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Staatsbank Berlin, April 2003 | |||||||||||||||
Das Beispiel der Musik-Theater-Installation Pessoares wurde im April 2003 von Studierenden und freien Künstlern (Musiker, Schauspieler und bildende Künstler) in der ehemaligen Staatsbank in Berlin Mitte entwickelt. Der Titel und die Ankündigung der Inszenierung verweisen auf das Buch der Unruhe des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa, welches aus über 500 einzelnen, aufeinander Bezug nehmenden Fragmenten besteht und erst knapp 50 Jahre nach seinem Tod 1982 erstmals veröffentlicht wurde . Pessoa, der wie die Hauptfigur in seinem Buch Bernardo Soares zeitlebens in einem Handelshaus in Lissabon arbeitete, nutzte zum Betonen der Vielgestaltigkeit seiner Ausdrucks- und Denkweise verschiedene Heteronyme, in deren Vita er sich bis zur Aufhebung seines eigenen Ichs einfühlen konnte. In der Inszenierung betraten die Zuschauer mit der ehemaligen Staatsbank ein altes leer stehendes Bürogebäude mit einer Vielzahl offener Räume und langen Fluren. Bereits am Eingang begegneten ihnen ganz unterschiedliche Personen, die sich ungeschminkt nur schwer von den übrigen BesucherInnen abhoben. Sie mussten also zunächst selbst entscheiden, welche Rolle sie ihnen zugestanden: waren es SchauspielerInnen, Angestellte des Bürohauses wie Pförtnerin, Klofrau, Kassiererin, Mitarbeiter des Veranstalters oder ebenfalls Besucher/innen? Die Akteure waren im ersten Teil der Inszenierung im gesamten Haus verteilt und übernahmen dabei Aufgaben, die sie zwischen realem Raum (Pförtnerfunktion, Toilettenreinigung...), Pessoas literarischer und persönlicher Geschichte und organisatorischen Funktionen (Kasse, Garderobe, Bedienung im Café...) hin und her wechseln ließen. Beeinflusst durch den Raum, die spezielle Atmosphäre und die Kleidung und Tätigkeit der Akteure konnten die BesucherInnen ihrer ganz persönlichen Figurenfindung folgen. Die Figur als im wörtlichen Sinne ersonnene Gestalt veränderte sich durch den Kontext in Kunst in Aktion. Durch die Auflösung der strikten Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum musste jeder Besucher selbst an dem Ausgestalten der Figuren mitwirken. Die Figur ließ sich nicht mehr allein durch ihre räumliche, stück- oder charakterbezogene Darstellung erklären. |
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