möge sie wegen der Insekten geschlossen halten und wenn man sie doch öffnet, möge man die Klimaanlage abschalten. Hinweisschilder auf das Fernsehen, auf das Fernsehprogramm, die Minibar, das Telefon, die Bettwäsche, die Restaurants, die anderen Hotels der Amari-Kette. Natürlich sind alle Utensilien im Amari-Look verpackt, die Q-Tips, die Duschkappe, der Sanitary-Bag, das Shampoo, eben alles. In der Badewanne kann man sogar eine Wäscheleine spannen und man wird darauf hingewiesen, wie man sie spannt und wie man sie löst. Käme man von einem fremden Planeten aus einer fernen Galaxie, man würde sich in Amari-Hotels gleich zurecht finden, wenn man sich nur schon mal einen Grundwortschatz der englischen Sprache in lateinischer Schrift und arabischen Ziffern beigebracht hätte. Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil. Wer in diesem Hotel etwas verzehren will, der muß auch noch schreiben können. Er braucht keinen einzigen Baht in der Tasche zu haben, er würde nicht verhungern oder verdursten. Vielleicht findet er keine Liege am Pool mit Meerblick, da helfen ein paar Baht nach, aber ansonsten unterschreibt der Gast nur Belege, die dann später beim Check-out vom VISA-Konto abgebucht werden. Barzahlung ist im Amari Kata Thani eher die Ausnahme. Natürlich läßt das Hotel den Gast auch nicht im Stich, wenn er sich bis zum Meer vorwagt. Eine Fahne in grün, gelb oder rot zeigt an, ob es ratsam ist, bis in die Andamanische See zu gehen. "Green is good for swim" und "Before Swimming in the Sea, please observe Colour of the Flag". Wenn man vom Strand zurückkommt gibt, es das Hinweisschild, wie Teerflecke an den Füßen zu entfernen sind und wie man den Sand von den Füßen bekommt. So vorbereitet, kann man von 7 AM - 9 PM dann wieder zum Poolgelände zurück - "For Hotel Residents Only". Gegen 1330 Uhr suchen wir wieder das Strandrestaurant Nummer 1 auf. Dann baden wir ausgiebig im Meer, im Pool und im Jacuzzi. Heute bringen zwei Kellnerinnen panierte Tintenfischringe und ein "Hinweisblättchen", das für 370 B zum BarBQ-Dinner am Pool einlädt. Natürlich kann man schon seinen Tisch reservieren. Heute ist es wieder etwas stärker bewölkt und schwül, vom gestrigen Regen. Aber die Sicht ist sehr gut. In der Ferne ist der Horizont, die Trennlinie zwischen Himmel und Meer, klar abgegrenzt. Immer wieder sieht man Fischerboote und kleine Frachter vorbeiziehen. Sie sind so weit weg, daß man denkt, sie fahren genau am Horizont entlang. Im Vordergrund kommt dann und wann ein Segelboot vorbei, mal tuckert ein Longtailboot mit Touristen am Strand entlang, mal kommen die Yamahas angefahren, die Wassermotorräder, die lärmend die See zerpflügen. Ein oder zweimal am Tag kommt das hoch motorisierte Sportboot, an dessen Fallschirm man sich durch die Bucht ziehen lassen kann. Der Strand ist ansonsten bewirtschaftet. Eine Einheit besteht aus 2 Liegestühlen, einem Sonnenschirm und einem Tisch. Morgens um 9 Uhr werden die Schirme aufgespannt. Weiter im Süden der Bucht stehen die Schirme in Zweierreihen. Wir fragen uns, ob wohl alle Schirme dem selben Spanner gehören. Außerdem werden an einigen Stellen kalte Getränke angeboten. Die Bewirtschaftung in der Kata Noi Bucht erfolgt aber sehr dezent, verglichen mit anderen Flecken dieser Erde. Sie beschränkt sich quasi auf das, was man als Tourist von einem Strand in südlichen Gefilden mindestens erwartet.

Ab 16 Uhr laufen die Vorbereitungen rund um den Pool für das abendliche BarBQ. Um 1730 Uhr machen wir uns fein. Um 1810 Uhr hole ich den Camcorder hervor, um die Vorbereitungen zu filmen. Es ist ein schönes Bild. Ein Hotelboy schabt und meißelt aus einem großen Eisblock einen sitzenden Hasen. Die Hausband spielt und singt und es werden Cocktails gereicht. Rot ohne Alkohol, grün mit einem Hauch Reiswhisky.

Der Generalmanager unterhält sich mit den Gästen. Die Köche, Europäer, prüfen die Vorbereitungen zum BarBQ. Die Speisen werden noch aufgetischt, unter Folie oder sogar eisgekühlt und sie werden ins rechte Licht gerückt, unter Scheinwerfern. Derzeit ist noch Dämmerung, aber es wird hier schnell dunkel, wie überall in den Tropen - ganz klar.

Um 1830 Uhr treten wir 4 gemeinsam in die Szene, nicht ohne unsere Camcorder. Die Camcorderdichte und die Menge der Fotoapparate hat heute Abend sowieso ein lokales Maximum erreicht. Wir trinken einen Cocktail. Der Generalmanager kommt auch zu uns. Er erzählt uns etwas von sich. Ich-Botschaften sind modern. Er ist so um die 30, Schweizer mit italienischem Namen und dänischem Vornamen - entsprechend der Nationalitäten seiner Zeuger. Er fragt, ob es uns gefällt. Wir bestätigen ihm einen hohen Standard, mit dem das Hotel geführt wird. Es ist ein angenehmes Gespräch, das ganz zwanglos noch mit einer Tischreservierung für 1930Uhr für Zimmer 236 und 238 endet. Er ist seit 2½ Jahren hier im Hotel und wird bald in Bangkok eine neue Aufgabe in der Amari-Hotelkette übernehmen. Dann nehmen wir noch ein Bier zur Happy Hour. Pünktlich um 19 Uhr öffnet das Buffet. Neben dem Hasen auf dem Nachtischbuffet gibt es noch einen Eishirsch an der Salatbar. Wunderschön ist alles angerichtet und wir freuen uns, heute mit dabei zu sein. Wann kann man schon mal in so gepflegter Atmosphäre unter Palmen am Pool mit Blick aufs Meer sitzen und ein großartig vorbereitetes Dinner genießen. In der Summe dieser Attribute kommt es wohl bei keinem von uns häufig vor. Wir beginnen das Dinner am Salatbuffet. Das Hauptbuffet bietet alles: Fisch, mehrere Sorten, Makrelen, Hai, usw., dann Beef, Chicken (Hühnerbollen), ein Spanferkel, Spieße, dazu diverse Saucen und Beilagen, wie Nudeln, Reis, Kartoffeln in Folie, usw. Sogar dunkles Brot steht bereit. Das Nachtischbuffet hat sicher 20 verschiedene Dinge aufzuweisen, wie Trüffel, Ostereier - daher vielleicht auch der Hase -, Crème Caramel, 10 verschiedene Torten, Obst, Honigmelone in einer Vanillesauce mit Rosinen, alles ganz edle und sehr schön arrangierte Leckereien. Während des Dinners spielt die Hausband. Zwischen 8 und 9 (PM) werden Tänze und Folklorespielchen vorgeführt. Neben uns sitzt die skandinavische Familie mit den 2 kleinen blonden Kindern. Das Mädchen - wir kennen es vom 1m-Brett - ist noch voll aktiv. Eltern und Großeltern wäre es bestimmt lieber, sie könnten sich etwas mehr auf das Essen konzentrieren. Der Junge ist auf zwei gegeneinander gestellten Stühlen bald eingeschlafen, aber die kleine Maus flitzt nur so zwischen den Tischen umher und kokettiert mit den anderen Gästen, den Sängern und den Kellnern. Um 22 Uhr ist dann insgesamt Schluß und wir gehen ins Bett. Annelie muß ja schließlich morgen wieder früh 'raus.

Schöner Tag heute, schöner Tag mit einem sehr schönen Abschluß. Wir sind froh, das BarBQ heute mitgemacht zu haben. Jeder Gast bekommt als Erinnerung noch einen hölzernen Wackelkäfer. Khob Khun Krab.

DO. 10.3.94 Phuket, Kata Noi {Amari Kata Thani}.

Um 915 Uhr sind wir am Pool. Es muß heute Nacht geregnet haben. Annelies Wecker hat pünktlich um 6 Uhr geklingelt, aber Annelie ist erst später zu den Liegen gegangen, weil es heute nach dem Regen bei dichter Bewölkung noch besonders dunkel war. Daher verpaßt sie Simon. Neben uns liegt ein älteres Ehepaar, die von Frankfurt gestartet sind. Er kriegt nach einer Lungenentzündung keine Luft und kann daher nicht viel laufen; deshalb müssen sie das gute, üppige Frühstücksbüffet im Hotel nehmen. Sie lamentieren, daß für 2 Personen immer 516 B draufgehen; dafür können sich manch' andere schon einige Tage verpflegen. Aber man muß immer Preis und Gegenwert miteinander vergleichen. Anne klagt heute über einen steifen Hals. Jede Rippe schmerzt. Sie befürchtet, sich im Liegen alle Rippen gebrochen zu haben. Ich halte das für schlichtweg unmöglich, zumal wir gestern keinerlei Turnübungen unternommen haben. Ihr Gemütszustand erreicht dann durch einen weiteren Satz von A&G seinen Tiefpunkt: "Samstag werden wir um 330Uhr geweckt." Es machen sich Gerüchte breit, daß wir eher zurückfliegen, weil der Transport vom Domestic Airport zum International Airport länger dauert als unser eigentlich für 10 Uhr (ab Phuket) vorgesehener Flug es erlauben würde. Nach all diesen Diskussionen muß es inzwischen 930 Uhr sein, Zeit das Thema zu wechseln und das erste Restaurant aufzusuchen. Im ersten Restaurant zahlt man für ein "Continental Breakfast" (2 Toast, 1 Marmelade, 1 Kaffee, ½ Glas Orangensaft, frisch gepreßt) 40 B. "American Breakfast" kostet 80 B. Es besteht aus einem Continental plus 2 Eier mit Würstchen und Speck. Nach dem gestrigen Regen haben die Ameisen unter unserem Tisch noch viel nachzuholen. Eine dichte Karawane ist heute besonders fleißig dabei, die Essensreste der Touristen, die wegen der Schwerkraft stets auf dem Boden landen, in Sicherheit zu bringen. Außerdem sucht ein kleiner, brauner Hund mit Stummelschwanz die menschliche Nähe von Annes Füßen. Das Frühstück wird heute fast perfekt serviert. Nur Annes Tasse steht im Bodensee. Noch in Gedanken versunken öffnet Anne gar ein Zuckertütchen. Erst im letzten Moment schießt ihr durchs Hirn, daß sie Kaffee schwarz trinkt - nur Espresso erhält bei Anne etwas Zucker. Das geöffnete Tütchen landet im Aschenbecher. Wie soll ich sagen, es bestehen trotz der körperlichen und geistigen Verfallserscheinungen bei Anne noch Hoffnungen, daß sie den 10. März überlebt. Dann ermutigt sie alle, eine Bergwanderung zu einem Aussichtspunkt zu machen, der vom Strand aus bei guter Sicht zu erkennen ist.

Heute ist gute Sicht. Was man nicht sieht, ist der Weg hinauf. Gerd soll von da oben die Bucht filmen. Doch Gerds ausgewogene Trägheit überwiegt. Daraufhin mache ich mit Anne einen ausgedehnten Strandspaziergang mit abschließendem Bad in der Andamanischen See, die heute ganz besonders andamanisch aussieht, nicht türkisgrün, sondern eher dunkelblau. Schon ist es viertel vor 12 und wir ruhen erst mal auf den Liegen. Links von uns, Richtung Meer, liegt Golda Meir. Gerd hat sie so genannt und jeder wußte gleich Bescheid, wer gemeint war, außer Annelie. Schön, wenn man so unter sich ist in der High Society. Golda Meir trägt einen Bikini im Ripp-Look, Neon-pink. Das ist ein Bikini vom Typ "Variable Size". Sie hat ihn in XL genommen und durch die hochwertige Elastizitätskonstante des Materials passen 2 normale Menschen oder einmal Golda hinein. Golda ist Schweizerin. Wir liegen hier sowieso mit internationalem Publikum. Schweiz, Österreich, England, Schottland, Skandinavien und Italien sind gut vertreten, und natürlich die Deutschen, das ist ganz klar. Simon & Garfunkel sind heute gut zufrieden. Sie behalten ihr Zimmer noch bis nachmittags. Ihr Flieger geht erst um 18 Uhr heute Abend. Unklar ist, ob er diese großzügige Haltung des Hotels (Check-out time is usually High Noon) durch Baht ermöglicht hat. Zuzutrauen wär's ihm, um seiner First Lady einen angenehmen Abreisetag zu ermöglichen. Gerade schreiten sie zum Lunch im 1. Strandrestaurant. Es muß also 1 Uhr sein. Schon Minuten später sind sie zurück. "It's full, there is not one table. That's unusual." So, sit and wait. Wir bleiben noch etwas liegen auf unseren Liegen. Dann überwiegt ein leichtes Hungergefühl oder ein gewohntes Gefühl der mittäglichen Leere, oder ein leeres Gefühl des Mittags, oder ein mittägliches Gefühl des wenig überfüllten Leibes. Wir suchen Strandrestaurant Nummer 1 auf. Ein 4-er Tisch ist inzwischen frei. Wir essen Fried Noodles with Seafood (die Annen), Grilled Squid für Gerd und Obst für Annelie. A&F teilen sich einen Pancake Pineapple. Dazu 4 Cola für 385 B. Simon & Garfunkel erscheinen auch und nehmen ihre letzte Mahlzeit am Strand von Kata Noi ein. Um 16 Uhr verabschieden sie sich. Simon berichtet noch kurz von seiner Südamerikarundreise: Den ganzen Kontinent in 3 Wochen, great. Seine First Lady hatte er dort nicht dabei. Bye-bye Simon & Garfunkel.

Für Golda kommt morgen die Abreise. Nachmittags hat sie ihren Elastic-Neon-Pink-Bikini gegen einen dunkelbraunen Einteiler eingetauscht, dessen Schnitt gerade in der Bauchpartie mehr Freiraum für die stärkere Dame läßt. Golda hat, wie alle Schweizer, die in unserer Nachbarschaft liegen, die 60 hinter sich. Es ist wohl derzeit Reisezeit für rüstige Rentner.

Nachmittags machen Anne und Ferdi noch einen Spaziergang bis zum Ende des Strands. Anne ist heute nicht gut 'drauf, ihr Rücken schmerzt. Nachher baden wir noch in der Andamanischen See. Sanfte Wellen bringen zeitweise eine überraschende Höhe mit sich, die einem das Wasser über den Kopf zusammenschlagen lassen. Statt des Happy-Hour-Drinks duschen wir heute und fahren noch mal nach Patong Beach. Wieder hin für 170 B, zurück für 180 B. Wir trinken zunächst ein kleines Bier. Dann drohen wieder Regenwolken herniederzugehen. Diesmal sitzen wir die Regenzeit aus, in einem Seafood-Restaurant. Es sieht gut aus, ist trocken und kühl und mäßig. Während des Essens regnet es in Strömen. Nachher schauen wir uns noch die einschlägigen Viertel von Patong Beach an. Gerd und ich sind auf jeden Fall nicht weg vom Hocker. Gut, wir haben keinen sehr tiefen Einblick erhalten, aber aus meiner Sicht waren es ein paar Hühnchen im matschigen Hühnerhof. Gockel gab es auch nicht gerade im Übermaß, aber - wie überall auf der Welt - die guten werden schon ihr Körnchen finden. Wir essen nochmals in einem Restaurant, das mehr gegen Ende des Ortes liegt. Annelie war ja schon richtig nölig, denn ein paar Tropfen Wasser kamen hin und wieder noch vom Himmel und Annelie haßt Regen wie Anne Schlangen. Annelie liebt die Sonne, die ihren Körper verwöhnt und gülden bronziert, am liebsten ganztägig. Nach dem zweiten Dinner ist das Leben für die beiden Annen wieder schön und wir nehmen nach dem Schlendern durch die Haupt- und Nebenstraße von Patong Beach ein Tuck-Tuck zurück zum Hotel Amari Kata Thani. Morgen ist schon der letzte Tag!

FR 11.3.94 Phuket, Kata Noi

Um 9 Uhr treffen wir A&G am Pool. Diesmal hat Annelie 4 Liegen in der ersten Reihe belegt, wie immer im Morgengrauen. Thai-Banknoten wurden in unbekannter Höhe transferiert. Wir treten auf unseren Plätzen die Nachfolge von Simon & Garfunkel an. Ihre Bekannten, sie ist flach wie eine 6jährige, sieht aber aus wie eine 60-jährige, hat kurzes, schneeweißes Haar, wie Miss Ellie, nur schmaler im Gesicht. Er hat dagegen kein graues Haar; er sieht viel jünger aus, höchstens 48. Ihre Bekannten müssen also in der ersten erhabenen Reihe weiter nach rechts rücken. Andere, die vorher weiter hinten im Areal lagen, sind aufgerückt auf unsere gestrigen Plätze und die von Golda. Carriage Return, Line Feed.

Ein erfreulicher Anblick liegt in meiner Blickrichtung zum Swimmingpool. Sie ist höchstens 25 und die bestaussehendste Engländerin dieser Alterskategorie. Bo hat gestern Nachmittag, da lag sie noch in den hinteren Reihen, statt einer Massage ihre Haare zu kleinen Zöpfen umarbeiten lassen, an deren Enden pink und lila Kügelchen hängen.

Heute ist Fototermin. Das Motto: "Unser letzter Tag am Strand". Die von der Sonne gebleichten Sonnenschirmchen mit Liegestühlen vor dem türkisfarbenen Wasser der Andamanischen See inspirieren viele Motive. Anne will Ferdi mit der roten Mütze und Gerd, in ihrer Hand je eine Kokosnuß, in die Liegestühle setzen. Gerd ziert sich sehr, aber Annes Charme bringt die Jungs in die Stühle. Jetzt haben Annelie, unser kleiner Gourmand und Ferdi, der schon ziemlich stattlich für sein Alter (42) ist, Hunger. Wo dieses permanente Essen hinführen kann, sieht man beim Blick nach vorn.

Das Ehepaar, das gestern neben uns lag - er kriegt keine Luft und deshalb müssen sie immer für 516 B üppig frühstücken - ist gerade vom Lunch zurück. Der Pool-Kellner erkundigt sich, ob es geschmeckt hat, und betätschelt liebevoll seinen Kugelbauch. Wirklich, im Liegen nimmt seine konvexe Taille die Form einer Kugel an, an die sich oben ein Kugelkopf und unten ein Zweibein mit blauer Badehose anschließt. Zum Lunch sind wir wieder im 1. Restaurant. Spaghetti und Fried Noodles Seafood sind wieder gefragt und für Anne und mich noch ein Banana-Pancake. Nach dem Essen nehmen wir wieder ein ausgedehntes Bad in den sanften Wellen. Miss Ellie und Jock, der ebenfalls schon viel herumgekommen ist, verabschieden sich. Er fand's in Malaysia auf Penang sehr schön, etwa so wie hier. Meine Einschätzung von Bo muß ich allerdings revidieren. Sie ist eine hübsche Australierin, nicht Engländerin. Vielleicht gibt es keine hübschen Engländerinnen.

Nachmittags baden wir noch einmal. Wir genießen die letzten Stunden und sind uns dessen bewußt. Um 17 Uhr animiert Gerd uns noch alle zum Sprung in den Swimmingpool. Anne und Gerd, unsere kühnen Sportler, springen vom 1m-Turm, Gerhard sogar mit dem Kopf zuerst! Annelie und Ferdi, die Vorsichtigen, denen Angst ins Gesicht geschrieben steht, springen zaghaft vom Beckenrand.

Danach erfahren wir bei unserer Reiseleitung den Verlauf der Rückreise: Wir werden um 330 Uhr geweckt und unser Rückflug nach Deutschland soll mittags sein.

Wir nehmen noch einen Drink zur Happy Hour. Dinner haben wir im "Islanders" in Kata Beach. Die Mädchen essen wieder Seafood-Basket - wie werden sie morgen und die Tage danach ohne Körbchen klarkommen?!?. Gerd ißt Spieß und Ferdi Noodles with Chicken & Thai-Rice with Beef. Um 23 Uhr checken wir out im Hotel Amari Kata Thani.

SA 12.3.94 Phuket - Bangkok - München - Düsseldorf - Münster

330 Uhr Wecken, 4 Uhr Koffer vor die Tür, 435 Uhr Abfahrt vom Hotel. Unser Frühstück besteht aus 4 Keksen und ½ Flasche Wasser auf Zimmer 236. Wir fahren über Karon Beach zum Flughafen. Das Gepäck fährt auf einem Pickup. Das Einchecken geht zügig voran.

Um 655 Uhr startet Flug TG200, ein Airbus A300, von HKT nach BKK. Wir treffen sie alle wieder: Die Berliner von der Nord-Thailandrundreise waren noch 5 Tage in Bangkok, die Schwaben aus Ravensburg sind da, der Westerwälder hat zum Abschied von seiner liebsten Thai einen Blütenkranz bekommen. Der Mann mit den Bilderrahmen oder Klappstuhl im Handgepäck, der schielende Berliner Orchideensammler hat seine Sammlung noch deutlich ausgebaut. Nur mit Mühe passen alle Blüten ins Gepäckfach. Um 8 Uhr sind wir in BKK. Dort werden wir vom nationalen zum internationalen Flughafen gebracht. Das Gepäck fährt wieder getrennt mit Pickups. Im Flughafengebäude wird das Gepäck geröntgt und mit einem rosa Packband versiegelt. Am Schalter 8 checken wir Richtung Düsseldorf ein. Die Paßkontrolle verläuft genauso problemlos wie bei der Einreise. Der Duty-Free-Shop ist groß, modern, dezentral organisiert, aber zu teuer. An der Snack-Bar nehmen wir noch einen Kaffee bzw. Tee. Dann sind wir Baht-frei und warten auf den Abflug von Condor DE5377. Auf dem langen Fußweg zum Gate 47 besuchen wir noch mal alle Toiletten einzeln. Annes Adrenalinspiegel schnellt noch empor, als sie merkt, daß sie ihren kleinen praktischen Condorbauchgürtel bei der Durchleuchtung zurückgelassen hat. Aber so schnell geht hier nichts verloren. Diesmal haben wir unsere Plätze 10 D,E im vorderen Teil der Maschine. Bei einer Boing 767-300ER ist Reihe 6 hinter der Wand zur 1. Klasse. Reihe 10 ist also o.k., ziemlich vorn, nicht über der Tragfläche und nicht auf Annelies Klo. Die Flugzeit für 8846km wird mit 12h05' angegeben. Die Maschine ist fast voll besetzt, das maximale Startgewicht beträgt 185.000t, die Startgeschwindigkeit liegt bei 320km/h. 76.000t Kerosin sind an Bord, und natürlich die Passagiere, 269 Passagiere (alle mit Übergepäck!). Seitdem wir über dem Indischen Kontinent sind, wird die Maschine durch Turbulenzen erschüttert. Wegen des hohen Startgewichts, kann der Captain die Maschine noch nicht in höhere, ruhigere Luftschichten steigen lassen. Der Flug geht von Bangkok über Kanchanaburi, Tavoy, südlich von Rangoon, über Calcutta (1420 Uhr), Varanasi (15 Uhr), Lacknow (1530 Uhr), New Dehli (16 Uhr) in 9.400m ü.NN. Die Geschwindigkeit über Boden beträgt nur 757km/h. Wir haben Gegenwind. Um 18 Uhr sind wir auf 10.700m ü.NN und fliegen mit 710km/h nördlich an Karachi vorbei, dann nördlich Gwadar, nördlich Kerman (18 Uhr), Richtung Esfahan. Die Geschwindigkeit sinkt wegen des Gegenwinds sogar noch auf 685km/h in 10.700m Höhe. Weiter geht's über Teheran und Yoszga; um 2140 Uhr passieren wir Ankara nördlich und fliegen Richtung Istanbul. Um 2230 Uhr ist die Maschine in 11.900m ü.NN über Varna. Der Gegenwind hat nachgelassen, wir legen in zwischen 830km/h zurück. Dann geht's über Bukarest, Budapest, Lake Balaton (2340 Uhr) nach München. Zwischen Varanasi und Dehli wird eine warme Mahlzeit serviert.

Vorn auf 6A und 6C quäkt alle paar Minuten ein Kleinkind. Die Münchnerin, die neben Anne sitzt, er zählt, daß sie seit 7 Jahren Hausfrau und seit 5 Jahren Ehefrau des "Vampirs" ist. Sie ist Zahnärztin, hält sich soweit auf dem laufenden, daß sie jederzeit wieder in ihrem Beruf arbeiten kann, genießt aber ansonsten die Freiheit und Ungebundenheit des Hausfrauenlebens. Kinder würden genauso stören wie der Beruf. So kann sie viel für sich tun, was ihren Interessen und Neigungen entspricht. Sie und ihr Vampir lieben Cluburlaube. Diesmal waren sie nach der Rundreise durch Nordthailand noch 2 Wochen im Club Aldiana, mit vielen Extrakosten für die sportlichen Aktivitäten, die beim Club Med üblicherweise inklusive sind. Club Aldiana ist 'was für Gourmands; die angefutterten Kilos - selbst um Mitternacht wurden noch Suppen serviert - kann man dann im Club Med wieder abtrainieren. Nach dem Essen macht sich ein Herr um die 50 etwas lächerlich. Er läßt den Chefsteward antanzen, um sich über eine Stewardeß zu beschweren, die ihm nichts zu trinken gebracht hat. Dann kriegt er 2 Bier und ist ruhig und pennt. Reisestreß läßt Menschen oft lächerlich wirken, vor allem, wenn sie dann noch im Rudel zusammengepfercht sind. Wir waren alle heute nicht glücklich darüber, früh um 330 Uhr geweckt zu werden, um dann endlich um 1205 Uhr Richtung Deutschland abfliegen zu können. Irgendwie stinkt jedem die Warterei und das Schlangestehen. Zum Beispiel am Flughafen Bangkok, beim Check-In, ertragen wir ungern die Situation, irgendwo im Mittelfeld oder im letzten Drittel, der in Schlange stehenden Menschenmenge zu geraten. Deshalb wechseln wir die lange Schlange, um die Koffer durchleuchten zu lassen. Die Schalterhalle ist für den Ansturm von 500 Menschen nicht ausgelegt. Jeder meint selbstverständlich, seine Koffer als erster los werden zu müssen, obwohl der kluge, kühle Denker weiß natürlich genau, daß es eigentlich ganz egal ist, wo man auf den Abflug wartet. Wir stellen uns irgendwie in die Schlange für Düsseldorf an. Hin und wieder drängeln sich ein paar Münchener und Frankfurter durch oder es stellen sich noch Leute seitlich an. Ferdi nutzt heute morgen auch mal die Gelegenheit, sich lächerlich zu machen. Er schreitet Zentimeter für Zentimeter voran, so wie die Kriechgeschwindigkeit der Schlange es gestattet. Aber er steht bald etwas einsam mit den Tickets da, denn die Mädchen sind mit den Kofferkulis zurückgeblieben und hinter Ferdi steht derweil ein fremder Kofferkuli mit Tickethalterin und Fahrer. Annelie hatte die Leute vorgelassen. Ferdi wird harsch zurückgepfiffen und muß seine exponierte Stellung an vorderster Front auf geben. Nun ja.

Über unsere schwäbischen Mitreisenden - sie ist aus Ravensburg und selbstgemachte Spätzle sind ein Grundnahrungsmittel, wie für die Thai der Reis, das hat sie auf der Nordthailandtour mal erzählt - gibt's noch 'was zu berichten: Als sie in Bangkok ankamen, waren die Koffer nicht da; sie kamen erst eine Stunde später mit der nächsten Maschine aus Phuket. Dadurch checkten sie als allerletzte für München ein und wurden dann noch irrtümlich auf bereits vergebene Plätze über das elektronische Platzreservierungssystem gebucht. Aber egal, zum Schluß sitzen sie in Reihe 9, direkt vor uns. Der Hamburger mit dem Bandwurm und seine Freundin sitzen in Reihe 10 am Fenster. Nur in dieser Boing 767-300 gibt es in Reihe 10 keine Fenster, sondern ein geschlossenes Element. So fliegen wir über Pakistan und den Iran auf die Türkei zu. Gegen 1840 Uhr serviert man uns ein Stück Kuchen und ein Getränk. Um 1915 Uhr sind kurz vor Esfahan die Turbulenzen überstanden. Um 20 Uhr kommt dann der nächste Film: Schlaflos in Seattle. Übrigens erfolgen inzwischen die Platzreservierungen in der Maschine per Computer. Seitdem dauert es nicht mehr 2 Minuten beim Check-In, sondern mindestens 5, eher 10 Minuten. Es ist förmlich eine Beratung, die durchgeführt wird, wenn man zu zweit oder gar zu viert Plätze haben will. Früher gab es Klebeetiketten, die nebeneinander nach dem Sitzplan der Maschine auf einer Karte aufgeklebt waren. Mit einem Blick bekam man die Plätze gezeigt, die Klebeschilder wurden abgelöst und auf die Bordkarten geklebt. Heute liest die Airport-Mieze am Counter erst 'mal vom Bildschirm vor, in welcher Reihe noch 'was frei ist. Dazu tippt sie hektisch am Terminal, wartet auf die Antwort vom Computer, erzählt der Kundschaft, was Sache ist; dann gibt es oft Fragen, wo die Plätze sind und so geht dieses Spielchen hin und her. Wenn man Pech hat, haben andere Leute sich dann doch eher für dieselben Plätze entschieden und das ganze Spielchen fängt von vorn an. Wenn man noch mehr vom Pech verfolgt ist, werden die Plätze sogar doppelt belegt. Das ist zumindest beim Hin- und beim Rückflug Leuten passiert, z.B. den Ravensburgern. Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Hektik auftritt, wenn der Computer streikt oder abstürzt. Wie einfach und übersichtlich war da doch das Klebeschildchensystem aus den goldenen 80-er Jahren. Ich will mich hier nicht als Computerfeind erklären, schließlich verdiene ich mein Geld mit Arbeit in dieser Branche. Aber man sollte trotzdem darüber nachdenken, was man computerisiert und was es bringt. Was bei den Airlines noch völlig fehlt ist WINDOWS. Wenn das bei den Buchungen und Reservierungen erst einmal eingeführt ist, wartet man darauf, daß die Airport-Lady Fensterchen öffnet und verschiebt und Icons anklickt. Hoffentlich werden vor Einführung von WINDOWS die Schalterhallen und die Zahl der Schalter vervierfacht, sonst - fahre ich doch lieber mit der Bahn, obwohl, da dauert es auch inzwischen viel länger, bis der Computer die Fahrkarte ausgedruckt hat. Riesig groß ist sie, verglichen mit den alten kleinen braunen Pappkärtchen. Dazu wird sie dann mit Klebestreifen in ein Heftchen eingeklebt, so daß sie fast wie ein Flugticket aussieht. Na gut, dann fahre ich eben Auto, doch wehe, wenn man parken will, dann geht's genauso los. Ja, ja, die Einführung von Computern ist ein Selbstläufer. Hätten wir keine Computer, wie hoch wären dann erst unsere Arbeitslosenzahlen. Heute sind die Menschen schon fast so von der Computerindustrie abhängig, wie vor 20 Jahren von der Autoindustrie. Übrigens, seit die Computer in den Flugzeugen die Steuerung und Überwachung vornehmen, darf man keine Videoaufnahmen mehr bei Start und Landung machen oder seinen Laptop betreiben. Das alles aus Furcht, der eine Computer könne auf magische Weise den anderen beeinflussen. Das zeigt, wie wenig betriebs- und störsicher die Systeme ausgelegt sind. Dem Computerabsturz folgt der Flugzeugabsturz und der Pilot wundert sich. Beispielsweise raste doch ein Lufthansa-Airbus in Warschau über das Ende der Landebahn hinaus, da der Computer nach der Landung die Schubumkehr verhinderte, weil nicht alle Räder rotierten. Diese rotierten aber nicht wegen des Aquaplaning bei regennasser Landebahn und defekter Bremsen. Konsequenz dieser beiden Umstände: Bruch.

Um 2115 Uhr hat der kleine Jonah die Verkupplung seines Vaters Sam auf dem beherzten Empire-State-Building geschafft. Die Mädchen um mich herum sind sehr tapfer; ich brauche keine Taschentücher auszuteilen.

Wir sind kurz vor Ankara, noch 3h15' bis München. 015 Uhr, über München liegt ein Gewitter. Wir kreisen mit 440km/h in 3.000m ü.NN eine Runde. Dann landen wir fast pünktlich um 030 Uhr Thailand Standard Time, 1830 Uhr MEZ in München-Erding. Unser Weiterflug nach Düsseldorf verzögert sich leider bis 2140Uhr. Gerd spendiert im Café 4 Kaffee für 20 DM. Bei diesen Preisen verdichtet sich die Gewißheit: Wir sind wieder daheim, Deutschland hat uns wieder. Außerdem rufen wir noch 3 Mütter an, um zu berichten, daß wir schon in München sind. Mit einer Boing 757-230, die nur spärlich besetzt ist, fliegen wir nach Düsseldorf. Gegen 2145 Uhr gehen diverse Maschinen von München, nach Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Zusammen mit den Passagieren aus anderen Urlaubsgebieten, Mombasa, Kairo, zusammen mit Postgut und Cargo geht es dann endlich Richtung Düsseldorf. Wir können sogar noch die Verladung unseres eigenen Koffers von der Kabine aus beobachten. Noch nie hat Annelie so weit vor der Tragfläche gesessen wie heute, denn wir dürfen uns die Plätze sogar selbst aussuchen. Annelie bestellt gleich erst 'mal 'nen Mumm auf Kosten der Condor, aber Condor hat keinen Mumm. Die Maschine ist Mumm-frei - versichert uns die blonde Stewardeß. Um 2210 Uhr hebt die Maschine ab, Flugzeit 50 Minuten. Um 23 Uhr sind wir in Düsseldorf. Zoll- und Paßkontrolle haben schon Feierabend gemacht. Um 1 Uhr sind wir zu Hause. Es ist trocken, +7°C. Zu Hause erwarten uns 2 Blumensträuße (von Frau Tepe und von Renate). Die Mädels trinken noch ein Glas Mumm-Sekt, die Jungs ein Becks, dann schlafen wir.

SO 13.3.94 Münster

Um 630 Uhr sind wir fit fürs Frühstück. Da Frau Tepe den Kühlschrank gefüllt hat, gibt es Aufschnitt, Käse, Seafood-Salad, boiled eggs and Coffee. Der O-Saft ist zwar nicht frisch gepreßt, aber die Marmelade handmade. Mit einem Glas Mumm stoßen wir auf einen schönen Urlaub an, bei dem alles prima geklappt hat und wir uns gut verstanden haben. Wir freuen uns schon auf unser nächstes, gemeinsames Reiseziel im Jahre 1995:

Kenia.

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