Science

mit Besuch aus Jena in die Wüste, französische Ortsnamen und Geologie

Also, doch nochmal Besuch aus Jena! Und dann noch dienstlich! Gerd, seineszeichens mein Doktorvater, war auf Dienstdurchreise hier. Nach Absolvierung des wissenschaftlichen Programmes an der Uni blieb noch zeit fürs kulturelle. Leider ist der Sommer dieses Jahr doch eher durchnschnittlich, scheinbar war der letzte doch die Ausnahme. Es ist grau und feucht, oft, aber wir haben dann auch diese herrlichen tage an denen Mt. Rainier über der Stadt trohnt.., Gerd war dieser Anblick nocht vergönnt, deshalb für ihn ein Bild vom letzten Jahr:seattle mt rainer
So sieht das wirklich aus. Und diese Tage lassen einen dann aber auch den Rest vergessen. Man kann die Seattlelites dann sehr gut verstehen, das sie den grauen langen, nassen Winter überstehen. Das ist es wert, das ist wirklich einzigartig.
Egal, wir hatten nur ein Wochenende, also hiess es ab in die Wüste. Ich habs ja schon mehrmals erwähnt, 2h östlich von Seattle ist Schluß mit Evergreen State. Da kann man recht sicher sein, das es zu dieser Jahreszeit trocken und heiss ist. Also, nix wie rüber zu den Salzseen vom Lower Grand Coulee. Ein ehemaliger Flußlauf des Columbia River, also eine Art Canyon, heisst hier auf Altfranzösisch Coulee. Waren wohl die alten französichen Trapper, die hier vor gerade mal 200 Jahre aufliefen und manchen Orten französiche Namen gaben, die es heute noch gibt. Immernoch, wo doch sogar french fries (Pommes) nun freedom fries heissen (sollten, aber keine macht mit, zu dumm - aber nun ist der neue französische Präsident ja auch ein halber Amerikaner). [Wikipedia ist schon cool, so habe ich eben erfahren das Sauerkraut im ersten Weltkrieg schonmal liberty cabbage hiess...]
Wie dem auch sei, dieses Coulee hat eine ganz andere, viel ältere interessantere Geschichte, speziell cool für die Geologen unter euch. Zunächst mal befinden wir uns wieder in den Columbia River Plateau Basalten, die das ganze Gebiet vor 10-15 Millionen Jahren mit Lava bedeckten. Dann war lange nix, die Eiszeiten bedeckten später alles mit Eis. Als die Eispanzer abschmolzen, vor 15000-13000 Jahren, bildete sich im heutigen Montana ein riesiger See, der Lake Missoula, hinter den Gletschern. In diesen 2000 Jahren brachen diese Eisdämme mehrmals, und so ergossen sich der halbe Lake Michigan über Ost Washington - innerhalb von wenigen Wochen. Man nennt das ganze die Missoula Floods, man kann sich das nicht vorstellen, aber das Wort Megaflood scheint dem ganzen durchaus gerecht zu werden. Jedenfalls wurde auch das Tal des Grand Coulee durch so ein event geformt.
grand coulee
Also, hier hat die Geologie anstatt Jahrmillionen, wie beim Grand Canyon, mal nur Wochen gebraucht. Es gibt eine ganze Reihe von Solchen sagen wir mal Abflußrinnen, die sogenannten scablands in Ost-Washington. Also fuhren wir wir da hin, besichtigten die dry falls, Wasserfälle die einstmals die größten der Welt waren (kurzzeitig aber gross). Heute ist es wie gesagt Wüste, so gibt es Salzseen, wie den Soap Lake in eben diesem Tal. Gemeinhin wird behauptet das Wasser und Sediment wäre Heilwasser bzw hautfreundlicher Schlamm, es wird sogar mit einem Schild am See darauf hingewiesen, dass es vergleichbares Wasser nur in Baden-Baden, Germany gäbe, aber mein geliebter Reiseführer "Roadside Geology of Washington" sagt dazu trocken: "We don't agree". Ich sags ja, alles nur Cyanobakterien (ich mag diese inzwischen auch aus wissenschaftlichen Gründen sehr gerne).
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381 ppm... and counting

Die höchste Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre, seit mindestes 1 Million Jahren. siehe Artikel hier.

Der Bürgermeister von Seattle führt übrigens eine Organisation von US amerikanischen (zumeist dann doch Küsten-) Städten (mit insgesamt 43 Millionen Einwohnern), die sich dem Kyoto-Protokoll uneingeschränkt anschließen wollen, bzw dessen Kohlendioxid Reduktionsziele erreichen wollen. Es geht also doch etwas voran.


Noch kein Kommentar auf Bild.de, aber Erinnerungen an die epische Schlagzeile vom Oktober 2005 werden wach:
Klimaschock!
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