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(c) 1994-2001 - Autor: Ferdi Glaremin -
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FR 18.2.94 Münster - Düsseldorf - München - Bangkok
730 Uhr: Katharina telefoniert
uns aus dem Bett. Sie will sich schließlich von allen verabschieden.
Schlaftrunken wünschen wir uns gegenseitig einen schönen
Urlaub. Schnippes reisen im März noch nach Rauris, damit
Katharina das Skifahren lernt.
Um 830 Uhr steht das Frühstück bereit. Es bleibt noch genug Zeit für ein Glas Mumm mit Annelie & Gerd, die schon gestern zu uns gekommen sind. Um 10 Uhr verlassen wir Münster. Gerd hat seinen Wagen in unserer Garage geparkt. Wir nehmen den Passat, damit die 4 großen Koffer auch verstaut werden können. Immer wenn man rechtzeitig fährt, ist die Verkehrsdichte so gering, daß man Zeit satt hat. Wir haben -3°C und strahlenden Sonnenschein. Um 1130 Uhr sind wir in Düsseldorf.
Über den neuen Autobahnzubringer der A44 kommt
man fast am Rollfeld und an der Luftfracht vorbei. Leider führt
diese schöne neue Straße über meinen ehemaligen
gebührenfreien Parkplatz. Auf P23 parken wir für
8 DM/Tag. In der Charter-Abflughalle erhalten wir am NUR-Schalter
unser praktisches Fernreisetäschchen in Neckermann-Blau.
Dann sitzen wir.
Schon nach einer halben Stunde entschließen
sich zwei Bubis, sich am Condor-Schalter anzustellen. Es ist schön
zu sehen, wie schnell sich dann eine Schlange bildet. Annelie
ist dabei, ganz vorn. Sie macht sich mit den Bubis bekannt. Gegen
13 Uhr werden dann Sicherheitsgebühren von 8 DM
pro Person erhoben. Alle sind ganz wild darauf zu zahlen. Nur
Annelie fragt sich, wofür eigentlich? Annelie hinterfragt
ja sowieso sehr viel und manchmal sind die Antworten gar nicht
so leicht zu geben, wie die Frage erst vermuten läßt.
Zwei Stunden vor Abflug wird der Schalter geöffnet. Für
die 8 DM erscheint das Personal, das alle Reisewütigen
erst einmal wieder aus der Absperrung um den Condor-Schalter ekelt.
Zu Tätlichkeiten kommt es nicht. Alle müssen 'raus -
Annelie, die unseren Gepäckwagen mit den vier Koffern fährt,
stellt sich so ungeschickt an, daß sie bleiben darf. Dies
erfreut nicht unbedingt die anderen Reisewilligen, aber gut. Wir
Jungs lassen nach dieser Erfahrung auf der ganzen Reise nur noch
die Mädchen Gepäckwagen schieben, das klappt vorzüglich.
Nach dem Check-In lunchen wir im Self-Service Restaurant
mit Blick aufs Flugfeld. Anne versorgt sich im Duty-Free-Shop
mit allen Kosmetika, die ihr Herz (oder die Haut?) begehrt. Dann
warten wir in C35 auf den Flug DE5376. Um 1430 Uhr
gehen wir an Bord. Wir haben Plätze in der 28. Reihe.
Anne vermißt einen angemessenen Abstand der Sitzreihen.
Sie ist der festen Überzeugung, daß die 28. Reihe
die engste Reihe des Fliegers ist. Pünktlich um 15 Uhr
starten wir vom Rhein-Ruhr-Flughafen Düsseldorf. 50 Minuten
später landen wir in München-Erding. Hier wird die Maschine,
eine Boing 767-300, die 269 Passagieren Platz bietet, bisher
aber höchstens zu einem Viertel besetzt ist, aufgetankt und
für den Weiterflug nach Bangkok mit einer frischen Crew bestückt.
Wir bleiben in der Maschine. Annelie nölt herum. Immer wenn
sie fliegt, sitzt sie über der Tragfläche. Wie zu Hause
auf dem Klo ist die Sicht und das stinkt ihr! Die Boing-767
der Condor ist ein modernes Flugzeug mit Videokamera im
Cockpit. Bei Start und Landung wird auf den Monitoren in der Kabine
die Sicht des Kapitäns nach vorn bzw. nach unten gezeigt.
München-Erding ist ganz in weiß gehalten.
Alle Dächer haben weiße Lamellen als Sonnenschutz.
Der Tower hat Ähnlichkeit mit einem französischen Wasserturm.
Während des Tankvorgangs sind die Passagiere gehalten, auf
den Plätzen zu sitzen. Sitzen, nicht stehen und auch nicht
rauchen oder pinkeln. Um 1630 Uhr füllt
sich dann die Maschine mit Bayern. Man hört's am "Grüß
Gott" und wer weiß was sonst noch. Wir müssen
uns noch etwas in diesen Dialekt einhören, um die Feinheiten
mitzukriegen. Für den Flug nach Bangkok werden 8.778km angezeigt,
die wir in 10 Stunden 15 Minuten hinter uns bringen wollen. Der
Flug geht über Wien, Budapest, Bukarest, Istanbul, Ankara,
Teheran, Esfahan, Dehli, Varanasi, Calcutta, Bassein nach Bangkok.
Zwischen Budapest und Bukarest haben wir Turbulenzen, so daß
das Dinner auf 19 Uhr verschoben wird. Wir fliegen zunächst
in 8.800m ü.NN, dann in 10.100m Höhe mit 930km/h bis
970km/h. Um 21 Uhr wird der Film Jersey Girl gezeigt. Um
2230 Uhr setzt er seine Karriere aufs Spiel,
sein Auto vor 'nen Hydranten und hält sein Jersey-Girl in
den Armen. Wir haben Teheran und Esfahan passiert und fliegen
inzwischen mit 1.000km/h in 11.300m Höhe. Draußen sind
-50°C.
Der nächste Film heißt The Firm.
Ein junger Anwalt mit exzellentem Juraexamen wird von einer 40-Personen
Anwaltsfirma, die mit der Mafia zu tun hat, eingestellt. Normalerweise
scheidet kein Anwalt lebend aus der Firma aus. Das FBI kommt ins
Spiel und will den Newcomer als Beschaffer von Akten und Informationen
für sich gewinnen. Durch die viele Arbeit droht seine Ehe
zu zerbrechen. Gegen 1 Uhr sind die Bösen tot und unser
junger Anwalt hat alle Probleme gemeistert - so gut es ging. Er
träumt nun davon, sich selbständig zu machen bzw. in
einer kleinen Kanzlei zu arbeiten und mit seiner Frau zu altern.
Um 115 Uhr (MEZ) beginnt die Dämmerung über Varanasi. Um 130 Uhr scheint die Sonne über Calcutta. Um 2 Uhr wird Frühstück serviert. Ein Kurzfilm über Thailand soll die Vorfreude auf Land und Leute verstärken und die landesüblichen Sitten und Gebräuche erläutern, um den Besucher nicht sofort bei Ankunft ins Fettnäpfchen treten zu lassen.
Pünktlich um 4 Uhr (MEZ), 10 Uhr (Thailand Standard
Time) landet Condor DE5376 auf dem Don Muang Flughafen
in Bangkok. Der Flughafen macht einen sehr sauberen Eindruck.
Nach der Paßkontrolle, bei der viele Stempel auf Einreiseformular
und Paß verteilt werden, und nach der problemlosen Zollkontrolle
werden wir von einem Dutzend NUR-Damen erwartet, die uns den Weg
zum klimatisierten Bus weisen.
Am Exchange-Schalter hole ich mir 10.000 B (Baht) auf VISA-Karte,
etwa 700,-DM.
Über die Beinfreiheit im Bus kann ich mich nur angenehm überrascht
wundern. Sinn und Nutzen der Wadenschoner an den Sitzen haben
wir noch nicht ergründet. Wir fahren 2½ Stunden nach
Norden.
Lop Buri ist der erste größere Ort. Man feiert gerade zu Ehren König Rama des IV. ein Tempelfest. Zu seiner Zeit (1851-1868) war Lop Buri mal kurz Hauptstadt von Thailand. Wir halten in der Stadtmitte beim Tempel Wat Pram Sam Yod, dem "Affentempel". Nebenan steht noch der aus der Khmer-Zeit stammende Wat Phra Sri Ratana Mahatat. Die Besichtigung ist auf heute Nachmittag vorgezogen, da die Affen nachmittags satter und friedlicher sind, als früh morgens. Zahlreiche Touristen ließen nämlich schon Schmuck und Brillen als unfreiwillige Opfergaben dort. Dies wurde uns auch vor zwei Wochen noch von Doro & Jürgen als warnender Hinweis mit auf die Reise gegeben. Sie hatten den Tempel wegen der Menschenfülle und der nervenden Affen, die als heilig gelten, schrecklich in Erinnerung. Während der Besichtigung machen sich der fehlende Schlaf und die Wärme bemerkbar. Es sind 36°C und zu Hause waren es vor 18 Stunden noch -3°C. Müdigkeit macht sich bei allen in der Gruppe breit. Unsere Reiseleiterin von NUR heißt Claudia Schwan. Sie hat noch eine englisch sprechende Thai, namens Thimmy, von der Asia Travel Tour Company dabei. Dann haben wir noch den Busfahrer und den Busfahrerhelfer, der u.a. kalte Getränke verkauft. Cola und Wasser kosten 10 B (0,70DM), Bier kostet 40 B (2,80DM). Heute wird viel Cola getrunken. Nach der Tempelbesichtigung bekommen wir kalte Erfrischungstücher.
Dann fahren wir zum Hotel Lop Buri Inn, wo wir übernachten. Wir duschen und schlafen ein paar Stunden (von 1430 Uhr bis 17 Uhr). Um 18 Uhr ist das Dinner angesagt. Danach trinken wir noch zwei Bier im Hotelrestaurant und gehen früh zu Bett.
615 Uhr Wecken, 630 Uhr Frühstück, mit frisch gepreßten Orangensaft und für uns eine Lariam als Malariaprophylaxe, 730 Uhr Abfahrt. In Zimmer 626 wurde Kleidung gefunden. Noch bevor Annelie rumnölen kann, daß die Typen nicht 'mal auf ihre Klamotten aufpassen können, fällt Gerd auf, daß 626 Wahlers Zimmer war. Die Thai sind nachtragend, so daß wir trotzdem pünktlich abfahren können. Von 11 Uhr bis 12 Uhr besichtigen wir in Phitsanulok die Tempelanlage Wat Phra Sri Ratana Mahatat, am Fluß Nan.
Hier wird gerade ein Tempelfest gefeiert.
Die berühmteste Buddha-Statue (Phra Buddha Chinarai) aus
der Sukothai-Zeit (um 1300 gegossen) wird in diesem Tempel verehrt.
Durch eine Ebene mit vielen Reisfelder, die größten
teils abgeerntet sind, fahren wir nach Sukothai. Wir essen im
Restaurant Nam Kang (Tautropfen) zu Mittag.
Der Name Sukothai bedeutet "Morgenröte der Glückseligkeit".
Unter König Ram Khamheng (1280-1317), der als "Vater
der Nation" gilt, wurde diese Stadt zur Hauptstadt des Thai-Reichs.
Er brachte das Land als überragende Herrscherpersönlichkeit
zur künstlerischen Hochblüte und entwickelte u.a. das
Thai-Alphabet, das heute noch benutzt wird. Er schaffte die Steuern
ab und setzte sich für freien Handel ein. Eine Inschrift
aus dem Jahr 1292 n.Chr., die heute im Nationalmuseum in Bangkok
aufbewahrt wird, besagt:
Die Menschen müssen glücklich und zufrieden gewesen sein, ein Traumstaat. Selbst die Buddhastatuen haben in dieser Stadt einen besonders zufriedenen Gesichtsausdruck.
Nach dem Mittagessen besichtigen wir den historischen Park mit
dem Wat Sri Chum, eine 14m hohe, sitzende Buddhastatue auf einem
4m hohen Sockel, das Ramkhampheng-Museum und die Ruinenanlage
Wat Mahatat.
Wir übernachten im Pailyn Hotel. Um 19 Uhr ist das Abendessen
im Innenhof des Hotels am Swimmingpool, ein Buffet.
Auf der Fahrt haben wir heute die Thaisprache gelernt:
| 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 | nüng, song, sahm, sih, hah, hock, dched, päd, gao, sib, |
| 11, 12, 20, 30, 100, 200 | sib edd, sib song, ..., yi sib, sahm sib, ..., nüng roi, song roi, ... |
| 1000, 2000 | nüng pann, song pann |
| sawaddie kah/krab | Guten Morgen, Tag, Abend (weibl./männl.) |
| Khob Khun kah
Khob Kuhn krab | Danke (weibl.)
Danke (männl.) |
| Kuhn | Herr, Frau, Fräulein |
| Chon kah/krab | Bitte (weibl./männl.) |
| Tau Rai | Was kostet das? |
| Päng Bai | teuer zu |
| Päng Mag | teuer sehr |
| Päng Päng | teuer teuer |
| Di Mag | gut sehr |
| Soey | schön |
| Mai Pen Rai | Das macht nichts (Nicht macht das) |
| Sanuk | Spaß |
| Yai | groß |
| Lek | klein |
| Saparott | Ananas |
| Cha | Tee |
| Cha Cha | langsam |
| Hong Nam | Zimmer Wasser = Toilette |
| Bla | Fisch |
| Gei | Huhn |
| Koh | Insel |
| Nong | Kellner |
| Wat | Kloster, Tempel |
| Wai | Begrüßung |
| Chedi | Pagode, Stupa |
| Bot | Ordinationshalle der Mönche |
| Viharn | Halle mit Buddhafiguren |
| Mai Au, Mai Donggahn | Nicht will, Nicht möchte |
Die Grammatik ist einfach, es gibt keine Zeiten,
keine Konjugation, keine Deklination, keine Artikel, aber bis
zu 5 verschiedene Betonungen eines Wortes, die den Sinn ändern.
Das Thai-Alphabet besteht aus 44 Konsonanten, 24 Vokalen und 4
diakritischen (zur Unterscheidung der Betonung benutzten) Tonzeichen.
Man schreibt von links nach rechts. Ab sofort erhalten wir unsere
Zimmerschlüssel von Claudia & Thimmy nur noch nach Nennung
der Zimmernummer auf Thai.
Außerdem lernen wir: Bangkok heißt Dorf Oliven (kleines Olivendorf). Die Thai sagen zu Bangkok Krung Thep (Stadt der Engel) als Abkürzung für den 178 Buchstaben langen Namen Krungthepmahanakhonbowonraanakosintharamahintharayutthyamahadilokphopnopharatanaratchathaiburiromudomratchaniwetsanamahasathnamonphimanawatasathitsakkathatiyavshnukamprasit, was sinngemäß Stadt der Engel, größte aller Städte, unsterblich wertvolles Juwel, allmächtig und alt, Hort der neuen, kostbaren Edelsteine, himmlische Stadt von Vishnukarman erbaut heißt. Die Thai sagen schlicht Krung Thep und in Amtsthai heißt Bangkok Phra Nakorn, Heilige Stadt. Buddha hatte im Jahr 543 v.Chr. seine Erleuchtung; daher ist in Thailand jetzt das Jahr 2537 (543+1994). Buddhisten sollten mindestens einmal im Leben eine Woche im Kloster als Mönch leben, besser noch 3 Monate. Sie müssen dafür aber gesund und schuldenfrei sein und müssen einige Regeln beachten:
Nur vormittags (von Sonnenaufgang bis 12 Uhr)
essen, danach nur Wasser oder Tee trinken. Zigaretten sind erlaubt.
Keine Rauschmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Keine Beziehungen
zu Frauen haben. Sie dürfen nur wenige Dinge besitzen, wie
ihr Safran-farbenes Tuch, Opferschale, Rasierzeug. Die Mönche
besuchen vormittags ausgewählte Familien, die für sie
kochen und ihnen dann Speisen mitgeben. Die Familien bedanken
sich für die Ehre, den Mönchen Opfergaben zu geben.
In öffentlichen Verkehrsmitteln werden Mönche umsonst
oder zum Kindertarif mitgenommen. Es gibt reservierte Plätze
in Bussen. Frauen dürfen nicht direkt neben Mönchen
sitzen. Mönche genießen ein sehr hohes Ansehen und
werden sehr respektiert.
Reisanbau: Der Reis wird gesät, nach 3 Wochen vereinzelt und in größerem Abstand werden die Pflanzen dann gesetzt. Nach 3-4 Monaten werden die Ähren dann einzeln abgeschnitten, denn man meint, der Reis besitze eine Seele und man dürfe daher nur Halm für Halm abschneiden. In Thailand wird überwiegend Naßreisanbau betrieben. Insgesamt werden 20 Millionen Tonnen pro Jahr geerntet und 5 Millionen Tonnen exportiert. 1kg Reis kostet 10 B bis 15 B, also etwa 1 DM/kg. Vielen Thai fehlt ein Enzym zum Abbau von Milcheiweiß. Daher gibt es in Thailand kaum Milchprodukte auf der Speisekarte. Die Thai empfinden sogar Ekel vor Käse, vor allem vor Schimmelkäse. Toiletten sind vielfach Steh- oder Hockklos. Thai benutzen kein Toilettenpapier, sondern benutzen Wasser zum säubern. Oft gibt es eine Art Brauseschlauch in den Toiletten oder ein Wasserbecken mit Schöpfnapf.
550 Uhr Wecken, 615 Uhr
Frühstück, 7 Uhr Abfahrt. Wir besichtigen einen
kleinen Betrieb, der Zucker aus Zuckerrohr herstellt. Das Zuckerrohr
wird abgeschlagen. Mit einer Presse wird der Saft aus dem Rohr
gewonnen und aufgefangen. Dann wird der Saft gekocht und eingedickt.
Geheizt wird mit dem trockenen Zuckerrohrstroh aus der Presse.
Der eingedickte Saft karamellisiert und wird in hellbeigen Scheiben
oder Plättchen getrocknet und abgekühlt. Diese werden
dann verkauft. Zuckerrohr steht nach Reis und Maniok auf Platz
3 der Agrarprodukte, die Thailand exportiert. Um 8 Uhr halten
wir an der Schule von Sawank Kohok. Die Kinder tragen eine Schuluniform.
Seit 1921 gibt es die Schulpflicht in Thailand. Der Schulbesuch
ist kostenlos. Es gibt 7 Schuljahre. Zunächst eine Vorschule
und ab dem 7. Lebensjahr die Hauptschule. Die Kinder putzen die
Klassenzimmer selbst und handeln mit Schreibutensilien. Um 8 Uhr
wird die Nationalhymne im Radio übertragen und von den Kindern
nachgespielt. Die Nationalflagge (waagrechte rot, weiß,
blaue Streifen) wird gehißt. Dann gibt es noch eine Ansprache
des Direktors mit Hinweisen zu aktuellen Themen, z.B. heute mit
Appellen zum Sparen von Trinkwasser wegen der monatelangen Trockenheit
im Norden und Osten Thailands. Danach spielt das Schulorchester
und es werden "gymnastische" Übungen gemacht. Dann
marschiert man in die Klassenzimmer.
Thailand hat 14 Universitäten, deren Besuch kostenpflichtig
ist.
Nach der Schule besichtigen wir die Tempelanlage Sri Satchalanai.
Wir gehen über eine schwankende Hängebrücke über
den Fluß Yom zur Tempelanlage. Im Bot steht ein goldener
Buddha. Wer möchte, kann hier sein Horoskop "ziehen"
bzw. ein Rohr mit numerierten Stäbchen so lange schütteln,
bis eins herausfällt. Anne erwischt Horoskop Nummer 11, dessen
Bedeutung Thimmy später übersetzt.
Wir besuchen einen Markt mit allerlei Obst und Gemüse, Fische
und Aale. Thimmy erklärt alles.
Auf der Fahrt nach Lampang kommen wir in eine hügelige Gegend.
Die Straße verläuft recht kurvig. Teak-Bäume wurden
hier neu angepflanzt. Teak darf in Thailand nicht mehr abgeholzt
werden. Offiziell wird das Holz für Thailand, z.B. für
den Hausbau oder für Möbel, aus Burma eingeführt.
Landhäuser stehen in Thailand auf Pfählen und sind aus
Teakholz. Thailand hat noch etwa 5.000 Elefanten, davon 1.500
frei lebend. Um die Jahrhundertwende waren es noch 100.000. Einige
wenige Tiger und Bären leben noch im Primärwald an der
burmesischen Grenze und in den Nationalparks. Es gibt etwa 120
Schlangenarten, davon 10 giftige Arten. In dieser Gegend wächst
viel Pampas-Gras und Bambus.
Das Wetter ist heute sehr diesig, und es ist nicht ganz so heiß. Am Paß führt die Straße durch Restbestände des Primärwaldes. Die Yong-Bäume, deren Harz für Lacke benutzt wird, haben eine Höhe von bis zu 75m. Lunch haben wir in Lampang in einem Restaurant am See in kleinen Hütten.
In Lampang wohnen viele Thai chinesischer Abstammung. Es gibt
einen großen chinesischen Friedhof. Chinesen beerdigen ihre
Toten, nur die buddhistischen Thai verbrennen die Leichen in Krematorien,
die vielfach bei Tempelanlagen zu finden sind.
Nach dem Mittagessen liest Thimmy die Horoskope vor. Annes Horoskop
ist sehr gut: Vollmond, ganz hell. Alles klar, ihr Mann steht
ihr immer zur Seite (und macht die ganze Hausarbeit). Ein Krach
mit ihrer Mutter (?) hat nachgelassen; sie versteht jetzt, was
sie will. Alles easy.
Nachmittags fahren wir über den Geisterhäuser-Paß
Richtung Lamphun. Auf der Paßhöhe stehen hunderte Geisterhäuser,
bunt bemalt, mit Blumen und Figuren geschmückt. Ab 1500 B
kann man so ein Geisterhaus in Gartenmöbelgeschäften
kaufen und hierher oder auf sein Grundstück stellen. Jeder
Thai hat so ein Geisterhaus zu Hause, damit die bösen Geister,
vor allem der Erdgeist Phii Ruan, dem man ein Stück Land
zum Bau des Hauses weggenommen hat, sich vom richtigen Haus fernhalten
sollen. Man legt Opfergaben in das Geisterhaus, etwas Reis, Früchte,
Blumen und Räucherstäbchen. Inzwischen schmückt
man die Häuser mit bunten, blinkenden Lichterketten. (Ähnliche
Sitten und Gebräuche haben wir auch 1991 auf dem hinduistischen
Bali angetroffen. Dort wimmelte es ja nur so von Tempeln, die
man umhegte, und zu denen man täglich Opfergaben brachte.
Dazu wurden dann noch Blumen und Obststückchen und ein paar
Reiskörner auf den Boden gelegt. Hier nimmt man eben ein
Geisterhäuschen, das sorgsam auf dem Grundstück plaziert
wird.) Auf der Paßhöhe haben die Bus- und Lastwagenfahrer
und viele andere Autofahrer ihre Häuschen stehen. Immer,
wenn sie diese Stelle passieren, hupen sie, um ihre Verehrung
auszudrücken. Früher machten sie noch den Wai (Begrüßung)
während der Fahrt, aber da gab's zu viele Unfälle. Heutzutage
genügt ein Hupen.
Der Tempelkomplex von Lamphun ist wunderschön. Draußen
steht ein Tempel mit einem liegenden Buddha. Durch ein weißes
Tor betritt man den inneren Tempelbereich des Haripunchai, der
schönsten Klosteranlage des Mon-Königsreichs. Der Hauptbau
ist reich geschmückt, innen sind drei goldene, sitzende Buddha-Statuen.
Der Chedi mit vergoldeten Kupferplatten ist 51m hoch und mit insgesamt
150kg Gold bedeckt. Der größte Gong der Welt steht
ebenfalls im Innenhof des Haripunchai. An der Ostseite befindet
sich außerhalb noch ein Tempel, der einen dickbäuchigen,
chinesischen Buddha beherbergt.
Wir kaufen 12 Ansichtskarten für 50 B, 12 Briefmarken für je 9 B mit sehr schönen Motiven und außerdem 3 Tigerbalsam für 100 B. Von Lamphun aus geht es auf einer Allee, die von 700 Jahre alten Bäumen gesäumt ist, Richtung Chiang Mai. Vor kurzem sollten die Bäume gefällt werden, damit die Straße verbreitert werden kann. Durch Intervention des Königshauses wurde dies auf Initiative der Bevölkerung jedoch verhindert. Um 1630 Uhr sind wir im Hotel Chiang Inn, das mitten in der Innenstadt liegt. Auf der Hauptstraße tobt das Leben, vor allem von 17 bis 24 Uhr der Nachtmarkt. Wir duschen im Hotel, denn schon um 1730 Uhr werden wir (fakultativ) mit Minibussen in ein Wohngebiet gefahren. Im 1. Stock befinden sich in einem Raum 10 Matratzen nebeneinander, 5 auf jeder Seite. Dann kommen 10 Frauen herein, um uns fast 2 Stunden lang zu massieren. Wir haben uns zwischenzeitlich ein weißes Seidenhemd und eine etwas übergroße, weinrote Hose angezogen. Die Hose hat keinen Gürtel und kein Gummiband und fällt somit normalerweise Richtung Erdmittelpunkt. Mit Eintreffen der Masseurinnen werden wir gehalten, uns hinzulegen, was diese etwas komische Situation entschärft. Sie beginnen damit, die Füße zu massieren, dann das linke, dann das rechte Bein, dann die Arme und zum Schluß Rücken und Kopf. Der Raum ist fast zu stark klimatisiert. Beim Massieren setzen die Frauen ihren ganzen Körper ein, Hände, Arme, Beine. Sie sitzen mal so, mal so, aber es handelt sich um eine medizinische Massage. Meine Masseurin übertreibt es nicht. Anne fühlt sich etwas grob am Rücken behandelt. Die 10 Frauen arbeiten fast synchron. Im Hintergrund läuft leise Musik, zu der sie etwas singen oder summen. Um 1945 Uhr sind wir fertig. Die Minibusse bringen uns zum Hotel Chiang Inn zurück. Die Massage kostet 440 B plus 20 B Trinkgeld. Danach spazieren wir mit A&G über die Hauptstraße, um ein Restaurant aufzusuchen. Nach etwas Hin und Her setzen wir uns auf die Terrasse des Burger King, essen 4 Cheeseburger, 4 French Fries, 4 Cola für 296 B. Dann schauen wir uns in einigen Geschäften um. Es gibt tausende Verkaufsstände auf der Hauptstraße. Verkauft wird alles, was man nicht braucht, Plagiate von Uhren, Taschen, Parfums, T-Shirts usw. Annelie kauft sich eine Hose mit Gummizug mit schwarzweißem Muster für 100 B (7 DM) und Gerd kauft ein neues Portemonnaie für 300 B. Wir sitzen auf einem Platz, trinken ein Bier und sind dann um
2330 Uhr wieder im Hotel, Zimmer 701.
Chiang Mai ist mit 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Thailands. Man nennt die Stadt auch die "Rose Thailands". Die Stadt ist 700 Jahre alt. Chiang Mai heißt "Die neue Stadt".
6 Uhr Wecken, 615 Frühstück,
7 Uhr Abfahrt. Beim Frühstück, um 630 Uhr,
ist es etwas trubelig. Wir sitzen im Nebenrestaurant. Dort gibt
es noch genug freie Plätze, nur das Essen müssen wir
uns aus dem Hauptrestaurant herüberholen. Um 705 Uhr
starten wir zur 12km entfernten Klosteranlage Wat Phra Tat Doi
Suthep, die aus dem 14. Jahrhundert stammt. Diese Anlage
ist kleiner als die von Lamphun, aber sicher genau so schön.
Die gesamte Anlage ist mit Gold überzogen, das wunderschön
im fahlen Licht der Morgensonne glänzt. Sie liegt auf dem
Berg Suthep, 1.050m ü.NN. Der Blick auf die Stadt ist uns
verwehrt; es ist zu dunstig. Zur Tempelanlage führt eine
Bahn für die fußfaulen Oytener und eine 290 Stufen
lange Treppe, die mit zwei Drachen aus Kacheln als Geländer
gesäumt wird.
Als wir wieder unten sind, kommt Königin Sirikit vorbeigefahren.
An der Straße zum Berg Suthep stehen überall Polizisten.
Die Eskorte besteht aus mindestens 20 Fahrzeugen, inklusive Krankenwagen.
Unterhalb des Klosters befindet sich praktischerweise eine Jadefabrik.
Das Rohmaterial, Aluminium-, Calcium- und Magnesiumsilikatgestein
wird aus Burma über die Grenze geschmuggelt und hier zu Schmuck,
Elefanten und Buddha-Statuen weiter verarbeitet. Annelie muß
heute Nacht, nach anregender Massage, artig gewesen sein, denn
sie darf sich einen Elefanten als Kettenanhänger aussuchen.
125 DM wechseln den Besitzer und schon ist Annelie der Elefant
im Porzellanladen, der nichts vergißt und sich gerade der
Hehlerei schuldig gemacht hat. Annelies Elefant ist grün,
also aus dem wertvolleren Aluminiumsilikat. Übrigens wurde
ein etwa 5cm großer Elefant für die NUR-Gruppe verlost.
Das Glück verfehlte unsere Losnummer nur knapp und traf eine
Frau unserer Gruppe (wir erfahren nachher, daß es sich um
die "Berlinerin" handelt), die sonst noch nie Lotterieglück
hatte. Wir gönnen's ihr. Übrigens fährt Sirikit
hier herum, weil sie 5km oberhalb des Tempels einen Zweitwohnsitz
hat. Von hier aus besucht sie mit ihrer Karawane (oder ihre Karawane
mit ihr (?)) die Bergdörfer, um ein Projekt zu fördern,
das die Bevölkerung dazu bringen soll, Obst und Gemüse
statt Mohn (für die Opiumgewinnung) anzubauen. Vor allem
Sojabohnen sollen so gesund sein. Als nächstes steht unten
in Chiang Mai der Tempel Wat Jed Jod, ein Nachbau des Maha-Bodi-Tempels,
auf dem Programm.
Dann fahren wir zu einer Lackfabrik. Der Lack wird aus dem Harz
des Mammutbaumes Jong (aus dem Monsum-Primärwald) gewonnen
und auf Teak- oder Bambusholz aufgetragen, eine Woche getrocknet,
geschliffen und poliert. Diese Prozedur wird insgesamt 8 mal durchgeführt.
Nach 2 Monaten wird das fertige Produkt endbehandelt. Blattgold,
Perlmutt oder Eierschalen werden aufgetragen oder der Gegenstand
wird bemalt. Wir kaufen einen Elefanten mit Blattgoldauflage für
160 B. Danach besichtigen wir eine Silberschmiede. Das Silber
kommt aus Burma. Mit Kupfer vermischt wird daraus Sterlingsilber
(925). Aus einer flachen Scheibe (wie eine Münze) wird durch
Hämmern ein Teller bzw. eine Schale gearbeitet. Zwischendurch
wird das Material wieder erhitzt und dann weiter ausgetrieben.
Die Rohschale wird mit Pech gefüllt und von außen fein
bearbeitet, z.B. mit Elefanten oder anderen dekorativen Mustern
verziert.
Lunch haben wir heute im Hua-Restaurant, außerhalb der Stadt.
Das Restaurant liegt sehr schön an einem See. Es wird von
einem Chinesen betrieben. Annelie wird heute endlich mal satt.
Nachmittags fahren wir zur Holzschnitzerei bzw. Möbelfabrik.
Wunderschöne Möbel mit Perlmutteinlegearbeiten und Schnitzereien
aus Teak- und Rosenholz werden hier gefertigt. Die Möbel
sind qualitativ sehr hochwertig verarbeitet. A&G kaufen spontan
ein Rosenholzschränkchen mit parallelogrammförmiger
Grundfläche für 2.150 DM, frei Bremen.
In der Seidenfabrik erfahren wir alles über Seidenraupen,
deren Verpuppung, das Spinnen und wir sehen die handbetriebenen
Webstühle, auf denen man etwa einen Meter Seidenstoff pro
Stunde schafft. Anne kann sich heute zu nichts entscheiden, weder
Stoff zu kaufen, noch sich 'was nähen zu lassen, noch sich
'was fertiges zu kaufen. So bleibt es bei dem einen Lackelefanten
und 2 Seidenmalerei-Bildern, die wir morgens am Doi Suthep gekauft
haben.
Gegen 1630 Uhr sind wir zurück im
Hotel Chiang Inn. Nach kurzem Duschbad gehen wir zum Swimmingpool.
Mit Gutschein gibt es das Bier zur Happy Hour (2 für den
Preis von einem) für 77 B. Das Bier schmeckt gut hier
in Thailand, Singha Bier. Es wird stets kühl serviert. Bei
A&G und bei Anne schäumt es wenig, bei Ferdi immer viel.
Um 18 Uhr verlassen wir bei Sonnenuntergang die Pool Area
zum Shopping und Dining. Anne ist wild entschlossen, den Uhrenmarkt
aufzumischen. Gleich beim ersten Stand auf der Hauptstraße
wechseln 4 Uhren für 1000 B den Besitzer, eine Rolex
(für Johannes), eine Ebel (für Anneliese), eine Cartier
(für Anke) und eine Gucci (für Anne). Als nächstes
erstehe ich ein XXL-Boss-Tennisshirt für 120 B, dann
folgen 2 schöne Fächer, handgemalt. Die Malerin signiert
selbst. Sie verlangt 180 B pro Stück, wir nehmen 2 für
300 B und gehen mit "Sanuk" (mit Spaß und
Freude) auseinander. Ihr Stand befindet sich in der doppelstöckigen
Halle, neben dem Exchange-Büro, das man erreicht, wenn man
vom Chiang Inn auf die Hauptstraße Richtung City geht. Gerd
bekommt noch eine Elefanten-Krawatte für 100 B, Annelie
'ne Hose und dann wird's Zeit fürs Dinner. Heute essen wir
gut, Pfeffersteak für 195 B, Cordon Bleu für 130 B,
usw. Wir sitzen im 1. Stock. Hier wird Musik aus fernen Landen
gespielt, draußen begrüßt uns eine Thai mit Hut
in vertrauter Sprache. Läge noch Schnee, so fühlten
wir uns wie in München im Hofbräuhaus; doch die Stadt,
in der wir zu Gast sind, heißt Neustadt - Chiang Mai. Es
schmeckt uns gut. Nachdem wir unsere Rechnung von 1.100 B
für vier Essen und Getränken bezahlt haben, verlassen
wir das Restaurant mit dem für dieses Land so fremden Namen.
Wir verabschieden uns noch von dem Animiermädchen mit Hut.
Annelie fotografiert Gerd und Ferdi, die das Mädchen zwischen
sich genommen haben. Schöner Abend - psst, wie hieß
denn nur das Restaurant?
Auf dem Rückweg zum Hotel kaufen sich die Mädchen noch je 2 T-Shirts "Marke Chanel" (die Anführungszeichen stehen vor Marke!) für 330 B, also etwa 85 B pro Stück.
550 Uhr Wecken, 615 Uhr Frühstück, 7 Uhr Abfahrt, nur mit Handgepäck, den niedlichen blauen NUR-Fernreisetäschchen. Gerds Wort zum Mittwoch: "Eulen nach Athen tragen ist so ähnlich, wie Mücken nach Chiang Mai." In den nahe gelegenen Bergen besuchen wir das Elefantencamp von Mae Sa. Die Mahouts, die die Elefanten von klein auf erziehen und mit den Tieren arbeiten, kommen vom Stamm der Karen. Die Elefanten verstehen 30 Kommandos. Indische Elefanten werden bis zu 60 Jahre alt.
Es gibt in Thailand noch 5.000 Elefanten; 3.500 sind abgerichtet,
die anderen leben noch wild. Elefanten fressen bis zu 230kg/Tag.
Die Tragzeit beträgt 22 Monate, das Junge wird 1 Jahr lang
gesäugt. Falls Albinos geboren werden, kommen diese in die
Stallungen des Königs. Übrigens: Annelie hat zu Hause
angerufen und berichtet, daß es in Deutschland geschneit
hat. Nach halbstündiger Fahrt wird unser Bus bereits auf
eine Tankstelle entführt - von Toilettensüchtigen. Annelie
schließt sich an, sie kann vielleicht die deutsche Kost
nicht vertragen. Sie berichtet, ihr Besuch auf dem stillen Örtchen
wäre von durchschlagendem Erfolg gekrönt gewesen. Wie
schön für sie. Annelie hat ihr "Hakle feucht"
noch geschont und sicherheitshalber im Hotel, im Koffer, zurückgelassen.
Seitdem Anne weiß, daß es in Deutschland geschneit
hat und wir gestern Abend deutsch gegessen haben, friert sie und
sitzt mit Regenjacke im Bus.
Das Elefantencamp erreichen wir um 8 Uhr. Wir kaufen Bananen und Zuckerrohr zum Füttern der Elefanten. Sie gehen mit ihren Mahouts in den Fluß und lassen sich waschen. Dann gibt es eine kleine Vorführung, wie Elefanten Baumstämme stapeln. Danach folgt ein einstündiger Ritt über einen Dschungelpfad und durch einen Fluß.
Zwischendurch macht unser Mahout ein paar Fotos und er filmt Anne
beim Reiten. Sie macht das sehr gut, aber ohne Mahout würde
unser kleiner Elefant wohl mehr das tun, was ihm in den Kopf kommt.
Zwischendurch schlafen Mahout und Elefant ein. Daher dauert unser
Ritt 1h15' statt 1h. Ein schönes Erlebnis war das und wir
haben eine Vorstellung davon bekommen, wie mühsam es früher
war, auf Elefanten den Norden Thailands zu "bereisen",
als es noch keine Straßen gab. Auf jeden Fall: Busfahren
ist bequemer! Danach gibt es fakultativ eine Schlangenshow, auf
die wir verzichten, und eine Katzen-, Schmetterlings- und Orchideenfarm,
die wir uns ansehen. Nun ist es Anne zu warm; so nölt sie
heute Mittag.
A&G berichten noch von einer Riesenboa, die Annelie umschlang
und dem Vernehmen nach ins Würgen kam. Eine Schlange sei
sogar ins Publikum geflogen, was einigen Besuchern beinahe den
Herztod gebracht haben soll.
Wir lunchen im Lanna View Hotel. Thimmy's Bruder ist hier ein
höheres Tier. Das Mittagessen ist 1a, super. Als Dessert
gibt es nicht nur Obst, sondern auch Crème Caramel und
Windbeutelchen mit Mousse au Chocolat; dazu wird wunderbar aromatischer
Kaffee serviert.
Wir verlassen Chiang Mai gen Norden. In Fang, an den heißen Quellen am Rande des Nam Kok, steigen wir in Pickups und fahren zu einem Lahu-Dorf. Es gibt etwa 40.000 Lahu in Thailand, der drittgrößte Bergstamm (Hilltribe). Inzwischen werden die Lahu überredet, statt Mohn, Obst und Gemüse anzubauen. Die Lahu wohnen in kleinen Dorfgemeinschaften. Sie sind aus Tibet, über Burma, nach Thailand eingewandert. Die Bewohner der Bergdörfer sind oft noch Animisten mit besonderen Totenritualen. Die Bergstämme bleiben unter sich; sie heiraten nicht in einen anderen Stamm und sie wandern auch normalerweise nicht in die Stadt ab. Vielfach sprechen sie nicht die Sprache der benachbarten Bergstämme. Im Dorf der "schwarzen Lahu" tragen die Bewohner eine schwarze Tracht mit bunten Stickereien, daher der Name. Anschließend sehen wir uns noch die heißen Quellen aus der Nähe an. Das schwefelhaltige Wasser sprudelt hier mit knapp 100°C aus dem Boden. Die Dorfbewohner von Fang kochen Wachtel- und Hühnereier in dem heißen Wasser und verkaufen sie an die Touristen. Wir fahren weiter nach Norden, Richtung Chiang Rai. Die Straße wird gerade frisch asphaltiert. Auf der Strecke sehen wir uns ein Video einer ZDF-Sendung über die Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche, u.a. auch über den Opiumanbau, des Bergstamms der Akha an. Dann erreichen wir Chiang Rai. Wir übernachten im Hotel Wiang Inn. Um 1930 Uhr gibt es Abendessen im Hotelrestaurant. Das Zimmer ist sehr gut, ja ausgezeichnet, natürlich klimatisiert, mit Doppelbett, Tisch, Stühlen, Minibar, TV. Das Bad ist nach amerikanischem Standard eingerichtet, Badewanne mit Duschauslaß oben, Toilette mit Flutungsspülung, Seife, Shampoo, Duschkappe, Q-Tips, alles ist da. Nach dem hervorragenden Abendessen strömen wir in die Stadt und starten einen Großeinkauf: Für Katharina einen grünen Benetton-Anzug für 100 B, für Ferdi ein feines, gelbes Shirt im Kaufhaus für 315 B, für Anne eine Dose Cachewnüsse für 70 B und ein T-Shirt für 75 B. Gerd bekommt eine Blue Jeans für 250 B, die noch im Nu gekürzt wird. Im Hotel spendiert Gerd später noch einen Mekong, Reiswhisky, der wie Weinbrand schmeckt (kleine Flasche 60 B; große Flasche 120 B). Im Fernsehen erleben wir mit, wie Markus Wasmeier bei den olympischen Spielen in Lillehammer eine Goldmedaille mit 2/100s Vorsprung holt.
Wecken 715 Uhr, Abfahrt 815 Uhr
zum Fluß Mae Kok. Mit vier Longtailbooten fahren wir in
einer Stunde zum Stamm der "weißen Karen". Die
Bezeichnung "weiß" kommt von den weißen
Trachten der Frauen. Der Mae Kok führt so wenig Wasser, daß
die Boote im Zickzackkurs über den Fluß gesteuert werden
müssen, vorbei an Sandbänken und Baumstämmen.
Die Karen halten einige Elefanten zum Reiten bereit, aber das hatten wir ja schon gestern. Ansonsten verkaufen sie Stickereien und für jedes Foto wollen sie 10 B. Nach Rückkehr (45 Minuten) besteigen wir den Sulky einer Fahrradrikscha. Sie bringt uns vom Fluß zurück durch die Innenstadt von Chiang Rai zum Hotel Wiang Inn. Wir haben hier das Zimmer noch bis zum Mittagessen. Während Anne duscht, sehe ich Katharina Witt beim Eiskunstlaufen in Lillehammer im Fernsehen, eine STAR-TV-Übertragung aus Hongkong. Sie macht die Kür ganz prima und freut sich selbst sehr über ihre gute Leistung. Um 12 Uhr wird ein ausgezeichnetes Mittagessen im Hotelrestaurant aufgetischt, ein Buffet. Wir schwelgen in Pralinen und Crème Caramel. So gestärkt, starten wir um 13 Uhr Richtung Mae Salong. Wir steigen auf Pickups um und fahren zu einem Yao-Dorf. Die schwarzen Yao bauen noch viel Opium an. Sie verkaufen ihre Werkzeuge, Messer zum Anritzen des Mohns, Opiumwaagen, usw. an Touristen. Heute finden gerade die Vorbereitungen zu einer Hochzeitsfeier statt. Der Tisch ist bereits gedeckt und das Fleisch wird geschnitten und zubereitet. Das Brautpaar zeigt sich etwas zurückhaltend - verständlich bei den vielen Kameras und Camcordern, die auf sie gerichtet sind. Sie ist 19, er ist 23 Jahre alt.
Versicherungen sind in Thailand generell wenig beliebt. Man gibt
sein Geld lieber für andere Dinge aus. Wer weiß schließlich
schon, was morgen ist. Man denkt generell nicht an die Zukunft;
man lebt in der Gegenwart. Krankenversicherungen sind nahezu unverkäuflich.
Ärzte gibt es kaum. Wenn jemand krank ist, geht er gleich
ins Hospital. Die Behandlungen sind sehr preisgünstig. Ein
Komplettcheck mit Blut- und Urinuntersuchungen kostet z.B. 800 B.
Medikamente sind sehr billig und werden selten in Packungen zu
20 oder 50 Stück, sondern einzeln nach Bedarf verkauft. In
der Apotheke kann man beispielsweise 1 oder 3 Aspirintabletten
kaufen oder so viele, wie der Arzt für die Therapie vorgesehen
hat.
Unfallversicherungen gibt es für Arbeitnehmer, für die Absicherung von Arbeitsunfällen. Autoversicherungen gibt es nur auf freiwilliger Basis. Wenn die Polizei zu einem Unfall gerufen wird, bekommt üblicherweise der Fahrer mit dem größeren Wagen die Schuld zugesprochen und muß zahlen. Normalerweise bleibt die Polizei jedoch außen vor; man einigt sich so, oder der "Schuldige", bzw. der Fahrer des "größeren Wagens" begeht Fahrerflucht, wenn er (noch) kann. Es gibt auch keinen Auflauf von Schaulustigen nach einem Unfall, denn wer in der Nähe steht könnte ansonsten die Schuld zugesprochen bekommen. Daher bleiben selbst die Verletzten oft an Ort und Stelle liegen - mai pen rai. In Thailand nimmt man sogar den Tod nicht so "ernst". Wenn es passiert ist, dann ist es eben passiert und man wünscht dem Verstorbenen eine dem Nirwana näher stehende Wiedergeburt. Rentenversicherungen gibt es auch nicht. Die Rente ist noch so weit weg und bis dahin kann noch so viel passieren, daß es sich nicht lohnt, sich zu versichern. In der Großfamilie hilft man sich so gut man kann. Nur Beamte und Regierungsangestellte sind durch den Staat gut versichert: Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Die Straße führt weiter nach Mae Salong. Von hier aus führt ein staubiger Weg in den Wald. Nach 3,5km kommen wir zu einem Dorf der Akha. Hier gibt es noch keine Verkaufsstände. Die anderen Reiseveranstalter kommen bisher noch nicht hier hin. Nur NUR besucht dieses Dorf.
Die Hütten sind mit Palmblättern gedeckt. Vor einigen
Jahren sind die Bewohner dieses Dorfes über die 7km entfernte
"grüne Grenze" gekommen. Es gibt viele Bergstämme,
die von Burma über die Grenze nach Thailand geflohen sind.
Thailand duldet diesen Zuzug, wenn sie keinen Mohn, sondern Obst
und Gemüse anbauen. Zum Abschluß lasse ich die Frauen,
die mit ihren Kindern auf dem Arm am Dorfrand stehen, auf das
Farbbild im Camcorder schauen. Das haben sie wohl noch nicht gesehen,
sie lachen und freuen sich.
Wir fahren mit den Pickups zurück nach Mae Salong, eine kleine
Ortschaft nördlich von Chiang Rai, nahe der burmesischen
Grenze. Die letzten Meter bis zum Hotel gehen wir zu Fuß.
Auf der Terrasse unseres Bungalows trinken wir mit A&G noch
einen Mekong (Reiswhisky) mit Cola und schauen in die, hinter
den 1300m hohen Hügeln, untergehende Sonne. Die Bungalows
sind aus Holz mit Strohmatten und Wellblechdach. Es gibt Licht,
Dusche und Toilette und sogar ein Telefon. Um 19 Uhr findet
das Abendessen auf der Hotelterrasse statt. Buffet mit Spießen
und als Besonderheit: Kartoffelsalat. Nach dem Essen werden Tänze
der Akha und Lahu vorgeführt. Dort übernachten wir in
den Mae Salong Villas, eine Bungalowanlage, die von General Louis,
dem Nachfolger des Kuomentang-Generals, erbaut wurde.
Später mischen wir noch beim Karaoke mit. Claudia und Thimmy gewinnen den 1. Preis für die höchste Stimmlage. Gerd singt am meisten, Ferdi singt am tiefsten und am schiefsten. Anne und Annelie stellen den Backgroundchor dar. Gegen 23 Uhr ist die Bar leergesungen. Anne findet nicht so recht den Schlaf in der Villa. Als sie dann doch eingeschlafen ist, werden wir (um 6 Uhr) geweckt. Es klopft an der Tür - das Telefon ist wohl doch mehr Dekoration.
FR 25.2.94 Mae Salong - Mae Sai - Mae Chan (Goldenes Dreieck (Burma/Laos/Thailand)) - Chiang Rai - Chiang Mai {Chiang Inn}.
6 Uhr Wecken, 630 Uhr Frühstück, 715 Uhr Abfahrt. Unterwegs macht sich Anne Vorwürfe, dann geht's ihr besser. Um 830 Uhr erreichen wir die Tankstelle in Fang. Wir wechseln von den Pickups in den bequemen Bus. Wir fahren auf der 110 in die nördlichste Stadt Thailands: Mae Sai. Hier gibt es einen Grenzübergang nach Burma (Myanmar). Burma gilt derzeit als das "Jugoslawien Asiens". Es herrscht eine Militärregierung. 75% der Opiumproduktion der Welt kommt aus Burma.
In Mae Sai sind viele Verkaufsstände mit Souvenirs und Garküchen.
Die Thai gehen über die Grenze nach Burma, um etwas billiger
einzukaufen. Die Burmesen - man erkennt sie an der Kleidung, denn
sie tragen üblicherweise einen Sarong - kommen vielfach zum
Betteln und zum Einkaufen von Luxusgütern über die Grenze
und sie verkaufen Souvenirs. In Burma ist Rechtsverkehr, in Thailand
ist Linksverkehr. Auf der Brücke über den Fluß
Mae Sai wird die Fahrspur gewechselt. Als Tourist kann man die
Grenze nicht passieren - es sei denn, man unterzieht sich einem
erheblichen Papierkrieg. Wir fahren von Mae Sai 27 Kilometer östlich
zur Mündung des Flusses Ruak in den Mae Khong (Mekong),
dem goldenen Dreieck (Golden Triangle). Im Gegensatz zu Burma
sind die Beziehungen zwischen Thailand und Laos problemloser.
Die Sprachen sind ähnlich, so daß die Thai, die im
Grenzgebiet lebenden Laoten verstehen können. Wenn die Thai
nach Laos fahren, z.B. um billig einzukaufen, müssen sie
jedoch derzeit noch 100 B Gebühr zahlen. Am goldenen
Dreieck kaufen wir 3 T-Shirts, bestickt mit einem goldenen
Dreieck, zwei für Anne und eins für Ferdi, gelb. Gegen
1145 Uhr sind wir in Chiang Rai. Mittagessen
gibt's im Dusit Island Hotel. Das Essen wird heute am Tisch serviert,
u.a. zerschnittene Frühlingsrolle. Das Hotel und die Anlage
sehen sehr hübsch aus, aber das beste Essen hatten wir zweifelsfrei
im Lanna View Hotel in Chiang Mai, da sind wir uns einig. Um 13 Uhr
fahren wir auf der 1 und später auf der 118
weiter nach Chiang Mai.
Anne ist heute etwas unpäßlich. Heute Morgen ist ihr schon im Pickup schlecht geworden, sie friert und sieht blaß aus. Heute Mittag hat sie erst 'mal 'ne Reisetablette eingeworfen und 'ne Kopfschmerztablette dazu. Im Restaurant Cabbage & Condoms machen wir noch einen Zwischenstop. Hier werden nicht nur Speisen und Getränke verkauft, sondern auch Kondome. Sie werden entweder normal verpackt oder als Blumen arrangiert. Statt Pfefferminzbonbons nach dem Essen, kann man sich ein Kondom nehmen, unterschieden nach Größe: Thai-Size und International-Size. Dies ist eine Initiative, den Gebrauch von Kondomen mehr publik zu machen, zunächst als Maßnahme der Familienplanung, heute aber auch wegen Aids. Im Norden Thailands sind nämlich etwa 90% aller Prostituierten mit HIV infiziert. Die Touristen aus Europa machen nur etwa 5% der gesamten Kundschaft der Prostituierten aus, die anderen 95% sind die Thai selbst und Chinesen, vor allem hier im Norden des Landes. Asiaten gelten generell nicht gerade als treue Ehemänner. Wie gut sind da doch unsere europäischen Frauen versorgt. Auf der weiteren Fahrt nach Chiang Mai sehen wir ein Video von NUR über die Höhepunkte der Reise, das für 600 B käuflich zu erwerben ist. Nicht schlecht gemacht, aber Gerd und Ferdi sind sich einig, selbst gutes Rohmaterial mit dem Camcorder eingefangen zu haben. Claudia berichtet uns noch über Interna des Königshauses:
Der König von Thailand heißt Bhumibol Adulyadej. Er ist seit 1950 als Rama der IX. auf dem Thron. Er hat in der Schweiz Agrarwirtschaft studiert. Er liebte schnelle Autos. Nach einem schweren Unfall wurde Sirikit als Krankenschwester aus Paris geholt. Sie war die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich und Urenkelin von Rama V. Sie hat Bhumibol gesund gepflegt und sich dabei in den Prinzen verliebt. Nach dem Tod seines Bruders, Rama VIII, kam Bhumibol auf den Thron. Sirikit wurde seine Frau und sie haben 4 Kinder. Bhumibol ist inzwischen 66; sie hat die 60 auch schon hinter sich. Die älteste Tochter ist in den USA mit einem Studienkollegen verheiratet und fiel derweil beim Volk in Ungnade. Das 2. Kind, ein Sohn, hat 2 Kinder mit seiner thailändischen Frau und 4 Kinder mit einer thailändischen Schauspielerin. Das 3. Kind ist die Tochter Siriton. Sie ist die "rechte Hand" des Vaters, hat in Bangkok studiert und ist beim Volk sehr beliebt.
Siriton soll wohl Nachfolgerin Bhumibols werden. Der König ließ vorsorglich die Gesetze ändern, so daß auch Frauen auf den Königsthron können. Das 4. Kind ist Prinzessin Shulapon. Sie ist Ärztin und auch sehr beliebt beim Volk. Bhumibols Mutter ist schon 93, hat ihren Palast bei Mae Salong, ist gerade wegen einer schweren Herzkrankheit in ärztlicher Behandlung, hat sich sehr für die Bergdörfer eingesetzt; sie hat z.B. vor einigen Jahren 5.000 Zahnärzte durch die Dörfer geschickt, um die Zähne der Kinder der Landbevölkerung zu checken.
Thailand hat bei Hua Hin das Größte Ananas-Anbaugebiet (Fa. Dole) der Welt.
Jährlich wird Seide im Wert von 500 Millionen Baht exportiert und etwa genau so viel noch an die Besucher des Landes verkauft.
Erdöl kommt aus dem Golf von Siam. Thailand ist Selbstversorger.
Ein Liter Benzin kostet 8 bis 9 B, also etwa 0,60 DM/l.
Zum Thema Mohn, Opium, Heroin: 6.000t reines Heroin kommen jährlich aus dem "Goldenen Dreieck", aus Burma. Khun Sa (59) hält die Fäden in der Hand. Mitte Dezember 93 hat er sich als Präsident des Schanlandes ernannt. Er ist selbst halb Schan, halb Chinese, gibt sich als Held, als Befreier von 67 Völkern Burmas aus, von denen eines Schan heißt. Die "Heroinhauptstadt" Ho Mong, eine Stadt von 10.000 Einwohnern, liegt nahe dem Goldenen Dreieck auf burmesischem Boden am Fluß Salween.
Thailand ist bemüht, offiziell mit Opium- bzw. Heroinproduktion
und Handel nichts zu tun haben. Dennoch vermutet man, daß
ein großer Teil der Drogen aus dem Goldenen Dreieck über
Bangkok in die anderen Länder der Welt umgeschlagen wird
und daß viele Thai, bei Behörden, Polizei und Militär
davon profitieren. Thailand heißt schließlich: "Land
der Freien"! Man sagt, die gesamten Hochhäuser von Bangkok
seien aus dem Drogengeschäft finanziert. Khun Sa unterhält
sein eigenes Militär, das gut bezahlt wird. Seine eigenen
Leute dürfen jedoch kein Rauschgift nehmen, sonst werden
sie einer Zwangsentziehung unterzogen. Falls sie nochmals rückfällig
werden, werden sie erschossen. Bei Chiang Mai besichtigen wir
eine Schirmfabrik. Aus der Rinde des Maulbeerbaumes wird Papier
gemacht. Aus Bambus werden Stäbchen angefertigt und mit Fäden
verknüpft. Das Gestell wird bespannt und bemalt. Anne würde
am liebsten den größten Schirm mit nach Hause nehmen.
Ferdi kauft aber nur einen Knirps für 40 B als Souvenir.
Dann fahren wir zurück zum Hotel Chiang Inn. Für Busfahrer,
Busboy und Thimmy wurde das Trinkgeld (ca. 100 B pro Person)
schon zuvor gesammelt. Annelie übergibt dann in der Hotelhalle
noch das Trinkgeld für Claudia, nachdem der eine oder andere
noch Geld an der Rezeption getauscht hat. Bei der Übergabe
stellt sich heraus, daß Claudia morgen für die Südthailand-Tour
eingeteilt ist. Wir könnten es wirklich schlechter treffen.
Keine Rundreise, die ich bisher mitgemacht habe, war so gut organisiert;
bei keiner gab es so wenig lästige Wartezeiten auf die Zimmer,
auf das Gepäck, auf Mitreisende, auf den Bus oder den Busfahrer
und auf das Essen. Claudias Informationen waren ruhig vorgetragen,
ausführlich und zur rechten Zeit herübergebracht. Sie
war immer erreichbar, um die eine oder andere Frage zu beantworten.
Sie übersetzte die Erklärungen in den Fabriken, aber
sie ließ einem auch immer die Möglichkeit, alles selbst
zu erkunden, nicht wie sonst oft Reiseleiter sind, mit Schirm
oder Fähnchen vor der Gruppe herlaufend. Gewiß, Claudia
machte ihren Part, Thimmy managte die Hotels, den Bus, die Marktbesuche,
das sollte man nicht übersehen. Gemeinsam waren sie ein starkes
Team, dafür ein großes Lob!
Im Hotel Chiang Inn tausche ich noch 100 US$=2.490 B.
Wir packen die Koffer um und duschen erst einmal. Bei Annelie
ist heute der Wurm drin. Gegen 1915 Uhr
ruft Gerd an und ersucht um Terminverschiebung um ½ Stunde
für den Gang zum Dinner. Mai pen rai. Um kurz vor 8 Uhr
kommt Annelie dann selbst und berichtet von ihrem bockigen Föhn,
dem es zu heiß geworden ist und von dem Wassersturz aus
der Dusche beim Reinigen der Wanne (warum eigentlich?) nach dem
Föhnen. Ein Wassersturz aus der Dusche muß Annelies
Haupthaar erneut durchtränkt, vielleicht auch nur angenäßt,
haben. Nach solchem Unbill gehen wir (durch die Peripherie von
Chiang Mai) in ein Restaurant, das Steaks anbietet. Zuvor besuchen
wir jedoch noch das Mädchen, das Fächer malt. Wir haben
nämlich ein persönlich gewidmetes Geschenk in Auftrag
zu geben: Ein Fächer aus Chiang Mai mit Widmung von Annelie
& Gerd und Anne & Ferdi.
Auf der Hauptstraße mit den vielen Ständen ist heute
besonderer Trubel. Nach dem Dinner latscht Anne über die
Straße statt über den Gehweg und geht gleich ins Hotel
und dann ins Bett. Mit A&G warten wir auf das Eintreffen von
klein Anne in der Lobby. Plötzlich fällt mir auf, daß
ich mir den falschen Schlüssel von der Rezeption geholt habe,
nämlich den, von vor 3 Tagen, 701 statt 722. Oben eingetroffen,
thront Anne bereits im Nachtgewand auf dem Bett.
In der Hotellobby gibt es heute keine alkoholischen Getränke,
weil heute ein buddhistischer Feiertag ist, aber auf 722 wartet
noch ein Veterano.
Anne ruft (001-49-Vorwahl-#, für 210 B) noch vom Zimmer
aus bei Anke & Johannes an und erreicht - Helma. Es ist kalt
in Deutschland, es hat geschneit, teilweise Eisregen.
SA 26.02.94 Chiang Mai - Bangkok - Phuket - Phang Nga {Phang
Nga Bay Resort}.
Wecken 630 Uhr, Frühstück 7 Uhr,
Abfahrt 8 Uhr zum Flughafen - pünktlich, wie immer.
Mit einem Airbus A300 fliegen wir in 1h05' von Chiang Mai nach
Bangkok (TG101). Im Flugzeug wird ein gefülltes Blätterteigteilchen
serviert, gefüllt mit Hähnchenteilen. In Bangkok (BKK)
ist es stark bewölkt. Unser Weiterflug nach Phuket (HKT)
ist TG213 um 1401 Uhr.
Anne grantelt, denn sie kann ja nicht warten. Annelie lernt Reiseführer,
Gerd sitzt und Ferdi schreibt Tagebuch. Thailands Flughäfen
sind absolut in Ordnung. Die Wartehallen sind geräumig und
klimatisiert. So sitzen wir in unseren eierschalbeigefarbigen
Schalensitzen und warten. Zum allgemeinen Zeitvertreib rezitiert
Ferdi aus den frühen Seiten dieses Tagebuchs. Nach einer
halben Stunde sind die Sitze um Ferdi leergelesen. Nur eine Familie
aus Hamburg erträgt geduldig das Tagebuch und Annelies Blödeleien.
Sie telefoniert mit ihrem Wecker und benutzt ernsthaft ihre Haarbürste
als Walkie-Talkie, genau wie das Sicherheitspersonal auf Flughafen
von Bangkok. Gerd und der junge Mann der Hamburger Familie haben
schon ein Karaoke-Duell (oder Duett (?)) gemeistert. Der junge
Mann reist übrigens mit seiner netten Freundin mit dem lockigen
Wuschelkopf und seinem Bandwurm; er ißt ständig - für
sich und ihn - und er ist dabei noch gertenschlank.
Gerd & Annelie erzählen Anekdote Nummer 734, wie sie
'mal Mumm-Sekt für den ganzen Flieger geordert haben - auch
per Walkie-Talkie-Plagiat. Gerd schiebt gleich noch Anekdote Nummer
735 - sie spielt in der Türkei - nach. Wir kennen sie ja
schon, haben aber trotzdem noch unseren Spaß dabei: Sanuk
Sanuk. Dann folgt noch #736, der Auberginensack. Gerd läuft
zur Höchstform auf: #737, der angeleinte Hammel des Bauern
Apoll, der auf ihn los geht und aus der Luft mit (an)gebrochenem
Genick abstürzt.
Wir frösteln leicht, vor allem die Mädels, denn die
Wartehalle ist stark klimatisiert. Bei A&G sind die letzten
Tage oftmals durch Kölner Dialekt geprägt, von "dat
Roswitha", eine Mitreisende (weiches s, nicht ß!) der
Nordthailandtour, deren Reisegefährtin Christa ständig
mit dickem Gesäß (auch kein richtig scharfes "s"!)
im Weg stand. Im Lahu-Dorf war sie über das Besengras gelatscht,
in der Lahu-Schule in die Klassenzimmer gerollt - und sie hat
die Kinder vom Lernen abgehalten und bei den Yao paßten
ihre ausladenden Hüften nicht zwischen die Lehnen des Bambusrohrstuhles.
Mai pen rai.
In der Wartehalle treffen wir Claudia, die mit einem Flieger vor
uns nach Phuket geht, um uns dann dort gebührend empfangen
zu können. Wir müssen noch ein Stündchen weiter
frieren, auskühlen für die bevorstehenden heißen
Tage in Thailands Süden.
Um 1330 Uhr gehen wir an Bord eines Airbus
A300 der "Thai" (TG213), Abflug 1401 Uhr.
Kaum sitze ich an Bord, zerreißt mein Hemd oberhalb der
linken Brusttasche. Anne verpflichtet mich, ab sofort einen Pullover
zu tragen. Gegen 1515 Uhr landen wir auf
Phuket. Auf der linken Seite haben wir im Landeanflug einen schönen
Blick auf vorgelagerten Inseln der Bucht von Phang Nga. Dann erscheint
der Flughafen von Phuket.
Mit frischen 10.000 B auf VISA beginnt die 2. Rundreise.
Um 16 Uhr sind wir unterwegs auf unserer 650km Südthailand-Rundreise.
Reiseleiterin Claudia wird diesmal von der Thai Kan (26), Fahrer
Maitree und Busboy Mit unterstützt. Wir fahren nach Phang
Nga (65km vom internationalen Flughafen von Phuket entfernt).
Hier wirkt alles viel grüner als im Norden. Überall
Palmen, das gefällt uns. Phuket wurde ursprünglich vom
Stamm der Mon bewohnt. Früher wurde in Zinnminen Erz abgebaut
und dann exportiert. Nach starkem Preisverfall bei Zinn (Sn) wurden
zahlreiche Minen geschlossen. Heute ernährt man sich überwiegend
von Touristen. Kautschukplantagen wurden hier auch angelegt. Im
Dezember '93 war ganz Phuket überschwemmt. Man konnte kaum
die Straßen passieren. Die Shrimps-Farmen wurden überspült,
so daß die Tiere teilweise auf der Straße herumschwammen.
Dinner ist um 19 Uhr auf der hölzernen Hotelterrasse am "Fjord", ein Meeresarm, dessen Ufer mit Mangroven bewachsen ist, der auf den ersten Blick einem Fluß ähnlich sieht.
Wecken 715 Uhr, Frühstück 745 Uhr,
Abfahrt 830 Uhr. Wunderschönes Morgenrot
und ein güldener Sonnenaufgang über den Felsen von Phang
Nga verzaubern den Sonntag. Die Felsen sind ehemalige Korallenriffe,
die nach Absenkung des Meeresspiegels und Verwerfungen des Meeresbodens
stehengeblieben sind. Durch Mangrovensümpfe und Palmenplantagen
(Kokos-, Nippan- und Ölpalmen) fahren wir durch eine bizarre
Landschaft mit steil aufragenden Kalkfelsen. Zwischen den Felsen
sieht man Felder, Kautschukplantagen und Shrimpszuchtbecken. Wir
fahren zum Nationalpark Than Bok Korani. Er ist sehr übersichtlich,
ein Dschungel zum Vorzeigen mit einigen typischen Bäumen,
wie Brettwurzelbäumen, die ursprünglich hier sehr zahlreich
standen.
Hier im Süden des Landes wird beim Autofahren ein schärferes
Tempo vorgelegt. In der Bevölkerung gibt es viele Moslems,
da fährt Allah (mit). Führerscheine gibt es höchstens
für Bus- und Taxifahrer, ansonsten zahlt man 1.500 B
für eine Fahrerlaubnis.
Dünne hohe Palmen heißen Arekapalmen; sie sind die
Träger der Betelnuß. Dann fahren wir zum Muschelfriedhof
Susarn Hoi, der 75 Millionen Jahre alt ist. Hier war einst
ein Sumpfgebiet, in dem nach Absinken des Meeresspiegels die Muscheln
und Schnecken vertrocknet und versteinert sind. Die Platten sehen
aus wie Beton oder Marmor mit Muscheleinschlüssen. Dann fahren
wir zum Hotel Krabi Bay Resort an der Ao Nang Bucht. Mittags essen
wir am Strand in Fredy's Restaurant: 4 Portionen Spaghetti
mit Beef, Chicken und Seafood und 4 Sodawasser für 210 B.
Nachmittags fahren wir mit Longtailbooten an der Küste entlang
zur Insel Poda. Die Landschaft ist großartig. Am Land Palmen,
ein weißer Sandstrand, grünes Meer auf der linken Seite
des Bootes, steile Felsen mit Überhängen, mit Höhlen,
baumbewachsen, der Kalkstein in braun bis grau, an manchen Stellen
weiß. Bei den Felsen ankern einige Segelboote. Dahinter
tief dunkelblaues Wasser und noch weitere Felseninseln. So kurven
wir durch die Inselwelt der Ao Nang. Dann nehmen wir Kurs auf
die Insel Poda. Die Fahrt mit den Longtailbooten dauert ½
Stunde. Auf Poda spazieren wir an der Ostseite der Insel am Strand
entlang. An der Südostspitze gibt es ein kleines Lokal. Wir
trinken eine Cola. Von hier hat man einen schönen Blick auf
Ko Hua Kwan, dem Chicken Island. Wir gehen am Strand zurück
und nehmen noch ein Bad in dem angenehm temperierten, blaugrün
leuchtenden Wasser der Ao Nang Bucht.
Um 1545 Uhr fahren die Boote zurück. Obwohl es nicht besonders windig und wellig ist, reicht der Seegang aber aus, unser Boot tief in die Wellen tauchen zu lassen. Die hochspritzende Gischt wird vom Wind ins Boot gedrückt. Schon nach wenigen Minuten sind die auf der rechten Seite sitzenden Passagiere klitschnaß. Die links sitzenden bleiben auch nicht verschont. Wir baden danach im Swimmingpool (des Krabi Resort) und tarieren unser Körpergewicht auf einer glasfaserverstärkten Liege aus. Anne beherrscht diese Nummer mit besonderer Grazie nur durch leichte Bewegung ihres linken Beines. Beim Dinner um 19 Uhr sitzen alle an einer langen Tafel. Ein Holzkohlefeuer in einem Aluminiumtopf wird auf den Tisch gestellt. Auf der Metallhalbkugel darüber werden Rindfleischstreifen ausgebreitet und gegrillt. Zum Ende des Essens und der zwei Bier läuft Annelie zur Höchstform auf und der ganze Tisch biegt sich vor Lachen über diverse Dialekte, die aus ihr heraussprudeln.
In Fredy's Lokal setzen wir uns ans Meer und genießen die
laue Februarnacht.
Wir übernachten im Krabi Beach Resort (Bungalow C3). Eine sehr schöne Bungalowanlage mit geräumigen Hütten unter Palmen. Jede Hütte hat äußerlich eine Palmstrohmattenverkleidung. Innen gibt es jedoch ein stabiles Mauerwerk. Es ist ein geräumiges Zimmer mit AC, TV, DD-Phones, Bad mit großer Wanne, großer Frisierkommode mit Spiegel und Steckdose für den Föhn - kurzum ein Hotel zum Wohl fühlen. Es gibt einen großen Swimmingpool mit Liegen und Schirmen. Der Strand ist bei Flut schmal, aber sauber.
Wecken 645 Uhr, Frühstück 715 Uhr,
Abfahrt 8 Uhr in Tempelkleidung. Den ersten Stop machen wir
an einer Schule um kurz nach 8. Dann besuchen wir den Markt von
Krabi. Kan erklärt alle Gemüse- und Obstsorten und läßt
jeden 'mal probieren: Yak-Frucht, Kokosraspeln, gebratene Bananen
usw.
Der nächste Stop ist beim Kloster Wat Thumsua Vippasana,
im Dschungel. Die Kutti, die kleinen Häuschen, in denen die
Mönche schlafen, stehen unter Höhlen der Kalkfelsen.
Über eine Treppe mit 134 Stufen steigen wir über die
Felsen "in den Dschungel". Eine andere Treppe hat sogar
1.000 Stufen. Im Dschungel stehen noch einige Brettwurzelbäume,
die etwa 1.000 Jahre alt sind. Das Dschungelkloster Wat Thumsua
Vippasana ist modern eingerichtet, mit Licht, Kühlschrank
von Toshiba, Waschmaschine.
Dann durchqueren wir Südthailand. Coast to coast in 3 Stunden.
Unterwegs gibt es Mittagessen in Kans Heimatstadt Thung Song,
in einer Garage. Kan macht unterwegs die Thai-Schule. Wir sind
sehr gelehrig und haben viel Spaß dabei, Sanuk, Sanuk. Dann
halten wir an einem Reisfeld an. Annelies Reisspruch zum Montag:
Anne erzählt die Bali-Anekdote unter dem Titel: "Wie
ein Dortmunder ins Reisfeld fällt". Sanuk, Sanuk. Nakorn
Si Thamarat hat die höchste Kriminalität ganz Thailands:
440 Morde pro Jahr. In dieser Stadt besichtigen wir den Tempel
Wat Mahatat mit dem zweitgrößten Chedi Thailands, dem
die Entrüstung fehlt. Im Innenhof der Tempelanlage stehen
viele kleine Chedis und eine große, mit Blattgold beklebte
Buddhastatue befindet sich im Inneren des Tempelgebäudes.
Dann schauen wir uns fakultativ für 40 B ein Schattenspiel
an. Die Figuren fertigt der Meister selbst aus Büffelleder
an.
Wir übernachten im Hotel Thai, mitten in der Stadt. Nach
dem Duschen gehen wir um 18 Uhr Shopping. Anne ist mit zwei
kurzen Hosen für je 120 B dabei, Gerd findet ein Shirt
für 230 B, Annelie 2 Hosen und ein Shirt und Ferdi 4 Batterien
für das Blitzlicht für 64 B. Übrigens hat
Annelies Fotoapparat heute Nachmittag seinen Dienst eingestellt.
Wir essen im Hotelrestaurant bei laufendem TV-Gerät. Dazu spielt noch eine Band.
Wecken 515 Uhr, Frühstück 545 Uhr,
Abfahrt 630 Uhr. Von Nakorn Si Thamarat
fahren wir nach Norden. Kurzer Stop in einem Fischerdorf. Dann
fahren wir weiter nach Don Sak. Unterwegs halten wir an einer
Kaffeeplantage. Die Früchte des Kaffeebaumes, die wie Kirschen
aussehen, haben Kerne mit 2 Hälften, den "Kaffeebohnen".
Sie sind hier zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet. Ein Kilogramm
Kaffeebohnen kostet 30 B. In einem Fischerdorf betritt Gerd
ein anhängliches Häuflein, was Annelie zu dem geflügelten
Wort anregt:
Um 915 Uhr gehen wir an Bord der Samui-Fähre.
Es ist wenig Betrieb am Anleger von Don Sak. Familie Wahlers ist
heute neu eingekleidet. Annelie vermißt nur ihre Schulterpölsterken
(das k kommt noch aus dem Kölner Slang von dat Roswitha),
obwohl Schulterpolster inzwischen Mega-out sind. Anne trägt
ihr neues, rotes Höschen. Um 10 Uhr legt die Fähre
ab. Unsere Süd-Thailand-Reisegruppe besteht aus 19 Leuten.
Wir tragen zur Senkung des Durchschnittsalters bei. Diesmal haben
wir viele Mitreisende aus Hessen und Umgebung dabei.
Der Golf von Siam hat eine blaugrüne Färbung, eine Trübung, eine Milchung. Der Himmel ist leicht bewölkt und der Schatten der Wolken hinterläßt große, dunkle Flecken auf dem Wasser. Der Wind ist angenehm temperiert, aber flatterig. Wir bleiben unter Deck am Heck. Zu zugig war's am Bug. Außerdem ist Stahl immer noch der Sunblocker mit dem höchsten Lichtschutzfaktor. Auch hier sieht man noch einige Felseninseln aus dem Chinesischen Meer ragen. Die Fähre ist einigermaßen
heruntergekommen. Die Halterungen für Rettungsringe sind
verwaist; vielleicht soll bei einer Havarie niemand überleben,
der den Kapitän nachher zur Rede stellen könnte - sonst
könnte er sein Gesicht verlieren. Claudia berichtet uns von
einem Totalausfall des Schiffsdiesels vor einigen Monaten. Die
Fähre trieb eine Stunde lang manövrierunfähig vor
dem Hafen von Don Sak auf die Felsen zu. Gerade noch vor einer
Kollision mit den Felsen kam der Diesel dann doch wieder in Gang.
An Bord des Schiffes kann man nur mit Gutscheinen zahlen, mit
denen man sich zuvor an Land eindecken muß. Vielleicht fürchtet
man Piratenüberfälle auf hoher See. So kann man wenigstens
verhindern, daß die Schiffskasse geklaut wird. Annelie hat
Hunger und sie entbehrt ihre Schulterpölsterchen. Nach 90
Minuten erreichen wir Ko Samui, mit 230km² die drittgrößte
Insel Thailands. Zunächst fahren wir in die Hauptstadt Nathon.
Bis 1345 Uhr essen wir im Pier Restaurant.
Die Mädels teilen sich einen Seafood-Basket mit Lobster,
Krabben, Shrimps, gebackenem Reis mit Ei und einem toten Fisch
- alles für 400 B. Dazu trinken sie den Saft einer Kokosnuß
aus der Nuß. Für 4 Essen und Getränke zahlen
wir 650 B, ganz prima. Nur der Seafood-Basket läßt
bis 1330 Uhr auf sich warten und um 1345 Uhr
fährt unser Bus um die Insel. Die Mädchen können
zwar nicht mehr gemütlich essen, aber es war gewiß
der beste Seafood-Basket, der den Mädchen in Thailand serviert
wurde.
Wir umfahren die Insel gegen den Uhrzeigersinn. Zunächst halten wir beim Wasserfall Nam Nang (Na Mang). Dann folgt ein Kloster, das einen mumifizierten Mönch in einem Glaskasten aufbewahrt. Hier werden wieder Horoskope gezogen und vorgelesen. Dann kommen wir zum Opa & Oma Felsen. Der Opa-Felsen gleicht einem überdimensionalen Penis, der Oma-Felsen gleicht dem primären weiblichen Geschlechtsorgan. Bei näherer Betrachtung wird Anne von einer hohen Welle überrascht und bis zu den Knien naß. Mai pen rai, das trocknet hier schnell wieder. Dann halten wir noch an einer Kokosnußfarm. Endlich ist es so weit: Anne genießt die knackige Frische einer Kokosnuß. Entlang der wunderschönen Strände der Ostküste kommen wir zur Nordostseite der Insel. Auf einer Landzunge liegt ein Tempel mit 10m hoher, goldener Buddhastatue. Die Tempelanlage ist teilweise noch im Bau, man hämmert und zimmert. Die sich anschließende Bucht wurde nach dieser Tempelanlage Buddha Beach benannt. Hier liegt unser Hotel für zwei Nächte: Farn Bay Resort.
MI 2.3.94 Ko Samui {Farn Bay Resort}.
Wir wohnen in Bungalow 103 direkt am Strand. Wahlers wohnen nebenan,
in 104. Buddha-Bucht liegt auf der ruhigen Seite der Insel, im
Nordosten. Das Meer ist glatt, der Strand sauber, einige Fischerboote
ankern in dieser Bucht. Die Verkäufer für T-Shirts sind
an einer Hand abzuzählen und zwei Frauen bieten eine Stunde
Massaaaage für 100 B an. Wir frühstücken und
relaxen am Pool auf einer Liege unter Palmen. Wunderschön,
unser erster ganzer Tag am Meer. Palmen gibt es hier genug auf
Ko Samui. Nach 1½ Wochen (gestern war Halbzeit) tut so ein
Tag am Meer sehr gut. Die Palmen wiegen sich in der leichten Brise,
Wolken ziehen darüber hinweg, von Süden nach Norden.
Auf den roten Dächern der Bungalows wuchert das violett der
Bougainvillea. Käme nicht hin und wieder etwas Straßenlärm
und jede Stunde eine Propellermaschine der Bangkok Airways, man
möchte meinen, es wäre hier ein kleines Paradies, dieses
Hotel Farn Bay Resort auf Ko Samui. Hätten wir nicht 1½ Tage,
sondern mehr Zeit, könnten wir sicher noch idyllischere Strände
auf der Insel finden, als dieser Buddha Beach. Aber heute wollen
wir ruhen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nehmen oder
gar ein Moped mieten. Es reicht uns heute zu ruhen - oder vielleicht
noch später 1.000 Schritte zu tun, am Strand, mal sehen.
Ferdi schreibt heute 9 Ansichtskarten, die alle die Zensur
der Regierung passieren. Gerd und die Mädchen spazieren am
Strand. Ferdi schwimmt selbst, vorbei an mehreren Hotels bis zum
Anleger für die Passagierboote der Inselrundfahrt. Dann läuft
er am Strand zurück.
So verbringen wir einen wunderschönen Tag am Pool und am
Meer. Mittags essen wir im Hotelrestaurant. Ferdi bekommt einen
Hawaii-Toast, Gerd Hamburger mit French Fries (Pommes Frites)
und die beiden Mädchen nehmen Fisch mit viel Knoblauch (garlic).
Das Essen und das Bier machen schön schläfrig. Später,
um 16 Uhr übt Anne ihre Kür, den Handstand im Swimmingpool,
eine ganz seltene Nummer. Beim Lunch fertigen wir eine Gemeinschaftskarte
für Axel und Lieschen mit Grüßen für Franzl
Küke - falls sie ihn 'mal beim Schneeschieben treffen. Um
1615 Uhr haben wir hier den ersten Regen.
Nach einer viertel Stunde ist aber schon alles wieder trocken.
Um 17 Uhr besuchen wir nochmals die Shops beim goldenen Buddha.
Nach einer Besichtigung aller geöffneten Läden, schlägt
Anne dann im ersten Laden zu: 1 T-Shirt, "Ko Samui",
für 150 B. Da handelt man sich sonst die Seele aus dem
Leibe und hier bezahlt sie gleich den geforderten Preis. Na ja,
auch egal. Als wir den Handelsplatz schon verlassen haben, nölt
Annelie plötzlich 'rum, sie will auch noch ein Ko Samui-Shirt
- kriegt sie, für 150 B - heute ist good luck for business
für das Mädchen im ersten Laden. An der Hotelbar lassen
wir uns zur Happy Hour noch Drinks mixen: einen Sea Breeze für
Gerd, einen Whisky Sour für Ferdi und 2 Pinacolda for
the Girls. Nach dem Dinner gibt es Thai-Tanz; gestern gab es kei'
Tanz. Das Hotel wird stellvertretend von Österreichern geführt
- der 1. Chef ist aber Thai. Zurück zum Thai-Tanz: Mutter
und Tochter sind verkleidet und stehen jeweils auf einem Bein.
Zum Schluß tritt "Vatter" noch als Jäger
verkleidet auf, mit roter Gesichtsmaske. Karneval ist ja noch
nicht so lange her. Dazu spielen drei alte Männer einigermaßen
monoton.
Um 21 Uhr werden die Koffer in den Bus verladen. Der Bus soll die Frühfähre nehmen, damit er auch rechtzeitig aufs Festland kommt.
DO. 3.3.94 Ko Samui - Don Sak - Surat Thani {Wang Tai Hotel}.
730 Uhr Wecken, 8 Uhr Frühstück,
845 Uhr Abfahrt. Annelie erkundigt sich
bei Claudia, ob es denn gestern noch nett war mit David Hasselhof,
und schon hat sie wieder die Lacher auf ihrer Seite. Heute morgen
arbeitet das Hotelpersonal wieder im 3-er Team mit dem Wunsch:
"Check Minibar". Ganz klar ist nicht, warum. Vielleicht
um die Diebstahlrate zu reduzieren, denn bei drei Leuten wächst
das Risiko, daß einer die anderen verpfeift. Vielleicht,
weil dann die Arbeit mehr Spaß macht, wenn man sie nicht
allein bewältigen muß. Vielleicht aber nur, weil jemand
neu angelernt wird.
Mit Minibussen (Nissan Urvan) fahren wir in 40 Minuten vom
Buddha Beach über Nathon zum Fähranleger. Heute ist
die Konsistenz unseres Stuhls weicher. Ein Mitreisender, Anne
nennt ihn H. Röhl, wegen seiner weißen, kurzen Haare,
hat inzwischen ein aschfahles Gesicht. Seine Frau wischt ihm liebevoll
die Schweißperlen von der Stirn. Auf der Fahrt zum Fähranleger
gibt es wieder ein paar Regentropfen. Um 1005 Uhr
legt die Fähre ab.
Wer ist denn diesmal alles in unserer Reisegruppe?
Da ist das unverheiratete Paar aus Remscheid und Gummersbach;
nennen wir sie die Bergischen. Er mit armlosen Shirt, blond; er
war schon oft in Thailand, denn Fernreisen sind sein Hobby. Seit
ein paar Tagen trägt er einen Sonnenbrillenaufsatz, der oft
nach vorn geklappt ist. Fritz Muliar nennt ihn deshalb die "Biene
Maja". Sie sieht älter aus, ist kompakt, hat blonde
kurze Haare mit rasiertem Nacken.
Dann gibt es Lieschen. Wir nennen sie so, weil sie von hinten
wie Lieschen Kochsiek aussieht, nur nicht so grazil. Sie ist ganz
nett, fotografiert mit einer Olympus 101 und trägt seit vorgestern
eine bestickte Kappe, wie Reiseleiterin Kan.
Lieschens Mann ist das Ekelpaket an sich. Er sieht zumindest immer
nörgelig aus.
Fritz Muliar und seine Frau kommen aus "Hässä",
aus Hanau. Er ist Rentner. Er hat früher häufig im Ausland
gearbeitet. Er war bei Lurgi. Er hat den größten Wortschatz
in Thai. Er hat Probleme mit den Knien. Sie hat ihrer Dauerwelle
ein Mittelbraun gegeben und wirkt sehr zufrieden. Die beiden haben
sich mit den "Bergischen" etwas angefreundet.
Dann unsere Youngsters aus Hirschhorn am Neckar, bei Heidelberg.
Über ihn kann ich nicht viel sagen. Gerd hält ihn für
einen Berufssoldaten. Sie hat die Haare glatt, mittellang, mittelblond,
heute geduttet; sie wirkt wie Baldrian.
Dann sind da noch die 2 aus Wiesbaden, die wir von der Nord-Thailandreise
kennen. Er könnte gut Bänker sein. Sie hat ein zierliches
Gesicht mit Brille, um die sich ihr mittelbraunroter Pony schmiegt.
Nun zu unseren drei Einzelreisenden:
Josef ist 74 und noch ziemlich rüstig. Er konnte sich eigenarmig
aus dem Swimmingpool stemmen. Er hat auf der Tour zum River Kwai
einen Schneidezahn verloren. Er hat den ältesten Hitachi-Camcorder,
den es gibt. Der Akku hat die Größe von mehreren aufeinander
liegenden Zigarettenschachteln. Er muß ständig Strom
sparen. Gestern habe ich ihn im Pool gefilmt; heute durfte Gerd
sein Warten auf die Fähre filmen. Zu Hause hat er seine Pudeldame
Lady, mit der er die Last hat, sie bei Wind und Wetter ausführen
zu müssen, was ihm schon manche Erkältung eingebracht
hat. Er soll bereits 15 mal in Kenia gewesen sein. Er ist
Bayer, er kommt aus Augsburg.
Dann haben wir einen Schluffen aus dem Westerwald dabei. Sein
Kopf ist glutrot, von der Sonne, auch zwischen dem lichteren Haar
sieht alles rot aus.
Dann gibt es da noch den schielenden Berliner mit Brille und
Orchideen, so Mitte 50 schätze ich ihn. Ich saß neulich
im Garagenrestaurant in Thung Song neben ihm. Auf ihn kann man
sich verlassen, wenn es darum geht, alle Teller eines Buffets
zu leeren.
Von H. Röhl hatte ich schon berichtet. Bei ihm setzt sich
ein weißer 14-Tage-Bart über den ganzen Kopf bis zum
Nacken fort. Seine Frau hat ihrer Dauerwelle tiefdunkelbraun gegeben,
mit dem typischen Rotstich der Tönung bei näherem Hinsehen.
Sie hat einen herben Ostblockakzent, russisch oder tschechisch.
So schippern wir gerade durch das milchiggrüne chinesische
Meer, dessen Ableger hier Golf von Siam oder Golf von Thailand
heißt. Natürlich sollte ich uns nicht vergessen:
Annelie macht den Clown, wie immer. In jeder Gruppe von Menschen, die irgendwie zusammengewürfelt wird, gibt es einen Clown. Wenn Annelie in der Gruppe ist, steht ihr diese Rolle zu, das ist ja wohl klar. Gerade jetzt läßt sie sich von einer einheimischen Band als Groupie mit den Bandmitgliedern fotografieren. Annelie hat immer die schärfsten Sprüche und die zotigsten Bemerkungen drauf, und wenn das alles nicht hilft, dann macht sie die "türkische Bettlerin" oder "die aus Bethel
entsprungene Irre" oder sie fragt. Sie hinterfragt einfach
alles und Gerd muß geduldig antworten.
Gerd weiß auf jede Frage eine Antwort. Er ist der kühle,
elegante Manager, der jede Sportart mit Ehrgeiz betreibt. Er ist
tough, er weiß, wie gut er ist und er kann es nicht verheimlichen,
dies den Unterlegenen mitzuteilen. Für die 3. Urlaubswoche
hat er bereits mit Anne ein Tennisturnier geplant, bei dem Anne
den zweiten Platz belegen soll, oder umgekehrt?
Anne kann nach wie vor schlecht warten, eigentlich kann sie
gar nicht warten. Sie ist auch in dieser Gruppe mit Abstand die
hübscheste 40-jährige.
Ferdi ist der ruhige Beobachter. Er führt Tagebuch und
wenn einmal Langeweile aufkommt, liest er daraus vor. Trivialliteratur.
Ferdi liest ja keine Bücher, deshalb schreibt er. Neben vielen
Blicken auf seine hübsche Anne, fallen auch einige auf...
... die hübsche Claudia, die Reiseleiterin, die Gerd an
eine Mitarbeiterin aus seiner Firma erinnert, die ein ziemliches
Tränentier ist. Nun gut, Claudia kann mit Annelies Temperament,
mit Gerds Rhetorik, mit Annes Souveränität durch Lebenserfahrung
und Größe und mit Ferdis stillen Humor nicht mithalten,
aber sonst macht sie ihren Job gut.
Über Ferdis stillen Humor, z.B. das stille, nein, "stumme
e" in Kitzbühel, schmunzeln wir heute
noch gern, obwohl es schon ein Jahr alt ist, das "e".
Übrigens in Müesli gibt es das selbe stumme "e".
Wer's nicht glauben kann, der kaufe dieses trockene Zeugs 'mal
im Aldi und lese die Packungsaufschrift sorgfältig: Müesli.
Aber wir waren ja bei Claudia. Gewiß, etwas Pep und Witz
würden ihr gut tun, aber mit ihrem Aussehen und Lächeln
kommt sie auch so klar auf der Welt.
Mit ist ein Vorname; so heißt unser Busboy. Er
lächelt immer. Er kann einige Worte auf deutsch. Er freut
sich immer, wenn er merkt, daß man ihn verstanden hat. Er
bringt kühle Getränke für 10 B herum und reicht
beim Einsteigen Erfrischungstücher. Wenn wir uns 'was ansehen,
putzt er den Bus. Nicht nur von innen, auch von außen die
Scheiben und vor allem die verchromten Radmuttern vor den schwarzen
Reifen und Felgen sind sein ganzer Stolz.
Über den Busfahrer kann ich gar nichts sagen. Das ist eindeutig
positiv zu bewerten, denn das heißt, daß er bisher
sehr gut fährt. Sein Bus ist ein Nissan. Er ist völlig
untermotorisiert. Bei jeder Steigung ist zunächst der 1. Gang
einzulegen.
Kan, unsere Thai-Reiseleiterin, schreitet gern mit abgespreizten
Fingern umher. Zu ihr paßt die bestickte Kappe aus dem Souvenirshop
am Buddha-Beach am besten. Sie spricht etwas deutsch. Sie hat
beinahe eine europäisierte Lebenseinstellung.
So schippern wir alle durch das milchig grünblaue chinesische
Meer zwischen Ko Samui und Don Sak. Am Anleger wartet Mit und
der Bus. Wir legen unser Gepäck 'rein und kaufen uns ein
paar süße Sachen zum Lunch. Anne ist etwas unglücklich,
weil in ihrem ersten Rosinenbrötchen 0 Rosinen sind.
Beim 2. Brötchen sieht's dann aber besser aus und die
Welt ist wieder in Ordnung. Um 12 Uhr fahren wir weiter nach
Surat Thani.
Thailand ist der größte Exporteur für Shrimps
in Südostasien. 4 Monate bleiben die Tiere in den Becken,
bis sie ausgewachsen sind. 1kg Shrimps kostet 200 B. In den
Becken ist Salzwasser, das mit CaO und MgO angereichert wird und
durch Wasserrührwerke mit Sauerstoff versorgt wird.
Als nächstes steht ein chinesisches Fischerdorf auf dem Programm.
Shrimps werden hier getrocknet, Muscheln gewaschen und es gibt
einen großen, bunten, chinesischen Tempel. Danach besuchen
wir ein Affentrainingscamp. Affen und Trainer üben miteinander,
Kokosnüsse von den Palmen zu holen. Bei guter Behandlung
und nach monatelangen Training holt der Affe die Kokosnüsse
sogar aus einem Teich oder hebt die Nüsse vom Boden und wirft
sie dem Trainer zu.
In Surat Thani (Thani=Stadt), einer Stadt von 40.000 Einwohnern,
besteigen wir Longtailboote. Wir fahren durch die Klongs (Kanäle)
zum Hotel Wang Tai. Die Fahrt geht über kleine Kanäle,
gesäumt von Palmen. Die Häuser stehen auf Pfählen
im Wasser. Die Bewohner winken uns zu. Die Kinder werden mit Booten
von der Schule nach Hause gefahren. Der gesamte Verkehr erfolgt
- wie im ganzen Land - mit Longtailbooten, die am Heck den Motor
haben, mit einer langen Welle und daran die Schiffsschraube. Die
Reiseführer hatten uns Surat Thani als uninteressante Stadt
angekündigt, gerade gut genug, um sich nach einem Besuch
von Ko Samui oder einer anderen Insel mit vielen Stränden
und landschaftlichen Naturschönheiten mal wieder Stadtleben
um die Nase wehen zu lassen und in Kaufhäusern einkaufen
zu können. Die Autoren dieser Reiseführer müssen
wohl noch nie eine Bootsfahrt durch die Klongs von Surat Thani
gemacht haben, sonst hätten sie darüber berichten können.
Egal, ist ja auch schön, wenn man mal 'was Neues entdeckt.
Abends, um 1920 Uhr, werden wir mit Tuck-Tucks
zum Bon Surat Guesthouse gefahren. Es liegt direkt am Tapi-Fluß
auf Stelzen. Das Essen ist o.k., wird zügig serviert und
noch schneller abserviert. Als dann die Rechnung für die
Getränke unaufgefordert gebracht wird, verlassen wir nach
einer Stunde das Lokal. Wir gehen noch über den Markt, der
aber gerade schließt. Unterwegs trinken wir noch ein Bier
in einem Lokal, in dem Touristen noch die Ausnahme sind. In der
Karaoke-Bar des Hotels kann Gerd die Untertitel nicht lesen; sie
sind in Thai-Schrift. Außerdem ist bis auf das Personal
niemand sonst da.
An der Coffee-Bar bei der Rezeption sitzen noch Fritz Muliar mit Frau und den Bergischen. Sie berichten uns von den sexuellen Praktiken unseres 74-jährigen Josefs, mit denen er den Hirschhörnern die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben soll. Wir hatten das diesem bescheidenen, alten Herrn nicht angesehen. Der Westerwälder geht abends auch immer auf Pirsch. So gegen 22 Uhr sehen wir ihn dann prompt das Hotel verlassen. Unser dritter Einzelreisender ist nicht so recht einzuordnen. Er steht auf Orchideen, die er sorgsam im Handgepäck umhegt.
715 Uhr Wecken, 745 Uhr
Frühstück, 830 Uhr Abfahrt. Heute
kümmert sich Annelie besonders sorgfältig um Josef.
Beim Frühstück fügte es sich so, daß er sich
neben sie setzt. Annelie erkundigt sich, wie's denn gestern Abend
so war. Aber "Vater war müd'", so daß sich
nichts abgespielt hat. Doch Annelie läßt heute nicht
locker; sie will sein Ding sehen. Josef ist das wohl nicht so
ganz geheuer, wenn der "rote Teufel" mit den blauen
Dämonenaugen dieses Ansinnen hat.
Mit dem Bus fahren wir in die City. Wie haben Gelegenheit durch
die Geschäfte und über den Markt zu gehen. Anne erhält
ein Paar Badelatschen für 35 B und ein paar Ermahnungen
über den Gebrauch des Fotoapparates und des Polarisationsfilters
(gratis). Außerdem verwechselt sie ein naturholzfarbenes
Geisterhäuschen mit einer Puppenstube. Um 945 Uhr
verlassen wir Surat Thani. Um 11 Uhr legen wir bei einer
Kautschukplantage einen Stop ein. Weißer Saft, der durch
Anritzen der Rinde der Kautschukbäume austritt und abtropft,
wird in kleinen Schalen aufgefangen. Diese Rohmasse wird mit Ameisensäure
versetzt und verklumpt dadurch. Der "Pudding" wird gepreßt
und ausgewalzt. Die Gummilappen werden dann zum Trocknen aufgehängt.
Eine Gummimatte braucht den Saft von 15 Bäumen und bringt
ungefähr 15 B ein.
Dann fahren wir zum Raja Praba Stausee (Rajjarprabar), der im
Nationalpark Khao Sak liegt. Der Nationalpark wurde 1987 eröffnet
und enthält u.a. einen Golfplatz. Das Mittagessen hatte Kan
in der Kantine des Kraftwerks am Vortag bestellt: Für 110 B
gibt es (für 2 Personen) Suppe, Reis oder Nudeln mit
Beef, Pork, Chicken oder Seafood, Obst als Nachtisch, dazu Kaffee
und insgesamt 3 Cola. Der Nationalpark wirkt etwas einsam.
Hier scheint ein Park, ein Staudamm mit Kraftwerk und für
den Tourismus ein Golfplatz mit viel Aufwand angelegt worden zu
sein, aber außer uns nutzt es niemand.
Auf unserer Fahrt durch dünn besiedeltes Gebiet halten wir
an einer Ölpalmenplantage. Die Stämme der Palmen sind
mit Farnen bewachsen. Die Früchte sind reif, wenn sie orangegelb
sind. Aus den Früchten wird Palmöl gewonnen.
Kurz vor Phang Nga besuchen wir noch den Höhlentempel Suwanna
Khuha mit einem gewaltigen, liegenden Buddha. Im hinteren Teil
öffnet sich die Höhle und man hat Zugang zu einer Tropfsteinhöhle.
Es ist erstaunlich, wie diese Kalkfelsen hier aus dem Boden ragen.
Am Kioskstand hängen 2 Äffchen und Annelie versteht
sich ganz prächtig mit den beiden. Sie haben dieselbe Wellenlänge
- beim Singen.
Wir übernachten wieder in Phang Nga im Hotel Phang Nga Bay Resort. Ferdi nimmt noch ein Bad im Pool, Anne duscht schon mal und schreibt ihrem Patenkind Katharina. Das Abendessen ist um 1930 Uhr auf der Terrasse des Hotels. Annelie managt das Trinkgeld. Im Restaurant gibt es noch Live-Musik. Um 23 Uhr liegen wir im Bett. Abends regnet es ergiebig.
615 Uhr Wecken, 645 Uhr
Frühstück, 730 Uhr Abfahrt per
Boot durch den Fjord von Phang Nga, vorbei an den schroffen Kalkfelsen.
Das Ausflugsboot hat eine schlichte Bestuhlung. Der Motor dröhnt
und läßt das ganze Boot erzittern. Der Morgentau tropft
von der Kunststoffplane, die den Passagieren als Sonnenschutz
dient. Kan erhält anerkennende Pfiffe, als sie in einem bunten
Hosenanzug an Bord kommt. Die Kalkfelsen sind mit schwer durchdringlichem
Baumbestand und Gestrüpp bewachsen. Teilweise wirken die
Bäume und Sträucher wie angeklebt und man fragt sich,
wie die Vegetation Halt finden kann. Am flachen linken Ufer stehen
Mangroven. Mangroven können im Salzwasser wurzeln. Mit ihren
Wurzelwerk entziehen sie sogar dem Boden das Salz. Der erste Stop
ist am Dorf der Seezigeuner. Sie haben ihre Hütten im Wasser
auf Pfähle gebaut. Vorn sind die Restaurants, weiter drinnen
verkaufen sie Souvenirs und sie wohnen dort. Sie scheinen auch
das zu verkaufen, was sie aus dem Meer holen: Fische, die getrocknet
werden, Shrimps, Lobster, Krabben, usw. Aber am besten ernähren
sie sich von den Touristen. Das Dorf hat eine Schule und eine
Moschee, denn die Seezigeuner sind Moslem.
Unser Ausflugsboot fährt dann hinaus in die Bucht von Phang
Nga. Als der James Bond Felsen (Kao Tapoo) auftaucht, kommt unter
den Passagieren heftige Betriebsamkeit auf. Der Felsen ist direkt
einer etwas größeren Felseninsel vorgelagert. Am Strand
haben sich Verkaufsstände angesiedelt. Der Blick von unserem
Boot läßt den Felsen im Gegenlicht der fahlen Morgensonne
erscheinen. Viel vorteilhafter wäre natürlich eine Bootsfahrt
am späten Nachmittag bei klarem Himmel, aber das kann man
sich nicht immer so aussuchen. Unser Boot macht einen schier unerträglichen
Lärm. Wundersam ist, daß dabei selbst diejenigen, die
vom leisesten Knistern aus dem Schlaf gerissen werden, hier in
der schönen Landschaft ihr Nickerchen auf harten Holzbänken
halten. Die geschäftstüchtige Kapitänsgattin steht
dieser Situation nicht unvorbereitet gegenüber. Sie bietet
Cola, Sprite und Lipovitane zu Verkauf an. Kan macht derweil ihre
Reiseabrechnung. Noch gut eine Stunde lang fahren wir immer wieder
an kleineren und größeren Inseln vorbei. Außen
haben sich vielfach Kalktropfsteine (Stalaktiten) gebildet und
es gibt Höhlen in den Felsen.
Kurz vor 11 Uhr erreichen wir die Perleninsel Naga Noi, die
einzige Südsee-Perlenfarm, die man besichtigen kann. 20.000 Perlen
werden hier pro Jahr gezüchtet, 50% ist Ausschuß. 18 Monate
dauert die Ummantelung einer Muschel-Kugel von 7mm Durchmesser,
die aus die aus dem Mississippi stammt; dann ist sie auf 12mm
bis 20mm angewachsen. Austern bekommen diesen Fremdkörper
implantiert. Hierzu gehört viel Erfahrung. Die Technik ist
bereits seit 100 Jahren bekannt, wird aber nur von etwa 25 Menschen
weltweit beherrscht. Michael von Naga Noi ist einer von ihnen.
Die Austern können mehrfach nacheinander zur Perlenproduktion
benutzt werden. Nur bei Halbperlen, die durch Implantation von
Plastikhalbkugeln im Außenbezirk der Auster (Lippen) in
12 Monaten erzeugt werden, wird die Auster getötet.
Südseeperlen werden in 5 Ländern gezüchtet:
Thailand, Philippinen, Australien, Burma und Japan. Japan hat
generell das Monopol über den Perlenhandel. So werden die
hier gezüchteten Perlen über Japan weltweit vertrieben.
Nach einstündigem Vortrag über Perlenzucht und Demonstration
des Herausoperierens von 2 Perlen aus 2 Austern (eine
ist "Rubbish" (Müll), eine ist gut) gibt es Mittagessen,
Badegelegenheit am Strand und natürlich die Gelegenheit,
Perlen zu kaufen.
Anne probiert 2 Naturperlenketten, die so etwa 200 DM
kosten sollen. Die eine ist zu lang, die andere zu kurz und ein
mittellanges Exemplar ist gar nicht verfügbar. So bleiben
die Perlen auf der Insel und wir fahren nach kurzem Spaziergang
am Traumstrand von Naga Noi zur Insel Phuket. Kurz vor unserer
Ausschiffung bringt das älteste Kind des Captains noch ein
Ständchen. Es singt a cappella ein Lied. Dieser 10-jährige
Junge hat so große Ohren, daß schon leichter Gegenwind
auf dem Boot, ihn abheben lassen. Die Kinder bleiben übrigens
viel unter Deck während der Fahrt. Falsch wäre es anzunehmen,
daß der Sänger mit diesen Satellitenschüsseln
besonders gut hören könnte; sein Gesang klingt nicht
danach. Wahrscheinlich ist sein Gehör durch das laute Motorengeräusch
des Bootes so ruiniert, daß er nur hört, ob Töne
entstehen oder nicht. Immerhin bewegt dieses Ständchen die
Passagiere zu dem erhofften Trinkgeld unmittelbar vor der Ausschiffung
auf Phuket. Man kann sagen, das Kind hat das Boot leergesungen.
An Land geht alles wie am Schnürchen. Der Bus und einige
Minibusse stehen bereit. Annelie übergibt die Trinkgelder.
Wir verabschieden uns von Mit, Kan und Claudia, steigen in den
klimatisierten Minibus und werden zusammen mit Josef, dem Westerwälder
und den "Bergischen" in die Hotels gebracht. Josef und
der Westerwälder steigen im Herzen von Patong Beach ab, dort
wo das Leben pulst und der Weg zu den dienstbereiten Schmetterlingen
der Nacht nicht so weit ist. Die "Bergischen" wohnen
in einer hoch über dem Meer gelegenen Anlage namens Amari
Coralle. Wir fahren vorbei am Karon- und Kata-Beach zum Kata Noi
Beach. Um 1630 Uhr liegen wir am Pool und
baden im türkisfarbenen Wasser der Andamanischen See. Von
18 Uhr bis 19 Uhr ist Happy Hour am Pool. Anschließend
duschen wir, Anne packt die Koffer aus und um 2030 Uhr
dinieren wir "By Richi".
Richi ist Schweizer. Er hat mal 16 Jahre für Brown Boveri in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet. Irgendwann hat er dann eine Thai kennengelernt und von da an ging's bergab. Jetzt ist er unglücklich, leidet unter der Hitze und Schwüle, hat als Ausländer oft Sorgen mit den thailändischen Nachbarrestaurants, die ihn bedrohen. Außerdem hat er Heimweh nach den Bergen von Lenzerheide. Um 0 Uhr singen A&G mit Anne für Ferdi das "Happy Birthday". Zurück im Hotel bestehen A&G darauf, das Geschenk zu überreichen: Ein Dodenhof-Kugelschreiber in einem Bambuslackständer mit blaugoldener Filigranbemalung. Ferdi ist zufrieden; Anne kann ja nun nichts mehr gegen ein solches Zierstück für den Schreibtisch haben. Geschenk ist Geschenk. Mir hatte sie den Kauf eines solchen Souvenirs in der Lackfabrik untersagt. So fügt es sich eben anders. Im Minimarket hatte ich noch eine Flasche Thai-Wein gekauft, die wir verkosten; er ist zuckersüß, nur zu empfehlen, wenn der Aspirinvorrat noch größer 2 pro Person ist.
Über Nacht hat es geregnet. Morgens ist es aber wieder sonnig
und schwül. Wir schlafen bis 10 Uhr, essen den Inhalt
unseres Obstkörbchens vom Amari-Hotel und frühstücken
in einem kleinen Restaurant, direkt gegenüber unserem Hotel
auf der anderen Straßenseite gelegen. Im Gusto, no View
but taste trinken wir einen Kaffee bzw. Tee und essen 2 Toast
mit Marmelade für 50 B. Dann spazieren wir über
den Berg nach Kata Beach.
A&G liegen unter einer Zeder am Pool. Sie haben uns Matten
reserviert. Um 1130 Uhr ruhen wir dann
auch unter der Zeder und genießen den Blick auf das türkisfarbene
Meer. Das Wasser ist ruhig, aber mit einer langgestreckten Dünung.
So überrollt eine Welle gleich Annes Haupt. Beim Schwimmen
im Meer zwickt immer mal etwas. Keiner weiß genau, was es
ist. Wir vermuten Quallen. Gerd liest, Ferdi schreibt. Mittags
gehen wir essen. In einem kleinen Strandlokal essen Anne und Annelie
4 Portionen Spaghetti und 1 Portion Krabben, Gerd und
Ferdi je einmal Spaghetti, dazu einige Cola und einen Kaffee für
535 B. Dann tummeln wir uns wieder im Meer. Diesmal beißt
nichts. Die Wellen kommen langsam und sanft, können aber
dann schon mal hoch aufschäumen, wenn sie den Strand erreichen.
Für Ferdi ist dies der wärmste Geburtstag seines Lebens.
Die Temperaturen liegen so zwischen 30°C und 35°C (im
Schatten). Die Wassertemperatur beträgt 26°C. Der bisherige
Temperaturrekord lag bei knapp 20°C vor einer Skihütte
in Saalbach-Hinterglemm in der Mittagszeit, was dem Schnee natürlich
gar nicht zuträglich war. Es sah schon bald nach Wasserskifahren
auf den Südhängen aus. Schöner Tag heute.
Nach einem Drink an der Poolbar zur Happy Hour duschen wir. Um 20 Uhr erfahre ich von meiner Mutter, daß das Wetter in Deutschland wieder ganz passabel ist, 10°C, leichte Bewölkung. Dann dinieren wir im Restaurant unseres Hotels. Alles zusammen für 2.000 B. Die Bedienung und die Vorspeisen sind gut, Annes Beef-Stroganoff ist sehr zart, aber unsere Pfeffersteaks haben nicht das Niveau, das man in diesem Hotel erwarten würde. Im Restaurant ist es sehr warm. Draußen geht kein Lüftchen. In der klimatisierten Lobby trinken wir noch einen Kaffee und Tee bzw. Anne eine Pinacolada. Schöner Geburtstag, ruhig, aber auch mal schön.
Um 9 Uhr wachen wir auf. A&G finden wir schon auf Liegen
am Pool gebettet. Annelie bewacht seit 8 Uhr 4 Liegen
mit Handtüchern. Gerd ist seit einer viertel Stunde da. Jetzt
freuen sie sich auf unseren Auftritt, so daß wir frühstücken
gehen können. Wir nehmen gleich das erste Restaurant. Das
Personal arbeitet noch etwas verschlafen. Die Sachen werden frisch
serviert. Hiermit ist gemeint, daß sie am Tisch eintreffen,
sobald sie fertig sind, außer Toast mit Marmelade, der kommt
erst nach dem 3. Anlauf. Heute sind wieder schöne Wellen
und keine Quallen weit und breit. Selbst Annelie beginnt das Bad
im Meer heimlich zu genießen. Ferdi filmt und fotografiert
heute Hotel und Strand. Mittags essen wir im letzten Restaurant
am Strand. In den Strandrestaurants sitzen einige Leute vom Amari
Kata Thani Hotel, aber auch andere, die hier Bungalows gebucht
haben. Manche Bungalows sind ja ganz nett, aber es gibt einige,
die aus Sperrholz den Giebel haben und mit Palmstrohdach gedeckt
sind. OK, wir waren nicht drinnen, deshalb ist mein Urteil ein
Vorurteil, aber wir sind uns einig, nicht mehr ohne Not in einer
solchen Unterkunft übernachten zu wollen. Ein gewisses Mitgefühl,
verbunden mit einer leichten Bewunderung für die Europäer,
die diese Hütten bewohnen, ist zu erkennen. Hoffen wir, daß
die Bewohner glücklich sind. Preiswerter übernachten
sie ja in jedem Fall. Wir nehmen Spaghetti und für Anne Haifischsteak.
Alle sind zufrieden. Mit Getränken zahlen wir 230 B
für 4 Personen. Heute Vormittag habe ich Ansichtskarten
geschrieben. Noch 3 oder 4, dann haben alle unsere Freunde mal
wieder unsere Urlaubsgrüße im Briefkasten.
Nach einem Drink an der Poolbar zur Happy Hour duschen wir und
gehen über den Berg nach Kata Beach. Wir dinieren im "Islanders".
Gerds "Squid skews" erscheinen nicht. Selbst, nachdem
wir anderen schon gegessen haben, sitzt Gerd mit schwindender
Vorfreude. Auf klare Nachfrage stellt sich heraus, daß es
keinen Tintenfisch gibt. Gerd schwenkt auf Hummer um; dafür
gibt's ein schönes Tier. 100g für 60 B ist ein
Sonderpreis für Gerd. Er ist sehr zufrieden. Bei Richi trinken
wir noch einen Kirschschnaps. Er will 90 B für das Glas,
Annelie will 70 B geben und wir einigen uns auf 80 B
bei vollen Gläsern. Außerdem nehmen wir noch einen
Espresso dazu. Wieder ist ein schöner Tag zu Ende.
Wir treffen A&G wieder um 9 Uhr am Pool. Annelie liegt seit 720 Uhr am Pool und bewacht in unmittelbarer Nachbarschaft des Sprungbretts 4 Liegen. Aufgebracht berichtet sie uns, daß um 720 Uhr bereits unsere gestrigen Plätze belegt waren. Der Verdacht, daß die Poolboys die Liegen mit Handtüchern reservieren, verdichtet sich zunehmend. Wir belegen die 4 Liegen mit weiteren Handtüchern. Heute verleihen die Poolboys Handtücher, ohne die Zimmernummer zu notieren. Warum weiß keiner.
Dann gehen wir im benachbarten Strandrestaurant frühstücken.
Wir sind die ersten Gäste. Ein älteres englisches Ehepaar
kommt später auch noch hierher. Als sie gehen, erfahren wir,
daß sie auch keine Liege bekommen haben, obwohl Simon es
schon um 620 Uhr probiert hat. Eigentlich
erheitert mich diese Liegenbelegungsdiskussion ein wenig. Es wären
nämlich reichlich Liegen vorhanden, wenn jeder sie nur mit
seinem eigenen Körper, statt mit seinem Handtuch belegen
würde, also nur dann, wenn er wirklich da ist, um zu liegen.
Aber nein, der Hamstersinn des Menschen spricht dagegen und es
soll natürlich der Stammplatz sein und dafür tut man
schon einiges. Notfalls steht man in aller Herrgottsfrühe
auf oder besticht die Poolboys für diese kleinen Gefälligkeiten.
Solche Geschäfte können nur in Schwung kommen, wenn
alle mitmachen - wir auch. Am Sprungbrett des großen Poolbeckens
geht es heute lebhaft zu. Zwei winzige skandinavische Kinder,
das Mädchen ist vielleicht 2 Jahre alt und trägt
Schwimmflügelchen, springen mit Begeisterung vom 1m-Brett.
Zunächst muß der junge Vater ihr noch die Hand reichen,
nachher macht sie es dann ganz allein. Durch ihre mutigen Sprünge
werden noch andere Kinder motiviert, vom 1m-Brett zu springen.
Manche, die viel älter sind, trauen sich nicht. Hierzu gehören
auch wir 4, die wir schon jenseits der 40 sind.
Annelie nörgelt heute gerne über das Wetter, denn es
ist etwas bedeckt. Gerd & Ferdi sind zufrieden, denn wir hatten
gestern 'ne gehörige Portion Sonne mitbekommen. Anne stört
es auch nicht, daß die Sonne hinter Wolken ist; Hauptsache
ist für sie, daß sie nicht friert. Außerdem reißt
die Wolkendecke in der Ferne auf. Heute nehmen wir 4 zunächst
ein ausgedehntes Bad in der ruhigen Andamanischen See - sehr angenehm!
Mittags lunchen wir im 2. Strandrestaurant, daß durch
die vielen Einnahmen schon die international gleich aussehenden,
praktischen Stapelstühle aufstellen kann. Die anderen Restaurants
haben noch die landestypischere, selbstreinigende Bambus- oder
Rattanbestuhlung. Alle Strandrestaurants sind mit einem Dach aus
Palmstroh ausgerüstet. Hier zirkuliert die Luft, nichts wird
muffig, es schützt sehr zuverlässig vor Wasser- und
Photonen-Regen. Es ist preisgünstig und voll recyclebar und
außerdem sind Häuser mit diesen Dächern ziemlich
erdbebensicher.
Nach dem Mittagessen kommt die Flut, verschwinden die Wolken und
kommen die Quallen wieder an den Strand. Weiße Quallen,
die angeblich ungefährlich sind. Die Japsen und Chinesen
sollen ganz wild auf getrocknete Quallen sein, wenn sie zur Suppenzutat
werden. Die nächsten Nachbarn am Pool sind ein altes Ehepaar.
Sie haben sich sicher noch sehr gern und gehen zärtlich miteinander
um. Sie liest Stephen King's "Gerald's Game", er füttert
die bunten Vögel mit Brot. Sie werden so zutraulich, daß
sie auf seinem Handtuch Platz nehmen. Später holt er ein
Bilderbuch und ein Wörterbuch hervor und lernt mit Unterstützung
eines Poolboys und eines Kochs Thai. Die beiden sind schon länger
im Hotel, sind gleichmäßig im Schatten gebräunt
und sicher Mitte 70. Dabei sind sie schlank geblieben (oder wieder
geworden) und haben noch ausreichend blondes Haupthaar. Um 15 Uhr
reicht einer der Poolboys kühle, feuchte Tücher. Heute
ist mein Mützentag, da gestern die Sonne meine Stirn intensiv
gerötet hat. A&G lesen unermüdlich. Anne liegt manchmal
ohne Buch auf dem Bauch, aber dann steckt die Nase wieder in der
Literatur. Ferdi schaut gern umher. Doch heute liest er HB-Atlas
von Thailand und nachmittags schreibt er wieder Tagebuch. Gerd
liest Robert Lodlum's "The Scorpion Illusion", Annelie
hat sich Barbara Wood's Schilderungen über "Rote Sonne,
schwarzes Land" vorgenommen und ist entsetzt über die
Sitten und Gebräuche einiger afrikanischer Stämme, z.B.
weil sie ihre weibliche Nachkommenschaft beschneiden und zunähen.
Anne hat auch ein Buch aus diesem Genre dabei: Kuki Gallmanns
Ich träume von Afrika.
So erholt sich jeder auf seine Weise hier am Pool, am Meer, unter
der tropischen Märzsonne auf dem 15. Breitengrad und
dem -98. Längengrad. Warnen möchte ich an dieser
Stelle alle Reisenden noch vor "Ambre Solaire"-Sonnenmilch.
Dieses Zeugs läßt sich nicht verteilen, es liegt stundenlang
als weiße Schicht auf der Haut. Der Gipfel ist aber, daß
heute unsere zu einem Viertel volle Flasche schon bei leichtem
Druck zerborsten ist. 200ml haben 25 DM gekostet und jetzt
hält nicht einmal die Verpackung, bis der Inhalt über
unsere Körper verteilt ist. Ein Skandal! Ambre Solaire heißt
die Firma.
Ich denke, meine heutigen Aufzeichnungen machen den Grad der Erholung
und Entspannung deutlich. Die Alltagssorgen sind in unendliche
Ferne gerückt. Wichtiger ist die Sorge um die Liege am Pool,
die Sonnencrèmeverpackung, die Wölkchen am Himmel,
die wogende Brandung des Meeres und ihr Einfluß auf Körperhaltung
und Wohlbefinden. Nun gehen wir alle noch mal ins Wasser des blau
gekachelten Swimmingpools. Wahlers schwimmen aufeinander zu, jeder
von einer Seite des Beckenrandes und in der Mitte küssen
sie sich.
Dann schwimmt Annelie für zwei. Gerd hat seine Füße
auf ihre Schultern abgelegt und sie zieht ihn durch den Pool.
Annelie wird, wenn sie so weiter macht, bei der nächsten
Olympiade noch in der Disziplin "Synchronschwimmen"
mitmachen. Nun steigt Anne noch in die Fluten und ich auch. Die
gleitende Wirkung des Schutzfilms von Ambre Solaire, gepaart mit
einigen Störungen des Gravitationsfeldes, lassen Anne tief
ins Poolbecken Richtung Erdmittelpunkt tauchen. Bei ihren Racheversuchen
gegen den mutmaßlich an dieser Aktion beteiligten Autor
dieses Tagebuchs kommen dann noch lokale Turbulenzen des Wassers
im Pool auf, die Annes Gesicht wiederholt zur Abkehr des Anblicks
bringen. Anne kommentiert nach Verlesen dieses Passus lakonisch:
"Ich mach's Dir nicht noch mal!" Ihr Haar ist später
einer Shampoonierung zu unterziehen; das stand heute eigentlich
nicht auf der Tagesordnung.
Um 18 Uhr nehmen wir für 170 B ein Taxi nach Patong
Beach, gut 15km entfernt gelegen. Hier pulst das Leben. 3 T-Shirts
"Marke Boss" für je 99 B geraten in Ferdis
Besitz. Anne kauft 2, Annelie 1 Levis Beach-Kombination, die auch
als Schlafanzug tauglich ist. Gerd ersteht die nächste Jeans
für 300 B, natürlich auch "von Levis".
Man kauft hier nur Ware mit einem großen Namen. Einem taubstummen
Chinesen kaufe ich noch eine Krawatte für 80 B ab. Annelie
erhält eine Cartier-Uhr, deren Armband noch schnell um 3 Glieder
erweitert wird, für 250 B. Wir wollen essen gehen, doch
da trifft Annelie noch Kolleginnen und Kollegen von Fa. Dodenhof,
dem größten Modehaus Norddeutschlands. Wir essen bei
einem Italiener, der offensichtlich mit einer Thai verheiratet
ist. Der Laden boomt. Annelie ist etwas nölig, weil's beim
Italiener keinen "Seafood-Basket" gibt. Sie ist schon
süchtig danach. Nach dem Essen wird unser Rundgang durch
Patong-Beach durch Himmelsleuchten verkürzt. Gerd denkt erst,
es käme von einer Disco, aber es kommt von höher. Als
die ersten Regentropfen fallen, werden die Thai ganz fix. Im Nu
ist alles zusammengeräumt. Wir machen noch ein paar Fotos
mit Hummer und Anne, aber ehe wir uns versehen, ist auch diese
Auslage gesichert. Die Eile der Thai gibt uns zu denken. So beschließen
wir, mit einem, an der nächsten Straßenecke stehenden,
Tuck-Tuck zurückzufahren. Der "Regenpreis" beträgt
180 B für die Rückfahrt. Richtig heftig wird der
Regen erst, als wir schon wieder gemütlich im Hotel sitzen.
In der Lobby nehmen wir noch ein Bier und eine Pinacolada für Anne. Simon und seine First Lady erzählen uns noch ihre Erlebnisse und sie berichtet uns noch über Urlaub hier und da auf der Welt. Simon is a farmer with a plenty of cows on the meadows of Lancaster. Auf Wahlers Zimmer 236 gibt's dann noch 'nen Hennessy zur Modenschau.
Annelies ganzer Ehrgeiz liegt heute darin, schon früh 4 Liegen zu reservieren. Sie stellt sich den Wecker auf 6 Uhr. Sie zögert, hinauszugehen, weil es noch dunkel ist. Um 620 Uhr schleicht sie sich dann, läßt ihren Gatten allein im Hotelzimmer zurück, und arrangiert Beach-Towels auf 4 Liegen am kleinen Pool. She happens to meet Simon. Damit seine First Lady eine Liege mit Blick auf die Andamanische See hat, ist auch er schon so früh unterwegs. Vielleicht ist er als Farmer das frühe Aufstehen gewohnt. Annelie erfährt von Simon, daß er die Beach Boys heimlich bezahlt. Seine First Lady darf von diesen Machenschaften auf jeden Fall nichts wissen. Später drückt Annelie einem Poolboy einen Schein - nicht den kleinsten - in die Hand. Nun ist die Vermutung von vorgestern und gestern zur Gewißheit geworden. Die Poolboys unterstützen zahlungswillige Gäste intensiver bei ihrem Bemühen, eine Liege zu finden. Simon's First Lady, nennen wir sie ab jetzt einfach mal "Garfunkel", sagte zu dieser Thematik gestern noch: "Don't pay them. We should not do that, we should not have to do that!" So bewahrheitet sich der folgende Satz auch hier in Thailand wieder: "Money makes the world go around". Glaremins erscheinen gegen 9 Uhr und wir gehen heute bei "Gusto" frühstücken, weil das 1. Strandrestaurant noch schläft. Simon & Garfunkel kommen bereits erfolglos von ihrem Versuch zurück, dort ein Frühstück zu bekommen. Danach baden wir in der ruhigen Andamanischen See.
Anne trägt ihren orangefarbenen Badeanzug, den sie in Frankfurt
kaufte. Gerd filmt heute. Danach liegen wir auf den sorgfältig
ausgerichteten Liegen. 3 lesen, einer schreibt über die Leser.
Schaut man umher, so sieht man überall Menschen, die sich
dem süßen Nichtstun hingeben. Die einzig aktiven Menschen
sind in diesem Hotel das Hotelpersonal und die Masseurinnen. Überall
knien sie auf oder neben fetten Touristenleibern und kneten gelangweilt
die erschlafften Muskeln durch, die unter der dicken Speckschicht
kaum zu fühlen sein werden. Nach einer Stunde wechseln 200 B
den Besitzer - in diesem Hotel unbar - und beide Seiten sind zufrieden
(Man bedenke ruhig einmal an dieser Stelle, daß der staatlich
festgelegte Mindestlohn bei 135 B pro Tag liegt und ein Arbeiter
im Straßenbau tatsächlich jedoch nur etwa 85 B
pro Tag bekommt).
Dieses Hotel besticht durch ein gepflegtes Ambiente, das scheinbar
mühelos und nebenbei in Ordnung gehalten wird, leise und
unauffällig. Hier und da fegt jemand mit einem Besen aus
getrockneten Besengras Samen, Blätter und Blüten zusammen,
wir haben auch schon einen Gärtner mit Flymo-Elektro-Rasenmäher
bei der Arbeit beobachtet. Das Putzpersonal kann sich von 9 Uhr
bis 17 Uhr den Zimmern widmen und zur guten Nacht wird die
Bettdecke noch zur Seite geklappt und die Blüte einer Orchidee
aufs Kopfkissen drapiert. Jede Dienstleistungsgruppe trägt
ihre eigene Dienstkleidung: Die Poolboys tragen weiße Bermudas
und weiße Kniestrümpfe, die Gärtner graubraun,
die Zimmermädchen und Jungs dunkelblau; Gepäckträger
sind von Kopf bis Fuß in einen weißen Anzug gesteckt.
Kellner sind in beige, Kellnerinnen zuweilen in beige-apricot
Saris zu sehen. Am schnellsten bewegt sich das Personal vom Management
in gelben Kostümen durch die Anlage. Der Generalmanager,
ein junger Nicht-Asiat mit Hemd und Krawatte, ist schlank, blond
und groß gewachsen. Dieses Hotel stellt den Rekord auf für
das Anbringen von Hinweisschildern. Sie weisen zur Toilette, zur
Massage, zum "Hair Do Boderek Style. Please Contact at Counter."
(Boderek bedeutet Bo Derrek, die Schauspielerin, die geflochtene
Zöpfchen hat.) Im Zimmer erreicht die Schilderdichte ihr
Maximum. Hinweisschilder am Fenster sagen, man möge sie wegen
der Insekten geschlossen halten und wenn man sie doch öffnet,
möge man die Klimaanlage abschalten. Hinweisschilder auf
das Fernsehen, auf das Fernsehprogramm, die Minibar, das Telefon,
die Bettwäsche, die Restaurants, die anderen Hotels der Amari-Kette.
Natürlich sind alle Utensilien im Amari-Look verpackt, die
Q-Tips, die Duschkappe, der Sanitary-Bag, das Shampoo, eben alles.
In der Badewanne kann man sogar eine Wäscheleine spannen
und man wird darauf hingewiesen, wie man sie spannt und wie man
sie löst. Käme man von einem fremden Planeten aus einer
fernen Galaxie, man würde sich in Amari-Hotels gleich zurecht
finden, wenn man sich nur schon mal einen Grundwortschatz der
englischen Sprache in lateinischer Schrift und arabischen Ziffern
beigebracht hätte. Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil.
Wer in diesem Hotel etwas verzehren will, der muß auch noch
schreiben können. Er braucht keinen einzigen Baht in der
Tasche zu haben, er würde nicht verhungern oder verdursten.
Vielleicht findet er keine Liege am Pool mit Meerblick, da helfen
ein paar Baht nach, aber ansonsten unterschreibt der Gast nur
Belege, die dann später beim Check-out vom VISA-Konto abgebucht
werden. Barzahlung ist im Amari Kata Thani eher die Ausnahme.
Natürlich läßt das Hotel den Gast auch nicht im
Stich, wenn er sich bis zum Meer vorwagt. Eine Fahne in grün,
gelb oder rot zeigt an, ob es ratsam ist, bis in die Andamanische
See zu gehen. "Green is good for swim" und "Before
Swimming in the Sea, please observe Colour of the Flag".
Wenn man vom Strand zurückkommt gibt, es das Hinweisschild,
wie Teerflecke an den Füßen zu entfernen sind und wie
man den Sand von den Füßen bekommt. So vorbereitet,
kann man von 7 AM - 9 PM dann wieder zum Poolgelände
zurück - "For Hotel Residents Only". Gegen 1330 Uhr
suchen wir wieder das Strandrestaurant Nummer 1 auf. Dann baden
wir ausgiebig im Meer, im Pool und im Jacuzzi. Heute bringen zwei
Kellnerinnen panierte Tintenfischringe und ein "Hinweisblättchen",
das für 370 B zum BarBQ-Dinner am Pool einlädt.
Natürlich kann man schon seinen Tisch reservieren. Heute
ist es wieder etwas stärker bewölkt und schwül,
vom gestrigen Regen. Aber die Sicht ist sehr gut. In der Ferne
ist der Horizont, die Trennlinie zwischen Himmel und Meer, klar
abgegrenzt. Immer wieder sieht man Fischerboote und kleine Frachter
vorbeiziehen. Sie sind so weit weg, daß man denkt, sie fahren
genau am Horizont entlang. Im Vordergrund kommt dann und wann
ein Segelboot vorbei, mal tuckert ein Longtailboot mit Touristen
am Strand entlang, mal kommen die Yamahas angefahren, die Wassermotorräder,
die lärmend die See zerpflügen. Ein oder zweimal am
Tag kommt das hoch motorisierte Sportboot, an dessen Fallschirm
man sich durch die Bucht ziehen lassen kann. Der Strand ist ansonsten
bewirtschaftet. Eine Einheit besteht aus 2 Liegestühlen,
einem Sonnenschirm und einem Tisch. Morgens um 9 Uhr werden
die Schirme aufgespannt. Weiter im Süden der Bucht stehen
die Schirme in Zweierreihen. Wir fragen uns, ob wohl alle Schirme
dem selben Spanner gehören. Außerdem werden an einigen
Stellen kalte Getränke angeboten. Die Bewirtschaftung in
der Kata Noi Bucht erfolgt aber sehr dezent, verglichen mit anderen
Flecken dieser Erde. Sie beschränkt sich quasi auf das, was
man als Tourist von einem Strand in südlichen Gefilden mindestens
erwartet.
Ab 16 Uhr laufen die Vorbereitungen rund um den Pool für
das abendliche BarBQ. Um 1730 Uhr machen
wir uns fein. Um 1810 Uhr hole ich den
Camcorder hervor, um die Vorbereitungen zu filmen. Es ist ein
schönes Bild. Ein Hotelboy schabt und meißelt aus einem
großen Eisblock einen sitzenden Hasen. Die Hausband spielt
und singt und es werden Cocktails gereicht. Rot ohne Alkohol,
grün mit einem Hauch Reiswhisky.
Der Generalmanager unterhält sich mit den Gästen. Die
Köche, Europäer, prüfen die Vorbereitungen zum
BarBQ. Die Speisen werden noch aufgetischt, unter Folie oder sogar
eisgekühlt und sie werden ins rechte Licht gerückt,
unter Scheinwerfern. Derzeit ist noch Dämmerung, aber es
wird hier schnell dunkel, wie überall in den Tropen - ganz
klar.
Um 1830 Uhr treten wir 4 gemeinsam in die
Szene, nicht ohne unsere Camcorder. Die Camcorderdichte und die
Menge der Fotoapparate hat heute Abend sowieso ein lokales Maximum
erreicht. Wir trinken einen Cocktail. Der Generalmanager kommt
auch zu uns. Er erzählt uns etwas von sich. Ich-Botschaften
sind modern. Er ist so um die 30, Schweizer mit italienischem
Namen und dänischem Vornamen - entsprechend der Nationalitäten
seiner Zeuger. Er fragt, ob es uns gefällt. Wir bestätigen
ihm einen hohen Standard, mit dem das Hotel geführt wird.
Es ist ein angenehmes Gespräch, das ganz zwanglos noch mit
einer Tischreservierung für 1930Uhr für
Zimmer 236 und 238 endet. Er ist seit 2½ Jahren hier im Hotel
und wird bald in Bangkok eine neue Aufgabe in der Amari-Hotelkette
übernehmen. Dann nehmen wir noch ein Bier zur Happy Hour.
Pünktlich um 19 Uhr öffnet das Buffet. Neben dem
Hasen auf dem Nachtischbuffet gibt es noch einen Eishirsch an
der Salatbar. Wunderschön ist alles angerichtet und wir freuen
uns, heute mit dabei zu sein. Wann kann man schon mal in so gepflegter
Atmosphäre unter Palmen am Pool mit Blick aufs Meer sitzen
und ein großartig vorbereitetes Dinner genießen. In
der Summe dieser Attribute kommt es wohl bei keinem von uns häufig
vor. Wir beginnen das Dinner am Salatbuffet. Das Hauptbuffet bietet
alles: Fisch, mehrere Sorten, Makrelen, Hai, usw., dann Beef,
Chicken (Hühnerbollen), ein Spanferkel, Spieße, dazu
diverse Saucen und Beilagen, wie Nudeln, Reis, Kartoffeln in Folie,
usw. Sogar dunkles Brot steht bereit. Das Nachtischbuffet hat
sicher 20 verschiedene Dinge aufzuweisen, wie Trüffel, Ostereier
- daher vielleicht auch der Hase -, Crème Caramel, 10 verschiedene
Torten, Obst, Honigmelone in einer Vanillesauce mit Rosinen, alles
ganz edle und sehr schön arrangierte Leckereien. Während
des Dinners spielt die Hausband. Zwischen 8 und 9 (PM) werden
Tänze und Folklorespielchen vorgeführt. Neben uns sitzt
die skandinavische Familie mit den 2 kleinen blonden Kindern.
Das Mädchen - wir kennen es vom 1m-Brett - ist noch voll
aktiv. Eltern und Großeltern wäre es bestimmt lieber,
sie könnten sich etwas mehr auf das Essen konzentrieren.
Der Junge ist auf zwei gegeneinander gestellten Stühlen bald
eingeschlafen, aber die kleine Maus flitzt nur so zwischen den
Tischen umher und kokettiert mit den anderen Gästen, den
Sängern und den Kellnern. Um 22 Uhr ist dann insgesamt
Schluß und wir gehen ins Bett. Annelie muß ja schließlich
morgen wieder früh 'raus.
Schöner Tag heute, schöner Tag mit einem sehr schönen Abschluß. Wir sind froh, das BarBQ heute mitgemacht zu haben. Jeder Gast bekommt als Erinnerung noch einen hölzernen Wackelkäfer. Khob Khun Krab.
DO. 10.3.94 Phuket, Kata Noi {Amari Kata Thani}.
Um 915 Uhr sind wir am Pool. Es muß
heute Nacht geregnet haben. Annelies Wecker hat pünktlich
um 6 Uhr geklingelt, aber Annelie ist erst später zu
den Liegen gegangen, weil es heute nach dem Regen bei dichter
Bewölkung noch besonders dunkel war. Daher verpaßt
sie Simon. Neben uns liegt ein älteres Ehepaar, die von Frankfurt
gestartet sind. Er kriegt nach einer Lungenentzündung keine
Luft und kann daher nicht viel laufen; deshalb müssen sie
das gute, üppige Frühstücksbüffet im Hotel
nehmen. Sie lamentieren, daß für 2 Personen immer
516 B draufgehen; dafür können sich manch' andere
schon einige Tage verpflegen. Aber man muß immer Preis und
Gegenwert miteinander vergleichen. Anne klagt heute über
einen steifen Hals. Jede Rippe schmerzt. Sie befürchtet,
sich im Liegen alle Rippen gebrochen zu haben. Ich halte das für
schlichtweg unmöglich, zumal wir gestern keinerlei Turnübungen
unternommen haben. Ihr Gemütszustand erreicht dann durch
einen weiteren Satz von A&G seinen Tiefpunkt: "Samstag
werden wir um 330Uhr geweckt." Es machen
sich Gerüchte breit, daß wir eher zurückfliegen,
weil der Transport vom Domestic Airport zum International Airport
länger dauert als unser eigentlich für 10 Uhr (ab
Phuket) vorgesehener Flug es erlauben würde. Nach all diesen
Diskussionen muß es inzwischen 930 Uhr
sein, Zeit das Thema zu wechseln und das erste Restaurant aufzusuchen.
Im ersten Restaurant zahlt man für ein "Continental
Breakfast" (2 Toast, 1 Marmelade, 1 Kaffee, ½ Glas Orangensaft,
frisch gepreßt) 40 B. "American Breakfast"
kostet 80 B. Es besteht aus einem Continental plus 2 Eier
mit Würstchen und Speck. Nach dem gestrigen Regen haben die
Ameisen unter unserem Tisch noch viel nachzuholen. Eine dichte
Karawane ist heute besonders fleißig dabei, die Essensreste
der Touristen, die wegen der Schwerkraft stets auf dem Boden landen,
in Sicherheit zu bringen. Außerdem sucht ein kleiner, brauner
Hund mit Stummelschwanz die menschliche Nähe von Annes Füßen.
Das Frühstück wird heute fast perfekt serviert. Nur
Annes Tasse steht im Bodensee. Noch in Gedanken versunken öffnet
Anne gar ein Zuckertütchen. Erst im letzten Moment schießt
ihr durchs Hirn, daß sie Kaffee schwarz trinkt - nur Espresso
erhält bei Anne etwas Zucker. Das geöffnete Tütchen
landet im Aschenbecher. Wie soll ich sagen, es bestehen trotz
der körperlichen und geistigen Verfallserscheinungen bei
Anne noch Hoffnungen, daß sie den 10. März überlebt.
Dann ermutigt sie alle, eine Bergwanderung zu einem Aussichtspunkt
zu machen, der vom Strand aus bei guter Sicht zu erkennen ist.
Heute ist gute Sicht. Was man nicht sieht, ist der Weg hinauf.
Gerd soll von da oben die Bucht filmen. Doch Gerds ausgewogene
Trägheit überwiegt. Daraufhin mache ich mit Anne einen
ausgedehnten Strandspaziergang mit abschließendem Bad in
der Andamanischen See, die heute ganz besonders andamanisch aussieht,
nicht türkisgrün, sondern eher dunkelblau. Schon ist
es viertel vor 12 und wir ruhen erst mal auf den Liegen. Links
von uns, Richtung Meer, liegt Golda Meir. Gerd hat sie so genannt
und jeder wußte gleich Bescheid, wer gemeint war, außer
Annelie. Schön, wenn man so unter sich ist in der High Society.
Golda Meir trägt einen Bikini im Ripp-Look, Neon-pink. Das
ist ein Bikini vom Typ "Variable Size". Sie hat ihn
in XL genommen und durch die hochwertige Elastizitätskonstante
des Materials passen 2 normale Menschen oder einmal Golda hinein.
Golda ist Schweizerin. Wir liegen hier sowieso mit internationalem
Publikum. Schweiz, Österreich, England, Schottland, Skandinavien
und Italien sind gut vertreten, und natürlich die Deutschen,
das ist ganz klar. Simon & Garfunkel sind heute gut zufrieden.
Sie behalten ihr Zimmer noch bis nachmittags. Ihr Flieger geht
erst um 18 Uhr heute Abend. Unklar ist, ob er diese großzügige
Haltung des Hotels (Check-out time is usually High Noon) durch
Baht ermöglicht hat. Zuzutrauen wär's ihm, um seiner
First Lady einen angenehmen Abreisetag zu ermöglichen. Gerade
schreiten sie zum Lunch im 1. Strandrestaurant. Es muß
also 1 Uhr sein. Schon Minuten später sind sie zurück.
"It's full, there is not one table. That's unusual."
So, sit and wait. Wir bleiben noch etwas liegen auf unseren Liegen.
Dann überwiegt ein leichtes Hungergefühl oder ein gewohntes
Gefühl der mittäglichen Leere, oder ein leeres Gefühl
des Mittags, oder ein mittägliches Gefühl des wenig
überfüllten Leibes. Wir suchen Strandrestaurant Nummer
1 auf. Ein 4-er Tisch ist inzwischen frei. Wir essen Fried Noodles
with Seafood (die Annen), Grilled Squid für Gerd und Obst
für Annelie. A&F teilen sich einen Pancake Pineapple.
Dazu 4 Cola für 385 B. Simon & Garfunkel erscheinen
auch und nehmen ihre letzte Mahlzeit am Strand von Kata Noi ein.
Um 16 Uhr verabschieden sie sich. Simon berichtet noch kurz
von seiner Südamerikarundreise: Den ganzen Kontinent in 3 Wochen,
great. Seine First Lady hatte er dort nicht dabei. Bye-bye Simon
& Garfunkel.
Für Golda kommt morgen die Abreise. Nachmittags hat sie ihren
Elastic-Neon-Pink-Bikini gegen einen dunkelbraunen Einteiler eingetauscht,
dessen Schnitt gerade in der Bauchpartie mehr Freiraum für
die stärkere Dame läßt. Golda hat, wie alle Schweizer,
die in unserer Nachbarschaft liegen, die 60 hinter sich. Es ist
wohl derzeit Reisezeit für rüstige Rentner.
Nachmittags machen Anne und Ferdi noch einen Spaziergang bis zum Ende des Strands. Anne ist heute nicht gut 'drauf, ihr Rücken schmerzt. Nachher baden wir noch in der Andamanischen See. Sanfte Wellen bringen zeitweise eine überraschende Höhe mit sich, die einem das Wasser über den Kopf zusammenschlagen lassen. Statt des Happy-Hour-Drinks duschen wir heute und fahren noch mal nach Patong Beach. Wieder hin für 170 B, zurück für 180 B. Wir trinken zunächst ein kleines Bier. Dann drohen wieder Regenwolken herniederzugehen. Diesmal sitzen wir die Regenzeit aus, in einem Seafood-Restaurant. Es sieht gut aus, ist trocken und kühl und mäßig. Während des Essens regnet es in Strömen. Nachher schauen wir uns noch die einschlägigen Viertel von Patong Beach an. Gerd und ich sind auf jeden Fall nicht weg vom Hocker. Gut, wir haben keinen sehr tiefen Einblick erhalten, aber aus meiner Sicht waren es ein paar Hühnchen im matschigen Hühnerhof. Gockel gab es auch nicht gerade im Übermaß, aber - wie überall auf der Welt - die guten werden schon ihr Körnchen finden. Wir essen nochmals in einem Restaurant, das mehr gegen Ende des Ortes liegt. Annelie war ja schon richtig nölig, denn ein paar Tropfen Wasser kamen hin und wieder noch vom Himmel und Annelie haßt Regen wie Anne Schlangen. Annelie liebt die Sonne, die ihren Körper verwöhnt und gülden bronziert, am liebsten ganztägig. Nach dem zweiten Dinner ist das Leben für die beiden Annen wieder schön und wir nehmen nach dem Schlendern durch die Haupt- und Nebenstraße von Patong Beach ein Tuck-Tuck zurück zum Hotel Amari Kata Thani. Morgen ist schon der letzte Tag!
FR 11.3.94 Phuket, Kata Noi
Um 9 Uhr treffen wir A&G am Pool. Diesmal hat Annelie
4 Liegen in der ersten Reihe belegt, wie immer im Morgengrauen.
Thai-Banknoten wurden in unbekannter Höhe transferiert. Wir
treten auf unseren Plätzen die Nachfolge von Simon &
Garfunkel an. Ihre Bekannten, sie ist flach wie eine 6jährige,
sieht aber aus wie eine 60-jährige, hat kurzes, schneeweißes
Haar, wie Miss Ellie, nur schmaler im Gesicht. Er hat dagegen
kein graues Haar; er sieht viel jünger aus, höchstens
48. Ihre Bekannten müssen also in der ersten erhabenen Reihe
weiter nach rechts rücken. Andere, die vorher weiter hinten
im Areal lagen, sind aufgerückt auf unsere gestrigen Plätze
und die von Golda. Carriage Return, Line Feed.
Ein erfreulicher Anblick liegt in meiner Blickrichtung zum Swimmingpool.
Sie ist höchstens 25 und die bestaussehendste Engländerin
dieser Alterskategorie. Bo hat gestern Nachmittag, da lag sie
noch in den hinteren Reihen, statt einer Massage ihre Haare zu
kleinen Zöpfen umarbeiten lassen, an deren Enden pink und
lila Kügelchen hängen.
Heute ist Fototermin. Das Motto: "Unser letzter Tag am Strand".
Die von der Sonne gebleichten Sonnenschirmchen mit Liegestühlen
vor dem türkisfarbenen Wasser der Andamanischen See inspirieren
viele Motive. Anne will Ferdi mit der roten Mütze und Gerd,
in ihrer Hand je eine Kokosnuß, in die Liegestühle
setzen. Gerd ziert sich sehr, aber Annes Charme bringt die Jungs
in die Stühle. Jetzt haben Annelie, unser kleiner Gourmand
und Ferdi, der schon ziemlich stattlich für sein Alter (42)
ist, Hunger. Wo dieses permanente Essen hinführen kann, sieht
man beim Blick nach vorn.
Das Ehepaar, das gestern neben uns lag - er kriegt keine Luft
und deshalb müssen sie immer für 516 B üppig
frühstücken - ist gerade vom Lunch zurück. Der
Pool-Kellner erkundigt sich, ob es geschmeckt hat, und betätschelt
liebevoll seinen Kugelbauch. Wirklich, im Liegen nimmt seine konvexe
Taille die Form einer Kugel an, an die sich oben ein Kugelkopf
und unten ein Zweibein mit blauer Badehose anschließt. Zum
Lunch sind wir wieder im 1. Restaurant. Spaghetti und Fried
Noodles Seafood sind wieder gefragt und für Anne und mich
noch ein Banana-Pancake. Nach dem Essen nehmen wir wieder ein
ausgedehntes Bad in den sanften Wellen. Miss Ellie und Jock, der
ebenfalls schon viel herumgekommen ist, verabschieden sich. Er
fand's in Malaysia auf Penang sehr schön, etwa so wie hier.
Meine Einschätzung von Bo muß ich allerdings revidieren.
Sie ist eine hübsche Australierin, nicht Engländerin.
Vielleicht gibt es keine hübschen Engländerinnen.
Nachmittags baden wir noch einmal. Wir genießen die letzten
Stunden und sind uns dessen bewußt. Um 17 Uhr animiert
Gerd uns noch alle zum Sprung in den Swimmingpool. Anne und Gerd,
unsere kühnen Sportler, springen vom 1m-Turm, Gerhard sogar
mit dem Kopf zuerst! Annelie und Ferdi, die Vorsichtigen, denen
Angst ins Gesicht geschrieben steht, springen zaghaft vom Beckenrand.
Danach erfahren wir bei unserer Reiseleitung den Verlauf der Rückreise:
Wir werden um 330 Uhr geweckt und unser
Rückflug nach Deutschland soll mittags sein.
Wir nehmen noch einen Drink zur Happy Hour. Dinner haben wir im "Islanders" in Kata Beach. Die Mädchen essen wieder Seafood-Basket - wie werden sie morgen und die Tage danach ohne Körbchen klarkommen?!?. Gerd ißt Spieß und Ferdi Noodles with Chicken & Thai-Rice with Beef. Um 23 Uhr checken wir out im Hotel Amari Kata Thani.
SA 12.3.94 Phuket - Bangkok - München - Düsseldorf - Münster
330 Uhr Wecken, 4 Uhr Koffer vor die Tür,
435 Uhr Abfahrt vom Hotel. Unser Frühstück
besteht aus 4 Keksen und ½ Flasche Wasser auf Zimmer
236. Wir fahren über Karon Beach zum Flughafen. Das Gepäck
fährt auf einem Pickup. Das Einchecken geht zügig voran.
Um 655 Uhr startet Flug TG200, ein Airbus
A300, von HKT nach BKK. Wir treffen sie alle wieder: Die Berliner
von der Nord-Thailandrundreise waren noch 5 Tage in Bangkok, die
Schwaben aus Ravensburg sind da, der Westerwälder hat zum
Abschied von seiner liebsten Thai einen Blütenkranz bekommen.
Der Mann mit den Bilderrahmen oder Klappstuhl im Handgepäck,
der schielende Berliner Orchideensammler hat seine Sammlung noch
deutlich ausgebaut. Nur mit Mühe passen alle Blüten
ins Gepäckfach. Um 8 Uhr sind wir in BKK. Dort werden
wir vom nationalen zum internationalen Flughafen gebracht. Das
Gepäck fährt wieder getrennt mit Pickups. Im Flughafengebäude
wird das Gepäck geröntgt und mit einem rosa Packband
versiegelt. Am Schalter 8 checken wir Richtung Düsseldorf
ein. Die Paßkontrolle verläuft genauso problemlos wie
bei der Einreise. Der Duty-Free-Shop ist groß, modern, dezentral
organisiert, aber zu teuer. An der Snack-Bar nehmen wir noch einen
Kaffee bzw. Tee. Dann sind wir Baht-frei und warten auf den Abflug
von Condor DE5377. Auf dem langen Fußweg zum Gate 47 besuchen
wir noch mal alle Toiletten einzeln. Annes Adrenalinspiegel schnellt
noch empor, als sie merkt, daß sie ihren kleinen praktischen
Condorbauchgürtel bei der Durchleuchtung zurückgelassen
hat. Aber so schnell geht hier nichts verloren. Diesmal haben
wir unsere Plätze 10 D,E im vorderen Teil der Maschine.
Bei einer Boing 767-300ER ist Reihe 6 hinter der Wand zur 1. Klasse.
Reihe 10 ist also o.k., ziemlich vorn, nicht über der Tragfläche
und nicht auf Annelies Klo. Die Flugzeit für 8846km wird
mit 12h05' angegeben. Die Maschine ist fast voll besetzt, das
maximale Startgewicht beträgt 185.000t, die Startgeschwindigkeit
liegt bei 320km/h. 76.000t Kerosin sind an Bord, und natürlich
die Passagiere, 269 Passagiere (alle mit Übergepäck!).
Seitdem wir über dem Indischen Kontinent sind, wird die Maschine
durch Turbulenzen erschüttert. Wegen des hohen Startgewichts,
kann der Captain die Maschine noch nicht in höhere, ruhigere
Luftschichten steigen lassen. Der Flug geht von Bangkok über
Kanchanaburi, Tavoy, südlich von Rangoon, über Calcutta
(1420 Uhr), Varanasi (15 Uhr), Lacknow
(1530 Uhr), New Dehli (16 Uhr) in 9.400m
ü.NN. Die Geschwindigkeit über Boden beträgt nur
757km/h. Wir haben Gegenwind. Um 18 Uhr sind wir auf 10.700m
ü.NN und fliegen mit 710km/h nördlich an Karachi vorbei,
dann nördlich Gwadar, nördlich Kerman (18 Uhr),
Richtung Esfahan. Die Geschwindigkeit sinkt wegen des Gegenwinds
sogar noch auf 685km/h in 10.700m Höhe. Weiter geht's über
Teheran und Yoszga; um 2140 Uhr passieren
wir Ankara nördlich und fliegen Richtung Istanbul. Um 2230 Uhr
ist die Maschine in 11.900m ü.NN über Varna. Der Gegenwind
hat nachgelassen, wir legen in zwischen 830km/h zurück. Dann
geht's über Bukarest, Budapest, Lake Balaton (2340 Uhr)
nach München. Zwischen Varanasi und Dehli wird eine warme
Mahlzeit serviert.
Vorn auf 6A und 6C quäkt alle paar Minuten ein Kleinkind.
Die Münchnerin, die neben Anne sitzt, er zählt, daß
sie seit 7 Jahren Hausfrau und seit 5 Jahren Ehefrau des "Vampirs"
ist. Sie ist Zahnärztin, hält sich soweit auf dem laufenden,
daß sie jederzeit wieder in ihrem Beruf arbeiten kann, genießt
aber ansonsten die Freiheit und Ungebundenheit des Hausfrauenlebens.
Kinder würden genauso stören wie der Beruf. So kann
sie viel für sich tun, was ihren Interessen und Neigungen
entspricht. Sie und ihr Vampir lieben Cluburlaube. Diesmal waren
sie nach der Rundreise durch Nordthailand noch 2 Wochen im
Club Aldiana, mit vielen Extrakosten für die sportlichen
Aktivitäten, die beim Club Med üblicherweise inklusive
sind. Club Aldiana ist 'was für Gourmands; die angefutterten
Kilos - selbst um Mitternacht wurden noch Suppen serviert - kann
man dann im Club Med wieder abtrainieren. Nach dem Essen macht
sich ein Herr um die 50 etwas lächerlich. Er läßt
den Chefsteward antanzen, um sich über eine Stewardeß
zu beschweren, die ihm nichts zu trinken gebracht hat. Dann kriegt
er 2 Bier und ist ruhig und pennt. Reisestreß läßt
Menschen oft lächerlich wirken, vor allem, wenn sie dann
noch im Rudel zusammengepfercht sind. Wir waren alle heute nicht
glücklich darüber, früh um 330 Uhr
geweckt zu werden, um dann endlich um 1205 Uhr
Richtung Deutschland abfliegen zu können. Irgendwie stinkt
jedem die Warterei und das Schlangestehen. Zum Beispiel am Flughafen
Bangkok, beim Check-In, ertragen wir ungern die Situation, irgendwo
im Mittelfeld oder im letzten Drittel, der in Schlange stehenden
Menschenmenge zu geraten. Deshalb wechseln wir die lange Schlange,
um die Koffer durchleuchten zu lassen. Die Schalterhalle ist für
den Ansturm von 500 Menschen nicht ausgelegt. Jeder meint selbstverständlich,
seine Koffer als erster los werden zu müssen, obwohl der
kluge, kühle Denker weiß natürlich genau, daß
es eigentlich ganz egal ist, wo man auf den Abflug wartet. Wir
stellen uns irgendwie in die Schlange für Düsseldorf
an. Hin und wieder drängeln sich ein paar Münchener
und Frankfurter durch oder es stellen sich noch Leute seitlich
an. Ferdi nutzt heute morgen auch mal die Gelegenheit, sich lächerlich
zu machen. Er schreitet Zentimeter für Zentimeter voran,
so wie die Kriechgeschwindigkeit der Schlange es gestattet. Aber
er steht bald etwas einsam mit den Tickets da, denn die Mädchen
sind mit den Kofferkulis zurückgeblieben und hinter Ferdi
steht derweil ein fremder Kofferkuli mit Tickethalterin und Fahrer.
Annelie hatte die Leute vorgelassen. Ferdi wird harsch zurückgepfiffen
und muß seine exponierte Stellung an vorderster Front auf
geben. Nun ja.
Über unsere schwäbischen Mitreisenden - sie ist aus
Ravensburg und selbstgemachte Spätzle sind ein Grundnahrungsmittel,
wie für die Thai der Reis, das hat sie auf der Nordthailandtour
mal erzählt - gibt's noch 'was zu berichten: Als sie in Bangkok
ankamen, waren die Koffer nicht da; sie kamen erst eine Stunde
später mit der nächsten Maschine aus Phuket. Dadurch
checkten sie als allerletzte für München ein und wurden
dann noch irrtümlich auf bereits vergebene Plätze über
das elektronische Platzreservierungssystem gebucht. Aber egal,
zum Schluß sitzen sie in Reihe 9, direkt vor uns. Der Hamburger
mit dem Bandwurm und seine Freundin sitzen in Reihe 10 am Fenster.
Nur in dieser Boing 767-300 gibt es in Reihe 10 keine Fenster,
sondern ein geschlossenes Element. So fliegen wir über Pakistan
und den Iran auf die Türkei zu. Gegen 1840 Uhr
serviert man uns ein Stück Kuchen und ein Getränk. Um
1915 Uhr sind kurz vor Esfahan die Turbulenzen
überstanden. Um 20 Uhr kommt dann der nächste Film:
Schlaflos in Seattle. Übrigens erfolgen inzwischen
die Platzreservierungen in der Maschine per Computer. Seitdem
dauert es nicht mehr 2 Minuten beim Check-In, sondern mindestens
5, eher 10 Minuten. Es ist förmlich eine Beratung, die durchgeführt
wird, wenn man zu zweit oder gar zu viert Plätze haben will.
Früher gab es Klebeetiketten, die nebeneinander nach dem
Sitzplan der Maschine auf einer Karte aufgeklebt waren. Mit einem
Blick bekam man die Plätze gezeigt, die Klebeschilder wurden
abgelöst und auf die Bordkarten geklebt. Heute liest die
Airport-Mieze am Counter erst 'mal vom Bildschirm vor, in welcher
Reihe noch 'was frei ist. Dazu tippt sie hektisch am Terminal,
wartet auf die Antwort vom Computer, erzählt der Kundschaft,
was Sache ist; dann gibt es oft Fragen, wo die Plätze sind
und so geht dieses Spielchen hin und her. Wenn man Pech hat, haben
andere Leute sich dann doch eher für dieselben Plätze
entschieden und das ganze Spielchen fängt von vorn an. Wenn
man noch mehr vom Pech verfolgt ist, werden die Plätze sogar
doppelt belegt. Das ist zumindest beim Hin- und beim Rückflug
Leuten passiert, z.B. den Ravensburgern. Ich will mir gar nicht
ausmalen, welche Hektik auftritt, wenn der Computer streikt oder
abstürzt. Wie einfach und übersichtlich war da doch
das Klebeschildchensystem aus den goldenen 80-er Jahren. Ich will
mich hier nicht als Computerfeind erklären, schließlich
verdiene ich mein Geld mit Arbeit in dieser Branche. Aber man
sollte trotzdem darüber nachdenken, was man computerisiert
und was es bringt. Was bei den Airlines noch völlig fehlt
ist WINDOWS. Wenn das bei den Buchungen und Reservierungen erst
einmal eingeführt ist, wartet man darauf, daß die Airport-Lady
Fensterchen öffnet und verschiebt und Icons anklickt. Hoffentlich
werden vor Einführung von WINDOWS die Schalterhallen und
die Zahl der Schalter vervierfacht, sonst - fahre ich doch lieber
mit der Bahn, obwohl, da dauert es auch inzwischen viel länger,
bis der Computer die Fahrkarte ausgedruckt hat. Riesig groß
ist sie, verglichen mit den alten kleinen braunen Pappkärtchen.
Dazu wird sie dann mit Klebestreifen in ein Heftchen eingeklebt,
so daß sie fast wie ein Flugticket aussieht. Na gut, dann
fahre ich eben Auto, doch wehe, wenn man parken will, dann geht's
genauso los. Ja, ja, die Einführung von Computern ist ein
Selbstläufer. Hätten wir keine Computer, wie hoch wären
dann erst unsere Arbeitslosenzahlen. Heute sind die Menschen schon
fast so von der Computerindustrie abhängig, wie vor 20 Jahren
von der Autoindustrie. Übrigens, seit die Computer in den
Flugzeugen die Steuerung und Überwachung vornehmen, darf
man keine Videoaufnahmen mehr bei Start und Landung machen oder
seinen Laptop betreiben. Das alles aus Furcht, der eine Computer
könne auf magische Weise den anderen beeinflussen. Das zeigt,
wie wenig betriebs- und störsicher die Systeme ausgelegt
sind. Dem Computerabsturz folgt der Flugzeugabsturz und der Pilot
wundert sich. Beispielsweise raste doch ein Lufthansa-Airbus in
Warschau über das Ende der Landebahn hinaus, da der Computer
nach der Landung die Schubumkehr verhinderte, weil nicht alle
Räder rotierten. Diese rotierten aber nicht wegen des Aquaplaning
bei regennasser Landebahn und defekter Bremsen. Konsequenz dieser
beiden Umstände: Bruch.
Um 2115 Uhr hat der kleine Jonah die Verkupplung
seines Vaters Sam auf dem beherzten Empire-State-Building geschafft.
Die Mädchen um mich herum sind sehr tapfer; ich brauche keine
Taschentücher auszuteilen.
Wir sind kurz vor Ankara, noch 3h15' bis München. 015 Uhr, über München liegt ein Gewitter. Wir kreisen mit 440km/h in 3.000m ü.NN eine Runde. Dann landen wir fast pünktlich um 030 Uhr Thailand Standard Time, 1830 Uhr MEZ in München-Erding. Unser Weiterflug nach Düsseldorf verzögert sich leider bis 2140Uhr. Gerd spendiert im Café 4 Kaffee für 20 DM. Bei diesen Preisen verdichtet sich die Gewißheit: Wir sind wieder daheim, Deutschland hat uns wieder. Außerdem rufen wir noch 3 Mütter an, um zu berichten, daß wir schon in München sind. Mit einer Boing 757-230, die nur spärlich besetzt ist, fliegen wir nach Düsseldorf. Gegen 2145 Uhr gehen diverse Maschinen von München, nach Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Zusammen mit den Passagieren aus anderen Urlaubsgebieten, Mombasa, Kairo, zusammen mit Postgut und Cargo geht es dann endlich Richtung Düsseldorf. Wir können sogar noch die Verladung unseres eigenen Koffers von der Kabine aus beobachten. Noch nie hat Annelie so weit vor der Tragfläche gesessen wie heute, denn wir dürfen uns die Plätze sogar selbst aussuchen. Annelie bestellt gleich erst 'mal 'nen Mumm auf Kosten der Condor, aber Condor hat keinen Mumm. Die Maschine ist Mumm-frei - versichert uns die blonde Stewardeß. Um 2210 Uhr hebt die Maschine ab, Flugzeit 50 Minuten. Um 23 Uhr sind wir in Düsseldorf. Zoll- und Paßkontrolle haben schon Feierabend gemacht. Um 1 Uhr sind wir zu Hause. Es ist trocken, +7°C. Zu Hause erwarten uns 2 Blumensträuße (von Frau Tepe und von Renate). Die Mädels trinken noch ein Glas Mumm-Sekt, die Jungs ein Becks, dann schlafen wir.
SO 13.3.94 Münster
Um 630 Uhr sind wir fit fürs Frühstück.
Da Frau Tepe den Kühlschrank gefüllt hat, gibt es Aufschnitt,
Käse, Seafood-Salad, boiled eggs and Coffee. Der O-Saft ist
zwar nicht frisch gepreßt, aber die Marmelade handmade.
Mit einem Glas Mumm stoßen wir auf einen schönen Urlaub
an, bei dem alles prima geklappt hat und wir uns gut verstanden
haben. Wir freuen uns schon auf unser nächstes, gemeinsames
Reiseziel im Jahre 1995:
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