eine Installation von BeyReut


Für die Installation Das Paradies ist überall wurde ein Transporter zerlegt und, einem Schiff in der Flasche gleich, in einem kleinen Raum im Bunker unter dem Alexanderplatz Berlin wieder aufgebaut. In seiner Mobilität sichtbar eingeschränkt, sollte er zu einer inneren Reise einladen:
in ihm steckt ein kleines Postamt, aus dem die Besucher Grüße aus dem Paradies schreiben können. Die von den beiden Künstlern gestalteten Karten wurden dort frankiert, abgestempelt und den Empfängern zugeschickt.

(...)Einen Campingwagen, das Sinnbild für den Traum vom mobilen Urlaub, zerlegten sie in Einzelteile und montierten ihn in einem der engen und muffigen Räume des Bunkers wieder zusammen. Seiner Mobilität beraubt, diente der Wagen vor allem der Kommunikation. Das Paradies ist in der Konzeption von Beyerle / Reuter nicht an einen glückseligen Ort gebunden. Sie verschieben den Fokus auf die Kommunikation, in der Menschen ihr Glück suchen und immer wieder finden.(...)
Burbaum, Claudia; Urlaubsparadies. In: Paradiesprojekt, M°A°I°S 5 , Berlin Alexanderplatz 2003. S. 252-253 (Katalog zur Ausstellung)
In einer Weiterführung dieser Kunstaktion soll das kleine Postamt auf Reisen geschickt werden. Zunächst wird die Post mobil in einem der Reisefahrzeuge untergebracht, später dann in einer Zeltvariante weiter geführt. Die Postkarten werden in der jeweiligen Landessprache versehen und wiederum von dort aus abgestempelt und verschickt.
Das Objekt, das qua definitionem als das uns entgegen geworfene und vom Bewusstsein unabhängige, wird im Aktionsfeld von Kunst zum individuell konnotierbaren Gegenüber. Durch das partizipative Moment der Aktion bestimmt der Betrachter/Besucher mit über Form, Aussehen und Bedeutung des Gegenstandes, was im Folgenden durch eine im vergangenen Jahr gezeigte interaktive Installation verdeutlicht werden soll: In einer unterirdischen Bunkeranlage unter dem Berliner Alexanderplatz stand innerhalb einer Gruppenausstellung zum Thema Paradies in einem kleinen Raum ein großer bemalter Transporter. Für die Installation mit dem Titel Das Paradies ist überall wurde der Wagen zerlegt und, einem Schiff in der Flasche gleich, komplett wieder aufgebaut. In seiner Mobilität sichtbar eingeschränkt, lud er aber zu einer inneren Reise ein: in ihm steckte ein kleines Postamt, aus dem die Besucher in alle Welt Grüße aus dem Paradies schreiben konnten. Die von den beiden Künstlern gestalteten Karten lagen aus und konnten von den BesucherInnen beschrieben und bemalt werden. Die Künstler waren die Postbeamten selbst, die die Karten frankierten, abstempelten, signierten und schließlich den Empfängern zuschickten.
So wie im Objekttheater durch den handelnden Dialog aus dem Ding ein beseelter Kommunikationspartner wird, so ist es in diesem Fall die Interaktion mit dem Besucher, die die Postkarte zum einzigartigen und nicht länger austauschbaren Objekt werden lässt.