Reaktionen - so weit sie publiziert und mir bekannt werden, und immer nur in Auszügen

"Dirk Baecker sieht es anders.” Niklas Luhmann, Vorwort zu Dirk Baecker, Womit handeln Banken? Eine Untersuchung zur Risikverarbeitung in Banken, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991, S. 11

"Dirk Baecker, 46, Systemtheoretiker (1 216). Autor von 'Postheroisches Management', das Heiner Müller gefiel." Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 27. Januar 2002, S. 21, als Kommentar zu Platz 80 der 100 bekanntesten deutschen Intellektuellen, gemessen an Internetnennungen (Mittel aus Google und AlltheWeb).

"Dirk Baecker, Soziologe", Nr. 488 der 500 wichtigsten Intellektuellen laut Cicero-Ranking 2006, Cicero, April 2006, S. 63

"Wir haben noch Fragen." (Wittener Studenten im November 2006 nach Bekanntgabe eines Rufes auf den Lehrstuhl für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University in Friedrichshafen am Bodensee, pdf)

"Geistesgröße Nr. VI." (Nikolaus von Festenberg, Operieren im Dunkeln, Der SPIEGEL, Nr. 35/27.8.07, S. 140-141, pdf)


Information und Risiko in der Marktwirtschaft, 1988
"Der systemtheoretische Ansatz Baeckers sucht den Prinzipien der Marktwirtschaft durch die Beschreibung von Ereignissen anstelle von Strukturen auf die Spur zu kommen. Das überraschende Ergebnis dieses Ansatzes ist, kurz gefaßt, die Tatsache, daß die Wirtschaft ein sich selbst beobachtendes System von höchster Komplexität ist. In einem stets fluktuierenden Prozeß überwiegt die Ungewißheit, fällt Gewißheit nur momentweise (und doch immer wieder) an. Jeder Moment enthält demnach Informationen und Risiken…" o.V., Pro Zukunft: Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen 2 (1988), Heft 2

"Eine nicht fachkundige Leserschaft wird nicht zuletzt die Verständlichkeit kritisieren…" Volker Teichert, Gesetze der Wirtschaft. In: Das Parlament Nr. 9, 24. Februar 1989

"Was beide (Luhmanns und Baeckers) Analyse auszeichnet, ist die konsequente und konsistente Arbeit am ökonomischen Begriff. Ihr gelingt es, zentrale ökonomische Kategorien so zu definieren, daß sie nicht nur für eine Theorie selbstreferentieller Systeme einsetzbar werden, sondern so, daß sie problematische Annahmen, wie etwa das ökonomische Gleichgewicht oder das Rationalitätskalkül, transformieren, ohne Chaos oder Irrationalität unterstellen zu müssen. Es interessieren dann nicht mehr Gleichgewicht und Rückkehr in die Ruhelage, sondern die Dynamik temporalisierter Elemente." Josef Wieland, Die Wirtschaft als autopoietisches System: Einige eher kritische Überlegungen. In: Delfin X, 5. Jg., Heft 2 (September 1988), S. 18-29

"Am befremdlichsten wirkt, daß in einem Buch über 'Information und Risiko in der Marktwirtschaft' Passagen, die das Spezifische der modernen Wirtschaft beleuchten, rar sind." Johannes Berger, Autopoiesis – Endstation? In: Soziologische Revue 12 (1989), S. 346-354

"Baecker hat sich das bereits aus erkenntnistheoretischen Gründen (die er sonst auch akzeptiert) sinnlose Ziel gesetzt, 'im Anschluß an die Wirtschaft selbst, also nicht nach analytischem Gutdünken, die Systemereignisse zu identifizieren'." Klaus Türk, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (41) 1989, S. 766-768

"Die theoretisch wohl anspruchvollste Reflexionsfigur ist der von Luhmann und Baecker im Blick auf das Problem der Preisbildung eingeführte, streng beobachtungslogisch eingeführte Marktbegriff." Peter Marx, In: Sociologia Internaciones 2 (1990)

Gelegenheit. Diebe, 1990
"Im Buchladen fehlt Dirk Baecker. Im Buchladen kann man nicht lesen." Eckhard Schumacher, Check the Technique. In: Bielefelder StadtBlatt 9, 21. Februar 1991

"Ich weiß nicht, wie alt Dirk Baecker, Rembert Hüser und Georg Stanitzek sind, aber ihr Schreiben macht einen jungen Eindruck von Einmaligkeit und überschüssigen Kräften." o.V., Bielefeld. In: spex (April 1991), Nr. 4, S. 73-74

"Leer? reich? Weiß ich noch nicht." WING, Deutscher Dreier. In: Ultimo Nr. 16/17 (1991), 27.7.-6.9.1991, S. 75

"Wie schon Hans Magnus Enzensberger sieht auch Baecker in der problemlosen Emergenz von 'Leuten' gerade in Deutschland einen enormen Fortschritt, den es durch noch zu findende dezentrale Strukturen neuen Typs (nur halb ironisch wird Dieter Henrich zitiert, der die evangelischen Pfarrhäuser beschwört) zu sichern gelte." Jürgen Link, Wieder. Verein. In: kultuRRevolution Nr. 25 (Juli 1991), S. 70-71

"Wenn dabei eine Annäherung an die deutsche Naht geschieht, an die Wundnahme unserer Geschichte mit der gezeigten Offenheit und Sorg-Falt, ohne jede falsche Scham und Parteinahme, die den Diskursen in deutscher Öffentlichkeit ansonsten eignet, muß das Buch als exemplarisch und einzig bezeichnet werden." Helmut Krebs, Kleinigkeiten. In: filmwärts 2/1992, S. 36-37

"Glücklicherweise haben wir es mit drei Sprachbesessenen zu tun. Das - nichts anderes - macht Gelegenheit. Diebe lesenswert." Uwe Buhrdorf, Bahnsteigkarte, Gelegenheit & Deutschland. In: Jazzthetik (Juli/August 1992), S. 52

"… nicht leicht, doch amüsant, das Nachdenken anregend, spielend mit Querverweisen und schwer nachzuverfolgenden Beziehungen." nip, Dreimal Deutschland. In: Westfälische Nachrichten, 2. September 1992

"Wie bespricht man ein kleines Buch, ein Heft, das, in grauem Karton gebunden, auf Hochglanzpapier das Zitieren von Zitaten zitierend monströse Motiv-Geflechte aus demontierten Werken mit verwirrender Klugheit präsentiert?" Jens-F. Dwars, Literatur. Schaft. In: Weimarer Beiträge 39, 2 (1993)

Womit handeln Banken? 1991
"Also eine Neuformulierung des Bürokratieproblems, ein neues Rationalitätsparadox im Stile Max Webers? Dirk Baecker sieht es anders. Für ihn ist das Risiko ein Zentralproblem der Wirtschaft, das mit der Zeitverzögerung der Zahlungen zu tun hat." Niklas Luhmann, Vorwort zu: Dirk Baecker, Womit handeln Banken? 1991, S. 11

"Die Anwendung der Luhmannschen Systemtheorie auf diesen Gegenstand läßt das Bankenhandeln in einer sowohl für den Soziologen als auch für Ökonomen völlig neuen Sicht erscheinen. Fragt sich allerdings, ob wir nur eine neue Brille auf der Nase haben, mit der wir anders sehen, oder ob wir mit dieser neuen Brille auch schon besser sehen." Elmar Lange, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44 (1992), S. 583-584

"Insgesamt bietet das Werk eine umfassende Darstellung bankgeschäftlicher Risiken und ihrer Zusammenhänge sowie einige bemerkenswerte Anregungen." Axel Aspetsberger, in: Bankarchiv (November 1991)

Unbeobachtbare Welt, 1990
"Und wie das bei Schülern oft der Fall ist, nehmen Verbeugungen und Absichtserklärungen und das Auflisten all dessen, was ein Aufsatz an dieser Stelle nicht leisten oder wollen kann, breiten Raum ein." GC, In: Literaturblatt der Bauwelt

Überlegungen zur Form des Gedächtnisses, 1991
"Was Baecker hier, ausgehend von der Erfahrung des Gedächtnisses - das er als 'immer mitlaufende Selbstbeobachtung, ein immer mitlaufendes Sich-selber-Wissen' definiert hat -, beschreibt, ist nichts anderes als die Vertührung zur Spekulation in dem Sinn, in dem die Philosophin Sarah Kofman Spekulation beschrieben - und dekonstruiert hat. Daß diese Verführung bei Überlegungen zu Gedächtnis und Erinnerung stattfindet, dürfte kein Zufall sein, nötigt der Gegenstand doch dazu, will man seiner Komplexität gerecht werden, bei der eigenen, schwindelerregenden Erfahrung des Sich-Erinnerns und sich dabei Verlierens anzusetzen. Man kann bei einer Antwort auf diese Frage nach dem Gedächtnis, schreibt Baecker, sich rettungslos verlieren, oder alles, sich und seine Umwelt vollständig entwickeln." Astrid Deuber-Mankowsky, Zwischen Erinnern und Vergessen, in: Kunstforum, Bd 128 (Dezember 1994)

Die Form des Unternehmens, 1993
"Dirk Baecker hat den Mut, die Grundkonzeption eines operativen Konstruktivismus auf (…) die Theorie des Unternehmens zu übertragen. Voraussetzung dafür ist, daß der theoretische Apparat resolut abgekoppelt wird von allen idealistischen oder subjekttheoretischen Prämissen. Dies geschieht vor allem mit Berufung auf den Formenkalkül von George Spencer-Brown. (…) Kritiker des Kalküls von Spencer-Brown haben eingewandt, daß in der Eleganz der Rekonstruktion Details verlorengehen und daß man in Kenntnis dieses Kalküls nicht besser rechnen kann als vorher. Denselben Einwand könnte man auch gegen Dirk Baecker erheben. Unternehmer werden nach Lektüre dieses Textes nicht besser wirtschaften können als vorher und gerade das müßte ihnen der Text, wenn verstanden, deutlich machen. Es wird eben eine 'nicht-triviale Maschine' beschrieben, die nicht von außen durch Instruktionen gesteuert werden kann. Der Sinn der Rekonstruktion, die im übrigen eine Rekonstruktion des Begriffs der Erklärung einschließt, liegt in der Ausweitung der Perspektive, mit denen Unternehmen behandelt und mit anderen sozialen Phänomenen vergleichbar gemacht werden. Mir fällt vor allem auf, daß Beziehungen zur Religion auftauchen, die (…) eine Alternative bieten könnten zu dem handlungstheoretischen, mit Motiven, Rationalitätsformen und Legitimationstypen arbeitenden kapitalismusgeschichtlichen Konzept von Max Weber." Niklas Luhmann, aus seinem Gutachten zur Habilitationsschrift 'Die Form des Unternehmens'

"Ich halte die von Dirk Baecker vorgelegte Arbeit Die Form des Unternehmens für ein Meisterwerk. Ich habe das Gesamtwerk zweimal von A bis Z gelesen - ich sollte sagen 'durchgearbeitet' - und soeben eine dritte Lesung ausgesuchter Stellen beendet. Nicht nur fallen einem bei jedem Wiederlesen neue erkenntnistheoretische Rosinen in die Hände, sondern der anfangs überwältigende Reichtum der Argumentation konvergiert zu einer kohärenten Dynamik. Dirk Baecker ist etwas Erstaunliches gelungen. Es ist ihm gelungen, eine Sprache zu erfinden, oder besser: die Erfindung einer Sprache zu entwickeln, die vor den Augen des Lesers das Geheimnis ihrer Entwicklung entwickelt." Heinz von Foerster, aus seinem Gutachten zur Habilitationsschrift 'Die Form des Unternehmens'

"Sein Bemühen ist darauf gerichtet, die Art und Weise der Theoriebildung bezüglich Unternehmen anzuregen, das heißt die kognitive Landkarte für die Beobachtung und Beschreibung dieses Typs von Organisation weiterzuentwickeln." Rudi Wimmer, in: Organisationsentwicklung 1 (1994)

"Das damit angedeutete Programm ist, wenn es sich tatsächlich ausarbeiten und ausführen läßt, eine Herausforderung für die Soziologie." Will Martens, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46 (1994), S. 729-730

"Jetzt wird’s kompliziert." Frank Michael Orthey, in: 30. Ergänzungslieferung des Handbuchs für Personalentwicklung und Training des Deuschen Wirtschaftsdienstes, Dezember 1995, S. 14-17

"Die methodischen Grundannahmen, von denen Baecker ausgeht, sind nun im Prinzip recht einfach." Philipp Hessinger, in: Soziologische Revue 19 (1996), S. 327-330

"Die Soziologie entwickelt sich offensichtlich zu einer zentralen Wissenschaft der Gegenwart." Gerd Reinhold, in: Wiss. Literaturanzeiger 32 (1993)

Kalkül der Form & Probleme der Form, 1993
"Also ist man zuerst wie der Esel am Berg. Oder zwischen zwei Heuhaufen." A. J. Haesler, Die Form der Form. In: Basler Zeitung/Basler Magazin Nr. 28, 16. Juli 1994, S. 11

"Dem soziologisch und systemtheoretisch interessierten Leser kann man den Sammelband wohl als eine interessante, weil richtungweisende Neuerscheinung des letzten Jahres empfehlen." Harald Wasser, in: Widerspruch: Münchner Zeitschrift für Philosophie 14 (1994), S. 77-80

Postheroisches Management: Ein Vademecum, 1994
"Der Autor eröffnet dem theorieinteressierten Leser jenseits der vielen 'How-to-do'-Bücher, die gegenwärtig den Markt überschwemmen, eine Fülle von verfolgenswerten Spuren, denen nachzuforschen sich lohnt, wenn man sich ein tragfähiges Bild von den aktuellen Herausforderungen an das Management machen will." Rudi Wimmer, in: Organisationsentwicklung 4 (1994)

"Daß dieser schnelle Blickwechsel zwischen Management, Literatur und Deleuze möglich ist, zeigt aber auch die außerordentliche Qualität der Arbeit von Baecker, ganz im Sinne der vorgeschlagenen Werte Italo Calvinos für das nächste Jahrtausend." Stefan Hesper, Ich möchte lieber nicht. In: die tageszeitung, 25./26. Februar 1995, S. 15

"Wenn ein Soziologe Kalendergeschichten schreibt, kann man erwarten, daß sie über Bauern- und Wetterregeln hinausgehen. Die Jahreszeiten bleiben gleich, aber die Regen- und Sonnentage sind unterschiedlich verteilt. Dirk Baecker hat 58 Kalendergeschichten für Geschäftsführer, Manager und alle, die etwas handhaben oder bewerkstelligen, geschrieben. Er landet am Ende, und das macht den klugen Witz seiner Überlegungen aus, doch wieder beim Wetter, genauer bei der Bauernregel. Ein Geheimnis kann man lüften, ein Rätsel nur leben." Michael Köhler, Managen. In: Süddeutsche Zeitung, 22. April 1995

"Nicht zuletzt für Manager, die nicht nur die 'blinden Flecken' der Vergangenheit erkennen, sondern auch für die unvermeidlichen blinden Flecken der Gegenwart ein Gespür entwickeln oder sich erhalten wollen, ist dieses Buch geschrieben." Michael Faust, in: management revue 4 (1995), S. 302-305

"Seit nun Alexander Kluge in der Trauerfeier für Heiner Müller davon sprach, daß Müller zuletzt ständig Baeckers Merveband bei sich trug und vor allem von der Idee, 'macht mehr Fehler, wovon wollt ihr denn sonst lernen', begeistert war, seitdem ist das postheroische Management ein heimlicher Bestseller in bestimmten Kreisen. Und der Plural des Wortes 'Kreise' steht hier zurecht. So gemischt wie seine Theorien, sind auch seine Leser: Baecker liebt das Heterogene. Dirk Baecker ist vor zwei Jahren aus dem sauberen Bielefeld ins durchmischte Berlin gezogen. Dort wohnt er im Osten, nicht auf dem schicken Prenzlauer Berg, sondern im ziemlich kaputten und etwas düsteren Friedrichshain. Mit dem Spagat zwischen kleinstädtischer Universität (Witten/Herdecke) und aufgewühltem Osten, zwischen taz und FAZ, zwischen mancher Chefetage, in der man schon länger von diesem Soziologen gehört hat, und der Wahlverwandtschaft mit Heiner Müller, schafft sich Dirk Baecker Spielräume für ein ungewöhnlich eigenwilliges Denken." Reinhard Kahl, Kulturrevolution. Südwestfunk im Juli 1996

"Mich hat der Titel interessiert, natürlich auch im Zusammenhang mit der Tätigkeit hier im Theater. Man stößt immer wieder darauf, daß der eigentliche Störfaktor der Mensch ist, und mit dem Menschen kann man nicht heroisch umgehen. Der Mensch ist nicht heroisch, sondern es ist gegen seine Natur, heroisch zu sein, wie die Geschichte von dem gekochten Frosch [aus dem Buch] beschreibt. Das ist ja kein dramatischer Vorgang, das ist ja eher ein epischer oder episch beschreibbarer Vorgang. Der Frosch weiß nicht, was passiert. Denn wenn er wüßte, was ihm passiert, dann wär’s dramatisch. Und wenn er nicht weiß, was ihm passiert, dann bleibt es ein epischer Stoff. Was ich wesentlich finde, ist der zynische Ansatz in dem Text. Bestimmte Werte, die noch als sakrosankt gelten, also das Individuum und die Persönlichkeit berühren, die werden schon als nicht mehr gegeben vorausgesetzt. [Liest aus den Empfehlungen zur Einrichtung von Teams…]." Heiner Müller im Gespräch mit Alexander Kluge, in: Theater heute 9 (1996), S. 1-2

"… so habe ich das Buch gelesen: als Aufforderung, sich an die Turbulenz und die Selbstorganisation zu halten, weil auf diese Weise sich bessere Ergebnisse erzielen lassen." Aurel Schmidt, Das eigene Leben selbst gestalten. In: Basler Magazin Nr. 46, 16. November 1996, S. 11

"Wir haben nicht zu viele Probleme, sondern wir haben zu viele Lösungen. Baeckers Maxime. Müller fiel dazu eine Bemerkung von Kafka ein: 'Ein Käfig, der einen Vogel sucht.'" Jürgen Werth, Buchzeit. Sender Freies Berlin, 11. Dezember 1996

"Man muss viel Zeit und Langeweile haben, um dieses Buch zu lesen. Und wenig Erfahrung mit Management und Organisationen, um einen realen Bezug und zukunftsweisende Ansätze zu finden, die nicht auch einer Hausfrau einfallen würden, die nebenher studiert hat." Rezensent auf amazon.com, 12. April 2003, 1 von 5 Sternen

"Diese Sammlung ist ein echtes Vademecum ('Gehe mit mir') und taugt in meinen Augen für die Reise ebenso wie für den Nachttisch: jeder Artikel bringt einen echten Impuls - mehr, als 'das Wirtschaftsbuch' an sich zu leisten vermag." Brigitte Witzer, Und welches Buch empfehlen Sie, Frau Witzer?, auf: www.managementbuch.de, Mai 2007


Die Konjunktur des Intellektuellen, Vortrag 1997
"Ob die selbstironische Lust an der Decodierung wirklich das wichtigste Element zeitgenössischer Kultur sei angesichts weltweiter Probleme wie Hunger, Armut, Aids, wollte man in der anschließenden Diskussion wissen. Für den Systemtheoretiker aus der Schule Niklas Luhmanns liegen solche Phänomene jenseits relevanter Fragestellungen. Seltsamerweise opponierte das Publikum nicht einmal, als Baecker Adolf Hitler als einen der 'Großhacker dieses Jahrhunderts' in eine Reihe mit den Dadaisten stellte. Dieser obszöne Formalismus funktionierte nicht als Provokation. Waren vielleicht gar keine Intellektuellen mehr im Saal? Oder ist Dirk Baecker am Ende selber einer?" Helmut Jähner, Schluß mit der Nörgelei, in: Berliner Zeitung, 6. Dezember 1997

Poker im Osten: Probleme der Transformationsgesellschaft, 1998
"Das kleine Büchlein ist ein fulminantes Plädoyer für das Lernen und Verlernen, auch mit den romantischen Mitteln der Kritik und Ironie, die die Deutschen vor lauter Hass-Sehnsucht oft vergessen haben." Marianne Karbe, Deutsche und andere Deutsche, In: Basler Magazin Nr. 20, 23. Mai 1998, S. 11

"Dirk Baecker liefert in seinem Buch eine faszinierende Beschreibung des Transformationsprozesses der alten DDR-Gesellschaft in das wiedervereinigte Deutschland, so wie es sich dem Beobachter heute präsentiert." Rudi Wimmer, , in: Organisationsentwicklung 17, Nr. 3 (1998), S. 102-103

"Dirk Baecker, profunder Kenner, brillanter Anwender und - nach dem Tod Luhmanns - Hoffnungsträger des differentialistischen Genres, zeigt, warum das nicht so einfach ist. Transformationen laufen nämlich nicht determiniert und unidirektional ab, sondern nicht-linear und rekursiv. Sie können wohl intendiert, aber nicht unmittelbar gesteuert werden.  Das liegt zum einen am Beobachter, der in alle diese Prozesse verstrickt ist. Und das liegt zum anderen an jenen Elementen, die die Veränderung bestimmen und von dieser selbst erst hervorgebracht werden." Rudolf Maresch, Polit-Poker, in: Süddeutsche Zeitung, 7. Dezember 1998, S. 14

"Zu wenig war und ist bewußt, daß die 'Transformation vieles von dem verändert, was als deren Voraussetzung gelten kann' (Baecker)." Bernhard Schäfers, Soziologische Perspektiven zur Wiedervereinigung. In: Soziologische Revue 22 (1999), S. 301-308

Problems of Form, 1999
"Societies differ in how many observers they accomodate." Stephan Fuchs, in: American Journal of Sociology 105, 6 (2000), S. 1814-1816

"Despite much discussion there is no real use of the formal apparatus with its promise of treating complex systems of recursively generated forms relating to acts that create distinctions. The editor provides a nonformal brief introduction to certain key ideas of the calculus of indications, but this is not enough to generate an intuitive grasp of unfamiliar notions drawn from the book by Spencer-Brown." "And yet, the combination of dense prose that conveys Luhmann's complex theory and a formal calculus with dubious internal validity do not sound like a good bet for a future breakthrough in mathematical social theory." Thomas J. Fararo, Review, in: Contemporary Sociology 30, 3 (2001), S. 306-307

Wozu Kultur? 2000
"Baecker schärft mit diesem Buch den Blick für den großen blinden Fleck der Kultur, anderen Verluste und Schulden zurechnen zu wollen, die sie selber laufend produziert." Arnulf Marzluf, Kultur als ständige Katastrophe. In: Weserkurier

"Der Kulturbegriff, schreibt der scharfsinnige Soziologe Dirk Baecker, funktioniere 'wie ein Köder, den die moderne Gesellschaft auslegt, um auch und gerade ihre Kritiker für sich einzunehmen.'" Jörg Lau, Das unheimliche Schillern. In. Die Zeit, Nr. 5, 27. Januar 2000

"Kultur beginnt mit einer harmlosen Bemerkung. 'Wie interessant.' In diesem Satz steckt ein Stück Subversion. Es könnte alles auch anders sein. Ein Mann kultiviert sich als Gourmet und Bordeaux-Kenner, eine Frau trägt aus ethischen Gründen keinen Pelz, ein Politiker beginnt aus gesundheitlichen Gründen zu laufen, ein Paar schwärmt von Salsa-Tänzen. Der Beobachter steht daneben und denkt: 'Wie interessant.' Das Geschenk dieser Aufmerksamkeit, schreibt der Soziologe Dirk Baecker in seinem Buch Wozu Kultur?, 'ist vergiftet'."Bert Rebhandl, Die Optionalisierung der Kultur. In: Der Standard, 24. Juni 2000

"Nach Baecker ist die Kultur ein höchst ambivalenter 'Fluchtpunkt der modernen Gesellschaft', durch den sich keine verlässlichen Handlungsorientierungen ergeben, wohl aber andersartige Sichtweisen auf die bestehenden Verhältnisse. Auf die 'Unruhe des Sinns', die vom rasanten Durcheinander der Operationssysteme erzeugt wird, antwortet die Kultur ihrerseits mit Verunsicherungen und Irritationen, die uns nach Unterscheidungen zwischen dem Richtigen und Falschen, dem Authentischen und Unechten suchen lassen. Sie verortet diese Differenzen in einem Geflecht von Beziehungen, das immer wieder aufs Neue entwirrt und bewertet werden muss. Die Kultur ist nicht nur das Gedächtnis einer Gesellschaft, sondern auch die Erwartung ihrer Veränderung, die im Ungenügen der existierenden Ordnungen ihren Grund und ihren Massstab hat. Ludger Heidbrink, Die Widersprüche der Kulturgesellschaft, in: Neue Zürcher Zeitung, 1. Juli 2000

"Um das neue Um- und Querdenken jenseits altlinker Weltanschauungen zu beschleunigen, gibt es in der Berliner SPD-Zentrale derzeit Überlegungen, künftig auch Medientheoretiker wie Friedrich Kittler, Norbert Bolz oder den Kultursoziologen Dirk Baecker für den Kanzler nutzbar zu machen." Michael Mönninger, Braucht Schröder neue Kanzlerberater? In: Berliner Zeitung, 15. September 2000

"Dirk Baecker sieht als Ziel der Kulturwissenschaft nicht die Sammlung von Werten zur identitätsstiftenden Archivierung, sondern die Bestandsaufnahme der Gegenwart als Leistung für die Zukunft. So weit, so gut. Bei seiner Forderung, die Vielfalt als Chance für die Zukunft anzusehen, sind im digitalen Zeitalter Zweifel angebracht. Die anarchistische Situation im Webspace vernebelt alle herkömmlichen Unterscheidungsmöglichkeiten über den Zustand der Kultur." Sabine Kaldemorgen, Diesseits und jenseits der Kultur. In: Literaturkritik.de, 10. Oktober 2000

"Und so scheint es, daß nach Durchsicht der vielen klugen Einfälle, die da auf bald zweihundert engbedruckten Seiten versammelt sind, der sorgsam entfaltete Kulturbegriff am Ende doch sonderbar leer bleibt." Christian Geyer, Ich interessiere mich neuerdings auch wieder für Interesse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. November 2002

"Baeckers handliches Buch ist kein Handbuch für Kulturarbeiter, und für die Büros der Politikberater hält es ausschließlich Verunsicherungen bereit. Es verlangt einen Leser, der darauf aus ist, Desillusionierungen in intellektuelle Gewinne umzuarbeiten." Harry Nutt, Überlaufbecken der Kontingenz. In: Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2000
"Die kulturelle Kompetenz ist für den Autor eine der fragilsten Errungenschaften der modernen Gesellschaft und muß von uns immer wieder neu erworben und verteidigt werden. So sucht jeder weiter nach dem Wesen seiner kulturellen Identität, aber die Sphinx lächelt und hütet ihr Geheimnis." Bernd Graff, in: Zeitschrift für Kulturaustausch 50 (2000), S. 114

"Aber festzuhalten bleibt, daß wer bei Baecker Antworten auf Fragen nach praktischer Aneignung und Herstellung von Kultur sucht, auch auf theoretischer Ebene keine finden wird." Achim Landwehr, in: Mitteilungen des Instituts für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg, Nr. 7, Oktober 2000, S. 77-81

"Letztlich geht es also darum, die in Form von Kultur aus der postmodernen Gesellschaft kaum mehr wegzudenkende Offenheit für die Möglichkeiten der Gegenwart mit einem gewissen Witz zu verteidigen und zu bestärken." Michael Hauffen, in: Kunstforum 153 (Jan.-März 2001), S. 502

"Und wenn das alles wäre, wozu Kultur notwendig ist, dann hätten ihre Gegner ein leichtes Spiel." Wolfgang Hellmich, Ja, wozu eigentlich? In: Stuttgarter Zeitung, 16. März 2001
"Ist Kultur wirklich derart trocken?" Claudio Moro, Wie interessant! In: Aargauer Zeitung, 21. April 2001

"Baecker, der an der Uini Witten/Herdecke Soziologie lehrt, produziert großen semantischen Ballast bei kleinem gedanklichen Ertrag." o.V. Kultur und Gesellschaft. In: Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 92, 1 (2001)

"In Baecker’s 'catastrophic’ reading of modernity culture, contingency and crisis belong together, a conjunction which indicates not support for but a critical take on Critical Theory’s gnostic vision of the world. Rather than concluding that the whole is the untrue, and as such immune to criticism, he asks us to consider an alternative reading of catastrophe, in which culture appears as disease and cure at the same time. Society cannot long function if it is deprived of the perpetual self-irritation called culture. Readers looking for a fresh and stimulating perspective on current debates in cultural theory will find much to engage with in Dirk Baecker’s revision of the issues. All that remains to add is that his book should be translated as soon as possible." David Roberts, in: Thesis Eleven # 69 (May 2002) , pp 118-120

"Baeckers Argumentation ist ein Plädoyer für einen differenzierten (post-)modernen Kulturbegriff, der auch das umfaßt, was er ausschließt (z.B. Gewalt und Macht), und offen für Irritationen sowie für zukünftige Veränderungen ist." Mirjam-Kerstin Holl, IASLonline [http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/holl.html], 26. Mai 2002

Was wollen die Roboter? Vortrag 2000
"Baeckers liebstes Stilmittel ist das Paradox, das alle beruhigenden Gewißheiten aufsprengt und an jedem scheinbar vertrauten Sachverhalt seine Gegenseite, die oft seine Bedingung ist, sichtbar macht: Keine Form ohne Differenz zur umgebenden Nicht-Form. So wird es zur schönsten Funktion von Wissenschaft, die Unsicherheiten und Komplikationen zu vergrößern, ein Verfahren, das eines der Lieblingsspiele der Systemtheorie, die Reduktion von Komplexität, ironisch variiert. Man muß schon ein sehr hohes Abstraktionsniveau erreichen, um zu überraschenden Komplexitätsreduktionen zu kommen. 'Wenn man möglichst kompliziert an die Sache heranzugehen versucht, hat man schließlich immer mehr Lösungen zur Hand, als sich Probleme stellen. Man verfällt, wenn man Glück hat, auf kleine Lösungen, die manchmal mehr bewegen als die großen und die für andere immer ein Rätsel bleiben', so Baeckers Formel für postheroisches Management. (…) Die Frage, was Computer wollen, scheint zumindest im E-Commerce beantwortet. Einerseits spart E-Commerce und Business-to-Business, also die Kommunikation zwischen Firmen wie zwischen Anbietern und Käufern über das Internet, Kosten. Andererseits verdienen Firmen, die diesen Service anbieten, daran sehr viel Geld. Das ist das Schöne am Kapitalismus: Kostensenkungsstrategien produzieren Märkte und generieren Gewinne. Was die Computer wollen, ist also, laut Baecker, nichts anderes, als 'Transaktionskosten senken und daran Geld verdienen'. Aber weshalb beim E-Commerce stehenbleiben? Die Vorstellung eines E-Governments, das höhere Bürgerbeteiligung erleichtere und die Kommunikation zwischen Bevölkerung und Behörden vereinfache, wird längst propagiert. Neu in die Runde warf Baecker das Modell eines E-Laws. Bei Streitfällen geben die Parteien die Daten ihres Konflikts in einen Computer ein ('es sollte möglichst ein neutraler Computer sein', mahnt der Referent), der das Urteil ausrechnet, was einerseits das juristische Prozedere vereinfacht, aber gerade durch diese Vereinfachung vermutlich zu mehr Streitfällen führt: Keine Reduktion von Komplexität ohne Steigerung von Komplexität. So setzt das E-Law bruchlos fort, was Luhmann die 'Legitimation durch Verfahren' genannt hat, eine Rechtsprechung, die nicht nach Gerechtigkeit, sondern nach klar definierten Regeln fragt. Auch die Abwicklung von Religion, Erziehung oder Psychotherapien muß nicht länger das Privileg menschlicher Spezialisten sein, wobei etwa bei der Beichte eine Restungewißheit darüber, ob der Computer eine Absolution erteilt oder nicht, unabdingbar ist. All diese Modelle bekommen ihren eigenen Reiz erst, wenn die Computer lernfähig sind und aus der Verarbeitung von Beispielen eigene Strategien entwickeln - die für die Menschen weder zugänglich noch durchschaubar oder steuerbar sind. Spätestens an dieser Stelle des Vortrags ahnte der Zuhörer dunkel, was Baeckers Thema mit Kapitalismus und Depression zu tun hat." Peter Laudenbach, Der Computer schenkt uns Zeit für Depressionen: Dirk Baecker, Erforscher von Unternehmenskulturen, sprach im Roten Salon über die Zukunft in neuronalen Netzen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Oktober 2000, S. BS4

Organisation als System, 2001
"Nach Baecker kann eine 'wieder entdeckte' Organisationstheorie als Ressource beim Untersuchen traditioneller soziologischer Fragestellungen benutzt werden, allen voran die Frage nach dem Gestaltungspotential grundsätzlicher gesellschaftlicher Veränderungsprozesse." Arnold Wilts, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 53 (2001), S. 801

"Zu den Lieblingsformeln neuerer Managementliteratur gehört, in einer Formulierung Dirk Baeckers, die Idee, 'das Chaos aus der Umwelt in die Firma selbst' hineinzuholen. Gerade die aus der Systemtheorie bekannte System-Umwelt-Differenz erscheint brauchbar, um die Wechselwirkungen zwischen Unternehmen und Markt, aber auch zwischen dem Funktionssystem Wirtschaft und anderen Funktionssystemen wie Politik, Wissenschaft, Kunst oder Religion zu beschreiben. Dirk Baeckers Formulierung von dem aus der Umwelt in die Firma importierten Chaos zielt auf Steigerung der Komplexität innerhalb des Unternehmens, also auf die Fähigkeit, auf eine tendenziell überkomplexe Umwelt adäquat reagieren zu können." Peter Laudenbach, System Mitropa, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13. November 2001, BS 6

Nach der Rhetorik, 2001
"In 'Schnittstellen' übrigens hat sich einer nicht an die Vorgabe gehalten, Grundsatzfragen zu vertagen. Luhmann-Nachfolger Dirk  Baecker gefällt sich nicht in vordergründiger Bescheidenheit und gibt sich gerade mal zehn Seiten für die Skizze einer Kulturtheorie, die - unter der waghalsigen Verbindung von Systemtheorie und Lacans Begriffen des Imaginären und Realen - eine strenge Differenzierung der Begriffe 'Kultur' und 'Kommunikation' versucht. Auf die Ausarbeitung dieses Entwurfs darf man gespannt sein." Sebastian Handke, die tageszeitung, 9. Januar 2002, S. 15

Lenin's Twist, Vortrag 2001
"Erfrischend schwungvoll gestaltete der renommierte System- und Organisationstheoretiker Dirk Baecker den letzten Vortrag. Obwohl oder gerade weil er bekennen mußte, 'noch keine einzige Zeile des Paten der Veranstaltung [Giorgio Agamben] gelesen zu haben', wandte er sich dem Thema 'Ostzone' zu. Die 'Entzonung' des Kommunismus nach 1989 habe dazu geführt, daß heute revolutionäre Botschaften wie 'Abschaffung des Eigentums' oder 'Absterben des Staates' die Strategien von Unternehmen infiltriert hätten." Aram Litzel, Dann gehen Sie doch nach drüben, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Januar 2001, Berliner Seiten 3

"Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch?" 2000
"Entstanden ist ein Buch, das den Unscheinbaren zum Vorschein bringen will, 41 Porträts eines relativ Unmarkierten. Ohne Zweifel hätte Luhmann das Paradox behagt, gerade ihm, dem vermeintlich kühlen Sozialtechnologen, ein solch unakademisches Memorialwerk zu widmen." Thomas Wirtz, Einfach fahren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Januar 2001, S. N5 (Rezension Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch? Erinnerungen an Niklas Luhmann, 2000, Hrsg. zusammen mit Theo Bardmann)

Wozu Systeme? 2002
"Interessant ist darin eine Parallelführung von indischer vierwertiger Logik (des Tetralemmas) und dem Formenkalkül des englischen Mathematikers George Spencer-Brown, der den selbstbezüglichen Aussagen der Systemtheorie seit je die logisch nachvollziehbare Basis verschafft hat." Arnulf Marzluf, Abschiedsreden ans verstaubte Nervenkostüm. In: Weserkurier, 13. April 2002

"Exponiert wird stattdessen durchgängig und im letzten Aufsatz der Sammlung 'Wie steht es mit dem Willen Allahs?' dann explizit eine hoch raffinierte Mogelei, die (aufgewiesen am 'Kamelogramm' des 12. Kamels) zeigt, dass die Theorie der Systeme etwas gibt (eine Gabe), die in Anspruch genommen, die benötigt wird, die alles andere ermöglicht - eine Gabe jedoch, die nie gegeben ist. Stärker noch: Es wird vorgeführt, dass diese Mogelei immer Moment der Weltbeobachtung ist, sobald Sinn und Bedeutung im Spiel sind." Peter Fuchs, Bescheidenheitsanleitung, In: Frankfurter Rundschau, 27. April 2002

"Nach dem Willen Allahs gefragt, kann Baecker also ohne schlechtes Gewissen die Grenze zwischen Kommunikation und Bewusstsein überspringen, in Allahs Bewusstsein schauen und antworten, dass dieser die Mogelei und den Einsatz von Kamelen dann befürwortet, wenn sie der Gesellschaft und ihrem Modus der Ausdifferenzierung dienen. Und ein ähnliches Urteil lässt sich über "Wozu Systeme?" und die Systemtheorie allgemein fällen: Mogeln erlaubt, solange es neues Nicht-Wissen produziert." Jens Kiefer, Professionelles Mogeln für Systemtheoretiker, in: Literaturkritik.de 5, 01 (Januar 2003)

Terror im System, 2002
"Die Botschaft dieser Deutungen ist ziemlich offensichtlich. Man erntet, was man sät. Damit ist nie eine Rechtfertigung des Terrors gemeint, aber eine Erklärung seiner inneren Verwobenheit mit den Prinzipien der westlichen Moderne." Martin Hartmann, Riesenschnecke auf Nummer Sicher. In: Frankfurter Rundschau, 9. September 2002

"In diesem Sammelband wird Terror konsequent als 'Angriff im System' gedacht. Das ergibt mitunter prima facie überraschende Befunde, zeigt sich schließlich der Sache aber angemessener und ist vor allem zukunftsträchtiger." chb in Mittelland Zeitung (AZ Weekend), 7. September 2002

"So geht es in der Analyse 'Terror im System' auch weder um konkrete Personen wie Präsident Bush oder Osama bin Laden, noch um abstrakte Schuldzuweisungen an ein Konstrukt 'Gesellschaft'. Es werden vielmehr in mühevoller Kleinarbeit die oft sehr feinen Vorgänge herausgearbeitet, die uns Einzelmenschen mit Systemen verbinden und Systeme untereinander ebenfalls miteinander verschränken." tj in www.literaturtipp.com/rezensionen/terrorImSystem. html 09/2002

"Dabei stellt sich heraus: Auch der Westen hat seine Lektion noch immer nicht gelernt, insbesondere wo es darum geht, die eigene Rolle in der Dramaturgie dieses Anschlags angemessen zu bewerten und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dafür liefert das Buch mit Autoren verschiedener Kulturwissenschaften nun wertvolle Hinweise, gerade an die Adresse der USA, die zur Zeit einen neuen Krieg gegen Irak vorbereiten." Transfer: Wissenschaft im Ruhrgebiet, Heft 4/2002, S. 27

"(…) anregend, aber wegen der Ausrichtung an Niklas Luhmanns Systemtheorie nichts für Uneingeweihte." Georg Leisten, Politische Bücher: Analysen zum 11. September, Südwest Presse, 14. September 2002

"Denn auch die Antwort auf die Gewalt, ob unbedacht oder bedacht, kann ebenso schrecklich sein wie diese selbst." Steffen Kugler, Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (Universität Hamburg), 2/2002

"Der Fundamentalismus wird als Reaktion auf den Ausschluß der Konsum- und Kommunikationslosen aufgefaßt, die Kraft einer 'logic of excluding the excluders' Funktionsschwäche in Sinnstärke verwandelt. Der Terror im System folgt der Logik des Lyotardschen Widerstreits, der in diesem Fall die Fortsetzung der Kommunikation mit den Mitteln des Abbruchs ist ('ein <und>, das gleichzeitig ein <nein> ist'). Die durchaus anregenden Beiträge des Bandes wären allerdings noch lesenswerter gewesen, wenn sie auf den meistens unnötigen systemtheoretischen Ballast verzichtet hätten, der hier professions- und profilbedingt dazu gehört." Peter Imbusch, Sammelrezension zur Literatur über den Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001, Journal für Konflikt und Gewaltforschung 2/2002, S. 142-158

"(…) zusammengenommen, lassen sich die Aufsätze lesen als Skizzen zu einer multiskalar konzipierten systemtheoretischen Erklärung von 'Nine Eleven’. Dies macht den Band für Geographen inhaltlich und methodisch relevant. (…) In ihrer Gesamtheit machen die Beiträge die außerordentliche Komplexität der Zusammenhänge und die Vielfalt ihrer Interpretation unmißverständlich klar. Es gibt dafür weder einfache Erklärungen noch einfache Lösungen.” Heiner Dürr, Buchbesprechung, in: Erdkunde: Archiv für wissenschaftliche Geographie 58, Nr. 1 (2004), S. 82-83

"Wenn mit diesem Band die empirische wie sozialtheoretische Relevanz der Systemtheorie demonstriert werden sollte, dann ist man gut beraten, auf die Zukunft der Systemtheorie nicht allzu hohe Wetten abzuschließen.” Wolfgang Knöbl, Krieg, "Neue Kriege” und Terror: Sozialwissenschaftliche Analysen und "Deutungen” der aktuellen weltpolitischen Lage, in: Soziologische Revue 27 (2004), S. 186-200, hier: S. 197 (unter der Zwischenüberschrift: "Der krampfhafte Zwang zur soziologischen 'Deutung’ von Krieg und Terror: Simon, Baecker/Krieg/Simon, Baudrillard, Hondrich”)

"Wenn man ohne Kenntnis einer Sache über diese selber etwas sagen will (…)." Friedhelm Neidhardt, Review Essay Zur Soziologie des Terrorismus, in: Berliner Journal für Soziologie 14 (2004), S. 263-272

Archäologie der Arbeit, 2002
"Für die Kunst postuliert Dirk Baecker, dass sie sich durch die Möglichkeit auszeichne, das kommunizierbar zu machen, was im Arbeitsalltag unkommunizierbar bleibt: nämlich die relative Blindheit, auf die sich einlassen muss, wer etwas produzieren will. Der Erfolg dieser ästhetischen Operation wäre dann jedenfalls kein Mythos und kein Bild positiver oder negativer Verhältnisse; eher schon eine Ahnung davon, wie Bilder, Mythen und Praktiken diese Verhältnisse strukturieren – und welche Freiheitsgrade dabei im Spiel sind." Michael Hauffen, Kunstforum International Bd. 162, Nov.-Dez. 2002, S. 411

"Ein Buch, das anspruchsvoll erzählt und im besten Sinne unterhaltsam und zugleich schwierig ist. Von dem der Herausgeber selbst in der Einleitung sagt, dass die verschiedenen Beiträge sich zueinander eher in einem spielerischen Verhältnis befinden. Ein in vielerlei Hinsicht interessantes Buch, das aufgrund seiner Heterogenität eben auch heterogene Einsichten vermitteln will und dies auch tut. Dirk Baecker hat mit 'Archäologie der Arbeit' ein interessantes und spannendes Buch herausgegeben. Dieses Urteil gilt auch dann, wenn der Leser nicht alle impliziten Wertungen teilen möchte." Arbeit und Sozialpolitik 9-10/2002

"Baecker hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kategorie 'Arbeit' wieder (und ausdrücklich jenseits der Industriesoziologie) zu einem Instrument der Gesellschaftstheorie zu machen. Die 'Arbeit in Gesellschaft' müsse man zum Thema machen, 'weniger die Arbeit als solche'. Diesen Gedanken sollte man ernst nehmen; es ist zu wünschen, dass viele ihm folgen werden. Sein eigener Band löst das Versprechen in Form eines programmatischen, divergenten Manifests zum großen Teil ein." Jörn Ahrens, Auf der Suche nach der verlorenen Arbeit, in: Vorgänge: Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik Nr. 161, 2003, S. 138-139

"Wenn auch die Autoren ihren Gegenstand von den verschiedensten Blickwinkeln angehen, ihn scheinbar willkürlich aufgreifen und wieder fallenlassen, ähnelt ihr Handwerkszeug in der Regel weniger den Grabbeinen der Maulwürfe, sondern eher den präzisen Begriffswerkzeugen der Soziologie. Auf eminent gelehrte Weise bringen die Autoren die allgemeine Ratlosigkeit gegenüber der Zukunft der Arbeit auf den Punkt. In jedem Falle verlangen sie ihren Lesern eine Arbeitsanstrengung ab: die des Verstehens." Hans von Seggern, in: Zeitschrift für KulturAustausch, Heft 1/2003

"Wie Archäologen nach Spuren der Vergangenheit, suchen die Autoren des von Dirk Baecker herausgegebenen Buches nach der Arbeit. Sie gehen allerdings nicht, wie es heute meist üblich (und auch notwendig) ist, der Frage nach, wo neue Arbeitsplätze herkommen, sie nehmen verschiedene Ausprägungen und Erscheinungsformen von Arbeit unter die Lupe.” bas, Das Ende der traditionellen Arbeit: Acht Autoren wollen den Sinn der Arbeit wiederfinden, VDI Nachrichten, 7. November 2003

 Kopfhörer, 2003
"Der wie immer ziemlich kluge Dirk Baecker, neben Peter Fuchs einer der profiliertesten Systemtheoretiker Luhmann'scher Prägung, entwirft, leider ein wenig am Thema vorbei, eine spannende, aber zugegeben nicht ganz einfache 'Kognitionstheorie der Musik'." Michael Saager, Intro (www.intro.de), 14.04.2003

"(…) wo Baeckers Diskurs bloß schillert (…)."Oliver Karnik, Büchermarkt, Deutschlandfunk, 25. Juni 2003

Vom Nutzen ungelöster Probleme, 2003
"Irgendwo dort hinten, im unwegsamen, beseligenden Grenzgebiet, in welchem sich romantische Theorie und Systemtheorie schneiden, hat Dirk Baecker sein Zelt aufgeschlagen. Der Luhmann-Schüler, Soziologe und Nationalökonom, lehrt in Witten/Herdecke, schreibt in Callots Manier mit heißem Herz und kühlem Kopf Bücher über das "fremde Zauberreich" (E.T.A. Hoffmann) des Unternehmens, ist als reisender Enthusiast dem Seltsamen und Tollen der Managementphilosophien auf der Spur, Zwischenberichte gab er in seinen Büchern "Postheroisches Management" oder "Organisation als System" oder "Wozu Kultur?". Alexander Kluge hat in seinen Fernsehsendungen Baecker mehrfach interviewt, die verschriftete Form dieser Gespräche liegt jetzt - ebenso lesbar wie inspirierend - als Bändchen des Merve Verlags vor. Baeckers Interesse gilt dem Thema des Scheiterns, er spricht und schreibt gegen die theoretische Herabsetzung dieses Motivs als "Blamage" an. Zwar habe das Mantra der Managementphilosophie der neunziger Jahre gelautet: "Mach mehr Fehler und mach sie schneller, denn woraus sonst willst du etwas lernen!" (Tom Peters). Aber das sei immer noch sehr defensiv gemeint gewesen. Die entsprechende Literatur habe sich nach wie vor an den Erfolgsfaktoren des Managements orientiert. Über das großartige Scheitern von großartigen Unternehmen gebe es leider nichts Ausführliches. Doch nur wenn man lerne, die Seite des Erfolgs und die Seite des Scheiterns als die beiden Seiten desselben Unternehmens zu begreifen, könne man es bei seiner Leistung wirklich beobachten. Wie das? Baeckers Prämisse ist eine evolutionstheoretische: Ein Konzern, eine Ehe, eine Schlacht oder eine Wahrnehmung sind nur möglich, weil sie immer wieder von neuem versuchen, Probleme zu lösen, die nicht zu lösen sind. Entsprechend ist die Frage nicht die nach dem geraden Weg zum "Erfolg" (letzterer bleibt, welche Parameter zu seiner Messung man auch einführt, stets eine abstrakte Größe). Die Frage ist vielmehr, "mit welchen theoretischen Mitteln man sich der Bewältigung eines alltäglichen Lebens nähern kann, das seine Fortsetzung aus der Summe kleineren und größeren Scheiterns gewinnt". Dabei knüpft Baecker - ob im einzelnen mit Heinz von Foerster, Luhmann oder Godard - durchweg an die alte Therapeutenweisheit an, wonach Probleme eher zu pflegen als zu lösen sind, denn dann wisse man wenigstens, woran man sei. Auf dem krummen Weg zum Erfolg, den Baecker bereist, wird die Firma konsequent unter dem Aspekt ihrer unwahrscheinlichen und nur so erfolgreichen Reproduktion erkundet." Christian Geyer, Mehdorns Theoretiker, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2003, S. 34

"'Vom Nutzen ungelöster Probleme' - wer könnte berufener sein, darüber zu räsonieren, als ein Produzent von sympathisch abseitigen Fernseh-Unterhaltungen wie Alexander Kluge und der Systemtheoretiker und Management-Philosoph Dirk Baecker?" Jedoch "beschleicht einen bei der Lektüre des Bandes das Gefühl, dass die Systemtheorie ihre beste Zeit hinter sich hat. Ihre Vorliebe für Paradoxien und kontraintuitiven Theorieaufbau hat inzwischen etwas eigentümlich Eingefahrenes. Hinzu kommt, dass das Vertrauen in die Selbstorganisation sozialer Systeme heute gerade hinsichtlich des Wirtschaftssystems verloren gegangen scheint." Marco Stahlhut in: Literaturen 06/2003, S. 87

"Wie unterschiedlich Kommunikation sein kann, besprechen Baecker und Kluge anhand der Beziehung zwischen Luhmann und Habermas. Zwischen ihnen, meint Baecker, bestand eine 'Verbundenheit über interaktionsfreie Kommunikation'. Mit jeder Veröffentlichung bezogen sie sich auf den anderen, ohne doch je in direkte Interaktion zu treten. 'Beide waren ja grundsätzlich außerordentlich höfliche Menschen, aber in ihren Schriften konnten sie doch auch sehr bissig werden.' Demgegenüber praktizieren Baecker und Kluge die perfekte kommunikative Anschlussfähigkeit. Das ist ein wahrer Lesespaß, nicht nur zwei sich intellektuell so gewachsenen Denkern folgen zu dürfen, sondern auch die Komik nachzuvollziehen, die in den überaus höflichen, hochabstrakten Gesprächen zum Vorschein kommt. Ein einziges 'Nein' auf eine Frage Alexander Kluges wird man finden. Ansonsten lässt sich alles denken, alles sagen - oder schon längst wieder um eine neue Ecke herumspähen. Das ist teils originell, teils kühn, manches Mal sogar informativ. Zumindest wahnsinnig unwahrscheinlich und nur durch den Großteil der gemeinsamen Lektüre verständlich." Gustav Mechlenburg, "Höfliche Problemgespräche", in: www.literaturkritik.de, Nr. 7, Juli 2003

"Vom Nutzen ungelöster Probleme, eine Sammlung von Gesprächsprotokollen, vor einigen Wochen bei Merve erschienen, ist in diesem Sinne vor allem Anleitung und Einführungslektüre: Wer Kluge und Baecker bereits kennt und schätzt, wird hier nur bedingt Neues erfahren (was, wie bei einer guten Talksendung, den Unterhaltungswert nicht mindert). Andererseits bildet das unprätentiös edierte Büchlein eine Kreuzung, wenn man so will, an der sich weniger informierte Leser infizieren können (…). cp, Anregungen zu erhöhtem Unterscheidungsvermögen, in: Der Standard, 9. August 2003, S. ALB 5

Kapitalismus als Religion, 2003
Platz 2 der Sachbücherbestenliste des Monats August 2003, zusammengestellt von der Süddeutschen Zeitung und dem Norddeutschen Rundfunk

"'Die Verheißung absoluten Reichtums', 'Die Diabolik der Erlösung und die Symbolik des Geldes' oder 'Geld und Geist' sind vielversprechend die Beiträge der deutschen, russischen und amerikanischen Professoren überschrieben. Doch dann puppen sie ihre Erkenntnisse ein in eine wissenschaftliche, weitgehend unzugängliche Fachterminologie. Öffentliche Diskussionen lassen sich so nicht entfachen. Dabei wäre der perspektivisch geschulte distanzierte Blick kluger Beobachter angesichts der tiefgreifenden Transformationen in den meist glaubensfernen, säkularen Gesellschaften des Westens sowie im Zuge einer neu belebten Religiosität in Mittel- und Osteuropa heute wichtiger denn je zuvor. Kann Seelenheil denn tatsächlich jemals vom Haben-Saldo aufgefangen werden?" Alexander Kluy, Die Abhängigkeit des Seelenheils vom Kontostand, in: Financial Times Deutschland, 12. August 2003, S. 28

"Der in Witten/Herdecke lehrende Soziologe Dirk Baecker hat Vertreter verschiedener Disziplinen mit Benjamins Text konfrontiert und die Ergebnisse in einem spannenden Sammelband publiziert. (…) Nimmt man die Analysen des Sammelbandes ernst, dann dringt aus ihnen der Ruf nach einer Ressourcenkontrolle. Bei ihr könnte sich herausstellen, dass die Reserven von Religion und Kapitalismus gleichermaßen erschöpft sind." Thomas Meyer, Im freien Fall: Kapitalismus als Religion: Ein gelungener Sammelband, in: Süddeutsche Zeitung, 13. August 2003

"Nach dem Sammelband 'Archäologie der Arbeit’ widmet sich der kleine, aber feine Kulturverlag Kadmos wieder einem unmittelbar einleuchtenden und doch im allgemeinen marginalisierten Thema. 'Kapitalismus als Religion’, großartiger Titel, wichtiger Gegenstand, versammelt rund um Walter Benjamins gleichnamiges Fragment Beiträge, die dem Verhältnis von Religion und Kapitalismus auf den Grund gehen. (…) Neugierig bleibt man nach diesen vielen und vielschichtigen Perspektiven dann noch darauf, warum und an welcher Stelle der Kapitalismus etwas anderes sein könnte als Religion. Wir freuen uns aus diesem Grund schon auf den nächsten Sammelband bei Kadmos.” Mercedes, in: De:Bug: Monatszeitschrift für elektronische Lebensaspekte 74, September 2003

"Man kann versuchen, mit Hilfe der Systemtheorie aufgrund der 'Formähnlichkeiten von Gott und Geld’ (…) aus der Heillosigkeit des Rätsels Kapitalismus Organisationsprinzipien für eine neue Zivilreligion zu gewinnen. Doch das scheint wenig erfolgversprechend. Die Systemtheorie erhebt sich damit nur zur Scholastik der kapitalistischen Produktionsweise, geht aber so am eigentlich Skandalösen der Benjaminschen These vorbei.” Andreas Hahn, Gläubige Gläubiger, in: junge welt, 8. Oktober 2003

"Am Ende der langen Erzählung über die Verbesserung der Welt angekommen, scheinen wir es alternativlos nur noch mit der Grundfigur der Ökologie zu tun zu haben: mit dem 'immer wieder neu unternommenen Versuch, aus Situationen Gewinne zu ziehen (ein 'Kapital’), die sich in anderen Situationen produktiv einsetzen lassen.’ Mit dieser Definition versucht Dirk Baecker in einem Diskursbuch über Kapitalismus und Religion dessen Grundmuster zu beschreiben. Es ist die illusionslose Definition gesellschaftlicher Antriebskräfte, die von der untersten Ebene biologischer Existenzen, den sich replizierenden Zellen, kaum mehr zu unterscheiden sind, und von denen naturgemäß einige bessere Gewinne erzielen als die anderen. Gegen derlei naturgeschichtliche Invarianz hilft keine Utopie (…).” Arnulf Marzluf, Die Schuld der Schulden, in: Weserkurier, 23. Oktober 2003

"Dirk Baecker, der Herausgeber des Bandes, reklamiert in seinem Vorwort, dass sowohl die Religionen als auch der reale Kapitalismus nur enttäuschte Heilserwartungen hervorgebracht hätten. Nach einem Jahrhundert realisierter Heilserwartungen in den verschiedenen politischen Religionen des 20. Jahrhunderts sollte auf das säkulare Heil verzichtet werden.” Michael Ley, Moderne Gnosis, in: Die Furche, 20.November 2003

"Wäre das Buch benutzerfreundlicher geschrieben, so lieferte der Versuch, die gegenwärtige Wirtschaftslogik als fundamentalistische Religion zu betrachten, (…) äußerst originelle Einsichten. Leider aber schreiben die renommierten Philosophen nicht für Leser mit weniger Vorwissen als sie selbst, sprich für ein breiteres Publikum. Somit verweigert sich dieser Band dem einfachen Konsum und könnte damit immerhin erfreuliche Rückschlüsse auf einen noch wenig ausgebildeten Konsumwahn in Mitteleuropa zulassen.” G. S., Gelehrten-Branding? In: umwelt & bildung, Heft 4, Dezember 2003

"Die Autoren entwickeln ein Reflexionsmodell, in dem der Religion selbst die Aufgabe zukommt, die letztlich zerstörerische Selbstbezüglichkeit des Kapitalismus aufzubrechen. (…) Es fragt sich allerdings, ob hier nicht auf eine romantisierende Vorstellung zurückgegangen wird.” Matthias Wolfes, Kapitalismus als Religion, in: Zeitschrift für Pfarrerinnen und Pfarrer 104, Nr. 1, Januar 2004

"Der Wittener Soziologe Dirk Baecker gehört längst zu den originellsten Theoretikern der Bundesrepublik. Ohne falsche Scheu äußert er sich auch zu scheinbar Nebensächlichem – etwa dem Dosenpfand. Nun ist er aus Herausgeber des Bandes 'Kapitalismus als Religion’ hervorgetreten. (…) Gerade die Sammlung der Indizien, die Entdeckung von Analogien und Ähnlichkeiten lässt die Dinge mit wachsender Unentschiedenheit klarer werden, formuliert Baecker.” Robert Misik, Kredit und Credo: Ist der Kapitalismus eine Religion? Das Publikum jedenfalls glaubt an ihn und treibt den Götzenkult, in: die tageszeitung, 31. Januar / 1. Februar 2004, S. 23

"Das ist wohl nicht deskriptive Soziologie genug, um sich nicht am erzdeutschen apokalyptischen Ton der eigenen Diagnose mitschuldig zu machen, selbst wenn Baecker eine von Foerstersche Exponentialkurve zu Hilfe ruft. So kommt es zu dem Missverständnis, wie Benjamin selbst Prophet zu spielen, statt eine alte Prophezeiung mit neuen Mitteln zu deuten. Solle Bolz’ abschließendes Diktum, es gäbe keine Grundwissenschaft, nicht auch für die Soziologie gelten? (…) Die Einsätze sind hoch, die offene Frage aber bleibt, ob Religion ein definierbarer Gattungsbegriff ist und Kapitalismus eine historische Singularität, die als solche Benjamins Grundannahme der innerhistorischen Unentrinnbarkeit bestätigte. Aber vielleicht ist es an der Zeit, eine Typologie des Kapitalismus ins Auge zu fassen; und es ist doch erstaunlich, dass der vor allem in aktueller Wirtschaftssoziologie firme Baecker und seine Autorenriege dies hier nicht unternommen haben.” Katherina Zakravsky, Vom Kapitalismuskult zum Erwähltenbund und zurück: Über einen neuen Sammelband von Dirk Baecker, in: Texte zur Kunst, Nr. 53 (März 2004), S. 152-154

"Das der Kapitalismus die Zertrümmerung des Seins leisten werde, daran glaubt keiner der Autoren so recht. Aber dass die Protestmacht von Religion niemals nur ein innerreligiöses Ereignis ist, darin sind sie sich einig.” Caroline Neubaur, Händler im Tempel des Herrn, Literaturen, April 2004

"Ziel des in der Reihe 'Copyrights' erschienenen Bandes sei es, 'herauszufinden, ob uns unsere Kopierverfahren nicht längst in die Irre führen'. Selbstverständlich gibt es für ein solches Vorhaben kein besseres Objekt als die Texte Walter Benjamins. Denn das, was die "Reproduktion" des Benjaminschen Fragmentes freilegt, scheint sich zumindest der diesbezüglichen Theorie des Denkers selbst hartnäckig zu widersetzen: Der von ihm geschriebene Text ist in der Art, wie ihn der Kulturverlag Kadmos präsentiert, sowohl deutlicher an das 'Hier und Jetzt' gebunden als auch 'auratischer' als er es zu den Zeiten seiner Niederschrift gewesen ist." Johannes Thumfart, Rezension in: Die Berliner Literaturkritik, 23. Juni 2004

"Der Systemtheoretiker Dirk Baecker hat Benjamins Fragment zum Anlass eines Sammelbandes genommen, der diesem Kultus auf die Schliche kommen will. "In God we trust" prangt auf dem Dollar, Schuld und Schulden sind etymologisch verwandt, und Gott und Geld bilden ein Duo infernale. Die Essays in diesem Buch, die sich mit Benjamins Gedankenexperiment beschäftigen, offenbaren vieles an der religiösen Grundierung des Kapitalismus, ob es nun um mythologische Abbildungen auf Banknoten oder die Geschichte der Wirtschaftsethik geht. Ob allerdings die Implikation der Herausgebers zutrifft, ist die Frage. Baecker schreibt: "Wenn der Kapitalismus eine Religion ist, dann hat er in jenem Sinne Geist, als dass ihm das Bewusstsein einer Transzendenz, einer Undurchschaubarkeit, einer Unberechenbarkeit eingeschrieben ist." Mario Scala, Arbeiten, Konsumieren, Ausgrenzen, in: Der Freitag, 5. November 2004

Organisation und Management, 2003
"Der Autor ist der wohl profilierteste Denker, der die Organisationstheorie in den letzten Jahren auf der Basis des Denkinstrumentariums der neueren Systemtheorie, wie sie vor allem von Niklas Luhmann eindrucksvoll entfaltet worden ist, weiterentwickelt hat. Er operiert dabei gekonnt wie kein anderer mit den differenztheoretischen Erkenntnismitteln eines George Spencer Brown, die ihm in der Auseinandersetzung mit dem sozialen Phänomen Organisation in seiner Einbettung in aktuelle gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge immer wieder ganz überraschende und auch für den Praktiker höchst relevante Einsichten vermitteln." Rudi Wimmer, Rezension in: Organisationsentwicklung Heft 3, 2003

"Diese 'schöne neue Welt’ - ein permanentes Provisorium - überfordert alle Beteiligten. Auch die Manager und die Berater wissen kaum noch, was sie tun sollen. Das macht aber nichts, weil - so Baecker - 'die Organisation weiß, was das Management nicht weiß.’ Diese 'revolutionär neue Einsicht’ vertraut darauf, dass die von der Hierarchie entbundene Kommunikation einen Selbstorganisationsprozess in Gang setzt, dem die Systemtheoretiker Intelligenz zuschreiben - die Organisation lernt - und dem die Manager am besten dienen, indem sie ihn zur Entfaltung kommen lassen. Dazu müssen sie laut Baecker eher 'Nein’ als 'Ja’ sagen. Das hält Möglichkeiten offen und stösst Variationen an. Wohin das führt, weiß keiner. Baecker ist sich lediglich sicher, dass die Selbstorganisation kaum technisierbar ist und ungeahnte Komplikationen aufwirft." Helmut Klemm, Friseure machen Haarakiri: Der Soziologe Dirk Baecker verwandelt das Management in ein intellektuelles Abenteuer, in: Rheinischer Merkur, 12. Februar 2004

"(…) ist die mangelnde Ergebnisorientierung der Mehrzahl der Beiträge und des Bandes eine Enttäuschung. Die abstrakte und genialisch anmutende Darstellung der Überlegungen stellt hohe Anforderungen an ihr Publikum, doch ist nicht immer in der Lage, die Leseanstrengungen zu belohnen. Kaum faltet sich die Komplexität des Argumentes für einen Moment zusammen, entfächert sie Baecker im nächsten Moment schon wieder und nicht immer ist transparent, warum. Gerade wegen der ersichtlichen begrifflichen Manövrierfähigkeiten des Autors vermisst man eine deutlichere Entwicklungsrichtung der Argumente. Baecker ist nicht der Gutenberg der Organisationssoziologie – schade ist, dass er es nicht zu sein versucht." Hendrik Vollmer, Bereichsrezension Organisationssoziologie. In: Soziologische Revue 27 (2004), S. 245 ff., hier: S. 246

Terrorismus, oder die Politik der Gesellschaft, Vortrag 2004
"Müllers zynisch klingender Sound hat sich indessen bisweilen verselbständigt, worauf der Soziologe Dirk Baecker hinwies, als er sich der Freude an "Heinermülleriaden" verweigerte und ausdrücklich seinen Befund bedauerte, daß der Terrorismus die dem System der Politik notwendige Negation des Systems sei - aber so sei es nun einmal." Mark Siemons, Heinermülleriaden: Antonio Negri versetzt Berlin in Trance, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Januar 2004, S. 34

" Dirk Baecker ging in seiner Analyse der Feind-Konstruktionen einen Schritt weiter. Er interpretierte den Terroranschlag als einen Akt der Interaktion. An Niklas Luhmann anknüpfend, formulierte Baecker die Vermutung, dass jedes System, auch das System der Politik, zur Selbstreproduktion seine eigene Negation mitproduzieren müsse. Diese Frage nach der Funktion des Terrors hätte dem Carl-Schmitt-Leser Heiner Müller gefallen. Was Luhmann als Soziologe vermutet, hat Schmitt in seiner politischen Theologie auf eine paradoxe Formel gebracht: 'Der Feind ist die eigene Frage als Gestalt.'" Peter Laudenbach, Wo die Toten kämpfen, in: Tagesspiegel, 12. Januar 2004

"(…) am Nachmittag sprach der Systemtheoretiker Dirk Baecker, wie gewöhnlich klar und mit angenehmer Stimme, über 'Terrorismus oder die Politik der Gesellschaft'. Es ging unter anderem darum, dass ein System erst vollständig sei, wenn es seine Negation enthalte; dass zur Vervollständigung unseres Gesellschaftssystems also der Terrorismus gehört, der das Gewaltmonopol des Staats angreift." Detlef Kuhlbrodt, 10 Bier und du fliegst raus, in: die tageszeitung, 13. Januar 2004, S. 18

Wozu Soziologie? 2004
" Baecker enthält sich klug aller Reizbegriffe - seine Analysen jedoch sind oft explosiver als die Rhetorik offizieller Klassenkämpfer.  Es ist gerade der lakonische Ton, mit dem er skandalöse Sachverhalte einfach nur benennt - auch im öffentlichen Verhältnis der Geschlechter oder der Medien zur Demokratie zum Beispiel -, der ihn auch für die Adressaten akzeptabel macht.  Wozu Soziologie?  Als trojanisches Pferd?" Eike Gebhardt, Rezension im Deutschlandfunk, Büchermarkt, 16. April 2004, 16:10 Uhr

"Wissenschaftlich unaufgeregter Ton - skandalöse Entdeckungen." "(…) die wahre Antwort auf die Titelfrage 'Wozu Soziologie?' heißt denn wohl auch: zur Verehrung von Niklas Luhmann." Gustav Mechlenburg, Danke Luhmann: Zu Dirk Baeckers Aufsatzsammlung "Wozu Soziologie?", literaturkritik.de, Nr. 8, August 2004

"Der Theoretiker muss, neben seiner Theorie, auch noch das historisch vorbildlose Genre eines hoch differenzierten 'Theorie-Marketings' - für zahllose unterschiedliche Zielgruppen - erfinden. Listig geworden, wird Soziologie zu einer ziemlich stressigen Angelegenheit. Und zu einer permanenten Gratwanderung zwischen den eigenen Ansprüchen an die Entwicklung komplexer Theorie und an ihre möglichst attraktive Präsentation. Man kann nur bewundern, welches Geschick Dirk Baecker in der Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung mittlerweile entwickelt hat." Carsten Zorn, Seid listig, Soziologen! in: die tageszeitung, 23. August 2004, S. 15

"Was sich insgesamt herausschält, ist die zunehmende Gewissheit, dass sich mit den hier angewendeten Methoden auch vertrackte soziale Zusammenhänge aufklären und in einem neuen Licht sehen lassen. Und wie sich immer wieder herausstellt, sind alle sozialen Phänomene letztlich vertrackt. Mit vorgefassten Urteilen kommt man da nicht weit, weshalb sich die Stärke dieser Theorien immer erst dann erweist, wenn man sie aufs Spiel setzt. Darin sind sie übrigens auch künstlerischen Strategien verwandt, die nur in dem Maß funktionieren, wie es ihnen gelingt, jede vorgegebene Funktion des Kunstwerks zurückzuweisen." Michael Hauffen, in: kunstforum

Poker im Osten, ein Festival 2005
"Wenn überhaupt, dann bekommt der Titel des Festivals "Poker im Osten", mit dem das HAU seine Theater-Saison startet, in dieser kurzen Treuhand-Vampirade von Hans-Werner Kroesinger einen Sinn. Damals wurde gepokert zwischen Ost und West, schreibt der Soziologe Dirk Baecker, aber "der Bluff bestand darin, undurchschaubar zu machen, dass der Osten gar keine Karten in der Hand hatte". Die Bluffs sind mittlerweile deckungslos, die Einheitsenttäuschung groß und eine Abschaffung der ökonomischen Ungleichheit nicht in Sicht. Darin schien sich ein unverständlich einseitig besetztes Podium mit den Soziologen Dirk Baecker und Wolfgang Engler und dem Dauerbrenner Jens Bisky gleich zu Beginn der Theater-Themenschau einig. Und während die Herren umweltblind auf der Bühne saßen, von der Gefahr des Abdriftens sprachen und der Notwendigkeit, ohne Arbeit "das Leben selbst als Beruf" zu begreifen (Engler), aber auf die Frage, wie sich das alles mit Kunst verbinde nur vorschlugen, darüber müsse sich das HAU Gedanken machen, da sehnte man sich nach der eigenen Abdrift. Eine überflüssigere Inzestveranstaltung, die nur in das eigene Diskursgewusel bläst, ist kaum denkbar." Doris Meierhenrich, Sturm im Diskursgewusel, in: Berliner Zeitung, 26. September 2005

"In Irland erzählt man einen Witz, der geht so: Ein Wanderer trifft auf einen Bauern und fragt: 'Wie komme ich nach Dublin?' Sagt der Bauer: 'Don't start from here.' Unter Soziologen, berichtet der Soziologe Dirk Baecker, erzählt man sich diesen Witz gerne, um den europäischen Transformationsprozess auf den Punkt zu bringen. Schließlich ging es dem Osten 1989 nicht anders, als er hungrig Richtung bunte Lichter drängte. Da schaute der Markt auf die Überreste des eben noch real existierenden Sozialismus und all die Moonwashed-Jeans auf dem Ku'damm und raunte: 'So nicht.' Weil es dem ehemaligen Osten aber kraft seiner Natur nicht vergönnt war, etwas anderes zu sein als der ehemalige Osten und er sich nicht durch Zeit und Raum in die westdeutsche Gegenwart hätte beamen können, war auch das Projekt Vereinigung im Wesentlichen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. 'Poker im Osten' heißt eine Veranstaltungsreihe im Hebbel am Ufer, zu deren Eröffnung am Wochenende eine Podiumsdiskussion gleichen Titels stattfand. Im Verein mit dem Soziologen Wolfgang Engler, SZ-Redakteur Jens Bisky und taz-Redakteur Uwe Rada versuchte Baecker hier den Stand der Dinge im Jahr 15 der deutschen Einheit auszuloten. Wobei 'Stand' das richtige Wort ist: Folgt man Baecker, sind wir seit 15 Jahren vor allem damit beschäftigt, herauszufinden, wie wir unsere Wende-Vorstellungen korrigieren können. Auch Bisky diagnostizierte wenig praktischen Fortschritt: Der Ostler sei '89 zum zweiten Mal Objekt eines staatlichen Beglückungsprogramms - nun eben im Zeichen des Kapitalismus - geworden, hätte aber zwischenzeitlich feststellen müssen, dass man ihn dafür nicht brauchte. Eine deutsch-deutsche Annäherung machte allein Engler aus - schließlich sei die Frage 'Wie führe ich ein Leben, das mir sozial zu entgleiten droht?' bald überall beherrschend." Christiane Kühl, Die Einheit steht still, in: die tageszeitung, 27. September 2005, taz Berlin lokal, S. 25

"Etwas näher am Vereinigungsthema blieb der Soziologe Dirk Baecker, dessen Buch Poker im Osten dem Festival Titel und Fassung verliehen hatte. Baecker konstatierte eine verquere Transformation. Leitbild sei der Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus gewesen. Doch waren die Beschreibungen, die in Wissenschaft und Politik über den Sozialismus kursierten, unzureichend. Sie wurden erst in der Folgezeit aktualisiert, das heißt der Ausgangspunkt der Reise wurde sukzessive verlagert. Zielvorstellung der Politiker war der "alte", nationalstaatlich verfasste Kapitalismus. Der geriet unter den Zumutungen der globalisierten Gesellschaft jedoch ins Schlingern und so aus dem Visier. Laut Bolz allenfalls ein Übergangsobjekt, zum Knuddeln und Tränen auffangen geeignet. Leider hatten Baecker und Kollegen von dem, worüber sie eigentlich sprechen wollten, kaum mehr als Ahnungen anzubieten. Eine "Drift der sich selbst organisieren müssenden Akteure" sah Wolfgang Engler. Baecker forderte, erst die Ressourcen zu bestimmen, mit denen man sich in der Weltgesellschaft behaupten könne. Statt Staaten und Städten gehe die Entwicklung zu sich überlagernden Netzwerken und Projekten." Tom Mustroph, Imaginäre Teddybären, in: Frankfurter Rundschau, 28. September 2005

Schlüsselwerke der Systemtheorie, 2005
"Der disziplinübergreifende Charakter systemischen Denkens wird durch die vorliegende Zusammenstellung eindrucksvoll dokumentiert: die vorgestellten Titel stammen aus der Mathematik, Kybernetik, Philosophie, Biologie, Informationstheorie, Soziologie, Ökonomie und Psychiatrie. Verblüffend und begeisternd immer noch, wie in all diesen unterschiedlichen Bereichen begonnen wurde, innerhalb eines bestimmten Zeitfensters sich mit sehr ähnlichen Fragestellungen und Ideen zu befassen." Tom Levold, Neuvorstellung, in: systemmagazin.de, 28. Januar 2006

Kommunikation, 2005
"Es ist faszinierend und wunderbar dreist, wie Baecker die Größen der Philosophiegeschichte antreten lässt, um zu zeigen, wie sie nach einem Begriff der Kommunikation tasten – und scheitern. Diese Chronik des Versagens gibt dem Abriss eine narrative Struktur, die das Lesen sehr unterhaltsam macht." Daniel Völzke, Jenseits von Reden: Dirk Baecker denkt über Kommunikation nach, in: Der Tagesspiegel, 19. März 2006

Form und Formen der Kommunikation, 2005
"Baecker rechnet mit widerständigen Denkgewohnheiten. Deshalb bemüht er sich um Klarheit, bringt viele schlagende Beispiele und verdeutlicht immer wieder den roten Faden seiner Argumentation. Die Beschwerlichkeiten der Abstraktion bleiben natürlich und sorgen dafür, daß die Kommunikation offen bleibt. Mit Pop-Begriffen läßt sich eben keine sozialwissenschaftliche Theorie schreiben. Aber die Anstrengung lohnt sich. Das Buch ist ein Quantensprung. (…) Wenn Kommunikationen die kleinsten Teilchen der Gesellschaft sind, dann enthält dieses Buch eine Relativitätstheorie der Gesellschaft (…)." Gerd Roellecke So aufregend klingt Kommunikation, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2005, S. 37

"'Form und Formen der Kommunikation' ist ganz sicher keine leichte Kost. Man weiß es ja - die süßen Trauben hängen hoch. Wer sich jedoch den Herausforderungen des hohen Abstraktionsniveaus in Baeckers Buch stellt, wird reichlich belohnt. Denn Baecker eröffnet ein völlig neues Verständnis von Kommunikation, das es schließlich sogar im privaten, beruflichen und öffentlichen Umgang ermöglicht, die Chancen der Kommunikation durch die Kenntnis ihrer Regeln zu erhöhen." Matthias Eckoldt, Andere Regeln als beim Denken, Deutschlandradio Kultur, 16. November 2005, 09.34 Uhr (http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/438432/)

"Theoretisch setzt Baecker damit den Fokus auf das Potential von Kommunikation. Für die Soziologie gewinnt er damit eine Verschiebung: Seine Herangehensweise basiert nicht mehr auf einem kausalen Denken (etwas ist so, weil es so oder so kommuniziert wird), sondern auf einer offeneren Figur, die Kommunikation im Paradoxon des Unbestimmten, aber Bestimmbaren fasst (etwas ist so, weil dieser und jener Rahmen vorliegt). Ein spannender Punkt, der auch begrifflich eine aktuelle Form des Denkens fasst." Mercedes Bunz in: De:Bug: Elektronische Lebensaspekte 12, 2005, S. 53

"Baeckers Theorieuebertragung hat ihre Modellsphaere in einem weiter entfernten Gebiet. Sie orientiert sich an mathematischen Kommunikationstheorien, vor allem an George Spencer Browns Forms of Law. Baecker will die mathematische Spieltheorie mit dem konstruktivistischen Spielbegriff zusammendenken. Er formuliert dabei ein allgemeines Gesetz der Form, aus dem sich die einzelnen Formen sozialer Kommunikation ableiten lassen. Dabei ist seine Hochebene der Abstraktion durchaus reich nicht nur an klugen, sondern auch witzigen Bemerkungen. Die Reichweite der Modelluebertragung zeigt sich aber an den Formeln, die Baecker im Laufe des Buchs entwickelt und die dann am Ende noch einmal auf einer Seite zusammengefasst werden. Sie sind eine Reformulierung des Gesagten in einer anderen Sprache. Was hier aber mit viel Muehe noch einmal anders, naemlich im wahrsten Sinn des Wortes formuliert wird, bleibt letztlich folgenlos." Ruediger Zill, Zaungast, der Etikette nach, in: Frankfurter Rundschau, 7. Dezember 2005

"Die Gesellschaftstheorie, so könnte man formulieren, wird von Baecker tiefer gelegt und auf eine Grundlage mit wenigen Axiomen und Operatoren gestellt. Dass es Baecker gelingt, dies mit zum Teil verblüffend einfachen und evidenten Beispielen vorzuführen, macht das Buch für alle, die an Form Interesse haben, lesenswert. Darüber hinaus ist die Erkenntnis, dass jede Form kontingent ist, ein gutes Antidot gegen Fatalismen jeder Art." Niels Werber, Tiefer gelegte Gesellschaft, in: die tageszeitung, 10. Januar 2006, S. 17

"Tatsächlich kommt Baecker in seiner ungeheuren thematischen Breite (alles Soziale ist Kommunikation) zu manchmal originellen, manchmal aber auch zu recht vagen Ergebnissen.  (…) Eines macht Baecker aber in aller Souveränität deutlich: Kommunikationsmodelle, die mit Vorstellungen von Ursache und Wirkung, Sender und Empfänger hantieren, haben ausgedient. Darauf zu hoffen, dass diese Nachricht bei PR-gläubigen Menschen ankommt und etwas bewirkt, ist konsequenterweise sinnlos." Daniel Völzke, Jenseits von Reden: Dirk Baecker denkt über Kommunikation nach, in: Der Tagesspiegel, 19. März 2006

"(…) und wie nicht selten bei der Hegel-Lektüre oszilliert man beim Lesen des Baeckerschen Buches zwischen Neugier und Ratlosigkeit. So kommt man nur zu leicht zu dem Schluss, dass, wenn die Formen der Kommunikation so schwer zu verstehen sind, es wahrscheinlich gar nicht so wichtig ist, dass man sie versteht." zyk, Form oder Förmchen, in: Neue Zürcher Zeitung, 28. Januar 2006, S. 52

Beratungsprojekte des Lehrstuhls für Soziologie
"Am Anfang der Beratung steht dabei stets eine mathematisch anmutende Gleichung, in der ein Gleichheitszeichen und sechs rechtwinklige Haken zu sehen sind. Die Haken stehen für  Unterscheidungen, die mit einem Wert gefüllt werden müssen. Dabei helfen die Beratenen mit. Sie werden dazu gebracht, ihr Produkt, seine Herstellung, ihre Arbeitsweise und Organisationsform knapp auf den Punkt - also unter den Haken - zu bringen. Wenn das gelungen ist, hat man zwar keine Lösung für sein Problem, wohl aber eine wichtige Voraussetzung, es zu lösen: Klarheit. Alles, was das Unternehmen ausmacht, steht komprimiert und übersichtlich auf dem Papier. Kein Berater sonst arbeitet mit dieser Notation, die ihr Erfinder, der britische Mathematiker George Spencer Brown, in seinem Werk "Gesetze der Form" beschrieben hat. Bislang, sagt Baecker, sei die Gleichung immer aufgegangen." Karin Pinetzki, "Abfallprodukt der Forschung", in: Handelsblatt, 2. August 2006 ("Geisteswissenschaften")

Wirtschaftssoziologie, 2006
"The compact, partly chatty, and partly densely written book starts with the observation that the ongoing rediscovery and reestablishment of economic sociology unhappily still refrains from general theoretical ambitions. Time has come, however, to assemble the bits and pieces of recent socioeconomic research and to renew Marx' idea of developing a general social theory of the economy. But instead of reducing social structures and processes to its 'real' economic basis and of analyzing the opposition of labor and capital as the dominating fault line of modern society, Baecker proposes to make the 'paradox of scarcity communication' the starting point and recurrent theme of economic sociology." Axel Paul, Review in: Economic Sociology: The European Electronic Newsletter 8, 2 (2007), S. 43-44

"Das ist alles anregend und witzig und enthält die richtige These, dass hochentwickelte Ökonomien von einer kulturell gewachsenen Wahrnehmung abhängen. Problematisch wird es jedoch, wenn dies zu einem fast beliebig gestaltbaren Konstrukt erklärt wird, zu dem Alternativen ebenfalls einfach konstruierbar sein sollen. Die Wortwahl ist hier bestenfalls ambivalent. Hier stößt die soziologische Theorie rasch an die Grundfakten der Ökonomie. Denn das Wohlfahrtsversprechen der Ökonomie ist kein kommunikativer Trug. Die Kultur, die sie trägt, ist letztlich auch aus ökonomischen Anreizen gewachsen. Die antikapitalistischen Untertöne in Baeckers Abhandlung, die er indes durch differenzierte Betrachtungen zum Begriff der 'Klassenherrschaft' mildert, deuten darauf hin, dass hier die Theorie eine Praxis herbeireden könnte, die faktisch ruinöse Konsequenzen hätte. Dies mindert ein wenig den Wert der Theorie." Detmar Doering, Alles nur Kommunikation, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. April 2007, S. 12

Wozu Gesellschaft? 2007
"Liegt’s an mir, liegt’s am Buch? Ich weiß es nicht, aber die Luft ist raus, es wird irgendwie langweilig. Die Systemtheorie ist noch immer klug, aber ab und an wirkt sie mir ein bisschen altklug. Das Problembewusstein wissenschaftlicher Fragestellungen wirkt ungesund aufgezüchtet, die Setzungen zu voraussetzungsreich. Selbst nach zweimaliger Lektüre bleibt mir der Kunst-Aufsatz ein Rätsel und jeglicher Erkenntnisgewinn bleibt bis auf die redundanten systemtheoretischen Topoi, denen ich begegne, aus. Liebe Systemtheorie, du bist so cool, aber ich wünsch mir für die Zukunft mehr Bodenhaftung. Du bist nämlich dann am coolsten. wenn es nicht um Formenkalküle und Paradoxe geht, die nur du siehst, sondern dann, wenn dein aufgepimptes Theoriegerüst Fragen beantworten kann, bei denen andere Theorien nur nebulös danebentreffen." Jens Kiefer, Warum Wozu, www.textem.de/1400.0.html, Januar 2008

Studien zur nächsten Gesellschaft, 2007
"Baecker weiß, was er tut. Der Holzschnitt seiner Epochenbildung, der spekulative Charakter des allem zugrundeliegenden Luhmannschen Aperçus, der dann auch noch in die Zukunft extrapoliert werden soll - all diese beträchtlichen Ungewissheiten seines Zugriffs sind ihm bewusst, er kaschiert sie nicht, und er macht plausibel, dass er das, was er denken will, eben nur so und nicht anders denken kann. Daher liest sich das Buch als kluges Changieren zwischen methodischer Durchtriebenheit und unschuldiger Neugier auf die Phänomene - und dort, wo die Wissenschaftlichkeit des eigenen Projekts in Zweifel stehen mag, kann man sich immer noch seine eigene Wissenschaftstheorie zimmern, wie Baecker es in zwei der besten Beiträge des Bandes tut." Christoph Möllers, Und wenn es theoretisch mal hakt, wird er einfach brillant, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Dezember 2007, S. 36

"Obwohl der Autor ausdrücklich betont, dass es ihm 'nicht um den Entwurf einer Universalgeschichte' ginge, macht er doch praktisch etwas, was seit der postmodernen Abklärung eigentlich als unmöglich gilt: Er schreibt eine große Erzählung, die einen Bogen über vier Millionen Jahre Menschheitsgeschichte schlägt. Im Prinzip ist die großformatige Unterscheidung dieser Gesellschaftsformationen im Kontext der Systemtheorie nichts Neues, denn auch Luhmann hatte stets eine segmentäre, eine hierarchische und eine funktional differenzierte Gesellschaft unterschieden. In Baeckers 'Studien' fällt die Inanspruchnahme dieser Denkfigur aber ganz anders ins Gewicht, da sie jetzt in jedem einzelnen Aufsatz konfirmiert wird und damit auch ein detailreiches Geschichtsbild dem Leser vermittelt. Allein diese Geschichtskonstruktion macht das Buch zu einer jederzeit spannenden Lektüre." Harry Lehmann, Die Computernetzwerke der Gesellschaft, in: die tageszeitung, 19. Januar 2008, S. 22

"'Wozu Gesellschaft?' Diese Frage scheint absurd, denn wir haben ja keine Wahl. Der Titel von Dirk Baeckers Aufsatzsammlung meint jedoch etwas anderes, nämlich den Versuch, sehr unterschiedliche Phänomene unter dem Aspekt ihrer gesellschaftlichen Funktion ins Visier zu nehmen. Zu diesem Zweck, so schreibt Baecker, habe er versucht, sich nicht restlos der Faszination durch den jeweiligen Sachverhalt zu ergeben, sondern an einem "Formular" festzuhalten. Das klingt zunächst furchterregend, kann aber ein Instrument der Erkenntnis sein. Baecker: 'Ich habe ein Formular verwendet, dass darin bestand, zu jedem x-beliebigen Gegenstand fünf und nur fünf Fragen zu beantworten. Worin besteht das Medium, worin besteht das Netzwerk, worin besteht die Funktion, worin könnte der Knoten des jeweiligen Gegenstandes bestehen? [Und worin besteht die Form der Leitunterscheidung? - um die fünf Fragen vollständig zu nennen, Nachtrag 9. Februar 2008] Und zwar aus dem Grund, dass ich bei der Bearbeitung von Phänomenen, ob es die Frage der Elite ist, ob es die Frage der gewerkschaftlichen Rolle ist, mich immer wieder in der Uferlosigkeit des jeweiligen Gegenstands verlor, nicht genau wusste, was ich eigentlich wissen wollte, nicht genau wusste, was ich eigentlich fragen wollte, nicht genau wusste, wohin ich eigentlich gucken wollte, und indem ich mich an dieses Formular, an die vorgegeben Fragen hielt, sehr viel präziser gucken konnte. Mit anderen Worten, was mich verblüfft, zuweilen auch irritiert hat, ist, dass man erst dann genauer gucken konnte, wenn man sich an bereits bekannte, bereits erprobte Fragen hält, auf Deutsch gesagt, wenn man eine bestimmte Brille aufsetzt.'" Joachim Büthe, Auf Beobachterposten: Gedanken des Luhmann-Schülers Dirk Baecker, Deutschlandfunk, Büchermarkt, 7. Februar 2008