Niederländer

 

ALLGEMEIN.

 

Seit 1993 gibt es mehrere Niederländer in Neustadt. Es handelt sich dabei um etwa 100 Soldaten mit Angehörigen. Die Mehrzahl von ihnen sind beschäftigt beim NATO-Hauptquartier in Heidelberg, oder bei der niederländischen Luftwaffe in Ramstein und wohnen mit ihren Familien in Neustadt. Im Allgemeinen bleiben die Soldaten drei Jahre und werden dann wieder versetzt. Außerdem gibt es seit dieser Zeit verstärkt Niederländer, die sich in Neustadt und Umgebung niederlassen. Sie arbeiten als Führungskräfte bei großen Unternehmen in der Umgebung, zum Beispiel bei der BASF in Ludwigshafen. Wegen der niederländisch - sprachigen Schule ziehen sie es meistens vor mit ihren Familien in Neustadt zu wohnen.

In den letzten Jahren nutzen auch vermehrt niederländisch sprechende Belgier, die so genannten Flamen, diese Möglichkeit. Auch sie sind NATO-Soldat, oder Zivilangestellter bei deutschen Firmen.

 

 

NATO HEIDELBERG – WOHNORT NEUSTADT.

 

Als die Niederländer im Jahre 1992 nach Heidelberg kamen, suchten sie einen Ort, wo sie wohnen konnten, und wo die niederländischen Einrichtungen gebaut werden konnten. In Heidelberg stieß man auf Ablehnung, und darum suchte man in der weiteren Umgebung. Die französischen Truppen hatten Neustadt verlassen, wodurch die ehemaligen Wohnungen der Soldaten leer standen. Außerdem war die Stadt Neustadt bereit ein Grundstück für den Bau einer Schule zur Verfügung zu stellen. Sehr schnell und unbürokratisch wurden die benötigten Unterlagen beschafft. Im Frühjahr 1993 fing eine niederländische Firma mit dem Bau an.

Die französischen Wohnungen in der Martin Luther Straße und der Konrad Adenauer Straße wurden renoviert, und die niederländischen Familien zogen ein. Schon bald sah man ein, dass diese Wohnungen nicht den niederländischen Ansprüchen entsprachen. Darum erlaubte man den Familien sich selbst eine Wohnung zu suchen, die dann vom niederländischen Staat gemietet wurde. Darum wohnen viele Niederländer in deutschen Wohngebieten. Diese Lösung wurde für den niederländischen Staat wegen der Mietzuschüsse zu teuer, weshalb man 1997 im Goya-Viertel 34 Reihenhäuser für die Soldaten baute, so dass doch wieder eine kleine niederländische Siedlung entstand.

Inzwischen wurden alle niederländischen Ämter (Gemeindeamt, Postamt) aus Heidelberg in die Turennekaserne nach Neustadt verlegt, weil die meisten Familien doch in Neustadt und Umgebung wohnen.

 

LUFTWAFFE RAMSTEIN – WOHNORT NEUSTADT.

 

Als 1992 die niederländischen Streitkräfte in Ramstein stationiert wurden, gründete man in der ehemaligen amerikanischen Siedlung in Zweibrücken eine niederländische Siedlung mit einer Schule in der Kanadischen Schule am anderen Ende der Stadt. Nach zwei Jahren war eine eigene Schule fertig. Die Entfernung Zweibrücken – Ramstein sah man als problematisch an. Als die Stadt Zweibrücken die niederländischen Wohnungen und die Schule für die Technische Universität übernehmen wollte, entschied man sich eine neue niederländische Siedlung in Rodenbach zu bauen, mit Schule, Gemeinschaftshaus und niederländischem Geschäft. Nur die weiterführenden Schulen wurden nach Neustadt verlegt. Darum entschieden sich Familien mit älteren Kindern für Neustadt als Wohnort. Nachdem die Schüleranzahl daraufhin sehr klein wurde, schloss man die Schule mit allen Einrichtungen nach drei Jahren, und alles wurde nach Neustadt verlegt.

 

DIE NIEDERLÄNDISCH - SPRACHIGE SCHULE.

 

Die niederländisch - sprachige Schule in der Landwehrstraße, mit dem Namen „De Schakel“ (Deutsch: Das Bindeglied) ist was man in Deutschland eine Gesamtschule nennt. Im Alter von zwei Jahren kommen die Kinder in die Krippe. Am 4. Geburtstag gehen die Kinder in die Grundschule. Dann gibt es 8 Grundschuljahre. Nach der Grundschule gibt es noch 6 verschiedene weiterführende Schultypen, die 4, 5 oder 6 Jahre dauern. In Neustadt gibt es davon 4 Typen. Es gibt eine vollständige Hauptschule und Realschule und die Unterstufe für beide Gymnasien. Die belgischen Schüler arbeiten nach dem niederländischen System.

Da die Klassen sehr klein sind – manchmal bestehen sie nur aus einem Schüler – gibt es mehrere Klassen in einem Raum, wie früher in den deutschen Dorfschulen.

Der Unterricht ist ganz niederländisch, denn die Schüler müssen, wenn sie in die Niederlande zurückgehen reibungslos weiterlernen können. Für die zurückkehrenden Belgier oder Schüler, die in ein anderes Land oder in das deutsche Gymnasium gehen, gibt es spezielle Programme. Fast jeder Schüler arbeitet individuell.

In den letzten Jahren sinkt die Schülerzahl ein wenig. Dies hat mehrere Gründe. Viele Soldaten ziehen es vor die Familie in den Niederlanden zu lassen und trotz der Entfernung eine Wochenendehe einzugehen. Die Soldaten werden oft vier bis sechs Monate für NATO-Einsätze in Krisengebiete wie Bosnien oder Afghanistan geschickt. Dann wären die Familienmitglieder hier auch allein. Die Auslandzulage für die Niederländer wird immer mehr gekürzt, so dass es finanziell keinen Vorteil bringt in Deutschland zu wohnen. In Heidelberg arbeiten fast nur hochrangige Offiziere. Diese sind immer schon etwas älter, und haben oft Kinder, die schon studieren und die Ausbildung in Neustadt nicht beenden können. Oft haben sie ein eigenes Haus und/oder eine Frau, die eine Arbeitsstelle hat. Das alles möchte man für drei Jahre nicht aufgeben .

 

DEUTSCH - NIEDERLÄNDISCHE VERSTÄNDIGUNG.

 

Von Anfang an versuchten die Niederländer Kontakt mit der deutschen Bevölkerung aufzunehmen. Dafür wurde der „Verein Niederländer Neustadt“ (VNN) gegründet. Dieser Verein organisiert das „Deutsch-Niederländische Fest“, das immer um den 20. Juni jährlich auf dem Marktplatz stattfindet. Inzwischen ist der Altstadtlauf ein Bestandteil dieser Veranstaltung. Es spielen typisch niederländische Kapellen und niederländische kulinarische Spezialitäten werden verkauft, zum Beispiel Poffertjes, Matjes, Kroketten, Pommes und Saté. Aber die Weinschenke steht natürlich auch dazwischen.

Bei dem Winzerumzug sind die Niederländer meistens auch mit einem Wagen vertreten. Zwar kann man uns nicht als typische Weinregion bezeichnen, aber Jenever und Käse werden gerne von den Zuschauern genommen.

Der Neujahrsempfang und der Königinnenball, anlässlich des Geburtstages von Königin Beatrix, wird von der deutschen Bevölkerung sehr gut besucht..

Im Allgemeinen findet der Niederländer in Neustadt die deutsche Bevölkerung sehr gastfreundlich und offen. Es gibt kaum Probleme. Die Verständigung ist besser als es in vielen Standorten der niederländischen Streitkräfte in Norddeutschland war.

Aber in der deutsch - niederländischen Verständigung gibt es manchmal auch kleine Probleme. Lädt zum Beispiel eine niederländische Familie ihre deutschen Nachbarn zum Kaffee ein, steht die deutsche Familie nachmittags vor der Tür, während die Niederländerin zu der Zeit in der Küche arbeitet und Kuchen backt. In den Niederlanden kommt man zum Kaffee erst gegen 20 Uhr.

Mittagsruhe ist ein Begriff, den der Niederländer nicht kennt. So will er wirklich den Nachbarn nicht ärgern, wenn er um 13 Uhr das Gras mäht.

Sagt ein Niederländer er sei voll, dann heißt das, dass er genug gegessen hat. Behauptet er satt zu sein, dann ist er betrunken.