Australien 2001
Am 25. Juli beginnt meine kleine Australienreise mit einer ICE-Fahrt nach Frankfurt, wo wir um 2050 Uhr eine Boeing 747 nach Tokio gebucht haben. Lila und ich sind guter Dinge. Die Boeing ("Sky Cruiser") entpuppt sich als äußerst modern
und verfügt über ein tolles Entertainmentsystem mit Filmen, Videospielen und einer Kamera, die nach vorn und zum Boden gerichtet ist, über die man sich den 9340 Kilometer langen Flug anschauen kann. Aber man kommt ja zu nichts, auf so einem Langstreckenflug; so wird vom asiatischen Bordpersonal das Abendessen serviert gerade als Rügen, Bornholm und St.Petersburg vorbeiziehen. Die kleinen, japanischen Stewardessen bringen vor ständig heiße, nasse Handtücher - sehr erfrischend. Danach überfliegen wir noch den Ural und dann nurnoch russische Steppe - man geht schlafen. Die Sonne
ist nur knapp 3 Stunden weg, sie geht wieder auf. Man erwacht. Daß wir Plätzchen am Notausgang gebucht haben, stellt sich als großer Vorteil herraus & und man muß dem "Thrombose-Prophylaxe-Film" nicht wirklich aufmerksam folgen. In Tokio angekommen, warten wir auf den Anschlußflug nach Sydney, und sehen andere, auch hübsche
Flugzeuge kommen und gehen. Der Pazifische Ozean macht seinem Namen alle Ehre, während wir uns in einer etwas älteren Boeing 747, diesmal ohne Entertainmentsystem australischem Boden nähern. Sydney (hier: Darling Habour) empfängt uns, zunächst der Jahreszeit entsprechend: 15°C, Regen.
An unserem ersten Tag in Sydney fahren wir in die Innenstadt und besuchen die Queen Victoria Mall, die Fußgängerzone mit "The Strand" einer Einkaufspassage, nehmen unseren Lunch bei "Palmers", und laufen weiter, am Rathaus vorbei, in die, mit Bankern und Spekulanten übersäte Pitt Street, erreichen den Circular Quay mit den Anlegestellen für die Hafenrundfahrten und Fähren und schließlich das Opernhaus und
die Habour Bridge, wo wir, ob des JetLags ein kleines Nickerchen einlegen...
Wir gehen nach Hause. Einquartiert sind wir im Manhattan Hotel im Stadtteil Kings Cross (ein Pendant zu St.Pauli) im 6. Stock. Ein kleines zugiges Zimmer mit zwei Betten, und stets kaltem, da trotz des Winters nicht heizbaren Badezimmers, aber mit Bombenblick auf die Elisabeth Bay. Im Fernsehen läuft "Back to the Future 3" - keine Chance, der JetLag ist stärker.
Samstag der 28. Juli beginnt freundlich; auf dem Weg in die Stadt ist die U-Bahn
überfüllt - wir dürfen beim Fahrer mit fahren ! Diesemal besuchen wir das Sydney Hospital, mit einem Schweinbrunnen davor, und den Botanischen Garten und haben einen tollen Blick auf die Oper und die Innenstadt. Wir landen wieder am Circular Quay und machen eine kleine Hafenrundfahrt. Dabei fahren wir unter der Habour Bridge durch, sehen Darling Habour von der Wasserseite und ein
Replique der H.M.S. Bounty, die für einen australischen Film aus den `80er gebaut wurde und jetzt im Hafen von Sydney herumschippert. Kleiner als man
denkt. Später gehen wir in den ältesten Stadtteil Sydneys "The Rocks", besuchen das älteste Haus der Stadt, "Codman's Cottage". Sehr schön - ist aber jünger als Sievers Garage...
In dem Stadtteil ist ein kleiner Markt, man verhökert Touristenramsch, Prüll & Kitsch. Lila kauft was. Später noch ins Aquarium; es ist, wie so viele, das größte tollste und schönste ganz Australiens. Ist es aberauch. Danach besuchen wir Darling Habour. Diesmal von der Landseite aus. Eine nette Ansammlung von Clubs, Bars, Hotels und Cafés um einen kleinen Yachthafen; wir gehen in eine Cocktailbar "Home 33°52' S, 151° 31'O. Sehr nett.
An unserem letzten Sydneytag gehen wir auf den AMP Tower, der mit 305 Metern
das höchsten Gebäude auf der südlichen Hemisphere ist. Man kann dort prima die Stadt überblicken. Ich trinke Kaffee - doch Lila schläft...
Im selben Gebäude werden die Olympischen Fakeln der Neuzeit ausgestellt. Und die größte Tabasco-Flasche der Welt.
Am Nachmittag gehen schlendern wir noch einmal durch "The Rocks" und zur Habour Bridge. Später nehmen wir ein Taxi zum Flughafen, verlassen Sydney und fliegen die 3151km nach Darwin, wo wir am späten Abend landen.
In Darwin angekommen buchen wir eine Tour durch den Kakadu Nationalpark,
etwa 200 km östlich gelegen, für den nächsten Tag, und schauen uns die Stadt an. Darwin war die einzige Stadt Australiens, die während des zweiten Weltkrieges, Ziel von japanischen Bombenangriffen war. Es gibt einige Denkmäler, sowie Treibstoffbunker in der nähe der Hafenanlagen zu sehen. Außerdem kann man an den indischen Ozean gehen. Das tun wir. Den Tag lassen wir dann im Rorke's Pub ausklingen.
Es ist noch dunkel in Darwin, als wir abgeholt werden um in den Nationalpark zu fahren. Der Bus ist angefüllt mit älteren Leuten, die
von dem sehr aufmerksamen Busfahrer und Reiseleiter Timothy McBain ständig auf verfügbare Toiletten hingewiesen werden. Deshalb und aufgrund der hohen Frequenz der Zwischenstops nennen wir diese "AAT Kings"-Tour "Prostata-Tour". Den ersten Stop legen wir nach Ankunft im Park am Nourlangie-Rock ein. Eine der bedeutensten Stätten von Felsmalereinen der Aboriginales; die ältesten werden auf über 5000 Jahre geschätzt. Dieser Felsen inmitten der dichten, mit kleinen Bäumen und Grass
bewachsenen Landschaft des Parkes, trägt dazu bei, daß der Kakadu Nationalpark in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Die Zeichnungen aus dem Leben und Umfeld der Ureinwohner werden bis heute von ihnen erweitert und ältere übermalt.
Am Nachmittag nehmen wir dann an einer Fahrt über den Yellow Water Billabong teil. Dieser Flußlauf inmitten einer Ebene die zur Regenzeit meterhoch überflutet ist, bietet einer mannigfaltigen Flora & Fauna eine Heimstätte. Und tatsächlich - wir sehen die ersten Süßwasser-Krokodile, dieder Australier "Freshies" nennt, und viele Vögel, Wildpferde mit Vögeln drauf und Blümchen. Später sehen wir dann wieder ein Krokodil, daß einen Vogel frißt. Toll. Der Billabong hieß früher Dirty Water Billabong, aber um den Touristenstrom aufrecht zu erhalten änderte man seinen Namen in Yellow Water Billabong...
Timothy fährt mit uns zum Kakadu Resort am South Alligator River, wo wir die Nacht verbringen.
Es ist der Morgen des 1. August andem wir ganz früh zu Ubirr Rock aufbrechen, um vor der Mittagshitze, diesen beeindruckenden Felsen in der Wüste des Regenwaldes mit seinen Malereien zu besuchen; und wirklich, er ist sehr schön gelegen und bietet ein besteigbares Felsplateau über dem Adler kreisen, von dem aus man eine weite Ebene mit vielen Termitennestern überschauen kann, die ebenfalls, während der
Regenzeit zu einem riesigen See wird. Auch hier sind die Malereien der Aboriginals zu betrachten. Nach dem Lunch fahren wir nach Jabiru, einem kleinen Ort, der den Hauptort des 200 x 60 km großen Parkes bildet. "Jabiru" bezeichnet den einzigen Storch, der in Australien heimisch ist; ein schwarzer Vogel mit roten Beinen und Schabel den wir
später noch zu Gesicht bekommen. Der Ort wird von einem Hotel in Krokodil-Form dominiert und wird ausschließlich von Angestellten einer Minenfirma bewohnt. Die Uranmine ist ganz in der Nähe und wir besichtigen sie, nachdem wir einige der Amerikaner am Flugplatz abgestetzt haben, damit sie ihren Aussichtsflüg über die endlose, monotone, grüne Ebene antreten können. Die Mine ist eigentlich ein Tagebau mit kaskadenförmigen Abraumhalden, gigantischem Fuhrpark und deren Relikten und einer riesigen Schwefelhalde, der anfällt wenn das Uran vom Gestein und von den anderen
Bestandteilen der Erdschichten getrennt wird. Sehr beeindruckend. Nachdem wir wieder komplett sind, treten wir eine andere Fahrt auf einem Fluß, diesmal auf dem East Alligator River an. Die Fahrt wird von einem jungen Aboriginal geführt, der uns auf mache Pflanzen und deren Bedeutung und Nutzung auf diesem Grenzfluß zum Arnhem-Land hinwiest. Das Arnhem-Land ist eine Art Reservart, indem einige Clans von Aboriginals noch gemäß ihrer Tradition leben können, und dessen Betreten besonderer Erlaubnisse bedarf, die aber Timothy oder sonstwer eingeholt haben wird, bevor wir dort an Land gehen. Die
Bootsführer erzählen von den Sitten und Jagdgewohnheiten ihrer Vorfahren und zeigen und Utensilien und Techniken, bevor wir wieder auf die Boote gehen. Auf der Rückfahrt sehen wir wieder viele Krokodile. Diesmal "Salties", die gefährlichen Salzwasserkrokodile. Nachdem wir das Touristen- und Informationscentrum des Parkes (mit vielen iMacs) besucht haben, verabschieden wir uns am Kakadu Resort von Timothy und der blasenschwachen Reisegesellschaft, denn diese fährt weiter, zurück nach Darwin, aber wir bleiben noch einen Tag in Kakadu Nationalpark.
Am nächsten Tag unternehmen wir einen kleinen Regenwaldspaziergang der uns an einem nahegelgenen Billabong vorbeiführt. Als wir dann später in der Hotelanlage auf der McCarfferty Greyhound Bus nach Darwin warten, sehen wir zunächst einen typischen Roadtrain, einer der riesigen LKW mit drei Anhängern und später ein paar typische australische Tierchen - diesmal : Wallerbies.
In Darwin angekommen, werden wir, nachdem uns der Busfahrer dirket vorm Hotel abgesetzt hat, in ein anderes, hochwertigeres Hotel umgebucht, allerdings können wir uns nur kurz darüber freuen, denn unser Flug ins 2849km entfernte Cairns geht um 0650h.
Wir laufen durch Cairns, buchen die morgige ScubaDivingTour am Riff, und einen Regenwaldtrip für den nächsten Tag und bummeln duch die vielen, kleinen kitschigen und andern Geschäfte. Cairns ist sehr schön gelegen. Die Stadt selbst aber, ist eine neonbeleuchtete Touristenhochburg, da sie das Portal für zahlreiche Touren ans Great Barrier Reef bildet, das sich hier, im Norden Queenslands bis auf 20 km der Küste nähert, wärend es an seinem südlichen Ende, 1200 km von hier entfernt, über 150 km weit im Pazifik liegt.
In einem Laden, der ausschließlich mit Aboriginal-Zeug handlet, und daher viele Digeridoos ausstellt, finden wir den typischsten aller Händler dieses Genres. Langhaarig, mit wässrigen, mydriatischen Augen und - einem Abenteurland /Pur-TShirt !
Außerdem stolpern wir beinahe ins kitschigste Andenkengeschäft ganz Queenslands... Eine Kette, wie sich später in Surfers Paradies herausstellt.
Es ist Samstag und wir fahren mit einem Bus der uns von unserer Unterkunft im Backpacker-Hostle abhohlt und zur Talstation der längsten Seilbahn der Welt. Diese führt über mehrer Stationen, über 15km hochüber den Regenwald in das verschlafene Örtchen Kurander. Zwischendurch kann man auf den Stationen durch den Regenwald laufen, ein Informationscentrum (wiederum mit iMacs ausgerüstet) besuchen, und sich
die Wasserfälle anschauen. Kurander selbst ist, bis auf einen interessanten Aboriginal-Laden, indem ich einen Boomerang erstehe, eher langweilig. Wir finden Zeit, um den Wagen für die Fahrt von Cairns an die GoldCoast zu mieten. Den Rückweg treten wir mit dem Kurander-Aussichts-Zug an, der sich über 75km, durch Schluchten, Tunnels, steilen Kurven und den Regenwald zurück bis nach Cairns
windet. Die Bahnverbindung wurde vor über 100 Jahren erbaut, um den Nachschub zu den, im bergigen Regenwald gelegenden Minen und Ansiedlungen der Pioniere zu sichern. Heute wird sie von hauptsächlich asiatischen Touristen bevölkert, die, wie ich später erfahre, solche Aussichtsdinge, nicht aber das Wandern sehr mögen. Also der perfekte Ort für sie. Wieder in Cairns gehen wir noch in ein nettes Lokal, das "Rattle & Hum" an der Esplanade und freuen uns auf den morgigen Törn.
Sonntag, der 05. August ist der Tag, an dem wir von Cairns aus in
See stechen, und mit einem Katamaran zum Great Barrier Reef fahren. Am Norman Reef angekommen, bereiten wir uns unter Anleitung unseres Tauchlehrers Andy auf den ersten Tauchgang vor. Die brillante
Ausbildung in der kalten und unspektakulären Ostsee kommt uns hier sehr zu Gute. Die Unterwasserwelt am Riff ist einzigartig. Wir unternehmen insgesamt drei Tauchgänge, jeweils etwa 30 Minuten in etwa 10 Metern Tiefe. Und anders als in der Ostsee, gibt es in dem 24°C warmen Wasser viel zu sehen. Da sind Rochen, Seegurken und riesige, bis zu eineinhalb Meter grosse Muschel, die überall auf den steinigen Untergründen wachsen. Und die Wälder von
Korallen, die allerlei Fischlein und anderes Getier beherbergen sind auch sehr beeindruckend. Mit unserer guten Kenntniss der Techniken beim Tauchen fällt es uns nicht schwer in den verschiedenen Höhen zu tarieren und über das Riff zu schweben. Wir schwimmen durch Grotten, Abhänge hinab und durch zerklüftete Gräben innerhalb des Riffs in denen es von Aquariumfischen nur so wimmelt. Am Ende bekommen wir auch noch einige Riesenschildkröten und andere aus der Tauchgruppe sogar Haie zu Gesicht. Ein netter Schotte, John begleitet uns mit einer Video-Kamera. So können wir die Unterwasserwelt des Great Barrierer Reefs zumindest als Filmchen mit nach Hause nehmen. Zwischen den Tauchgängen wird von der Crew ein kaltes Buffet serviert und am späten Nachmittag fährt uns der rustikale Kapitän wieder zurück nach Cairns.
Den Mietwagen, das häßlichste Auto, das Menschen jemals schufen, einen weinroten Mazda City holen wir am folgenden Montag, 06.08 in Cairns ab. Bei der Europcar Tochter "National", deren Mitarbeiter, zumindest die, die uns bedienen überhaupt keine Ahnung hatte, was sie den ganzen Tag tut. Sie überläßt uns den Wagen ohne firmenübliche Limitierung der Kilometer, ein Umstand der uns, wie wir in Surfers
Paradies erfahren, mehrere Hundert Mark erspart. Außerdem leugnet sie die Existenz der Filiale in Surfers Paradies, so daß wir später beinahe nach Brisbane fahren, nur um das Auto zurückzugeben. Dennoch brechen wir mit dem Wagen Richtung Süden auf, um die 1700 Kilometer über Brisbane zur Gold Coast zurückzulegen. Am ersten Abend dieser Tour, erreichen wir Townsville und beziehen Quartier. Da es erst später Nachmittag ist und auf der, vor der Küste gelegenen Magnetic Island Koalas leben, die wir sehen wollen, brechen wir gegen 1700h
auf, um mit der Fähre die Insel zu erreichen. Nach der kurzen Überfahrt wird es allerdings in wenigen Minuten dunkel, so daß wir diesen abendlichen Ausflug auf diese tolle Pirateninsel mit einem kleinen Spaziergang auf einen Aussichtspunkt verbringen, und statt nach den Koalas nach dem "Kreuz des Süden" und andern Sternenbildern der südlichen Hemisphere ausschauhalten. Magnetic Island, von Captain Cook, wegen Schwierigekeiten mit seinem Kompaß so benannt, könnte auch Mélee Island oder gar Monkey Island heißen. Eine runde Insel mit einem hohen Berg in der Mitte (Mt. Cook) und
vielen Buchen mit einsamen, weißen Stränden. Fast völlig mit dem dichten Dschungel bewaldet, mit einer schroffen Steilküste und dem verwunden, stockdunklen Pfad auf den Aussichtspunkt, den wir erreichen bevor der Mond aufgeht. Wir finden die gesuchten Sternenbilder und sehen auch irgendein nachtaktives Wesen, das ich blindlings photographiere, bevor wir, nach einem Bier im InselPub wieder zurück nach Townsville schippern.
Am nächsten Tag, dem 7. August fahren wir mit dem häßlichen Auto weiter nach Mackay, nachdem wir das Museum of Tropical Queensland besuchen. Ein ganz tolles Museum, das neben einer semi-wissenschaftlichen Ausstellung mit vielen lustigen Spielen und optischen Täuschungen eine große Präsentation über die H.M.S. Pandora beherbergt, dem Schiff, das die Meuterer der H.M.S. Bounty
nach England bringen sollte, dann aber vor Townsville aufs Great Barrier Reef lief, sank und in den ´70ern wiederentdeckt wurde. Mittags machen wir uns auf, weiter nach Süden. Die Strasse wird einsamer, nur ab und an kommt uns ein Road Train, ein McCarfferty Greyhound Bus, oder ein Güterzug entgegen. Wir kommen abends, halten uns aber wenig mit Mackay auf, genausowenig wie mit Rockhampton, der Rindfleischmetropole Queenslands, sondern fahren noch am nächsten Tag weiter nach Hervey Bay, das wir am Abend des 8. August erreichen.
Am nächsten Tag, einem Donnerstag, buchen wir gleich morgens eine Bootsfahrt auf der man die Buckelwale (Humpback Whales), die von ihren Futtergründen in der Antarktis jedes Jahr zu tausenden von August bis Oktober durch Hervey Bay ziehen, beobachten kann. Vorher aalen wir uns nach ein bisschen am tollen Strand und beschicken uns mit einer Portion, gefährlicher aber brillant bräunender Australien-Sonne. Mittags fahren wir in der Erwartung die Wale zu sehen nach Urangan und besteigen das schnellste und kleinste Schiff im Hafen. Und tatsächlich, kurz nachdem uns der
ebenfalls rustikale Skipper der "SeaSpray" mit mehr als 20 ktn in die Platypusbuch gebracht hat, machen wir die ersten Wale aus. Zunächst einen einzelnen Bullen. Dann eine Dreiergruppe, die sich in der Nähe des Bootes zeigt und uns dann mehr als eine Stunde lang, Gelegenheit gibt sie im Wasser zubeobachten. Gegen Abend fahren wir zurück, und ich friere während der Rückfahrt vorbei an Fraser Island, das Ziel unseres morgigen Ausfluges sein wird.
Morgens am 10. August fahren wir dann mit dem häßlichen Mazda nach Urangan-Hafen, um in einen Doppeldeckerbus umzusteigen, der uns nach RiverHead fährt, einer Fähranlegestelle, der Nutzung es uns ermöglich, aufgrund der kürzeren Überfahrt mehr Zeit auf der Insel zu verbringen. Nach kurzer Überfahrt landen wir auf Fraser und steigen in einen allradgetribenen, geländegängigen MAN-Bus. Denn Fraser Island ist eigentlich eine 120 km lange Düne, dicht bewaldet von Dschungel, mit hunderten Kilometern von breiten Sandstränden und einigen Seen
mit kristallklarem Wasser. Zunächst steuert Harry, unser Busfahrer den Birrabeen-See an, dessen tieftürkises Wasser im Kontast zu dem weißen Sandstrand sehr beeindruckt. Von Harry erfahren wir, daß der Regen, der über Fraser niedergeht in mehreren Jahren durch die Sandschichten der Insel ins Grundwasser sickert und dabei kristallklar gefiltert wird und durch die Sillikate des Sandes sauer wird. Dadurch leben in diesem und alle anderen Seen Frasers nur wenige Tiere und kaum Algen, und daher erhalten die Seen ihre eigentümliche Färbung. Nach kurzem Aufenthalt besuchen wir das Basislager der ehemaligen Holzfällersiedlung. Der Abbau von Bauholz, hauptsächlich von einer, gegen
Wasser sehr widerstandfähigen Holzart wurde in den ´80er aus Naturschutzgründen vollständig eingestellt. In der Nähe des wiederaufgeforsteten Areals liegt ein schöner Wasserlauf, der in seinem Dschungelbett belassen wurde und malerisch anzuschauen ist. Mittags werden wir in einer Hotelanlage verpflegt, bevor wir auf den pistenartigen Sandstand der Westküste nach Norden fahren. Jedes andere Fahrzeug hätte spätestens hier passen müssen aber der Allradbus fährt mit über 80 km/h über den Strand. Manchmal kommen die Wellen bis an die Fahrspur und
manchmal muß Harry bremsen und langsam die Flußläufe, die ins Meer münden passieren. Hier landen sogar kleine Flugzeuge, die Aussichtsflüge anbieten. Schließlich erreichen wir eine erodierte Sandformation, eine Art Steilküste, die die Kathedrale genannt wird. Man kann verschiedenfarbige Schichten von Sand erkennen. Viel aufregender finde ich allerdings das Wrack der Maheno, das ein paar Kilometer weiter südlich in der Brandung liegt. Ursprünglich in Schottland gebaut, und als Luxusliner in Dienst gestellt, wurde es im ersten Weltkrieg im Ärmelkanal als Lazarettschiff
eingesetzt, später dann an Tasmanien verkauft und schließlich 1934 zum Schrottwert von Japan gekauft. Der Versuch, das Schiff nach Tokio zu schleppen, scheiterte in einem Sturm vor der Westküste Frasers. Alle Versuche das Schiff freizuschleppen scheiterten, so daß es hier, der Brandung ausgesetzt so langsam aufhört zu existieren. Ein paar Kilometer südlicher mündet ein Wasserlauf in den Pazifik, den man auf einem Holzsteg langeinwärts folgen kann, um sich mit der Stromung, des vor fast hundert Jahren herab geregneten Wassers wieder zum Meer treiben zu lassen. Wir waten durch den, sich durch
leichten Regenwald schlängelnden Creek und werden dabei ein wenig naß, den der Bach ist stellenweise tiefer als erwartet. Im Delta des Creeks sitzen eine handvoll Aussies mit Campingmöbeln im Wasser und trinken vom Fluß gekühltes Bier. Wir fahren weiter, zurück zur Anlegestelle, mit der Fähre nach River Head und sind am Abend wieder in Hervey Bay. Man könnte wohl Wochen auf Fraser Island verbringen, aber wir sind glücklich diesen kleinen Eindruck gewonnen zu haben .
Den nächsten Tag (11. August) verbringen wir am Strand von Hervey Bay in der Sonne. Lila ließt mir aus "Herr der Ringe" vor, aber ich bemerke einen grippalen Infekt, der sich im Anzug befindet. Am nächsten Tag fährt Lila dann weiter über Brisbane zur GoldCoat. Ich kann nicht fahren; ich bin krank,
mag's jetzt nur noch warm und decke mich bei eingeschalteter Heizung im 30°C warmen Auto noch mit dem Schlafsack zu. So ziehen Brisbane und SouthPort im Fieber an mir vorüber. Nach 48 Stunden ist der grippale Infekt wieder vorbei; wir geben das häßliche Gefährt, dann doch in Surfers Paradies, das genau wie Southport eine Art Stadtteil des Bezirkes GoldCost ist ab.
Es ist Sonnatg der 12.August. Wir beziehen Quartier im Wohngebäude des GoldCoast Hospitals in South Port. Am Montag beginnt unsere vierwöchige Famulatur. Ich bin in der Anästhesie und Lila in der Neurologie tätig.
In der ersten urlaubsmäßig ereignislosen Woche, in der ich aber die Unterschiede und Feinheiten der australischen Ärzte, im Vergleich zum deutschen Krankenhausalltag erlebe und mich bei denverschiedenen Anästhesisten bekannt mache.
Am kommenden Wochenende, das für uns schon am Freitag dem 17. August beginnt, verbringen wir zunächst am breiten Strand von Surfers Paradies. Sobald die frühe Dämmerung hereinbricht, schlendern wir durch den neonbeleuchteten Ort und finden in einer grossen Einkaufshalle einen Mann, der an seinem Stand Kerzen zieht und diese dann auf Kitschigste entstellt, bevor seine Tochter sie an die zahlreichen japanischen aber vor allem arabischen Touristen zu stolzen Preisen verkauft.
Sonntag,19. August fahren die GoldCoast hinab und besuchen den "Wildlife Sanctuary" in Currumbin, einem Wildpark, um Lila endlich die Gelegenheit zu geben einen Koala zu knuddeln. Und schon kurz nach dem Eingang darf Lila das Beuteltierchen in die Arme schließen und für das wirklich tolle Bild bezahlen. Aber es sind noch viele andere Tiere im Park zu sehen. Viele kann man sogar streicheln. Kanghurus in verschiedenen Größen, Emus, Vögel, Tasmanische Teufel, Dingos, Wombats, Echidnas aber natürlich hauptsächlich Koalas.
In der zweiten Woche darf ich dann im Krankenhaus die ersten intravenösen Zugängen und Beatmungstuben und Marken in die australischen Patienten stecken.
Das folgende Wochende verbringen wir mit Charters, dem australischen Ehepaar, daß unseren Kontakt mit dem GoldCoastHospital herstellte, an der SunshineCoast nördlich von Brisbane. Sie nehmen uns mit ihrem Holden Commodore baugleich mit einem Opel "Omega" zunächst mit auf Eumundi Village Market, einem riesigen Flohmarkt im Landesinneren und später dann nach Buderim ("Honigwabe"), wo wir uns in dem Haus der Schwester von Shona Charters einnisten, bevor wir nach Noosa, dem Hauptort der SunshineCoast fahren. Dort folgen wir dann mit Mühe den eilig walkenden Charters herum
um das Noosa Kap, vorbei an Witches Cauldron, der Tea Tree Bay, dem Dolphin Point und dem Granite Bay bis wir schleißlich das Kliff Noosa Head erreichen. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die einsame Alexandria Bucht mit dem breiten Strand und einer tosenden Brandung in einer felsigen Kluft der Hells Gates genannt wird. Kaum angekommen rasen die Australier schon wieder zurük, wir lassen uns Zeit, gehen gemütlich zurück bis in ein Hotel im Ort, wo Deryk Charters und wir einem Rugby-Spiel bewohnen, bevor wir zum Essen eingeladen werden, und dann mit einer handvoll fünfzig jähriger Australier in eine Disko-Kneipe gehen. Sehr aufschlußreich.
Nach dem Ausschlafen und dem Frühstück am folgenden Tag, liegen wir in Mooloolaba am Strand wären die Charters wieder walken. Ich finde meinen Kugelfisch am Strand (Diodan halocanthus) den ich in den nächsten Wochen konservieren und nach Deutschland schmuggeln werde. Charters sind belustigt. Lila mag den Fisch zu nächst nicht. Wir fahren nach diesem schönen Wochende, von der schönen Sunshinecoat, die weniger touristisch und neonbeleuchtet, überladen und laut ist als die GoldCoast, und sogar sehr schöne, ruhige Ecken hat, wieder zurück nach SouthPort.
Ich werde in den Alltag des OP-Betriebes eingewoben, und darf Anamnesen, und Medikation durchführen, die Narkose einleiten und weiterhin, mit verschiedenen Techniken intubieren.
In dieser dritten Woche nehmen wir uns am Mittwoch (29. August) frei und fahren mit dem Zug nach Brisbane, wo gerade die Goodwill Games eröffnet werden. Die Zuganbindung ist sehr gut, wir kommen in der Nähe des Rathauses an und gehen dann in der Fußgängerzone,der Queens Street Lilas Lieblingsbeschäftigung nach - schoppen. Wir laufen durch die geschäftige, von Banken gesäumte Alberts Street in den Botanischen Garten und nehmen unseren Lunch in der Sonne. Am späten Nachmittag laufen wir durch die Stadt über die Victoria Bridge zu den South Banks, nachdem wir ein Internet-Café
besucht haben, das ein Koreaner betreibt, der ein paar Semester in Hamburg Philosophie studiert hat. Auf den South Banks, dirket am Brisbane finden in vielen Hallen und Ständen die Eröffnungsfeierlichkeiten der Sportverantstaltung Goodwill Games statt. In einer Arena wird ein Volleyballtunier ausgetragen. Wir strolchen ein bisschen herum, trinken ein Paar Bier in einer lustigen Karaoke Bar und fahren dann mit dem Zug zurück nach South Port.
Auch am Freitagnachmittag nehmen wir uns frei, und gehen auf den "Spit" einer haffartigen Halbinsel in MainBeach/Goldcoast wo wir uns an den einsamen, ruhigen Strand gehen und ein bisschen an der tosenden Brandung der kommenden Flut spielen, am Ufer spazieren gehen und im Dunkeln via SurfersParadies zurück fahren.
Samstag (1. September) machen wir wieder einen Ausflug in den Süden der GoldCoast, nach Coolangatta. Der etwas langweilige Ort selbst interessiert uns nicht so sehr wie die nette Strandpromenade. In der Nähe der Klippen surfen viele junge, verrückte Leute in Neoprenanzügen auf den Wellen in der stürmischen See. Wir wagen uns zu nahe an die Klippe und werden promt naß. Wir laufen weiter um die Spitze des Kaps, weiter zum Leuchtturm "Point Danger" der genau auf der Grenze der Bundesstaaten Queensland und Neu Süd Wales liegt. Ein paar Fischer angeln an den Klippen, ein Bagger vertieft die Rinne in der Hafeneinfahrt - ich bekomme Lust aufs Segeln...
Am Sonntag ist das Wetter besser und wir braten mal wieder in der Sonne über Surfers Paradies. Der Strand wird von den namensgebenden Objekten geprägt. Surfern und Gold, in Form von Surfschulen und schrulligen Goldsuchern, die leidlich systematisch den Strand absuchen. Surfers war in den '50er Jahren ein Geheimtip für Wellensurfer und mutierte seit ca. 1980 zu dieser lauten Touristenhochburg.
Die letzte Woche ist angebrochen, ich darf jetzt die komplette Anästhesie von Patienten beteuen. Von Anamnese über das Legen der arteriellen und venösen "lines", die Einleitung, Intubation und Betreuung während der Narkose, bis zum Ausleiten und der Überführung in die Aufwachstation. Jetzt zeigen sie mir ein paar Gimmicks. Ich intubiere mit einem TrachLight, einem "Zauberstab" aus dem Gebiet der Notfallmedizin.
Wie es sich gehört machen wir am Mittwoch, dem 5. September wieder frei und fahren wieder zum tollen Mainbeach auf dem Spit. Heute errinnert der Strand mit seiner Vegetation ein wenig an die Dünen von Sylt. Wir liegen in der Sonne und bauen später eine Sandburg. Lila wird eingegraben. Als das Wetter schlechter wird grabe ich sie wieder aus und wir gehen in ein kleines Café in einer Mall auf den Spit, spielen Scrabble und trinken viel zu viel Tee. Ich gewinne, doch Lila wird die Revange in den nächsten Tagen gewinnen. Anm folgenden Freitag lernen wir auch Jane, Charters älteste Tochter kennen.
Die Famulatur geht zu Ende. Wir ziehen aus, und werden am Samstagmorgen, nach einem kleinen Abschiedszug mit den mitstudierenden Australiern aus dem Wohnblock durch die Kneipen und Bars von Surfers Paradies von einer netten Kollegin mit nach Brisbane genommen. Wir spazieren wieder durch den Botanischen Garten und die Fußgängerzone, aber diesmal auch die Straßen der Downtown und lassen unsere zwei Luftballons fliegen, die wir auch heute bekommen haben. Auf den Südufern des
BrisbaneRivers fliegt die Kuh. INXS und viele andere Bands geben kostenlose Konzerte im Rahmen der Abschlußfeier für die Goodwill Games. Es ist auch wieder jede Menge los in den Hallen, Buden und Ständen, die wir auch schon vor 10 Tagen gesehen haben. Am Ende werden über eine Tonne Feuerwerk entzündet. Das war toll. Ein gebührender Abschluß für unseren Australienaufenthalt.
Am nächsten Tag fliegen wir in einer Boeing 747 auf den geräumigen Plätzen am Notausgang von Brisbane, wo wir die letzte Nacht in Australien in einem Backpackers in der Roma Street verbracht haben, zurück nach Tokio.
Auf dem Flughafen Narita von Tokio angekommen macht sich bereits der im Anzug befindliche Taifun bemerkbar, der verhindert das wir uns Narita oder gar Tokio während unsers 20stündigen Aufenthaltes anschauen. Wir kaufen Nissin's CupNoodles und Bier am Flughafen und haben Spaß im Hotel Nikko Narita.
Der Taifun "Blutige Kali" wütet 12 Stunden, und verzögert fast unseren Abflug nach Frankfurt um 1300h. Diesmal wählt man die "Nordroute" über Sibirien, das Weiße Meer, Finnland und Rügen.
Wir landen um 1800h in Frankfurt, das, wie der Rest der Welt von den Ereignissen in den USA geschockt ist. Nach einer entlosscheinenden Zugfahrt und nach über 24 Stunden Rückreise komme ich wieder zu Hause an.